Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s6.5
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s6.5
- Language
- German
c37.s6.5
§ 79. Wunden. — Die zweite Gattung von *vraṇa*, die durch äussere Ursachen oder plötzlich entsteht (*āgantu*, *sadyovraṇa*), umfasst Wunden jeder Art, einerlei ob sie von Menschen, Vieh, Vögeln, Schlangen, Insekten, von Sturz, Quetschung, Schlägen, Feuer, Ätzstoffen, Gift, scharfen Kräutern oder Verletzungen mit einer Waffe oder einem spitzigen Gegenstand herrühren (Su. 4, 1, 1). So gibt es 1. *chinna* Schnitt; 2. *bhinna* tiefer Riss; 3. *viddha* Stich; 4. *kṣata*, kein tiefer Schnitt oder Riss, aber einem Schnitt und Riss ähnlich, dem Körper gefährlich; 5. *picchita* Contusion, von Schlag oder Druck herrührend; 6. *ghṛṣṭa* Hautabschürfung. Bei *bhinna* kommt aus der Wunde nur wenig Blut heraus, dagegen erfolgt je nach den inneren Organen, die verletzt sind, Bluterguss aus der Harnröhre, dem After, dem Mund oder der Nase, verbunden mit Fieber, Hitze u. s. w. Bei Wunden im Allgemeinen gibt es 16 Complicationen: Rose, Hemiplegie, Starrkrampf, Mundsperre, Geistesverwirrung, Wahnsinn, Wundschmerzen, Fieber, Durst, Husten, Erbrechen u. a. (C. 4, 25; Su. 4, 2; S. 6, 31; A. 6, 26; M. 272—6; V. 616 ff.). Zur Stillung des Bluts und der Hitze soll der Arzt kalte Mittel anwenden, verbunden mit zerlassener Butter und Honig (Vr. 45, 2). Blutstillende Heilkräuter, die schon die vedische Medicin (Bloomfield, SBE. 42, 20 ff.) kennt, werden in grosser Zahl genannt, meist mit einem Zusatz von Butter oder Öl. Auch Brechmittel und Purgirmittel, Fasten, Diät und Blutentziehung werden empfohlen (A. 6, 26, 9). Bei 1—4 tritt starker Blutverlust und Schmerzen ein, man gebe dem Kranken Öl innerlich und äusserlich und als Klystier und mache warme Umschläge um die Wunde. Dagegen kommt bei 5 und 6 nur wenig Blut, wodurch Hitze und Eiter entsteht, daher sind hier kalte Salbungen und Begiessungen angebracht. Schnittwunden am Kopf oder an den Seiten sind zu nähen und fest zu verbinden, ebenso ein abgeschnittenes Ohr wieder anzusetzen, festzunähen und mit Öl zu benetzen. Wenn der Kehlkopf verletzt ist, so dass die Luft durchstreicht, füge man die Teile wieder zusammen, verbinde sie und nähe sie fest, besprenge sie mit Ziegenurin, lasse den Kranken gut verbunden auf dem Rücken liegen und in dieser Stellung essen. Ganz abgeschnittene Arme oder Beine sind mit heissem Öl zu behandeln, hierauf muss man sie mit dem *kośa*-Verband (§ 78) festbinden und die Wunde heilen (Su. 4, 2, 21 ff.; vgl. C. S. A. V. l. c.; Vṛ. 45; Bh. 2, 3, 121 ff.).
Cites (7)
- Aṣṭāṅgahṛdayasaṃhitā — Vāgbhaṭa, Sanskrit
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit
- Carakasaṃhitā — Agniveśa (Āyurveda) & Caraka, Sanskrit
- Śārṅgadharasaṃhitā — Śārṅgadhara (physician), Sanskrit
- Mādhavanidāna (Rugviniścaya) — Mādhavakara, Sanskrit
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit
- Siddhayoga (Vṛndasuni) — Vṛndasuni, Sanskrit