Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s2: II. Das achte Buch
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s2
- Language
- German
II. Das achte Buch
c5.s2.2
¹ Es ist vielleicht nicht überflüssig zu bemerken, dass das Nachstehende vor dem Erscheinen des zweiten Hefts von Bergaigne's Recherches geschrieben und erst nachträglich auf dasselbe Bezug genommen worden ist. Die Abgrenzung einer Reihe von Liedgruppen, in der ich mich mit B. begegne, wird auf diese Weise, als von zwei Seiten unabhängig gefunden, erhöhtes Gewicht erhalten.
c5.s2.3
Von den drei leitenden Kategorien der Anukramaṇītexte — Rishi des Hymnus, Gottheit, Metrum — ist es die Gottheit, welche für die Ordnung der Bücher II—VII, das Metrum, welches für diejenige von Buch IX sich in erster Linie maassgebend gezeigt hat. Dass im achten Buche diese beiden Gesichtspuncte, wenn überhaupt, so doch in keinem Fall als die obersten in Betracht kommen können, braucht nicht erst bewiesen zu werden. So liegt es nahe, zu untersuchen, ob hier nicht die dritte jener Kategorien, die Autorschaft der Hymnen, das oberste Princip der Anordnung ergiebt. Dabei ist es nach dem ganzen Character der in der Anukramaṇī erscheinenden Verfassernamen von vorn herein klar — und die Erörterung der in mancher Hinsicht analogen Verhältnisse von Buch X wird es weiter bestätigen —, dass in erster Linie auf die in den Hymnen selbst enthaltenen Daten über die Verfasser Gewicht zu legen ist ¹). Denn in Angaben, welche allein auf der Autorität der Anukramanî beruhen, dürfen allerdings Spuren von Erinnerungen an die gruppenweise Zusammengehörigkeit der Lieder je nach ihren Verfassern wohl erwartet werden, aber in der Regel werden diese Spuren zwischen dem Unkraut thörichter Erfindungen, das in der Anukramanî wuchert, auch nicht mit annähernder Sicherheit erkennbar sein, so lange man sich des Punctes, auf welchen sie hinzeigen, nicht bereits anderweitig bemächtigt hat.
c5.s2.4
¹ Hiermit ist ein wesentlicher Unterschied meiner Untersuchung von derjenigen Bergaigne's (I, 46 fgg.; II, 76 fgg.) bezeichnet. Ich versuche zuvörderst die Liedersammlungen abzugrenzen, welche durch Verfassernennungen im Text selbst als solche characterisirt werden; auf Grund des Aussehens, welches diese Sammlungen zeigen, bemühe ich mich ähnliche Sammlungen auch da wiederzufinden, wo die Verfassernennungen versagen. B. dagegen folgt — wenigstens in dem ersten Theil seiner Untersuchungen — der Anukramanî, die insoweit den rechten Weg zeigt, als sie vielfach durch eben dieselben Angaben des Textes über die Rishis, welche auch wir für entscheidend halten, geleitet wird. Wo aber diese Angaben fehlen, schwindet meist in der Anukramanî der feste Boden; Reihen von Liedern werden aus einander gerissen, die, wenn man sie nach dem Vorbild jener feststehenden Sammlungen untersucht, offenbare Characteristica der Zusammengehörigkeit und Ordnung aufweisen; fast überall macht hier die Anukramanî Gruppen, deren Umfang weit hinter dem der gesicherten Gruppen zurückbleibt, oder sie nimmt in sehr zahlreichen Fällen Einzelhymnen jedes angeblichen Verfassers an und verschiebt dadurch das Aussehen der Sache, welches auf Grund der sicher characterisirten Gruppen erwartet werden müsste. Wenn Bergaigne im zweiten Theil seiner Abhandlungen dem Standpunct der Anukramanî sich freier gegenüberstellt, so gelangt er offenbar vielfach zu richtigerer Abgrenzung der Gruppen; Bedenken, zu welchen die von ihm befolgte Methode trotzdem Anlass giebt, werden unten (S. 219) berührt werden. — Eine weitere Differenz zwischen Bergaigne und mir betrifft die Auflösung der Hymnen in Theilhymnen. Mir scheint, dass die Lieder des achten Buches im Grossen und Ganzen in der Ueberlieferung richtig begrenzt und dass die von einander zu sondernden Strophen Theile dieser Lieder, aber nicht unabhängige Lieder sind; die Indicien, die mir hierauf zu führen scheinen, sind von mir oben S. 137 fg. dargelegt worden. B. erblickt in den Strophen meist selbständige Lieder (vergl. jedoch seine späteren Ausführungen, II, 76 fgg.); dazwischen erkennt er sporadisch bei einzelnen Liedern, bei denen die Kriterien der Einheit besonders hervortreten, diese Einheit an. Ich glaube, dass weiter geführte Untersuchungen ihn auf solche Kriterien noch in viel zahlreicheren Fällen geführt haben würden: seine Resultate, schon jetzt nicht eben durch Einheitlichkeit und Einfachheit überzeugend, würden dann noch deutlicher das Widerstreben des Stoffes gegen die auf ihn angewandte Behandlung verrathen.
c5.s2.5
Um nun auf Grund möglichst feststehender Thatsachen einen Maassstab darüber zu gewinnen, ob eine Zerlegung des achten Buches in Gruppen von Liedern desselben Verfassers oder desselben Verfasserkreises ausführbar erscheint, sammeln wir zunächst die Daten über einige der hervortretenden Namen von Ṛiṣis oder Ṛiṣifamilien, die im achten Buche genannt werden. Die Kaṇvas lassen wir dabei aus dem Spiele; ihr Begriff ist offenbar ein so weiter, und ihr Name erscheint an so verschiedenen Stellen des Maṇḍala, dass es zweckmässig sein wird, von weniger verbreiteten und daher characteristischeren Namen auszugehen.
c5.s2.6
Vatsa ist zehnmal genannt; sämmtliche Stellen stehen in den Liedern VIII, 6. 8. 9. 11.
c5.s2.7
Vyaṣva, die Vyaṣvas, Vaiyaṣva: neun Stellen in den Liedern VIII, 23. 24. 26. Sonst kommt Vyaṣva nur noch dreimal im Ṛigveda vor: I, 112, 15 und VIII, 9, 10 in Aufzählungen vieler Ṛiṣis, so dass hier seine Nennung eine rein zufällige, mit der Autorschaft des Liedes nicht zusammenhängende ist; sodann IX, 65, 7, in einem Pavamânaliede, welches um seiner Devatâ willen nach den Anordnungsprincipien des Ṛv. nicht mit den übrigen Vyaṣvaliedern zusammen stehen kann. Wenn sich so der Abschnitt VIII, 23—26 durch die Nennungen des Vyaṣva als zusammengehörig erweist, tritt als ein weiteres, eben diesen Liedern in dieser Begrenzung eignes Characteristicum das fast ausschliessliche Herrschen des Metrums Uṣṇiḥ hinzu ¹).
c5.s2.8
¹ Auch das Auftreten des Namens (Varo) Suṣhâman in 23. 24. 25. 26 (nur hier) begrenzt diese Liedergruppe in grösster Schärfe.
c5.s2.9
Sobharî: sieben Stellen in den Liedern VIII, 19. 20. 22. Sonst nur noch in einer Aufzählung vieler Ṛiṣinamen VIII, 5, 26, und im letzten Verse des achten Buchs, 103, 14. Auch hier ist dem sich herausstellenden Abschnitt VIII, 19—22 ein augenfälliges metrisches Characteristicum eigen, die Häufigkeit des Kâkubha Pragâtha. Man bemerke, dass der Schlusspunct dieser Serie und der Anfangspunct der Vyaṣyaserie sich gegenseitig sichern.
c5.s2.10
Ṣyâvâṣva: sechs Stellen in den Liedern 35. 36. 37. 38; häufige Nennungen des Atri oder der Atri — Ṣyâvâṣva war bekanntlich ein Âtreya — sind für dieselben Lieder characteristisch. Ausserhalb dieses Abschnitts erscheint Ṣyâvâṣva noch einigemal im Atribuch (V).
c5.s2.11
Nabhâka (Nâbhâka): drei Stellen in 40. 41. Sonst kommt der Name im Ṛv. nicht vor. Der Refrain nabhantâm anyake same erscheint in 39. 40. 41. 42. Characteristisches Metrum dieser Serie ist Mahâpaṅkti. Ihr Anfangspunct und der Schlusspunct der Ṣyâvâṣvaserie sichern sich gegenseitig.
c5.s2.12
So stellt sich, wenn man das Auftreten einiger häufiger Ṛishinamen beobachtet, auf den ersten Blick das Vorhandensein von Gruppen zusammengehöriger Lieder heraus, deren Einheit auf der Identität des Dichters oder Dichterkreises beruht. Von solchen Gruppen haben wir bis jetzt die folgenden fün gefunden: 6-11. 19-22. 23-26. 35-38. 39-42; dass die Vâlakhilyahymnen, characterisirt durch die Corresponsion von je zwei Liedern und durch Namen wie Praskaṇva und Dasyave vṛika eine sechste bilden, sieht man leicht.
c5.s2.13
Prüfen wir nun, ehe wir in der Aufsuchung weiterer derartiger Gruppen fortfahren, ob die Ordnung der Lieder innerhalb derselben erkennbaren Gesetzen unterliegt, welche dann eventuell für die Abgrenzung der übrigen Gruppen berücksichtigenswerthe Anhaltspuncte ergeben könnten. Wir führen die Gottheiten und Verszahlen der Lieder an, aus welchen jene Gruppen bestehen.
c5.s2.14
Vatsa: Indra 48. Marutaḥ 36. Aṣvinau 23, 21, 6. Agni 10.
c5.s2.15
Vyaṣva: Agni 30. Indra 30. Mitrâvaruṇau 24. Aṣvinau 19. Vâyu 6 ¹).
c5.s2.16
¹ Das Aṣvinlied und das Vâyulied sind in der Ueberlieferung zu einem Hymnus (26) verbunden.
c5.s2.17
Sobharî: Agni 37. Marutaḥ 26. Indra 18. Aṣvinau 18.
c5.s2.18
Ṣyâvâṣva: Aṣvinau 24. Indra 7, 7. Indrâgnî 10.
c5.s2.19
Nâbhâka: Agni 10. Indrâgnî 12. Varuṇa 10, 3. Aṣvinau 3 ²).
c5.s2.20
² Das Varuṇalied 42, 1-3 und das Aṣvinlied 42, 4-6 sind natürlich zu theilen.
c5.s2.21
Vâlakhilya: Indra 10, 10, 10, 10, 8, 8. Dânastuti 5, 5 ³).
c5.s2.22
³ Auf die letzten drei Vâlakhilyalieder, bei welchen die paarweise Parallelität der Hymnen abreisst, kommt wenig an: Aṣvinau 4. Unbestimmt 3. Indrâvaruṇau 7.
c5.s2.23
Man sieht aus dieser Zusammenstellung zuvörderst, dass Lieder an dieselbe Gottheit innerhalb einer Sammlung stets neben einander stehen. Demnächst ergiebt sich, zwar nicht ausnahmslos, aber doch so weit vorherrschend, dass ein blosser Zufall ausgeschlossen scheint, die Ordnung nach absteigender Verszahl: ohne Bevorzugung von Agni und Indra und ohne Rücksicht auf die Zahl der zu einer Serie gehörenden Lieder folgen die Serien auf einander je nach der Verszahl ihrer längsten Hymnen, und nach jedem längsten Lied folgen die übrigen an dieselbe Gottheit gerichteten Hymnen wieder in absteigender Folge. Von Verletzungen dieser Reihenfolge findet sich nur je eine in der Ṣyâvâṣva- und in der Nâbhâkagruppe; ein Indrâgnîlied steht dort hinter kürzeren Indraliedern, hier hinter einem kürzeren Agniliede.
c5.s2.24
Der Text dieser Lieder legt keinerlei Operation nahe, welche die Anomalie beseitigen würden, und ähnliche Unregelmässigkeiten, denen wir weiterhin begegnen werden, machen es überhaupt nicht rathsam, hier eine allzu strenge Befolgung der Ordnung zu erwarten.
c5.s2.25
Untersuchen wir nun die übrigen, nicht so deutlich durch das Auftreten bestimmter Namen characterisirten Gruppen.
c5.s2.26
Recht klar erweist sich als geordnet der Abschnitt 12—18. Seine Abgrenzung ergiebt nach vorne die Vatsaserie, nach hinten die Sobharîserie. Das Fehlen von Verfassernamen, welche vorher und nachher so reichlich erscheinen, der gemeinsame sprachliche und metrische Character — fast durchgehend herrschen die beiden Versmaasse Ushnih ¹) und Gâyatrî —, endlich die sogleich aufzuweisende Anordnung lassen über die Zusammengehörigkeit dieser Hymnen wohl keinen Zweifel. Wir haben folgende Gottheiten und Verszahlen: Indra 33, 33, 15, 13, 12, 10, 3, 2 ²). Âdityâs 22.
