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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s5: 5. Kapitel. Die Unterwelt

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s5

Language
German

Contents

5. Kapitel. Die Unterwelt

A. Das Reich der Asura

c8.s5.t1.1

Die Asura, ihre Vertreibung aus dem Himmel und ihre neuen Wohnplätze.

c8.s5.t1.2

Die Asura sind eine Dämonenklasse, denen auch der Brāhmaṇismus und Jainismus Unterweltsräume anweist. Nach der Mythologie sollen dieselben von Śakra und seinen Genossen im Kampfe besiegt und aus dem Himmel vertrieben worden sein. Dīgha-Nikāya 2 S. 259 werden sie Brüder des Vāsava (bhātaro Vāsavass’ ete...) genannt und im Kommentar zum Dhammapada S. 272 ²) wird erzählt, dass sie ursprünglich im Tāvatimsa-Himmel wohnten. Als sie ein Trinkgelage veranstalteten, verbot Śakra seiner Umgebung sich daran zu beteiligen und liess die Asura, als sie trunken waren, an den Füssen anfassen und in den grossen Ozean hinabwerfen. Durch die Kraft ihrer guten Werke entstand ihnen an der unteren Seite des Meru der Asuravimāna und der Baum Cittapāṭali. Seitdem sind sie Antipoden und Feinde der Götter. Jātaka 1 S. 202 wird vom Reiche (bhavana) der Asura gesagt, dass es an Grösse der Welt der Tāvatimsa entspreche und den Wunschbaum Cittapāṭali enthalte, der ganz genau dem Baume Pāricchataka jener entspreche ³). Samyutta-Nikāya 4 S. 206 wird Pātāla erwähnt, wohin der Brāhmaṇismus die Asura hinversetzt. Es wird hier aber ausgeführt, dass der ungebildete gewöhnliche Mensch das unwahre und unwissende Wort sage, „im grossen Ozean liegt Pātāla“ (...tam kho panetam b. assutavā puthujjano asantam asamvijjamānam evam vācam bhāsati: Atthi mahāsamudde pātālo ti).

c8.s5.t1.3

Die Namen einzelner Asura's.

c8.s5.t1.4

Die Namen von einigen Asura werden Dīgha-Nikāya 2 S. 259 angegeben. Als eine bestimmte Klasse der Asura werden nur die Dānaveghasa genannt; als Namen einzelner Asura werden genannt: Kālakañjā, Vepacitti, Sucitti, Pahārāda, Namucī und Bali mit einigen Hundert Söhnen, die alle Veroca heissen.

c8.s5.t1.5

1) Ähnlich, aber ausführlicher Dīgha-Nikāya 3 S. 262, 267 f.
2) In etwas abweichender Form erzählt im Kalāvakajātaka; s. Andersen: Pāli reader, P. 1, S. 59 (Nr. 31).
3) Siehe auch Hardy: Manual S. 58. Beal: Catena S. 50 ff.

c8.s5.t1.6

Die Schlangengötter (Nāga), die sonst auch immer in die Unterweltsräume versetzt werden, sind nach dem Kanon die Gefolgsleute des westlichen Welthüters Virūpakkha, worüber bereits gehandelt ist. Die in Beal’s Catena S. 48 ff. angeführten buddhistischen Schriften weisen ihnen den Ozean als Wohnstätte an. Ihre Paläste sollen im Norden des Meru liegen und die der Asura im Osten desselben.

B. Die Höllen (Niraya, Naraka)

c8.s5.t2.1

Die Höllen, deren Schilderung in buddhistischen Schriften ein sehr beliebtes Thema ist, sind Straforte, deren Lage man sich unter der Erde vorstellte. Die Strafen in denselben dauern, wenn auch zum Teil ungeheuer lange, so doch nicht ewig, wie ja auch das Leben der in den Götterwelten wohnenden Wesen nicht ewig ist, sondern auch dem Kreislauf des Samsāra unterliegt. Gute und böse Handlungen bestimmen nach dem Tode des Menschen dessen sugati oder duggati, womit in den kanonischen Werken die Wanderung nach oben oder unten bezeichnet wird.

c8.s5.t2.2

Auch bei diesem Abschnitt der buddhistischen Kosmographie kann man eine ältere und eine jüngere Phase in den Anschauungen unterscheiden.

