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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s1: § 27. Definition und Typen

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c8.s1

Language
German

§ 27. Definition und Typen

c8.s1.1

Unter der Bezeichnung »die südlichen Alphabete« fasse ich mit Burnell und Fleet die Schriftarten der Taf. VII—VIII¹ zusammen, die, aus den Typen der Andhraperiode entwickelt, von ca. 350 p. Chr. in dem Gebiete südlich vom Vindhya, sowie in Gujarat und Kathiawar, kürzere oder längere Zeit geherrscht haben und zum Teil noch in den heutigen Alphabeten der dravidischen Districte fortleben.

c8.s1.2

Ihre wesentlichsten gemeinsamen Merkmale sind: 1) die Bewahrung der oben offenen Formen von *gha*, *pa*, *pha*, *śa* und *sa*, des alten *ma*, des dreiteiligen *ya*, das nur mitunter, besonders im Grantha, verschleift wird, 2) die Bewahrung des langen Striches rechts in *la*, der aber meist stark nach links gekrümmt wird, 3) die Rundform in *da*, 4) die ursprünglich oben offenen Curven an den Enden der mit langen Verticalstrichen endigenden Mātṛkā, *A*, *Ā*, *ka*, *ña* und *ra*, sowie des suffigirten *ra* und des mittleren *u* und *ū*, 5) das, ausser mitunter in *kṛ*, stets nach links gekrümmte mittlere *r*.

c8.s1.3

Nach anderen Eigentümlichkeiten zerfallen die südlichen Alphabete in folgende Typen²: 1) den von den nördlichen Alphabeten stark beeinflussten westlichen Typus, der vom 5.—9. Jahrh. in Kathiawar, Gujarat, dem westlichen Marathenlande, d. h. den Collectoraten von Nasik, Khandesh und Satara, dem an Khandesh angrenzenden Teile von Haiderabad (Ajanta), sowie im Konkan vorherrscht, im 5. Jahrh. auch sporadisch nach Rajputana und dem nördlichen Teile der Indian Central Agency übergreift, im 9. Jahrh. aber in Folge des Vordringens der Nāgarī verschwindet (vgl. § 21); 2) den centralindischen Typus, der sich in seiner einfachsten Form vom westlichen wenig unterscheidet, in seiner streng stilisirten Form, dem sogenannten »Kastenkopf-Alphabete« (*boxheaded*) stärker abweicht, und der vom Ende des 4. Jahrh. besonders im nördlichen Haiderabad, den Central Provinces und Teilen der Central Indian Agency (Bundelkhand), aber auch sporadisch weiter südlich in der Bombay-Präsidentschaft und in Maisur auftritt; 3) die Schrift der kanaresischen und Telugu-Distrikte des Dekhan, d. h. des Südens der Präsidentschaft von Bombay (Southern Maratha States, Sholapur, Kaladgi, Belgam, Dharwar und Karwar), des südlichen Haiderabad (etwa von Bidar an), des Staates von Maisur und des nordöstlichen Teiles der Präsidentschaft von Madras (Vizagapatam, Godāvari, Kistna, Karnul, Bellary, Anantpur, Cuddapah, Nellore), welche zuerst in den Kadamba-Inschriften des 5. u. 6. Jahrh. erscheint und nach einer langen Entwicklung zu der zeitweise, ganz und noch jetzt beinahe, identischen kanaresischen und Telugu-Rundschrift führt; 4) den jüngeren Kaliṅga-Typus der Nordostküste der Präsidentschaft von Madras zwischen Cicacole und der Grenze von Orissa (Ganjam), der eine starke Mischung mit nördlichen Zeichen und später auch mit Grantha und Kāṇara-Telugu zeigt und sich vom 7.—12. Jahrh. findet; 5) den Grantha-Typus der Tamildistrikte der Ostküste von Madras, südlich von Pulikat (North und South Arcot, Salem, Trichinopoli, Madura und Tinevelli), welcher zuerst in den alten Sanskritinschriften der Pallava auftritt und im modernen Grantha, sowie dessen Abarten, dem Malayāḷam und Tuḷu, fortlebt.

c8.s1.4

Das Tamil-Alphabet derselben Gegend und der Westküste (Malabar) geht wahrscheinlich auf ein im 4. oder 5. Jahrh. importirtes nördliches Alphabet zurück, das aber stark durch das Grantha beeinflusst ist. Eine cursive Abart des Tamil-Alphabetes ist das Vaṭṭeluttu (»die Rundschrift«, Burnell) oder Cera-Pāṇḍya (Hultzsch)³, das in älteren Inschriften der Westküste und im äussersten Süden der Halbinsel vorkommt und nach Burnell erst in der neuesten Zeit ausser Gebrauch gekommen ist⁴. Obschon diese beiden Alphabete einen andern Ursprung als die erstgenannten fünf haben, so sind sie wegen ihrer geographischen Verbreitung doch in diesen Abschnitt eingefügt.

c8.s1.5

§ 28. Der westliche und der centralindische Typus. — A. Der westliche Typus findet sich in Inschriften der älteren Gupta und ihrer Zeitgenossen seit Candragupta II.¹, der Könige von Valabhī², der Gurjara von Broach³, der Calukya von Badami (Pulikeśi II. u. Vijayabhaṭṭārikā), von Nasik und Gujarat und ihrer Vasallen⁴, der Traikūṭaka⁵, der Aśmaka (?) von Khandesh⁶, der Rāṣṭrakūṭa von Gujarat⁷, sowie in zahlreichen Votivinschriften in den Höhlen von Kaṇheri, Nasik und Ajaṇtā⁸. Die Charactere dieser Schrift wurden im gewöhnlichen Leben ohne Zweifel stets, wie die der nördlichen Alphabete (§ 21), mit Tinte geschrieben. Hiefür zeugt der Gebrauch der Keilaufsätze in den Formen der Guptaperiode (T. VII, C. I—III) und der meist dicken, etwas weniger genau gemachten Köpfe der Zeichen in den Valabhī-, Gurjara- und Rāṣṭrakūṭa-Inschriften (T. VII, C. IV—IX u. T. VIII, C. I), die nur mit Tinte gemacht werden können, sowie die Thatsache, dass alle Kupfertafeln aus Gujarat nach dem Formate der Bhūrjablätter zugeschnitten sind (BURNELL), auf denen ein Einritzen mit dem Griffel nicht möglich ist.

c8.s1.6

Neben derselben wurde auch zu allen Zeiten die nördliche Schrift verwendet, wie die Funde von ganz oder beinahe gleichzeitigen Inschriften mit nördlichen Typen in Rajputana, der Central Indian Agency⁹ und Valabhī, sowie die Nāgarī-Unterschriften der Gurjara-Könige¹⁰ beweisen. Dieser Umstand ist wahrscheinlich der Grund für ihre Beeinflussung durch die nördliche Schrift, welche sich in folgenden Punkten zeigt: 1) in dem *kha* mit grosser Schleife und kleinem Haken (T. VII, 9, I—IX; VIII, 12, I), neben dem nur selten die echte südliche Form erscheint¹¹; 2) in dem rundlichen *ca*, VII, 13, I—IX; VIII, 16, I; 3) in dem alten nicht verschleiften *ta*, VII, 22, I—IX, VIII, 25, I; 4) in dem schmalen *dha* (VII, 25, I—IX; VIII, 28, I; vgl. IV, 25, I—III); 5) in dem verschleiften *na* (VII, 26, I—IX; VIII, 29, I), das genauer mit den nördlichen Formen von T. IV, 26 als mit den südlichen von VII, 26, XIII (vgl. § 29 A) stimmt; 6) in der oft über der Linie stehenden Mātrā des mittleren *e* (z. B. VII, 26, V), *ai* (z. B. T. VII, 10, IV) und *o* (z. B. VIII, 35, I), welches letztere aber in *lo* (VII, 34, III—IV) stets eine eigentümliche verschleifte Form hat; 7) in dem mittleren *au* mit drei Strichen über der Linie (VII, 25, V; 36, III; vgl. IV, 7, IV); 8) in dem suffigirten *ña*, das mitunter, wie in VII, 42, VII, die nördliche Cursivform zeigt. Die in den Tafeln nicht vertretenen Inschriften des CII, 3, Nr. 17 u. 62 zeigen ausserdem nördliches *A* und *ka* ohne Curve am Fusse, welches letztere auch hie und da in Valabhī-Inschriften, z. B. in T. VII, 8, V, vorkommt.

c8.s1.7

Abgesehen von diesen nördlichen Eigentümlichkeiten, die sich zu allen Zeiten ziemlich gleich bleiben, kann man in diesem Typus drei Stufen unterscheiden, die des 5. Jahrh. in T. VII, C. I—III, die des 6.—7. Jahrh. in C. IV—VI u. VIII, die des 8.—9. Jahrh. in C. IX und T. VIII, C. I, von denen die letzte sehr stark cursiv ist. Von den einzelnen Zeichen verdienen folgende eine specielle Erwähnung: 1) *I* (VII, 3, IV ff.; VIII, 3, I), das, wie in fast allen südlichen Alphabeten, eine geschwungene Linie mit zwei Punkten darunter zeigt und aus einer Form wie in IV, 3, IX entwickelt ist; 2) *Ī* (VII, 3, I; VIII, 4, I), das, wie das *Ī* des Bower MS. (VI, 3, I), durch Verbindung zweier Punkte zu einer Linie entstanden ist, aber am Ende die für die südliche Schrift characteristische Curve hat; 3) *E*, das meist, wie in VII, 6, I (vgl. AI, 6, VII), die aus dem oben spitzen Dreieck entstandene nach links verbreiterte Form hat, vom Ende des 6. Jahrh. an aber mitunter in Inschriften aus Gujarat und Kathiawar oben geöffnet wird, VII, 6, VI; VIII, 8, I; 4) *ḍa*, das in seiner ältesten Form (VII, 19, II), wie auch sonst im Süden, vom *da* nicht zu unterscheiden ist, vom 6. Jahrh. an aber einen Schweif (VII, 19, IV—IX) oder im 8.—9. Jahrh. eine Schlinge am Ende erhält, VII, 43, VII; VIII, 22, I; 5) *tha* mit einem aus dem Punkte in der Mitte entwickelten Ringelchen auf der Grundlinie, T. VII, 23, III, IV, VI (statt des Querstriches, VII, 23, I—II), für welches vom Ende des 6. Jahrh. an cursiv die auch sonst im Süden gewöhnliche Einkerbung der Basis (VII, 23, VII—IX; VIII, 26, I) eintritt¹²; 6) *la* mit dem verkümmerten Hauptteile und abnorm entwickelten, nach links gezogenen Striche rechts (VII, 34, VI, VIII), das vom 7. Jahrh. an oft die nur aus dem Schweife bestehende Form in VII, 34, VII, IX zeigt; 7) *śa*, welches in Gurjara-Inschriften (VIII, 39, I) und der Calukya-Inschrift aus Nasik¹³ stets, in Valabhī-Inschriften mitunter¹⁴ eine cursive Verbindung des Querstriches mit der rechten Seite aufweist, die auch in nördlichen Inschriften vorkommt¹⁵; 8) *sa*, das mitunter (VII, 38, V) eine auch in andern südlichen Typen (vgl. VIII, 41, XI) vorkommende cursive Verbindung des linken Seitengliedes mit dem Deckstrich zeigt (vgl. auch *na* in IV, 26, XXIII); 9) die Cursivformen in Ligaturen a) das präfigirte *ṅa*, das mitunter seinen Haken rechts verliert und dann wie *ya* aussieht (vgl. V, 19, V, VII), b) das präfigirte *na*, das besonders vor *ta*, *tha*, *dha* und *na* (z. B. in dem *nta* von *anumantavyaḥ*, VII, 42, V) aus einem Striche besteht und wie das gewöhnliche *ta* aussieht¹⁶, c) das suffigirte *ka*, das mitunter z. B. in *ṣka* (VII, 46, VIII) links verschleift wird (vgl. IA, 11, 305), d) das suffigirte *ca*, das in *ñca* (VII, 41, VIII—IX) vom 6. Jahrh. an oft rechts offen bleibt und das zu *ña* gehörige Häkchen an der Basis trägt, e) das suffigirte *ṇa*, das schon früh mitunter, wie in *rṇṇa*, VII, 41, IV, nur durch eine Schlinge angedeutet wird, f) das suffigirte *tha*, das, wie auch in andern südlichen Typen (vgl. VII, 45, XX), oft in eine rechts offene Doppelcurve (VII, 45, IV; VIII, 49, I) verwandelt wird.

