Altindische Grammatik v2.c7.s2.t5: § 59—61: Āmreḍita und Verwandtes
Altindische Grammatik v2.c7.s2.t5
- Language
- German
§ 59—61: Āmreḍita und Verwandtes
v2.c7.s2.t5.1
59. a) Die Wiederholung einer flektierten Nominalform mit Akzentuierung bloß des ersten Gliedes ist wie die anderer Wortarten schon im RV. sehr häufig und von da bis ins Epos hinab in ununterbrochener Übung geblieben, auch dem Mittelindischen nicht fremd. Das Bedürfnis nach möglichst Gleichförmigkeit beider Glieder bewirkt dabei gewisse Eigenheiten des Sandhi (I § 206 a. § 286 c β A.).
v2.c7.s2.t5.2
Sämtliche v. Beispiele bei Collitz Or. Congr. 5 (Berlin) II, 2, 287 ff., ausgewählte aus Saṃh. und B. bei Delbrück Synt. F. 5, 51 ff., ausgewählte vorklassische Delbrück Vergl. Synt. 3, 141 ff.; über den Gebrauch der kl. und ep. Sprache Bollensen Vikramorv. 306 ff. Speyer 190 f. und bes. P. 8, 1, 1—8; alle mit Einschluß der ähnlichen Doppelungen in andern Redeteilen. Bei P. heißt das Hinterglied einer solchen Verbindung ā-mreḍita- „wiederholt“; P. bezeichnet ihre Verwendung 8, 1, 4 mit nitya- „immerwährend“ und vipsā „Verteilung“, was V. 3 zu P. 8, 1, 12 mit anupūrvya- ergänzt (für Fälle wie jyeṣṭham-jyeṣṭham praveśaya „laß sie nach der Reihenfolge des Alters [genauer: „immer den zunächst Ältesten“] eintreten“). Als eigentliche Kompp. erkennt P. sie nicht an (ebensowenig VPr. 5, 18. APr. 4, 40; vgl. Whitney zu APr. 2, 62), während sie in den Padatexten gleichwie die Kompp. behandelt und in einem Zusatz zu APr. 2, 62 zu den samāsāḥ gerechnet werden. — Über Āmreḍita der Zahlwörter und der Pronomina s. Zahlwort und Pronomen.
v2.c7.s2.t5.3
b) α) Ein Substantiv wird so wiederholt, wenn sein Begriff in wiederholter Erscheinung gedacht wird. Namentlich finden sich häufig so Orts- und Zeitbestimmungen, ersteres z.B. v. gṛhé-gṛhe dáme-dame viśé-viśe „in jedem Hause“, ablativisch AV. S. diśó-diśaḥ „von allen Himmelsgegenden“, letzteres z.B. v. áhar-ahar divé-dive dyávi-dyavi ep. kl. divase-divase ahany-ahani „Tag für Tag“. — Aber auch sonstiges: wenn es als Einzelnes unbestimmt oft wiederkehrt oder in unbestimmter Menge da ist, in den verschiedensten Beispielen v. śátroḥ-śatroḥ „als jeder Feind“, AV. 10, 6, 5b ánnam-annam „Nahrung in einem fort“ (Bloomf.: „N. jeder Art“), PB. 1, 6, 10 enasa-enaso ’vayajanam asi „du bist ein Sühnungsmittel für Schuld auf Schuld“, ŚŚS. 8, 7, 6 sūktasya-sūktasya „jedes einzelnen Hymnus“, Mbh. varṇasya-varṇasya „jeder Farbe“; — wenn daran eine Tätigkeit in unbestimmter Wiederholung vollzogen wird z.B. RV. 8, 12, 19 devám-devam vó ’vasa índram-indram gṛṇīṣāṇi „den Gott Indra rufe ich immer wieder zum Schutze an“, 6, 15, 6a agním-agnim vaḥ samídhā duvasyata „immer wieder Agni verehrt mit dem Brennholz“, AB. 4, 13, 4 naur . . . tīram-tīram ṛcchanti „ein Schiff, das immer wieder ans Ufer anstößt“.
v2.c7.s2.t5.4
Verstärkung schlechthin (Delbrück Synt. F. 5, 53. Vergl. Synt. 3, 144) oder Intensität (Speyer Grundr. 38) wird in der ältern Sprache durch das Āmreḍita nicht ausgedrückt; TS. 2, 6, 6, 1 dhiyá-dhiyā heißt „mit wiederholter List“ vgl. Delbrück Synt. F. 5, 53. — Lehrt V. 4 zu P. 8, 1, 12 für māṣam-māṣam dehi die Bedeutung „gib ein, zwei Bohnen“? Vgl. die Kāś.
v2.c7.s2.t5.5
β) Für sich stehn die weniger häufigen Fälle, wo im Schrecken (V. 5 zu P. 8, 1, 12) oder des Nachdrucks wegen eine beliebige Substantivform oder im Affekt ein satzbeginnender Vokativ (P. 8, 1, 8) wiederholt wird, ein Vokativ z.B. ChU. 4, 1, 2 ho hoyi bhallākṣa bhallākṣa „Heda Bh.! Bh!“, MŚS. 1, 2, 5, 10 patni patny eṣa te lokaḥ „Gattin, Gattin, dies ist deine Welt“, Kāś. caura-caurā3 (mit Pluti nach I § 255b) ghaṭayiṣyāmi tvā „Dieb! Dieb! ich werde dich töten lassen“; eine beliebige Substantivform: im Schrecken z.B. Pat. ahir-ahir! budhyasva-budhyasva! „eine Schlange, eine Schlange! erwache! erwache!“, mit Nachdruck z.B. Mbh. 1, 74, 63 (3050) aṅgād-aṅgāt sambhavasi „aus meinem Leibe, gewiß aus meinem Leibe stammst du“.
v2.c7.s2.t5.6
Seit wann bei derartiger Wiederholung das zweite Glied nach Weise der alten Āmreḍitas ohne Ton gesprochen wurde, steht nicht fest. Die akzentuierten Texte scheinen kein Beispiel zu liefern. In RV. 10, 146, 1a áranyāny! áranyāny! (angstvolle Anrufung der Göttin der Wildnis) ist auch der zweite Vokativ betont, und ŚB. 14, 5, 1, 1 janakó-janaka íti vái jánā dhāvanti „die Leute laufen herbei mit dem Rufe: „ein (zweiter) Janaka, ein (zweiter) Janaka““, läßt sich wegen I § 252a nicht erkennen, ob das zweite janakaḥ eigentlich betont ist oder nicht. — Dreimalige Wiederholung bei Schreckensruf: Pat. zu V. 5 zu P. 8, 1, 12. — Zweimalige Setzung eines Vokativs ist überall häufig, vgl. Homers Ἄρες Ἄρες.
v2.c7.s2.t5.7
c) Seltener wird ein Adjektiv so gedoppelt.
v2.c7.s2.t5.8
α) In attributiver Stellung bei Bezeichnung einer Eigenschaft, die dem Gegenstand immer aufs neue beigelegt wird, wie RV. 8, 2, 25 pányam-panyam .... á dhāvata .... sómam „den wieder und wieder zu preisenden Soma spült ab“. — Doch ist dies selten. Häufiger ist der Substantivbegriff selbst in Verbindung mit der durch das Adjektiv gegebenen Eigenschaft wiederholt zu denken, obwol nur das Adjektiv zweimal gesetzt ist z.B. AV. 12, 3, 7a prācīm-prācīm pradíśam „immer östliche Richtung“, AV. 12, 1, 33d = MGS. 2, 7, 4 úttarām-uttarām sámām „immer das folgende Jahr“ „Jahr auf Jahr“, Mbh. 3, 293, 9 (16624) ṣaṣṭhe-ṣaṣṭhe kāle „jeweils in der Sechstelszeit“.
v2.c7.s2.t5.9
Vgl. was Kāty. V. 10 zu P. 8, 1, 12 lehrt: *katarā-katarā* „quae utriusque?“ *katamā-katamā* „quae uniuscuiusque?“ bei Sätzen, welche weibliche Abstracta zum Subjekt haben z.B. *sarva ime ādhyāḥ, katamā-katamāiṣām ādhyatā* „diese alle sind reich; welches ist das Reichsein eines jeden einzelnen von ihnen“. Das distributive Bedeutungsmoment ist da am Fragewort statt am pronominalen Genetiv zum Ausdruck gebracht. Die Kāś. dehnt diese Ausdrucksform auf andere Fragewörter wie *kīdṛśa-* und auf die Fälle aus, wo das Subjekt des Satzes aus einem nicht-femininen Substantiv besteht.
v2.c7.s2.t5.10
β) Ein prädikativ stehendes Adjektiv erscheint gedoppelt, wenn das Prädikat in einem fort dasselbe ist z.B. ŚB. 3, 9, 3, 34 *āyuṅgā-ayuṅgā ekadhanā bhavanti* „die Ekadhana-Krüge erscheinen immer in ungerader Anzahl“, AB. 2, 2, 31 *śreyāñ-chreyāñ eṣa . . . bhavati* „immer herrlicher wird dieser“, Mbh. 2, 62, 15 (2108) *jātam-jātam . . . puṣpam ā datsva* „immer gleich, wenn sie entstanden ist, nimm die Blume“. — In ChU. 6, 3, 3 *tāsāṃ trivṛtam-trivṛtam ekaikāṃ karavāṇi* und 6, 3, 4 (6, 4, 7. 6, 8, 6) *trivṛt-trivṛd ekaikā bhavati* „von diesen will ich jede einzelne jeweils dreifach machen“ bezw. „jede einzelne wird dreifach“ hat zugleich auch das Objekt- (bezw. Subjekt-) Wort, worauf das Adjektiv geht, Āmreḍitaform (nach § 60cA.).
v2.c7.s2.t5.11
Wo bedeutet *priyáḥ-priyaḥ* „sehr lieb“, was Brugmann Kurze vergl. Gr. 2, 287 anführt?
v2.c7.s2.t5.12
d) Das Āmreḍita-Wort steht ursprünglich konstant im Singular. Aber weil durch die Wiederholung eine Mehrzahl zu Stande kommt, dringen allmählich Pluralendungen ein. So (nach v. Vorgang beim Zahlwort RV. 5, 52, 17ᵇ *ékam-ekā śatá* „je hundert“) bei wiederholtem attributivem Adjektiv AB. 3, 25, 2 *caturakṣarāṇi-caturakṣarāṇi chandāṃsi* „Metren, jedes viersilbig“, Urv. p. 3, 9 Boll. (vgl. ibid. p. 144) *sveṣu-sveṣu sthāneṣu* „jeder in seiner Rolle“, M. 9, 118ᵃ (nach Medh.) *svābhyaḥ-svābhyaḥ kanyābhyaḥ* „ein jeder seiner eignen Schwester“; und bei wiederholtem Substantiv Mbh. 3, 158, 68 (11591) *virājamānāṃs te paśyams tilakāṃs-tilakān iva* „sie sahen (sie) strahlen, jeden wie einen Schönheitsfleck“, wo der vorausgehende Akk. plur. von Einfluß war. Außer bei Zusammengehörigkeit mit einem pluralischen Wort scheint ein Nomen im Āmreḍita nie Plural zu haben.
v2.c7.s2.t5.13
Wo eine Mehrheit wiederholt zu denken ist, wie AB. 3, 31, 4 *anyā-anyā dhāyyāḥ* „jedes Mal andere Dhāyyās“ oder AB. 4, 27, 4 *aśvair . . . anyair-anyair aśrāntatarair-aśrāntataraiḥ* „immer wieder mit andern, frischern Pferden“ ist der Plural logisch korrekt, gerade so wie die wiederholten Zahlwörter.
