Pramāṇa · Search · About · API

Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7.s4: § 24. Einzelheiten der Veränderungen im spitzwinkligen und Nāgarī-Typus

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7.s4

Language
German

§ 24. Einzelheiten der Veränderungen im spitzwinkligen und Nāgarī-Typus

c7.s4.1

¹ Vgl. auch CII, 3, Nr. 20, 24, 33—34, 36—37, 47, 51, 70, 75 und das Siegel Kumāragupta's II., J.ASB, 58, 84. —

c7.s4.2

Was die Einzelheiten der Weiterentwicklung der Schrift im spitzwinkligen und Nāgarī-Typus betrifft, so sind zunächst betreffs der Mātṛkā oder Grundzeichen folgende wichtigere Punkte hervorzuheben:

c7.s4.3

1) Die Zeichen für *E*, *gha*, *ca*, *tha*, *dha*, *pa*, *ba*, *ma*, *ya*, *la*, *va*, *ṣa* und *sa* entwickeln allmählig, je später desto deutlicher kürzere oder längere Schwänzchen rechts, die unter der unteren Grundlinie der Buchstaben schräg herabhängen, im Nāgarī-Typus aber, ausser bei *E*, schliesslich in Verticalstriche verwandelt werden. Vom 10. Jahrh. an erscheinen ähnliche herabhängende Linien auch in der Mitte von *cha*, T. V, 16, II—III u. s. w.; *dha*, T. V, 23, II; *pha*, T. V, 31, III u. s. w., und *ha*, T. V, 42, II—IV u. s. w., die auch in der Nāgarī, ausser bei *dha*, constant werden und bei *pha* den mittleren Verticalstrich hervorbringen. Bei *kha*, *ga*, *tha*, *dha* und *śa* erscheint in dem spitzwinkligen Typus häufig rechts ein kleines Horn oder eine kleine Verlängerung des Verticalstriches, welche jedoch in der Nāgarī in Folge der gleichmässigen Abplattung der oberen Linien bei allen diesen Buchstaben, ausser bei *dha*, wieder verschwindet. Beide Eigentümlichkeiten sind dadurch veranlasst, dass die Schreiber die linken und rechten Teile der Zeichen separat machten und die Linien nicht genau zusammenfügten². Mit der Zeit wurden diese Ungenauigkeiten zum grossen Teile zu characteristischen Zügen der Buchstaben.

c7.s4.4

² Vgl. hiezu CII, 3, Nr. 72, 76, 78—80. —

c7.s4.5

³ Z. B. TOD, Annals of Rajasthan, 1, 700 ff., Madras Ed. —

c7.s4.6

⁴ CII, 3, 274. —

c7.s4.7

⁵ India, 1, 173 (SACHAU). —

c7.s4.8

⁶ An. Oxon., Ary. Ser. 1, 3, 64. —

c7.s4.9

⁷ Vgl. noch Facs. IA, 9, 163 ff., Nr. 4—10, 12, BENDALL, Journey 72, Nr. 1—2, u. HÖRNLE'S Bcm. J.ASB, 60, 85. —

c7.s4.10

⁸ CII, 3, 201, 284; EI, 3, 328, Note 1. —

c7.s4.11

⁹ J.ASB, 6, 778, Pl. 41. —

c7.s4.12

¹⁰ EI, 1, 76. Für meine Auffassung der Phrase *kuṭilānyakṣarāṇi viduṣā* »der krause Buchstaben verstand« spricht besonders Vikramāṅkacarita 18, 42, *kāyasthaiḥ kuṭila-lipibhiḥ* »durch Schreiber, die krause Schriftarten gebrauchen«. —

c7.s4.13

¹¹ Vgl. s. Bem. zu Inschr. dieser Classe, IA, 17, 308; 19, 55; 20, 123; 21, 169; EI, 1, 179; 2, 117, 160. —

c7.s4.14

¹² Vgl. für diese und die vorhergehende Stufe noch die Facs. zu IA, 2, 258; 5, 180; 9, 174 ff., Nr. 11, 13—15; 10, 31; 13, 70 (Unterschrift); 17, 310; 19, 58; BENDALL, Journey, Pl. 10—11, 13; EI, 1, 179; 4, 29; CASR, 17, Pl. 9, und die Autotyp. von Münzen in CCMI, Pl. 3, Nr. 7—14; Pl. 6, Nr. 20, Pl. 7. —

c7.s4.15

¹³ Nach FLEET, IA, 18, 231, »transitional type from which the North-Indian Nāgarī was soon after developed«. - -

c7.s4.16

¹⁴ Nach FLEET, IA, 15, 106, »North-Indian Nāgarī«. —

c7.s4.17

¹⁵ Vgl. IA, 17, 308. --

c7.s4.18

¹⁶ BENDALL, Catalogue, XLI ff.; An. Ox., Ary. Ser. 1, 3, 71 ff. —

c7.s4.19

¹⁷ S. LÉVI, JA, 1894, t. 2, 55 ff. —

c7.s4.20

¹⁸ EI, 1, 76, 242; IA, 6, 48. —

c7.s4.21

¹⁹ IA, 6, 59; 11, 158; vgl. auch Facs. zu EI, 3, 103 u. IA, 14, 200. —

c7.s4.22

²⁰ Vgl. auch das Facs. zu IA, 16, 174. —

c7.s4.23

²¹ Bestritten ist die Echtheit der Kupferplatten von Umeta und Bagumra (IA, 18, 92), deren Zeichen in An. Ox., Ary. Ser., 1, 3, Taf. 6 zusammengestellt sind. —

c7.s4.24

²² Vgl. Facs. J.RAS, N. S. 1, 247 ff.; IA, 13, 70 ff., 5, 113. —

c7.s4.25

²³ IA, 11, 105. —

c7.s4.26

²⁴ IA, 13, 235; 20, 421. —

c7.s4.27

2) Durch die Verlängerung der oberen Teile der Keilaufsätze werden im spitzwinkligen Typus, sowie auch durch den Gebrauch der langen Deckstriche im Nāgarī-Typus, die früher offenen Köpfe von *A*, *Ā*, *gha*, *pa*, *pha*, *ma*, *ya*, *ṣa* und *sa* beinahe oder vollständig geschlossen³.

c7.s4.28

3) Der untere Teil der linken Hälfte von *A* und *Ā* besteht fast durchweg aus der nach links offenen Curve, die zuerst sporadisch in den Kuṣaṇa-Inschriften (§ 19, B, 1), dann regelrecht in den Uccakalpa-Inschriften, T. IV, 1, IX, vorkommt. Diese bleibt im *A*, *Ā*, des Bālbodh der Marathen erhalten und ist noch in den Bombayer Drucken gewöhnlich; in anderen späten Formen der Nāgarī treten zwei schräge Striche dafür ein, T. V, 1, XVI, zu denen sich noch tiefer am Fusse des Buchstabens ein dritter gesellt, der ein Rest des früheren Keiles am Ende der Vertikallinie ist. Bis zum 8. Jahrh. wird die Länge des *Ā* stets, und auch später bisweilen, durch eine Curve am rechten Ende des *A* bezeichnet. Dann rückt die Bezeichnung der Länge wieder in die Höhe und wird, in einen abwärts gehenden Strich verwandelt, wieder, wie in den A. Ed.⁴, entweder oben oder in der Mitte angesetzt, T. IV, 2, XXI—XXII. In den MSS. kommt die alte Stellung schon früher vor, T. VI, 2, VI.

c7.s4.29

4) Das Zeichen des spitzwinkligen und des Nāgarī-Typus für *I* ist meist aus der Guptaform von Indor, T. IV, 3, VII, durch Verwandlung des dritten Punktes in eine Curve, abgeleitet, T. IV, 3, XI—XXII; V, 3, II—IV u. s. w.; VI, 3, V--IX. Daneben macht sich indess eine Ableitung aus dem Uccakalpazeichen, T. IV, 3, IX, geltend, T. V, 3, V, XII—XIII u. s. w.; VI, 3, XII—XV, in welcher der obenstehende Punkt durch eine gerade Linie ersetzt ist, und es ist diese, aus welcher das moderne *I* der Devanāgarī durch Verwandlung der beiden unteren Punkte in gekrümmte, schliesslich mit einander verbundene Linien abgeleitet ist. In Jaina-MSS. hält sich jedoch die Form mit den zwei Punkten oben und der Curve unter denselben sporadisch bis in das 15. und 16. Jahrh.

c7.s4.30

5) *U* und *Ū* zeigen am unteren Ende stets den nach links gezogenen Schweif, der sich mit der Zeit immer stärker entwickelt.

c7.s4.31

6) Bei *Ṛ* wird die rechts an das *ra* gehängte Curve in den Hor. P., T. VI, 7, V, sehr verflacht und lang gezogen, in Cambr. Nr. 1049 (T. VI, 7, VII) und 1691, unten an das *ra* gehängt.

c7.s4.32

7) Unter den Zeichen für *Ṝ*, *Ḷ* und *Ḹ*, welche während dieser Periode, T. VI, 8—10, V, VII, X, in den MSS. zuerst nachweisbar sind, ist *Ṝ* deutlich durch Anfügung einer zweiten *ṛ*-Curve aus *Ṛ* gebildet. *Ḷ* ist in Cambr. Nr. 1049 und 1691 ein cursives südliches *la*, analog dem ältesten *ḷ* in *kḷ*, T. VII, 42, XIV, und *Ḹ* daraus durch Hinzufügung einer zweiten Curve gebildet. In den H. P., T. VI, 9, V, ist das *la* umgedreht und eine *ṛ*-Curve an den Fuss desselben angehängt und die Verbindung *la(-)*r* bleibt auch im Nāgarī-Typus, T. VI, 8—10, XIII, wahrscheinlich in Folge der Aussprache *lṛ* constant. Diese paläographischen Thatsachen stimmen mit der chinesisch-buddhistischen Tradition, welche, wie S. LÉVI entdeckt hat⁵, die Erfindung der Zeichen für die initialen liquiden Vocale dem Sarvavarman, dem Minister des Andhra-Königs Sātavāhana, oder dem Nāgārjuna, also einem Südinder, zuschreibt.

c7.s4.33

9) *E* und *AI* kehren die Breitseite stets nach oben und diese Neuerung findet sich schon in den Inschriften mit Übergangsformen, T. IV, 5, X—XI.

c7.s4.34

8) *Ka* zeigt im spitzwinkligen und Nāgarī-Typus fast durchweg⁶ links die Schleife, welche aus der Vereinigung des Endes der nach abwärts gekrümmten Barre mit dem Begrenzungsstrich der Verticallinie entstanden ist, ausser in der Verbindung mit suffigirten Vocalen, wie *u* und *ṛ*, z. B. T. IV, 7, XIV; V, 10, III; VI, 15, XVI--XVII, oder mit Consonanten, T. IV, 41, XVI; V, 43, II—III; VI, 49, V, XIV, XVI. In Nāgarī-Inschriften kommt indess auch die Schleife in letzteren Fällen häufig vor, wie in T. IV, 7, XX, XXII; V, 43, VII, X—XIII.

c7.s4.35

10) In allen den zum Teil stark variirenden Formen von *kha* ist die ursprünglich rechts am Fusse stehende Schleife an die linke Seite des Verticalstriches gesetzt und die sehr verschiedenen Formen des linken Gliedes beruhen sämtlich auf verschiedenen ornamentalen Behandlungsweisen des daran gesetzten Keiles.

c7.s4.36

11) Der in der modernen Devanāgarī characteristische Punkt hinter *ṅa* erscheint schon auf der Benares-Kupferplatte des Karṇa von 1042 p. Chr., Z. 11 Ende⁷, in dem Worte *jaṅgama*. Derselbe dürfte aus dem Begrenzungsstriche der oberen Barre entstanden sein, vgl. T. V, 14, V—VI, VIII.

c7.s4.37

12) Die mittlere Barre des *ja* wird zunächst schräg gelegt und dann in einen Verticalstrich verwandelt, dem die oberste als Deckstrich dient. Zugleich wird die unterste allmählig zu einer Doppelcurve.

c7.s4.38

13) Das rechte Glied des alleinstehenden *ña* der H. P., T. VI, 24, V, ist aufwärts gedreht und diese Form kommt mitunter auch in Ligaturen vor. Meist erscheint aber in letzteren die auf die Seite gelegte cursive Rundform, welche oft, in Folge der Auslassung des Häkchens rechts, einem *ṇa* gleicht, T. V, 19, IV--V u. s. w., seltener eine aufrecht stehende. In der Nāgarī des 11—12. Jahrh. wird das suffigirte *ña* an den linken Teil von *ja* gehängt, T. V, 19, XII—XIV u. s. w., wodurch die moderne Devanāgarīform entstanden ist.

c7.s4.39

14) Das linguale *ṭa* erhält vom 6. Jahrh. an oft einen keilförmigen Aufsatz, T. IV, 17, XVII; V, 20, II, VI; VI, 25, VI, der in der Nāgarī in eine Horizontallinie mit kurzem darunterstehenden Verticalstrich verwandelt wird.

c7.s4.40

15) Ein ebensolcher Aufsatz erscheint über dem lingualen *ṭha* vom 10. Jahrh. an, T. V, 21, X u. s. w., VI, 26, XV.

c7.s4.41

16) Für linguales *ḍa* tritt vom 9. Jahrh. die südliche Rundform auf, T. V, 22, II, die dann mit der nach links offenen Curve versehen wird, T. V, 22, II, VIII u. s. w.

c7.s4.42

17) Die ursprüngliche Basis des lingualen *ṇa* wird vom 7. Jahrh. an in Ligaturen (*ṇḍa*, T. IV, 21, XIX) und vom 9. Jahrh. an auch in dem freistehenden Zeichen unterdrückt, T. V, 24, III, das dann, wie in T. IV, 21, XXII, aus drei oben durch einen Deckstrich verbundenen, herabhängenden Linien besteht, vgl. T. IV, 21, III und § 22, B, 10.

c7.s4.43

18) Die moderne Form des *ta* mit dem Verticalstrich rechts, welche schon in den A. Ed. vorkommt, erscheint wieder vom 8. Jahrh. an, T. IV, 22, XXI, und wird im 10. die regelmässige.

c7.s4.44

¹⁹ Die heutige Form des *tha*, welche aus der links eingekerbten (T. IV, 23, XVII) des 7. Jahrh. entstanden ist, findet sich schon gleichzeitig mit dieser, T. IV, 23, XVIII u. s. w.

c7.s4.45

20) Das untere Ende von *da* erhält im 7. Jahrh. einen Begrenzungsstrich, T. IV, 24, XVII u. s. w., der sich bald in den characteristischen Schweif des modernen Zeichens verwandelt.

c7.s4.46

21) Die rechte Seite von *na* wird schon im 7. Jahrh. mitunter, T. IV, 26, XVIII—XIX, in einen Verticalstrich verwandelt, an dessen Mitte die Schleife angehängt wird, vgl. § 30, S. 67.

c7.s4.47

22) Bei der Umwandlung des *pha* durch einen mittleren Verticalstrich (s. oben 1) tritt die Aspirationscurve zunächst rechts an die Spitze des Zeichens, T. IV, 28, XXII; V, 31, III u. s. w., sinkt aber schon im 11. Jahrh., T. V, 31, XII, tiefer herab, bis sie im 12. Jahrh. die Stellung, wie im modernen Buchstaben, T. V, 31, XX--XXIII, erhält. Rückläufige Formen, wie in T. V, 31, II u. XIV, die wahrscheinlich aus der Cursivschrift stammen, sind indess nicht selten.

c7.s4.48

23) In Folge der Aussprache *ba* für *va* geht das alte Zeichen für *ba* im nördlichen, centralen und westlichen Indien verloren und wird regelrecht im 7. und späteren Jahrh. in den Inschriften mit spitzwinkligem und Nāgarī-Typus, T. V, 32, II ff., durch *va* ersetzt. Ein neues *ba*, das aus *va* mit einem Punkte in der Mitte besteht, kommt vom 11. Jahrh. an vor, T. V, 32, XVI, und ist der Vorläufer des modernen Buchstabens.

c7.s4.49

24) Das linke Glied von *bha*, meist ein Keil mit dem Kopfe nach links, wird vom 8. Jahrh. an mitunter in ein rechts offenes Dreieck verwandelt, von dessen rechtem Schenkel der untere Teil des ursprünglichen Verticalstriches herabhängt, T. IV, 30, XIX u. s. w.; V, 33, II u. s. w. Das moderne *bha* erscheint im 12. Jahrh. T. V, 33, XX u. s. w., und ist wohl direct aus der Form mit dem Keil entwickelt, für welchen ein Begrenzungsstrich eintrat.

c7.s4.50

25) Vom 8. Jahrh. an erhält *ma* gewöhnlich links eine wahrscheinlich cursive Schleife, T. IV, 31, XX—XXI; V, 34, III ff. In den MSS. wird das Innere der Schleife meist mit Tinte ausgefüllt, T. VI, 39, XV—XVII.

c7.s4.51

26) In den MSS. und in den meisten Inschriften, mit Ausnahme der aus Udepur (§ 22, Note 12) und einiger aus Nepal (S. 50), kommt ausschliesslich das verschleifte oder das zweiteilige *ya* vor, das in Ligaturen schon in den Kuṣaṇa-Inschriften erscheint⁸, und aus der verschleiften entstanden ist⁹. In den nepalesischen Inschriften des 7. Jahrh., welche das östliche *ṣa* haben¹⁰, findet sich dagegen ein dreiteiliges *ya* mit einem Ringelchen an der Spitze links, T. IV, 32, XVII, in der Udepur-Inschrift das gewöhnliche dreiteilige neben dem zweiteiligen.

c7.s4.52

27) Die rechte Spitze des Keiles am Ende von *ra* wird vom 7. Jahrh. an, T. IV, 33, XVIII—XXI, stark verlängert und der Keil häufig nur in Umrissen angedeutet, wodurch die geschwänzten Formen des Buchstabens entstehen.

c7.s4.53

28) Vom 7. Jahrh. an erscheint ein cursives *śa*, T. IV, 36, XVIII; 42, XIX; V, 39, II—III u. s. w.; VI, 44, XV—XVII, dessen linke obere Hälfte in eine Schleife mit einem Schwänzchen verwandelt ist.

c7.s4.54

B. Mittlere Vocalzeichen u. s. w. — 1) Unter den mittleren Vocalzeichen treten *ā*, *e*, *o*, *au* sehr häufig in den Steininschriften des spitzwinkligen Typus über die Linie und werden dann mehr oder weniger stark verschnörkelt, vgl. z. B. T. IV, C. XIII—XVIII. Seltener werden *i* und *ī* ebenso behandelt.

c7.s4.55

2) Der Schweif an den Curven von mittlerem *i* und *ī* wird links und rechts von dem Grundzeichen tief hinabgezogen, während die Differenzen an den Curven selbst verschwinden. Hiedurch ergiebt sich das *i* und *ī* der modernen Devanāgarī.

c7.s4.56

3) Für mittleres *ū* wird sehr häufig neben dem älteren Zeichen, *pū*, T. IV, 27, VI, das initiale *Ū* der Periode verwendet, T. IV, 30, XII, XIV, XVI, XX; VI, 44, VI. Die moderne Form, T. VI, 35, XVI, scheint aus dem älteren Zeichen entwickelt zu sein.

c7.s4.57

4) Für den Jihvāmūlīya tritt seit dem 7. Jahrhundert¹¹, zuerst auf Harṣa's Kupferplatte von Bauskhera, sporadisch eine cursive Rundform auf, die nur aus einer Schlinge unter dem Keile des *ka* besteht, T. V, 47, III.

c7.s4.58

¹¹ Vgl. d. Facs. der Jhālrapāṭan-Inschrift, IA, 5, 180, vgl. IA, 13, 163. —

c7.s4.59

5) Für den Upadhmānīya tritt seit dem 7. Jahrh. sporadisch ein oben offener Halbkreis mit geringelten Enden und bisweilen mit Punkt in der Mitte, T. IV, 46, XXIII; V, 48, VII, links vom Grundzeichen auf, der wohl aus einer Form, wie die in T. VII, 46, IV, entstanden ist.

c7.s4.60

6) Der Virāma über dem finalen Zeichen erhält einen Schweif, der rechts vom finalen Consonanten herabgezogen wird, T. IV, 22, XIV, oder erscheint auch, und zwar schon in den Inschriften mit Übergangsformen, unter dem vocallosen Buchstaben, T. IV, 22, XI¹².

c7.s4.61

¹² So regelmässig vom 9. Jahrh. an. —

c7.s4.62

C. Ligaturen. — 1) In den Ligaturen treten in Inschriften vom 6. Jahrh. an mitunter Formen auf, in denen die verbundenen Consonanten, statt unter einander, neben einander gestellt werden, vgl. T. IV, 45, XI; V, 47, II¹³. In MSS. erscheinen Ansätze zu dieser Entwicklung um dieselbe Zeit, T. VI, 51, VI, vgl. An. Ox., *Ary. Ser.*, I, 3, 87.

c7.s4.63

¹³ An. Ox., Ary. Ser., I, 3, 87. —

c7.s4.64

2) Das suffigirte *ya* wird in den Steininschriften des spitzwinkligen Typus häufig ornamental behandelt und weit nach links hinübergezogen. Der Endstrich desselben wird vom 7. Jahrh. an regelmässig, T. IV, 46, XIX; 45, XX, und auch schon früher mitunter, T. IV, 46, VIII; 43, 45, XIII; VI, 51, VI, bis zur Höhe der oberen Linie heraufgezogen.

c7.s4.65

3) Als erster Teil einer Ligatur steht *ra* gewöhnlich als ein Keil oder ein nach rechts offener Winkel oder Curve über der Linie. In Verbindung mit *ya* bleibt aber die Ligatur *ra* und suffigirtes *ya* bis zum 9. Jahrh., T. IV, 44, XVIII, vgl. EI, 3, 103. In Verbindung mit *ma* wird die linke Seite des *ma* verkürzt und der Keil des *ra* mit der Oberlinie gleich gemacht, T. VI, 49, VI. Ausnahmsweise finden sich ähnliche Einfügungen des *ra* in der Aphsad-Inschrift bei andern Consonanten¹⁴, ebenso auf Harṣa's Kupferplatten und in MSS., T. VI, 51, XIII—XIV.

c7.s4.66

¹ Vgl. Bendall, Catalogue, XLIII—LI; An. Oxon., Ary. Ser., I, 3, 73--87. —

c7.s4.67

² An. Ox., Ary. Ser., I, 3, 70. —

c7.s4.68

³ S. oben § 23, S. 50. —

c7.s4.69

⁴ S. oben § 16, D. 1--2 u. Taf. II, 2, II--X. —

c7.s4.70

⁵ Briefliche Mitteilung. —

c7.s4.71

⁶ Eine Ausnahme macht z. B. die Jhālrapāṭan-Inschrift, IA, 5, 180, wo die alte Dolchform stets erscheint. —

c7.s4.72

⁷ EI, 2, 297. —

c7.s4.73

⁸ S. oben § 19, B. 12. —

c7.s4.74

⁹ JASB, 60, 87. —

c7.s4.75

¹⁰ Op. cit. 60, 85. —

c7.s4.76

¹⁴ CII, 3, 202; EI, 1, 180.

c7.s4.77

§ 25. Der Śāradā-Typus. — A. Die Śāradā-Schrift¹, welche sich auf den ersten Blick als ein Abkömmling der westlichen Varietät des Gupta-Typus zu erkennen giebt, tritt seit ungefähr 800 p. Chr. in Kashmīr und dem nordöstlichen Panjab (Kangra und Chamba) auf. Die ältesten bis jetzt bekannten Inschriften in diesem Alphabete sind die beiden Praśasti von Baijnāth in Kīragrāma (Kangra) vom Jahre 804 p. Chr., T. V, C. I. Nicht viel jünger sind die Münzen der kashmīrischen Varmadynastie, auf welchen die Śāradāformen zuerst deutlich auftreten², und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Bakhshālī-MS. aus dem Yusufzaidistricte, T. VI, C. VIII, in dieselbe oder vielleicht in etwas frühere Zeit gehört³. Die dritte Probe der Śāradāschrift in Taf. VI, C. IX, welche auf Burkhard's Taf. I zu seiner Ausgabe des kashmīrischen Śākuntala zurückgeht⁴, stammt vielleicht erst aus dem 16. oder 17. Jahrh. und ist nur gewählt, weil keine Reproductionen sicher älterer MSS. zugänglich sind⁵. In Folge der häufigen Auswanderungen der reiselustigen kashmīrischen Paṇḍit finden sich Śāradā-MSS. im ganzen nordwestlichen Indien, ja selbst in Benares, und es kommen sogar Randnoten in Śāradā-Schrift in alten Devanāgarī-MSS. aus dem westlichen Indien vor⁶. Eine moderne Abart der Śāradā ist die sogenannte Ṭakkarī⁷ der Dogrā von Jammu und Nachbarschaft, die in neuester Zeit auch nach Kashmir eingeschleppt ist.

c7.s4.78

¹ Kashmir Rep. (J.BBRAS, 12) 31; J.ASB, 60, 83.

c7.s4.79

² C.CMI, Pl. IV—V.

c7.s4.80

³ Trans. VII. Int. Or. Congr., Ary. Ser., 133; IA, 17, 33, 275.

c7.s4.81

⁴ SB.WA, CVII.

c7.s4.82

⁵ Ein gutes Facs. eines MS. ders. Zeit findet sich im Cat. der Berl. Sanskr. u. Prakr.-Hdschr., Bd. 2, 3, Taf. II; ein weniger gutes in Pal. Soc., Or. Ser., Pl. 44, nebst Taf. der Buchst. u. Lig. nach dem von mir der Ind. Off. Lib. geschenkten MS. Nr. 3176.

c7.s4.83

⁶ SB.WA, CXVI, 584.

c7.s4.84

⁷ Kash. Rep., 32; Alphabet: J.RAS, 1891, 362.

c7.s4.85

B. Characteristisch für die Śāradā-Schrift aller Perioden sind die steifen, dicken Striche, die den Buchstaben ein grobes, klotziges Aussehen und eine gewisse Ähnlichkeit mit denen der Kuṣaṇa-Inschriften geben. Eigentümliche Entwicklungen zeigen schon in der ältesten Zeit folgende Zeichen: 1) *ī*, dessen zwei untere Punkte, wie im Bower-MS., in zwei mit einander verbundene Keile verwandelt sind, welche einem *ra* ähnlich sehen, T. V, 4, I u. VI, 4, IX; 2) das viereckige *ca*, T. V, 15, I u. VI, 20, VIII—IX; 3) *ḍa*, das in der Mitte statt des spitzen Winkels eine Schleife und am Ende einen Keil zeigt, T. V, 22, I, u. VI, 27, VIII--IX; 4) *ta*, dessen linke Hälfte unterdrückt ist, während die rechte in eine Curve verwandelt ist, T. V, 25, I, u. VI, 30, VIII—IX; 5) *dha*, das oben abgeplattet und unten so breit ist, dass es einem Devanāgarī *pa* gleicht; 6) *va*, welches durch die Verbindung der Curve mit dem linken Ende des Deckstriches dem *dha* beinahe gleich wird, T. V, 38, I u. VI, 43, VIII—IX; 7) *śa*, das viereckig, ganz wie das Devanāgarī *sa*, gemacht wird, T. V, 39, I u. VI, 44, VIII--IX; 8) das eckige mittlere *r*, T. V, 43, I, und das frei über der Linie stehende *o*, T. V. 24, I, welches ohne Zweifel aus dem Gupta *o*, T. IV, 34, IV entwickelt ist; 9) das *ra* als erster Teil von Ligaturen, welches, wie in der Aphsad-Inschrift, in die linke Seite des folgenden Consonanten eingefügt wird⁸.

c7.s4.86

⁸ S. § 24, C. 3.

c7.s4.87

Im Übrigen finden sich in der älteren Zeit nur unbedeutende Abweichungen von dem westlichen Gupta-Typus, die sämtlich auch im spitzwinkligen Typus vorkommen. Der stete Gebrauch des zweiteiligen *ya*, des *ṇa* mit einem langen und zwei kleinen Verticalstrichen, des links und rechts vom Consonanten herabgezogenen mittleren *i* und *ī*, und des vereinfachten *jihvāmūlīya*, T. V, 47, I, deutet darauf hin, dass die Abtrennung der Śāradā von dem Gupta-Alphabete nicht vor dem 7. Jahrh. erfolgt ist.

c7.s4.88

In der späteren Śāradā zeigen *U*, *E*, *AI*, *O*, *AU*, *ja*, *ña*, *bha*, *rtha* (Taf. VI, C. VIII—IX) noch weitere abnorme Entwicklungen und der Gebrauch von langen Deckstrichen schliesst die Köpfe mehrerer Zeichen, wie *A*, *Ā* und *ya*.

c7.s4.89

§ 26. Östliche Abarten des Nāgarī-Typus und der Pfeilspitzen-Typus. — A. Proto-Bengali. — Gegen das Ende des 11. Jahrh. finden sich in den Nāgarī-Inschriften des östlichen Indiens so deutliche Spuren der Veränderungen, die zu der modernen Bengalischrift hinüberführen, und dieselben werden im 12. Jahrh. so zahlreich, dass man schon von einem Proto-Bengali-Alphabet sprechen kann. Ein ungefähres Bild der Entwicklung geben in unseren Tafeln die Deopara-Praśasti von ca. 1080—90 p. Chr.¹ (T. V, C. XVIII) mit Bengali *E*, *kha*, *ña*, *ta*, *tha*, *ma*, *ra*, *la*, *sa*, die Landschenkung des Vaidyadeva von 1142 p. Chr.² (T. V, C. XIX) mit Bengali *Ṛ*, *E*, *AI*, *kha*, *ga*, *ña*, *ta*, *tha*, *dha*, *ra* und *va*, und das Cambridge MS. Nr. 1699, 1—2, von 1198—99³ (T. VI, C. X) mit Bengali *A*, *Ā*, *Ū*, *Ṛ*, *Ṝ*, *Ḷ*, *E*, *AI*, *AU*, *ka*, *kha*, *ga*, *ta*, *tha*, *na*, *ma*, *ya*, *ra*, *va* und *ṣa*, sowie mit Übergangsformen für *gha*, *ña*, *ṇa*, *śa*.

c7.s4.90

Unter diesen Formen des Proto-Bengali sind nur sehr wenige Neubildungen. Die grosse Mehrzahl findet sich genau oder beinahe so in den älteren Alphabeten. So schliessen sich *Ṛ*, *Ṝ*, *Ḷ*, *Ḹ* eng an die Formen der Hor. Palmbl., T. VI, 7—10, *V*, *Ū* an die des ältesten Nepal-MS., T. VI, 6, VII (vgl. die Sāradā, VI, 6, IX) und *AU* an die des Bower-MS., T. VI, 14, I—II. Die Zeichen für *A*—*Ā*, *ka*, *na*, *ma*, *ya*, *va*, *ṣa* und *sa* finden sich häufig in den Alphabeten des 8., 9. und 10. Jahrh. in T. IV—V. Für das rechts offene *kha* bietet das Bower-MS. in T. VI, 16, I, für das rechts offene *tha* bietet T. V, 26, IX, und für das *ga* und *ṇa* mit dem rechts über die Linie steigenden Verticalstriche bieten die entsprechenden »gehörnten« Formen aus dem 9.—10. Jahrh. in T. V, 12 u. 24, II—IV, VI, wenigstens Analogien. Auch das dem *va* mehr oder weniger ähnliche *ra* in T. V, 36, XIX; VI, 41, u. 49, X, giebt sich leicht als eine etwas abnorme Entwicklung des alten Keiles am Ende des Buchstabens zu erkennen, welche die Formen aus dem westlichen und centralen Indien in T. V, 36, X, XIII—XIV, XVI, in sehr ähnlicher Weise zeigen. Nur das links offene *E*—*AI*, das *ña* in *ñca*, T. V, 19, XVIII, und in *jñā*, T. VI, 24, X, sowie das *ta* (welches dem der Sāradā gleicht), scheinen locale cursive Neubildungen zu sein.

c7.s4.91

Unter den in das spätere Bengali nicht übergegangenen Eigentümlichkeiten, welche unsere drei Specimina zeigen, sind die kleinen Dreiecke mit der unteren halbrunden Seite und die »nepalesischen Haken« links an den Spitzen verschiedener Buchstaben die auffälligsten und wichtigsten. Das Dreieck findet sich in *kṣi*, T. V, 47, XVIII und überaus häufig in T. V, C. XIX, während der Haken in *ka* und *ta* von T. V, 25 u. 43, XVIII⁴ erscheint. Vergleicht man noch die Tarpan-Dighi-Inschrift des Lakṣmaṇasena⁵, in der die Dreiecke und Haken häufig wechseln, so ist es klar, dass der »nepalesische Haken« cursiv aus dem Dreieck entwickelt ist. Das Dreieck selbst ist aber eine Modification für den Deckstrich mit darunter stehendem Halbkreise, wie er sich mitunter in den ornamentalen Inschriften aus Nord- und Centralindien, z. B. in der Vināyakapāla-Inschrift, T. IV, C. XXIII, in der Cāndella-Inschrift bei C. ASR, 10, Pl. 33, 3, findet. Diese letztere Form hängt wieder mit dem dicken, an den Enden und unten abgerundeten Deckstriche zusammen, der häufig in ornamentalen MSS., wie in Bendall, Cat., Pl. 2, 1—2 und dem Alphabet von T. VI, C. XIV auftritt, und giebt dessen Umrisse.

c7.s4.92

Betreffs einzelner Zeichen ist zu bemerken: 1) *I*, T. V, 3, XVIII und *I*, T. VI, 3, X, sind cursive Formen und stammen von dem *I* in T. IV, 3, IX u. s. w. Dagegen ist das *I*—*Ī* von T. V, 3—4, XIX anscheinend eine südliche Form, vgl. T. VII, 3, IV—VI, u. s. w.; 2) das abnorme *ṭa* in T. V, 20, XIX dürfte durch eine starke Entwicklung des Aufsatzes auf das alte runde *ṭa* und des Begrenzungsstriches rechts entstanden sein, vgl. das *ṭa*, T. V, 20, XVIII und von Cambr. MS. Nr. 1693 bei Bendall, Cat., Pl. 4; 3) das *na*, T. V, 29, XIX ohne Verbindung zwischen der Schleife und dem Verticalstrich ist durch die stark cursive Tendenz in Vaidyadeva's Inschrift verursacht, die auch sonst z. B. in *A*—*Ā*, in *śa* und in den Ligaturen wie *tkṛ*, T. V, 47, XIX sichtbar ist; 4) das dreieckige mittlere *u* z. B. in *ku*, T. V, 10, XIX, das auch in der erwähnten Inschrift Lakṣmaṇasena's u. s. w. vorkommt, giebt die Umrisse der alten Keilform; 5) der Anusvāra in *vaṃ*, T. V, 38, XIX und *kaṃ*, T. VI, 15, X steht wieder auf der Linie und darunter erscheint ein Virāma; 6) in *Oṁ*, T. V, 9, XVIII erscheint zum ersten Male der Anunāsika mit einem kleinen Ringe statt eines Punktes, welch letzterer in T. VI, 13, XI vorkommt. Beide Formen sind in den östlichen Inschriften des 12. Jahrh. häufiger⁶, weiter nach Westen dagegen⁷ seltener und auf das Wort *Om* beschränkt. Das Zeichen, welches ich vor dem Ende des 11. Jahrh. in Indien nicht nachweisen kann, dürfte eine absichtlich gemachte Modification des Anusvāra sein, da in den vedischen MSS. der Anunāsika vor Liquiden, Zischlauten und *ha* für den Anusvāra eintritt; 7) der Visarga trägt in *vaḥ*, T. V, 38, XVIII, wie auch sonst in ornamentaler Schrift, vgl. T. VI, 30, XIV, oben einen Keil, und ist in *ḥ*, T. VI, 51, X (vgl. T. VI, 41, XI und die Gayā-Inschrift) cursiv in eine 8 verwandelt. In der Gayā-Inschrift (IA, 10, 342), sowie in MSS. dieser Periode⁸ erhält er auch unten ein Schwänzchen.

c7.s4.93

⁸ [^cont] 1 EI, 1, 305 f. — 2 EI, 2, 347. — 3 Vgl. BENDALL, Cat. XXXVI und Text zu Pal. Soc., Or. Ser., Pl. 81, der etwas abweicht. — 4 Ähnlich erscheint das Dreieck und der Haken in der Gayā-Inschr.; IA, 10, 342. — 5 J.ASB, 41, Pl. 1—2. — 6 Vgl. die Gayā-Inschr. bei C.ASR, 3, Pl. 37, Nr. 12; Pl. 38, Nr. 13. — 7 Mahoba-Inschr. C.ASR, 21, Pl. 21. — 8 Facs. von Beng. MSS. in Pal. Soc., Or. Ser. Pl. 33, 82, 69; RAJENDR. MITRA, Notices Bd. 3, Pl. 5—6, Bd. 5 u. 6; von protobeng. Inschr. J.ASB, 43, Pl. 18.

c7.s4.94

B. Der nepalesische Hakentypus. — Nach BENDALL'S sorgfältigen Untersuchungen über die MSS. aus Nepal⁹ tritt der Hakentypus im 12. Jahrh. zuerst auf und verschwindet am Ende des 15. Nach den obigen Darlegungen über das Vorkommen der Haken in Bengal-Inschriften des 12. Jahrh. und über ihren Ursprung kann es nicht zweifelhaft sein, dass die Einführung dieser Modification der Deckstriche in Nepal dem Einflusse des benachbarten Bengalen zuzuschreiben ist, der, wie BENDALL erkannt hat¹⁰, auch in andern Punkten bemerkbar ist.

c7.s4.95

⁹ BENDALL, Cat., XXII ff.

c7.s4.96

¹⁰ Op. cit. XXXV, XXXVII.

c7.s4.97

Die erste der beiden gegebenen Proben des Hakentypus aus dem Cambridge-MS. Nr. 1691 von 1179 p. Chr.¹¹ in T. VI, C. XI, zeigt in der grossen Mehrzahl der Zeichen die Formen des Hor. Palmbl. in C. V—VI, und des Cambridge-MS. Nr. 1049 in C. VII, mit einigen der späteren Zeit entsprechenden, kleinen Modificationen und, abgesehen von den Haken, speciell bengalische Züge nur in *I*, *Ī*, *E* und *AI*. Ungefähr dasselbe gilt von dem zweiten Specimen aus Brit. Mus. MSS. Or. Nr. 1439 von 1286¹² p. Chr., T. VI, C. XII. Nur sind in diesen Bengaliformen bei *E*, *ṇa*, *dha* und *śa* (Übergangsform in T. V, 39, XVIII—XIX) sichtbar, während *I* eine sehr alte Form zeigt¹³. Wegen anderer, meist ornamentaler östlicher Alphabete sind die Tafeln von HODGSON AR, 16 und SARAT CHANDRADAS, J.ASB, 57, Pl. 1—7 zu vergleichen¹⁴.

