Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11.21
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c11.21
- Language
- German
c11.21
§ 38. Aufbewahrung der MSS. u. s. w. — A. MSS. — Die auf Bindfäden gezogenen Bhūrja- und Palmblätter erhielten, wie die Papier-MSS. der modernen Zeit, Deckplatten von Holz¹. Im Süden von Indien sind die Deckplatten gewöhnlich mit Löchern versehen, durch welche die meist langen Bindfäden hindurchgezogen werden. Diese werden dann um die Platten herumgewickelt und verschlungen oder verknotet. Dasselbe Verfahren war schon früh im Gebrauch² und wurde bei den alten Palmblatt-MSS. im westlichen und nördlichen Indien beobachtet. Um die so hergestellten MSS. (*pustaka*), wie auch um die Papier-MSS., werden gewöhnlich farbige, mitunter bunt gestickte Tücher geschlagen. In den Jaina-Bibliotheken stecken die Palmblatt-MSS. bisweilen in kleinen, oben zugeschnürten Säckchen aus weissem Baumwollenzeug und diese wieder in Blechschachteln. Zur Aufbewahrung der Sammlungen, die häufig catalogisirt sind und in Klöstern sowie an den Fürstenhöfen unter der Obhut eigener Bibliothekare stehen, dienen Holzkisten, seltener Holzgestelle. Nur in Kashmir, wo die MSS. jetzt nach muhammedanischem Brauche in Leder gebunden sind, stellt man dieselben wie unsere Bücher auf. Der alte indische Namen für eine Bibliothek, *bhāratībhaṇḍāgāra*, »Schatzhaus der Göttinn der Rede«, kommt in Jaina-Werken öfter vor, seltener das jetzt gebräuchliche Synonym, *sarasvatībhaṇḍāgāra*. Solche Bibliotheken fanden und finden sich noch jetzt in Tempeln³, Bursen (*vidyāmaṭha*), Klöstern⁴ (*maṭha*, *upāśraya*, *vihāra*, *saṅghārāma*) an den Höfen der Fürsten und in den Häusern vieler Privatleute. Die Puranen machen den Reichen Schenkungen von Büchern an Tempel u. s. w. zur heiligen Pflicht⁵. Noch mehr liegt diese Pflicht den Jaina- und Bauddha-Laien ob, welche dieselbe, wie die Praśasti der alten MSS. zeigen, willigst und freigebigst erfüllt haben. Eine berühmte fürstliche Bibliothek der späteren Zeit war z. B. die des Bhoja von Dhār (11. Jahrh.), welche Siddhāraja-Jayasiṁha um 1140 p. Chr. bei der Eroberung von Mālva nach Aṇhilvāḍ bringen liess⁶. Dort wird sie wohl der Hofbibliothek der Caulukya einverleibt sein, von welcher in Werken des 13. Jahrh. öfter die Rede ist. Aus dem *bhāratībhaṇḍāgāra* des Caulukya-königs Vīsaladeva oder Viśvamalla (1244—62) erhielt Vidyādhara, der Verfasser des ältesten Commentars zum Naiṣadhīya, der unpublicirten Praśasti zufolge, das MS. des Originals, und Yaśodhara, der Verfasser der Jayamaṅgalā, das MS. des Kāmasūtra⁷. Abschrift eines MS. aus derselben Bibliothek ist eine der Bonner Handschr. des Rāmāyaṇa⁸.
Linked texts (4)
- Naiṣadhīyacarita — Śrīharṣa, Sanskrit
- Kāmasūtra — Vātsyāyana Mallanāga, Sanskrit
- Vālmīkirāmāyaṇa — Vālmīki, Sanskrit
- Jayamaṅgalā — Śaṅkara, Sanskrit