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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.44

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s2.44

Language
German

c4.s2.44

Hiemit kommen wir in die Periode, für welche der ceilonesische Kanon der Buddhisten den allgemeinen Gebrauch der Schrift in Indien bezeugt, ohne jedoch den Namen des verwendeten Alphabetes zu nennen. Es liegt deshalb nahe, zu vermuten, dass die den alten Buddhisten bekannte Schrift eine Form der Brāhmī gewesen sei, und für diese Ansicht sprechen noch einige andere Thatsachen. Zunächst hat es sich jetzt herausgestellt, dass die Brāhmī auch in der ältesten Zeit selbst im Nordwesten von Indien allgemein gebraucht wurde und dass sie von jeher in der That die eigentliche nationale Schrift aller Inder war¹⁴. In den Ruinen von Taxila, jetzt Shah-Deri im Panjab sind Münzen gefunden, welche nach dem alten indischen Münzfusse geprägt sind, und von denen einige die ältesten Formen der Kharoṣṭhī, die Mehrzahl aber die ältesten Typen der Brāhmī (teils allein, teils in Verbindung mit Kharoṣṭhī) zeigen¹⁵. Dieselben sind deshalb keinesfalls jünger als das 3. Jahrh. a. Chr. Vielleicht stammen sie sogar, wie Cunningham meint, aus bedeutend älterer Zeit, ca. 400 a. Chr. Eine Anzahl derselben ist sicher von *negamā* oder Gilden der *Dojaka* oder *Dujaka*, der *Tālimata* und der *Atakatakā* (?) geprägt, während eine mit der Inschrift *Vaṭasvaka* wahrscheinlich von der nach dem *vaṭa*, Ficus religiosa, benannten Unterabteilung des Stammes der *Aśvaka* (*Assakenoi*) herrührt. Diese Funde beweisen, dass die Brāhmī wenigstens schon im 3. Jahrh. a. Chr. im Panjab neben der Kharoṣṭhī im volkstümlichen Gebrauche war. Für eine noch frühere Zeit wird dasselbe Verhältnis der beiden Alphabete erwiesen durch Rapson's Entdeckung von persischen *Sigloi*, welche teils Buchstaben der Kharoṣṭhī, teils der Brāhmī tragen¹⁶. Diese Münzen sind wahrscheinlich noch zur Zeit der Achämeniden-Herrschaft über das Panjab, also vor 331 a. Chr., im Umlauf gewesen.