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Das Ramayana: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c12: Uttara-Kaṇḍa

Das Rāmāyaṇa: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c12

Language
German

Uttara-Kaṇḍa

c12.1

1¹). Die Ṛishi aller Länder mit Agastya an der Spitze kommen zu Râma und werden vom Thürhüter angemeldet, vor ihn geführt und feierlich von ihm empfangen. Die Ṛishi preisen ihn wegen seines Sieges, namentlich aber wegen der Besiegung Indrajit's. Neugierig fragt Râma, weshalb sie Indrajit für stärker als die übrigen Râkshasa hielten. Sie möchten ihm dessen Geschichte erzählen.

c12.2

¹ Ich habe den ersten Teil des Uttarakâṇḍa bis zum 37. Gesang Râvaṇeïs genannt. Dieses Stück, dem die Vorgeschichte Hanumat's, Gesang 35 und 36 angehängt ist, bildet eine besonderen, in sich abgeschlossenen Cyklus. Die Fortsetzung des echten Râmâyaṇa beginnt mit dem 37. Gesang, der direkt an das Ende des 6. Buches anknüpft. Zur besseren Übersicht gebe ich hier den Stammbaum des Râvaṇa.

c12.3

2. Agastya erzählt: im Kṛitayuga lebte der Sohn des Prajâpati Pulastya. Als er einst auf dem Meru in Tṛiṇabindu's Einsiedelei Äskese übte, kamen schöne Mädchen dorthin. Über diese Störung erzürnt, flucht er, dass diejenige schwanger werden sollte, die sich dort sehen liesse. Die übrigen hören den Fluch und meiden den Ort, nur Tṛiṇabindu's Tochter hatte ihn nicht gehört, kommt dorthin und wird schwanger. Als ihr Vater dies erfährt, giebt er sie dem Pulastya zur Frau. Sie gewinnt seine Zufriedenheit und gebiert ihm den Viçravas, der seinem Vater an Frömmigkeit glich. 3. Dem Viçravas gab Bharadvâja seine Tochter Devavarṇinî. Er erzeugte mit ihr einen Knaben, namens Vaiçravaṇa. Als dieser lange Busse gethan, wird ihm Brahman geneigt und verleiht ihm die 4. Welthütersteile (neben Yama, Indra und Varuṇa) als Herr der Schätze und dazu den himmlischen Wagen Pushpaka. Von seinem Vater wird ihm zum Wohnort Laṅkâ, die vom Viçvakarman auf dem Gipfel des Berges Trikûṭa jenseits des südlichen Weltmeeres erbaute und von den Râkshasa verlassene Stadt, angewiesen. Dort finden sich die Râkshasa wieder ein. Vaiçravaṇa besucht voller Pietät dann und wann seine Eltern.

c12.4

4. Râma fragt nach dem Ursprung der Râkshasa, wenn sie nicht von Pulastya abstammten, und dem Grunde ihrer Vertreibung aus Laṅkâ. Ayastya erzählt, dass Prajâpati, als er das Wasser geschaffen, zu dessen Schutze Wesen angewiesen hätte. Diese hätten gesagt: rakshâmah, andere: yakshâmah. So seien die Râkshasa und Yaksha entstanden. Die beiden Fürsten der Râkshasa waren Praheti und Heti. Letzterer zeugte mit Bhayâ, Kâla's Schwester, den Vidyutkeça. Dieser heiratete der Sandhyâ Tochter Sâlakaṭamkaṭâ, die einen Sohn

c12.5

| Pulastya | | |
| mit Devavarṇinî | Viçravas | mit Kaikasî, Sumâli's Tochter |
| Vaiçravaṇa | | Râvaṇa, Kumbhakarṇa, Çûrpaṇakhâ und Vibhîshaṇa |

c12.6

gebar und ihn verstiess. Den weinenden Knaben erblickten Çiva und Umâ. Letztere machte ihn seiner Mutter gleichaltrig, ersterer unsterblich; dazu schenkte er ihm die in der Luft fliegende Stadt. Umâ verlieh den Râkshasinnen, dass sie sogleich nach der Empfängnis gebären und die Söhne ihnen gleichalterig sein sollten. 5. Der Sohn hiess Sukeça. Ihm gab der Gandharva Grâmaṇi seine Tochter Devavatî. Mit ihr erzeugte Sukeça den Mâlyavat, Sumâli(n) und Mâli(n). Diese thaten auf dem Meru Busse, sodass ihnen Brahman Unbesiegbarkeit und langes Leben verlieh. Darauf bekämpften sie Götter und Dämonen. Ihnen weist Viçvakarman die von ihm erbaute Stadt Lankâ auf dem Trikûṭa als Zuflucht an. Die drei Brüder heiraten die drei Töchter der Gandharvin Narmadâ. Mâlyavat erzeugt mit Sundari: Vajramuṣṭi, Virûpâksha, Durmukha, Suptagha, Yajnakopa, Matta, Unmatta und Analâ; Sumâli mit Ketumati: Prahasta, Akampana, Vikaṭa, Kâlikâmukha, Dhûmrâksha, Daṇḍa, Supârçva, Saṃhrâdin, Praghasa, Bhâsakarṇa, Râkâ, Pushpotkaṭâ, Kaikasî, Kumbhinasi; Mâli mit Vasudâ: Anila, Anala, Hara und Sampâti, des Vibhîshaṇa Räte. 6. Die von den drei Brüdern bedrängten Götter wenden sich um Hülfe an Çiva; der weist sie an Viṣṇu, welcher ihnen Beistand zusagt. Mâlyavat, der dies in Erfahrung gebracht hatte, teilt es seinen Brüdern mit. Darauf ziehen die Râkshasa zum Streit gegen die Götter aus unter ungünstigen Vorzeichen. Viṣṇu zieht ihnen auf dem Garuḍa entgegen. 7. Viṣṇu aber treibt durch den Ton des Pâñcajanya und die Pfeile seines Bogen das Heer der Râkshasa zurück nach Lankâ. Mâli kämpft mit Viṣṇu, der ihn zuletzt mit dem cakra enthauptet. Sumâli und Mâlyavat fliehen mit dem Heere nach Lankâ. Grosse Niederlage der Râkshasa. 8. Auf der Flucht sich umwendend, leistet Mâlyavat dem Viṣṇu tapfern Widerstand. Doch zuletzt verjagt Garuḍa ihn mit seinen Flügeln. Die Râkshasa mit Sumâli an der Spitze ziehen sich aus Lankâ in die Unterwelt zurück.

c12.7

9. Sumâli schickt seine Tochter Kaikasî zu Viçravas, damit sie ihn sich zum Gatten erwähle. Sie kommt zu ihm, während er der Askese obliegt. Befragt über den Grund ihres Kommens, lässt sie ihn denselben erraten. Er nimmt sie als sein Weib an; weil sie aber zu unpassender Zeit gekommen sei, solle sie schreckliche Kinder gebären; doch auf ihr Bitten mildert er dies dahin, dass ihr letzter Sohn ihm ähnlich sein solle. Sie gebiert Daçagrîva, Kumbhakarṇa, Çûrpaṇakhâ und Vibhîshaṇa. Die ersten drei sind gottlos, letzterer gerecht. Einst besucht Vaiçravaṇa auf dem Pushpaka seinen Vater. Voller Neid stachelt Kaikasî den Daçagrîva auf, ihm gleich zu werden. Zu dem Zwecke beschliesst Daçagrîva mit seinen Brüdern, Askese zu üben. 10. Kumbharṇa liegt 1000 Jahre im Sommer zwischen zwei Feuern, den Winter über im Wasser. Vibhîshaṇa steht 5000 Jahre lang auf einem Fusse, 5000 Jahre lang blickt er in die Sonne. Daçânana fastet 1000 Jahre und opfert dann einen seiner Köpfe im Feuer. Als er so seinen 10. Kopf abschneiden will, erscheint der Pitâmaha. Den bittet er um Unsterblichkeit, doch als diese ihm verweigert wird, um Unbesiegbarkeit durch göttliche Wesen; denn vor andern fürchte er sich nicht. Pitâmaha (Prajâpati) gewährt ihm dies und ferner, dass seine geopferten Köpfe ihm auf’s neue wüchsen und er seine Gestalt nach Belieben wechseln könne. Vibhîshaṇa bittet, dass er stets gerecht sein möge, worüber erfreut ihm Pitâmaha auch noch die Unsterblichkeit verleiht. Als der Prajâpati dem Kumbhakarṇa eine Wahlgabe gewähren will, bitten die Götter, dass er nicht zum Unheil der Welt dies thun könne. Darauf begiebt sich auf Pitâmaha’s Geheiss Sarasvatî in Kumbhakarṇa’s Mund, und als derselbe nun seine Bitte thun soll, wählt er langen Schlaf. Dann verlässt ihn Sarasvatî und er merkt, dass er betrogen ist (vergl. aber VI 61).

c12.8

11. Nun kommt Sumâli mit Mârica, Prahasta, Virûpâksha und Mahodara aus der Unterwelt zu Daçagrîva und fordern ihn auf, Vaiçravaṇa aus Laṅkâ zu vertreiben. Daçagrîva lehnt es ab, feindlich gegen seinen Bruder zu handeln. Später beseitigt Prahasta sein Bedenken durch Hinweis auf den Kampf der Götter und Daitya, die ja von Schwestern abstammten. Darauf schickt er Prahasta als Boten zu Vaiçravaṇa mit der Aufforderung, ihm Laṅkâ abzutreten. Vaiçravaṇa antwortet, die Stadt sei ihm vom Vater geschenkt worden, Râvaṇa möge zu ihm kommen und mit ihm die Herrschaft geniessen. Dann geht er zu seinem Vater, um sich Rats zu erholen. Dieser rät ihm vom Streit mit Râvaṇa ab und weist ihm den Kailâsa als Wohnsitz an. Râvaṇa aber und die übrigen Râkshasa nehmen von Laṅkâ Besitz.

c12.9

12. Çûrpaṇakhâ heiratet Vidyujjihva. Auf der Jagd trifft Râvaṇa den Maya mit einem Mädchen. Dieser erzählt, dass er von seiner geliebten Frau, der Apsarase Hemâ, verlassen, sich die goldene Stadt erbaut habe. Später sei er mit seiner mannbaren Tochter in den Wald gezogen. Auch habe er noch 2 Söhne, Máyâvin und Dundhubhi. Nachdem Râv. gesagt, wer er sei, vermählt Maya seine Tochter Maṇḍodarî mit ihm und schenkt ihm die nie fehlende Lanze (mit der er Lakshmaṇa verwundete). Râv. verheiratet seine beiden Brüder, Kumbhakarṇa mit Vajrajvâlâ, der Tochter Vairocana’s, und Vibhîshaṇa mit des Gandharvakönigs Çailûsha’s Tochter Saramâ (Etymol. dieses Namens v. 27). — Die Maṇḍodarî gebiert den Meghanâda, der später Indrajit genannt wird.

