Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s10: Die Vedāṅgas
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s10
- Language
- German
Contents
- v1.c8.s10.t1 Die Rituallitteratur — 33 parts
- v1.c8.s10.t2 Die exegetischen Vedāṅgas — 26 parts
Die Vedāṅgas
v1.c8.s10.1
In einer der Upaniṣads wird uns gesagt, daſs es zweierlei Wissenschaften gibt, eine höhere und eine niedrigere. Die höhere ist die, durch welche das unvergängliche Brahman erkannt wird, die niedrigere aber besteht aus »Rigveda, Yajurveda, Sāmaveda, Atharvaveda, Phonetik, Ritual, Grammatik, Etymologie, Metrik und Astronomie«¹). Dies ist die älteste Aufzählung der sogenannten sechs Vedāṅgas, d. h. der sechs »Glieder« oder Hilfswissenschaften des Veda²). Ursprünglich sind damit weder eigene Bücher noch eigene Schulen gemeint, sondern nur Lehrgegenstände, welche in den vedischen Schulen selbst gelernt werden muſsten, um die vedischen Texte zu verstehen. Wir finden daher die Anfänge der Vedāṅgas bereits in den Brāhmaṇas und Āraṇyakas, wo wir neben den Erklärungen des Opferrituals auch bereits gelegentlich phonetische, grammatische, etymologische, metrische und astronomische Auseinandersetzungen finden. Im Laufe der Zeit wurden aber diese Gegenstände mehr systematisch behandelt, und es entstanden — immer noch innerhalb der vedischen Schulen — besondere Fachschulen für jede der sechs Hilfswissenschaften des Veda. Aus diesen sind dann eigene Lehrtexte, »Lehrbücher«, hervorgegangen, die in einem eigentümlichen, zum Auswendiglernen bestimmten Prosastil abgefaſsten Sūtras.
v1.c8.s10.2
¹ Muṇḍaka-Up. I, 1, 5: ṛgvedo yajurvedaḥ sāmavedo 'tharvavedaḥ | śikṣā kalpo vyākaraṇaṃ niruktaṃ chando jyotiṣam ||
v1.c8.s10.3
² Vgl. oben S. 51 und Ludwig, Der Rigveda III, S. 74 ff.
v1.c8.s10.4
Das Wort sūtra bedeutet ursprünglich »Faden«, dann eine »kurze Regel«, einen in wenigen Worten zusammengedrängten Lehrsatz. Wie nämlich — dies dürfte die Erklärung des Bedeutungsüberganges sein — aus mehreren Fäden ein Gewebe gemacht wird, so wird aus solchen kurzen Lehrsätzen ein Lehrsystem³) zusammengewoben. Ein gröſseres Werk, welches aus einer Aneinanderreihung solcher Sūtras besteht, heiſst dann ebenfalls Sūtra⁴). Der Zweck dieser Werke ist ein rein praktischer.
v1.c8.s10.5
³ Ähnlich bedeutet das Wort tantra ursprünglich »Gewebe«, dann ein Lehrsystem, ein litterarisches Werk, ein Buch.
v1.c8.s10.6
⁴ Man vergleiche das Wort brāhmaṇa, welches ursprünglich »Ausspruch eines Theologen« bedeutet, dann kollektivisch für die Sammlungen solcher Aussprüche gebraucht wird, und das Wort upaniṣad, welches zuerst eine Geheimlehre, dann aber ein gröſseres Werk, eine Sammlung von Geheimlehren bezeichnet. (Oben S. 164 und 207 f.)
v1.c8.s10.7
Es soll in denselben irgendein Wissen systematisch in gedrängter Kürze dargestellt werden, so daſs es der Schüler leicht auswendig lernen kann. Es gibt wohl in der ganzen Litteratur der Welt nichts Ähnliches wie diese Sūtras der Inder. Dem Verfasser eines solchen Werkes ist es darum zu tun, in möglichst wenigen Worten — selbst auf Kosten der Klarheit und Verständlichkeit — möglichst viel zu sagen. Der Grammatiker Patañjali hat den oft zitierten Ausspruch getan, daſs ein Sūtraverfasser sich über die Ersparnis eines halben kurzen Vokals ebenso freue wie über die Geburt eines Sohnes. Nur durch Beispiele ist es möglich, eine Vorstellung von der ganz eigenartigen aphoristischen Prosa dieser Werke, dem Sūtrastil, zu geben. Was in den beiden folgenden Stellen in unserer Übersetzung in Klammern gegeben ist, muſs ergänzt werden, um den Sinn der abgerissenen Worte verständlich zu machen:
v1.c8.s10.8
Āpastambīya-Dharmasūtra I, 1, 1, 4—8:
v1.c8.s10.9
*Sūtra 4:* (Es gibt) vier Kasten: Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Šūdras. *Sūtra 5:* Von diesen (ist) immer die vorhergehende der Geburt nach besser (als jede folgende). *Sūtra 6:* Für (diejenigen, welche) nicht Šūdras (sind) und nicht böse Handlungen begangen haben, (ist vorgeschrieben:) Schülerweihe, Vedastudium, Feueranlegung; und (diese heiligen) Handlungen (sind) fruchtbringend (in dieser Welt und in der nächsten). *Sūtra 7:* Gehorsam gegen die anderen Kasten (ist die Pflicht) der Šūdras. *Sūtra 8:* Bei jeder vorhergehenden Kaste (ist) das Heil gröſser (d. h. je höher die Kaste ist, welcher ein Sūdra dient, desto gröſser ist das Heil, welches ihm dafür im Jenseits zuteil wird).
v1.c8.s10.10
Gobhila-Gṛhyasūtra I, 5, 1—5; 8—9:
v1.c8.s10.11
*Sūtra 1:* Nun beim Neu- und Vollmond (d. h. am Neumondstag und am Vollmondstag sind die folgenden Zeremonien zu verrichten): *Sūtra 2:* An dem Vollmondstag (wo der Mond) zur (Zeit der Abend-)Dämmerung (aufgeht) soll er fasten. *Sūtra 3:* Einige (Lehrer sagen): an dem (darauf)folgenden (Tag, d. h. wenn der Mond kurz nach Sonnenuntergang aufgeht, soll er fasten). *Sūtra 4:* Ferner (soll er fasten) an dem Tage, an welchem der Mond nicht gesehen wird, (indem er) diesen als den Neumondstag (ansieht). *Sūtra 5:* Am Ende der Monatshälften soll man fasten, am Anfang der Monatshälften soll man opfern (d. h. den Opfern am Neumondstag oder am Vollmondstag soll immer ein Fasttag vorhergehen). *Sūtra 8:* An welchem Tage aber der Mond nicht gesehen wird, den mache man zum Neumondstage (d. h. den soll man als den Neumondstag feiern). *Sūtra* 9: Auch wenn (der Mond) nur einmal (des Tages gerade noch ein wenig) gesehen wird, (kann man diesen Tag als Neumondstag feiern; dann sagt man nämlich,) daſs (der Mond bereits) seinen Weg zurückgelegt hat.
v1.c8.s10.12
Der Sanskrittext enthält also nur die nicht-eingeklammerten Worte. Der Schüler lernte nur diese aphoristischen Sätze auswendig; die notwendigen Erklärungen erhielt er vom Lehrer. In späteren Zeiten wurden diese Erklärungen der Lehrer auch niedergeschrieben, und sie sind uns in den umfangreichen Kommentaren erhalten, die es zu allen Sūtratexten gibt, und ohne welche die Sūtras für uns zumeist unverständlich sein würden. Hervorgegangen ist dieser eigentümliche Sūtrastil aus der Prosa der Brāhmaṇas. Diese aus fast lauter kurzen Sätzen bestehende Prosa der Brāhmaṇas, welcher die indirekte Rede ganz fehlt, in welcher die Aufeinanderfolge von Hauptsätzen nur selten durch einen Relativsatz oder Konditionalsatz unterbrochen wird, und deren Eintönigkeit bloſs durch Partizipialkonstruktionen eine gewisse Abwechslung erfährt; in denen ferner — trotz einer gewissen Weitschweifigkeit, die sich namentlich in unbeholfenen Wiederholungen zeigt — vieles ungesagt bleibt, was sich beim mündlichen Vortrag und Unterricht von selbst versteht, während wir es in unseren Übersetzungen ergänzen müssen¹), — diese Prosa konnte leicht durch eine mehr und mehr übertriebene Vereinfachung zu solchen lapidarischen, abgehackten, bloſs durch die allernotwendigsten Partikeln aneinandergereihten Sätzen umgemodelt werden, wie sie uns in den Sūtras vorliegen. Zum Zweck der gröſseren Silbenersparnis und einer noch knapperen Zusammenfassung trat nur noch ein neues Element hinzu: die Bildung langer Komposita, denen wir in den Sūtras zum erstenmal begegnen, und die dann für die klassische Sanskritlitteratur besonders charakteristisch geworden ist und in späterer Zeit immer mehr überhandgenommen hat. Daſs der Sūtrastil sich aus der Prosa der Brāhmaṇas entwickelt hat, kann man noch deutlich daraus ersehen, daſs in den ältesten Sūtratexten häufig Zitate aus den Brāhmaṇas vorkommen und öfters auch, ohne dafs zitiert wird, brāhmaṇaartige Stellen sich mitten unter den Sūtras finden¹).
v1.c8.s10.13
¹ Vgl. oben S. 176 Anm. 1.
v1.c8.s10.14
¹ So sind einzelne Abschnitte des Śāṅkhāyana-Śrautasūtra in Stil und Charakter den Brāhmaṇas ähnlich (Weber, Indische Litteraturgeschichte, S. 59. Hillebrandt in der Vorrede zu seiner Ausgabe des Śāṅkhāyana-Śrautasūtra). Auch in dem Baudhāyana-Kalpasūtra gibt es zahlreiche Stellen, die sich ganz wie Brāhmaṇas lesen.
Die Rituallitteratur
v1.c8.s10.t1.1
Die ältesten Sūtrawerke sind denn auch in der Tat diejenigen, welche sich auch inhaltlich unmittelbar an die Brāhmaṇas und Āraṇyakas anschliefsen. Ja, in dem Aitareya-Āraṇyaka finden sich tatsächlich Stücke, welche nichts anderes als Sūtras sind und von der Überlieferung selbst den Sūtraverfassern Āśvalāyana und Śaunaka zugeschrieben und als nicht-offenbart bezeichnet werden²). Auch zum Sāmaveda gehören einige nur zu Unrecht als »Brāhmaṇas« bezeichnete Werke, die in Wirklichkeit Sūtras sind und ihrem Inhalte nach zur Vedāṅgalitteratur gezählt werden müssen. Das Ritual (kalpa), welches ja den Hauptinhalt der Brāhmaṇas ausmacht, ist denn auch dasjenige Vedāṅga, welches zuerst eine systematische Behandlung in eigenen Lehrbüchern, den sogenannten Kalpasūtras, erfahren hat. Sie entsprangen dem Bedürfnis, die Regeln für das Opferritual in einer kürzeren, mehr übersichtlichen und zusammenhängenden Form für die praktischen Zwecke der Priester zusammenzustellen. Je nachdem sich diese Kalpasūtras mit den in den Brāhmaṇas gelehrten Śrautaopfern oder mit den häuslichen Zeremonien und Opfern des täglichen Lebens, den Gṛhyariten, beschäftigen, heifsen sie Śrautasūtras und Gṛhyasūtras³).
v1.c8.s10.t1.2
² Vgl. Max Müller, History of Ancient Sanskrit Literature, S. 314 f., 339.
v1.c8.s10.t1.3
³ Vgl. oben S. 50 f. und 139 f.
v1.c8.s10.t1.4
Die Śrautasūtras enthalten demnach die Vorschriften über die Anlegung der drei heiligen Opferfeuer, über das Feueropfer (Agnihotra), die Neu- und Vollmondsopfer, die Jahreszeitenopfer, das Tieropfer und namentlich über das Somaopfer mit seinen zahlreichen Abarten⁴). Sie sind für uns die wichtigste Quelle für das Verständnis des indischen Opferkultes, und ihre Bedeutung als religionsgeschichtliche Quellen kann nicht hoch genug veranschlagt werden¹).
v1.c8.s10.t1.5
⁴ Vgl. oben S. 150 ff.
v1.c8.s10.t1.6
¹ Von einem Śrautasūtra gibt es bis jetzt keine Übersetzung. Jedoch ist der Inhalt dieser Werke zum Teil in den Werken von A. Hillebrandt, Das altindische Neu- und Vollmondsopfer, Jena 1879, und Julius Schwab, Das altindische Tieropfer, Erlangen 1886, verarbeitet. Die gesamte Rituallitteratur, sowie die Hauptzüge des Rituals selbst, sowohl der Śrauta- wie der Gṛhyazeremonien, hat A. Hillebrandt im »Grundriſs«, Bd. III, Heft 2 (Rituallitteratur. Vedische Opfer und Zauber, Straſsburg 1897) ausführlich behandelt. Die Bedeutung der Śrautasūtras für die allgemeine Religionswissenschaft haben zuerst H. Hubert und M. Mauſs in ihrem »Essai sur la nature et la fonction du sacrifice« (Année Sociologique, Paris 1897--1898, pp 29--138) vollauf gewürdigt.
