Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s1: I. Die kanonische Literatur
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s1
- Language
- German
Contents
- c8.s1.t1 1. Die Entstehung des Kanons — 6 parts
- c8.s1.t2 2. Der Kanon der Shvetâmbaras — 84 parts
- c8.s1.t3 3. Der Kanon der Digambaras — 22 parts
I. Die kanonische Literatur
1. Die Entstehung des Kanons
c8.s1.t1.1
Nach der Anschauung der Jainas sind die Lehren der heiligen Religion bereits zur Zeit des ersten Tirthankara Rishabha in Werken niedergelegt worden; zu den Zeiten, in welchen die Kirchen der einzelnen Tirthankaras blühten, waren stets heilige Schriften vorhanden; in den Intervallen (zwischen den Perioden einiger Tirthankaras), während welcher die Lehre verschwand, gerieten sie zwar in Vergessenheit, wurden dann aber wieder von jedem Propheten neu verkündet.
c8.s1.t1.2
Nach einer heute verbreiteten Tradition der Orthodoxen sollen die heiligen Schriften aus der Zeit aller Tirthankaras im wesentlichen miteinander übereinstimmen (so wie auch die Lebensgeschichten der Tirthankaras in allen Hauptpunkten übereinstimmen), und nur die Namen sollen in ihnen variieren.
c8.s1.t1.3
Gleich den Lehren seiner Vorgänger haben auch diejenigen Mahâvîras in bestimmten Werken ihren literarischen Niederschlag gefunden. Seine Jünger, die Ganadharas, überlieferten sie der Nachwelt in den 12 Angas (Glieder), von denen das letzte die sog. 14 „Pûrvas“ („frühere“ Werke) umfaßte. Nach einer Tradition⁸ sollen die Apostel den Inhalt der Vorträge des Meisters zuerst in den 14 Pûrvas in Textform gebracht und dann zu den Angas verarbeitet haben. Der aus diesen und anderen Werken bestehende Kanon wurde unter den ersten Nachfolgern Mahâvîras von der Leitung der Gemeinde treu bewahrt; mit der Zeit gerieten jedoch die Teile des Kanons in Unordnung.
c8.s1.t1.4
Um den Kanon neu zu sammeln, wurde nach der Überlieferung der Shvetâmbaras um 300 v. Chr. in Pâtaliputra ein Konzil einberufen (vgl. S. 38). Bei diesem stellte sich heraus, daß die letzte der großen heiligen Schriften, das sog. 12. Anga, welches die 14 Pûrva genannten Werke umfaßte, nicht mehr in authentischer Überlieferung vorlag. Da dieses dem abwesenden Bhadrabâhu völlig bekannt war, sandte die Gemeinde zwei Mönche zu ihm, die ihn veranlassen sollten, beim Konzil zu erscheinen. Bhadrabâhu, der sich damals in Nepâl aufhielt, woselbst er ein zwölfjähriges Bußgelübde zur Ausführung brachte, erklärte sich außerstande, nach Pâtaliputra zu kommen, war aber bereit, an Ort und Stelle Schüler in den Pûrvas zu unterrichten. Sthûlabhadra wurde deshalb mit 500 Mönchen damit beauftragt, von ihm die Pûrvas zu erlernen. Während sich seine Begleiter hierfür als ungeeignet erwiesen, hörte Sthûlabhadra bei Bhadrabâhu alle 14 Pûrvas; dies kam der Gemeinde jedoch nur teilweise zugute, weil der Heilige von ihm verlangte, daß er die letzten vier Pûrvas niemandem mitteile. So blieb denn der Kanon trotz aller aufgewandten Mühe fortan unvollständig. In dieser unvollkommenen Gestalt überdauerte er sieben Lehrergenerationen nach Sthûlabhadra, dann kam die Kenntnis der 10 Pûrvas ganz abhanden. Die übrigen heiligen Werke aber blieben erhalten und wurden schließlich auf dem Konzil von Valabhî im Jahre 980 nach Vîra unter der Leitung von Devarddhi neu redigiert und erstmalig schriftlich fixiert (bis dahin sollen alle heiligen „Schriften“ nur mündlich vom Lehrer auf den Schüler übermittelt worden sein). Das Konzil von Mathurâ soll dann (993 nach Vîra?) unter Skandila eine Schlußrevision vorgenommen haben³. Der Kanon der heutigen Shvetâmbaras ist nach ihrer Meinung das Corpus von Werken, das damals festgesetzt wurde.
c8.s1.t1.5
Die Digambaras stimmen mit den Shvetâmbaras darin überein, daß sie Bhadrabâhu als den letzten Lehrer der 14 Pûrvas betrachten. Nach ihnen ist jedoch der echte Kanon in der Folgezeit ebenso in Vergessenheit geraten wie das 12. Anga mit seinen 14 Pûrvas. Elf Generationen nach Bhadrabâhu kannten noch 11 Angas und 10 Pûrvas, fünf weitere dann nur noch 11 Angas und schließlich vier nur noch 1 Anga, das Âcârânga. Einer anderen Tradition zufolge kannten diese vier noch 10, 9, 8 bzw. 7 Angas, und auf sie folgten noch fünf Personen, welche noch ein Anga kannten. Die beiden letzten von diesen, Pushpadanta und Bhûtavalyâcârya sollen den Kanon schriftlich niedergelegt haben, sein Verschwinden dadurch aber nicht haben verhindern können. Nach dieser Überlieferung soll der letzte Kenner aller 11 Angas im Jahre 436, Bhûtavalyâcârya 683 nach Mahâvîras Nirvâna gestorben sein¹⁰. Seitdem kann alles Wissen über die von Mahâvîra verkündete Lehre nicht mehr aus den Angas oder andern kanonischen Schriften geschöpft werden, sondern nur aus den Werken, deren Inhalt indirekt auf dem verlorengegangenen Kanon beruht.
