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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s2: 2. Kapitel. Die Erde

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s2

Language
German

Contents

2. Kapitel. Die Erde

c8.s2.1

Hinsichtlich der Anschauungen von der Erde kann man im Buddhismus zwei Phasen unterscheiden, eine ältere, die ein einfacheres natürliches Bild bietet, und eine jüngere, bei der jenes einfachere Bild durch phantastische Spekulationen wesentlich verändert ist. Die meisten Schriften des Palikanons enthalten Angaben, aus denen man das ältere Weltbild rekonstruieren kann, die Jātaka, die Palikommentare und die buddhistischen Sanskritschriften weisen die jüngeren Anschauungen auf. Es ist deshalb erforderlich die älteren und jüngeren Anschauungen gesondert zu betrachten.

A. Die Erde nach den Anschauungen der älteren Zeit

c8.s2.t1.1

Der älteste Buddhismus stellt sich die Erde als eine runde Scheibe vor, die vom Ozean rings umflossen wird.

c8.s2.t1.2

Aṅguttara-Nikāya 4 S. 89 und wörtlich übereinstimmend Sutta-Nipāta S. 102 f. wird von einem Cakravartin gesprochen, „der die vom Ozean umgebene Erde beherrscht, nachdem er dieselbe ohne Gewalt und ohne Waffe nur durch die Lehre erobert hat“. (So imaṃ paṭhavīṃ sāgarapariyantaṃ adaṇḍena asatthena dhammena abhivijiya ajjhāvasan ti.) Aṅguttara-Nikāya 4 S. 90 wird von dem Cakravartin gesagt, dass er mit Gerechtigkeit „in diesem Erdkreis die Herrschaft ausgeübt“ habe (dhammena rajjaṃ kāretvā asmiṃ paṭhavīmaṇḍale). Aṅguttara-Nikāya 2 S. 50 f. heisst es, dass Himmel und Erde sehr weit von einander entfernt seien, ähnlich wie es das dies- und jenseitige Ufer des Weltmeeres oder wie es Sonnenaufgang und -untergang sind, wodurch gewissermassen ein Vergleich zwischen beiden ausgedrückt wird. Dīgha-Nikāya 2 S. 174 und 3 S. 60 wird von der Erde gesagt, dass sie „vom Ozean umgeben“ sei (samuddapariyantā paṭhavī). Saṃyutta-Nikāya 1 S. 101 heisst es von den Kṣatriya, dass „sie den grossen Erdkreis besiegt haben“ (... mahantaṃ pathavi-maṇḍalaṃ abhivijiya ...). Saṃyutta-Nikāya 1 S. 192 findet sich die Stelle: „Wie ein Cakravartin von den Ministern umgeben ist, so umgibt der Ozean vollständig diese Erde“ (... samantā anupariyeti sāgarantaṃ mahim imaṃ). Saṃyutta-Nikāya 2 S. 263, 459, 465 f. wird die grosse Erde (mahāpaṭhavī) mit einem „kleinen Staubkorn“ (paritto paṃsu) verglichen, wodurch diese doch als ein zusammenhängendes Ganze betrachtet wird. Cariya-Piṭaka S. 91 findet sich die Stelle: „Und ich, der ich begehrte die Erde mit dem Ozean, den Wäldern und Gebirgen“ (sasāgaran taṃ paṭhavīṃ sakānanaṃ sapabbataṃ icchamāno c'aham ...).

c8.s2.t1.3

Nach zwei anderen Stellen des Kanon ruht die Erde auf dem Wasser. Bei der Schilderung der acht Ursachen für ein Erdbeben heisst es im Dīgha-Nikāya 2 S. 107: „Diese grosse Erde ruht auf dem Wasser, das Wasser ruht auf der Luft, die Luft auf dem Raume“ (ayam . . . mahāpathavī udake patiṭṭhitā, udakaṃ vāte patiṭṭhitaṃ, vāto ākāsaṭṭho hoti). Ähnlich die Stelle Samyutta Nikāya 2 S. 103, nach der die Erde auf dem Wasser ruht, dieses aber keine Stütze hat (pathavī ce . . . nāssa kvāssa patiṭṭhitā ti || Āpasmim bhante ti || Āpo ce . . . || Appatiṭṭhitā bhante ti).

c8.s2.t1.4

Samyutta-Nikāya 2 S. 234 wird noch von der Erde behauptet, dass sie mit Gold angefüllt sei (pathaviyā pi jātarūpaparipūrāya hetu).

c8.s2.t1.5

Der Himavat als Mittelstück d. Welt vorgestellt, dann durch den „Meru“ ersetzt. In der ältesten Zeit des Buddhismus scheint man den Himavat als das Mittelstück der Erde betrachtet zu haben, dann trat aber an seine Stelle der mythische Weltberg Sineru, dessen Namensvarianten Sineru und Neru, Sanskrit: Sumeru und Meru S. Goldschmidt mit grossem Scharfsinn von der uns nicht belegten Form *Smeru abzuleiten sucht, die von der Wurzel smi „hell, rötlich strahlen“ gebildet sein soll¹). Im folgenden wird er nach seiner im Sanskrit bekanntesten Form „Meru“ genannt.