v1.c8.s10.t1.7
Noch mannigfaltiger und in mancher Hinsicht interessanter ist der Inhalt der Gṛhyasūtras²). Sie enthalten nämlich die Vorschriften über alle Gebräuche, Zeremonien und Opfer, durch welche das Leben des Inders von dem Augenblick an, wo er im Mutterschoſse empfangen wird, bis zu seiner Todesstunde und noch darüber hinaus durch die Totenzeremonien und den Seelenkult eine höhere »Weihe« --- was die Inder saṃskāra nennen --- empfängt. Wir finden demnach in diesen Werken eine groſse Menge von echt volkstümlichen Sitten und Gebräuchen ausführlich behandelt, die sich auf die Empfängnis, die Geburt, die Wöchnerin und das neugeborene Kind, die Namengebung, den ersten Ausgang und die erste Speisung des Kindes beziehen; wir finden genaue Vorschriften über das Haarscheren des Knaben, die Einführung des Schülers beim Lehrer (upanayana oder »Schülerweihe«), die Lebensweise des Brahmacārin oder Vedaschülers, das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer und die Entlassung des Schülers aus dem Dienste des Lehrers. In ausführlichster Weise werden dann namentlich die Gebräuche bei der Werbung, Verlobung und Hochzeit dargestellt. Hier in den Gṛhyasūtras werden auch die schon im Śatapatha-Brāhmaṇa (XI, 5, 6) erwähnten »fünf groſsen Opfer« ausführlich beschrieben. »Das sind in der Tat groſse Opferfeste,« heiſst es emphatisch in dem Brāhmaṇa, und »groſse Opfer« werden sie genannt, weil die Vollziehung derselben zu den wichtigsten religiösen Pflichten eines jeden Hausvaters gehört, obgleich sie in Wirklichkeit nur aus kleinen Spenden und wenigen, einfachen Zeremonien bestehen. Es sind dies die täglichen Opfer an die Götter, Dämonen und Manen, die nur in dem andächtigen Auflegen eines Holzscheites auf das heilige Feuer des Herdes, einigen Speiseresten, einer Wasserspende zu bestehen brauchen, ferner die Bewirtung eines Gastes (als »Opfer an die Menschen« bezeichnet) und fünftens das als »Opfer an das Brahman (oder die Ṛṣis)« gedachte tägliche Lesen eines Veda-Abschnittes. Die einfachen Abend- und Morgenopfer, Neu- und Vollmondsopfer und die mit Opfern verbundenen Jahresfeste (aus denen die zu den Śrautaopfern gehörigen Agnihotra-, Darśapūrṇamāsa- und Cāturmāsyaopfer hervorgegangen sein dürften) finden wir ebenfalls in den Gṛhyasūtras dargestellt. Ferner werden uns die Bräuche und Zeremonien geschildert, die sich auf den Hausbau, die Viehzucht und die Landwirtschaft beziehen, desgleichen die Zauberriten, welche zur Abwehr von Krankheiten und unglückbedeutenden Vorzeichen dienen sollen, wie auch Beschwörungen und Riten für Liebeszauber u. dgl. Endlich behandeln die Gṛhyasūtras auch die Totengebräuche und die Manenopfer (Śrāddhas), die aber für so wichtig galten, daſs sie bald in eigenen Texten (Śrāddhakalpas) mit groſser Umständlichkeit behandelt worden sind¹).
v1.c8.s10.t1.8
² Die Gṛhyasūtras sind leicht zugänglich in folgenden Ausgaben und Übersetzungen: Indische Hausregeln. Sanskrit und deutsch herausgegeben von A. F. Stenzler. I. Âçvalâyana. Leipzig 1864--65. II. Pâraskara. Leipzig 1876 und 1878 (Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes III, IV und VI.) Das Çâṅkhāyanagṛihyam (Sanskrit und deutsch) von H. Oldenberg (im 15. Band der »Indischen Studien«). Das Gobhilagṛhyasūtra, herausgegeben und übersetzt von Friedrich Knauer. Dorpat 1884 und 1886. Vgl. auch M. Bloomfield, Das Gṛhyasaṃgrahapariçiṣhṭa des Gobhilaputra (in ZDMG., Bd. XXXV), und P. v. Bradke, Über das Mānava-Gṛhya-Sūtra (in ZDMG., Bd. XXXVI). Eine englische Übersetzung der wichtigsten Gṛhyasūtras hat H. Oldenberg in den Sacred Books of the East, Vols. 29 und 30, veröffentlicht.
v1.c8.s10.t1.9
¹ Um die Erforschung der Totengebräuche und des Ahnenkults auf Grund der indischen Rituallitteratur hat sich namentlich W. Caland verdient gemacht durch die Werke: Über Totenverehrung bei einigen der indogermanischen Völker. Amsterdam 1888. Altindischer Ahnenkult. Leiden 1893. Die altindischen Todten- und Bestattungsgebräuche. Amsterdam 1896.
v1.c8.s10.t1.10
So gewähren uns denn diese Gṛhyasūtras, so unbedeutend sie auch als Litteraturwerke sein mögen, einen tiefen Einblick in das Leben der alten Inder. Sie sind in der Tat für den Kulturforscher ein wahrer Schatz. Man denke nur, wie mühsam sich der Altertumsforscher die Nachrichten über das tägliche Leben der alten Griechen und Römer aus den verschiedensten Werken zusammensuchen muſs. Hier in Indien haben wir nun in diesen unscheinbaren Sūtratexten in der Form von Regeln und Vorschriften die zuverlässigsten Nachrichten — wir können sagen: von Augenzeugen — über das tägliche Leben der alten Inder. Sie sind gleichsam die »Folklore-Journals« des alten Indiens. Zwar schildern sie das Leben des indischen Hausvaters nur von der religiösen Seite, da aber die Religion bei den alten Indern das ganze Dasein durchdrang, so sehr, daſs eigentlich nichts geschehen konnte, ohne daſs auch zugleich eine religiöse Zeremonie stattfand, sind sie für den Völkerforscher ganz unschätzbare Quellen für die volkstümlichen Sitten und Bräuche jener alten Zeit. Um so wichtiger sind sie, da sich, wie man längst entdeckt hat, zu den in den Gṛhyasūtras geschilderten Bräuchen zahlreiche Parallelen in den Sitten und Gebräuchen anderer indogermanischer Völker finden. Insbesondere hat die Vergleichung der griechischen, römischen, germanischen und slavischen Hochzeitsbräuche mit den in den Gṛhyasūtras enthaltenen Vorschriften gelehrt, daſs die Verwandtschaft der indogermanischen Völker sich nicht auf die Sprache beschränkt, sondern daſs diese sprachverwandten Völker auch in ihren Sitten und Bräuchen viele gemeinsame Züge aus vorgeschichtlicher Zeit bewahrt haben¹).
v1.c8.s10.t1.11
¹ Vgl. E. Haas und A. Weber, Die Heiratsgebräuche der alten Inder, nach den Gṛihyasûtra (im fünften Band der »Indischen Studien«). L. v. Schroeder, Die Hochzeitsgebräuche der Esten und einiger anderer finnisch-ugrischer Völkerschaften in Vergleichung mit denen der indogermanischen Völker, Berlin 1888. B. W. Leist, Altarisches Jus gentium. Jena 1889. M. Winternitz, Das altindische Hochzeitsrituell nach dem Āpastambīya-Gṛhyasūtra und einigen anderen verwandten Werken. Mit Vergleichung der Hochzeitsgebräuche bei den übrigen indogermanischen Völkern. (Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien, phil.-hist. Kl., Bd. XL. Wien 1892.) M. Winternitz, On a Comparative Study of Indo-European Customs, with special reference to the Marriage Customs (The International Folk-Lore Congress 1891, Papers and Transactions, London 1892, pp. 267—291.) O. Schrader, Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde, Straſsburg 1901, S. 353 ff. Th. Zachariae, Zum altindischen Hochzeitsritual (in der Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes, Bd. XVII, S. 135 ff., 211 ff.
v1.c8.s10.t1.12
Nicht minder wichtig ist eine dritte Klasse von Lehrbüchern, die sich unmittelbar an die Gṛhyasūtras anschliefst und wohl nur als Fortsetzung derselben entstanden ist, nämlich die Dharma-sūtras, d. h. Lehrbücher, welche über den Dharma handeln. Dharma bedeutet aber sowohl »Recht, Pflicht, Gesetz« als auch »Religion, Sitte, Brauch«. Diese Werke behandeln daher sowohl das weltliche als das religiöse Recht, die ja in Indien gar nicht zu trennen sind. Sie geben Regeln und Vorschriften über die Pflichten der Kasten und der Lebensstufen (Āśramas). Durch diese Werke gelang es den Brahmanen, das altindische Gewohnheitsrecht zu ihren Gunsten umzugestalten und ihren Einfluss nach allen Seiten geltendzumachen. Wir werden auf diese Dharma-sūtras in dem Abschnitt über die Rechtslitteratur noch eingehender zu sprechen kommen. Hier mussten sie nur erwähnt werden, weil sie ebenso wie die Śrauta- und Gṛhyasūtras in den vedischen Schulen entstanden sind und mit diesen einen Bestandteil der Kalpasūtras oder Lehrbücher des Rituals bilden.
v1.c8.s10.t1.13
Zu diesen Kalpasūtras gehören schliesslich auch noch die Śulvasūtras, die sich unmittelbar an die Śrautasūtras anschliefsen. Sie enthalten genaue Regeln über die Ausmessung —- śulva bedeutet »Mefsschnur« — und den Bau des Opferplatzes und der Feueraltäre und sind als die ältesten Werke über die indische Geometrie für die Geschichte der Wissenschaft von nicht geringer Bedeutung.
v1.c8.s10.t1.14
Von grofser Wichtigkeit sind die Śrauta- und Gṛhyasūtras auch für die Vedaerklärung. Sie enthalten nämlich nicht nur die Regeln für das Ritual, sondern auch für die Verwendung (viniyoga) der Mantras, d. h. der Gebete und Formeln. Es sind dies zumeist Verse oder Yajussprüche, welche in den vedischen Saṃhitās vorkommen; und für die richtige Erklärung derselben ist ihre Verwendung bei den Opferriten keineswegs gleichgültig. Oft genug haben zwar die Mantras mit den Opferhandlungen, für welche sie vorgeschrieben werden, nichts zu tun — und es ist religionsgeschichtlich ungemein interessant, zu sehen, wie oft Gebete für Zwecke verwendet werden, zu denen sie gar nicht passen, und wie sie oft ganz mifsverstanden, falsch gefafst oder auch willkürlich verändert worden sind —, aber zuweilen gibt doch ihre rituelle Verwendung den Schlüssel zur Erklärung einer schwierigen Vedastelle. In der Regel sind die Mantras in den Sūtras eingeschlossen und werden in denselben teils vollständig, teils nur mit den Anfangsworten der als bekannt vorausgesetzten Verse angeführt.
v1.c8.s10.t1.15
Die Mantras sind es auch, durch welche die Kalpasūtras ihre Zugehörigkeit zu bestimmten vedischen Schulen am deutlichsten zum Ausdruck bringen. So geben z. B. die zum schwarzen Yajurveda gehörigen Śrauta- und Gṛhyasūtras die Gebete in der Form, welche sie in den Saṃhitās des schwarzen Yajurveda haben; und sie geben die Verse oder Yajussprüche, welche wörtlich der Saṃhitā, zu welcher sie gehören, entnommen sind, nur mit den Anfangsworten, d. h. sie setzen sie als bekannt voraus, während sie andere Mantras, z. B. solche aus dem Rigveda oder Atharvaveda, vollständig geben. Es gibt übrigens in allen Sūtras auch eine Anzahl von Mantras, welche in den Saṃhitās nicht vorkommen. Und zwei Gṛhyasūtras gibt es, bei denen die Mantras überhaupt von dem Sūtratexte getrennt und in eigenen Gebetbüchern vereinigt sind; es sind dies das Mantrabrāhmaṇa¹), welches die Gebete für das Gobhila-Gṛhyasūtra enthält, und der zum Āpastambīya-Gṛhyasūtra gehörige Mantrapāṭha²).
v1.c8.s10.t1.16
¹ Das Mantra-Brāhmaṇa. 1. Prapāṭhaka (Sanskrit und deutsch) von Heinrich Stönner. Halle a. S. 1901 (Inauguraldissertation).
v1.c8.s10.t1.17
² The Mantrapāṭha, or the Prayer Book of the Āpastambins. Edited by M. Winternitz. Oxford (Anecdota Oxoniensia) 1897.
v1.c8.s10.t1.18
Blofs bei den zum schwarzen Yajurveda gehörigen Schulen des Baudhāyana und des Āpastamba finden wir Kalpasūtras, welche alle vier Arten von Sūtratexten — Śrauta-, Gṛhya-, Dharma- und Śulvasūtras — enthalten, wobei es sich auch nachweisen lässt, dafs diese Werke in der Tat so zusammenhängen, dafs sie gewissermaſsen als die vier Bände eines einheitlichen Werkes angesehen werden können. Wenn nicht — was auch möglich ist — Baudhāyana und Āpastamba tatsächlich die Verfasser von vollständigen, alle vier Arten von Texten umfassenden Kalpasūtras waren, so sind doch jedenfalls die zur Baudhāyana-beziehungsweise Āpastambaschule gehörigen Śrauta-, Gṛhya-, Dharma- und Śulvasūtras die in jedem von beiden Fällen nach einem einheitlichen Plane verfaſsten Werke dieser zwei zum Yajurveda gehörigen Schulen¹).