v2.c7.s2.t5.14
e) Auf den Kasusgebrauch wirkt die Verbindung insofern ein, als z.B. bei derartigen Ortsbezeichnungen die Endung -e von den -a-Stämmen her so beliebt war, daß bei konsonantischen Stämmen gelegentlich die Dativ statt des Lokativs gesetzt wurde, so in v. *divé-dive* (sehr häufig!) *visé-vise* st. *divi-divi* *visí-visí* (av. *visí-vīsi*), beide allerdings durch den Rhythmus (§ 56) begünstigt.
v2.c7.s2.t5.15
Vgl. Bartholomae BB. 15, 188. — *divé-dive*, der kl. Sprache fremd, lebt in Apabh. *dive-divĕ* (Hemac. 4, 399. 419) fort Pischel Ved. Stud. II 235. Unrichtig ist es dafür den nur im Hinterglied von Kompp. alten St. *divá-* (§§ 48 a. 49 aß. ca) heranzuziehen (Grassmann sv. Lanman 433. Planta Gramm. der osk.-umbr. Dial. I 411 A. 3. Sommer Archiv lat. Lex. 12, 583).
v2.c7.s2.t5.16
f) Iterative Doppelsetzung von Nomina findet sich auch in andern ig. Sprachen z.B. avestisch (Vd. 5, 10) *nmāne-nmāne vīsi-vīsi* „in jedem Haus, in jedem Gau“, doch im Gegensatz zum ai. Gebrauch so selten, daß es fraglich ist, ob dieser Typus aus der Grundsprache stammt, während die iterativ-distributive Doppelsetzung beim Zahlwort, beim Pronomen und bei den Präpositionen sicher ig. ist; gr. *πάμ-παν* stimmt zu der ai. Betonung.
v2.c7.s2.t5.17
Vgl. Collitz aaO. 291. 293. Brugmann Grundr. 2, 94 ff. Delbrück Vergl. Synt. 3, 152 (153 über den Akzent). Auf Neuerung beruht ähnliches in modernen Sprachen z.B. rum. *simbata simbata* „jeden Samstag“, ital. *a motto a motto* „Wort für Wort“ Meyer-Lübke Roman. Gramm. 3, 166.
v2.c7.s2.t5.18
60. Aus Āmreḍitaverbindungen können auf dreierlei Weise gewöhnliche Komposita erwachsen:
v2.c7.s2.t5.19
a) Gesetzmäßig nach § 9a, wenn eine Āmreḍitaverbindung als Vorderglied eines Kompositums verwendet oder ein Nomen daraus abgeleitet wird. Dabei fällt in der Regel in beiden Gliedern die Kasusendung weg z.B. AB. SB. *uttarottar-in-* (wozu KB. *uttarottarā*) „sich stets steigernd“ zu TS. 2, 3, 6, 2 *úttara-uttaraḥ* „jeweils der obere“ ŚB. *úttarām-uttarām*; R. 6, 42, 44 Bo. *sva-sva-nāma-kathām* = *svasya-svasya nāmnaḥ kathām* „Nennung des eignen Namens eines jeden“; ep. kl. *pūrva-pūrva-* „der je frühere“ (vgl. c) als Vorderglied und vor dem superlativischen *-tama-*. — Kasusform des Vordergliedes zeigt kl. *samām-sam-īnā* „alljährlich (*samām-samām*) kalbend“ P. 5, 2, 12.
v2.c7.s2.t5.20
*putra-putr’-ādinī* (V. 1 zu P. 8, 4, 48) wol eher „einen Sohn nach dem andern fressend“ als „ihre Söhne und Enkel fressend“ (BR.). — *itaretara-* als Vorderglied deuten BR. in diesem Sinne wegen Nir. 7, 4. 11, 23. M. 3, 35d. Aber an allen drei Stellen ist es Reziprokum (§ 121 b). Vgl. zu Manu Bühler, zum Nir. (wo 11, 23 den Entscheid gibt) Roth Erläut. p. 102. Doch in der Ableitung Ind. Spr.² 3561 itaretarataḥ (V.L.) „hierhin und dorthin“.
