Pramāṇa · Search · About · API

Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7.s2: § 22. Der Gupta-Typus des 4.—5. Jahrh.

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7.s2

Language
German

Contents

§ 22. Der Gupta-Typus des 4.—5. Jahrh.

c7.s2.1

Die Unterschiede zwischen der östlichen und westlichen Abart des Gupta- Typus treten in den Zeichen für *la*, *ṣa* und *ha* zu Tage¹. In der östlichen Abart wird das linke Glied des *la* (T. IV, 34, I—III, V—VI), ähnlich wie in den J. S. Ed. (§ 16, C. 35) scharf abwärts gedreht, die Basis von *ṣa* (IV, 37, I—III, V—VI) wird abgerundet und als Schleife an den schräg gelegten Mittelstrich gehängt; bei *ha* (IV, 39, I—III, V—VI) dagegen wird die Basis weggelassen und der Haken, nach links gedreht, unten an den übrig gebliebenen Verticalstrich gesetzt, genau wie in den Jagayyapetta-Inschriften (§ 20 C). In den westlichen Inschriften haben diese drei Buchstaben die älteren, volleren Formen.

c7.s2.2

¹ Vgl. BÜHLER, Ind. Ant. 15, 147 ff. und Ind. Stud. Nr. III, 60 ff.

c7.s2.3

Die östliche Abart ist in Taf. IV durch das älteste Specimen, Hariṣeṇa's Allahabad-Praśasti (C. I—III), vertreten, welche sicher der Zeit Samudragupta's² und wahrscheinlich der Periode 370—390 p. Chr. angehört, sodann durch die Kahāum-Praśasti von 460 p. Chr. (C. V—VI) und die Indor-Kupferplatte von 465 p. Chr. (C. VII), beide aus der Zeit Skandagupta's. Sie erscheint ausserdem in FLEET'S (CII, 3) Nr. 6—9, 15, 64—65, 77, BHAGVANLAL'S Nepalinschriften³ Nr. 1—3 und CUNNINGHAM'S⁴ Gayā-Inschrift von Saṃvat 64. Der Umstand, dass unter diesen Inschriften, FLEET'S Nr. 6, sich weit westlich bei Bhilsa in Mālva findet, ist dadurch erklärbar, dass sie von dem Minister Candragupta's II., der sich einen Einwohner von Pāṭaliputra nennt, auf einem Kriegszuge nach dem Westen verfasst wurde. FLEET'S Nr. 77 ist zwar in Lahore gefunden, aber über ihren Ursprung nichts bekannt. Die westliche Abart des Gupta-Typus hat wieder zwei Varietäten, eine cursive und eine eckige, stilisirte. Von der letzteren, bei welcher die dicken, viereckigen Begrenzungsstriche und das *ra* mit einem Haken am Ende (33) auffällig sind (vgl. § 19 A), giebt C. IV aus der Bilsad-Praśasti von 415 p. Chr. eine Probe. Ein anderes schönes Beispiel bietet FLEET'S Nr. 32, die Meherauli-Inschrift (Iron Pillar) aus der Nähe von Delhi. Die cursive Varietät der westlichen Abart ist in Taf. IV durch C. VIII aus Toramāṇa's Kura-Inschrift aus der 2. Hälfte des 5. Jahrh.⁵ und C. IX aus den Karitalai-Kupferplatten des Königs Jayanātha von Uccakalpa (wahrscheinlich aus dem Jahre 423/4 p. Chr.)⁶ vertreten. Sie erscheint noch in FLEET'S Nr. 4, 13, 16, 19, 22--31, 36, 61, 63, 66—67, 69, 74, 76 und in den Votivinschriften von Mathurā, N. S. Nr. 38—39, und es ist zu beachten, dass FLEET'S Nr. 13 aus Bhitari in dem Gebiete vorkommt, wo man die östliche Abart erwarten sollte. FLEET'S Nr. 61, die Jaina-Inschrift von Udayagiri in Mālva zeigt eine Mischung mit südlichen Formen, indem sie durchweg, *A*—*Ā* mit der Curve und einmal südliches *r* hat. Vielleicht steht es ähnlich mit FLEET'S Nr. 59, der Bijayagadh-Inschriften aus Bhartpur in Rajputana, wo *ra* eine Curve am Ende hat und mittleres *i* und *ī* dem in T. III, C. XVI ähnlich ist. Mit Bezug auf die Legenden der Gupta-Münzen⁸ ist zu erwähnen, dass dieselben mehrfach rückläufig sind und z. B. oft das *ma* der Kuṣanaperiode aufweisen.