c8.s2.t1.6

¹ Zeitschrift für vergleichende Sprachwissenschaft 25 (N. F. 5), 1881 S. 610 ff.

c8.s2.t1.7

Aṅguttara-Nikāya 3 S. 240 findet sich die Stelle: „Als der Tathāgata . . . vor der Erleuchtung das Wissen noch nicht erlangt hatte, war die grosse Erde sein Lager, der Bergkönig Himavat sein Kopfkissen, in’s östliche Meer war die linke Hand getaucht, in’s westliche Meer war die rechte Hand getaucht, und in’s südliche Meer waren seine beiden Füsse getaucht. Dem Tathāgata . . . erschien dies als erster grosser Traum“ (Tathāgatassa . . . pubb’ eva sambodhā anabhisambuddhassa bodhisattass’ eva sato ayaṃ mahāpathavī mahāsayanaṃ ahosi, Himavā pabbatarājā bimbohanam ahosi, puratthime samudde vāmo hattho ohito ahosi, pacchime samudde dakkhiṇo hattho ohito ahosi, dakkhiṇe samudde ubho pādā ohitā ahesum. Tathāgatassa . . . ayaṃ paṭhamo mahāsupino pāturahosi).

c8.s2.t1.8

Dass diese Stelle eine alte, wenn auch primitive Auffassung von der Erde enthält, in der der Himavat als Mittelstück derselben betrachtet wird, geht schon daraus hervor, dass sie sich Mahāvastu 2 S. 136, 137 fast wörtlich wiederfindet, jedoch ist hier der Himavat durch den mythischen Weltberg „Sumeru“ ersetzt.

c8.s2.t1.9

An manchen Stellen des Palikanons führt der Himavat das Epitheton „Bergkönig (pabbatarājā)“, das sonst stets dem Meru beigelegt wird, z. B. Aṅguttara-Nikāya 3 S. 44, 311—12; Samyutta-Nikāya 1 S. 116, 2 S. 137—138, 5 S. 63, 148; Majjhima-Nikāya 3 S. 166, 177 usw.

c8.s2.t1.10

Meru und Erde. Die Stellen, die den Meru in seinem Verhältnis zur Erde betreffen, sind folgende:

c8.s2.t1.11

Aṅguttara-Nikāya 4 S. 100 ff., und in ganz kurzer Form Samyutta-Nikāya 3 S. 149 wird geschildert, dass die grossen Ströme und Seen der Erde und der grosse Ozean am Weltende durch die fortwährend zunehmende Hitze austrocknen und die grosse Erde und der grosse Bergkönig Sineru nach Erscheinen der siebenten Sonne verbrennen werden (Aṅguttara-Nik. 4 S. 102 f.: Chaṭṭhassa suriyassa pātubhāvā ayaṃ ca mahāpathavī Sineru ca pabbatarājā dhūpāyanti, sandhūpāyanti, sampadhūpāyanti . . . Sattamassa suriyassa pātubhāvā ayaṃ ca mahāpathavī Sineru ca pabbatarājā ādippanti, pajjalanti ekajālā bhavanti . . .). Apadāna Vers 87²) wird die Erde mit einem Regenschirm und der Meru mit dem Stock desselben verglichen (Sineruṃ daṇḍaṃ katvāna chattaṃ katvā mahāmahiṃ . . .). Katthāvatthu S. 46 wird gelehrt, dass die grosse Erde, das grosse Meer und der Bergkönig Sineru von den guten und bösen Handlungen geschaffen sei (Mahāpaṭhavī . . ., mahāsamuddo . . ., Sinerupabbatarāja upalabbhatīti, mahāpaṭhaviyā . . ., mahāsamudassa . . ., Sinerussa pabbatarājañño kattā kāretā upalabbhatīti? kaḷyāṇapāpakāni kammāni . . .). Ähnlich wird Katthāvatthu S. 49, 50, 51, 52, 620 die grosse Erde, das grosse Meer und der Bergkönig Sineru zusammen aufgeführt. Cariya-Piṭaka S. 79 und ähnlich Jātaka 6 S. 486, 511, 547 heisst es: tadāpi paṭhavī kampi Sineruṇavatamsakā „da erzitterte auch die Erde mit ihrem Waldkranz um den Sineru“.

c8.s2.t1.12

² Zitiert in Dhammapāla’s Paramatthadīpanī P. 5 S. 150.

c8.s2.t1.13

Nach den vier Weltgegenden teilte man die Erde in vier Länder oder Erdquadranten ein. Diese tragen in der Reihenfolge von Osten nach Süden die Namen Pubbavideha (Sanskrit: Pūrva°), Jambūdīpa (Sanskrit: °dvīpa), Aparagoyāna (Sanskrit: °godāna) und Uttarakuru und werden mit Ausnahme von Jambūdīpa noch nicht dvīpa „Inseln“ genannt.

