Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t47: c) Brahmapurāṇa
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t47
- Language
- German
Contents
- c7.s2.t47.9 — 4 parts
c) Brahmapurāṇa
c7.s2.t47.1
Nach Brahmap. 214. 14 ff. gibt es 22 Höllen. Die Namen derselben sind folgende:
c7.s2.t47.2
Die Namen der Höllen.
c7.s2.t47.3
| 1. Naraka | 9. Vimohana | 17. Mahāghora (Var.: Mahāraudra) |
| 2. Raurava | 10. Kīṭāda | 18. Saṃdaṃśa |
| 3. Raudra | 11. Kṛmibhakṣa | 19. Śunabhojana |
| 4. Śūkara | 12. Lālābhakṣa | 20. Vaitaraṇī |
| 5. Tāla | 13. Bhrama | 21. Asipatravana |
| 6. Kumbhīpāka | 14. Nadyaḥ pūyavahāḥ | 22. ? |
| 7. Mahāghora | 15. Rudhirāmbhas | |
| 8. Śālmala | 16. Agnijvāla | |
c7.s2.t47.4
An diese Aufzählung schliesst sich ein längerer Traktat, deren kurzer Inhalt folgender ist. Alle lebenden Wesen ohne Ausnahme müssen den Weg zu Yama’s Reich antreten, mögen sie nun aus dem Mutterleibe geboren oder auf irgend eine andere Weise ins Dasein getreten sein. Sie müssen alles hier auf Erden verlassen, wenn sie seinem Befehle folgen müssen. Hat der Mensch die ihm bestimmte Lebensspanne vollendet, so tritt auf irgend eine Weise, natürlich oder gewaltsam der Tod ein, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Alter, Tageszeit, Zustand oder Lebenslage. Die Seele verlässt den alten Körper und zieht in einen neuen sogenannten Vergeltungsleib ein, der aus dem Karman der Handlungen ihres vergangenen Daseins entstanden und zur Übernahme der Folgen der Vergeltung für diese bestimmt ist. Der Gute hat einen angenehmen Tod, aber der Böse hat ein furchtbares Ende. Ist die Seele unter Schmerzen aus dem Körper ausgewandert, so kommen die Boten Yama’s, in deren Beschreibung von ihrem furchtbaren Aussehen der Text sich nicht genug tun kann, und schleppen ihn mit Gewalt und Schlägen auf einem ungangbaren und grausigen Wege zu der Stadt des Yama. Diese besteht aus Eisen, ist 100 000 Yojana breit, viereckig und hat goldene 10000 Yojana hohe Mauern.
c7.s2.t47.5
Die Wanderung der Verstorbenen zur Stadt des Yama und Schilderung derselben
c7.s2.t47.6
Das östliche Tor, mit Flaggen geschmückt, mit allen möglichen Edelsteinarten verziert und mit dem Gesang und Tanz von Gandharva und Apsaras erfüllt, dient nur Göttern, Ṛṣi, Yogin, Gandharva, Siddha, Yakṣa, Vidyādhara und Visarpin (?) zum Eintritt. Das nördliche Tor, mit Schellen, Wedeln und Sonnenschirmen versehen, mit mannigfachen Juwelen geschmückt, von den Tönen der Leier und Flöte ¹), Liedern und Gebeten wiederhallend und mit Asketenscharen angefüllt, die den Ṛg-, Yajur- und Sāma-Veda rezitieren, ist bestimmt für jene Gerechten, die das Gelübde der Wahrheit hielten, im Sommer Wasser und im Winter Feuer spendeten, Erschlaffte massierten, freundliche Reden führten, Freigebigkeit übten, Helden waren, Vater und Mutter achteten, den Brāhmaṇen gehorchten und ihre Gäste ehrten. Das westliche Tor ist mit Juwelen verziert, hat eine Treppe aus bunten Edelsteinen, ist mit Spießen versehen, ertönt von dem Schalle der Pauken, Muschelhörner und Trommeln und den frohen Gebeten (maṅgala) der Scharen der Vollendeten. Durch dieses Tor treten nur jene ein, die die Liebe zu Śiva besitzen, an allen heiligen Plätzen gebadet und die fünf Feuer verehrt haben, die Männer, die auf der Wanderung oder auf dem Berge Kālañjara gestorben, im Feuer umgekommen sind, den Hungertod durch Fasten gefunden haben, und jene, die für ihre Herren, ihre Freunde oder die Menschen im Schlachtgetümmel gefallen sind. Das südliche Tor ist schrecklich und erregt Angst bei allen Wesen. Es erschallt von Wehgeschrei, ist in Finsternis gehüllt, mit scharfen Spitzen und Dornen versehen. Hier sind Skorpione, Schlangen, Insekten mit diamantenen Stacheln (vajrakiṭa), reissende Tiere wie Wölfe, Tieger, Bären, Löwen und Schakale, Hunde, Katzen und Geier mit feuerigem Atem. Es dient allen Bösewichtern zum Eintritt, die Todsünden begangen, die z. B. Brāhmaṇen, Kühe, Kinder, Greise, Kranke, Schutzbefohlene, arglos Vertrauende, Weiber, Freunde und Wehrlose getötet, unerlaubten Geschlechtsverkehr geübt und fremdes Gut geraubt, Pfänder unterschlagen, sich als Giftmischer oder Brandstifter betätigt, fremdes Land, Haus, Bett, Kleidung und Schmuck gestohlen haben, grausam gegen die Schwächen anderer gewesen sind und die Unwahrheit gesagt, grosses Leid über Dörfer, Städte und Länder gebracht, Falschzeugen gestellt und Mädchenhandel betrieben, unerlaubte Speisen genossen, mit Tochter oder Schwiegertochter in unerlaubtem Geschlechtsverkehr gelebt und Injurien gegen ihre Eltern ausgesprochen haben.