c12.10

13. Als den Kumbhakarṇa die Schlafsucht befällt, lässt Rav. ihm eine geräumige Wohnung herrichten, in der er viele Jahrtausende schläft. Râv. verwüstet die Haine der Götter, worüber entsetzt Vaiçravaṇa einen Boten zu ihm schickt. Dieser erzählt, dass Vaiçravaṇa auf dem Himâlaya Busse gethan. Da sei Çiva mit seiner Gemahlin gekommen. Letztere hätte er mit dem linken Auge angesehen, worauf das Auge ihm verbrannt und gelb geworden sei (daher sein Name Ekâkshipingalin). Als er seine Busse weitere 800 Jahre fortgesetzt habe, sei Çiva ihm geneigt geworden und habe ihm seine Freundschaft angeboten. Durch ihn habe er Kunde erhalten von Râv.'s gottlosem Thun; er möge dasselbe lassen. Râv. gerät darbrachte. Erschreckt verwandeln sich die Götter in Tiere: Indra in einen Pfau, Yama in eine Krähe, Kubera in eine Eidechse und Varuna in eine Gans. Râv. fordert den König zum Kampf oder zur Unterwerfung auf. Als er sich nach einigen ironischen Gegenworten zum Kampfe bereitet, hält ihn Samvarta zurück. Râv. betrachtet dies als Unterwerfung, verschlingt die anwesenden Rishi und zieht weiter. Die Götter aber verleihen den Tieren, deren Gestalt sie angenommen hatten, die Vorzüge, die sie jetzt besitzen, bis dahin aber noch nicht besassen.

c12.11

19. Dem Râv. unterwerfen sich die Könige: Dushkanta, Suratha, Gâdhi, Gaya und Purûravas. Anaranya, König von Ayodhyâ, nimmt den Kampf an. Sein Heer wird in die Flucht geschlagen, er selbst nach tapferer Wehr von Râv. durch einen Faustschlag zu Boden geschleudert. Sterbend flucht er ihm, dass ein Spross aus seinem Geschlecht, Râma, ihn töten werde (vergl. VII 60, 8 ff.).

c12.12

20. Râv. trifft den auf einer Wolke stehenden Nârada an, der sich mit seiner Tapferkeit zufrieden erklärt, aber ihm vorwirft, dass er die gequälte, dem Tode ja ohnehin verfallene Menschheit bekämpfe. Er solle den Todesgott selbst besiegen. Râv. nimmt diesen Vorschlag bereitwillig an. 21. Nârada eilt zu Yama Vaivasvata, um ihn vorzubereiten. Da zieht schon auf dem Pushpaka Râv. in die Unterwelt ein. Er sieht die Strafen der Bösen und die Freuden der Glückseligen. Als er die Bestraften in Freiheit setzt, gerät er in Kampf mit den Dienern Yama's. Von allen Seiten stürmen sie kämpfend gegen Râv. und seine Räte an. Zuletzt verbrennt Râv. sie mit der Pâçupata-Waffe. 22. Nun zieht Yama selbst auf seinem Wagen gegen Râv. zu Felde. Es entsteht ein langer furchtbarer Kampf, in dem Râv.'s Räte vor dem Mrityu fliehen. Zuletzt ergreift Yama den Kâladanda, um ihn gegen Râvana zu schleudern. Doch der Pitâmaha bittet ihn, dass er nicht sein Wort, dem Râv. gewährten Wunsch, unwahr machen möge. Yama willfährt ihm und verschwindet, da er Râv. nicht töten darf. Der aber feiert seinen Sieg.

c12.13

23. Râv. will nun Varuna aufsuchen. Er unterwirft die Nâga in Bhogavatî, wo Vâsuki herrscht. Dann kämpft er mit den Vivâta kavaca Daitya, bis Pitâmaha ihnen zu einem Bündnis rät. Darauf besiegt er die Kâlakeya in Açmanagara und tötet seinen Schwager Vidyujjihva und 400 Daitya. Zuletzt gelangt er nach Varuna's Wohnsitz, wo die göttliche Kuh Surabhi weilt. Er erschlägt die Thorwächter und lässt Varuna zum Zweikampfe auffordern. Es kommen die Söhne und Enkel Varuna's unter Go und Pushkara mit einem Heere, das aber von Râv.'s Gefährten geschlagen wird. Nach tapferm Kampfe unterliegen auch die Varuniden. Da Varuna's Minister Prahâsa sagt, dass Varuna im Brahmaloka sei, so zieht Râv. triumphirend nach Lankâ zurück.