v2.c7.s2.t5.21
b) Durch Umsetzung einer best. Āmreḍitaverbindung in ein Adjektiv (oder Substantiv) mit der Bedeutung „in der durch das betr. Āmreḍita bezeichneten Weise sich betätigend“; wobei das erste Glied in der betr. Kasusform oder in seiner Stammform erstarrt, das zweite durchflektiert wird. So ŚGS. Gaut. kulaṃ-kula- „von Haus zu Haus gehend“ : aus kulaṃ-kulaṃ gacchati; R. 2, 5, 16 Bomb. (2, 4, 16 Gorr.) vṛnda-vṛndair janaiḥ „mit in abgesonderten Gruppen stehenden Menschen“ : aus vṛndaṃ-vṛndaṃ tiṣṭhanti, vgl. R. 2, 57, 12 vṛndaṃ vṛndaṃ ca tiṣṭhatām „der in Gruppen stehenden“.
v2.c7.s2.t5.22
c) Im Sinne eines gewöhnlichen Āmreḍita durch bloße Einführung der Stammform in das erste Glied. So KS. 46, 28 uttarottarān pāśān „eine Fessel über die andere“ (Oldenberg Rel. d. Veda 322 A. 1; doch s. Caland Zauberritual 153 A. 12), vgl. Gaut. uttarottaram „in stetiger Folge“ und uttarottarin- in a); R. 3, 10, 5 kāla-kāleṣu (zugleich mit Pluralisierung: § 59d) für kāle-kāle „zu jeder Zeit“; Mbh. 13, 47, 59 (2559) pūrva-pūrvo (viśiṣyate) für pūrvaḥ-pūrvaḥ „je der vorangehende“ vgl. a).
v2.c7.s2.t5.23
Mbh. 3, 12408 pūrva-pūrveṣām, aber dafür 3, 179, 13 Bomb. pūrvaḥ pūrveṣām. Vgl. pā. itar’-itara- „der eine der andere, der und der“ s. a A. Am frühesten zeigt sich solcher Übergang in TS. ékaika- : v. éka-ekaḥ „singuli“ (s. Zahlwort).
v2.c7.s2.t5.24
d) Über TS. dvandvá- „Paar“ aus MS. dvan-dvám Adverb zu v. dvá-dvā „je zwei“ und über param-parāḥ param-parā § 10ay. Vgl. M. 1, 20 paraḥ-paraḥ „jeder Nachfolgende“ u. Richter IF. 9, 242f. Dunkel sind VS. 15, 5w aṅkaṅká-m (angeblich „Wasser“), kl. jiva-jiva- u. jivam-jiva- Bez. einer Hühnerart (nach BR. onomatopoetisch, oben § 2eγ), Lex. varam-varā Pflanzenn.
v2.c7.s2.t5.25
61. a) Unabhängig vom Āmreḍitatypus und in Bedeutung und Akzent davon abweichend ist die Verdopplung eines Adjektivstamms um dessen Begriff zu verstärken. So v. mahā-mahá- „großmächtig“ : v. mahá- „groß“; v. eṣaiṣṭ- Fem. eines aus *eṣá- verdoppelten eṣaiṣá- „sehr eilig“.
v2.c7.s2.t5.26
Über eṣaiṣṭ- Geldner Ved. Stud. 2, 15. Anders BR. sv. eṣaiṣyà- u. Bradke ZDMG. 46, 464. — Unsicher ist die Hergehörigkeit von v. carā-cará- „beweglich“ calā-calá- „schwankend“, deren Simplicia später belegt sind; das ā könnte nach § 56aβ aus a, aber auch als Instr.-Endung erklärt werden, und in diesem Fall das Komp. mit gr. πονωπόνηρος (Verf. Beiträge griech. Akz. 29 A.) zusammengestellt werden. Vgl. auch Benfey Gött. Abh. 26 (1880), Abh. V, 2. Abt. p. 18.
