Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s1.41
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s1.41
- Language
- German
c8.s1.41
Was der Schrift ihr eigentümliches Gepräge giebt, ist der consequente Gebrauch von Winkelaufsätzen auf den einfachen, nicht mit Vokalen verbundenen Mātṛkā, die in C. VI denen des modernen Telugu, in C. VII—VIII eher denen des modernen Kanaresischen gleichen. Die Winkelaufsätze dürften cursive Repräsentanten der »Keilköpfe« sein, die sich für die Griffelschrift schlecht eigneten. Sie finden sich mehr oder weniger consequent in einzelnen Inschriften vom 6. Jahrh. an und sind z. B. in Guhasena's Inschrift von 559/60 (T. VII, C. IV) in Ravikīrti's Praśasti von Aihole¹⁸ zum Teil neben Keilaufsätzen deutlich. Unter den Veränderungen der einzelnen Zeichen sind die wichtigsten: 1) die Öffnung der Köpfe von *E*, T. VIII, 8, VI, VIII; *ca*, 16, VI—IX; *bha*, 33, VI—IX (das durch den Verschluss des unteren Teiles in C. IX dem *ba* gleich wird), und des *va*, 38, VII—IX, sowie der Schleife des *ma*, 34, VI, VIII und der rechten Schleife von *cha*, 17, VI—IX (vgl. C. V); 2) die cursive Verschleifung des *A*—*Ā*, 1—2, VII—IX, des *I* und *Ī*, 3—4, VI—IX (wofür 3, II und 4, III, V die Vorstufen zeigen), des *śa*, 39, VII—IX, dessen mittlere Barre mit der gekrümmten rechten Seite verbunden wird; 3) die Verwandlung der Schleifen des *ka*, 11, VI—IX, und des *ra*, 36, VI—IX, in verkleinerte Kreise; 4) die cursive Abschleifung der unteren Ecken in *ṇa*, 24, VI—IX, *na*, 29, VI—IX, und *sa*, 41, VI—IX; 4) die Entwicklung neuer Schleifen oder Ringelchen rechts an der Spitze von *R*, 7, IX, *ṅa*, 15, VIII—IX und *ja*, 18, VI—IX (vgl. C. V); 5) der ausschliessliche Gebrauch des rechts nach oben gebogenen mittleren *u* (vgl. z. B. *pu*, 30, IX), welches in der älteren Zeit auf *gu*, *tu*, *bhu* und *śu* beschränkt ist, später aber auch bei *su*, T. VIII, 41, II—III vorkommt, und die Stellung des Anusvāra auf die Linie z. B. in *raṃ*, 36, VIII, die schwerlich ein Überbleibsel aus alter Zeit, sondern eine Neuerung ist, um die Linien gleichförmiger zu machen¹⁹.