c8.s1.8

B. Der centralindische Typus findet sich besonders gut ausgeprägt in einer Inschrift Samudragupta's aus Ēraṇ und einer Candragupta's II. aus Udayagiri¹⁷, den Kupfertafeln der Könige von Śarabhapura¹⁸, den Inschriften der Vākāṭaka¹⁹, der des Tīvara von Kosala²⁰ und in zwei frühen Kadamba-Inschriften²¹. In allen diesen Inschriften erscheinen an den Köpfen der Buchstaben kleine Vierecke, die teils im Innern hohl (T. VII, C. XI), teils ausgefüllt (T. VII, C. X) sind. Diese Vierecke, denen die Schrift wegen ihrer Ähnlichkeit mit Kästchen den häufig gebrauchten Namen »*boxheaded*« (kastenköpfig) verdankt, sind, ähnlich wie die Keilaufsätze, künstlich aus den Begrenzungsstrichen oder Serifs entwickelt. Die ausgefüllten sind wahrscheinlich von Schreibern erfunden, die mit Tinte schrieben, die hohlen dagegen Erfindungen von Leuten, die mit dem Griffel schrieben und deshalb die ausgefüllten Vierecke nicht machen konnten, ohne das Palmblatt zu zerreissen. Beide Arten von »Kastenköpfen« erscheinen sporadisch, oder auch beinahe consequent, in andern Gegenden und in Verbindung mit andern Typen, wie in der Valabhī-Inschrift in T. VII, C. V, in der archaischen Kadamba-Inschrift in T. VII, C. XII, in der Pallava-Inschrift in T. VII, C. XX, ja sogar in den Inschriften Nr. 21—21a aus Campā in Hinterindien²². Was aber den central-indischen Inschriften dieser Art ein eigentümliches Gepräge verleiht, ist die mehr oder weniger consequent durchgeführte Stilisirung aller Buchstaben durch Verwandlung der Curven in eckige Linien. Am vollständigsten ist dies in CII, 3, Nr. 3, 40—41, 56, 81 und EI, 3, 260 gelungen, von denen die drittletzte in C. XI von T. VII vertreten ist, während C. X die weniger streng stilisirte Schrift von FLEET'S Nr. 55 bietet. Beide Inschriften sind in demselben Jahre und in der Kanzlei des Vākāṭaka-Königs Pravarasena II. verfasst.

c8.s1.9

¹⁷ CII, 1, Nr. 2--3.

c8.s1.10

¹⁸ Op. cit. Nr. 40--41.

c8.s1.11

¹⁹ Op. cit. 53—56; IA, 12, 239; B.ASRWI, 4, Pl. 56, Nr. 4; Pl. 57, Nr. 3; EI, 3, 260, deren Daten nach BHAGVANLAL und mir von der Mitte des 5. Jahrh., nach FLEET vom 7. Jahrh. an laufen.

c8.s1.12

²⁰ CII, 3, Nr. St, nach FLEET 8. oder 9. Jahrh., nach KIELHORN, IA, 18, 179, nicht älter als 700 p. Chr.

c8.s1.13

²¹ Vgl. FLEET, IA, 21, 93; hieher gehört auch, nach RICE'S mir geschenktem Abklatsche, die Tālgund- (Sthānakundūra) Praśasti des Kubja aus der Regz. Śāntivarman's.

c8.s1.14

²² BERGAIGNE-BARTH, Inscr. Sanskr. du Campā et du Cambodge, 2, 23. Die Campa-Inschr. zeigt nördliches *ka* und *ra* ohne Curven.