c12.14

24. Râv. raubt dann Götter-, Dämonen- und Rishi-Mädchen und Frauen und führt sie gewaltsam im Pushpaka mit nach Lankâ. Dort angekommen, wird er von der jammernden Çûrpanakhâ mit Vorwürfen überhäuft, dass er ihren Gemahl getötet habe. Râv. entschuldigt sich, so gut er kann, mit seiner blinden Kampfeswut und weist ihr mit ihrem Neffen Khara, dem er ein Heer von 14000 Râkshasa unter Dûshaṇa's Führung giebt, als Residenz das Daṇḍaka-Land an. Dort herrscht Khara.

c12.15

25. Dann geht er in den Nikumbhilâ-Hain, wo sein Sohn Meghanâda opfert, wie ihm dort Uçanas erklärt, und erzählt die wunderbaren Gaben, die er erlangt habe. Râv. aber nimmt ihn und Vibhîshaṇa mit in seine Wohnung. Letzterer macht ihm Vorwürfe wegen des Frauenraubs und berichtet ihm, dass Madhu die Kumbhinasî, ihre „Schwester“, geraubt habe. Sumâlin's ältester Bruder Mâlyavat sei der „älteste Vater“ ihrer Mutter, dessen Tochter sei Analâ und deren Tochter Kumbhinasî. Die habe der Râkshasa Madhu geraubt; es sei dies die gerechte Strafe für Râv.'s Frauenraub. Râv. in hellem Zorn zieht mit einem grossen Heere aus, um Rache an Madhu zu nehmen. In dessen Stadt angelangt, fleht ihn aber Kumbhinasî an, ihren Gatten zu schonen. Râv. sagt ihr dies zu und schliesst mit Madhu Freundschaft. Dann zieht er weiter zum Kailâsa, wo er sein Heer lagern lässt.

c12.16

26. In einer entzückenden Mondnacht sieht er die Rambhâ, der er sich verliebt nähert. Sie sagt, sie sei seines „Sohnes“ Gattin und ginge nun zum Stelldichein mit ihrem Gatten, Nalakûbara, Vaiçravaṇa's Sohn. Trotzdem vergewaltigt sie Râv. Rambhâ geht dann zu ihrem Gatten und erzählt ihm alles. Dieser flucht feierlich dem Râv., dass ihm, wenn er noch einmal ein Mädchen notzüchtige, das Haupt in 7 Stücke zerspringen solle. Die Götter hören diesen Fluch und freuen sich über das Râv. drohende Geschick.

