Die Religion des Veda c6.s2.8.2
Die Religion des Veda c6.s2.8.2
- Language
- German
c6.s2.8.2
Wie die vedische Sprache Spuren von Dialektmischungen zeigt und uns gewiß noch mehr solche Spuren zeigen würde, besäßen wir aus dem ältesten Indien so wie aus dem alten Griechenland epigraphische Überlieferung über das Aussehen der Dialekte, so würden wir ohne Zweifel auch Spuren sozusagen religiöser und mythologischer Dialektverschiedenheiten in größerer Reichlichkeit als jetzt der Fall ist finden, gäbe es nur Überlieferungen, die es uns erleichterten solche Spuren herauszuerkennen: Überlieferungen, die wie in Griechenland oder Ägypten so auch in Indien lokale Besonderheiten der Kulte festhielten und auf diese Weise das Zusammentreffen des von verschiedenen Seiten Herstammenden klarzulegen erlaubten. Solche Überlieferungen aber sind eben das, was uns fehlt. Von geringen Ausnahmen abgesehen²) mangeln dem Bilde des vedischen Glaubens und Kultus alle lokalen, bodenständigen Züge. Wir hören nicht vom Kult des Pūru- oder des Turvaśastammes, sondern nur vom Kult der Arier im allgemeinen. Es scheint, daß die brahmanischen Sänger und Sängerfamilien mit den einzelnen Stämmen, im ganzen wenigstens, nicht sehr fest verwachsen waren, sondern wie die wechselnden Zeitläufte es mit sich brachten, bald hier bald dort ihre Kunst übten. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß ein Auseinanderhalten der von der einen und von der anderen Seite stammenden Faktoren innerhalb des Gesamtkomplexes des vedischen religiösen Wesens schwer gelingen kann.