c8.s2.t1.14

Aṅguttara-Nikāya 1 S. 227 f. und 5 S. 59 findet sich sozusagen übereinstimmend die Stelle: „Yāvatā . . . candimasuriyā pariharanti disā ’bhanti virocanā tāva sahassadhā loko. Tasmim (ō S. 59 sahassadhāloke) sahassam candānam, sahassam sūriyānam, sahassam Sinerupabbatarājānam, sahassam Jambūdīpānam, sahassam Aparagoyānānam, sahassam Uttarakurūnam, sahassam Pubbavidehānam, cattāri mahāsamuddasahassāni, cattāri mahārājasahassāni . . . „Soweit . . . wie Mond und Sonne umherwandeln und die Weltgegenden mit ihrem Schein erleuchten, soweit ist eine tausendfache Welt. In dieser gibt es tausend Monde, tausend Sonnen, tausend Sineru-Bergkönige, tausend Jambūdīpa, tausend Aparagodāna, tausend Uttarakuru, tausend Pūrvavideha, viertausend grosse Ozeane, viertausend Grosskönige“ usw.

c8.s2.t1.15

Aṅguttara-Nikāya 4 S. 90 wird der Jambūdīpa mehrmals Jambusaṇḍa genannt, das wohl dem brāhmanischen Jambūkhaṇḍa entsprechen dürfte.

c8.s2.t1.16

Wie in der zitierten Stelle angedeutet ist, wurde der grosse Ozean den vier Ländern entsprechend in vier Meere eingeteilt. Nach der schon oben angeführten Stelle Aṅguttara-Nikāya 3 S. 240 unterschied man ein östliches, westliches, südliches und nördliches Meer. Die vier Meere werden noch an folgenden Stellen genannt:

c8.s2.t1.17

Saṃyutta-Nikāya 1 S. 62 heisst es: „Ich hatte . . . eine derartige Vertauschung der Füsse, nämlich vom östlichen Meer zum westlichen Meer“ (tassa mahyam . . . evarūpo padavitihāro ahosi, seyyathāpi puratthimasamuddā pacchimo samuddo . . .). Saṃyutta-Nikāya 2 S. 179 f. wird erzählt, dass Buddha zu seinen Mönchen gesagt habe, dass das Wasser, das sie während ihres Lebens im Saṃsāra aus Schmerz über die Vereinigung mit Unangenehmen und die Trennung von Angenehmen als Tränen vergossen hätten, mehr sei das Wasser der vier Meere (Etad eva bhikkhave bahutaram yaṃ vo iminā dīghena adhunā sandhāvataṃ saṃsārataṃ amanāpasampayogā manāpavippayogā kandaṃtānaṃ rodantānaṃ assupasannaṃ paggharitam na tv eva catūsu mahāsamuddesu udakam).

c8.s2.t1.18

Saṃyutta-Nikāya 2 S. 181 wird gesagt, dass die Muttermilch, die sie im Lauf des Saṃsāra getrunken hätten, das Wasser in den vier grossen Meeren an Menge überträfe, und S. 187 des gleichen Textes wird das Gleiche von dem Blut behauptet, dass sie in Saṃsāra vergossen hätten, weil ihnen der Kopf gespalten worden sei. Apadāna Vers 91 ¹)

c8.s2.t1.19

1) Zitiert in Dhammapāla’s Paramatthadīpanī 5 S. 150.

c8.s2.t1.20

heisst es: „Und ich trug die Wasser der vier Ozeane mit einer Hand“ (catusāgaratoyāni dhārayi ekapāṇinā).

c8.s2.t1.21

Über die Grösserverhältnisse des Meru berichtet die Stelle Aṅguttara-Nikāya 4 S. 100, die den Bericht über den Weltuntergang einleitet. Darnach hat der Berg eine Höhe von 84 000 Yojana — ebenso bei den Brāhmaṇen —, eine Breite und Länge von 84 000 Yojana, und steht 84 000 Yojana tief im grossen Ozean (Sineru pabbatarājā caturāsītiyojanasahassāni āyāmena caturāsītiyojanasahassāni vithārena caturāsītiyojanasahassāni mahāsamudde ajjhogāḷho caturāsītiyojanasahassāni mahāsamuddā accuggato). Die Anschauung, dass der Meru im Ozean steht, könnte auf das jüngere Weltbild des Buddhismus hinweisen, wo man sich denselben von sieben Ringmeeren und sieben Ringgebirgen umgeben denkt; jedoch wird von diesen kein Wort gesagt, trotzdem man gerade hier eine nähere Schilderung derselben unbedingt erwarten müsste. Anderseits können hier die oben zitierten Stellen des Dīgha- und Saṃyutta-Nikāya herangezogen werden, nach der die Erde auf dem Wasser ruht, dieses auf der Luft ruht, resp. keine Stütze hat. Dīgha-Nikāya 3 S. 199 wird der Meru noch sudassana (lieblich) genannt.

c8.s2.t1.22

Auf der Erde gibt es fünf grosse Ströme und sieben grosse Seen. Diese werden in der eben genannten Stelle des Aṅguttara-Nikāya mit Namen genannt und noch nicht wie in späterer Zeit direkt mit dem Jambūdvīpa in Verbindung gebracht. Die Flüsse ¹) heissen Gaṅgā, Yamunā, Aciravatī und Mahī, die Seen führen die Namen Anotattā, Sīlapapātā, Rathakārā, Kaṇṇamuṇḍā, Kuṇālā, Chaddantā und Mandākini.

c8.s2.t1.23

¹ Ferner werden sie erwähnt z. B. Aṅguttara-Nikāya 5 S. 22, 4 S. 198 und in anderen kanonischen Schriften.

c8.s2.t1.24

Über die Länder der Erde wird nicht viel berichtet. Dīgha-Nikāya 3 S. 75 wird ausgeführt, dass denn, wenn die Menschen ein Alter von 80 000 Jahren erreichen, in Jambūdvīpa 84 000 Städte mit Ketumatī (d. i. Benares) an der Spitze vorhanden sein würden (Asītivassasahassāyukesu bh. manussesu imasmim Jambudīpe caturāsītinagarasahassāni bhavissanti Ketumatīrajadhānīpamukhāni).

c8.s2.t1.25

Aṅguttara-Nikāya 1 S. 213 werden die Namen der sechszehn grossen Völker aufgezählt. Diese sind Aṅga, Magadha, Kāsī, Kosala, Vajji, Malla, Ceti, Vaṅga, Kuru, Pañcala, Maccha, Surasena, Assaka, Avanti, Gandhāra und Kamboja. Sporadisch finden sich in den kanonischen Schriften noch die Namen von einigen anderen Völkern wie die Koliya, Sakka und Vamsa.

c8.s2.t1.26

Die Uttarakuru gelten bereits als ein mythisches Volk. Aṅguttara-Nikāya 4 S. 396 und Dīgha-Nikāya 3 S. 199 wird gesagt, dass sie unbekümmert leben, besitzlos sind und eine bestimmte Lebensdauer haben (Aṅguttara-Nikāya ... amamā apariggahā niyatāyukā ...).

c8.s2.t1.27

Von Zeit zu Zeit wird die ganze Erde von einem einzigen Fürsten beherrscht. Dieser führt den Titel Cakravartin ²).

c8.s2.t1.28

² Über die Idee eines Cakravartin siehe den zusammenfassenden Artikel Jacobi's in: Encyclopaedia of Religion and Ethics, Vol. 3 (1910) S. 336.

c8.s2.t1.29

Aṅguttara-Nikāya 4 S. 89 findet sich die kurze Schilderung eines Königs. Er ist gerecht, ein König der Gerechtigkeit, beherrscht die vier Enden der Erde, ist ein siegreicher Eroberer, beglückt das Volk und besitzt die sieben Juwelen: das Radjuwel, das Elefantenjuwel, das Rossjuwel, das Edelsteinjuwel, das Frauenjuwel, das Hausvaterjuwel und das Feldherrnjuwel (Anekasattakkhattum rājā ahosim Cakkavattī dhammiko dhammarājā cāturanto vijitāvī janapadathāvariyappatto sattaratanasamaṇṇāgato. Tassa mayhaṃ bh. imāni satta ratanāni abesuṃ, seyyathīdaṃ cakkaratanaṃ hatthiratanaṃ assaratanaṃ maṇiratanaṃ itthiratanaṃ gahapatiratanaṃ parināyakatanaṃ eva sattamaṃ)¹). Diese Stelle findet sich fast wörtlich Dīgha-Nikāya 2 S. 174.

c8.s2.t1.30

¹ Ähnlich Divyāvadāna S. 211.

c8.s2.t1.31

Der grosse Ozean, der, wie schon gezeigt, in vier Meere eingeteilt wurde, ist uner- messlich, lautlosend, furchtbar und birgt eine Fülle von Edelsteinen. In denselben münden die Flüsse, die von Scharen von Fischen bewohnt werden (Aṅguttara-Nikāya 3 S. 52: Mahodadhiṃ aparimataṃ mahāsaraṃ bahubheravaṃ ratanagaṇānaṃ ālayam | najjo yathā macchaganasaṅhasevitā | puthū savanti sāgaraṃ || . . . Ähnlich Aṅguttara-Nikāya 2 S. 55, Saṃyutta-Nikāya 4 S. 377, 5 S. 400). Aṅguttara-Nikāya 4 S. 198 ff. und Vinaya-Piṭaka 2 S. 237 f. werden die acht Wunder des Meeres aufgezählt, und zwar, dass das Meer erst nach und nach an Tiefe zunehme und der Meeresboden nicht plötzlich abfalle, dass das Meer das Ufer nicht überschreite, einen Leichnam an’s Land werfe, dass die fünf grossen Ströme Namen und Ge- schlecht im Meer verlieren, dass alle Flüsse und Wassergüsse aus dem Luftraum das Volumen des Meeres nicht verändern, dass es den Salzgeschmack habe, dass es viele Edelsteine enthalte und dass es Timi, Timingala, Timiramiṅgala, Asura, Nāga und Gandharva beherberge, von denen einige 100 bis 500 Yojana gross seien ²).

c8.s2.t1.32

² Die Stelle ist zu lang, als dass ich sie hier ganz zitieren könnte.