c8.s1.15

Abgesehen von kleinen Modificationen, die durch die Stilisirung bedingt sind, finden sich die im westlichen Typus vorkommenden Spuren des nördlichen Einflusses auch hier, bei *ta*, *dha*, *na* und der Mātrā in mittlerem *e*, *ai* und *o*, die in FLEET'S Nr. 81 (nicht in der Tafel) sogar die geschweifte nördliche Form des 7.—8. Jahrh. zeigt. In Ligaturen (z. B. *nta*, 43, X) kommt jedoch für *na* die unverschleifte und für *ta* die verschleifte Form öfter vor. Ebenso wird alleinstehendes *ta* zwei Mal in dem Worte °*snātānāṁ* (Nr. 55, Z. 7 u. Nr. 56, Z. 6) verschleift²³. Für mittleres *au* haben FLEET'S Nr. 2, 3, 40 u. 81 die dreiteilige westliche und nördliche Form, die Vākāṭaka-Inschriften dagegen (z. B. in *dau*, 24, X) die zweiteilige südliche. Auch *kha* und *ca* stimmen stets mit den südlichen Typen, bei denen der Haken von *kha* stark, die Basis schwach entwickelt ist und *ca* aus einem Oblong mit Vertikal besteht. Dagegen kommt in FLEET'S Nr. 2 in °*sulkā* (Z. 17) einmal das nördliche *ka* vor.

c8.s1.16

²³ FLEET und KIELHORN nehmen an, dass in diesen Fällen Verschreibungen vorliegen. [^1] S. auch Facs. Śālaṅkāyana, B.ESIP^2, Pl. 24; IA, 5, 177; — Kadamba, IA, 6, 23 ff.; 7, 38 ff.; J.BBRAS, 12, 300; westl. Calukya, IA, 6, 72, 75; 8, 44, 237; 9, 100; 10, 58; 19, 18; östl. Calukya, B.EISP, Pl. 27. — [^2] B.EISP, 16, Pl. 1; IA, 5, 176. — [^3] Fleet, IA, 20, 94. — [^4] Academy 1895, 229. — [^5] S. Fleet's Daten der Calukya, EI, 3, Taf. z. p. 2 u. IA, 20, 95 ff. — [^6] B.ESIP, Pl. 1. — [^7] Vgl. die Facs. zu IA, 6, 72 und B.ESIP, Pl. 27, und Taf. VII, C. XIV und XVII. — [^8] IA, 6, 72. — [^9] IA, 8, 44. — [^10] IA, 8, 237. — [^11] Vgl. d. Facs. IA, 6, 86, 88; 7, 300; J.BBRAS, 16, 223 ff. — [^12] Vgl. d. Facs. IA, 10, 61 ff., 104, 166, 170; 11, 126; 20, 70; Ep. Carn. 1, 80, 87, 92. — [^13] Vgl. Facs. IA, 14, 200. — [^14] Vgl. die Facs. IA, 12, 92; 13, 214, 248; EI, 3, 194. — [^15] EI, 3, 162. — [^16] Burgess & Fleet, Anc. Pali, Sanskr. & Kanarese Inscr. Nr. 214 und 271; vgl. IA, 6, 102. — [^17] Vgl. auch d. Facs. IA, 9, 74; 14, 50; EI, 3, 26, 88, 194, 228; Ep. Carn. 116, 121; B.ASWI, Nr. 10, 100 und J.RAS, 18, 91, 135 (das Original von PRINSEP'S Kistna-Alph., das in einigen Zeichen wie *A*, *ka*, *ra*, *la* rückläufig ist). — [^18] IA, 8, 237. — [^19] Vgl. für diesen Paragr. B.ESIP, 15 ff.

c8.s1.17

Von den zahlreichen Varianten der Inschriften mit diesem Typus, die zum Teil durch die geringere oder consequentere Durchführung der Stilisirung verursacht sind, weist die Tafel solche bei *Ā*, *ja*, *tha*, *ba* und *la* auf. Andere haben FLEET und KIELHORN in ihren Ausgaben der Inschriften im CII und in der EI aufgeführt. Zu FLEET'S Bemerkungen ist nachzutragen, dass in Nr. 40—41 u. 81 eine eckige Form des in der mittleren Stufe des Kāṇara-Telugu-Typus gebräuchlichen *ma* (§ 29, B, 6) vorkommt.

c8.s1.18

¹ Vgl. Facs. von CII, 3, Nr. 5, 14, 62, u. FLEET'S Bem.

c8.s1.19

² Vgl. Facs. zu CII, 3, Nr. 38—39; IA, 1, 17; 5, 204 ff.; 6, 14 ff.; 7, 66 ff.; 8, 302; 9, 238; 14, 328; JBBRAS, 11, 363; EI, 3, 320.

c8.s1.20

³ J.RAS, N.S, 1, 247; IA, 13, 78 [7, 62; 13, 110; 17, 200 bestritten]; EI, 2, 19 ff.

c8.s1.21

⁴ EI, 3, 52; IA, 7, 164; 8, 46; 9, 124; JBBRAS, 16, 1; Verhandl. VII. Int. Or. Congr. Ar. Sect., 238; IA, 19, 310.

c8.s1.22

⁵ BASRWI, Nr. 10, 58.

c8.s1.23

⁶ IA, 16, 98.

c8.s1.24

⁷ IA, 12, 158; JBBRAS, 16, 105; EI, 3, 56.

c8.s1.25

⁸ B.ASRWI, 4, Pl. 55, 9, Pl. 58, 5 u. 9, Pl. 59, Pl. 60; 5, Pl. 51, 6—9.

c8.s1.26

⁹ Vgl. Facs. CII, 3, Nr. 6, 17, 61.

c8.s1.27

¹⁰ Vgl. § 21 Ende.

c8.s1.28

¹¹ Vgl. *likhitam* in Facs. IA, 7, 72.

