Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s3: Auslautendes n (resp. ṅ)
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s3
- Language
- German
Auslautendes n (resp. ṅ)
c7.s3.1
In den bisher besprochenen Fällen war die richtige Abgrenzung gewisser lautlicher Erscheinungen nur theilweise durch die Tradition verwischt. Wir wenden uns nun zu einem neuen Gebiet, auf welchem diese Abgrenzung nach einigen Seiten geradezu vernichtet, dafür nach andern fast vollständig erhalten ist: solche Ungleichmässigkeit eben muss in der That da erwartet werden, wo nicht der consequente Gang der Sprachentwicklung die Erscheinungen allein beherrscht, sondern gekreuzt wird durch die Zufälligkeiten grammatischer Betrachtung, welche das eine Problem aufgreift, das andre liegen lässt, das eine mit glücklichem Verständnis, das andre mit verfehlter Gewaltsamkeit behandelt.
c7.s3.2
Wir beschäftigen uns mit dem Auslaut der in der Padaform auf n (ṅ) ausgehenden Worte, welches n bekanntlich theils ursprüngliches n, theils ns, theils nt repräsentirt.
c7.s3.3
Hier begegnen wir zunächst der bekannten Regel (Prât. 391), dass n und ṅ am Wortende nach kurzem Vocal und vor folgendem Vocal verdoppelt wird. Nun zeigt das Metrum, dass im ursprünglichen Text das nn (oder vielleicht noch geradezu nt?) auf die Fälle des ursprünglichen nt beschränkt war (so ṣoṣucann, âpaun, prathayann)¹), in den
c7.s3.4
¹) Ist nach dem Muster des nn für nt die Spur untergegangener Consonanten im Auslaut vielleicht noch in andern Fällen herzustellen? Wie es ahann heisst, könnte man auch an akarr u. dergl. mehr denken. In der That sind beim r die Daten des Ṛigveda einer derartigen Annahme nicht ungünstig. Ich finde freilich nur drei significante Stellen: kar IX, 92, 5, âvar VII, 75, 1, abibhar X, 69, 10; in allen diesen Fällen ist das -ar lang gebraucht, allerdings in der nicht geradezu entscheidenden viertletzten Sylbe der Triṣṭubh: aber Stellen, die für die Kürze zeugten, stehen nicht entgegen. Man erinnere sich auch an das âvar tamaḥ I, 92, 4, wo sich das r offenbar unter dem Einfluss des latent gewordenen Schlussconsonanten gehalten hat. — Hinter Muten dagegen ist der Schlussconsonant nach Ausweis des Metrums offenbar spurlos geschwunden; vergl. pûrbhid VIII, 33, 5; X, 111, 10; govid IX, 55, 3, niruṇig II, 35, 4; IX, 70, 7; ânaṭ VI, 49, 8 etc.
c7.s3.5
Fällen des ursprünglichen n dagegen — von denen des ns wird weiter unten die Rede sein — die einfache Consonanz herzustellen ist (so in Vocativen wie puruhanman, vajrin, in Locativen wie mûrdhan, ekasmin; vergl. K u h n Beitr. III, 125).
c7.s3.6
Von diesem Fall, in welchem die Spur des ursprünglichen t hinter n erhalten und dann die betreffende Erscheinung von der Diaskeuase irrig ausgedehnt ist, gehen wir zu einem zweiten ähnlichen über, der nur darin abweicht, dass hier das Metrum nicht mehr zur Controle dienen kann. Nach der in den Prâtiśâkhyen überwiegenden, im Ṛik-Prâtiśâkhya (236) wenigstens als die Ansicht einiger Lehrer angeführten Doctrin wird hinter auslautendem n vor s ein t eingeschoben. J. Schmidt (KZ. XXVI, 349) hat gezeigt, dass dies t nicht als ein physiologisch entwickelter Uebergangslaut aufgefasst werden kann, sondern dass es von den Fällen ausgeht, in denen ursprüngliches nt vorlag; nach dem Muster von agant sumatiḥ ist dann râjant soma gebildet worden. Wann nun diese Verallgemeinerung vollzogen worden ist, scheint mir auf Grund der genauen Analogie der Uebertragung des nn von âpann amṛktam auf mûrdhann asthàt mit grosser Wahrscheinlichkeit beurtheilt werden zu können: da die letztere Vermischung der beiden Fälle nach Ausweis der Metrik dem wahren Ṛiktext fremd ist, wird es auch die erste sein, bei welcher zufälligerweise das Metrum nichts ergiebt; es wird also agant sumatiḥ, aber râjan soma (râjam soma?) geschrieben werden müssen, wie ja neben der Schreibung mit t auch diejenige ohne t indische Autoritäten — die allerdings von der richtigen Abgrenzung der beiden Möglichkeiten nichts wissen — für sich hat.