v1.c8.s10.t1.19
¹ Herausgegeben wurde das Āpastambīya-Śrautasūtra von R. Garbe in der »Bibliotheca Indica«, Calcutta 1882 ff., das Āpastambīya-Gṛhyasūtra von M. Winternitz, Wien 1887, das. Āpastambīya-Dharmasūtra von G. Bühler, zweite Aufl. (Bombay Sanskrit Series 1892 und 1894), das Āpastambīya-Śulvasūtra mit deutscher Übersetzung von Albert Bürk (in ZDMG Bd. 55 und 56, 1901—2). Das Śulvasūtra des Baudhāyana hat G. Thibaut herausgegeben und ins Englische übersetzt (im »Pandit«, vol. IX ff.). Eine Ausgabe des Baudhāyana-Śrautasūtra hat W. Caland eben erst begonnen.
v1.c8.s10.t1.20
Eng verwandt mit den Sūtras der Āpastambaschule sind die der Hiraṇyakeśins. Doch gibt es hier nur ein Śrauta- und ein Gṛhyasūtra²), während das Hiraṇyakeśi-Dharmasūtra von dem Āpastambīya-Dharmasūtra fast gar nicht verschieden ist.
v1.c8.s10.t1.21
² Das Hiraṇyakeśi-Gṛhyasūtra hat J. Kirste (Wien 1889) herausgegeben.
v1.c8.s10.t1.22
Alle diese Sūtras — ebenso wie die bisher noch nicht herausgegebenen Texte der Bhāradvājas — stehen in enger Beziehung zur Taittirīya-Saṃhitā. Aufserdem gehören zum schwarzen Yajurveda noch die zur Maitrāyaṇī-Saṃhitā in Beziehung stehenden Śrauta-, Gṛhya- und Śulvasūtras der Mānavaschule³) sowie das mit dem Mānava-Gṛhyasūtra verwandte Kāṭhaka-Gṛhyasūtra.
v1.c8.s10.t1.23
³ Das Mānava-Gṛhya-Sūtra, herausg. von F. Knauer, St. Petersburg 1897. Das Mānava-Crauta-Sūtra, herausg. von F. Knauer, I bis V, St. Petersburg 1900 ff.
v1.c8.s10.t1.24
Ob es auch in jeder anderen vedischen Schule immer ein Kalpasūtra gegeben hat, welches alle vier Arten von Sūtras umfaſste, wie es bei den Schulen des Baudhāyana und des Āpastamba der Fall ist, läſst sich nicht entscheiden. Tatsächlich besitzen wir von den nicht zum schwarzen Yajurveda gehörigen Schulen bald nur ein Śrautasūtra, bald nur ein Gṛhyasūtra, während der Zusammenhang einiger Dharmasūtras mit Schulen des Rigveda oder des weiſsen Yajurveda überhaupt sehr lose ist. Es gehören zum weiſsen Yajurveda ein Kātyāyana-Śrautasūtra⁴), ein Pāraskara-Gṛhyasūtra und ein Kātyāyana-Śulvasūtra; zum Rigveda ein Āśvalāyana-Śrautasūtra⁵), Āśvalāyana-Gṛhyasūtra, Śāṅkhāyana-Śrautasūtra¹) und Śāṅkhāyana-Gṛhyasūtra; zum Sāmaveda ein Lāṭyāyana-Śrautasūtra²), ein Gobhila-Gṛhyasūtra und ein Khādira-Gṛhyasūtra³). Zum Atharvaveda endlich gehören ein Vaitāna-Śrautasūtra⁴), ein sehr spät entstandenes Werk, welches dem Atharvaveda beigegeben wurde, um ihn den übrigen drei Vedas gleichwertig zu machen, und das viel ältere und wichtigere Kauśikasūtra⁵). Dieses ist nur zum Teil ein Gṛhyasūtra, welches ebenso wie die anderen Gṛhyasūtras das häusliche Rituell behandelt; es ist aber viel umfangreicher und enthält auch die ausführlichsten Anweisungen zur Vollziehung jener Zauberriten, für welche die Lieder und Sprüche des Atharvaveda verwendet wurden. So ist dieses Kauśikasūtra eine höchst wertvolle Ergänzung zur Atharvaveda-Saṃhitā und eine unschätzbare Quelle für unsere Kenntnis des altindischen Zauberwesens. Ein interessantes Zauberbuch ist auch das zum Sāmaveda gehörige Sāmavidhāna-Brāhmaṇa⁶), das trotz seines Titels zur Sūtralitteratur gehört.
v1.c8.s10.t1.25
⁴ Herausg. von A. Weber als dritter Bd. seines »White Yajurveda«.
v1.c8.s10.t1.26
⁵ Herausgegeben in der »Bibliotheca Indica«, Calcutta.
v1.c8.s10.t1.27
¹ Herausg. von A. Hillebrandt in der »Bibliotheca Indica«, Calcutta 1888 ff.
v1.c8.s10.t1.28
² Herausg. in der »Bibliotheca Indica«, Calcutta.
v1.c8.s10.t1.29
³ Herausg. von H. Oldenberg in Sacred Books of the East, Vol. 29. Die Ausgaben der übrigen Gṛhyasūtras siehe oben S. 233 Anm. 2.
v1.c8.s10.t1.30
⁴ Herausgegeben und ins Deutsche übersetzt von R. Garbe, London resp. Straßburg 1878.
v1.c8.s10.t1.31
⁵ Herausgegeben von M. Bloomfield, New Haven 1890. Zahlreiche Auszüge aus diesem Sūtra hat derselbe Gelehrte in den Anmerkungen zu seiner englischen Übersetzung ausgewählter Hymnen des Atharvaveda (Sacred Books of the East, Vol. XLII) gegeben. Die wichtigsten auf Zauberei bezüglichen Abschnitte des Kauśikasūtra hat auch W. Caland in seinem Werke: Altindisches Zauberritual, Amsterdam 1900, ins Deutsche übersetzt.
v1.c8.s10.t1.32
⁶ Herausgegeben von A. C. Burnell, London 1873. Ins Deutsche übersetzt von Sten Konow, Das Sāmavidhānabrāhmaṇa, ein altindisches Handbuch der Zauberei, Halle a. S. 1893.
v1.c8.s10.t1.33
Mit den Sūtratexten ist die Litteratur über das Opferritual keineswegs erschöpft. So wie sich an die Upaniṣads des Veda eine nachvedische Upaniṣadlitteratur anschließt, so schließt sich an die vedische Rituallitteratur eine bis in die neueste Zeit fortgesetzte litterarische Tätigkeit auf dem Gebiete des Rituals. Zunächst folgen auf die Śrauta- und Gṛhyasūtras die Pariśiṣṭas oder »Nachträge«, in welchen einzelne in den Sūtras nur kurz angedeutete Dinge ausführlicher behandelt werden. Später folgen die Prayogas, »praktische Handbücher«, die Paddhatis, »Grundrisse«, und die Kārikās, versifizierte Darstellungen des Rituals. Alle diese Werke behandeln entweder das ganze Ritual irgendeiner vedischen Schule oder — was häufiger der Fall ist — einzelne Abschnitte desselben. Von Wichtigkeit sind insbesondere die Spezialwerke über Hochzeitsgebräuche, Totenbestattung und Manenopfer (Śrāddhas), von denen freilich die meisten nur durch Handschriften und indische Drucke bekannt sind.
Die exegetischen Vedāṅgas
v1.c8.s10.t2.1
Mindestens ebenso alt wie die Kalpasūtras sind diejenigen Sūtratexte, welche sich mit der Śikṣā oder »Phonetik« beschäftigen. Während die Kalpasūtras Hilfswerke zum Brāhmaṇateile des Veda sind, stehen die zum Vedāṅga Śikṣā gehörigen Sūtras in engster Beziehung zu den Saṃhitās der Vedas.
v1.c8.s10.t2.2
Śikṣā heißt eigentlich »Unterricht«, dann im besonderen »Unterricht im Rezitieren«, d. h. in der richtigen Aussprache, Betonung u. s. w. der Saṃhitātexte. Die älteste Erwähnung dieses Vedāṅga findet sich in der Taittirīya-Upaniṣad (I, 2), wo die Lehre von den Buchstaben und der Betonung, dem Silbenmaſs (Quantität) und der Lautstärke, der Melodie und der Wortverbindung bei der fortlaufenden Rezitation als die sechs Kapitel der Śikṣā aufgezählt werden. Ebenso wie die Lehre vom Ritual entsprang auch die Śikṣā einem religiösen Bedürfnis. Denn um eine Opferhandlung richtig zu vollziehen, war es nicht nur notwendig, das Ritual zu kennen, sondern man muſste auch die heiligen Texte genau aussprechen und ohne Fehler rezitieren können, — und zwar so, wie sie in den Saṃhitās überliefert waren. Dies setzt aber voraus, daſs zur Zeit, wo die Lehrbücher der Śikṣā entstanden, die vedischen Saṃhitās bereits als heilige Texte fixiert waren, daſs sie durch phonetisch geschulte Redaktoren eine feste Gestalt bekommen hatten. In der Tat läſst sich nachweisen, daſs z. B. die Rigveda-Saṃhitā die Hymnen nicht in der Gestalt gibt, wie sie von den alten Sängern gedichtet worden sind. Zwar haben die Redaktoren an den Worten selbst nichts geändert; aber sie liefsen sich in bezug auf die Aussprache, den Auslaut und Anlaut der Wörter, die Vermeidung des Hiatus u. dgl. durch phonetische Theorien dazu verleiten, von der ursprünglichen Rezitationsweise abzuweichen. So lesen wir z. B. in unserer Saṃhitā tvam hyagne, können aber (auf Grund des Metrums) beweisen, daſs die alten Sänger tuam hi agne gesprochen hatten. Es sind also die vedischen Saṃhitās selbst bereits das Werk von Phonetikern. Aber neben den Saṃhitā-Pāṭhas, d. h. den Saṃhitātexten, wie sie nach den Lehren der Śikṣā rezitiert werden muſsten, gibt es auch die sogenannten Pada-Pāṭhas oder »Worttexte«, in denen die einzelnen Worte aus der phonetischen Verbindung, in welcher sie der Saṃhitātext bietet, losgetrennt erscheinen. Ein Beispiel wird genügen, um den Unterschied zwischen Saṃhitā-Pāṭha und Pada-Pāṭha klar zu machen. Ein Vers lautet in unserer Rigveda-Saṃhitā:
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agniḥ pūrvebhirṛṣibhirīḍyo nūtanairuta | sa devā̆m̐ eha vakṣati ||
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Im Pada-Pāṭha lautet dieser Vers:
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agniḥ | pūrvebhiḥ | ṛṣi-bhiḥ | īḍyaḥ | nūtanaiḥ | uta | sa | devān | ā | iha | vakṣati ||
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Diese Pada-Pāṭhas sind natürlich das Werk von phonetisch geschulten Theologen, ja von Grammatikern; denn sie bieten den Text der Verse in einer vollständigen grammatischen Analyse. Dennoch müssen sie ziemlich alt sein. Der Pada-Pāṭha des Rigveda wird dem Śākalya zugeschrieben, einem Lehrer, der schon im Aitareya-Āraṇyaka erwähnt wird.
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Saṃhitā-Pāṭhas und Pada-Pāṭhas sind also die ältesten Erzeugnisse der Śikṣā-Schulen. Die ältesten uns erhaltenen Lehrbücher aber, welche zu diesem Vedāṅga gehören, sind die Prātiśākhyas, welche die Regeln enthalten, mit Hilfe deren man aus dem Pada-Pāṭha den Saṃhitā-Pāṭha bilden kann. Daher enthalten sie Belehrungen über die Aussprache, die Betonung, die euphonischen Veränderungen der Laute in der Wortzusammensetzung sowie im Auslaut und Anlaut der Wörter im Satze, über Verlängerung von Vokalen, kurz: über die ganze Rezitationsweise der Saṃhitā. Zu jeder Śākhā oder Rezension einer Saṃhitā hat es ein solches Lehrbuch gegeben — daher der Name Prātiśākhyas, d. h. »je für eine Śākhā bestimmte Lehrbücher«. Erhalten ist uns zunächst ein Rigveda-Prātiśākhya¹), welches dem Śaunaka, der ein Lehrer des Āśvalāyana gewesen sein soll, zugeschrieben wird. Dieses Werk ist in Versen abgefaſst und wahrscheinlich eine jüngere Überarbeitung eines älteren Sūtra-textes; es wird sogar in Manuskripten und Zitaten als »Sūtra« bezeichnet. Zur Taittirīya-Saṃhitā gehört das Taittirīya-Prātiśākhya-Sūtra²); zur Vājasaneyi-Saṃhitā ein dem Kātyāyana zugeschriebenes Vājasaneyi-Prātiśākhya-Sūtra³), und zur Atharvaveda-Saṃhitā ein Atharvaveda-Prātiśākhya-Sūtra⁴), welches zur Schule der Śaunakas gehören soll.
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¹ Rig-Veda-Pratisakhya, das älteste Lehrbuch der vedischen Phonetik. Sanskrittext mit Übersetzung und Anmerkungen herausgegeben von Max Müller, Leipzig 1856—69.
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² The Taittirīya-Prâtiçâkhya. Text, Translation and Notes by W. D. Whitney. New Haven 1871. (Journal of the American Oriental Society, Vol. IX.)
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³ Kātyāyana's Pratisakhya of the White Yajur-Veda, ed. by P. Y. Pathaka. Benares 1883—88.
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⁴ The Atharva-Veda Prâtiçâkhya or Çaunakîyâ Caturâdhyâyikâ: Text, Translation and Notes. By W. D. Whitney. New Haven 1862. (Journal of the American Oriental Society, Vol. VII.)
