Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.2.2
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.2.2
- Language
- German
c4.s2.2.2
Sein letzter Grund dürfte darin liegen, dass die Anfänge der indischen Wissenschaft, wie die der Poesie, in eine Zeit zurückgehen, in der die Schrift unbekannt war und dass ein System der mündlichen Überlieferung, dessen Spuren sich schon im Ṛgveda finden, vor der Einführung der Schrift fest ausgebildet war. Zahlreiche Spuren des Gebrauches der Schrift oder Erwähnungen derselben sind deshalb in den Werken der Priester- und Gelehrten-Schulen nicht zu erwarten. Es liegt aber natürlich kein Grund vor anzunehmen, dass nicht trotzdem, selbst in der »vedischen« Zeit, MSS. wie jetzt als nebensächliche Hilfsmittel beim Unterricht und sonst gebraucht wurden. Man kann auch die unleugbare Thatsache, dass die *brāhmī lipi* von Phonetikern oder Grammatikern ausgebildet ist, als ein Argument für eine solche Vermutung anführen⁶. Alle diejenigen brahmanischen Werke dagegen, welche, wie die Epen, Puranen, Kāvya, Dramen u. s. w. das wirkliche Leben schildern, oder wie die metrischen Rechtsbücher nicht blos den *dharma*, das heilige Recht, sondern auch den *vyavahāra*, das bürgerliche und Strafrecht, ausführlich lehren, oder wie das Nāṭya-, Nīti- und Kāmaśāstra rein weltliche Gegenstände behandeln, enthalten zahlreiche Erwähnungen der Schrift und schriftlicher Documente aller Art, sowie Zeugnisse für das Vorkommen von MSS. litterarischer Werke.