c8.s1.29

¹² Übergangsformen kommen in den Calukya-Inschr. vor.

c8.s1.30

¹³ Vgl. Facs. IA, 9, 124.

c8.s1.31

¹⁴ Vgl. Facs. zu IA, 6, 10 (14, 238).

c8.s1.32

¹⁵ J.ASB, 64, 1, Pl. 9, Nr. 2.

c8.s1.33

¹⁶ Vgl. auch m. Bem. IA, 5, 110 und unten § 28 B.

c8.s1.34

§ 29. Der Kāṇara- und Telugu-Typus. — A. Die archaische Stufe. — Die älteste oder archaische Stufe dieser Schrift findet sich a) im Westen in den Inschriften der Kadamba von Vaijayantī (Banavāsi), T. VII, C. XII—XIII, sowie der älteren Calukya, Maṅgala, T. VII, C. XIV, Pulikeśi II. und Vikramāditya I. (mitunter) von Vātāpi oder Badāmi, b) im Osten auf den Śālaṅkāyana-Kupferplatten und auf denen der ersten beiden Calukya von Veṅgī, Viṣṇuvardhana I. und Jayasiṁha I., T. VII, C. XVII¹. Das Alter der frühesten östlichen Inschrift dieser Periode, die früher in das 4. Jahrh. gesetzt wurde², ist unsicher³. Die Kadamba-Inschriften werden teils dem 5., teils dem 6. Jahrh. angehören, da der Urheber der ältesten, Kākusthavarman, mit einem der alten Guptakönige, vielleicht Samudragupta, in Verbindung stand⁴, und seine Nachfolger wahrscheinlich sämtlich vor der Vernichtung des Kadambareiches durch Kīrtivarman I. (567—597 p. Chr.) regierten. Die einschlägigen Calukya-Inschriften liegen zwischen 578 bis ca. 660⁵.

c8.s1.35

Während dieser Periode giebt es nur sehr geringe Unterschiede zwischen der Schrift im Osten und Westen. Das Alphabet der Śālaṅkāyana-Inschrift⁶ stimmt sehr genau mit dem von T. VII, C. XIII und im 7. Jahrh. gleichen sich die Buchstaben der Calukya-Inschriften aus Vātāpi und Veṅgī fast vollständig⁷. Die Verschiedenheit aber der Alphabete in C. XII und XIII, die beide aus nur fünf Jahre auseinander liegenden Kupferplatten des Mṛgeśa entnommen sind, wird sich dadurch erklären, dass die Buchstaben in C. XIII, mit denen fast alle Kadamba-Inschriften stimmen, Tintenschrift und die von C. XII Griffelschrift nachahmen. Hierauf deuten besonders die »ausgefüllten Kasten« und Keile an den Köpfen der Buchstaben in C. XIII, vgl. § 28 B.

c8.s1.36

In den älteren Documenten der Periode bleiben die Zeichen denen der Andhra-Inschriften des 2. Jahrh. (*Cave-characters*) der Taf. III sehr ähnlich. Die Ansätze zur Entwicklung von Rundformen sind in der Śālaṅkāyana-Inschrift und denen der Kadamba Kākustha-, Śānti-, Mṛgeśa- und Ravivarman schwach und nicht constant. So bietet C. XII zwar ein ziemlich fortgeschrittenes *A* und *ra*, daneben aber ein älteres *Ā* und das Facs. hat auch manche sogar eckige *ra* mit wenig heraufgezogenen Enden. In den Inschriften des letzten Kadamba Harivarman und in denen der Calukya zwischen 578—660 kommen die für die nächste Stufe characteristischen *A*—*Ā*, *ka* und *ra* vielfach vor, sind aber auch nie constant. So zeigt C. XIV aus der Aihole-Inschrift des Maṅgala, ein links geschlossenes *ka*, das aber in dieser Inschrift nicht ausschliesslich vorkommt und auf der Kupferplatte desselben Königs, sowie auf der Haiderabad-Kupferplatte seines Nachfolgers Pulikeśi II.⁸ gar nicht erscheint. Auf Pulikeśi's Kupferplatte aus Nerūr⁹ findet es sich aber wieder und dazu das geschlossene, 33, XV—XVI. Eine Steininschrift aus der Zeit Pulikeśi's¹⁰ hat endlich nur das ältere *ka* und *ra*, dagegen öfter das spätere *A* von C. XV—XVI, XVIII. Diese Unregelmässigkeiten deuten darauf, dass zwischen 578—660 und vielleicht noch früher sämtliche für die mittlere Periode characteristischen Rundformen existirten, aber noch nicht zur Alleinherrschaft durchgedrungen waren oder für Inschriften nicht für passend gehalten wurden, vgl. § 3, S. 8.