c8.s1.t1.6
Während also die Shvetâmbaras sich rühmen, noch heute den alten, echten Kanon, wenngleich in unvollständiger Gestalt, ihr eigen zu nennen, sind die Digambaras der Ansicht, der alte Kanon sei endgültig verschwunden, und die heiligen Schriften der Shvetâmbaras seien unecht; als Richtschnur ihres Glaubens dient ihnen eine Sammlung von in später Zeit entstandenen Büchern, die im Hinblick auf die Autorität, die sie genießen, als ein „sekundärer Kanon“ angesehen werden.
2. Der Kanon der Shvetâmbaras
c8.s1.t2.1
Der Kanon der Shvetâmbaras besteht, wie er heute vorliegt, aus 45 Werken, die teils in Prosa, teils in Versen abgefaßt sind. Die folgende Übersicht soll einen flüchtigen Einblick in den Bestand und Inhalt des Kanons ermöglichen; ausführlichere Angaben über den Inhalt der einzelnen Werke wird der Wegweiser durch den Jaina-Kanon bringen, den W. Schubring in seinem Beitrag für den „Grundriß der Indo-arischen Philologie und Altertumskunde“ seit langem zu geben versprochen hat. Wertvolle Einzelheiten findet man auch in Albrecht Webers umfangreichen Abhandlungen „Über die heiligen Schriften der Jainas“ in seinen Indischen Studien, Band 16 und 17 (1883/85).
c8.s1.t2.2
Die aufgeführten Titel sind die sanskritischen; die Pràkrit-Titel stehen in Klammern.
c8.s1.t2.3
1. Die 11 Angas.
c8.s1.t2.4
1. Âcârânga (Prâkrit: Âyâranga) handelt von dem Lebenswandel des Asketen.
c8.s1.t2.5
2. Sûtrakritânga (Sûyagadanga) enthält ebenfalls Anweisungen für das Mönchsleben und bekämpft gegnerische Ketzerlehren.
c8.s1.t2.6
3. Sthânânga (Thânanga) gibt eine kategorienweise Aufzählung und Erläuterung von Hauptbegriffen der Jaina-Lehre.
c8.s1.t2.7
4. Samavâyânga (Samavâyanga) hat einen ähnlichen Inhalt wie das vorhergehende Werk und ist eine Fortsetzung desselben.
c8.s1.t2.8
5. Vyâkhyâprajnaptyanga, auch Vivâhaprajnapti (Vivâhapannatti) oder Bhagavatî genannt, behandelt die ganze Lehre in Dialogen und Legenden.
c8.s1.t2.9
6. Jnâtâdharmakathânga oder Jnâtridharmakathâs (Nâyâdhamma-kahâo) illustriert die Lehre durch Erzählungen und Gleichnisse.
c8.s1.t2.10
7. Upâsakâdhyayanânga oder Upâsakadashâs (Uvâsagadasâo) berichtet Legenden von frommen Hausvätern, die Anhänger des Jaina-Glaubens wurden.
c8.s1.t2.11
8. Antakriddashânga oder Antakritadashâs (Antagadadasâo) erzählt von zehn Asketen, die ihrem Karma ein Ende machen.
c8.s1.t2.12
9. Anuttaraupapâtikadashânga oder -dashâs (Anuttarovavâiya-dasâo) gibt Legenden von Heiligen, welche zu den höchsten Himmelswelten emporstiegen.
c8.s1.t2.13
10. Prashnavyâkaranânga oder Prashnavyâkaranâni (Panhâvâgaranâim) behandelt in dogmatischer Form Gebote und Verbote.
c8.s1.t2.14
11. Vipâkasûtrânga oder Vipâkashruta (Vivâgasuyam) enthält Legenden über die Vergeltung guter und böser Taten.
c8.s1.t2.15
2. Das verlorene zwölfte Anga und die 14 Pûrvas.
c8.s1.t2.16
Über das verlorene zwölfte Anga, das Drishtipravâdânga oder den Drishtivâda (Ditthivâa) finden sich in einigen Werken des heutigen Kanons Angaben über Inhalt und Zusammensetzung. Danach bestand es aus fünf Gruppen von Werken, die im folgenden aufgeführt werden.
c8.s1.t2.17
a) Parikarma.
c8.s1.t2.18
Das Parikarma (Parikamma) zerfällt in 7 Gruppen und gibt nach A. Weber ,,die Vorbereitungen über die richtige Erfassung der Sûtra, nach der Analogie der 16 arithmetischen Operationen, die man innehaben muß, um selbständig rechnen zu können"11.
c8.s1.t2.19
b) Sûtra. Die Sûtras, 88 an der Zahl, befassen sich mit den richtigen und den ketzerischen Lehren.
c8.s1.t2.20
c) Anuyoga behandelt die Legenden der großen Männer der heiligen Geschichte.
c8.s1.t2.21
d) Pûrvagata. Dieser Teil, der wichtigste des ganzen Drishtivâda, enthält die 14 Pûrvas, von denen schon mehrfach die Rede gewesen ist. Dieselben sind:
c8.s1.t2.22
1. Utpâda-pûrva (Uppâya-puvva) behandelt die Substanzen in ihrem Entstehen, Bestehen und Vergehen.
c8.s1.t2.23
2. Agrâyanîya-pûrva (Aggeanîya-puvva) handelt von den Grundwahrheiten, Substanzen u. a.
c8.s1.t2.24
3. Vîryapravâda-pûrva (Vîriyappavâya-puvva) beschreibt die Kräfte der Substanzen, der großen Männer, Götter usw.
c8.s1.t2.25
4. Astinâstipravâda-pûrva (Atthinathippavâya-puvva) bespricht die 7 Arten der Aussage und erörtert das Wesen der Substanzen von den sieben logischen Standpunkten aus.
c8.s1.t2.26
5. Jnânapravâda-pûrva (Nânappavâya-puvva) behandelt die Arten der richtigen und falschen Erkenntnis.
c8.s1.t2.27
6. Satyapravâda-pûrva (Saccappavâya-puvva) behandelt wahre und falsche Rede.
c8.s1.t2.28
7. Âtmapravâda-pûrva (Âyappavâya-puvva) behandelt die Eigenschaften der Seele.
c8.s1.t2.29
8. Karmapravâda-pûrva (Kammappavâya-puvva) handelt vom Karma.
c8.s1.t2.30
9. Pratyâkhyânapravâda-pûrva (Paccakkhânappavâya-puvva) handelt von der zur Tilgung des Karma führenden Entsagung.
c8.s1.t2.31
10. Vidyânupravâda-pûrva (Vijjânuppavâya-puvva) schildert die einzelnen Wissenschaften und wie man sie erlangt.
c8.s1.t2.32
11. Kalyânavâda-pûrva oder Avandhya-pûrva (Avamjha-puvva) beschreibt die Hauptpunkte im Leben der 63 großen Männer.
12. Prânavâda-pûrva (Pânâvâya-puvva) handelt von Medizin.
13. Kriyâvishâla-pûrva (Kiriyâvisâla-puvva) handelt von der Musik, der Dichtung und anderen Künsten sowie von Riten.
14. Lokabindusâra-pûrva (Logavindusâra-puvva) handelt von den Welten, von bestimmten Riten und Handlungen, von der Mathematik und der Erlösung.
c8.s1.t2.33
e) Cûlika. Die Cûlikâs (Cûliyâ) sind Nachträge
c8.s1.t2.34
3. Die 12 Upângas. Die Upângas (Nebenglieder; im Prâkrit: Uvanga) sind dogmatisch-mythologische Werke. Es gibt deren 12, da zu jedem Anga ein Upânga gehören soll; doch besteht kein innerer Zusammenhang zwischen den einzelnen Werken der einen und der anderen Gruppe. Die Upângas sind
c8.s1.t2.35
1. Aupapâtika (Ovavâiya) schildert einleitend die Wallfahrt eines Königs zu Mahâvîra und lehrt dann, wie die Existenz in Götterwelten erlangt werden kann.
c8.s1.t2.36
2. Râjaprashnîya (Râyapasenaijja) erzählt, wie König Pradeshi von Keshi, einem Anhänger Pârshvas, bekehrt wurde und später, zum Gott geworden, dem Mahâvîra huldigte.
c8.s1.t2.37
3. Jîvâbhigama beschreibt die Welt und die lebenden Wesen, welche sie bewohnen.
c8.s1.t2.38
4. Prajnâpanâ (Pannavanâ) behandelt die verschiedenen Formen und Eigenschaften von Lebewesen.
c8.s1.t2.39
5. Sûryaprajnapti (Sûriyapannatti) handelt von der Sonne und anderen Himmelskörpern.
c8.s1.t2.40
6. Jambûdvîpaprajnapti (Jambuddîvapannatti) gibt eine Beschreibung des Kontinents Jambûdvîpa und erzählt im Anschluß Legenden über frühere Weltbeherrscher usw.
c8.s1.t2.41
7. Candraprajnapti (Candapannatti) handelt vom Monde und anderen Himmelskörpern (ist teilweise identisch mit Nr. 5).
c8.s1.t2.42
8. Nirayâvalî berichtet von zehn Prinzen, die mit ihrem Halbbruder Kûnika (s. S. 33) gegen ihren Großvater, König Cetaka von Vaishâlî, zu Felde zogen, in der Schlacht fielen und in Höllen versanken.
c8.s1.t2.43
9. Kalpâvatansikâs (Kappâvadamsiâo) berichtet von den Söhnen dieser Prinzen, die zum Asketentum bekehrt wurden und in verschiedene Himmelswelten eingingen.
c8.s1.t2.44
10. Pushpikâs (Pupphiâo) schildert die Vorgeburten von Gottheiten, welche Mahâvîra huldigten.
c8.s1.t2.45
11. Pushpacûlikâs (Pupphacûliâo) enthält ähnliche Geschichten wie Nr. 10.
c8.s1.t2.46
12. Vrishnidashâs (Vanhidasâo) erzählt von der Bekehrung von Prinzen aus dem Vrishni-Geschlecht durch den Tîrthankara Arishtanemi.
c8.s1.t2.47
4. Die 10 Prakîrnas.
c8.s1.t2.48
Die Prakîrnas (Païnna), d. h. „zerstreute Stücke“, sind in der Hauptsache metrisch abgefaßte Abhandlungen über die verschiedensten Gegenstände.
c8.s1.t2.49
1. Catuhsharana (Caüsarana) enthält Gebete, Beichtvorschriften u. a.
c8.s1.t2.50
2. Âtura-pratyâkhyâna (Âürapaccakhâna) befaßt sich mit dem Sterben des Weisen.
c8.s1.t2.51
3. Bhaktaparijnâ (Bhattaparinnâ) gibt Vorschriften über denselben Gegenstand.
c8.s1.t2.52
4. Samstâra (Santhâra) handelt von dem Kushagraslager, auf welches der freiwillig den Tod suchende Weise sich niederlegt usw.
c8.s1.t2.53
5. Tandulavaitâlika (Tandulaveyâliya) handelt über Embryologie, Anatomie usw.
c8.s1.t2.54
6. Candâvija (Candâvijjhaya) handelt von den Eigenschaften von Lehrer und Schüler, vom Wandel, vom Sterben u. a.
c8.s1.t2.55
7. Devendrastava (Devindatthava) gibt eine Aufzählung der Götterkönige.
c8.s1.t2.56
8. Ganividyâ (Ganivijjâ) ist astrologischen Inhalts.
c8.s1.t2.57
9. Mahâpratyâkhyâna (Mahâpaccakkhâna) ist eine Beichtformel.
c8.s1.t2.58
10. Vîrastava (Vîratthava) zählt die Namen Mahâvîras auf.
c8.s1.t2.59
5. Die 6 Chedasûtras.
c8.s1.t2.60
Die Chedasûtras oder Chedagranthas (Cheaggantha) — das Wort Cheda bedeutet eigentlich „Schnitt“ — befassen sich mit der Ordensdisziplin.
c8.s1.t2.61
1. Nishîtha (Nisîha) handelt von den Pflichten des Mönchs und den Bußen im Falle von Verletzung derselben.
c8.s1.t2.62
2. Mahânishîtha (Mahânisiha) handelt von Vergehen, Beichte und Buße.
c8.s1.t2.63
3. Vyavahâra (Vavahâra) enthält Disziplinarvorschriften.
c8.s1.t2.64
4. Âcâradashâs (Âyâradasâo) oder Dashâshrutaskandha gibt u. a. Vorschriften über den Wandel; der 8. Abschnitt dieses Werkes ist das von Bhadrabâhu verfaßte Kalpa-sûtra, welches Lebensbeschreibungen der Tîrthankaras, Listen von Schulen und Regeln für Asketen enthält.
c8.s1.t2.65
5. Brihat-(sâdhu-)kalpa-sûtra erteilt Vorschriften für Mönche und Nonnen.
c8.s1.t2.66
6. Pancakalpa (Pancakappa) hat ähnlichen Inhalt; andere nennen als 6. Chedasûtra den Jitakalpa.
c8.s1.t2.67
6. Zwei Sûtras.
c8.s1.t2.68
1. Nandî handelt von den Arten der Erkenntnis.
c8.s1.t2.69
2. Anuyogadvâra (Anuogadâra) gibt eine Enzyklopädie der verschiedenartigsten Wissenschaften.
c8.s1.t2.70
7. Die 4 Mûlasûtras¹².
c8.s1.t2.71
1. Uttarâdhyayana (Uttarajjhayana) enthält Legenden, Parabeln, Dialoge, Sprüche und Predigten über die verschiedensten Themen.
c8.s1.t2.72
2. Âvashyaka (Âvassaya) handelt von den täglichen Pflichten, im Anschluß daran aber auch von den verschiedensten anderen Dingen.
c8.s1.t2.73
3. Dashavaikâlika (Dasaveyâliya) gibt Regeln für das Asketenleben.
c8.s1.t2.74
4. Pindaniryukti (Pindanijjutti) erteilt Vorschriften für den Almosenempfang der Asketen; andere nennen statt dessen Oghaniryukti.
c8.s1.t2.75
Zu diesen 45 Werken werden mitunter noch 20 Prakîrnas, 12 Niryuktis und einige andere Bücher hinzugerechnet, wodurch die Gesamtzahl der heiligen Schriften auf 84 gebracht wird.
c8.s1.t2.76
Eine Reihe anderer heiliger Werke, die eine Art von Ergänzung zu den kanonischen Schriften, den „Âgamas“ bilden, sind die „Nigamas“ oder Upanishads, deren 36 gezählt werden¹³.
c8.s1.t2.77
Die hier aufgeführten Werke des Shvetâmbara-Kanons werden nicht von allen Shvetâmbaras als gleich autoritativ betrachtet. Die Shvetâmbara-Sekte der Sthânakavâsîs erkennt die 10 Prakîrnas und das 2. und 6. Chedasûtra sowie Pindaniryukti nicht an. Die Zahl ihrer heiligen Bücher beträgt also nur 32 (vgl. S. 71).
