Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.43
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.43
- Language
- German
c4.s2.43
Einen Beitrag zu der Vorgeschichte der ältesten Brāhmī liefert die Münze von Eran¹¹, deren Legende linksläufig ist. Dieselbe zeigt das alte *sa* mit dem geraden Seitenstriche, aber das spätere *ma* mit rundem Aufsatze und ein nach links gedrehtes *dha*. Sie stammt deshalb wahrscheinlich aus der Zeit, als die Brāhmī sowohl von rechts nach links, als auch umgekehrt geschrieben wurde. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass altertümliche Normen und Formen sich auf Münzen oft sehr lange erhalten, wird man Cunningham (op. cit. 101) beistimmen müssen, der die Münze für älter als die Periode der Maurya-Dynastie hält, und, wenn nicht ca. 400 a. Chr., so doch die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts, als die Zeit ihrer Prägung anzusetzen haben. Der Maurya-Periode liegt die Zeit der Boustrophedon-Schrift wahrscheinlich etwas voraus, da die Edicte nur in dem scheinbar umgedrehten *O* von Jaugada und Dhauli und dem sporadisch vorkommenden *dha* von Jaugada und Delhi-Sivalik schwache Spuren der einstigen Richtung nach links aufweisen. Hier sind auch die beiden Siegel aus Patna zu erwähnen, die beide älter als die Zeit der Maurya sein werden, C.ASR, 15, Pl. 3, 1—2. Das erste mit der Inschrift *Nadaya* für *Naṃdāya* »(Siegel) der Nandā« zeigt *da*, und das zweite mit der Inschrift *Agapalasa* für *Aṁgapâlassa* »(S.) des Aṅgapāla«, zeigt *A* in der Stellung der linksläufigen Schrift. Bedeutend wichtigere Aufschlüsse über die Vorgeschichte der Brāhmī liefert das schon erwähnte Drāviḍa-Alphabet der Reliquiengefässe von Bhaṭṭiprolu¹³. Dasselbe enthält neben vielen Buchstaben, die mit den südlichen Typen der A. Ed. stimmen, 1) drei Zeichen *dh*, *d* und *bh* in der ursprünglichen Stellung der linksläufigen Schrift, 2) drei Zeichen, *c*, *j* und *ṣ*, die älter als die entsprechenden der A. Ed. und der Münze von Eran sind, und 3) zwei Zeichen, *l* und *ḷ*, die von den gewöhnlichen Buchstaben unabhängig und aus einer älteren Vorlage abgeleitet sind. Endlich 4) hat es eines der alten Grundzeichen, *gha* ausgeworfen und durch eine Neubildung aus *ga* ersetzt. Die Gründe für die Behauptungen unter 2—3 sind in dem nächsten Paragraphen genauer angegeben. Sind die Behauptungen selbst aber richtig, so ist die Folgerung unabweislich, dass (was immer das Alter der Inschriften sein mag) das Drāviḍa-Alphabet sich lange vor der Zeit der Prägung der Eran-Münze, also spätestens im 5. Jahrh. a. Chr vom Hauptstamme der *brāhmī lipi* abgetrennt haben muss.