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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s6.10

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s6.10

Language
German

c7.s6.10

Wie aus dem bisher Gesagten bereits hervorgeht, beschränken die heutigen Jainas ihre Tätigkeit nicht darauf, in Indien für ihre Religion zu wirken, sondern sie suchen auch mit Hilfe von Veröffentlichungen in englischer Sprache Personen außerhalb des Gangeslandes für den Jainismus zu interessieren. Es ist dies eine Entwicklung, die in dem letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts einsetzte. Damals wurden die Jainas von den Veranstaltern des „Parlaments der Weltreligionen“ in Chicago dazu aufgefordert, einen Delegaten nach Amerika zu entsenden, der dort seine väterliche Religion vertreten könne. Der Präsident des Kongresses hatte sich zunächst an den schon genannten hervorragenden Mönch Âtmârâmjî (s. S. 74) gewandt; dieser sah sich jedoch mit Rücksicht auf das von frommen Hindus wie Jaina-Asketen gleicherweise beobachtete Verbot, über das „schwarze Wasser“ (Kâlâ Pânî, d. h. der Ozean) zu fahren, nicht imstande, der Einladung Folge zu leisten. So schickte er an seiner Statt den jungen Rechtsanwalt Vîrcand R. Gândhî (geb. 1864), der sich schon als Vertreter der Interessen seiner Glaubensgenossen in verschiedenen Prozessen ausgezeichnet hatte. Nachdem Gândhî sich für seine Mission unter der Leitung Âtmârâmjîs vorbereitet hatte, fuhr er nach Chicago, wo er mit großem Erfolge an den Sitzungen des Kongresses teilnahm (1893). Nach Schluß des Kongresses besuchte Gândhî eine Reihe von amerikanischen Städten, hielt dort Vorträge über den Jainismus und begründete eine „Gandhi Philosophical Society“. Er begab sich dann nach England, wo er ebenfalls Versammlungen abhielt, und kehrte 1895 nach Indien zurück. Hier entfaltete er eine reiche Vortragstätigkeit in der von ihm ins Leben gerufenen Institution „Hemacandrâcârya Class“. 1896 weilte er dann wieder in Amerika und England, sich im letzteren Lande zugleich juristischen Studien widmend. Nach einem kurzen Aufenthalt in Indien, wohin er von den Jainas gerufen worden war, um ihre Interessen in einer wichtigen Angelegenheit wahrzunehmen, ging er wieder nach England, das er erst 1901 verließ. Er starb am 7. August 1901, zwei Wochen nach seiner Ankunft in Bombay64.