c8.s1.t2.78
Die kurzen Bemerkungen über den Inhalt der kanonischen Schriften zeigen schon, wie außerordentlich vielseitig derselbe ist. Genauere Angaben würden diesen Eindruck noch verstärken, denn viele dieser Bücher enthalten in der Form von Abschweifungen oder Einschüben Erörterungen über Dinge der verschiedensten Art, die nicht eigentlich zu den in ihnen behandelten Themen gehören und die man deshalb gar nicht in ihnen vermuten würde. Trotz dieser Vielseitigkeit des Gebotenen sind nicht alle Werke interessant zu lesen. Denn viele von ihnen ergehen sich in sehr eintönigen Aufzählungen und in der trockenen Aneinanderreihung von Vorschriften, die nur ab und zu durch ein paar hübsche Sprüche oder ein treffendes Gleichnis unterbrochen werden. Auch die Legenden, welche der Kanon enthält, werden zumeist in sehr unlebendiger, langatmiger Weise erzählt. Eine charakteristische Eigentümlichkeit vieler heiligen Schriften ist es, daß sich in ihnen zahlreiche Wiederholungen und zur Schablone erstarrte Wendungen finden. Dies geht so weit, daß die Urheber oder Abschreiber der uns vorliegenden Texte es nicht einmal mehr für nötig hielten, das von ihnen zu Sagende seinem ganzen Umfange nach wiederzugeeben; sie begnügten sich vielmehr damit, gewissermaßen nur ein paar Stichwörter anzugeben und es dem Leser zu überlassen, bestimmte feststehende Sätze und Wendungen aus einem anderen Werke in sinngemäßer Weise einzuschalten. Für die Beschreibungen von Orten, Personen usw. gibt es gleichsam Klischees, die sich an einer bestimmten Stelle im Kanon finden und auf die dann einfach jedesmal verwiesen wird, wenn der betreffende Ort oder die betreffende Person vorkommt. Diese Beschreibungen heißen „Varnakas“ und sind in einem breiten poetischen Stil geschrieben, der sich durch die Verwendung von zusammengesetzten Worten riesigen Umfangs, durch die Häufung von erläuternden Attributen usw. deutlich von dem Grundton der Texte abhebt. Vom literarischen Standpunkt aus betrachtet können die Schriften des Kanons keinen Anspruch auf hohe Wertschätzung erheben. Nicht nur die belehrenden, sondern auch die erzählenden Partien leiden oft an einer „inkurablen Trockenheit“, und nur selten steigert sich die Sprache zu einem Pathos, das den heutigen Leser mitzureißen vermag.
c8.s1.t2.79
Die einzelnen kanonischen Werke stammen nach den Angaben der Shvetâmbaras selbst aus ganz verschiedenen Zeiten. Während die Angas, die Upângas und andere Bücher auf die Ganadharas, vornehmlich auf Sudharmâ zurückgehen sollen, der die Worte Mahâvîras in literarische Form brachte, werden manche Werke späteren Autoren zugeschrieben. So soll das 4. Upânga, Prajnâpanâ, von Âryashyâma herrühren, der mit Kâlakâcârya identifiziert wird (1. Jahrh. v. Chr., s. S. 43), das Nandîsûtra soll von Devarddhi (5. Jahrh. n. Chr.), das Anuyogadvârasûtra von Âryarakshita (1. Jahrh. n. Chr.), das Catuhsharana von Vîrabhadra, das Dashavaikâlikasûtra von Shayyambhava verfaßt sein, letzteres zu dem Zwecke, um einem jungen Asketen, dessen Tod in sechs Monaten zu erwarten stand, den Kern der Lehre in kürzester Zeit zu übermitteln. Auf Bhadrabâhus (300 n. Chr.) Urheberschaft am 4. Chedasûtra wurde bereits hingewiesen, an anderen Texten dieser Gruppe soll er ebenfalls beteiligt gewesen sein¹, und Haribhadra (8. Jahrh. n. Chr.) soll das Mahânishîtha umredigiert haben. Der heutige Kanon stammt also aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Personen; er ist nicht der Niederschlag des Denkens einer bestimmten Periode, sondern die Arbeit vieler Generationen.
c8.s1.t2.80
Als die ältesten Teile des Kanons gelten die Angas; diese sind jedoch nicht vollständig erhalten, da das 12. Anga, das die 14 Pûrvas enthält, frühzeitig verloren gegangen sein soll. Daß das 12. Anga tatsächlich existiert hat, zu bezweifeln liegt kein Grund vor, da nicht nur alle Angaben sich hierüber einig sind, sondern auch Zitate aus ihm vorkommen und manche Werke als auf ihm beruhend angesehen werden ¹⁵. Warum der Drishtivâda abhanden gekommen ist, wissen wir nicht. Wahrscheinlich enthielt er Dinge, die teils für spätere Geschlechter nicht mehr von Interesse waren, wie Kontroversen mit nicht mehr existierenden gegnerischen Sekten usw., teils in anderen Werken inzwischen besser und klarer auseinandergesetzt worden waren, so daß er nicht mehr studiert wurde und allmählich ganz in Vergessenheit geriet.