c7.s3.7
Beruht nun das t vor s hinter ursprünglichem n auf moderner Uebertragung, so kann die Möglichkeit nicht abgewiesen werden, dass das t hinter n für ursprüngliches ns (asmánt samarye) ebenso zu erklären ist. Hier, wo die Diaskeuase einmal im Zuge war, Conformität zwischen Fällen, deren Verschiedenheit man vergessen hatte, herzustellen, ist eine derartige Verallgemeinerung gerade das zu Erwartende. J. Schmidt erklärt allerdings das t von asmánt samarye als lautgesetzlich aus s entstanden wie in vatsyâmi, vidvatsu. Aber dieser uralte Lautwandel des s zu t hat an den meisten Stellen schon frühzeitig Umgestaltungen erlitten, und der »äussere Sandhi« ist von allen Gebieten wohl dasjenige, wo eine derartige im Schwinden begriffene Erscheinung am wenigsten Aussicht hat sich lange zu behaupten: zu jenem t würde, wenn es lautgesetzlich zu erklären wäre, nur eine Umgebung von Sandhierscheinungen passen wie etwa ṣatruḍ bhayate, ṣatrû ḍadṛiṣe (nach dem Muster von vipruḍbhis, dûḍabha).
c7.s3.8
Glauben wir demnach die Gültigkeit des -nt s- im Ṛiktext in analoger Weise einschränken zu müssen wie diejenige des -nn vor Vocal, so ist damit auch unsre Stellung zu der Schreibung -ñ ch- für -n ṣ- gegeben. Es kann kaum bezweifelt werden, dass das -ñ ch-, genau analog dem -nt s-, aus -nt ṣ- entstanden ist¹): so divergiren denn auch über diesen Sandhi wie über jenen die indischen Autoritäten, insonderheit die Phonetiker des Ṛigveda²). Wir werden unsrerseits dem eben Ausgeführten entsprechend das -ñ ch- nur da acceptiren, wo ein t vorhanden gewesen ist (z. B. I, 100, 7 raṇayañ chûrasàtau): Fälle aber wie dasyûñ chimyûmṣ ca (das. 18) oder vajriñ chnathihi (I, 63, 5) werden wir für eine in jüngerer Zeit vorgenommene Verallgemeinerung jenes Lautwandels halten, um so mehr als wir den letzteren im Ṛv.
c7.s3.9
¹ Whitney Gramm. § 207 am Ende; J. Schmidt KZ. XXVI, 349; Brugmann Grundriss § 557, 2.
c7.s3.10
² Prâtiṣâkhya 231. 232. Whitney § 203.
c7.s3.11
auch zwischen Pâdaende und Pâdaanfang ausnahmslos vollzogen finden (z. B. VIII, 54, 3), ihn also — ebenso wie die Verdoppelung des n vor folgendem Vocal — den Sandhierscheinungen zuzählen müssen, welche die Diaskeuase auf ihre eigne Verantwortung schlechthin allgemein durchzuführen sich für befugt hielt. Als die richtige Schreibung werden wir, der Autorität des Śakalya (Prât. 232) folgend, vajriñ ṡnathibi, dasyûñ ṡimyûms ca anzusehen haben.
c7.s3.12
Dass die hier von uns angenommene Uebertragung von Erscheinungen, die dem nt angehören, auf die Sphäre des ns nicht alt ist, wird dadurch noch wahrscheinlicher, dass wir auf andern, von der Theorienbildung der Diaskeuasten zufälligerweise ziemlich unberührt gebliebenen Gebieten, denen wir uns jetzt zuwenden, die Behandlung des urspr. ns in ihrer alten Gestalt auf das Vortrefflichste erhalten finden. Wir sprechen von dem Uebergang des ns in den Anusvâra resp. ṃ¹ vor Vocalen² und sodann von der Erhaltung des Zischlauts vor folgendem t und c.
c7.s3.13
¹ Ueber die Schreibung der MSS. mit dem Zeichen des Ardhacandra vergl. M. Müller zu Ṛik-Pr. 299.
c7.s3.14
² Das Nebeneinanderstehen von -âñ api, -îñ api, -ûñ api zeigt deutlich, dass hinter -âñ derselbe in der Schrift nicht ausgedrückte Laut angenommen werden muss, der in -â api aus -âs api als Contractionshemmung wirkt.
c7.s3.15
Das Prâtiṡâkhya (284. 289, vergl. 299) grenzt die Fälle, in denen ein nach dem Standpunct der indischen Grammatik auslautendes n vor Vocalen den Anusvâra resp. ṃ ergiebt, in der Art ab, dass dieser Wandel nach langem³), nicht nach kurzem Vocal eintreten soll. Man sieht, dass diese Distinction fast vollständig mit derjenigen, auf die es in Wahrheit ankommt, zusammenfällt: ursprünglichem ns geht fast stets langer Vocal (Acc. plur.; Nom. sing. auf -ân¹); s-Aorist wie ayân), ursprünglichem n und nt fast stets kurzer Vocal voran (Nominalformen auf -an, -in; Loc. sing. des Pronomens auf -smin; 3 plur. des Verbums; Nom. sing. des Part. praes.). Unzutreffend dagegen ist das Kriterium der Vocallänge zunächst bei dem -ân für -ânt der 3 plur. Conjunctivi. Diese Form findet sich vor einem innerhalb desselben Pâda folgenden Vocal an fünf Stellen: I, 84, 18; III, 33, 8; VI, 67, 11; VIII, 79, 5; X, 10, 10: und allemal ist das -ân unverändert geblieben, also nach dem Standpunct des Prâtiśâkhya eine Ausnahme gemacht worden, die denn auch als solche verzeichnet wird (292). Man sieht, wie in diesem Festhalten einer Besonderheit, welche für die indische Grammatik schlechterdings unerklärlich sein musste, sich die treue, durch künstliche Verallgemeinerungen hier nicht getrübte Erhaltung des Textes glänzend bewährt. Ausser diesen Conjunctiven weist der überlieferte Riktext von der Regel über das Auftreten des -âñ, -îñr, -ûñr vor folgendem Vocal desselben Pâda fast keine Ausnahmen auf; von den 11 Ausnahmen, welche in der betreffenden Regel des Prâtiśâkhya (292) nach Abrechnung der Conjunctive übrig bleiben, verschwinden zwei (I, 88, 5; 120, 2), weil das -ân an einem von den Grammatikern verkannten Pâdaende steht — ein neuer Beweis davon, dass in diesen Erscheinungen der Text vorzüglich erhalten ist —; in vier andern Fällen liegen überhaupt nicht Rigverse sondern Praishatexte vor. So bleiben nur fünf wirkliche Ausnahmen übrig, welche ohne jedes Bedenken — man erinnere sich an die oben (S. 389 fg.) bei Gelegenheit des Abhinihita Sandhi entwickelten methodischen Principien — auf eine Verwirrung der Ueberlieferung zurückgeführt werden dürfen, von der es nicht befremden kann, dass sie eingetreten ist, sondern höchstens, dass sie nicht grössere Dimensionen angenommen hat¹).
c7.s3.16
³ Genauer gesagt, nach â, î, û. In Bezug auf ṛi zeigt die traditionelle Auffassung Abweichungen (Prât. 290; Lanman 429).
c7.s3.17
¹ Es handelt sich sowohl um den Nominativ der -vâms- und -yâms-Stämme (J. Schmidt KZ. XXVI, 341 fg. 386) wie um den der -vant- und -mant-Stämme, welcher in den auf ein s hindeutenden Erscheinungen mit dem Nom. jener Stämme gleichsteht (ebendas. 359; Collitz Bezz. Beitr. X, 29); auch mahân (Lanman 506) gehört hierher.