c5.s2.27
¹ Und zwar die Ushnih — im Gegensatz zu dem Vyaṣvaabschnitt, für welchen sie gleichfalls characteristisch ist — ganz überwiegend in der Form, welche bei dem gemeinsamen Vorwiegen von Ushnih und Gâyatrî von vorn herein erwartet werden kann: drei achtsylbige Pâdas und ein viersylbiger, nicht zwei achtsylbige und ein zwölfsylbiger.
c5.s2.28
² Dabei ist Lied 17 — der Ueberlieferung nach 15 Verse — in 3 Theile (10 + 3 + 2 Verse) getheilt worden. Diese Zerlegung, durch die Liedordnung empfohlen, ist doch keineswegs allein im Hinblick auf diese vorgenommen worden. Oben S. 139 Anm. 1 ist gezeigt, dass die Parallelen der andern Veden und die Aushebungen im Hotarritual darauf führen, ein Tricalied mit einem Endpunct bei Vers 10 anzunehmen: also Vers 10 ist alleinstehender Schlussvers hinter den Tricas 1-3, 4-6, 7-9. Vers 11-13 ist ein Trica für sich, als solcher im Sâmaveda erscheinend, 14. 15 ein Pragâtha. — Bergaigne's (I, 52) Behandlung von Lied 17 lässt mehrere der wesentlich in Betracht kommenden Momente unberücksichtigt.
c5.s2.29
Die übrigen noch nicht besprochenen Partien aus dem ersten — den Vâlakhilyas vorangehenden — Theil des Maṇḍala scheinen sich mir nach folgenden Gruppen zu ordnen:
c5.s2.30
1—5. Als zusammengehörig characterisirt durch die Anukramaṇî (Medhâtithi resp. Medhyâtithi, Devâtithi, Brahmâtithi), durch das regelmässige Erscheinen der Dânastuti am Ende jedes Liedes, und durch die Verbindung der Namen Kaṇvâs und Priyamedhâs. Die beiden letzten Characteristica treffen auch noch auf Lied 6 zu (Priyamedhastutâ harî, 6, 45; vergl. auch 8, 18), aber mir scheint doch 6, 1 (stomair Vatsasya vâvṛidhe) für die Zugehörigkeit dieses Liedes zur Vatsagruppe zu entscheiden. Durch vielerlei Beziehungen erweist diese letztere Gruppe sich als den vorangehenden Hymnen besonders nahestehend ¹), aber die deutliche Begrenzung des Gebietes, in welchem der Name Vatsa auftritt, begründet doch die Annahme einer bei 6 neu anfangenden Section. Zu demselben Ergebniss führen die Gottheiten der Lieder. In allen bis jetzt besprochenen Gruppen stehen die Hymnen an dieselbe Devatâ stets neben einander: mithin indicirt das Indralied 6, getrennt von den Indraliedern 2—4, ebenso wie das Aṣvinlied 8, getrennt von 5, eine neue Gruppe. In der Gruppe 1—5 liegt die zu erwartende Ordnung vor, verletzt nur beim ersten Hymnus ²): Indra 34, 42, 24, 21. — Aṣvinau 39.
c5.s2.31
¹ 6, 48 Yâduaḥ janam, vergl. 1, 31 Yâduaḥ paṣuḥ. — 6, 47 dadush Pajrâya sâmne, vergl. 4, 17 stushe Pajrâya sâmne. — 6, 18 vergl. 3, 9. — 8, 12 vergl. 5, 4. — 8, 21 vergl. 5, 26. — Auch die häufigen Erwähnungen der Turvaṣa und Yadu gehören hierher.
c5.s2.32
² Die offenbar vorhandene, aber in vollständige Verwirrung gerathene Ṭricatheilung dieses Hymnus legt die Vermuthung nahe, dass demselben Verse verloren gegangen sind.
c5.s2.33
Lied 27—31. 32—34. Auf die Annahme zweier Gruppen statt einer (27—34) führt die Anukramaṇî (Manu — Medhâtithi etc.) und die häufigen Nennungen der Kaṇvas in 32 fgg., die in 27—31 nicht erscheinen. Dazu stimmen die Gottheiten und Verszahlen: Erste Gruppe, Viṣve devâs 22. 5. 5 ¹). 4. Preis des Opferers etc. 18 ²). Zweite Gruppe: Nur Indra, 30 ³). 19. 18. Also beide Gruppen geordnet.
c5.s2.34
¹ Nach der Ueberlieferung 10 Verse von je 2 Pâdas; die Ordnung ist hergestellt, wenn wir 5 Verse von 4 Pâdas annehmen. Der Inhalt spricht weder dafür noch dagegen.
c5.s2.35
² Vielleicht besteht Lied 31 aus Fragmenten, die aber zur Zeit der Sammlung möglicherweise schon zusammengewachsen waren.
c5.s2.36
³ Oder ursprünglich 31 Verse? ZDMG. XXXVIII, 470 fg.
c5.s2.37
43—48? Vielleicht sind diese durch die Nabhâka- und die Vâlakhilyareihe begrenzten Lieder zu einer Gruppe zu vereinigen. Dieselbe wäre im Uebrigen als geordnet aufzufassen, nur dass — entsprechend der in den Familienbüchern befolgten Praxis — Agni vor Indra stände, obgleich das erste Indralied länger ist als das erste Agnilied: Agni 33, 30. — Indra 42. 33 (wenn die in Lied 46 verbundenen Bestandtheile schon den Sammlern als Einheit galten) ⁴). — Âdityâs 18. — Soma 15.
c5.s2.38
⁴ Sie werden in der That geeinigt durch den Namen des Vaṣa Aṣvia in Vers 21. 33: des Vaṣa, der hier selbst von seiner Verbindung mit Pṛithuṣravas spricht, so dass in diesem Liede gegenwärtig ist, was I, 116, 21 unter den vergangenen Thaten der Aṣvin gepriesen wird.
c5.s2.39
Wir wenden uns zu den auf den Vâlakhilya-Abschnitt folgenden Gruppen, deren Sonderung im Ganzen schwieriger und weniger sicher ist, weil das im ersten Theil des Maṇḍala so häufige Auftreten characteristischer Ṛishinamen hier aufhört. Einen wichtigen Anhalt für unsre Orientirung liefert die Regel, welche sich bisher stets bewährt hat, dass mehrere Lieder an dieselbe Gottheit, wenn sie nicht neben einander stehen, verschiedenen Gruppen zugehören müssen.
c5.s2.40
60—66. Die Anukramaṇî giebt diese Lieder dem Pragâtha ¹) und mehreren seiner Söhne. — Agni 20. — Indra 18, 12, 12, 12, 12, 15. Also geordnet bis auf das letzte Lied, dessen Zerlegung in mehrere (1—8. 9—15?) nicht ausgeschlossen, aber auch nicht speciell indicirt ist.
c5.s2.41
¹ Man bemerke, dass demselben auch Lied 48, das letzte vor den Vâlakhilyas, zugetheilt wird. Doch scheint es kaum, dass dasselbe der Gruppe 60 fgg. zuzurechnen und mithin bei den Vâlakhilyas eine in das Innere einer Gruppe einschneidende Interpolation anzunehmen wäre.
c5.s2.42
67—71. Âdityâh 21. — Indra 19, 18, 15. — Agni 15 oder wohl eher zu zerlegen in 9, 6. — Vollständig geordnet. Man sieht, wie deutlich sich die beiden Indrareihen dieser und der vorigen Gruppe von einander sondern. Dass der Agnireihe mit Verletzung der Ordnung auch noch Lied 72 (18 Verse) zugehört, ist nicht undenkbar, doch stellt sich dies Lied, der Verszahl nach zu urtheilen, wahrscheinlicher zur folgenden Gruppe. Allerdings müsste es dann, was bei seinem Inhalt keine Schwierigkeit macht, für etwas andres als ein gewöhnliches Agnilied (havishâm stuti, wie die Anukramanî sich ausdrückt) angesehen worden sein, da ein Agnilied in jener Gruppe an späterer Stelle erscheint.
c5.s2.43
72—74 (73—74? siehe das eben Gesagte): Havishâm stuti 18. — Aṣvinau 18. — Agni 15. — Lied 73 und 74 werden zusammengehalten durch die Nennungen des Atri in jenem, des Gopavana (welcher ein Âtreya war; vergl. Kâty. Ṣraut. X, 2, 21) in diesem.