1. Die ältesten Anschauungen des Buddhismus über die Höllen

c8.s5.t3.1

Der älteste Buddhismus kennt nur sieben Haupthöllen. Dieses ergibt sich ganz klar aus einer Stelle im Aṅguttara-Nikāya 1 S. 141 f., die sich Majjhima-Nikāya 3 S. 166 und mit wenigen Varianten, aber einigen Zusätzen am Schluss 3 S. 182 f. wiederfindet. Dieser Passus gibt eine Schilderung der Vorgänge in den einzelnen Höllenabteilungen, erwähnt aber leider nur den Namen der siebten, untersten Hölle. Dieselbe führt hier den Namen Mahāniraya „Grosse Hölle“, eine Bezeichnung, die sonst der Hölle Avīci beigelegt wird. Während die sechs ersten Höllen ziemlich kurz abgetan werden, ist die Schilderung der siebten eine weitläufigere. Die in den einzelnen Abteilungen beschriebenen Qualen stimmen zum Teil mit jüngeren Höllenschilderungen überein. Unsere Stelle ist natürlich zu lang, als dass ich sie ganz zitieren könnte, ich gebe deshalb nur kurz den Inhalt derselben nach dem Majjhima-Nikāya an.

c8.s5.t3.2

In der ersten Hölle erleidet der Sünder die fünffache Fesselung. Die Höllenknechte treiben ihm glühende Eisenstücke durch Hände, Füsse und Brust (tam enam . . . nirayapālā pañcavidhabandhanan nāma kāraṇam karonti; tattam ayokhīlam hatthe gamenti . . . dutiye hatthe g., . . . pāde g., dutiye pāde g. . . ., majjhe urasmim g.).

c8.s5.t3.3

In der zweiten Hölle legen die Höllenknechte die Sünder hin und behauen ihn mit Äxten (tam enam nirayapālā samvesetvā kūṭhārīhi tacchanti . . .).

c8.s5.t3.4

In der dritten Hölle wird der Sünder kopfunten hingestellt und mit Beilen bearbeitet (tam enam . . . nirayapālā uddham pādam adho siram ṭhapetvā vāsīhi tacchanti).

c8.s5.t3.5

In der vierten Hölle wird der Sünder an einen Wagen geschirrt und über einen flammenden glühenden Boden hin- und hergetrieben (tam enam . . . nirayapālā rathe yojetvā ādittāya paṭhaviyā sampajjalitāya sañjotibhūtāya sārenti pi paccāsārenti pi).

c8.s5.t3.6

In der fünften Hölle muss der Sünder einen grossenden glühenden Kohlenberg auf- und absteigen (tam enam . . . nirayapālā mahantam aṅgārapabbatam ādittam sampajjalitam sañjotibhūtam āropenti pi oropenti pi . . .).

c8.s5.t3.7

In der sechsten Hölle stürzen die Höllenknechte den Sünder kopfüber in einen glühenden, flammenden Kupferkessel, in dem er kocht, wobei Schaum aus seinem Körper heraustritt. Während er diese Qual erduldet, geht er einmal nach oben, ein andermal nach unten, ein andermal in die Quere (tam enam . . . nirayapālā uddhaṃ pādaṃ adho siraṃ gahetvā tattāya lobakumbhiyā pakkbipanti ādittāya sampajjalitāya sañjotibhūtāya . . . So tattha pheṇuddehakaṃ paccamāno sakim pi uddhaṃ gacchati, sakim pi adho gacchati, sakim pi tiriyam . . .).

c8.s5.t3.8

Die unterste Hölle und ihre Nebenhöllen. Die siebente Hölle, der Mahāniraya, ist viereckig, hat vier Türme, ist in Teile ausgemessen, mit eisernen Mauern umgeben und mit Eisen gepflastert. Ihr Erdboden ist glühend und hat nach jeder Richtung hin hundert Yojana Ausdehnung. Von oben, unten und den Seitenwänden brechen Flammen hervor und verbrennen die Sünder. Von Zeit zu Zeit öffnet sich eine von den vier Türen und die Verdammten rennen durch die Glut nach derselben hin, um aus den Qualen zu entkommen. Bisweilen gelingt es einem, durch die offenstehende Türe zu entkommen, meistens schliesst sich die Türe aber, gerade bevor er dieselbe erreicht.

c8.s5.t3.9

Entkommt er durch die östliche Türe, so kommt er in den Gūthaniraya „Aashölle“. In dieser Höllenabteilung sind Lebewesen mit Nadeln an den Mäulern, mit denen sie Haut, Fleisch, Sehnen und Knochen der Verdammten durchbohren, um das Mark derselben zu fressen.

c8.s5.t3.10

Neben dem Gūthaniraya liegt der Kukkuḷaniraya (Sanskr.: Kukūla „Hölle mit Pfählen“), wo die Sünder gepeinigt werden.

c8.s5.t3.11

Neben diesem Qualort liegt der Simbalivana (Sālmalī-Wald). Dieser ist hundert Yojana hoch, mit sechzehn Aṅgula langen Dornen versehen und glühend heiss. In diesem müssen die Verdammten auf- und abklettern.

c8.s5.t3.12

Unmittelbar neben dem Simbalivana liegt der grosse Asipattavana (Schwertblätterwald). Ein Windstoss bewegt die Blätter und diese schneiden den in ihm befindlichen Sündern die einzelnen Glieder ab.

c8.s5.t3.13

Unmittelbar neben dem Asipattavana liegt die Kṣārodakā nadī (der Fluss „Ätzlauge“). In diesen fallen die Sünder mit ihren verwundeten Körpern hinein und erleiden grosse Qualen. Mit Hacken fangen die Höllenknechte sie aus dem Salzwasser auf und werfen sie auf den Boden. Ihren Hunger und Durst stillen sie, indem sie ihnen mit glühenden Eisenpflöcken den Mund öffnen und als Speise glühende Eisenkugeln hineinwerfen und als Trank glühendes rotes Eisen hineingiessen, das ihnen das ganze Innere verbrennt und am unteren Körperende wieder herauskommt. Alsdann werfen die Höllenknechte sie wieder in den Mahāniraya zurück.

c8.s5.t3.14

Sonstige Erwähnung von Höllennamen in den älteren Teilen des Kanons. Erwähnt werden mit Namen sonst in den älteren Teilen des Kanons folgende Höllen. Samyutta-Nikāya 1 S. 92 wird die Hölle Mahāroruva, Majjhima-Nikāya 1 S. 333 die Hölle Sañjīva, Samyutta-Nikāya 4 S. 307 die Hölle Pahāsa und Aṅguttara-Nikāya 5 S. 172 und Samyutta-Nikāya 1 S. 151 in übereinstimmendem Wortlaut die Paduma-Hölle genannt. Was es mit letzterer für eine Bewandtnis hat, wird sich gleich zeigen. Majjhima-Nikāya 1 S. 337 wird gesagt, dass der Mahāniraya die drei Namen hat: chaphassāyatanika (ṣaṭsparśāyatanika), saṅkusamāhata (śaṅkusamāhata) und paccattavedaniya (pratyātmavedanīya) ¹).

c8.s5.t3.15

¹ Windisch übersetzt diese Ausdrücke in seinem Werk Māra u. Buddha (1895) S. 156 Anm. 1: „auf die sechs Sinnesbereiche bezüglich“, „mit Pfählen durchbohrt“, „mit individuellen und besonderen Schmerzen verbunden“.

c8.s5.t3.16

Die Dauer der Höllenqualen. Die Dauer der Qualen in der Hölle wird in etwas eigentümlicher Weise ausgedrückt. Aṅguttara-Nikāya 5 S. 173, Samyutta-Nikāya 1 S. 151 f. und Suttanipāta S. 123 f. wird in fast übereinstimmendem Wortlaut ausgeführt, dass, wenn man von einem Haufen Sesamkörner von zwanzig Khari (ein bestimmtes Hohlmass) jedes Jahrhundert oder Jahrtausend ein Körnchen wegnehmen würde, die Zeit, die zur Wegschaffung des ganzen Haufens nötig wäre, noch nicht einer Abbuda-Hölle gleichkommen werde. Wie weiter gelehrt wird, sind

c8.s5.t3.17

| 20 | Abbuda-Höllen | gleich | einer | Nirabbuda-Hölle, |
| 20 | Nirabbuda-Höllen | " | " | Ababa-Hölle, |
| 20 | Ababa-Höllen | " | " | Ahaha-Hölle (Saṃyutta-Nik.: Aṭaṭa-), |
| 20 | Ahaha-Höllen | " | " | Aṭaṭa-Hölle (Saṃyutta-Nik.: Ahala-), |
| 20 | Aṭaṭa-Höllen | " | " | Kumuda-Hölle, |
| 20 | Kumuda-Höllen | " | " | Sogandhika-Hölle, |
| 20 | Sogandhika-Höllen | " | " | Uppalaka-Hölle, |
| 20 | Uppalaka-Höllen | " | " | Puṇḍarīka-Hölle, |
| 20 | Puṇḍarīka-Höllen | " | " | Paduma-Hölle. |

c8.s5.t3.18

Dass man sich diese Liste nicht als eine Aufzählung von Höllen zu denken hat, wie es in späterer Zeit geschah, ergibt sich aus folgendem. Nach der Abhidhānappadīpikā stellt die Reihe: Abbuda, Nirabbuda, Ahaha, Ababa, Aṭaṭa, Sogandhika, Uppala, Kumuda, Puṇḍarīka und Padma die achte bis siebzehnte Potenz von 10 000 000 dar ¹). In ähnlicher, oft noch komplizierterer Weise pflegen Brāhmaṇen und Jaina hohe Zahlen auszudrücken. Ausdrücklich sagt aber noch eine Stelle des Kommentars zum Sutta-Nipāta ²), dass unter Abbuda keine bestimmte Hölle zu verstehen sei, sondern dass dieser Ausdruck nur den Ort in der Hölle Avīci bezeichnen wolle, wo man eine Zeit, deren Länge eben durch Abbuda ausgedrückt wird, büssen muss. Was die Spekulation aber dann aus diesem Zahlensystem später gemacht hat, werden wir gleich sehen.

c8.s5.t3.19

¹ Siehe Anhang.

c8.s5.t3.20

² Die Stelle wird zitiert von L. Feer in: Journal Asiatique S. VIII, T. 20 S. 220: „Ambudo nāma pātieko niriyo natthi, Avicimhi niraye pana Ambudagaṇanāya paccitabbaṭṭhānesetaṃ nāmam Nirambudādīsu pi eseva nayo, vassagaṇanāpi panettha evam veditabbā“.

c8.s5.t3.21

Nach Aṅguttara-Nikāya 1 S. 138 ff. ist der König Yama Richter in der Unterwelt, und die Seelen der Verstorbenen werden nach ihrer Ankunft von den Höllenknechten vor seinen Thron geführt.

2. Die jüngeren Anschauungen des Buddhismus über die Höllen

c8.s5.t4.1

Während man in der ältesten Zeit des Buddhismus nur sieben Höllen kannte, nahm man in jüngerer Zeit acht Haupt- oder grosse Höllen ³) und eine Anzahl von Ussada- (Utsada-) oder Neben-Höllen an, die die Haupthöllen umlagern sollen. Mahāvastu ⁴) redet von acht grossen und 16 Nebenhöllen. Nach der Anschauung der Jātaka (Kommentar) ⁵) hat jede Haupthölle 16 Nebenhöllen, und zwar je vier an jeder Seite, also zusammen 128 Nebenhöllen. In den jüngeren Berichten wird die Anzahl der Nebenhöllen oft bis ins Ungeheure potenziert. Hinsichtlich der Grösse der Haupthöllen schwanken die Angaben sehr. Nach dem Jātaka (Kommentar) ⁶) beträgt die Grösse von Avīci, der untersten Hölle, mit den Nebenhöllen 10 000 Yojana. Diese Zahl gibt Hardy ⁷) für alle Höllen an. Die Angaben, die Beal den Werken der chinesischen Buddhisten entnimmt, differieren stark von einander. Nach dem Mahāvastu ¹) haben die Höllen nach jeder Richtung hin nur eine Ausdehnung von 100 Yojana. Nach dem gleichen Text und den Jātaka (Kommentar) ²) sind sie viereckig, haben an jeder Seite je vier Türen und sind in einzelne Abteilungen abgetrennt. Der Fussboden ist von Eisen und glüht, und ein neun Yojana breiter eiserner Wall umgibt eine jede Hölle ³). Alle Höllen haben ein schauerliches Aussehen. Im Folgenden geben wir eine Schilderung der einzelnen Höllenabteilungen, sowie eine Angabe der Verbrechen, die den Aufenthalt in irgendeiner derselben nach sich ziehen.

c8.s5.t4.2

³ Beal: Catena S. 56 ff.

c8.s5.t4.3

⁴ 1 S. 244.

c8.s5.t4.4

⁵ S. 271.

c8.s5.t4.5

⁶ 5 S. 271.

c8.s5.t4.6

⁷ Manual S. 26.

c8.s5.t4.7

¹ S. 9, 3 S. 454.

c8.s5.t4.8

² 5 S. 272.

c8.s5.t4.9

³ Jātaka (Comm.) 5 S. 272.

c8.s5.t4.10

1. Samjīva.

c8.s5.t4.11

Nach der Schilderung der Jātaka (Kommentar) ⁴) zerstückeln die Höllenknechte die Verdammten mit glühenden Waffen verschiedener Art. Diese leben sofort wieder auf, um alsdann dieselben Leiden von neuem zu erdulden. Nach dem Mahāvastu ⁵) bearbeiten sich die Verdammten mit Äxten und Beilen, wobei sie kopfunten dahängen. Dann wachsen ihnen eiserne Nägel wie Schwerter von selbst an den Fingern und hiermit zerfleischen sie sich wütend. Sind sie bewusstlos geworden, so erweckt ihnen ein kalter Windhauch wieder das Leben, worauf sich dieselben Leiden wiederholen. Von diesem Wiederbeleben soll die Hölle ihren Namen haben.

c8.s5.t4.12

⁴ 5 S. 270 ff.; s. auch bei den weiteren Höllen.

c8.s5.t4.13

⁵ 1 S. 4 ff., 3 S. 454 ff.; s. auch bei den weiteren Höllen.

c8.s5.t4.14

Sie ist bestimmt für Feindselige, Gegenkönige, Räuber und Krieger, die hier in ganz besonderer Weise ihre feindseligen Gesinnungen einander zeigen. Nach Beal sollen hier Menschen bestraft werden, die in ihrem vergangenen Leben (in feindseliger Weise?) in Gedanken, Worten und Werken gesündigt haben.

c8.s5.t4.15

2. Kālasūtra.

c8.s5.t4.16

Nach den Jātaka binden die Höllenknechte die Verdammten an einander, werfen sie auf den glühenden Fussboden und zerstückeln sie mit glühenden Beilen, nachdem sie eine „schwarze Schnur“ (Kālasutta) darübergelegt haben. Nach dem Mahāvastu werden die Körper derselben mittelst eines Kālasūtra an einander gereiht (Beal S. 61: . . . lashed with burning iron wires . . .) und dann mit Beilen und andern Mordinstrumenten bearbeitet. Sind sie in Stücke zerschlagen, so erstehen sie wiederum zu neuem Leben. Während Sénart Kālasūtra als ein Marterinstrument („un certain instrument de supplice“) ⁶) auffassen möchte, übersetzt es L. Feer in der eben angegebenen Weise ⁷).

c8.s5.t4.17

⁶ Mahāvastu 1 S. 373; s. auch S. 384.

c8.s5.t4.18

⁷ Journal Asiatique S. 8, T. 20, S. 192. Über den Ausdruck Kālasūtra und die verschiedenen Übersetzungsversuche s. F. W. K. Müller in: Ethnologisches Notizblatt I, H. 3, S. 23 ff.

c8.s5.t4.19

Diese Hölle ist bestimmt für Lügner, schlechte Söhne, schlechte Frauen usw.

c8.s5.t4.20

3. Samghāta.

c8.s5.t4.21

In dieser Hölle werden die Sünder herdenweise zwischen glühende Berge aus Eisen getrieben, die sich dann einander nähern und jene zerquetschen, was der Hölle den Namen gegeben hat.

c8.s5.t4.22

Hier büssen alle die, die Lebewesen getötet oder gequält, auch jene, die Lauseier oder Läuse usw. mit den Nägeln zerdrückt haben.

4. Raurava

c8.s5.t5.1

Diese Hölle wird mit der nächsten Mahāraurava in den nordbuddhistischen Schriften vielfach unter dem Namen „die beiden Raurava“ zusammengefasst, bisweilen werden sie sogar kollektiv Raurava genannt. In den Jātaka führt sie den Namen Jālaroruva (Jvālaraurava). Sie hat ihren Namen daher, dass Flammen aus den frischen Wunden der Unglücklichen hervorbrechen und den ganzen Körper verbrennen. Die Unglücklichen, die diese Qualen zu leiden haben, stossen ein furchtbares Geschrei aus, was der Hölle den Namen gegeben hat. Nach dem Mahāvastu werden die Verdammten in Raurava in glühende kupferne Kessel geworfen, die mit Rauch angefüllt sind.

c8.s5.t5.2

Diese Hölle ist bestimmt für jene, die Häuser oder Wälder angezündet oder in Höhlen, Löchern, Gefängnissen usw. Feuer angelegt haben, so dass die in denselben befindlichen Lebewesen umkamen; ferner für jene, die Honig oder Betel durch Feuer vernichtet haben. Nach dem Kandjour ¹) werden in dieser Hölle auch die Diebe bestraft, während sich die Auffassung bei Beal und in der Pañcagati ²) ziemlich mit der des Mahāvastu deckt.

c8.s5.t5.3

¹ Annales de Musée Guimet, T. 5 (1883) S. 234 ff.

c8.s5.t5.4

² s. Annales de Musée Guimet, T. 5 (1883) S. 514 ff.; s. auch bei den weiteren Höllen.

5. Mahāraurava

c8.s5.t6.1

In den Jātaka wird diese Hölle Dhūmaroruva genannt. Aus den Wunden der Verdammten bricht ein ätzender Rauch hervor, der den ganzen Körper verzehrt. Nach dem Mahāvastu werden in Mahāraurava die Verdammten in ein heisses loderndes Feuer geworfen. Sie stossen ein so lautes Geschrei aus, dass es an den vier grossen Weltteilen, dem Cakravāḷa-Felsen und den Ringgebirgen widerhallt und die Menschen es sogar hören können ³).

c8.s5.t6.2

³ Mahāvastu I S. 6.

c8.s5.t6.3

Während nach der Pañcagati diese Hölle für ungetreue Verwalter, nach dem Kandjur ⁴) für Ehebrecher und nach Beal für Häretiker und Bösewichter bestimmt ist, hat das Mahāvastu abweichende Angaben. Wer hier auf Erden Wesen gefesselt hat, so dass sie Sonne und Mond nicht mehr sehen konnten, denen wird es hier ebenso ergehen, und wer früher Tieren den Kopf eingedrückt hat, dem geschieht hier das gleiche.

c8.s5.t6.4

⁴ S. 236 f.

6. Tapana

c8.s5.t7.1

Nach der Ansicht der Jātaka werden die Sünder hier an Spiesse gesteckt und gebraten. Das Mahāvastu nennt mehrere Marter, die die Sünder hier zu erleiden haben. Sie werden von Kopf bis zu Fuss mit eisernen Stampfen zermalmt. Sie sind hier in einen Raum eingesperrt, der nach jeder Richtung hin 100 Yojana misst; aus allen Wänden brechen Flammen hervor und schlagen nach der entgegengesetzten Richtung. Oder sie werden gebraten, und ihr Fleisch und Blut wird verzehrt; sind die Knochen nur mehr übrig, so entsteht ihnen von selbst wieder Haut, Fleisch und Blut, und dasselbe wiederholt sich. Nach Mahāvastu 1 S. 24 werden sie durch einen kalten Windstoss wieder in's Leben gerufen.

c8.s5.t7.2

Diese Hölle ist für alle die bestimmt, die Tiere schlachten und verzehren. Nach der Pañcagati werden hier diejenigen, die Wälder in Brand gesteckt haben, und nach dem Kanjur ¹) die Trunkenbolde bestraft.

c8.s5.t7.3

¹ S. 241 f.

7. Pratāpana

c8.s5.t8.1

Wie die Jātaka berichten, werden die Verdammten hier von den Höllenknechten mit Waffen verschiedener Art auf einen glühenden Eisenberg getrieben. Auf der Spitze angelangt, erfasst sie ein Windstoss und schleudert sie kopfüber auf die mit glühenden eisernen Spitzen gespickte Erde. Ihr Körper wird zermalmt und verbrannt. Diese Hölle heisst Pratāpana, weil sie „ativiya tāpeti“, d. h. sehr brennt. Nach dem Mahāvastu 1 S. 5 werden die Sünder auf glühende Berge getrieben. Jedoch ist die Stelle Mahāvastu 1 S. 25 verderbt, so dass man nicht weiss, ob hier von der Hölle Pratāpana die Rede ist.

c8.s5.t8.2

Nach der Pañcagati ist sie bestimmt für Ungläubige, Gegner des Glaubens und Unterdrücker der Wesen, nach Beal für Apostaten.