c7.s3.18
¹ Dass die Ueberlieferung hier im Ganzen Altfeststehendes giebt, das nicht nach grammatischen Theorien umgemodelt ist, zeigt sich noch darin, dass am Pādaende auch vor anfangendem Vocal des nächsten Pāda die Pausaform -āṅ richtig bewahrt ist, während z. B. in Bezug auf die Verdoppelung des n vor folgendem Vocal die Textordner sich für befugt erachteten, ihre Regel überall, also auch zwischen zwei Pādas (sofern dieselben nicht durch Avasāna getrennt waren) durchzuführen. Dass an einigen Stellen das -āṅ vor folgendem Vocal doch auch am Pādaende sich festgesetzt hat (Prātiśākhya 285: vergl. 290, 1), ist, wie bei der Natur der Pādatrennung mit absoluter Gewissheit behauptet werden kann, eben nur ein weiteres Symptom der oben besprochenen, so erklärlichen Verwirrung. Es ist übrigens bemerkenswerth, dass an den meisten der im Prāt. aufgeführten Stellen das -āṅ am Pādaende sich durch ein danebenstehendes berechtigtes -āṅ erklärt.
c7.s3.19
Die oben erwähnte Substituirung des Kriteriums der Vocallänge in der indischen Theorie, wo vom historischen Standpunct aus von ursprünglichem ns zu reden wäre, erweist sich nun neben den Conjunctivformen noch an einer zweiten Stelle als unzureichend: bei Verbalformen der zweiten Person vom Typus agan, mit ursprünglichem ns hinter kurzem Vocal²). Die Ueberlieferung giebt hier vor Vocalen stets -ann (z. B. ajagann apaḥ III, 9, 2; ahann ahim II, 11, 5; III, 32, 11 etc.), und das Metrum bestätigt die Länge. Aber ist es irgend wahrscheinlich, dass in der That -ans zu -ann und nicht vielmehr zu -aṅ wurde, da in derselben Lage -āns zu -āṅ geworden ist? Die Autorität der Ueberlieferung als solcher kann hier kaum in Betracht kommen. Wir sahen, wie die Regel über nn nach kurzem Vocal ohne die erforderliche Begrenzung aufgestellt und dann als allgemeingiltig in den Text hineincorrigirt worden ist. Wie man mûrdhann asthât für mûrdhan a⁰ sagte, so konnte man auch für ajagañ apaḥ sagen ajagann apaḥ, um so viel mehr, als hier der Einfluss der in den meisten Lagen gleichlautenden dritten Person hinzukam. Wir werden also kein Bedenken tragen, in der zweiten Person die Formen auf -añ herzustellen, welche Endung natürlich, da hinter ihr der in der Schrift nicht ausgedrückte, aus s hervorgegangene Laut anzunehmen ist (S. 427 Anm. 2), die Geltung einer Länge besitzt.
c7.s3.20
² Hierher würde auch der Genetiv dan (patir dan) gehören. Derselbe findet sich aber nur am Pādaende, einmal (I, 149, 1) vor folgendem Vocal, wo dann überliefert ist.
c7.s3.21
Haben wir so gesehen, wie die Behandlung des ursprünglichen ns vor Vocalen überall — bis auf den einen Fall, wo das Vorhergehen eines kurzen Vocals die Diaskeuasten zur Anwendung einer falsch formulirten Regel verleitete — auf vorzügliche Ueberlieferung schliessen lässt, so müssen wir jetzt dieselbe Lautgruppe vor Consonanten untersuchen. Was wir hier finden, ist leicht verständlich: vor Consonanten überwiegt das einfache n; der Zischlaut ist bis auf gewisse Ueberreste verloren gegangen; diese Ueberreste aber treten je nach der Natur des folgenden Lauts in verschiedenartiger Häufigkeit auf, am häufigsten vor c und t, mit welchen Consonanten der Zischlaut sich besonders bequem verbindet. In der Pausa erscheint nur n.
c7.s3.22
Vor tönenden Consonanten finden wir -añ, -îñr, -ûñr in einer verhältnissmässig geringen Reihe von Fällen (Prât. 287. 288; Lanman 395. 415. 512; vergl. auch Prât. 227), für deren Authenticität neben der allgemeinen hier zu erkennenden Treue der Ueberlieferung insonderheit spricht, dass als folgender Laut nie eine Muta erscheint, sondern nur y, v, r, l, h (z. B. ut panîñr hatam).