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Von Wichtigkeit sind diese Werke für uns in zweifacher Beziehung. Erstens für die Geschichte des grammatischen Studiums in Indien, welche für uns mit diesen Prātiśākhyas beginnt. Wenn sie auch nicht selbst eigentlich grammatische Werke sind, so behandeln sie doch Gegenstände, welche zur Grammatik gehören. Sie beweisen auch dadurch, daſs sie viele Grammatiker zitieren, daſs zu ihrer Zeit das grammatische Studium bereits in voller Blüte stand. Noch wichtiger sind sie aber zweitens dadurch, daſs sie uns eine Bürgschaft dafür abgeben, daſs die Texte der Saṃhitās so, wie sie uns heute vorliegen, sich durch alle Jahrhunderte seit der Zeit der Prātiśākhyas unverändert erhalten haben. So setzen die Regeln des Rigveda-Prātiśākhya voraus, daſs zur Zeit desselben die Rigveda-Saṃhitā nicht nur bereits mit ihrer Einteilung in zehn Maṇḍalas feststand, sondern daſs auch die Reihenfolge der Hymnen in jedem Maṇḍala dieselbe war wie jetzt. Ja, die minutiösen Regeln des Śaunaka lassen keinen Zweifel darüber, daſs zu seiner Zeit der Text der Rigveda-Saṃhitā nahezu Wort für Wort und Silbe für Silbe genau so feststand, wie wir denselben heutzutage in unseren gedruckten Ausgaben vorfinden.
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Diese Prātiśākhyas sind die ältesten Vertreter des Vedāṅga Śikṣā. Es gibt daneben noch mehr moderne Werke, kleine Abhandlungen über Phonetik, die sich Śikṣās nennen und berühmte alte Namen, wie Bhāradvāja, Vyāsa, Vāsiṣṭha, Yājñavalkya u. s. w. als ihre Verfasser angeben. Sie schlieſsen sich an die Prātiśākhyas ungefähr ebenso an, wie auf die alten vedischen Dharmasūtras in späterer Zeit versifizierte Rechtsbücher folgten, die ebenfalls altberühmte Namen als ihre Verfasser nennen. Manche dieser Śikṣās sind verhältnismäſsig alt und schlieſsen sich mehr unmittelbar an irgendein Prātiśākhya an — z. B. die Vyāsa-Śikṣā¹) an das Taittirīya-Prātiśākhya —, während andere viel jüngeren Ursprungs und weder für die Grammatik noch für die Geschichte der vedischen Texte von Belang sind.
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¹ Vgl. H. Lüders, Die Vyâsa-Çikshâ besonders in ihrem Verhältnis zum Taittirîya-Prâtiçâkhya. Kiel 1895.
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Śaunaka und Kātyāyana, welche als Verfasser von Prātiśākhyas genannt werden, gelten auch als die Verfasser von Werken, die der Vedāṅgalitteratur sehr nahe stehen, weil sie sich ebenfalls mit den Texten der vedischen Saṃhitās beschäftigen, die man aber doch nicht als Vedāṅgas bezeichnet. Es sind dies die Anukramaṇīs, d. h. »Verzeichnisse«, »Listen«, »Indices«, welche den Inhalt der vedischen Saṃhitās nach verschiedenen Richtungen angeben. So verfaſste Śaunaka eine Anukramaṇī oder ein Verzeichnis von den Ṛṣis der Rigvedahymnen, ein Verzeichnis von den Metren, eines von den Gottheiten und eines von den Hymnen. Von Kātyāyana besitzen wir eine Sarvānukramaṇī²), d. h. ein »Verzeichnis von allen Dingen«, zum Rigveda. Dieses Werk gibt in der Form von Sūtras die Anfangsworte eines jeden Hymnus, dann die Zahl der Verse, den Namen und das Geschlecht des Ṛṣi, dem derselbe zugeschrieben wird, der Gottheiten, an welche die einzelnen Verse gerichtet sind, und des Metrums oder der Metren, in welchen der Hymnus abgefaſst ist. Dem Śaunaka werden auch die beiden metrischen Werke Bṛhaddevatā und Ṛgvidhāna zugeschrieben. Die Bṛhaddevatā¹) ist ein erweitertes Verzeichnis der in den einzelnen Hymnen des Rigveda verehrten Gottheiten; sie enthält nämlich auch Mythen und Legenden, die sich auf diese Gottheiten beziehen, und ist darum zugleich ein für die indische Erzählungslitteratur wichtiges Werk. Das Ṛgvidhāna²) gibt — gleichfalls in Form eines der Einteilung unserer Rigveda-Saṃhitā folgenden Verzeichnisses — für jeden Hymnus oder auch für einzelne Verse die Zauberwirkung an, welche durch Rezitation derselben erreicht werden kann. Es berührt sich zum Teil mit dem obenerwähnten Sāmavidhāna-Brāhmaṇa.
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² Herausgegeben von A. A. Macdonell, Oxford (Anecdota Oxoniensia) 1886.
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¹ Herausgegeben von Rājendralāla Mitra in der »Bibliotheca Indica«, Calcutta 1892.
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² Ṛgvidhânam edidit cum praefatione Rudolf Meyer, Berolini 1878.
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Die Wichtigkeit der Anukramaṇīs und der verwandten Werke beruht darauf, dafs auch sie beweisen, dafs schon in sehr alter Zeit die Texte der vedischen Saṃhitās fast genau in derselben Gestalt, in derselben Einteilung, mit derselben Verszahl u. s. w. vorhanden waren, wie sie uns jetzt vorliegen.
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Das gleiche gilt auch für das schon bei anderer Gelegenheit erwähnte Nirukta des Yāska³). Auch dieses Werk, das einzige, welches wir als Überrest des Vedāṅga Nirukta besitzen, setzt die Rigveda-Saṃhitā in wesentlich demselben Zustande voraus, in welchem wir sie heute kennen. Die Überlieferung schreibt fälschlicherweise auch die Nighaṇṭus oder »Wortlisten« dem Yāska zu. In Wirklichkeit ist aber das Werk des Yāska nur ein Kommentar zu diesen Wortlisten, von denen Yāska selbst sagt, dafs sie von den Nachkommen der alten Weisen zum leichteren Verständnis der überlieferten Texte zusammengestellt worden seien. Die Nighaṇṭus sind nämlich fünf Listen von Wörtern, welche in drei Abschnitte eingeteilt sind. Der erste Abschnitt (Naighaṇṭukakāṇḍa) besteht aus drei Listen, in welchen vedische Wörter unter bestimmten Hauptbegriffen zusammengestellt sind. Es werden z. B. 21 Namen für »Erde«, 15 für »Gold«, 16 für »Luft«, 101 für »Wasser«, 122 Zeitwörter für »gehen«, 26 Adjektiva und Adverbia für »schnell«, 12 für »viel« u. s. w. aufgeführt. Der zweite Abschnitt (Naigamakāṇḍa oder Aikapadika) enthält eine Liste von einzelnen vieldeutigen und besonders schwierigen Wörtern des Veda, während der dritte Abschnitt (Daivatakāṇḍa) eine Klassifizierung der Gottheiten nach den drei Gebieten Erde, Luftraum und Himmel gibt¹). Mit der Zusammenstellung solcher Glossare hat die Vedaexegese wahrscheinlich begonnen, und erst eine weitere Stufe der Entwicklung war es, als man zu diesen Glossaren Kommentare nach Art unseres Nirukta verfaſste, in welche die Erklärungen schwieriger Vedaverse eingeflochten waren, bis dann in noch späterer Zeit ausführliche und fortlaufende Kommentare zu den vedischen Texten geschrieben worden sind. Sicher ist, daſs Yāska viele Vorgänger hatte, und daſs sein Werk, obgleich es gewiſs sehr alt und für uns das älteste vedaexegetische Werk überhaupt ist, doch nur als das letzte, vielleicht auch vollkommenste Erzeugnis der zum Vedāṅga Nirukta gehörigen Litteratur angesehen werden kann.