8. Avīci

c8.s5.t9.1

Avīci ist die beliebteste Hölle bei den Buddhisten und wird von zahlreichen Stellen erwähnt. Sie wird in den Jātaka auch Mahā(a)vīci genannt. Von oben und unten und allen Seitenwänden brechen Flammen hervor und verbrennen die Verdammten.

c8.s5.t9.2

Sie ist bestimmt für jene, die Vater, Mutter oder einen Arhat töten, vom Buddha schlecht denken, Blut vergiessen und ähnliche Verbrechen begehen. Hiermit stimmt Pañcagati und Beal ziemlich überein.

c8.s5.t9.3

Von den 128 kleinen oder Nebenhöllen finden wir nur vier näher beschrieben, und diese werden mit Avīci in Verbindung gebracht. Hievon weicht die Stelle Mahāvastu 1 S. 11 und 3 S. 155: „Saṃjīvāto ca nirmuktā kukkulam avagāhiṣu“ ab, in der sie doch offenbar mit der ersten Hölle zusammengebracht werden. Der Bericht stimmt im allgemeinen mit der oben erwähnten Stelle des Aṅguttara-Nikāya überein, und es scheint fast, als ob die Nebenhöllen aus ihr herauskonstruiert worden seien.

c8.s5.t9.4

Als erste der Nebenhöllen wird Kukkula genannt. In dieser laufen die Verdammten brennend umher. Aus dieser gelangen sie in die zweite, Kuṇapa (Aas-Hölle), wo sie von schwarzen Raubvögeln mit eisernen Schnäbeln zerfleischt werden. Aus Furcht vor ihnen flüchten sie in den Asipatravana (Eisenblätterwald), wo aber alsbald ein Windstoss die messerartigen Blätter ablöst, die dann den ganzen Körper der Unglücklichen zerschneiden. Von hier kommen sie in die vierte Nebenhölle, den Fluss Vaitaraṇī, voll heissen Salzwassers, das sie, da sie am ganzen Körper verwundet sind, furchtbar schmerzt. Höllenknechte fischen sie aus dem Flusse mit eisernen Haken, werfen sie auf den glühenden Boden und öffnen ihnen gewaltsam den Mund. Als Speise müssen sie dann glühende Eisenkugeln und flüssiges Kupfer geniessen.

c8.s5.t9.5

Die Pañcagati nennt als erste Nebenhölle Miḷhakupa (Exkrementengrube), die zweite heisst Kukulla, die dritte und vierte stimmen mit denen des Mahāvastu überein. Der Śalmali-Wald wird in den Asipatravana versetzt, und nach dem Kanjur ²) soll er auf einer Insel des Flusses Vaitaraṇī liegen.

c8.s5.t9.6

² S. 236.

c8.s5.t9.7

Die Verbrechen, die in diesen Nebenhöllen bestraft werden, gibt L. Feer ausdrücklich an¹.

c8.s5.t9.8

¹ Journal Asiatique, S. 8, T. 20, S. 202 ff.

c8.s5.t9.9

Die nordbuddhistischen Schriften zählen noch acht kalte Höllen auf, die folgende Namen haben²: Arbuda, Nirarbuda, Aṭaṭa, Hahava, Hubuva, Utpala, Padma und Mahāpadma, die, wie man auf den ersten Blick sieht, durch Spekulation aus den oben angegebenen Angaben über die Dauer der Höllenqualen in Avīcī abgeleitet sind. Sie unterscheiden sich nur durch einen grösseren oder geringeren Kältegrad von einander, besondere Marter kennen sie nicht, ebenso fehlen ihnen die Nebenhöllen. Offenbar ist die Idee derselben in Ländern entstanden, wo man eine grimmige Kälte kannte, zumal Brāhmaṇismus und Jainismus kalte Höllen wenigstens in diesem Sinne nicht kennen.

c8.s5.t9.10

² Divyāvadāna S. 67 f. Beal: Catena S. 63 f.

