Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.2
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.2
- Language
- German
c6.s1.2
Die Beobachtung des Himmels musste nun weiterhin lehren, dass sich die Gestirne um eine gemeinsame Weltachse bewegen, die den alten Kulturvölkern je nach ihrer geographischen Lage mehr oder weniger nach Norden geneigt erschien. Da sie von falschen Voraussetzungen ausgingen, das Weltall ihnen als gäozentrisch galt, so war es ein logisches Postulat, dass sie die Weltachse als senkrecht im All stehend betrachten und die Erde infolgedessen als von Süden nach Norden gewölbt ansehen mussten. Ihre Wohnsitze mussten sie folglich als an der Südseite dieser Erdwölbung gelegen annehmen, um sich die Neigung der durch den Nordpol gehenden Weltachse erklären zu können. Der Theorie, dass die Erde eine Halbkugel oder doch wenigstens nach Norden hin gewölbt sei, widersprach die augenscheinlich flache Erdscheibe, aber immerhin blieb die Idee des im Zentrum, d. i. im Norden derselben in der Richtung der Weltachse aufstrebenden Weltberges, der gewissermassen das Rückgrat des Weltalls bildet und von den Himmelskörpern in engeren oder weiteren Kreisbahnen umwandert wird. Diese Idee findet sich in fast allen Kosmographien der Antike, wenn auch bei einigen dieselbe mangels hinreichender Überlieferung oder eingehender Durchforschung der Literatur nach dieser Richtung hin heute noch nicht ganz klar zu erkennen ist. Hiermit soll aber nicht gesagt sein, dass sich die Idee des Weltberges bei allen höherstehenden Völkern des Altertums notwendig von selbst entwickeln musste, vielmehr ist es durchaus möglich, dass sie nur von einem kulturell hochstehenden realenkenden und mit der Welt- und Himmelsbetrachtung besonders vertrauten Volke entwickelt und von diesem weitergegeben worden ist.