c8.s1.37

Unter den anderen Zeichen verdienen noch folgende eine besondere Erwähnung: 1) das stets unverschleifte *ṇa*, T. VII, 21, XII—XIV, XVII, dessen Gestalt aber darauf deutet, dass es cursiv aus einer verschleiften Form gebildet ist, 2) das *ta*, welches in 22, XIII die alte unverschleifte Form der nördlichen und westlichen Inschriften bietet, in C. XII, XIV, XVII aber eine Cursiventwicklung aus der verschleiften von C. XX—XXIII, die auch in späten Kadamba-Inschriften und in den Calukya-Inschriften dieser Periode nicht selten ist; 3) das *da* mit dem Schwänzchen, 24, XIV, XVII, das im südwestlichen Typus und auch sonst zur Differenzirung von *ḍa*, 19, IV—IX, verwendet wird; 4) das bald verschleifte (26, XIII), bald unverschleifte *na* (26, XII, XIV—XVII), dessen unverschleifte Formen auf die verschleifte zurückgehen dürften; 5) das (wie in der nördlichen Schrift) verschleifte *ya* in *yā*, 45, XIV; 6) die mittleren Vocalzeichen a) *ū* in *pū*, 27, XIII, das aus dem *ū* von *yū*, 32, VI, *cū*, 13, IV u. s. w. cursiv entwickelt ist, b) *ṛ* in *kṛ*, 8, XII; 41, XIV (vgl. 8, XVII), das aus einer öfter erscheinenden Form entwickelt ist, in der *ṛ* in der Form eines halbkreisförmigen Striches frei unter *ka* steht (auf dem Siegel, IA, 6, 24, erscheint auch ausnahmsweise das nördliche *ṛ* in *Mṛgeśa*); c) das überaus seltene *ḷ* in *kḷ* (42, XIV), welches, abweichend von den entsprechenden Zeichen in Taf. VI (vgl. § 24, A, 7), nur aus einem cursiven *la* zu bestehen scheint; d) die Mātrā, die oft in *e* (z. B. *ṇe*, 21, XII) und in *au* (z. B. *thau*, 23, XII), sowie an zweiter Stelle in *ai* (z. B. *cai*, 13, XII, *vai*, 35, XIII) an den Fuss des Consonanten gesetzt, dagegen oft in *le*, 34, XII, und an erster Stelle in *lai*, sowie stets in *lo*, 34, XIII, XVII, mit der Spitze des *la* verschleift wird; e) *au* (z. B. in *pau*, 27, XII, XIV), dessen rechter Teil, wie in allen Alphabeten des südlichen Dekhan aus einem Haken besteht und durch eine cursive Verbindung der zweiten aufwärts gerichteten Mātrā mit dem *ā*-Striche entstanden ist

c8.s1.38

B. Die mittlere Stufe. — Die zweite oder mittlere Stufe findet sich von der zweiten Hälfte des 7. bis in die zweite Hälfte des 10. Jahrh. a) im Westen in den Inschriften der Calukya von Vātāpi (Badami), ihrer Nachfolger, der Rāṣṭrakūṭa von Mānyakheṭa (so weit sie sich nicht der Nāgarī bedienen, S. 51), der Gaṅga von Maisur und anderer kleinerer Dynastien, b) im Osten in den Inschriften der Calukya von Veṅgi und ihrer Vasallen. Während dieser Periode finden sich einige merkliche Unterschiede im Ductus zwischen den verschiedenen Classen von Documenten. Die Kupferplatten der westlichen Calukya¹¹, T. VII, C. XVI, zeigen meist stark nach rechts liegende, recht flüchtig und cursiv gemachte Zeichen, ihre Steininschriften dagegen, T. VII, C. XV, gerade stehende, sorgfältiger ausgeführte Buchstaben, die jedoch besonders in Ligaturen eine abnorme Grösse haben, und mit den letzteren stimmen im Ductus die Inschriften der Rāṣṭrakūṭaperiode¹², T. VIII, C. II—III, mit Ausnahme der Unterschrift auf Dhruva's II. Kupferplatte von Baroda¹³. In dieser und in den Inschriften der Calukya von Veṅgi, T. VIII, C. IV—V, sind die Formen kürzer und breiter und in dieser Hinsicht den Altkanaresischen bedeutend ähnlicher¹⁴.

c8.s1.39

Ausser den schon erwähnten Rundformen von *A*—*Ā*, *ka* und *ra*, die nun constant werden, sind noch folgende Buchstaben anzuführen: 1) das seltene *R*, T. VII, 5, XVI, das dem nördlichen, T. VI, 7, I—II, V, nachgeahmt zu sein scheint (vgl. auch Facs. zu IA, 6, 23, Ende); 2) das stark cursive, schon altkanaresische *kha*, T. VIII, 12, III—V, das nach FLEET¹⁵ nicht älter als ca. 800 p. Chr. sein soll, in den nah verwandten Pallava-Inschriften, T. VII, 9, XXIII (vgl. § 31), aber schon seit dem 7. Jahrh. auftritt; 3) das *ca*, welches in der Ligatur *ñca* vom 9. Jahrh. an sich oben zu öffnen beginnt, T. VII, 41, XIX; VIII, 19, III—IV; 4) *da*, dessen Schwänzchen vom 9. Jahrh. an sich aufwärts zu biegen beginnt, T. VIII, 27, II, IV—V; 5) das oben offene *ba*, T. VIII, 32, V, das nach FLEET¹⁵ von der Mitte des 9. Jahrh. an erscheint; 6) *ma*, dessen oberer Teil (sporadisch schon im 7. Jahrh.) weit nach rechts, beinahe an die Seite des unteren geschoben wird, T. VII, 31, XVII; VIII, 34, II—V, und das somit die Vorstufe zu dem altkan. *ma* bildet; 7) das abnorme *la*, T. VII, 34, XVI, welches sonst nur als zweiter Teil der Ligatur *lla* erscheint; 8) der vertikal gestellte Virāma in *m*, T. VII, 41, XVIII; VIII, 44, V, und in *n*, T. VIII, 45, V; 9) das dravidische *ṟa*, T. VII, 45, XV, XVIII; 46, XVI; VIII, 47, II—III, und *ḷa*, T. VII, 46, XV, XVIII; VIII, 49, II, V, die vom 7. Jahrh. an vorkommen. Vielleicht ist ersteres aus dem geschlossenen, runden *ra* durch Verdopplung und letzteres aus *ḷa* durch Verschliessung der Halbkreise abgeleitet. Die Existenz dieser Zeichen beweist, dass das Kanaresische schon im 7. Jahrh. eine Litteratursprache war.

