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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s6.4

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s6.4

Language
German

c33.s6.4

Die chirurgischen Operationen zerfallen in acht Arten: Ausschneiden, Einschneiden (Aufschneiden), Scarificiren, Punktiren, Sondiren, Ausziehen, Ausdrücken, Nähen. Der Arzt muss dazu bereit halten: stumpfe und scharfe Instrumente, Ätzmittel und Feuer, spitze Instrumente (*śalākā*), ein Horn (zum Schröpfen), Blutegel, einen hohlen Flaschenkürbis (für Flüssigkeiten), Katheter, Baumwolle, Tuch, Faden, Blätter, Verbandzeug, Honig, zerlassene Butter, Fett, Milch, Öl, Erfrischungsmittel, abgekochte Arzneien, Salben, Teige, Fächer, kaltes und heisses Wasser, Pfannen; auch sollen ihm zuverlässige und kräftige Gehülfen zur Seite stehen. Die Operation soll unter einer glückverheissenden Constellation stattfinden, mit einer religiösen Ceremonie eingeleitet und von einem längeren Gebet des Arztes gefolgt werden. Der Kranke darf vorher nur wenig gegessen haben, setzt sich dem Arzt gegenüber und wird festgebunden. Bei Geschwüren oder Wunden (*vraṇa*) ist das Instrument mit Vermeidung von gefährlichen Stellen, Adern, Knochen u. dgl. einzuführen, bis Eiter zum Vorschein kommt, dann rasch zurückzuziehen, eventuell der Einschnitt zu wiederholen. Je nach dem Körperteil sollen die Schnitte schief, rund oder halbkreisförmig sein. Bei Dystocie, Bauchanschwellung, Hämorrhoiden, Mastdarmfistel, Mundkrankheiten darf der Patient vor der Operation nichts geniessen. Nach derselben soll der Arzt ihn mit kaltem Wasser erfrischen, die Wunde überall mit den Fingern auspressen, zusammendrücken, mit Arznei auswaschen, mit einem Tuch abwischen, hierauf eine mit einem dick aufgetragenen Teig von Sesamsamen, vermischt mit Honig und Butter, beschmierte, mit Arzneien getränkte Einlage machen, über die dann wieder ein Teig kommt, über diesen eine Compresse, worauf das Ganze mit einem Tuch festzubinden ist. Es folgen Räucherungen und Zaubersprüche. Nach drei Tagen ist der Verband zu erneuern. Der Heilungsprocess darf nicht übereilt werden, so lange noch Eiter vorhanden ist. Der Kranke muss Diät halten (Su. 1, 5). Nach S. 1, 38, A. 1, 29 soll man dem Kranken vor der Operation nach Wunsch zu essen und Branntwein zu trinken geben, damit er nicht ohnmächtig wird und im Rausch das Messer nicht fühlt.

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