c8.s1.t2.81
Die uns vorliegenden 11 Angas, ferner 11 von den 12 Upângas und einige andere Werke sollen, wie schon bemerkt, nach der Tradition von Mahâvîras Schüler Sudharmâ verfaßt worden sein. Sie sollen mündlich weiter überliefert und nach der Schlußredaktion durch Devarddhi, 980 Jahre nach Mahâvîra, schriftlich fixiert und in vielen Handschriften verbreitet worden sein. Angenommen, die Angabe über die späte Fixierung des Kanons ist richtig, so würde es in der Tat höchst fraglich erscheinen, ob uns in den kanonischen Texten wirklich authentische Nachrichten über Mahâvîra und seine Lehre vorliegen. „Man denke sich mal den Fall,“ — sagt Albrecht Weber ¹⁶ — „was würden wir wohl von Christus wissen, wenn das Neue Testament bis zum Jahre 980 A. D. (resp. ca. 950, da wir nach Christi Geburt, die Jainas dagegen nach Vîras Tode rechnen) noch nicht schriftlich existiert hätte und wir dafür auf eine unter Papst Sylvester II. stattgehabte Kodifikation der Traditionen über ihn beschränkt wären, denen keine frühere schriftliche, sondern nur mündliche Überlieferung zugrunde läge!“ Die Angabe über die späte Kodifizierung des Kanons braucht uns jedoch nicht von vornherein mit Mißtrauen gegen die Echtheit seiner Überlieferung zu erfüllen. Denn diese Nachricht braucht nicht zu besagen, daß die heiligen Schriften bis zur Zeit des Konzils von Valabhî niemals niedergeschrieben worden seien, sondern nur, daß ihr Text erst damals endgültig festgelegt und in größerem Umfange durch Abschriften verbreitet worden sei. Diese Auffassung hat viel Wahrscheinlichkeit für sich, weil die Schreibkunst, wie sich aus dem Vorhandensein von Jaina-Inschriften aus dem 2. Jahrhundert vor Chr.
c8.s1.t2.82
ergibt, bei den Jainas schon seit langem in Gebrauch war. Sodann aber darf nicht außer acht gelassen werden, daß in Indien viele Werke jahrhundertelang von Lehrer zu Schüler aufs genaueste überliefert worden sind mit den Mitteln einer hochentwickelten Mnemotechnik, wie sie nur in einer Zeit ohne Zeitungen und Fernsprecher möglich war.
c8.s1.t2.83
Es steht außer Frage, daß auch die ältesten Texte des Kanons spätere Überarbeitung erfahren und mannigfache Interpolationen aufzuweisen haben. Trotzdem darf für sie ein ziemlich hohes Alter in Anspruch genommen werden. H. Jacobi hat überzeugend dargetan¹⁷, daß die Sprache dieser Werke, die Metren, die in ihnen verwendet werden, und gewichtige historische Gründe dafür sprechen, daß die ältesten Schriften des Kanons bis etwa in die Zeit von 300 vor Christus zurückreichen, was für die Geschichtlichkeit des Konzils von Pâtaliputra sprechen würde. Es braucht jedoch nicht angenommen zu werden, daß während der 200 Jahre, die zwischen dem Tode Mahâvîras und der Entstehungszeit der ältesten Partien des Kanons liegen, nur vage Traditionen vorhanden gewesen seien; es ist vielmehr wahrscheinlich, daß die Überlieferungen über das Leben und die Lehren des Propheten schon viel früher im Kreise seiner Schüler eine feste Form gewonnen hatten und daß sie so den Grundstock für die spätere literarische Tätigkeit der Gemeinde bildeten.
c8.s1.t2.84
Wenn somit auch manche Teile des Kanons bis in eine frühe Zeit zurückreichen mögen, so ist doch sicher, daß an den Angas und den anderen angeblich auf Sudharmâ zurückgehenden Schriften der Shvetâmbaras in der Gestalt, wie wir sie heute besitzen, beträchtliche Veränderungen vorgenommen worden sind. Es ist anzunehmen, daß spätere Geschlechter sie überarbeitet haben, um sie in Übereinstimmung mit ihren neuen Anschauungen zu bringen. Daß diese Veränderungen recht beträchtlich gewesen sein müssen, geht daraus hervor, daß die Digambaras sonst wohl kaum die Behauptung hätten aufstellen können, daß der ganze Shvetâmbara-Kanon apokryph sei.
3. Der Kanon der Digambaras
c8.s1.t3.1
a. Der verlorene alte Kanon
c8.s1.t3.2
Wie bereits mehrfach erwähnt, besitzen die Digambaras keinen alten Kanon; sie sind des Glaubens, der alte Kanon sei verloren gegangen und der Kanon der Shvetâmbaras sei unecht. In Digambara-Werken finden sich hingegen mehrfach Angaben über Zusammensetzung und Inhalt der verschwundenen heiligen Schriften¹⁸. Die Titel der Bücher, welche in diesen Aufzählungen genannt werden, stimmen zum Teil mit denen von Werken des heutigen Shvetâmbara-Kanons überein, auch deckt sich das, was über den Inhalt derselben mitgeteilt wird, teilweise mit dem tatsächlichen Inhalt der Shvetâmbara-Werke, in vielen Fällen aber finden sich starke Abweichungen. Ich lasse hier eine kurze Übersicht folgen.