c8.s1.40

C. Das Altkanaresische. — Die dritte Stufe dieser Schriftgattung, welche Burnell »die Übergangsform« (transitional), Fleet und andere passender »Altkanaresisch« (*Old Canarese*) nennen und die sich von den modernen kanaresischen und Telugu-Alphabeten nur wenig unterscheidet, lässt sich im Osten zuerst in den Veṅgi-Inschriften des 11. Jahrh., im Westen etwas früher in einer Gaṅga-Inschrift von 978 und einer wenig spätern Cālukya-Inschrift nachweisen¹⁶. Einzelne Züge, wie die Öffnung der Schlinge des *ma* und des Kopfes von *va* finden sich indess schon in der erwähnten Unterschrift Dhruva's II. auf den Baroda-Kupferplatten. Die Proben¹⁷ in T. VIII, von denen C. VI u. VII. dem 11., C. VIII dem 12. und C. IX (nach Hultzsch Telugu) dem 14. Jahrh. angehört, zeigen den allmähligen Fortschritt sehr deutlich.

c8.s1.41

Was der Schrift ihr eigentümliches Gepräge giebt, ist der consequente Gebrauch von Winkelaufsätzen auf den einfachen, nicht mit Vokalen verbundenen Mātṛkā, die in C. VI denen des modernen Telugu, in C. VII—VIII eher denen des modernen Kanaresischen gleichen. Die Winkelaufsätze dürften cursive Repräsentanten der »Keilköpfe« sein, die sich für die Griffelschrift schlecht eigneten. Sie finden sich mehr oder weniger consequent in einzelnen Inschriften vom 6. Jahrh. an und sind z. B. in Guhasena's Inschrift von 559/60 (T. VII, C. IV) in Ravikīrti's Praśasti von Aihole¹⁸ zum Teil neben Keilaufsätzen deutlich. Unter den Veränderungen der einzelnen Zeichen sind die wichtigsten: 1) die Öffnung der Köpfe von *E*, T. VIII, 8, VI, VIII; *ca*, 16, VI—IX; *bha*, 33, VI—IX (das durch den Verschluss des unteren Teiles in C. IX dem *ba* gleich wird), und des *va*, 38, VII—IX, sowie der Schleife des *ma*, 34, VI, VIII und der rechten Schleife von *cha*, 17, VI—IX (vgl. C. V); 2) die cursive Verschleifung des *A*—*Ā*, 1—2, VII—IX, des *I* und *Ī*, 3—4, VI—IX (wofür 3, II und 4, III, V die Vorstufen zeigen), des *śa*, 39, VII—IX, dessen mittlere Barre mit der gekrümmten rechten Seite verbunden wird; 3) die Verwandlung der Schleifen des *ka*, 11, VI—IX, und des *ra*, 36, VI—IX, in verkleinerte Kreise; 4) die cursive Abschleifung der unteren Ecken in *ṇa*, 24, VI—IX, *na*, 29, VI—IX, und *sa*, 41, VI—IX; 4) die Entwicklung neuer Schleifen oder Ringelchen rechts an der Spitze von *R*, 7, IX, *ṅa*, 15, VIII—IX und *ja*, 18, VI—IX (vgl. C. V); 5) der ausschliessliche Gebrauch des rechts nach oben gebogenen mittleren *u* (vgl. z. B. *pu*, 30, IX), welches in der älteren Zeit auf *gu*, *tu*, *bhu* und *śu* beschränkt ist, später aber auch bei *su*, T. VIII, 41, II—III vorkommt, und die Stellung des Anusvāra auf die Linie z. B. in *raṃ*, 36, VIII, die schwerlich ein Überbleibsel aus alter Zeit, sondern eine Neuerung ist, um die Linien gleichförmiger zu machen¹⁹.

c8.s1.42

§ 30. Der jüngere Kaliṅga-Typus. — Diese Schrift ist bis jetzt nur auf den Kupferplatten der Gaṅga-Könige von Kaliṅganagara gefunden, das in vorchristlicher Zeit die Residenz des Ceta-Königs Khāravela (§ 18) war und dem heutigen Kalingapatanam in Ganjam entspricht. Dieselben laufen vom Jahre 87 der Gāṅgeya-Ära an, deren Anfang nicht genau bekannt ist. Es ist jedoch nach FLEET wahrscheinlich, dass die ältesten Inschriften dem 7. Jahrh. angehören¹. Die Zeichen dieser letzteren, sowie der nächstfolgenden bis zum Jahre 183 der Gāṅga-Ära gleichen teils denen des centralindischen Typus (§ 28 B), teils denen des westlichen mit dem mittleren *au* der Ajanta-Inschriften (§ 28 A) und zeigen nur wenige Eigentümlichkeiten, die bald durch nördlichen, bald durch südlichen Einfluss verursacht zu sein scheinen. Eine Probe des dem westlichen Typus sehr ähnlichen Kaliṅga-Alphabetes giebt T. VII, C. XIX aus der Cicacole Kupferplatte vom Gāṅga-J. 148, wo nur das dem Grantha ähnliche *Ā* (2, XIX; vgl. XXIV) und die am Ende stark nach innen gekrümmten linken Striche von *ga* (10, XIX) und *śa* (36, XIX) den Valabhī-Buchstaben gegenüber auffällig sind. Der centralindischen Schrift ähnlicher ist die der Acyutapuram Kupfertafeln² vom G.-J. 87, welche eckige Buchstaben und »ausgefüllte Kastenköpfe« aufweist. Doch findet sich hier ein *na* wie das der modernen Nāgarī. Mit den Acyutapuram-Kupferplatten stimmen im allgemeinen die Cicacole-Kupferplatten vom G.-J. 128³. Sie haben aber das gewöhnliche verschleifte *na* des westlichen Typus und daneben das verschleifte *ta* der ersten Stufe des Grantha (vgl. 22, XX—XXIV). Die Charactere der Cicacole-Kupferplatte vom G.-J. 183 endlich⁴ kommen den centralindischen von C. X nahe, haben aber wieder das Nāgarī-ähnliche *na* und ihr mittleres *ā* steht meist über der Linie wie mitunter in dem Grantha des 7.—8. Jahrh. (vgl. C. XXIII). In den Documenten des 3. und 4. Jahrh. der Gāṅga-Ära, sowie in einer noch spätern undatirten Inschrift werden die Mischungen der Charactere sehr viel stärker und es kommen häufig sehr verschiedene Zeichen für denselben Buchstaben vor. In T. VIII, C. X (aus den Cicacole-Kupferplatten vom G.-J. 51, d. h. 251⁵), in C. XI (aus den Vizagapatam-Kupferplatten vom G.-J. 254), und in C. XII (aus den Alamanda-Kupferplatten vom G.-J. 304) kommen specifisch nördliche Formen vor in *A*—*Ā* (1—2, X—XII), *I* (3, XI), *U* (5, X), *ka* (44, XI—XII), *kha* (12, XI), *ṅga* (15, X), *ṅka* (15, XII), *ja* (18, XII), *ña* (in *jña* 19, X), *da* (22, XII), *ṇa* (24, XI—XII), *dha* (28 u. 45, XI), *na* (48, X) und *pra* (47, XII). Die übrigen Buchstaben sind südlichen Ursprungs, gehören aber der mittleren Stufe teils des Kāṇara- und Telugu-Typus und teils des Grantha-Typus an oder sind Specialentwicklungen. Dazwischen erscheinen auch in *E* (8, X) und *cha* (17, XI—XII) zwei sehr altertümliche Zeichen. Wie stark die Variationen in den Zeichen für einen und denselben Buchstaben sind, zeigt am besten das *ja* von 18 u. 46—47, X. Es ist zu bemerken, dass es der Raum in T. VIII nicht erlaubte, alle in den drei Inschriften vorkommenden Varianten für jeden Buchstaben aufzunehmen.

c8.s1.43

Am stärksten jedoch sind die Mischungen und Variationen in den in den Tafeln nicht vertretenen Cicacole-Kupferplatten vom G.-J. 351⁶ und den undatirten des Vajrahasta, die nach KIELHORN dem 11. Jahrh. angehören⁷. In den ersteren hat nach FLEET jeder Buchstabe wenigstens zwei, mitunter drei oder vier Formen. Die Mehrzahl der Zeichen gehört der südlichen Nāgarī an. Daneben kommt aber Altkanaresisch und Grantha vor. In der zweiten Inschrift giebt es nach KIELHORN'S Zählung 320 Nāgarī-Zeichen und 410 südliche verschiedener Typen, und jeder Buchstabe hat wieder wenigstens zwei, mitunter vier oder mehr Formen. Kielhorn bemerkt, dass der Schreiber eine gewisse Kunst in der Gruppirung der verschiedenen Varianten zeigt, und er hat gewiss Recht, wenn er andeutet, dass die starke Mischung der Formen durch die Eitelkeit der königlichen Schreiber veranlasst ist, welche zeigen wollten, wie viele verschiedene Schriftarten sie kannten. Aus demselben Grunde hat auch der Schreiber der Kupferplatten von 183 drei verschiedene Zahlensysteme zum Ausdrucke des Datums gebraucht, vgl. S. 75. Das Reich der Gaṅga von Kaliṅga lag zwischen den Gebieten der Nāgarī und des Kāṇara-Telugu und nicht weit von dem des Grantha. Seine Bevölkerung war gewiss sehr gemischt und gebrauchte alle diese Schriftarten⁵, sowie auch die in den älteren Inschriften auftretenden. Der professionelle Schreiber und Kanzlist musste natürlich alle kennen.

c8.s1.44

¹ IA, 13, 274; 16, 133.

c8.s1.45

² EI, 3, 128.

c8.s1.46

³ IA, 13, 120, vgl. 16, 131 f.

c8.s1.47

⁴ EI, 3, 132.

c8.s1.48

⁵ Die Worte *śatādvaye* dürften hinter *saṁvatsara* ausgefallen sein.

c8.s1.49

⁶ IA, 14, 10 f.; das richtige Datum giebt Fleet nach Hultzsch's Lesung im Bombay Gazetteer, 1, 297, Note 8, dessen Aushängebogen ich seiner Güte verdanke. Er bezweifelt dort die Echtheit dieser Inschrift und der T. VIII, C. X u. XII zu Grunde liegenden, wie mir scheint, ohne Grund.

c8.s1.50

⁷ EI, 3, 220.

c8.s1.51

⁸ Der Gebrauch der nördlichen Schrift wird durch die Buguḍa-Kupferplatten, EI, 3, 41, erwiesen; vgl. auch B.ESIP, 53, Pl. 22 b.

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