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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s3: III. Der fünfsylbige Pâda und das Metrum Dvipadâ Virâj

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s3

Language
German

III. Der fünfsylbige Pâda und das Metrum Dvipadâ Virâj

c4.s3.2

² Vergl. Kühnau 287 fgg.

c4.s3.3

Die vorherrschende Form des fünfsylbigen Pâda ist ˘ ¯ ˘ ¯ ˘, unzweifelhaft mit dem Ictus auf der zweiten und der vierten, vielleicht auch — was zu entscheiden kaum möglich sein wird — auf der fünften Sylbe. Neben der Kürze an dritter Stelle, welche die beiden ictustragenden Längen, zwischen denen sie steht, scharf hervortreten lässt, findet sich die Länge: wesentlich seltener als die Kürze, aber doch immerhin bei weitem häufiger, als im Ausgang der vorher besprochenen metrischen Reihen Längen statt der Kürzen auftreten. Ziemlich selten aber erscheint an der zweiten, noch seltener an der vierten Stelle des fünfsylbigen Pâda eine Kürze.

c4.s3.4

Wir theilen folgende Zählungen mit:

c4.s3.5

| Metrum | I, 65. 66 | VII, 34, 1-21 | IX, 109, 1-21 | Summe |
| ---⌣ | 31 | 26 | 29 | 86 |
| ⌣--⌣ | 33 | 38 | 30 | 101 |
| ⌣--- | 6 | 8 | 9 | 23 |
| ---⌣ | 9 | 3 | 11 | 23 |
| ⌣⌣-- | 1 | 3 | — | 4 |
| ⌣⌣-- | — | 2 | — | 2 |
| ⌣⌣-- | — | 2 | — | 2 |
| ---⌣ | — | — | 1 | 1 |
| ⌣⌣-- | — | — | 2 | 2 |
| ---⌣ | — | — | 1 | 1 |
| ⌣--- | — | — | 1 | 1 |

c4.s3.6

Als Vers muss offenbar die Verbindung von vier, nicht von zweimal vier Pâdas der beschriebenen Art angesehen werden ¹). Am sichtbarsten entscheidet hierfür das Lied IX, 109: das Fortlaufen und Abbrechen des Gedankenzusammenhangs und damit übereinstimmend die Aushebungen im Sâmaveda ²) führen hier auf Tricatheilungen, bei welchen sich als Verseinheit die Zahl von vier fünfsylbigen Pâdas herausstellt ³). In diesem, und nicht etwa in dem doppelten Umfang sind denn auch die betreffenden Verse in die Sammlung der Sâman-Yonis (Sâmaveda I), die ihrem Princip nach lauter einzelne Verse enthält, aufgenommen worden.

c4.s3.7

¹ Die indische Tradition schwankt über diesen Punct. Siehe Rik-Prâti-çâkhya 847. 855. 1001 mit M. Müller's Anmerkungen; Ind. Studien VIII, 49 fg. etc.

c4.s3.8

² Das erste Ârcika des Sv. hat als Yonis die Verse IX, 109, 1. 4. 7. 10. 13, also jedesmal den ersten von je 3 Versen; das zweite Ârcika enthält die Tricas 1-3; 4-6; 10-12; 16-18.

c4.s3.9

³ Es sei noch auf folgenden Umstand hingewiesen. Bekannt ist das häufige Erscheinen zweier Parallelhymnen mit demselben Schlussvers und derselben Verszahl. Zwei solche Hymnen sind offenbar VII, 34 und 56; dass beide übereinstimmend 25 Verse haben, ist sicher nicht zufällig. Nun bestehen diese Lieder theils aus Dvipadâs, theils aus Trishṭubh; da aber Lied 34 mehr Verse der ersten, Lied 56 mehr der zweiten Art hat, so würde sich für beide eine verschiedene Gesammtverszahl ergeben, wenn man nicht mit der Ueberlieferung 20, sondern 40 Sylben als einen Dvipadâvers rechnete.

c4.s3.10

Die Abgrenzung der Pâdas — oder wenigstens der Pâdas I und II resp. III und IV, welche offenbar zu zweien innerhalb des Verses untergeordnetere Einheiten bilden — ist weniger scharf als bei den übrigen vedischen Versen: während sonst die Regel, dass das Pâdaende ein Wortende sein muss, im Ṛigveda keine Ausnahmen hat, fällt bei diesem Metrum die Pâdagrenze nach I und III an drei Stellen — bei der Seltenheit des Versmaasses eine nicht unerhebliche Zahl — in ein Wort hinein und stellt sich so auf eine Linie vielmehr mit der Cäsur der Triṣṭubh oder Jagatî, die auch gelegentlich vernachlässigt wird, als mit dem Pâdaende jener Metra. Die Stellen sind ¹):

c4.s3.11

¹ Vergl. in Bezug auf Ṛv. VI, 44, 7 fg. noch oben S. 92.

c4.s3.12

I, 68, 2 bhuvad devo devânâm mahitvâ²) 70, 10 vi tvâ naraḥ purutrâ saparyan VII, 34, 17 mâ no' ahir budhnio rishe dhât.

c4.s3.13

² Die Umstellung devo devânâm (Bollensen) läge nahe, muss aber auf Grund der beiden andern Stellen als überflüssig abgewiesen werden.

c4.s3.14

Schon oben (S. 73) wurde auf die Aehnlichkeit der elfsylbigen Triṣṭubhreihe (zunächst derjenigen, welche die Cäsur nach der fünften hat) mit der Verbindung zweier fünfsylbiger Reihen hingewiesen. Wie wir daher in Triṣṭubh-Liedern nicht selten die erstere durch die letztere vertreten finden (a. a. O.; vergl. auch S. 91), begegnet auch umgekehrt in Virâj-Liedern mehrere Male ein Triṣṭubh-Pâda als Ersatz für zwei fünfsylbige Reihen: I, 69, 8; 70, 4. 10. In den beiden langen Virâj-Liedern des siebenten Buches findet, nachdem eine Reihe reiner Virâj-Verse vorangegangen ist, ein Uebergang von Virâj zu Triṣṭubh im Innern des Verses statt (VII, 34, 21; 56, 10), und es folgen dann jedesmal bis zum Schluss des Liedes reine Trishtubh-Verse ¹).

c4.s3.15

¹ Hier mag auch IX, 109, 22 erwähnt werden: ein Schlussvers nach Virâj-versen, gebildet aus einem Jagatî- und einem Gâyatrî-Pâda.

c4.s3.16

Durch diese Neigung zu Verbindungen von Trishtubh und Virâj hat sich die vedische Verstechnik in einem Liede des Rigveda zur Schöpfung eines eignen Metrums aus diesen beiden Elementen führen lassen: in IV, 10, welches aus Versen von drei ²) fünfsylbigen Pâdas und einer Trishtubh-Reihe gebildet ist ³):

c4.s3.17

² In Vers 5 sind es vier solche Pâdas.

c4.s3.18

³ Vergl. Max Müller, Rigv. translation, pref. p. CVI; Kühnau 288 fgg.

c4.s3.19

agne tam adya
aṣvam na stomaiḥ
kratum na bhadram
hṛidispr̥iṣam || ṛidhiâmâ ta' ohaiḥ ⁴).

c4.s3.20

⁴ Das Avasâna steht im überlieferten Text hinter statt vor hṛidispr̥iṣam. Ein ähnlicher Fehler findet sich Vers 7.

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