Das Ramayana: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c5.s3.4
Das Rāmāyaṇa: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c5.s3.4
- Language
- German
c5.s3.4
Wenn eine orthodoxe Sage von einem Andersgläubigen in den Dienst seiner Sekte gepresst wird, wird er sie nicht unverändert lassen, damit seine Erzählung zwar von der ursprünglichen verschieden, ihr aber nicht gänzlich unähnlich werde. Eine solche willkürliche Änderung hat der Erzähler des Jâtaka vorgenommen, indem er das Exil der Kinder durch die Vorsorge des Vaters motivirt, der sie vor den Nachstellungen der Stiefmutter sicher stellen will. Dasselbe Motiv kehrt noch in andern buddhistischen Erzählungen wieder, von denen Weber l. c. p. 2 zwei namhaft macht. Der Autor des Jâtaka brauchte also nicht einmal seine Phantasie in Thätigkeit zu versetzen, er konnte sich für seinen Zweck einer feststehenden Schablone bedienen. Dabei hat er, aus Halbheit, oder weil dieser Zug zu fest stand, es nicht gewagt, das ursprüngliche Motiv, die der Kaikeyî gewährte Wahlgabe, ganz zu unterdrücken, obschon deren Beibehaltung in seiner Erzählung ihr in keiner Weise dient. Die erste Veränderung machte andere nötig. Dabei bestrebt sich der Erzähler alles äusserlich plausibel zu machen. 7 oder 8 Jahre nach Bharata's Geburt gehen die älteren Kinder ins Exil. Nach 9 weiteren Jahren stirbt Daçaratha, obschon die Astrologen seinen Tod erst für's 12. Jahr vorausgesagt hatten (in echten Märchen und Sagen irren die Wahrsager nie!). Bharata war also 16 oder 17 Jahre alt: ein angemessenes Alter, um die Herrschaft anzutreten. Aber man merkt zu deutlich die Absicht bei diesen probabeln Zeitangaben. Alle diese Züge machen durchaus den Eindruck des Sekundären.