c8.s1.t3.3
Die Werke des Kanons zerfallen in zwei Gruppen, nämlich „Angas“ und „Angabâhyas“ (außerhalb der Angas stehende).
c8.s1.t3.4
I. Angas.
c8.s1.t3.5
Die Angas führen dieselben Namen wie die der Shvetâmbaras. Bedeutende Verschiedenheit besteht hinsichtlich dessen, was den Inhalt des 12 Anga, des Drishtivâda ausgemacht haben soll, insofern als die Angaben über die Parikarmas und Cûlikâs (s. S. 93) differieren.
c8.s1.t3.6
Die 5 Parikarmas:
1. Candra-prajnapti handelt vom Monde,
2. Sûrya-prajnapti handelt von der Sonne,
3. Jambûdvîpa-prajnapti handelt vom Kontinent Jambûdvîpa,
4. Dvîpa-sâgara-prajnapti handelt von den Kontinenten und Meeren.
5. Vyâkhyâ-prajnapti handelt von den Grundwahrheiten Seele, Nichtseele usw.
c8.s1.t3.7
Die 5 Cûlikâs:
1. Jalagata-cûlikâ lehrt, wie man mit Hilfe von Zaubersprüchen usw. Wasser aufhalten, durch Wasser gehen, Feuer verschlingen u. a. tun kann.
2. Sthalagata-cûlikâ lehrt, wie man mit magischen Mitteln sich in ferne Länder begeben kann.
c8.s1.t3.8
3. Mâyâgata-cûlikâ lehrt, wie man allerlei Wunder vollbringen kann.
4. Rûpagata-cûlikâ lehrt, wie man die Gestalt eines Löwen, Elefanten und anderer Tiere annehmen und wie man Pflanzen und Metalle in andere verwandeln kann.
5. Âkâshagata-cûlikâ lehrt, wie man den Luftraum durchfliegen kann.
c8.s1.t3.9
Wie man sieht, werden hier einige Werke astronomisch-geographischer Natur als zu den Parikarmas gehörend angeführt, welche von den Shvetâmbaras zu den Upângas gerechnet werden. Upângas werden von den Digambaras in der Liste der kanonischen Schriften nicht genannt.
c8.s1.t3.10
II. Die Angabâhyas
c8.s1.t3.11
zerfallen in die folgenden 14 Prakirnakas:
c8.s1.t3.12
1. Sâmâyika handelt von den Arten der Andacht,
2. Caturvinshatistava handelt von dem Leben der Tîrthankaras, ihren Kräften, Attributen usw.,
3. Vandanâ handelt vom Tempelkult,
4. Pratikramana handelt von der Beichte,
5. Vinaya handelt von der Zucht.
6. Kritikarma handelt von der den Jinas usw. zu erweisenden Verehrung.
7. Dashavaikâlika gibt Regeln für das Asketenleben,
8. Uttarâdhyayana handelt von den Mühsalen und Störungen des Asketenlebens u. a.,
9. Kalpavyavahâra enthält Disziplinarvorschriften,
10. Kalpâkalpa (vidhânaka) handelt von dem, was ein Mönch gebrauchen darf usw.,
11. Mahâkalpa (sajnaka) handelt von den Regeln und Praktiken der Jinakalpîs und Sthavirakalpîs (d. i. der unabhängigen Mönche und der Mitglieder vom Orden),
12. Pundarîka handelt von den Taten, welche zur Wiedergeburt im Götterhimmel berechtigen,
13. Mahâpundarîka handelt von Taten, welche eine Wiedergeburt als Indra usw. hervorrufen, 14. Nishiddhikâ handelt von den Mitteln zur Reinigung der Seele von Fehlern usw. (andere nennen an dieser Stelle: Ashîtikasama).
c8.s1.t3.13
Von den hier genannten Titeln stimmen einige (7, 8, 9) mit solchen von kanonischen Werken der Shvetâmbaras überein, andere berühren sich mit ihnen (1–4 mit Abschnitten des 2. Mûlasûtra).
c8.s1.t3.14
b. Der moderne sekundäre Kanon
c8.s1.t3.15
Die Stelle des verloren gegangenen alten Kanons vertreten heute bei den Digambaras eine Reihe von Werken, die als autoritative Darstellungen der Lehre gelten. Diese Werke werden in vier Gruppen geschieden, je nachdem sie sich mit Geschichte, Kosmographie, Philosophie und Ethik beschäftigen. Diese vier Gruppen nennen die Digambaras ihre „vier Veden“. Die Zahl der Werke, die zu jeder einzelnen Gruppe gehören, scheint nicht genau festzustehen, wiewohl einige Titel stets in allen Aufzählungen figurieren; da diese alle vor 900 n. Chr. entstanden sind, wäre anzunehmen, daß der sekundäre Kanon zuerst um diese Zeit aufgestellt worden ist. Ich gebe im folgenden eine Übersicht¹⁹.
c8.s1.t3.16
I. Prathamânuyoga (Welthistorie): Ravishenas „Padmapurâna“ (650 n. Chr.?); Jinasenas „Harivanshapurâna“ (783); Jinasenas „Âdipurâna“; Gunabhadras „Uttarapurâna“ (beendet 879).