c7.s3.23
Unter den tonlosen Consonanten ist es zunächst p, vor welchem an einigen Stellen die Gruppe -ṇḥ erscheint (Prât. 297. 298): ein characteristisches Zeichen guter Ueberlieferung ist hier das Nebeneinanderstehen von nṛṇḥ pâhi śṛṇudhî giraḥ VIII, 84, 3 und rakshâ nṛṇ pâhi asura tvam asmân I, 174, 1: an der ersten Stelle gehört pâhi mit dem vorangehenden Accusativ zusammen, an der zweiten nicht.
c7.s3.24
Der Hauptsitz aber des erhaltenen s (ṣ) ist der Fall, in welchem das spätere Sanskrit den Zischlaut stets durchführt, die Stellung vor t und c. Der überlieferte Riktext grenzt hier die Erhaltung und den Verlust des s in einer Weise ab, dass im Allgemeinen das Vorhandensein alter, echter Tradition ohne Weiteres klar ist 1) und nur an wenigen Stellen eine gewiss nicht befremdende Verwirrung eingetreten zu sein scheint. Wir finden die folgende Sachlage (vergl. Prât. 293 fg.):
c7.s3.25
a) Vor ca (18 Fälle) und cid (3 Fälle) ist das s erhalten 2). Der avestische Sandhi lässt bekanntlich gleichfalls die besonders enge Verbindung eben dieser enklitischen Partikeln mit dem vorangehenden Worte erkennen. Ausnahmen finden sich in der Ṛig-Ueberlieferung bei cid nicht, bei ca nur zwei (Prât. 294): II, 1, 16 asmâñ ca; I, 72, 6 paṣûñ ca. Ich trage kein Bedenken hier den Text zu ändern. Die Entstehung der Corruptel liegt in beiden Fällen nahe. Neben paṣūñ ca steht sthātṛñ carathaṃ ca; der Sandhi der zweiten Wortgruppe hat den der ersten beeinflusst. Andrerseits neben asmāñ ca steht zwar tāṃs ca, so dass der erstere Sandhi doppelt befremden könnte: die Erklärung aber ergiebt sich aus I, 165, 14 asmāñ cakre, VIII, 3, 2 asmāñ citrābhiḥ, welche Stellen zu der Annahme geführt haben werden, dass bei asmān das s nicht eintritt.
c7.s3.26
¹ Collitz (Bezz. Beitr. X, 29) hebt die Spärlichkeit der Daten in Bezug auf die Behandlung der Nominative auf -vân und -yân der Participien und Comparative hervor. Aber die Daten für den Acc. plur. sind ziemlich reichlich, und es kann nicht bezweifelt werden, dass jene Nominative mit den Accusativen principiell auf einer Linie stehen, wie in der Ueberlieferung offenbar noch deutlicher hervortreten würde, wenn nicht zufälligerweise ca hinter den Nominativen ebenso selten wäre, wie es hinter den Accusativen häufig ist.
c7.s3.27
² ca: I, 100, 18; 140, 12; II, 1, 16; III, 6, 9; IV, 2, 2. 3; VI, 21, 9; 28, 3; 38, 3; 66, 3; VIII, 2, 4; X, 14, 3; 15, 13; 51, 8; 85, 41; 90, 3; 114, 6; 115, 9. — cid: I, 173, 8; V, 31, 2; X, 154, 1-4.
c7.s3.28
b) Von den sonstigen Fällen, in welchen das s erhalten ist, zeigen mehrere eine ähnlich intensive Verbindung der beiden Worte, wie sie bei ca und cid vorliegt: so tāṃs te’ aṣyāma IX, 91, 5 (te ist enklitisch), sarvāṃs tān VIII, 93, 6; auch devāṃs tvam paribhūr asi V, 13, 6 kann vielleicht hierhergestellt werden.
