Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s1.42
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s1.42
- Language
- German
c8.s1.42
§ 30. Der jüngere Kaliṅga-Typus. — Diese Schrift ist bis jetzt nur auf den Kupferplatten der Gaṅga-Könige von Kaliṅganagara gefunden, das in vorchristlicher Zeit die Residenz des Ceta-Königs Khāravela (§ 18) war und dem heutigen Kalingapatanam in Ganjam entspricht. Dieselben laufen vom Jahre 87 der Gāṅgeya-Ära an, deren Anfang nicht genau bekannt ist. Es ist jedoch nach FLEET wahrscheinlich, dass die ältesten Inschriften dem 7. Jahrh. angehören¹. Die Zeichen dieser letzteren, sowie der nächstfolgenden bis zum Jahre 183 der Gāṅga-Ära gleichen teils denen des centralindischen Typus (§ 28 B), teils denen des westlichen mit dem mittleren *au* der Ajanta-Inschriften (§ 28 A) und zeigen nur wenige Eigentümlichkeiten, die bald durch nördlichen, bald durch südlichen Einfluss verursacht zu sein scheinen. Eine Probe des dem westlichen Typus sehr ähnlichen Kaliṅga-Alphabetes giebt T. VII, C. XIX aus der Cicacole Kupferplatte vom Gāṅga-J. 148, wo nur das dem Grantha ähnliche *Ā* (2, XIX; vgl. XXIV) und die am Ende stark nach innen gekrümmten linken Striche von *ga* (10, XIX) und *śa* (36, XIX) den Valabhī-Buchstaben gegenüber auffällig sind. Der centralindischen Schrift ähnlicher ist die der Acyutapuram Kupfertafeln² vom G.-J. 87, welche eckige Buchstaben und »ausgefüllte Kastenköpfe« aufweist. Doch findet sich hier ein *na* wie das der modernen Nāgarī. Mit den Acyutapuram-Kupferplatten stimmen im allgemeinen die Cicacole-Kupferplatten vom G.-J. 128³. Sie haben aber das gewöhnliche verschleifte *na* des westlichen Typus und daneben das verschleifte *ta* der ersten Stufe des Grantha (vgl. 22, XX—XXIV). Die Charactere der Cicacole-Kupferplatte vom G.-J. 183 endlich⁴ kommen den centralindischen von C. X nahe, haben aber wieder das Nāgarī-ähnliche *na* und ihr mittleres *ā* steht meist über der Linie wie mitunter in dem Grantha des 7.—8. Jahrh. (vgl. C. XXIII). In den Documenten des 3. und 4. Jahrh. der Gāṅga-Ära, sowie in einer noch spätern undatirten Inschrift werden die Mischungen der Charactere sehr viel stärker und es kommen häufig sehr verschiedene Zeichen für denselben Buchstaben vor. In T. VIII, C. X (aus den Cicacole-Kupferplatten vom G.-J. 51, d. h. 251⁵), in C. XI (aus den Vizagapatam-Kupferplatten vom G.-J. 254), und in C. XII (aus den Alamanda-Kupferplatten vom G.-J. 304) kommen specifisch nördliche Formen vor in *A*—*Ā* (1—2, X—XII), *I* (3, XI), *U* (5, X), *ka* (44, XI—XII), *kha* (12, XI), *ṅga* (15, X), *ṅka* (15, XII), *ja* (18, XII), *ña* (in *jña* 19, X), *da* (22, XII), *ṇa* (24, XI—XII), *dha* (28 u. 45, XI), *na* (48, X) und *pra* (47, XII). Die übrigen Buchstaben sind südlichen Ursprungs, gehören aber der mittleren Stufe teils des Kāṇara- und Telugu-Typus und teils des Grantha-Typus an oder sind Specialentwicklungen. Dazwischen erscheinen auch in *E* (8, X) und *cha* (17, XI—XII) zwei sehr altertümliche Zeichen. Wie stark die Variationen in den Zeichen für einen und denselben Buchstaben sind, zeigt am besten das *ja* von 18 u. 46—47, X. Es ist zu bemerken, dass es der Raum in T. VIII nicht erlaubte, alle in den drei Inschriften vorkommenden Varianten für jeden Buchstaben aufzunehmen.