c7.s2.t47.7
¹ reṇu im Text fälschlich für veṇu.
c7.s2.t47.8
Das Totengericht. Durch dieses Tor müssen die Verdammten die Stadt des Yama betreten. Der Text schildert in recht weitschweifender Weise die unsäglichen Qualen, die die Verdammten durch die Schrecken und Hindernisse des Weges, Hunger und Durst und die Grausamkeit der Höllendiener, die sie vorwärts zerren und in einem fort allen möglichen Waffen und Marterwerkzeugen bearbeiten, zu erdulden haben. Nachdem sie alsdann in die Stadt des Yama gekommen sind, werden sie vor diesen geführt, der ein furchtbares und Schrecken erregendes Aussehen hat, um von ihm abgeurteilt zu werden. Citragupta, der die menschlichen Taten im Reiche Yama’s aufzeichnet, hält den Verdammten die Sünden ihres vergangenen Lebens vor, und dann fällt Yama das Urteil, dass sie in den Flammen des Höllenfeuers von ihren Sünden gereinigt werden sollen. Hierauf werfen die Diener Yama’s die Verdammten in die Höllen, die man nach Tausenden und Millionen zählt. Name, Grösse und Beschreibung einer Anzahl von Höllen ist folgende:
c7.s2.t47.9.1
Beschreibung der Höllen und ihrer Qualen. Die Hölle Mahāvīci ist 10 000 Yojana breit, ist mit Blut überschwemmt und mit diamantenen Dornen versehen. 100 000 Jahre lang wird von diesen der Mörder von Kühen zerrissen. Kumbhīpāka ist 100 000 Yojana gross und enthält einen glühenden von (glühendem) Sand und Kohlen umgebenen Kupferkessel, in dem Brāhmaṇenmörder, Landräuber und Pfandhinterzieher bis zum Weltuntergange geschmort werden. Raurava ist 60 000 Yojana lang und breit und ist mit glühenden Pfeilen bedeckt. Falschzeugen werden hier wie Zuckerrohr gepresst. Die Hölle Mañjūṣa ist aus glühendem Eisen; in dieselbe werden die geworfen, die Gefangene ergriffen haben. Die Hölle Apratiṣṭha ist mit Eiter, Kot und Urin angefüllt, kopfüber stürzt in sie hinein, wer einen Brāhmaṇen gequält hat. Vilepaka enthält glühenden Lack; hier brennen die Brāhmaṇen, die berauschende Getränke genossen haben. In der Hölle Mahāprabha ist ein grosser glühender Pfahl, mit dem alle Gattenmörder durchbohrt werden. Furchtbar ist die Hölle Jayantī und der eiserne Felsen (ayasī śilā); auf diesen muss der Böse hinaufsteigen, der fremde Weiber besucht hat. In der Hölle Śālmala steht der Śālmali-Baum mit starken glühenden Dornen; diesen muss das Weib, das zu vielen Männern gegangen ist, umarmen. Die die Unwahrheit reden, um andern die Ehre abzuschneiden, denen wird von den Dienern Yama’s die Zunge abgeschnitten.
