Die Religion des Veda c7.s6.36
Die Religion des Veda c7.s6.36
- Language
- German
c7.s6.36
Pūṣan ist in verschiedensten Situationen tätig; der immer wiederkehrende Grundzug aber seines Wirkens ist, daß er die Wege kennt, die Wege zeigt, die Wege führt, vor Verirren, Verlorengehen bewahrt, Verirrtes zurückführt, Verlorenes wiederfindet. Man hat ihn für einen Gott des Ackerbaus und der Herdenzucht gehalten; er beschützt aber Ackerbau und Herdenzucht eben insofern als er die Furche, die der Pflug zieht, in der rechten Richtung leitet, als er, mit dem Ochsenstachel ¹) ausgerüstet, den Kühen auf ihren Wegen nachgeht, damit sie sich nicht verlieren. Treibt man die Kühe auf die Weide, so spricht man den Vers: „Pūṣan gehe unseren Kühen nach“; laufen sie auf der Weide umher, betet man: „Pūṣan lege hinter ihnen seine rechte Hand um sie herum; das Verlorene bringe er uns wieder“ ²). Während sein Wirken für die Herden also ganz vom Motiv des rechten Weges beherrscht wird, finden wir dies selbe Motiv in allen möglichen Variationen bei ihm wieder auch ohne Beziehung auf die Herden ³). So führt er die Braut auf sicherem Weg vom Elternhaus zum Hause des Gatten; man betet, ehe sie diesen Weg zurücklegt: „Pūṣan fasse dich an der Hand und führe dich von hier“ ⁴). Er führt auch den Toten ins Jenseits; man bittet ihn, der alle Bahnen kennt, dem kein Stück Vieh verloren geht, den Toten von seiner irdischen Heimat aufbrechen zu lassen, auf dem Wege vor ihm schützend einherzugehen, ihn den Vätern abzuliefern¹). Wer auf ein Geschäft ausgeht, opfert Pūṣan mit dem Lied: „Wir spannen dich an wie einen Wagen, Pūṣan, Herr des Weges“; wer einen Weg machen will, opfert Pūṣan dem Wegbereiter; auch wer sich verirrt hat, wendet sich an Pūṣan²). Bei den Spenden an alle Götter und Wesen, die morgens und abends verteilt werden, empfängt Pūṣan der Wegbereiter die seinige auf der Schwelle des Hauses³). Er vertreibt die Bösen vom Wege, den Wolf, den Wegelagerer⁴). Er der Herr des Weges ist selbst auf dem Wege geboren, „auf dem Pfade des Himmels, dem Pfade der Erde; zwischen den beiden geliebtesten Stätten wandert er hin und her, der Kundige“⁵). Seine Gattin ist Pathyā, die Personifikation der Wege⁶). Mit goldenen Schiffen im Meer und im Luftreich tut er Botendienst für die Sonne⁷). Der Wegekenner, der vor dem Verlieren behütet, findet auch das Verlorene und Versteckte und läßt es die Menschen finden; er hat den verborgenen Soma gefunden; er findet suchend das Versteck Agnis¹). Die Form, in der er dem Menschen Schätze gibt, ist die, daß er sie finden läßt; ihm opfert man, wenn man Verlorenes wiederzufinden wünscht²). — Auch das Tier Pūṣans, der Ziegenbock — Böcke ziehen seinen Wagen — wird mit seiner Herrschaft über die Wege zusammenhängen; dem Gott der Wege gehört das Tier, dem selbst die unwegsamsten Wege gangbar sind (vgl. Av. IX, 5, 9)³).
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- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit