Die Religion des Veda c8.s6.40
Die Religion des Veda c8.s6.40
- Language
- German
c8.s6.40
Es gehört nicht hierher anders als in kurzer Hindeutung diese Pflichten und Rechte der Purohitawürde zu berühren ¹). Wir haben uns vor allem mit ihrer sakralen Seite, in der die Wurzel ihrer Macht liegt, zu beschäftigen. Es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn man in sakraler Hinsicht den Purohita geradezu als ein *alter ego* des Königs bezeichnet. Die Anrufung des Agni wurde erwähnt, bei der man an der Stelle, wo die Ahnen des Opferherrn zu nennen waren, des Purohita Ahnen nannte. Beim Roßopfer soll der König, wenigstens nach Ansicht einiger Lehrer, gewisse Spenden mit den Opferfeuern des Purohita vollziehen ²). An dem Fasten, durch das der König Mißgriffe in der Kriminalrechtspflege zu büßen hat, soll der Purohita teilnehmen ³). Die Hauptsache aber ist, daß von ihm die obersten Anordnungen für alle königlichen Opfer und sonstigen Kult- und Zauberhandlungen auszugehen haben. Mit den verschiedensten Variationen wird in den Ritualtexten erzählt, wie die Götter, wenn es ihnen im Kampf gegen die Dämonen schlecht ging, sich an ihren Purohita, den Gott Bṛhaspati wandten: „Finde für uns eine Opferhandlung aus, durch die wir den Sieg über die Dämonen gewinnen.“ Ähnlich erzählt ein buddhistisches Sūtra ⁴), wie ein König der Vorzeit nach großen Siegen beschließt ein gewaltiges Opfer darzubringen, „das mir,“ sagt er, „für lange Zeit zum Segen und zur Freude gereichen möge“. Da läßt er seinen Purohita rufen, um von ihm Belehrung über das zu feiernde Opfer zu erhalten, und dieser erteilt sie ihm, indem er die Gelegenheit zu mancherlei moralischen und erbaulichen Betrachtungen benutzt¹). Schon im Ṛgveda (X, 98) finden wir den Purohita Devāpi, der für seinen König ein regenspendendes Zaubergebet erlangt und es beim Opfer anwendet. Der Atharvaveda (III, 19) zeigt den Purohita Schlachtzauber treibend. Ein buddhistischer Text²) berichtet, wie der Purohita dem König Vorzeichen meldet und das zu deren Expiation Nötige angibt. Bei der großen Masse der heiligen Handlungen des häuslichen Kultus, bei den Zauberhandlungen und Sühnungen, die im Namen des Königs zu vollziehen sind, werden wir uns ohne Zweifel auch den Purohita als den eigentlich Tätigen vorzustellen haben³): den rechten Nachfolger des Medizinmanns der Wilden, der für seinen Häuptling allen Zauber verrichtet⁴).
Linked texts (2)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit