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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s3: III. Das erste Buch

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s3

Language
German

III. Das erste Buch

c5.s3.2

Längst erkannte Thatsachen stellen es fest, dass die oberste Eintheilung des ersten Buches die in funfzehn Gruppen von Liedern ist, welche jedesmal demselben Verfasser oder demselben Kreise von Verfassern zugehören. Diese Gruppen sind, wie die Anukramaṇī das richtige Bewusstsein davon bewahrt hat, die folgenden: 1-11, 12-23, 24-30, 31-35, 36-43, 44-50, 51-57, 58-64, 65-73, 74-93, 94-115, 116-126, 127-139, 140-164, 165-191. Verfassernennungen im Text selbst, stehend wiederholte Schlussverse, metrische Eigenthümlichkeiten bestätigen in vielen Fällen, die Anordnung der Hymnen in allen Fällen die Trennung dieser Gruppen, welche wir hier als ein erneuerter Beweisführung nicht bedürftiges Factum voraussetzen dürfen ¹).

c5.s3.3

¹ Ludwig (III, 101 fg.) bestreitet die traditionelle Abgrenzung der beiden ersten Gruppen 1-11, 12-23; er glaubt, wie mir scheint ohne ausreichende Begründung, bei 18 einen Abschnitt zu erkennen. Es genügt, dagegen auf das Indralied 16, getrennt von der Indrareihe 4-11 zu verweisen: ein sicheres Indicium dafür, dass zwischen 11 und 16 eine neue Gruppe beginnen muss. Rechnet man, wie man allen Grund hat, Lied 1 (an Agni) der früheren Gruppe zu, so zeigt das Agnilied 12, dass der Scheidepunct zwischen 11 und 12 liegt eben dort, wohin die Ueberlieferung ihn setzt. Hierzu nehme man folgende Beobachtung über den Gebrauch eines einzelnen characteristischen Wortes: upa hvaye kommt im Ṛv. vor I, 13, 3. 7. 8. 10. 12; 21, 1; 22, 5. 12; 23, 18 164, 26; X, 36, 7: also sämmtliche Stellen bis auf zwei in den Hymnen I 13-23. — Die hier besprochene Frage hat natürlich nichts mit der andern zu thun, ob die Anukramaṇî Recht hat, die Lieder 1 fgg. einem Viṣvâmitriden, die Lieder 12 fgg. einem Kaṇviden zuzuweisen.

c5.s3.4

Wenn die verschieden geartete Stellung der Bücher II—VII auf der einen, des achten Buches auf der andern Seite sich besonders deutlich in den angewandten Versmaassen ausprägt, so zeigt schon ein flüchtiger Ueberblick über die Metra des ersten Buches, dass hier theils die Characteristica von Buch VIII, theils diejenigen von Buch II fgg. wiederkehren. Und zwar sondern sich die Liedergruppen der einen und die der andern Art in der Reihenfolge des Maṇḍala ziemlich scharf von einander ab. Die Gâyatrî und daneben wenigstens theilweise die Pragâthastrophe herrscht, wie im achten Buche, so in I, 1-50 vor, mit Ausnahme nur der Hymnengruppe 31-35. In I, 51-191 dagegen haben wie in den Büchern II—VII im Ganzen Triṣṭubh und Jagatî der Vorrang, daneben als specielles Characteristicum der Gruppen 65 fgg. und 127 fgg. die Metra Dvipadâ Virâj resp. Atyaṣṭi.

c5.s3.5

Wir beschäftigen uns zunächst mit der Ordnung der Gruppen I, 51-191. Dieselbe entspricht in allem Wesentlichen der Ordnung von Buch II—VII. Zunächst besteht das ausnahmslose Gesetz, dass innerhalb jeder Gruppe die Lieder an denselben Gott zusammen stehen. Unter den Götterserien sodann haben, wie in jenen Maṇḍalas, die Agnilieder und Indralieder, soweit welche vorhanden sind, den Vorrang: nur in der Agastyasammlung (165 fgg.), wo -- was hier allein der Fall ist -- eine an Liederzahl den Agni- und Indraliedern weit vorausgehende Serie von Hymnen an die Maruts resp. an Indra mit den Maruts vorliegt, steht diese an der Spitze, und erst nach ihr folgt die an Liederzahl ihr zunächst kommende Indrareihe, während ein vereinzeltes Agnilied später unter den Hymnen an einzelne Götter erscheint ¹).

c5.s3.6

¹ Auch in der Gruppe I, 116-126 würde das vereinzelte Indralied 121 auf die Aṣvinreihe folgen -- Agnilieder sind hier nicht vorhanden --, wenn es nicht wahrscheinlich wäre, dass die Sammler jenes Lied den Viṣve devâs beigelegt haben.

c5.s3.7

Die übrigen Götterserien sind unter einander nach ihrer Liederzahl (in absteigender Folge) geordnet, so dass die Einzellieder, wo welche vorhanden sind, am Ende stehen. Diese Ordnung der Serien gilt ausnahmslos, wenn Lied 121 ²), nach der Anukramaṇī an Indra oder die Viṣve devâs gerichtet, von den Sammlern den V. devâs zugerechnet worden ist, und wenn dieselben -- was allerdings fraglich sein dürfte ³) -- die Lieder 91--93 so wie sie überliefert sind, nur als drei Lieder, nicht als mehr, gerechnet haben ⁴).

c5.s3.8

² Siehe vorige Anmerkung.

c5.s3.9

³ Dafür spräche die absteigende Ordnung, die sich so unter diesen Liedern ergäbe, ferner die Verbindung von 92, 13-18 im Sâmaveda, endlich die in 93 möglicherweise anzunehmende Versumstellung (s. die nächste Anmerkung).

c5.s3.10

⁴ In Lied 91 löst sich zunächst 1-4 durch das Metrum ab, 16-18 durch das gemeinsame Auftreten in der Vâj. Samh. und durch den Inhalt (â pyâyasva, â pyâyasva, âpyâyamânaḥ). Also bietet sich für die elf Verse 5-15 a priori die Theilung in 4 + 4 + 3 dar, zu welcher der Text sehr gut passt (in 5-8 fängt jeder Vers an tvam). 19-23 könnte späterer Anhang sein. -- In 92 sondern sich die beiden Ṭricas 13-15, 16-18 vom Vorangehenden durch ihr Metrum und die Verwendung im Sâmaveda, unter einander durch ihre Gottheit

c5.s3.11

Innerhalb jeder Serie folgen die Lieder auch hier, wie zu erwarten, nach absteigender Verszahl. Die Ausnahme in Lied 70 (11 Verse nach zehnversigen Liedern) hat man vermuthlich, wie längst erkannt ist ¹), durch Tilgung des in seiner Construction in der Luft stehenden Verses 11 zu beseitigen. Sonstige Ausnahmen, die ganz in der Art wie in den Büchern II—VII durch Zerlegungen der Regel unterworfen oder durch die Annahme von Hinzufügungen erklärt werden müssen, sind die folgenden ²): 79 tr. — 84, 1-18 tr., 19-20 pr. ³). — 90, 1-5. 6-9 (oder 6-8. 9?) ⁴). — Ueber 91. 92. 93 siehe S. 221 Anm. 4. — * 104. — 120, 1-9. 10-12. — 133, 1-5. 6-7 ⁵). — 135 tr. — Zweifelhaft ist die Behandlung von 139. — 162. 163 (aṣvastuti) und 164 das Räthsellied am Ende der Dîrghatamasgruppe, als Anhänge oder als nicht bestimmten Gottheiten zutheilbar und darum ausserhalb der Götterserien stehend? — 171 vereinzelte Ver-

c5.s3.12

¹ Grassmann Uebers.; Bergaigne I, 61.

c5.s3.13

² Wir behalten die oben S. 197 fg. angewandte Bezeichnungsweise bei.

c5.s3.14

³ Die regelmässig verlaufende Ṭṛcatheilung und das Erscheinen der zweiversigen Strophe hinter den dreiversigen macht mir die Annahme von Anhängen (Bergaigne I, 18) unwahrscheinlich.

c5.s3.15

⁴ Ich erwähne diese Zerlegung von 90 mit den übrigen zusammen, obgleich hier keine scheinbare Verletzung der Anordnung vorliegt.

c5.s3.16

⁵ Der erste Theil dieses Sûkta ist offenbar jung, aber es scheint doch, dass er an der richtigen Stelle der Ordnung steht, indem die beiden letzten Verse wohl das letzte, kürzeste Lied der Indrareihe bilden.

c5.s3.17

ab; auch die Theilung von 1-4 (Metrum), 5-8, 9-12 ist kaum zweifelhaft (etwas anders Hillebrandt, Vedachrest. S. 2 fg.). — In 93 sondern sich nach dem Metrum die Ṭṛcas 1-3, 9-11. Bei 4-8 müsste man demnach auch Ṭṛcatheilung erwarten, aber man hat nur fünf Verse. Ist es zu kühn, den am Ende allein übrig bleibenden Vers 12, der dem Metrum nach mit diesen Versen zusammengehört, hinter Vers 8 zu stellen, um so die beiden dem Inhalt nach sich gut von einander absondernden Ṭṛcas 4-6, 7. 8. 12 herauszubringen? Die deutliche Natur von Vers 12 als Schlussvers konnte, als der Ṭṛca 9-11 mit dem vorangehenden zusammenwuchs, den Anlass dazu geben, jenen Vers an's Ende zu schieben.

c5.s3.18

letzung der Regel aus speciellen Gründen ¹). — * 179. — * 191.

c5.s3.19

¹ Die Lieder 170. 171 enthalten die Verse eines Ākhyāna (ZDMG. XXXIX, 60 fgg.). Zufällig — vermuthlich wegen des nach einem Neuanfang aussehenden Wortlauts von 171, 1 — wurden aus diesen Versen zwei Lieder (von fünf resp. sechs Versen) gemacht; dieselben stehen, wie dies in der Ordnung ist, hinter dem achtversigen Lied 169 und vor dem dreiversigen 172; unter einander aber konnten sie nicht der Länge nach geordnet werden, da die natürliche, durch den Zusammenhang des Ākhyāna bedingte Reihenfolge entgegenstand.

c5.s3.20

Die Ordnung der gleich langen Lieder nach den Versmaassen (vergl. oben S. 202) ist auch hier nicht ohne Ausnahmen ²), welche durch kritische Operationen zu beseitigen mir aus den oben (S. 202 fg.) entwickelten Gründen bedenklich scheint. —

c5.s3.21

² Bergaigne I, 18. Besonders zu beachten ist Lied 84, über welches S. 222 Anm. 3 gesprochen ist.

c5.s3.22

Wenden wir uns nun zu den ersten sechs Gruppen des Maṇḍala, welche die Hymnen 1—50 umfassen. Auch hier sind die derselben Gottheit gehörenden Sûktas innerhalb jeder Gruppe ausnahmslos ³) zusammengeordnet. Im Uebrigen aber sind offenbar für diese Gruppen Gesichtspuncte verschiedener Art maassgebend gewesen, welche für jede einzelne näher erörtert werden müssen.

c5.s3.23

³ Wenn beispielsweise in der Medhâtithigruppe der Ṭrica an die Viṣve devâs 23, 10-12 von dem an die V. devâs gerichteten Liede 14 getrennt ist, so ist dies nicht als eine wirkliche Ausnahme anzusehen. Die Ṭricareihe von 23 entspricht offenbar einer rituell feststehenden Götterreihe (einer Variante der Praügareihe?); hier hatte also jeder Ṭrica seinen unabänderlichen Platz, den er behalten musste, selbst wenn die Sammler bei Aufstellung der Anordnung die Ṭricas als eigne Lieder gerechnet haben sollten.

c5.s3.24

Wir beginnen mit den sehr klar liegenden Verhältnissen der Kaṇvagruppe 36—43 ⁴). Hier haben wir folgende Gottheiten und Verszahlen: Agni 20. — Maruts 15, 15, 10.

c5.s3.25

⁴ Von Bergaigne (I, 64 fg.; II, 89) weiche ich in Folge meiner differirenden Auffassung der Liedzerlegungen wesentlich ab; vergl. meine bei Gelegenheit von Maṇḍala VIII gemachten Bemerkungen, S. 210.

c5.s3.26

— Brahmaṇaspati 8. — Varuṇa etc. 6, 3 ¹). — Pûshan 6, 4 ¹). — Rudra 6 (oder 3, 3?). — Soma 3 ¹). Die Anordnung würde den in Buch II—VII herrschenden Principien entsprechen, abgesehen davon, dass das einzelne Lied an Brahmaṇaspati vor den Zweiliederserien steht. Aehnliche Ungenauigkeiten finden sich zwar, wie wir sahen, auch in jenen Büchern, aber eben an dieser Stelle legt die Zugehörigkeit der Gruppe zum Kaṇvidengeschlecht und das alleinige Erscheinen der Metra Gâyatrî und Pragâtha die Frage nahe, ob nicht die Liedordnung nach der im achten Buch geltenden Regel aufzufassen ist, so dass also nicht die Zahl der zu einer Serie gehörigen Lieder, sondern die Verszahl des ersten Liedes jeder Serie entschiede. Man sieht, dass nach diesem Princip beurtheilt die Gruppe sich als genau geordnet erweist.

c5.s3.27

¹ 41, 4 und noch entschiedener 42, 4 machen nicht den Eindruck, ein neues Lied zu beginnen, wohl aber 41, 7 (von da an trochäischer Reihenausgang) und 42, 7 (von da an Refrain). Dass in 43 der an Soma gerichtete Ṭrica abzulösen ist, versteht sich von selbst.

c5.s3.28

Die Hiraṇyastûpagruppe (31—35) ist in jedem Fall geordnet: bei diesen wenigen Liedern aber ergeben die Ordnungsprincipien von Buch VIII und die von Buch II—VII (welche letzteren hier in einem allein aus Jagatî und Triṣṭubh bestehenden Abschnitt an sich die grössere Wahrscheinlichkeit für sich haben würden) das gleiche Resultat: Agni 18. — Indra 15, 15. — Aṣvinau 12. — Savitar 11.

c5.s3.29

Die Medhâtithigruppe (12—23) ²) stellt sich mit grösserer Entschiedenheit auf die Seite des achten Buches, denn einmal empfängt das Indralied (16) seinen Platz rein nach seiner Verszahl, ohne Bevorzugung dieser Gottheit, sodann scheinen zwei Viṣṇulieder (22, 16-18. 19-21) hinter Einzelliedern aufzutreten, vor denen sie nach den Principien der Bücher II—VII ihre Stelle empfangen würden. Wir finden: Agni (incl. Âprî) 12, 12, 12. — Ṛitudevatâs 12. — Indra 9. — Indrâvaruṇau 9. — Brahmaṇaspati etc. 9 ¹). — Agni mit den Maruts 9. — Ṛibhavas 8. — Indrâgnî 6. — Aṣvinau 4. — Savitar 4. — Die Götterfrauen 4. — Dyâvâpṛthivyau 3. — Viṣṇu 3, 3 ²). — Endlich in Lied 23 sechs Ṭṛicas an einzelne Gottheiten, die eine rituelle Reihe bilden (Vers 19-24 Anhang).

c5.s3.30

² Vergl. Bergaigne I, 62, mit dem ich hier durchaus übereinstimme.

c5.s3.31

¹ Sind in Lied 18 verschiedene Bestandtheile zu unterscheiden, so müssen dieselben zur Zeit der Sammlung doch schon vereinigt gewesen sein.

c5.s3.32

² Die Zerlegungen von 22 sind im Ganzen klar. Die sechs Viṣṇuverse in zwei Ṭṛicas zu zerschneiden, empfiehlt sich nicht allein des Anordnungsgesetzes wegen; man beachte das Vorkommen von vi cakrame in jedem der drei ersten, in keinem der drei letzten Verse, die vielmehr durch paṣyata . . . paṣyanti, tat . . . tat, paramam padam . . . paramam padam zusammengehalten werden.

c5.s3.33

Auch in der Ṣunaḥṣepagruppe (24—30) scheint mir die Ordnungsweise des achten Buches zu gelten. Im Einzelnen freilich herrscht manche Unsicherheit. In den Sûktas 25, 27, 30 liegen offenbar jedesmal mehrere Lieder vor, und zugleich sprechen Indicien der bekannten Art für Ṭṛicatheilung. Es scheint aber, dass an einigen Stellen mit dem neuen Ṭṛica ein neues Lied anfing, an andern nicht: worüber eine vollkommen sichere Entscheidung wohl unerreichbar ist. In 25 macht Vers 4 und 7 wohl keinen Liedanfang aus ³); Vers 12 scheint ein Schlussvers zu sein. In 27 scheint der bald trochäische, bald jambische Reihenausgang auf Trennungen hinter 6 und 9 zu führen. In 30 scheint hinter Vers 6 und 12 (troch. Rhythmus in 13 fgg.!), nicht aber hinter Vers 9 ein Neuanfang zu liegen; am Ende sondert sich ein Ṭṛicalied an die Aṣvin und eins an Ushas ab. Danach scheinen sich mir etwa folgende, der Anordnungsweise des achten Maṇḍala genau entsprechende Reihen herauszustellen: Varuṇa 15 ¹), 12, 9. — Agni 10, 6, 3, 4 ²). — Indra 9, 7, 6, 6, 4. — Aṣvinau 3. — Ushas 3.

c5.s3.34

³ Aber einen Ṭṛica bilden die Verse 7-9 nichtsdestoweniger (Anfangswort jedes Verses veda). Auch in 13-15, 16-18, 19-21 liegt die Ṭṛicagliederung zu Tage.