c8.s2.t1.33

Dies ist im grossen und ganzen das Bild von der Erde, wie man es in den ältesten Teilen des buddhistischen Kanons vorfindet. Wesentlich verschieden von demselben sind die Anschauungen, die die jüngeren Texte bieten. Zu diesen gehören vor allem, wie schon oben angedeutet, die Jātaka und Palikommentare, sodann natürlich auch all jene Werke in Sans- krit wie das Lalita-Vistara, das Mahāvastu usw. Es soll hier aber durchaus nicht behauptet werden, dass die Jātaka in einzelnen Teilen nicht ebenso alt wie andere Schriften des Pali- kanons sein könnten, sondern nur, dass sich in ihnen als Gesamtwerk kosmographische Ideen vorfinden, die auf eine jüngere Zeit der Entwicklung hinweisen und im grossen und ganzen mit den Anschauungen jüngerer buddhistischer Schriften übereinstimmen. Ich enthalte mich hier weiterer Ausführungen über das Alter derselben und verweise auf den betreffenden Ab- schnitt in M. Winternitz’s „Geschichte der Indischen Literatur“, Bd. 2, Hälfte 1, S. 89—98.

B. Die Erde nach den Anschauungen der jüngeren Zeit

c8.s2.t2.1

Das Weltbild der älteren Zeit, wie wir es im vorangehenden aus den verhältnismässig wenigen Stellen und Andeutungen des Palikanons rekonstruiert haben, wurde wesentlich modi- fiziert durch das Auftreten der Idee von den Ringgebirgen und Ringmeeren. Unter den Ring- gebirgen versteht man sieben grosse, durch Ringmeere getrennte goldene Gebirgsringe um den Meru als Zentrum, deren Höhe und Entfernung von einander nach innen hin in geometri- scher Progression zunehmen. Ihnen entsprechend verhält es sich dann auch mit der Tiefe und Breite der sie trennenden Ringmeere. Diese Spekulation und die durch sie erfolgte Än- derung des Erdbildes ist eine so eigenartige, dass sie in der ältesten Zeit des Buddhismus nicht bestanden haben könnte, ohne Spuren in den kanonischen Schriften (mit Ausnahme der Jātaka) zu hinterlassen, besonders da man sich ihre Nichterwähnung an manchen Stellen gar nicht erklären kann, sie anderseits bei den so häufig vorkommenden Vergleichen sehr gute Vergleichsmomente abgegeben hätten.

c8.s2.t2.2

Bezeichnung der Ringgebirge und Ringmauern. Diese Ringgebirge werden Jātaka 6 S. 125 paribhaṇḍapabbata „Gürtelgebirge“ und 6 S. 432 werden die Ringmeere paribhaṇḍasāgara „Gürtelmeere“ genannt. Dhammapāla nennt in seinem Kommentar Paramatthadīpanī 4 S. 135 den Yugandhara usw. bhūmipaṭibandhaṭṭhāna „Erdringplätze“. Nach den Jātaka 6 S. 125 heissen die Ringmeere Sīdantara-Meere. In den Sanskritschriften führen die Ringgebirge vielfach die Bezeichnung cakravāḍa, die auch dem äussersten die ganze Welt umgebenden Felsring beigelegt wird, z. B. Lalita-Vistara S. 134, 153, 277, 316, Mahāvastu 1 S. 6, 2 S. 100.

c8.s2.t2.3

Namen der Ringgebirge; ihre Reihenfolge. Hinsichtlich der Reihenfolge der Namen der einzelnen Ringgebirge werden verschiedene Versionen berichtet. Die Abweichung in den einzelnen Aufzählungen scheint aber keine willkürliche zu sein, sondern auf gewissen Spekulationen zu beruhen. Über Art und Richtung dieser Spekulationen können vor der Hand aber nur Vermutungen aufgestellt werden. Die verschiedenen Aufzählungen, die mir begegnet sind, sind nun folgende:

c8.s2.t2.4

| | I. Jātaka g. 6 S. 125 | II. Atthasālini S. 297/8 Hardy: Manual S. 12¹) | III. Divyāvadāna S. 216/7 Beal: Catena S. 45 | IV. Mahāvastu 2 S. 300 |
| 1 | Assakaṇṇa | Yugandhara | Yugandhara | Nimindhara |
| 2 | Vinataka | Īsadhara | Īṣadhāra | Yugandhara |
| 3 | Nemindhara | Karavīka | Khadiraka | Isāmdhara |
| 4 | Yugandhara | Sudassana | Sudarśana | Kadiraka |
| 5 | Īsadhara | Nemindhara | Aśvakarṇa | Aśvakarṇa |
| 6 | Karavīka | Vinataka | Vinataka | Vinataka |
| 7 | Sudassana | Assakaṇṇa | Nimindhara | Sudarśana |

c8.s2.t2.5

¹ s. auch Pallegoix S. 431 ff.

c8.s2.t2.6

In diesen Aufzählungen hat man sich die unter Nr. 1 angeführten Ringgebirge als die innersten, die unter Nr. 7 angeführten als die äussersten zu denken. Die Aufzählung der Jātaka (I) ist vielleicht die älteste, jünger sind möglicherweise die Aufzählungen II und III, die Reihenfolge des Mahāvastu ist wahrscheinlich eine fehlerhafte und die 2 S. 146. 18 angedeutete Aufzählung (Yugandharaprabhṛtayaḥ . . .) erinnert an die Reihenfolge der Liste III. Ferner deutet die Stelle Jātaka 4 S. 265 vielleicht auf die Reihenfolge der Liste II hin ²).

c8.s2.t2.7

² Meine Vermutungen über die abweichenden Angaben in der Reihenfolge der Ringgebirge will ich hier mitteilen. Wie weiter unten ausgeführt werden soll, wird das Yugandhara-Ringgebirge mit der Sonne in Verbindung gebracht. Dies führt auf den Gedanken, dass auch die anderen sechs Ringgebirge mit den übrigen sechs Planeten der Alten in irgend einer Beziehung stehen könnten. Die einzelnen Aufzählungen der Ringgebirge mit ihrer wechselnden Reihenfolge würden alsdann auf verschiedene Planetenlisten zurückgeführt werden müssen. Würde nun die unter I angegebene Reihenfolge der Ringgebirge der uns geläufigen Reihenfolge der Planeten Mond, Merkur, Venus, Sonne usw. entsprechen, also Sudassana dem Monde usw., und endlich Assakanna dem Saturn, so würde Liste II beginnend mit Nr. 1 auf die Planetenfolge Sonne, Venus, Merkur, Mond, Mars, Jupiter, Saturn zurückgehen. Liste III würde dann die Planetenfolge Sonne, Venus, Merkur. Mond, Saturn, Jupiter, Mars

c8.s2.t2.8

In China hat der Buddhismus die Anzahl der Ringmauern auf zehn erhöht ¹).

c8.s2.t2.9

Sowohl der Meru wie auch die Ringgebirge stehen mit ihrer unteren Hälfte im Meere. Der Assakaṇṇa resp. Yugandhara oder Nimindhara ragt nur 42 000 Yojana aus demselben hervor. Das von ihm eingeschlossene Ringmeer hat am Meru eine Tiefe von 84 000 Yojana, nimmt dann nach dem Ringgebirge hin bis auf die Hälfte ab. Auch die Breite dieses Ringmeeres beträgt 84 000 Yojana. In dieser Weise nehmen Höhe der Ringgebirge und Breite des Meere ab, bis der äusserste Ring nur mehr mit einer Höhe von 656¹/₄ Yojana aus dem Meere hervorragt. Jenseits des siebten äussersten Felsenringes breitet sich der grosse Ozean aus (Jātaka 6 S. 125: ete Sīdantare nagā anupubbasamuggatā . . .).

c8.s2.t2.10

¹ Remusat S. 81 f.

c8.s2.t2.11

Die Ringgebirge sind mit den verschiedensten Edelsteinen verziert, sie sind die Wohnsitze der vier Weltkönige und werden von Deva und Yakṣa besucht (Atthasālīnī S. 298: . . . nānaratanacittitā . . . mahārājānam āvāsā devayakkhanisevitā . . ., Jātaka 6 S. 125c: . . . ete catunnaṃ mahārājānam āvāsā . . .). Nach dem Divyāvadāna S. 216—17 sind die sieben Ringgebirge aus Gold (Sumeruḥ parvatarājā saptakāñcanaparvataparivṛtaḥ . . .).

c8.s2.t2.12

Was in den jüngeren buddhistischen Schriften über den Meru und den Yugandhara-Bergring im einzelnen berichtet wird — von den übrigen Ringgebirgen wird nichts weiter gesagt —, ist folgendes: Dhammapada-Aṭṭhakathā S. 107 wird die gleiche Höhe für den Meru angegeben wie in der oben angegebenen Stelle Aṅguttara-Nikāya 4 S. 100, nämlich 168 000 Yojana (aṭṭhasatthiyojanasahassubbedhaṃ Sineruṃ . . .). Er besteht aus Gold und wird deshalb suvaṇṇapabbata (suvarṇapabbata), kañcanapabbata, kanakagiri „Goldberg“ genannt; s. Jātaka 3 S. 247, 5 S. 432, Jātakamālā (Sac. Books of the Buddhists 1) S. 4, 58, 66, 69, Mahāvastu 3 S. 344. Nach Lalita-Vistara S. 120 besteht seine Spitze aus Edelsteinen und Diamant. In noch jüngerer Zeit bildete sich allgemein die Ansicht aus, dass er aus verschiedenen Metallen besteht, und zwar der östliche Teil aus Silber, der südliche aus Saphir, der westliche aus Korallen, nach andern aus Krystall, und der nördliche aus Gold, ähnlich wie es die Purāṇa lehren ²). Für die Zwischengegenden gibt Hardy auch noch Farbenunterschiede an, die aber mehr Farbenübergänge darstellen, und zwar ist der Nordost goldgrün, die Südost blassblau, der Südwest blau und der Nordwest goldgelb.

c8.s2.t2.13

² s. Koeppen 1 S. 232; Hardy: Manual S. 11, Legends S. 231.