c7.s4.98

¹¹ Op. cit., Pl. 3, Pl. 4; Verhandl. Berlin. I. Or. Congr., Ind. Sect., Taf. 2, 1.

c7.s4.99

¹² Pal. Soc., Or. Ser., Pl. 32, Verhandl. Berl. I. Or. Congr., Ind. Sect., Taf. 2, 2--3.

c7.s4.100

¹³ Andere Facs. von MSS. mit nep. H.-T., BENDALL, Cat., Pl. 3, Pal. Soc., Or. Ser., Pl. 43, 57; COWELL & EGGELING, Cat. Buddh. MSS. R. As. Soc. (J.RAS, 1875); Alphab. bei BENDALL, Cat., Pl. 4; J. KLATT, de CCC Cāṇakyae sent.

c7.s4.101

¹⁴ Vgl. auch FLEET, IA, 15, 364.

c7.s4.102

C. Der Pfeilspitzentypus. — Soviel bis jetzt bekannt ist, kommt der von C. BENDALL entdeckte¹⁵ Pfeilspitzentypus, T. VI, C. XVIII—XIX, den der Entdecker mit der *bhaikṣukī lipi* des Bērūnī zu identificiren geneigt ist, nur im östlichen Indien vor. Dies Alphabet hat natürlich nichts mit der Nāgarī zu thun, sondern geht, wie BENDALL in seiner sehr sorgfältigen Beschreibung betont, auf eine sehr alte Form der Brāhmī zurück. Wie mir scheint, waren in der Vorlage die Enden von *A*—*Ā*, *ka*, *ña*, *ra* und vielleicht auch von *jha* mit Curven versehen. Diese Eigenthümlichkeit, ebenso wie die von BENDALL erwähnte Form von *E*, vgl. T. VIII, 8, VIII, und das Fehlen eines Unterschiedes zwischen mittlerem *ṛ* und *ra*, würde darauf hindeuten, dass die Vorlage aus dem Süden stammte, wie die Vergleichung von T. III, C. VI, X—XX und T. VII—VIII leicht darthut. Die Formen des *ṇa*, *ta* und *na* weisen vielleicht eher auf den Südwesten als auf den Südosten, vgl. T. VII, C. I—II, u. s. w. Bei dem *sa* mit der Schleife kann man an Guptaeinfluss denken, doch ist eine selbständige Neubildung nicht ausgeschlossen. Die spitzen *kha*, *ga* und *śa* finden gleichfalls in den südlichen Alphabeten (T. III, 8, VII; VII, 9, XI, XIV; VII, 11, XVII; 36, IV, XVI, XX) ihre Analogien. Eine Inschrift in demselben Alphabete, aber mit Keilaufsätzen, ist von BENDALL im IA, 19, 80 f. behandelt.

c7.s4.103

¹⁵ Verh. VII. Int. Or. Congr., Ar. Sect. 111 ff. [^1] Herstellung der Taf. VII: Ausschnitte aus Facs., Col. I = CII, 3, Nr. 5 (*E* ergänzt aus Nr. 62); C. II—III = CII, 3, Nr. 18; C. IV = IA, 7, 66; C. V = IA, 5, 205 (*A*, *Ā*, *U*, *ghā*, *dhau*, *hā*, *kṣa*, *ttā*, erg. aus IA, 6, 9, *nta* aus IA, 7, 68); C. VI = CII, 3, Nr. 38; C. VII = CII, 3, Nr. 39; C. VIII = EI, 2, 19, Nr. 1 (*Ī*, *ña*, *ba*, *ñca*, *brā*, *lya* erg. aus Nr. III); C. IX = IA, 13, 70; C. X = CII, 3, 55 (*U* und *AU* erg. aus Nr. 41, *Ū* aus Ajanta Nr. 3, BASRWI, 4, Pl. 57); C. XI = CII, 3, Nr. 56; C. XII = IA, 7, 35; C. XIII = IA, 7, 37 (*Ī*, *ṅsa*, *jye*, *ṇām*, *tsā* erg. aus IA, 6, 24); C. XIV = IA, 10, 58 (*Ā*, *U*, *ccha* erg. aus IA, 7, 161, *kl* aus IA, 6, 72, *la* aus IA, 8, 44); C. XV = IA, 10, 103, Fl. Nr. 94 ([*I* [3, XVb], *ṅge*, *śi*, *li* aus Fl. Nr. 99—100; *ḷḷa* aus Fl. Nr. 95); C. XVI = IA, 8, 24; C. XVII = IA, 13, 137; C. XVIII = IA, 8, 320; C. XIX = IA, 13, 123; C. XX = IA, 5, 52; C. XXI = IA, 5, 154; C. XXII = SII, 2, Pl. X; C. XXIII = SI, 2, Pl. IX; C. XXIV = SII, 3, Pl. XI. — Herst. der Taf. VIII: Ausschn. aus Facs., C. I = IA, 12, 158; C. II = IA, 11, 126; C. III = IA, 12, 13; C. IV = IA, 13, 186; C. V = IA, 7, 16; C. VI = IA, 14, 50; C. VII = IA, 6, 138 (*A*, *U*, *cā*, *ṭṭa* erg. aus IA, 9, 75); C. VIII = IA, 11, 13; C. IX = EI, 3, 60; C. X = IA, 13, 273; C. XI = IA, 18, 143; C. XII = EI, 3, 17; C. XIII = SII, 2, Pl. 13; C. XIV = EI, 3, 75; C. XV = EI, 3, 11; C. XVI = SII, 2, Pl. 12; C. XVII—XVIII = SII, 2, Pl. 4; C. XIX—XX = EI, 3, 72; C. XXI—XXII = EI, 3, 72. — [^2] Vgl. B.ESIP, 14. — [^3] IA, 20, 286. — [^4] B.ESIP, 48.

Linked texts (5)