Astronomie, Astrologie und Mathematik c5.18
Astronomie, Astrologie und Mathematik c5.18
- Language
- German
c5.18
§ 53. Ursprung der indischen Mathematik. — Wir haben schliesslich die Frage aufzuwerfen, ob die ganze Entwickelung der Mathematik bei den Indern als eine selbständige anzusehen ist, oder ob sie fremden Anregungen entweder entsprungen oder doch durch solche in ihrem Fortgang wesentlich beeinflusst worden ist. Die Ähnlichkeit, welche Teile der indischen Mathematik mit Teilen der griechischen haben, legt diese Frage schon von selbst nahe; und dann sind wir ja ausserdem oben zu dem Schlusse gekommen, dass die wissenschaftliche Astronomie der Inder ein Ableger griechischer Wissenschaft ist. Und in welch engem Zusammenhange die Mathematik der Inder mit ihrer Astronomie steht, darauf haben wir schon mehrfach hingewiesen. Ein Eingehen auf die Möglichkeit griechischen Einflusses auch im Gebiete der Mathematik ist daher unabweislich. Es ist hier bedeutend schwieriger, zu einer Entscheidung zu kommen, als im Falle der Astronomie. Solch ganz unzweideutige äussere Indicien wie das Vorkommen von technischen Ausdrücken unverkennbar griechischen Ursprunges fehlen auf dem Gebiete der Mathematik. Ebenso fehlt es hier an einem Zusammentreffen der beiderseitigen Disciplinen in halbwahren Theorien, entsprechend etwa der Theorie der Epicyklen auf astronomischem Gebiete. Dass die Übereinstimmungen dieser speciellen Art eine ganz besondere Beweiskraft für thatsächlichen historischen Zusammenhang haben, ist evident. Die Abwesenheit solcher und ähnlicher Gründe ist natürlich den Ansprüchen der Inder auf Originalität im Gebiete der Mathematik in gewissem Grade günstig. Dazu kommen nun die schon oben berührten Umstände, dass wenigstens die Arithmetik der Inder in keiner Weise als aus Griechenland stammend angesehen werden kann, und dass in einigen höheren Gebieten, besonders dem der unbestimmten Analyse, ihre Leistungen bedeutend über die der Griechen hinausgegangen sind.