c8.s2.t2.14

Auf der Gipfelfläche breitet sich die Götterwelt der Tāvatiṃsa (Trāyastriṃśa) aus, die untere ist das Reich der Asura, jener genau entsprechend. Wie sich in jener der Baum Pāricchattaka findet, blüht hier der Wunschbaum Citta pāṭalī (Jātaka 1 S. 202: Asurabhavanaṃ nāma Sinerussa heṭṭhimatale tāvatiṃsadevalokappamāṇaṃ eva, tattha devānaṃ Pāricchattako viya Cittapāṭalī nāma kappaṭṭhiyarukkho hoti . . . Atthasālīnī S. 298: . . . asurānaṃ cittapāṭalīyā, . . . Tāvatiṃsesu pāricchattakassā ti). Diese Ansicht ist insofern interessant, als man in älterer Zeit offenbar ähnliche Räume unter der Erde annahm, wie es im brāhmaṇischen System die Pātāla sind, jedoch wurde dieselbe später verdrängt; denn nach Hardy und andern ruht der Meru auf dem 30 000 Yojana hohen dreigipflichen Trikūṭa-Felsen, der seinerseits wieder auf der 240 000 Yojana dicken silāpathavī (Felserde) aufliegt. Auf den räumlichen Dualismus zugrunde liegen, eine Folge, wie sie bei den Mandäern bekannt war, aber auch vereinzelt im Syrischen und Jüdischen belegt ist. Siehe W. Brandt: Mandäische Schriften. Göttingen 1893, S. 45, 85; E. Schrader: Die Keilschriften und das Alte Testament. 3. Aufl. Berlin 1903, S. 623 f.; Th. Nöldeke bei P. Jensen in: Zeitschrift f. deutsche Wortforschung 1 S. 156.

c8.s2.t2.15

lismus in älterer Zeit weist auch die Stelle Jātaka 1 S. 204c hin, die ich wegen ihrer Länge hier nicht zitieren kann. Darnach hat der Meru fünf Etagen, auf denen von Śakra auf der untersten die Nāga, auf der zweiten die Suparṇa, der dritten die Dānava und Rākṣasa, der vierten die Yakṣa und der fünften die Mahārāja zum Schutz gegen die Asura stationiert sind.

c8.s2.t2.16

Der Yugandhara in Verbindung mit der Sonne gebracht Der Yugandhara wird in Verbindung mit der Sonne gebracht. Jātaka 1 S. 119 wird von Buddha gesagt, dass er die für einen Buddha charakteristischen sechsfarbigen Strahlen aussende wie die eben aufgegangene Sonne, wenn sie von der Höhe des Yugandhara-Gebirges die Tiefen des Meeres erleuchte (... aṇṇavakucchim obhāsayamāno Yugandharamatthake bālasuriyo viya...). Auch Jātaka 4 S. 213 wird dieser in ähnlicher Weise mit der Sonne in Verbindung gebracht (... suriyena saddhim javissāmā ti suriye anuggate yeva gantvā Yugandharamatthake nisīdimsu...), ebenso Dhammapālaparamaṭṭhadīpanī 3 S. 137: „Leuchtend wie die junge Sonne auf dem Yugandhara-Gebirge...“ (... Yugandharapabbate bālasuriyo viya virocamāno...).

c8.s2.t2.17

Der grosse Ozean und die Weltinseln. Den siebten, äussersten Bergring umspült der grosse Ozean. In diesem liegen nach den Hauptpunkten der Windrose die vier ausdrücklich als Inseln (dīpa, dvīpa) bezeichneten Weltteile Pūrvavideha (Osten), Jambūdvīpa (Süden), Aparagodānīya (Westen) und Uttarakuru (Norden) ¹).

c8.s2.t2.18

¹ z. B. Jātaka 6 S. 278/91 Dhammapālaparamaṭṭhadīpanī S. 104, Mahāvastu 3 S. 378, 2 S. 68, 158 usw.

c8.s2.t2.19

Beschreibung des Jambūdvīpa. In Jambūdvīpa ist das höchste Gebirge der Himavat, der nach Aṭṭhasālīnī S. 297/8 500 Yojana hoch und 3000 Yojana breit und lang ist. Er hat 84 000 Gipfel (... yojanānam satān’ ucco Himavā pañca pabbato | yojanānam sahassāni tīni āyatavitthato | caturāsītisahassehi kūtehi paṭimaṇḍito). Auf demselben erhebt sich der Jambū-Baum, 100 Yojana breit und hoch. Seine Zweige sind 50 Yojana lang und haben einen Umfang von 15 Yojana. Von ihm führt der Kontinent seinen Namen (tipañca yojanakkhandhāparikkhepā nagavhayā, | paññāsa yojanakkhandhasākhāyāmā samantato. | Satayojanavitthiṇṇā tāvad eva ca uggatā | jambū yassānubhāvena Jambudīpo pakāsito ||). Wie die Aṭṭhasālīnī an dieser Stelle noch weiterhin ausdrücklich versichert, entspricht dem Jambū-Baum in Aparagoyāna ein Kadamba-, in Pubbavideha ein Sirīsa- und in Uttarakuru der Wunsch-Baum. In der Götterwelt soll ihm ein Pāricchataka-, in der Welt der Asura ein Cittapāṭaliyā- und in der der Garuḍa ein Simbali-Baum entsprechen (yañ c’etaṃ jambuyā pamāṇaṃ etad eva asurāṇaṃ cittapāṭaliyā, garuḷānaṃ simbalirukkhassa, Aparagoyāne kadambarukkhassa, Uttarakurū kapparukkhassa, Pubbavidehe sirīsassa, Tāvatiṃsesu pāricchattakassa ti). Nur in Jambūdvīpa werden Boddhisattva geboren, wie das Lalita-Vistara S. 19 angibt (na bodhisattvāḥ pratyantadvīpā upapadyante na Pūrvavidehe... atha tarhi Jambūdvīpa evopapadyante).