c7.s2.t47.9.2
Die mit Leidenschaft und lüsternen Blicken ein fremdes Weib angesehen haben, denen werden die Augen mit Pfeilen durchstochen, ferner denjenigen, die mit Mutter, Schwester, Tochter oder Schwiegertochter in unsittlicher Weise verkehrt haben. Ein Flammenmeer ist die Hölle Mahāraurava, 14 000 Yojana gross. Wer Stadt, Land, Haus oder Dorf gebranntschatzt, brennt hier während eines ganzen Kalpa, und die Mörder an Weibern, Kindern und Greisen werden gequält, so lange 14 Indra regieren. Tāmisra ist 100 000 Yojana breit und furchtbar durch die ständig niederfallenden Schwerter, Speere und Hämmer. Hier werden Diebe hineingeworfen und von den Dienern Yama’s mit Spiessen, Speeren, Keulen und Schwertern bis zu 300 Kalpa hindurch gepeinigt. Doppelt so gross wie Tāmisra ist Mahātāmisra, voll von Blutegeln und Schlangen und lichtlos; wer Mutter, Vater, Freund oder Vertrauten getötet hat, wird hier zerfleischt, so lange die Erde steht. Asipatravana ist eine sehr böse Hölle, 10 000 Yojana breit und voll flammender Schwerter, durch deren Herabfallen der Freundesmörder zerschnitten wird bis zum Weltuntergange. Die Hölle Karambhavālukā ist 10 000 Yojana gross, gleicht einem Brunnen und ist mit glühendem Sand, Kohlen und Dornen angefüllt; 300 000 000 Jahre wird hier gebrannt und zerspalten, wer mit falschen Mitteln einen Menschen verbrannt hat. Kākola ist von Würmern und Jauche überschwemmt; in diese Hölle wird der geworfen, der für sich allein leckere Speise isst.
c7.s2.t47.9.3
Die Hölle Kuḍmala ist voll von Koth, Urin und Blut und für die bestimmt, die die fünf Opfer nicht dargebracht haben. Sudurgandha ist ganz furchtbar, voll von Fleisch und Blut und ist für die Bösen, die sich an Speisen ergötzt haben, die sie nicht geniessen durften. Die Hölle Mahāvaṭa ist voll von Würmern und Insekten, voll von Leichnamen; hier stürzt kopfüber der Mädchenverkäufer hinein. Tilapāka ist eine furchtbare Hölle; wie Sesam werden hier gepresst, die sich an den Schmerzen anderer erfreut haben. Die Hölle Tailapāka ist mit glühendem Öl überschwemmt; in ihr wird gepeinigt, wer Freund oder Schutzbefohlenen getötet hat. Vajrakapāṭa hat Ketten aus Diamant, mit denen erbarmungslos die gequält werden, die Milch verkauft haben. Nirucchvāsa ist in tiefe Finsternis gehüllt und ohne Luftzug; hier wird der hineingeschleudert, der Geschenke an Brāhmaṇen verhindert. Aṅgāropacaya leuchtet auf von glühenden Kohlen; hier wird der gebrannt, der einem Brāhmaṇen eine Gabe versprochen, ihm dieselbe aber nicht gegeben hat. Mahāpāyi ist 100 000 Yojana breit; hier werden jene kopfüber hineingestürzt, die stets die Unwahrheit gesagt haben. Mahājvāla leuchtet von Flammen; wer an Böses denkt, wird hier sehr lange gebrannt. In der Hölle Krakaca werden die Männer, die verbotenen Geschlechtsverkehr geübt haben, mit diamantharten Sägen bearbeitet. Die Hölle Guḍapāka ist bedeckt mit Teichen glühender Kugeln; in diese wird der hineingestossen, der die Kasten vermischt hat.
c7.s2.t47.9.4
Die Hölle Kṣuradhāra hat scharfe Messer, die bis zum Ende eines Kalpa die zerschneiden, die Brāhmanen-Land geraubt haben. Ambariṣa glüht durch das Weltuntergangsfeuer, 100 Koṭi von Weltperioden wird hier ein Goldräuber gebrannt. Vajrakuṭhāra ist voll von Äxten aus Diamant; hier werden die gespalten, die Bäume fällen. Die Hölle Paritāpa glüht durch das Weltuntergangsfeuer; der Giftmischer und Honigräuber wird hier gebraten. Kālasūtra ist aus einer diamantenen Schnur verfertigt; die das Getreide anderer geplündert haben, werden hier beim Umhergehen zerrissen. Kaśmala ist bedeckt mit Schleim und Rotz; der schnaps- und Fleischliebhaber wird ein Kalpa hier hineingestürzt. Ugragandha enthält Speichel, Harn und Kot; sie ist bestimmt für die, den Manen nicht die vorgeschriebenen Mehlklöse dargebracht haben. Durdhara ist voll von Blutegeln und Skorpionen; 10 000 Jahre muss der hierin stehen, der von Bestechung gelebt hat. Die Hölle Vajramahāpīḍā ist aus Diamant; Diebe werden hier gepeinigt und gebrannt. Je nach Art ihres Diebstahls ist ihre Strafe hier eine verschiedene. Mag einer im Leben in Gedanken, Worten oder Werken sündigen, in der Welt des Yama mit ihren Tausenden und Millionen Höllen erlangt er seine Strafe.
Linked texts (1)
- Brahmapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit