Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t2.8
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t2.8
- Language
- German
c8.s2.t2.8
Die seit alter Zeit bei den Jainas im Schwange gewesene Übung, gemeinindische Stoffe den Bedürfnissen ihrer Kirche anzupassen, hat vielfach für die Literaturgeschichte die außerordentlich segensreiche Folge gehabt, daß alte Sagen und Erzählungen uns auf diese Weise erhalten geblieben sind, die uns längst verloren wären, wenn die Jainas sich nicht ihrer bemächtigt hatten. Die Spuren der Überarbeitung älterer Vorlagen durch Jaina-Schriftsteller sind oft deutlich erkennbar; vielfach beschränken sie sich auf die rein äußerliche Hinzufügung einer Einleitung, eines Schlusses oder einer Rahmenerzählung, die mit dem eigentlichen Werke nichts zu tun haben. In manchen Fällen erschienen den Jainas aber auch Abänderungen in Details aus religiösen Gründen am Platze. Das in Jaina-Erzählungen häufig vorkommende Motiv, daß ein Prinz bei einem Spazierritt durch ein Pferd von „umgekehrter Dressur“ in den Wald entführt wird, woselbst er eine schöne Königstochter findet oder andere Abenteuer zu bestehen hat, stellt, wie H. Jacobi wahrscheinlich gemacht hat40, offenbar einen Ersatz für das in Märchen sonst so beliebte Motiv der Verirrung auf der Jagd dar, welches den Jainas wegen ihres Abscheus gegen die Tötung lebender Wesen nicht zu Gebote stand.