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³ Vgl. oben S. 62. Herausgegeben wurde das Nirukta zuerst von R. Roth. Göttingen 1852. Eine mit Kommentaren und Indices reich ausgestattete Ausgabe von S. Sāmaśrami erschien in der »Bibliotheca Indica«, Calcutta 1882—91.
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¹ Über diese Nighaṇṭus als die Anfänge der indischen Lexikographie vgl. Th. Zachariae, Die indischen Wörterbücher (»Grundriſs« I, 3 B.), Straſsburg 1897, S. 2 f.
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Auch von den Vedāṅgas der Metrik und der Astronomie sind uns nur die letzten Ausläufer einer älteren wissenschaftlichen Litteratur in je einem Werk erhalten. Das Lehrbuch des Piṅgala über Metrik, obgleich es von den Indern als ein zum Rigveda beziehungsweise Yajurveda — es ist nämlich in zwei Rezensionen überliefert — gehöriges Vedāṅga angesehen wird, ist doch das Werk einer späteren Zeit; denn es behandelt auch Versmaſse, welche erst der späteren Sanskritdichtung angehören²). Das Jyotiṣa-Vedāṅga ist ein kleines, in Versen abgefaſstes astronomisches Lehrbuch — es enthält in der Rezension des Yajurveda 43, in der des Rigveda 36 Verse —, welches hauptsächlich die Stellen von Mond und Sonne an den Solstizien sowie der Neu- und Vollmonde im Kreise der 27 Nakṣatras oder Sterne des Tierkreises angibt oder Regeln zu deren Berechnung aufstellt³). Schon der Umstand, daſs es nicht in Sūtras abgefaſst ist, weist das Werkchen, welches übrigens noch nicht genügend erklärt ist, einer späteren Zeit zu.
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² Das Sūtra des Piṅgala hat A. Weber im 8. Bande der »Indischen Studien« herausgegeben und erklärt. Vgl. auch A. Weber, Indische Literaturgeschichte, S. 66.
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³ Vgl. A. Weber, Über den Vedakalender namens Jyotisham (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1862) und G. Thibaut, Astronomie (im »Grundriſs« III, 9), S. 17, 20 und 28.
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Ganz verloren gegangen sind uns die alten Vedāṅgatexte über Grammatik. Gewiſs ist auch diese Wissenschaft im Zusammenhang mit der Vedaexegese entstanden und aus den Veda-schulen hervorgegangen. Finden wir doch schon in den Āraṇyakas einzelne grammatische Kunstausdrücke. Aber das älteste und bedeutendste Lehrbuch der Grammatik, das uns erhalten ist, das des Pāṇini, behandelt die vedische Sprache nur mehr nebenbei; es steht zu keiner Vedaschule mehr in engerer Beziehung und gehört überhaupt einer Zeit an, wo die Wissenschaft der Grammatik bereits in eigenen, von der Theologie unabhängigen Fachschulen betrieben wurde. Denn auch in Indien hat sich, wie wir noch in dem Abschnitt über die wissenschaftliche Litteratur sehen werden, die Wissenschaft von der Theologie, in der sie ursprünglich fast ganz eingeschlossen war, mehr und mehr losgelöst.
Cites (42)
- Gobhilagṛhyasūtra — Gobhila, Sanskrit
- Muṇḍakopaniṣad — Sanskrit
- Taittirīyopaniṣad — Sanskrit
- Baudhāyanaśrautasūtra — Baudhāyana, Sanskrit
- Mānavaśrautasūtra — Sanskrit
- Kātyāyanaśrautasūtra — Kātyāyana (Vājasaneyi sūtrakāra), Sanskrit
- Śāṅkhāyanaśrautasūtra — Śāṅkhāyana, Sanskrit
- Aṣṭādhyāyī — Pāṇini, Sanskrit
- Āśvalāyanaśrautasūtra — Āśvalāyana, Sanskrit
- Lāṭyāyanaśrautasūtra — Lāṭyāyana, Sanskrit
- Kṛṣṇayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Sarvānukramaṇī (Ṛgveda) — Kātyāyana (Vājasaneyi sūtrakāra), Sanskrit
- Śāṅkhāyanagṛhyasūtra — Śāṅkhāyana, Sanskrit
- Ṛgvedaprātiśākhya — Śaunaka, Sanskrit
- Vaitānaśrautasūtra — Sanskrit
- Mānavagṛhyasūtra — Sanskrit
- Vājasaneyiprātiśākhya — Kātyāyana (Vājasaneyi sūtrakāra), Sanskrit
- Āśvalāyanagṛhyasūtra — Āśvalāyana, Sanskrit
- Ṛgvidhāna — Śaunaka, Sanskrit
- Pāraskaragṛhyasūtra — Pāraskara, Sanskrit
- Bṛhaddevatā — Śaunaka, Sanskrit
- Kṛṣṇayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Kāṭhakagṛhyasūtra — Laugākṣi, Sanskrit
- Vyāsaśikṣā — Vyāsa, Sanskrit
- Khādiragṛhyasūtra — Khādira, Sanskrit
- Hiraṇyakeśigṛhyasūtra — Hiraṇyakeśin, Sanskrit
- Taittirīyaprātiśākhya — Sanskrit
- Nirukta — Yāska, Sanskrit
- Śaunakīyā Caturādhyāyikā — Śaunaka, Sanskrit
- Yajurveda — Sanskrit
- Chandaḥsūtra — Piṅgala, Sanskrit
- Kauśikasūtra — Kauśika, Sanskrit
- Mantrabrāhmaṇa — Sanskrit
- Aitareyāraṇyaka — Sanskrit
- Ārcajyotiṣa — Lagadha, Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Sāmavedasaṃhitā — Sanskrit
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit
- Śatapathabrāhmaṇa — Yājñavalkya & Śāṇḍilya (Vedic teacher), Sanskrit
- Hiraṇyakeśidharmasūtra — Hiraṇyakeśin, Sanskrit
- Nighaṇṭu — Yāska, Sanskrit
- Sāmavidhānabrāhmaṇa — Sanskrit