c5.s2.44
75—79: Agni 16. — Indra 12, 11, 10. — Soma 9. Also streng geordnet. Die Spuren von Atriverfassern hören hier auf.
c5.s2.45
80—87: Indra 10, 9, 9. — Viṣve devâs 9. — Agni 9. — Aṣvinau 9, 5, 6. Geordnet bis auf das letzte Pragâthalied. Man bemerke in diesem die vâlakhilyaartige Parallelität der beiden ersten Pragâthas; löst man dieselben von dem dritten ab, so ergiebt sich die vollständig geordnete Aṣvin-reihe 9, 5, 4, 2.
c5.s2.46
88—91: Indra 6, 7, 6, 7. Verszahlen nicht geordnet.
c5.s2.47
92—94: Indra 33, 34. — Marutaḥ 12. Verszahlen nicht geordnet.
c5.s2.48
95—101 ¹): Indra 9, 21, 15, 12, 8, 12. — Mitrâvaruṇau 6. — Aṣvinau 2. — Vâyu 2. — Sûrya 2. — Das erste und letzte Lied der Indrareihe verletzt die im Uebrigen vielleicht nicht nur zufällig vorhandene Ordnung. Das erste der vorangehenden Gruppe zuzuweisen erscheint nicht thunlich; es würde dann von den andern Indraliedern jener Gruppe getrennt stehen, und auch die Ausdrucksweise zeigt specielle Beziehungen auf die der folgenden Lieder ²). Das Ende der ganzen Gruppe wird in überzeugender Weise durch eine Reihe einzelner Ṛicas und schliesslich durch ein paar wohl angehängte Verse bezeichnet ³).
c5.s2.49
¹ 101 ist in seine Theile aufzulösen. Vers 13—15 scheint ein Anhang zu sein.
c5.s2.50
² Vers 3 tuam hi ṣaṣvatînâm = 98, 6; 4 mahâñ asi = 98, 2; 5 mandrâm vergl. 100, 10. 11; 8 sâmnâ vergl. 98, 1. Vielleicht verdient es auch Beachtung, dass die Anukramaṇî 95 und 96 demselben Verfasser beilegt.
c5.s2.51
³ Man beachte, dass die Ausdrucksweise von 96 und 100 mehrfache Berührungen zeigt. Vergl. 96, 7. 8 mit 100, 1. 2; jaritar 96, 12 und 100, 4. Besondre Vorliebe hatte der Dichter dieses Abschnitts für den Ausdruck viṣvâ jâtâni: 96, 6; 97, 9: 100, 4.
c5.s2.52
102. 103. Agni 22, 14.
c5.s2.53
In dieser Weise etwa scheinen sich mir die Lieder des achten Buches zu Gruppen zu ordnen, innerhalb deren im Ganzen wenigstens eine bestimmte Anordnung zu erkennen ist. In der Reihenfolge der Gruppen unter einander aber wird sich eine Gesetzmässigkeit schwerlich entdecken lassen. Allerdings glaubt Bergaigne (II, 76 fgg.) eine solche gefunden zu haben. Die Gründe, aus denen ich mich ihm nicht anschliessen kann, sind in den obigen Darlegungen implicite enthalten. Behandelt man die einzelnen Liedergruppen unbefangen, ohne durch das Suchen nach symmetrischen Zahlenverhältnissen beeinflusst zu sein, so gelangt man zu Liederzahlen der Gruppen, welche meines Erachtens weit davon entfernt sind, ein so weit regelmässiges Aussehen zu zeigen, dass etwa einzelne übrig bleibende Unregelmässigkeiten zu Correcturen des überlieferten Bestandes einladen könnten. Vollends zu so zahlreichen, gewagten und complicirten Correcturen, wie B. sie vornimmt, der hier, wenn ich mich nicht täusche, über die Grenzen hinausgeht, innerhalb deren allein die Kritik Kritik bleibt¹).
c5.s2.54
¹ Ich muss darauf verzichten, auf die Einzelheiten von Bergaigne's Construction des achten Maṇḍala hier einzugehen. Nur sei mir noch gestattet, in Bezug auf B.'s Versuch, die Adhyāyatheilung zur Unterstützung seiner Hypothesen heranzuziehen, auf die von mir ZDMG. XLI, 508 fgg. vorgelegten Erörterungen über das Wesen dieser Eintheilung zu verweisen.
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