Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s10: § 65. Durst und Hitze, Fettsucht und Abmagerung
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s10
- Language
- German
§ 65. Durst und Hitze, Fettsucht und Abmagerung
c36.s10.1
— Durst und Hitze, eine gewöhnliche Begleiterscheinung des Fiebers und anderer Krankheiten, werden auch als selbständige Krankheiten behandelt. Krankhafter Durst (*tṛṣṇā*) besteht darin, dass man trotz unaufhörlichen Wassertrinkens doch niemals Befriedigung erlangt, sondern noch immer mehr Wasser haben möchte (Su.). Der krankhafte Durst beginnt mit Trockenheit des Mundes, der Lippen, des Gaumens und Halses, stetem Verlangen nach Wasser, Hitze, Brennen, Geistesverwirrung, Schwindel, Irrereden. Es folgen Stiche in den Schläfen und im Hals, schlechter Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, gelbe Färbung der Augen, des Urins und der Stühle, kaltes Fieber, Entzündung der Haut, Stimmlosigkeit, Speichelfluss, Brustschmerzen, übermässige Trockenheit, Verlangen nach Kaltem und andere Erscheinungen, je nach der Entstehungsart des Durstes. Hoffnungslos ist der Fall, wenn der Kranke erschöpft, bewusstlos, taub ist und die Zunge herausstreckt. Die Behandlung besteht hauptsächlich in Darreichung von kaltem Wasser mit verschiedenen Zusätzen, Milch und anderen Flüssigkeiten (C. 6, 22; Su. 6, 48; S. 3, 5, 273; 4, 8, 47 f.; A. 3, 5, 45 ff.; 4, 6, 58 ff.; M. 141—4; Vṛ. 16).
c36.s10.2
*Dāha*, Hitze oder Brennen, zerfällt in sieben Arten. *Dāha* von Galle zeigt die gleichen Erscheinungen und ist ebenso zu behandeln wie Gallenfieber (§ 51). Die gleiche Kurmethode ist auch bei der von dem Genuss geistiger Getränke herrührenden gefährlichen Erhitzung der Haut anzuwenden. Wenn das überschüssige Blut die Hitze bewirkt, so durchdringt es den ganzen Körper, der Kranke fühlt sich wie gebrannt, sieht rot aus und hat rote Augen. Wer aus Unverstand seinen Durst nicht löscht, empfindet äusserlich und innerlich Hitze, Gaumen, Hals und Lippen sind trocken, er lässt die Zunge heraushängen und zittert. Wenn aus einer Wunde Blut fliesst, so entsteht schwer heilbare Hitze. Unheilbar ist die Hitze, die durch Verletzung eines edeln Teils, wie Kopf, Herz oder Blase entsteht, ebenso die von Schwund der Körperelemente (Auszehrung) herrührende Hitze, ferner (innere) Hitze, bei der die Glieder kalt sind. Zur Heilung gebrauche man Salben, besonders von Sandelholz, oder wickle den ganzen Körper in ein mit sauerem Reisschleim befeuchtetes Tuch ein, kühle den Erhitzten mit Fächern, setze ihn in ein Wassergefäss, besprenge ihn mit Wasser, gebe ihm Zuckersaft zu trinken und gebrauche überhaupt Mittel gegen Galle (M. 158 f.; Vṛ. 19; Bh. 2, 2, 121—4; V. 322 ff.). Über Brennen an den Füssen (*pādadāha*) s. § 89.
c36.s10.3
Die Fettsucht (*medas*, *medodoṣa*, *medovṛddhi*) entsteht durch Mangel an Bewegung, Schlafen bei Tag und schleimige Nahrung, und bewirkt Anhäufung des Fetts, besonders am Unterleib, Unfähigkeit zu jeder Arbeit, Kurzatmigkeit und Stocken des Atems, Durst, Geistesverwirrung, Schläfrigkeit, Mattigkeit, Esslust, übelriechenden Schweiss, geringe Neigung zum Beischlaf, mit der Zeit auch gefährliche Krankheiten wie Rotlauf, Mastdarmfistel, Fieber, Durchfall, Harnruhr, Hämorrhoiden, Elephantiasis, Gelbsucht, die den Tod herbeiführen. Die Behandlung besteht hauptsächlich in Regelung der Diät und Lebensweise, so wird Wachen, Bewegung, Beischlaf, Marschieren, Ermüdung u. dgl. empfohlen (M. 234 f.; Vṛ. 36; Bh. 2, 3, 69 ff.; V. 528—35; vgl. Su. 1, 15; C. 1, 21).
c36.s10.4
Abmagerung (*kārśya*) entsteht durch trockene oder ungenügende Nahrung, Fasten, Überanstrengung, Unterdrückung des Schlafbedürfnisses, Beischlaf, Kummer, Sorgen, langes Kranksein u. dgl. und führt zu Milz- und Leibesanschwellung, Husten, Schwindsucht, Asthma, Hämorrhoiden und anderen schweren Leiden. Angeborene Magerkeit ist unheilbar, gegen erworbene gebe man nahrhafte und kräftigende Mittel und Aphrodisiaca u. dgl. (Bh. 2, 3, 75 ff.; vgl. Su. 1, 15; C. 1, 21).
c36.s10.5
¹ Vgl. Bloomfield, SBE. 42, 450.
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