c7.s3.29
c) Es bleiben einige Fälle des erhaltenen s übrig, deren Bedingungen nicht mit Sicherheit von denen des verlorenen s zu unterscheiden sind. Accusative: IV, 33, 6; IX, 33, 6; X, 50, 4; 90, 8. Nominative: III, 44, 2; 55, 9; VIII, 33, 8; X, 4, 2. Diese Fälle aus dem Text zu beseitigen haben wir kein Recht; dass die betreffende Erscheinung in Grenzgebieten schwankend gewesen sein kann, ist klar. Andrerseits werden wir derartigen Fällen auch nicht Sicherheit der Bezeugung zuschreiben, am wenigsten, wo — wie mehrfach der Fall ist — zwischen beiden Worten die Cäsur steht: so III, 55, 9 (= X, 4, 2) antar mahāṃs carati rocanena, wo die Ueberlieferung leicht durch VIII, 33, 8 mahāṃs carasy ojasā beeinflusst sein kann.
c7.s3.30
d) Geschwunden ist das s an den beiden unter a) besprochenen Stellen vor ca, sodann noch an folgenden Stellen: Accusative: I, 72, 6 (?); 161, 4; 165, 14; II, 34, 14; VIII, 3, 2; 6, 48; 26, 4; X, 27, 2; 64, 8; 154, 4. 5; 180, 2. -- Nominative: I, 30, 14; 55, 1; 61, 7; 164, 6; IV, 21, 2; 33, 5; VI, 20, 3; 41, 4; VIII, 17, 6; X, 1, 1; 176, 3.
c7.s3.31
e) Nicht vorhanden ist das s — auch nicht vor ca und cid —, wenn ein kurzer Vocal vorhergeht, d. h. wenn das auslautende n — bis auf eine gleich zu erwähnende Ausnahme — ursprünglichem n oder nt entspricht. So in Locativen und Vocativen (varṣman tasthau, maghavan tava, kasmiñ cid) und in Verbalformen (akṛṇvan tredhâ, ajagmiran te). — Ein Beispiel — irre ich nicht, das einzige — einer Verbalform auf -an = -ans ist ahañ ca (VII, 19, 5; sicher zweite Person): ich halte für das Richtige ahaṃs ca, woraus zu der Zeit als der kurze Vocal als entscheidend für das Nichteintreten des s angesehen wurde, ahañ ca gemacht worden ist. — Der Nominativ sing. des Part. praes., der hier nur als s-lose Form in Betracht kommen kann, weist in der That im überlieferten Text, wie Lanman (506) gezeigt hat, kein s auf, auch nicht vor ca (niveṣayañ ca prasuvañ ca VII, 45, 1). Einzige Ausnahme ist avadams tvam II, 43, 3. Soll hier corrigirt werden? Mit Recht hebt Lanman hervor, dass es sich um eine besonders junge Stelle handelt. Nun zeigen mehrere der jüngeren Saṃhitâs die Formen mit s sporadisch in einer Weise, die eher an ein beginnendes Sich-einbürgern derselben, offenbar nach dem Muster der Nominative auf -vāṃs etc., als an blosse Einflüsse der Diaskeuase, bei denen grössere Consequenz zu erwarten wäre, denken lässt. So ist es wohl wahrscheinlich, dass jene späte Ṛigstelle als erster Beleg der betreffenden Neubildung gelten zu lassen ist.
c7.s3.32
Das Gesammtergebniss, welches die Erörterung auch dieses Kreises von Erscheinungen für die Beurtheilung der Ueberlieferung und für die Methode unsrer Kritik liefert, ist so klar, dass wenige Worte zur Formulirung desselben genügen werden. Soweit überhaupt naturwüchsige Ueberlieferung und nicht diaskeuastische Gleichmacherei vorliegt, bewährt sich diese Ueberlieferung als recht treu auch in Minutien. Verwirrung zwischen schwer aus einander zu haltenden Möglichkeiten ist nicht ausgeblieben, aber sie ist doch nur in bemerkenswerth geringem Umfang eingetreten. Bei gewissen Erscheinungen indessen ist die Ueberlieferung von der Diaskeuase nach irrigen Grundsätzen systematisch umgestaltet worden: wo dann das danebenliegende intacte Ueberlieferungsgebiet und ferner für einen Theil der betreffenden Erscheinungen das Metrum das Recht und zugleich den Maassstab giebt, nach welchem die verwischten Erscheinungen — auch da, wo das Metrum versagt — der Natur der Sache entsprechend hergestellt werden können und müssen.
Linked texts (2)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Ṛgvedaprātiśākhya — Śaunaka, Sanskrit