c8.s2.t2.20

Das Mahāvastu erwähnt 1 S. 212 f. eine Reihe von Völkern des Jambūdvīpa: die Aṅga, Avanti, Assaka, Kamboja, Kuru, Koliya, Gandhāra, Ceti, Pañcala, Magadha, Maccha, Vaṅga, Vansa, Vajji, Śūrasena. Diese Aufzählung stimmt fast mit der des Aṅguttara-Nikāya 1 S. 21 überein.

c8.s2.t2.21

Uttarakuru. Uttarakuru ist das Land der Seligen, und seine Bewohner führen ein göttergleiches Dasein. Sie betreiben keinerlei Tätigkeit, sondern erhalten alles, was sie wünschen, vom Wunschbaum.

c8.s2.t2.22

Dimensionen der Weltinseln. Über die Grösse der Weltinseln macht das Lalita-Vistara S. 149/50 noch einige Angaben. Darnach hat der Jambūdvīpa eine Länge von 7000, Aparagodānīya von 8000, Pūrvavideha von 9000 und Uttarakuru von 10 000 Yojana (. . . anena praveśenāyaṃ Jambūdvīpaḥ saptayojanasahasrāṇi, Godānīyo ’ṣṭau yojanasahasrāṇi, Pūrvavideho nava yojanasahasrāṇi, Uttarakurudvīpo daśayojanasahasrāṇi . . .).

c8.s2.t2.23

Jeder Kontinent wird noch von kleineren Inseln umgeben. Der südliche Buddhismus nimmt an, dass die Gesamtsumme dieser Inseln 2000 betrage, wie Dhammapāla in seiner Paramatthadīpanī 4 S. 104 ausführt (. . . dvisahassaparittādīpaparivārāṇaṃ Jambudīpādīnaṃ catunnaṃ mahādīpānaṃ issariyaṃ). Demgegenüber nehmen die Nordbuddhisten nur acht kleinere Inseln an, die je zwei und zwei zu einem grossen Kontinent gehören und auch dessen Gestalt haben ¹). Nach allgemeiner Ansicht der späteren Zeit ist nämlich Jambūdvīpa dreieckig, Uttarakuru viereckig, Pūrvavideha halbmondförmig und Aparagodānīya kreisrund, und auch ihre Bewohner sollen die gleichen Merkmale in ihrer Gesichtsform tragen. Was die spätere Zeit an Einzelheiten über die einzelnen Weltteile noch geleistet hat, wird man in der oben angeführten Literatur ausführlich vorfinden.

c8.s2.t2.24

¹ Beal: Catena S. 35 ff.

c8.s2.t2.25

Das ganze Weltall wird rings vom grossen Cakravāla-Felswall umgeben. Derselbe steht nach Atthasālini S. 297 82 000 Yojana tief im grossen Ozean, ebensoviel reicht er über denselben hervor (dveasīti sahassāni ajjhogaḷho mahannave, accuggato tāvad eva cakkavāḷasiluccayo, parikkhipittā taṃ sabbaṃ lokadhātu-m-ayaṃ thito ti). Der Durchmesser des Cakravāla-Felsens beträgt nach demselben Text 1 203 450 und der Umfang desselben 3 610 050 Yojana (eigentlich müsste es nach der indischen Rechenmethode: π = 3 heissen: 3 610 350 Yojana) (Atthasālini S. 297: ekaṃ hi cakkavālaṃ āyāmato ca vitthārato ca yojanānaṃ dvādasasatasahassāni catuttiṃsa satāni paññāsañ ca yojanāni, parikkhepato. Sabbaṃ satasahassāni chatṭiṃsa parimaṇḍalaṃ dasa ceva sahassāni adḍhuḍḍhāni satāni ca). Hinsichtlich dieser Zahlenangaben finden sich bei den Buddhisten manche Abweichungen.

c8.s2.t2.26

Der Meru, die Ringgebirge, Weltinseln, Meere und der Cakravāla-Felsen ruhen auf einer 240 000 Yojana dicken Erdschicht, diese wieder auf einer 480 000 Yojana dicken Wasserschicht und auf einer 960 000 Yojana dicken Luftschicht, das ganze auf dem leeren Raume (Atthasālini S. 297: dve satasahassāni nahutāni ca | ettakaṃ bahalattena saṅkhātā ’yaṃ vasundharā, || tassa yeva sandhārakam: cattāri satasahassāni aṭṭh’ eva nahutāni ca, | ettakaṃ bahalattena jalam vāte paṭiṭṭhitam. || tassa pi sandhārako: nava satasahassāni māluto mahamto, | saṭṭhiñ c’ eva sahassāni esā lokassa saṇṭhiti. | Jātaka 1 S. 321: . . . catunahutādhikāni dveyojanasatasahassāni bahalaghanapathaṃvī . . . 6 S. 486: . . . catunahutādhikaviyojanasatasahassabahala ayaṃ pathavī . . .).

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