v2.c7.s2.t5.27
b) Häufig in der spätern Sprache z.B. M. *alpālpa-* „ganz klein“, kl. *acchāccha-* „vollkommen klar“, ep. *dīna-dīna-* „tief unglücklich“, inschr. (Epigr. Ind. 6, 6 Z. 13) *durgama-durgama-* „ganz unzugänglich“ usw., und mit Annäherung an die Āmreḍitabedeutung kl. *nava-nava-* „stets neu“ *adhikādhika-* „immer wachsend“.
v2.c7.s2.t5.28
Vgl. Bollensen Vikramorvaśī 306 f. — P. 8, 1, 10 läßt diese Doppelung *ābādhe* „bei Schmerz“ (eigentlich nur bei denen auf *-ta-*, s. unten c; doch vgl. Pat. zu V. 4 zu P. 8, 1, 9), sowie 8, 1, 12 *prakāre* „bei Annäherung an die betr. Eigenschaft“ eintreten. Letzteres (gewöhnlich als Umschreibung für „ziemlich“ mißverstanden) besagt „wenn das Wort den Begriff unvollkommen ausdrückt“ „wenn man mehr meint als man ausdrücken kann“. Danach ist *paṭu-paṭú-* = gr. πικρός τις lat. *acerbus quidam* „ich kann nicht sagen, wie scharf“, also ein gesteigertes *paṭu-*.
v2.c7.s2.t5.29
c) Diese Verbindungen stehn begrifflich den aus zwei Adjektiven gebildeten Karmadhāraya (den sogen. adjektivischen Dvandva: § 74) am nächsten, und sind wie diese auf dem Hinterglied betont (P. 8, 1, 11), außer den ein Bedauern ausdrückenden Verbindungen zweier Verbaladjektiva auf *-ta-* wie *gatá-gata-* „leider gegangen“ *naṣṭá-naṣṭa-* „leider untergegangen“, deren Betonung auf dem Vorderglied (P. 8, 1, 10) zu derjenigen anderer Komposita, die *-ta-* als Hinterglied haben, stimmt. — Vielleicht ist dieser Kompositionstypus altererbt, da die andern ig. Sprachen zahlreiche Parallelen liefert, bes. das Armenische z.B. *meca-mec* „sehr groß“; vgl. aber auch lat. (Gloss. Scaligeri) *feri-ferus* „rasend“, mhd. *wilt-wilde*, breton. *uhel-uhel* „sehr hoch“ usw., sowie gr. αὔταυτος lat. *ipsipse* ahd. *sëlpsëlpo*. Er lebt mi. fort z.B. *pā. mamda-mamda-* „sehr langsam“.
v2.c7.s2.t5.30
Parallelen aus den andern Sprachen z.B. Bollensen Vikramorv. 307. Niedermann Mélanges linguist. Meillet 111. Ig. Ursprung bezweifelt Brugmann Grundr. 2, 94.
v2.c7.s2.t5.31
d) Für sich stehn onomatopoetische Bildungen wie ep. *kila-kila-* „Freudengeschrei“ (und Kinderwörter wie französ. *bon-bon* *do-do* Darmesteter Mots composés² 235 f.) vgl. § 2 eβ; ferner die gleichgliedrigen Tatpuruṣas wie ep. *rāja-rāja-* „König der Könige“ *saṃkara-saṃkara-* „Mischlingssohn e. Mischlings“ *avarāvara-* „allerniedrigst“, BhP. *parama-parama-* „allervortrefflichst“, Pañcat. *adha-mādhama-* „allerunterst“ Bollensen Vikramorv. 307. Vgl. auch Hopkins Am. J. Philol. 14, 11 A. über Zusammensetzung wurzelgleicher Stämme wie in v. *bhāra-bhṛt*, und § 121 über *anyònyá-* und Verwandte.
v2.c7.s2.t5.32
e) Über die Bedeutung der Wortwiederholung (nebst der Reduplikation) im allgemeinen Pott Doppelung, bes. 156 ff. Brugmann Kurze vergl. Gr. 2, 286 f., sowie Sütterlin Wesen der sprachl. Gebilde 86.
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