c7.s2.4

² Nach Fleet, CII. 3, 4 ff., von Candragupta II. aufgezeichnet; aber die Inschrift enthält keinen Hinweis darauf, dass S. todt war.

c7.s2.5

³ Ind. Ant. 9, 163 ff.

c7.s2.6

⁴ Mahābodhi, pl. 27.

c7.s2.7

⁵ Ep. Ind. 1, 238 ff.; vgl. § 24 B.

c7.s2.8

⁶ Fleet, CII. 3, 117 ff. und S. 95 ff.

c7.s2.9

⁸ V. A. Smith, JASB. 53, 119 ff. und 63, 164 ff.; s. auch Rapson, Num. Chron. 1891, 48 ff.

c7.s2.10.1

B. Eigentümlichkeiten des epigraphischen Gupta-Typus. --- Betreffs besonders markanter Einzelheiten ist Folgendes hervorzuheben: 1) Die unteren Teile der rechten Verticalstriche von *A*—*Ā*, *ga*, *ḍa*, *ta*, *bha* und *śa* werden besonders in den älteren Steininschriften verlängert und *ka* und *ra* bleiben lang, so dass diese acht Zeichen ungefähr doppelt so lang sind als die ohne Verticalstriche. Auf den Kupferplatten sind jedoch Verkürzungen auf das normale Mass nicht selten. 2) Der rechte Teil von *gha*, *pa*, *pha*, *ṣa*, *sa* ist meist spitzwinklig und geht abwärts nach rechts, wodurch später die Entwicklung von Verticalstrichen unten rechts an diesen Zeichen veranlasst wird. 3) Bei *A* kommt gegen die Mitte des 5. Jahrh. (IX, XI) die Umdrehung des unteren Teiles der linken Seite vor (vgl. § 19 B, 1), die allen späteren Entwicklungen zu Grunde liegt; bei *Ā*, 2, VII—IX, wird das Längezeichen cursiv an den Fuss des Buchstabens gehängt. 4) Neben dem *I* der Kuṣaṇaperiode, 3, I, V, treten in Folge der Vorliebe für oben abgeplattete Formen die auch später beliebte Form von 3, VII und die mit dem Horizontalstrich oben, welche den südlichen *I* (T. VII—VIII u. § 28) und dem der Nāgarī (§ 24, A, 4) zu Grunde liegt. 5) *U*, *U* und *O* bekommen im 5. Jahrh. die links offene Curve, zu der schon im Kuṣana-Typus (§ 19, B, 4) der erste Ansatz vorkommt.

c7.s2.10.2

6) Das gutturale *ṅa* beginnt an Stelle des Anusvāra vor *ṣa* und *ha*, 11, VII, zu erscheinen, vielleicht in Folge der in den Śikṣā gerügten falschen Aussprache⁹. 7) Bei *ja*, 14, I—III, VII—VIII, wird der dritte Horizontalstrich nach links gebogen und endigt mitunter mit einer Curve, wodurch die Neubildungen in C. XXI—XXIII verursacht werden. 8) Das *ña*, 16, I—II; 42, I, VI—VII, XI, erhält vom 5. Jahrh. an häufig der Raumersparnis halber eine cursive Rundform (vgl. *jñaḥ*, T. III, 40, XIV). Daneben bleiben aber ältere eckige Formen, 42, V. 9) Das *ṭa* wird oft, 17, I—III, IX, oben abgeplattet. 10) Das *ṇa* zeigt in 21, I—II einen kleinen Ansatz unten rechts, veranlasst durch eine ungenaue Anfügung des rechten Hakens, und in 21, II ausserdem links eine cursive Schleife. In 21, III ist das Zeichen auf die Seite gelegt und einem Nāgarī *ṇa* nicht unähnlich. 11) Das *tha* wird meist elliptisch oder rechts abgeplattet und erhält statt des Punktes einen Querstrich, 23, I, V—IX, obschon die alte Form, 23, II—III, auch noch vorkommt¹⁰. 12) *Ya* ist meist dreiteilig, 32, I—IX, zeigt jedoch mitunter, besonders in *ye*, *yai* und *yo*, die Übergangsform mit der Schleife (vgl. 32, XIII, XVI; T. VII, 45, XIV), welche zu dem zweiteiligen *ya* führt¹¹. Das älteste Beispiel desselben kommt in FLEET'S Nr. 59 von 371 p. Chr. vor, während die Kuṣaṇa-Inschriften (§ 19, B, 12) schon das suffigirte verschleifte *ya* kennen.