c8.s5.t9.11

Es erübrigt nur noch, kurz die Lebensdauer der Verdammten in den einzelnen Höllen anzugeben. Eine kurze Zusammenstellung finde ich nur bei Hardy³. Dieselbe ist, wie sich zeigen wird, insofern interessant, als die Lebensdauer der Verdammten in den einzelnen Höllen zu der Lebensdauer der einzelnen Götterklassen in einer gewissen Beziehung steht. Nach Hardy beträgt die Lebensdauer in:

c8.s5.t9.12

³ Manual S. 28.

c8.s5.t9.13

| Saṃjīva | = 160 000 Kela | (10 000 000) | von | Menschenjahren, |
| Kālasūtra | = 1 296 000 Kela | " | " | " |
| Saṃghāta | = 1 Prakoṭi 368 000 Kela | " | " | " |
| Raurava | = 8 " 2 944 000 " | " | " | " |
| Mahāraurava | = 64 " 3 568 000 " | " | " | " |
| Tāpana | = 530 " 8 416 000 " | " | " | " |
| Avīcī | = 1 Antaḥkalpa. | | | |

c8.s5.t9.14

Wenn man diese Tabelle mit den Angaben des Aṅguttara-Nikāya 1 S. 213, 4 S. 252 ff. vergleicht, ergibt sich, dass beide in einem ganz bestimmten Verhältnis zu einander stehen. Nach den Angaben des Aṅguttara-Nikāya soll die Lebensdauer der Cāturmahārājika-Götter 500 Jahre betragen; da nun ein Tag dieser Götterklasse gleich 50 Menschenjahren ist, so ist das Alter derselben 9 000 000 Menschenjahre. Nimmt man diesen Zeitraum nun als die Dauer eines Tages in Saṃjīva und multipliziert die Zahl mit 500, so ergibt sich als Lebensdauer der Bewohner der ersten Hölle 162 000 Kela von Menschenjahren. Genau stimmt die Rechnung bei der folgenden Hölle. Das Lebensalter der Trāyastriṃśa beträgt nämlich 36 000 000 Menschenjahre, gleich einem Tag in Kālasūtra; denn diese Götter sollen nach Angabe des Textes 1000 Jahre leben, in denen ein Tag gleich 100 Menschenjahren ist. Es ergibt sich als Lebensdauer der Verdammten in Kālasūtra 36 000 000 × 360 × 1000 = 1 296 000 Kela von Menschenjahren, was also mit der Angabe Hardy's vollständig übereinstimmt. Ebenso stimmt die Lebensdauer der Verdammten in Saṃghāta, wobei die Lebensdauer der dritten Götterklasse, der Yāma, als ein Tag in dieser Hölle angesetzt wird. Ungenau sind die Zahlen für Raurava und Mahāraurava, mit Beziehung auf die entsprechenden Götterklassen. Die Lebensdauer in ersterer ist nämlich das achtfache der von Saṃghāta (statt der korrekten Zahl 8 Prakoṭi 5 888 000 Kela); wie man zu der Angabe für Mahāraurava kommt, weiss ich nicht (korrekt müsste es heissen 66 Prakoṭi 3 552 000 Kela). Ganz genau ist aber wieder die Angabe für Tāpana. Interessant ist, dass für die Hölle Pratāpana keine Angabe gemacht, insofern also nur eine Siebenzahl der Höllen angenommen wird. Vereinfacht man nun die oben angegebene Liste, indem man sie in der angegebenen Weise in die Hauptfaktoren zerlegt, so ergibt sich folgendes. Das Lebensalter beträgt in:

c8.s5.t9.15

| Saṃjiva | 500 | Jahre, | 1 | Tag | ist | gleich | der | Lebensdauer der Cāturmahārājika-Götter, |
| Kālasūtra | 1000 | " | 1 | " | " | " | " | " Trāyastriṃśa- " |
| Saṃghāta | 2000 | " | 1 | " | " | " | " | " Yāma- " |
| Raurava | 4000 | " | 1 | " | " | " | " | " Tuṣita- " |
| Mahāraurava | 6000 | " | 1 | " | " | " | " | " Nirmāṇarati- " |
| Tāpana | 16000 | " | 1 | " | " | " | " | " Paranirmitavaśavartin-Götter, |
| Avīcī | | 1 | Antaḥkalpa. | | | | | |

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