c5.s3.35

¹ Ich glaube, dass 24 als ein Lied gerechnet wurde (so auch Bergaigne II, 7) und wohl auch ein solches ist. Vers 3—5 als eignes Savitarlied aufzufassen, ginge an, wenn dann nicht 1—2 als Agnilied übrig bliebe. Als solches würde es in die Agnireihe gehört haben; zudem sieht es entschieden unvollständig aus: das prathamasya in Vers 2 weist auf Weiteres hin, was nachfolgen musste und was auch in der That in der Ueberlieferung nachfolgt (vergl. V. 15 mit 1. 2). Die Art, wie das Lied in der Śunaḥśepageschichte verwandt ist (Ait. Br. VII, 16), entspricht seinem Wesen ganz richtig, so unzweifelhaft auch jene Geschichte nachträglich erfunden ist.

c5.s3.36

² Am Ende der Reihe ein Ṭrica mit Schlussvers in anderm Metrum: dieser Ṭrica wird am Ende stehen, damit der vierte Vers nicht in der Mitte der Ṭricas die Ordnung störe, obgleich auf diese Weise ein vierversiges Lied auf ein dreiversiges folgt.

c5.s3.37

Eigenthümlich ist die Anordnung der Madhuchandas-gruppe (1—11): Agni 9. — Praügagottheiten 9, 12 (vermutlich aber beide Lieder als eins betrachtet, also 21 Verse?). — Indra 10, 10, 10, 10, 10, 10, 12, 8. — Die Ordnung der drei Serien fügt sich keiner der verschiedenen Verfahrungsweisen. Ebenso ist die Verletzung der Verszahlordnung am Ende der Indrareihe befremdend: sie hängt damit zusammen, dass die beiden letzten Indralieder in Anushṭubh, sämmtliche vorangehenden Lieder in Gâyatrî verfasst sind ³).

c5.s3.38

³ Ist vielleicht aus eben diesem Grunde die Indrareihe an den Schluss gesetzt worden, so dass sämmtliche Gâyatrilieder den Anushṭubhliedern vorangehen konnten?

c5.s3.39

Die Praskaṇvagruppe endlich (44—50) characterisirt sich durch eine bestimmte rituelle Beziehung ihrer Lieder⁴): dieselben sind sämmtlich den im Prâtaranuvâka angerufenen Gottheiten der Morgenfrühe gewidmet, dem Agni — dass Agni speciell als der erste Erheller der Frühe und Herbeiführer der devāḥ prātaryâvaṇaḥ gemeint ist, zeigt sich vielfach —, den Aṣvin, der Morgenröthe, der aufgehenden Sonne; in Verbindung mit diesen Anrufungen steht die gleichfalls dem Morgenritual zugehörige Darbringung von soma tiroahnya ¹) (45, 10; 47, 1). Die an die einzelnen Götter gerichteten Lieder sind jedesmal zusammengeordnet und halten die absteigende Reihenfolge inne (Agni 14, 10. — Aṣvinau 15, 10. — Ushas 16, 4. — Sûrya 10 ²)), aber die Aufeinanderfolge dieser kleinen Reihen unter sich ist nicht die zu erwartende. Da Agni die erste, Sûrya die letzte Stelle inne hat, so ist es vielleicht möglich, an einen Einfluss der rituellen Reihenfolge der Morgengottheiten zu denken, wobei allerdings angenommen werden müsste, dass die Aṣvin hier, entgegen der in den späteren Ritualtexten geltenden Ordnung, ihre Stelle in der Feier vor der Morgenröthe gehabt hätten ³).

c5.s3.40

⁴ Ausserdem durch die Vorliebe für Anushṭubh neben Gâyatrî und Pragâtha.

c5.s3.41

¹ Siehe darüber Śatapatha Br. XI, 5, 5, 11 und vornehmlich Āśvalâyana Śraut. VI, 5, wo man ganz wie in unsrer Liedergruppe die Göttercombination Agni, Ushas, Aṣvinau, Sûrya (§ 2) und den soma tiroahnya (§ 24) beisammen hat.

c5.s3.42

² 50, 11–13 (10–13?) sind offenbar später Anhang.

c5.s3.43

³ Wie Bergaigne (Rel. véd. II, 432) gezeigt hat, lässt der Ṛigveda die Morgenröthe den Aṣvin bald voraufgehen, bald folgen. Letzteres, eben in dem in Rede stehenden Abschnitt belegt (I, 46, 14), ist vielleicht das Ursprüngliche. Denn sollten nicht — mit aller Reserve sei diese Vermuthung ausgesprochen — die Aṣvin als die Rosse der Morgenröthe zu deuten sein, aus denen in weiter fortschreitender Anthropomorphisierung die Götterjünglinge mit den Rossen — Aṣvin aus den Aṣva — geworden sind?

c5.s3.44

Auf die Frage nach der Reihenfolge der einzelnen Liedsammlungen des ersten Maṇḍala unter einander wird später zurückzukommen sein.

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