c7.s2.10.3

13) Das linke Glied von *sa* wird oft, wie in einigen Kuṣaṇa-Inschriften (§ 19, B, 16), in eine Schleife verwandelt, während in den ältesten Nepal-Inschriften ein Dreieck (die Umrisse eines Keiles, wie in 38, XII), erscheint. Ebenso häufig kommt indess der alte Haken vor, seltener dagegen die später gewöhnliche Form, 46, VIII, in der der rechte Teil des Zeichens direct an den Haken angefügt ist. 14) Das seltene *ḷa*, 40, I—III, erscheint noch in FLEET'S Nr. 67, Z. 1. 15) Die mittleren Vokalzeichen stimmen vielfach mit denen des Kuṣaṇa-Typus. Doch ist der oben offene Halbkreis des *ā* in *ṭā*, 17, II, der auch in *ṇā* vorkommt, eine Neubildung. Ferner wird *i* z. B. in *khi*, 8, III, VI, IX stets weiter nach links hinübergezogen als früher, und in einigen Inschriften wie Mathurā, N. S., Nr. 38—39, besteht *ī* nur aus einer Curve nach rechts, obschon die Form mit zwei Hörnern, z. B. in *dī*, 24, I, oder eine Verschleifung derselben (*bhī*, 30, V) die gewöhnlichere ist. Das horizontale *u* nimmt fast durchweg die noch gebräuchliche Curvenform an und tritt in *ru*, 33, III, VI, an das Ende des Consonanten, während es in *gu*, 8, II, VI, *tu*, *bhu*, 30, I, und *śu*, 36, III, aufwärts gebogen wird. Für *ū* erscheint neben einer alten Form in *gū*, 8, IV, und jüngern Combinationen in *bhū*, 30, II, VI, und *ṭṭū*, 42, II, eine später sehr gebräuchliche Cursivform in *dhū*, 25, II, VI.

c7.s2.10.4

Die eine Mātrā von *ai* (*gai*, 32, III) und die von *o* (*go*, 9, III, *ṇo*, 21, III) wird mitunter senkrecht gestellt. 16) Bei den Ligaturen verursacht die Rücksicht auf Raumersparnis die erwähnte Cursivform von *ña*, die Seitwärtslegung des *tha* (*sthā*, 45, V, *stha*, 46, IX) und des *ṭa* (*ṣṭa*, 45, IX). Im 5. Jahrh. erscheint für *rya* ein volles *ra* mit suffigirten *ya*, 45, VII. 17) In das 5. Jahrh. fällt auch der erste sichere Virāma in *ddham*, 43, VII, in der Gestalt eines Horizontalstriches über dem finalen Consonanten, in das 4. der erste Gebrauch des nördlichen Jihvāmūlīya (*ẖka*, 46, II) und Upadhmānīya (*ḫpā*, 46, III).

c7.s2.11

C. Der Gupta-Typus in MSS. — Von den Typen des Bower-MS., das nach HÖRNLE'S und meiner Ansicht¹² dem 5. Jahrh. angehört, giebt Taf. VI, C. I—IV, nur das Alphabet des von HÖRNLE mit *A* bezeichneten Teiles, da die veröffentlichten Stücke von *B* und *C* für paläographische Untersuchungen zu wenig umfangreich sind. Der gegebene Typus unterscheidet sich von dem der Inschriften der Guptaperiode, besonders der Kupfertafeln, nur in wenigen unwesentlichen Punkten. Die oberen Begrenzungsstriche sind sorgfältiger gemacht und fast durchweg wirkliche Keilaufsätze. Sie erscheinen auch auf allen Verticalstrichen der Zeichen, vgl. *gha*, 18, I—IV. Ebenso werden die unteren Enden abwärts gehender Striche noch regelmässiger mit Grenzlinien versehen und oft in Keile oder Knöpfchen verwandelt. Diese grössere Regelmässigkeit ist, was man bei guten MSS. erwartet, da das Material weniger Schwierigkeiten bietet als Stein oder Kupfer. Der durchgängige Gebrauch der Begrenzungsstriche hat zur Entwicklung des *ka* mit der Schleife links, 15, IV, geführt¹³ (vgl. 15, I, III), welches im Bower-MS. mitunter erscheint und in den Inschriften erst später von 588/9 (vgl. T. IV, 7, XIII), dann aber constant nachweisbar ist. Ferner kommt sehr selten, z. B. in *prayojayet* (Bower-MS. Fol. 31a, 11), eine altertümliche Form des zweiteiligen *ya* vor. Das Bower-MS. lehrt uns auch einige Zeichen kennen, die wegen der Seltenheit der Laute, welche sie ausdrücken, nur sehr selten in Inschriften vorkommen können und in den bis jetzt gefundenen des 4. und 5. Jahrh. zufällig gar nicht vorkommen. Hieher gehört das *I*, 4, I, in dem der obere und untere Punkt des mit den Spitzen nach oben gestellten alten Zeichens (vgl. T. VI, 4, V, VII) in einen Strich zusammengefasst ist, das *R*, welches deutlich aus *ra* mit suffigirtem *ṛ* besteht (vgl. § 1 und u. § 24, A. 7), das *AU*, welches genau mit dem epigraphischen von 532 p. Chr., T. IV, 6, X, stimmt, und das suffigirte *ṝ* in *nṝ*, 34, III, das aus zwei horizontal neben einander gelegten *r* besteht.

c7.s2.12

¹ Vgl. HÖRNLE, J.ASB, 60, 81, der nur *ṣa* erwähnt, da er den in § 23 behandelten Typus mit in Betracht zieht.

c7.s2.13

² SB.WA, 122, XI, 32 ff.

c7.s2.14

³ IA, 9, 163 ff.; die Ära ist nicht die von 318/9, wie FLEET, CII, 3, Intr. 95, 177 ff. meint, sondern eine nepalesische.

c7.s2.15

⁴ C.MG, Pl. 25, die Ära ist wahrscheinlich die der Gupta.

c7.s2.16

⁵ IA, 18, 225.

c7.s2.17

⁶ Nach IA, 19, 227 f. gebrauchten die Könige von Uccakalpa die Cedi- oder Kalacuri-Aera von 249.

c7.s2.18

⁷ EI, II, 210.

c7.s2.19

⁸ J.ASB, 53, Pl. 2—4; J.RAS, 1889, Pl. 1—4, p. 34 ff.; 1893, Pl. 2.

c7.s2.20

⁹ HAUG, Wedischer Accent, 64.

c7.s2.21

¹⁰ Vgl. Facs. CII, 3, Nr. 61.

c7.s2.22

¹¹ J.ASB, 60, 83 ff.

c7.s2.23

¹² J.ASB, 60, 92 f.; WZKM, 5, 104 f. Die Entdeckung e. Inschr. a. d. 7. Jahrh. mit vorwiegend dreiteiligem *ya*, EI, 4, 29, macht eine Modification von HÖRNLE'S Argumentation nothwendig, ändert aber nichts am Endresultate.

c7.s2.24

¹³ An. Oxon., Ary. Ser., 1, 3, 76.

Linked texts (6)