c8.s1.t3.17
II. Karanânuyoga (Kosmographie): Sûryaprajnapti, Candraprajnapti, Jayadhavalâ.
c8.s1.t3.18
III. Dravyânuyoga (Philosophie): Kundakundas 1. „Pravacanasâra“, 2. „Samayasâra“, 3. „Niyamasâra“, 4. „Pancâstikâya“.
c8.s1.t3.19
Umâsvâmis „Tattvârthâdhigamasûtra“ und seine Kommentare von Samantabhadra (600), Pûjyapâda (700), Akalanka (750), Vidyânanda (800) u. a.
c8.s1.t3.20
Samantabhadras „Âptamîmânsâ“ (600) mit den Kommentaren von Akalanka, Vidyânanda, u. a.
c8.s1.t3.21
IV. Caranânuyoga (Ethik und Ritual): Vattakeras „Mûlâcâra“ und „Trivarnâcâra“.
c8.s1.t3.22
Samantabhadras „Ratnakarandashrâvakâcâra“ (600).
Linked texts (76)
- Padmapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Brahmapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Uttarajjhayaṇa — Ardhamāgadhī Prakrit
- Ṭhāṇaṃga — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Nisīha — Viśākhagaṇi, Ardhamāgadhī Prakrit
- Āyāraṃga — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Nāyādhammakahāo — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Piṇḍanijjutti — Bhadrabāhu & Bhadrabāhu II, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Dasaveyāliya — Śayyambhava, Ardhamāgadhī Prakrit
- Aṇuogaddārāiṃ — Āryarakṣita, Ardhamāgadhī Prakrit
- Sūyagaḍa — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Bihā Kappa — Bhadrabāhu, Ardhamāgadhī Prakrit
- Nandī — Devavācaka, Ardhamāgadhī Prakrit
- Āptamīmāṃsā — Samantabhadra, Sanskrit
- Vandanāsutta — Pāli
- Aṃga — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Causaraṇa — Vīrabhadra, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Kalpasūtra — Bhadrabāhu, Ardhamāgadhī Prakrit
- Uppāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Uvavāiya — Ardhamāgadhī Prakrit
- Āyāradasāo — Bhadrabāhu, Ardhamāgadhī Prakrit
- Aggeṇīyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Pavayaṇasāra — Kundakunda, Śaurasenī Prakrit
- Rāyapaseṇaijja — Ardhamāgadhī Prakrit
- Sūtra — Sanskrit
- Uttarapurāṇa — Guṇabhadra, Sanskrit
- Uvaṃga — Ardhamāgadhī Prakrit
- Āurapaccakkhāṇa — Vīrabhadra, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Cheyasutta — Ardhamāgadhī Prakrit
- Jīvājīvābhigama — Ardhamāgadhī Prakrit
- Mahāpaccakkhāṇa — Māhārāṣṭrī Prakrit
- Vavahāra — Bhadrabāhu, Ardhamāgadhī Prakrit
- Vīriyappavāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Āvassaya — Ardhamāgadhī Prakrit
- Anuyoga
- Atthinatthippavāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Bhattapariṇṇā — Vīrabhadra, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Pannavaṇā — Śyāmārya, Ardhamāgadhī Prakrit
- Paṃcatthiyasaṃgaha — Kundakunda, Śaurasenī Prakrit
- Samavāyaṃga — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Jīyakappa — Jinabhadragaṇi Kṣamāśramaṇa, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Nāṇappavāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Ohanijjutti — Bhadrabāhu & Bhadrabāhu II, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Sūriyapannatti — Ardhamāgadhī Prakrit
- Upaniṣad — Sanskrit
- Viyāhapannatti — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Harivaṃśapurāṇa — Jinasena (Punnāṭa), Sanskrit
- Jambuddīvapannatti — Ardhamāgadhī Prakrit
- Mahānisīha — Haribhadra Sūri, Ardhamāgadhī Prakrit
- Saccappavāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Candapannatti — Ardhamāgadhī Prakrit
- Pañcakappa — Bhadrabāhu, Ardhamāgadhī Prakrit
- Uvāsagadasāo — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Āyappavāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Aṃtagaḍadasāo — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Kammappavāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Aṇuttarovavāiyadasāo — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Deviṃdatthaa — Māhārāṣṭrī Prakrit
- Paccakkhāṇappavāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Paṇhāvāgaraṇa — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Pupphiāo — Ardhamāgadhī Prakrit
- Vijjāṇuppavāyapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Avañjhapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Pupphacūliāo — Ardhamāgadhī Prakrit
- Vivāgasuya — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Diṭṭhivāya — Sudharman, Ardhamāgadhī Prakrit
- Vaṇhidasāo — Ardhamāgadhī Prakrit
- Vīratthava — Māhārāṣṭrī Prakrit
- Kiriyāvisālapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- Logabindusārapuvva — Ardhamāgadhī Prakrit
- *Mūlasūtra — Sanskrit
- *Vinaya — Sanskrit
- Samayasāra — Kundakunda, Śaurasenī Prakrit
- Niyamasāra — Kundakunda, Śaurasenī Prakrit
- Tattvārthasūtra — Umāsvāti, Sanskrit
- Pratikramaṇa — Gotama, Prakrit