c12.17

27. Nun dringt Râv. mit seinem Heere ein in die Welt Indra's. Dieser bittet Vishṇu um Beistand, Vishṇu aber sagt, er könne nicht wegen Brahman's Wort; doch werde er später den Tod Râv.'s verursachen. Es beginnt dann die Schlacht zwischen den Göttern und Râkshasa, in der sich einerseits Sâvitra, der achte Vasu, anderseits Sumâli hervorthut. Im Zweikampf erschlägt Sâvitra den Sumâli mit einer Keule. 28. Darauf wütet Meghanâda in der Schlacht. Ihm stellt sich Jayanta, Indra's Sohn, entgegen; doch nach längerem Kampfe rettet ihn Puloman, sein mütterlicher Grossvater, indem er ihn in den Ocean bringt. Da zieht Indra selbst auf seinem Wagen mit Mâtali in die Schlacht; ihm tritt Râv. entgegen. Die beiden kämpfen zusammen. Finsternis hüllt alles ein. 29. Der Kampf wird fortgesetzt. Râv. bereitet sich zu einem grossen Schlage gegen die Götter vor. Indra will ihn gefangen nehmen lassen und stellt sich ihm entgegen. Da bekämpft Meghanâda diesen und bindet ihn durch seinen Zauber. So befreit er den von den Göttern sehr bedrängten Râv. und führt Indra gefangen fort. 30. Prajâpati an der Spitze der Götter begiebt sich nach Lankâ und bittet Meghanâda um Freilassung Indra's. Er habe sich den Namen Indrajit verdient. Indrajit bittet erst um Unsterblichkeit, und als ihm diese nicht gewährt wird, dass er nur besiegt werden könne, wenn er nicht vor der Schlacht geopfert habe; auch solle ihm Agni's Wagen zuteil werden. Nachdem ihm dies bewilligt worden ist, giebt er Indra frei. Die Götter ziehen ab. Der Pitâmaha erinnert Indra an Ahalya, die er geschaffen und dem Gotama zum Weibe gegeben habe. Indra habe sie aber vergewaltigt. Darüber sei Gotama gekommen und habe ihm geflucht, dass er von einem Feinde werde gefangen genommen werden; die Ahalya aber habe er verstossen und zur Strafe ihre Schönheit den übrigen Wesen auch zugeteilt. Auf Ahalya's Bitte habe Gotama als Ende der Verstossung den Besuch Râma's in ihrer Einsiedelei angesetzt (vergl, I 48. 49).

c12.18

31. Râma fragt den Agastya, ob damals keine Könige und Helden gewesen, die Râv.'s Übermut gestraft hätten. Agastya erzählt: In Mâhishmatî herrschte Arjuna Kârttavîrya, der Herr der Haihaya. Als dieser sich mit seinen Weibern an der Narmadâ ergötzte, kam Râv. in der Stadt an. Er eilte dann nach dem Vindhya und der Narmadâ, um mit Arjuna zu kämpfen. Beschreibung der Narmadâ. Bad in derselben. Blumenopfer. Verehrung des Linga. 32. Nicht weit von jener Stelle badete Arjuna mit seinen Frauen in der Narmadâ, und zum Scherz hemmte er mit seinen tausend Armen den Strom, sodass er rückflutend die Blumenspende Râv.'s fortschwemmte. Dieser schickt Çuka und Sâraṇa, um die Ursache zu erkunden, und nachdem er sie erfahren hatte, bricht er dahin auf. Die Räte Arjuna's stellen sich ihm entgegen, werden aber von seinen Gefährten niedergemacht. Jetzt eilt Arjuna selbst herbei, schlägt den ihn bekämpfenden Prahasta mit seiner Keule nieder, worauf die übrigen Gefährten Râv.'s fliehen. Râv. besteht einen heissen Kampf mit Arjuna, wird aber zuletzt von ihm kampfunfähig gemacht. Arjuna fesselt ihn und führt ihn trotz des Widerstandes der Gefährten in seine Stadt als Gefangenen ab. 33. Pulastya besucht Arjuna und bittet ihn, Râv. freizulassen. Dieser thut es und schliesst mit ihm Freundschaft.

c12.19

34. Râv. kommt nach Kishkindhâ. Doch Vâlin ist fortgegangen, um an den 4 Weltmeeren das Sandhyâvandanam zu machen. Râv. eilt ihm an den südlichen Ocean nach, wird aber von ihm ergriffen und am Schurz hängend zu den übrigen Meeren und dann nach Kishkindhâ mitgeführt. Râv. bittet dann Vâlin um seine Freundschaft, die vor dem Feuer geschlossen wird.

c12.20

35. Auf Râma's Befragen erzählt Agastya Hanumat's Jugendgeschichte. Auf Sumeru herrschte Kesarin. Dessen Frau, Anjanâ, gebiert, von Vâyu schwanger, in einem Dickicht einen Knaben und verlässt ihn dort. Der hungrige Knabe hält die aufgehende Sonne für eine Frucht und springt ihr nach, worüber ängstlich Vâyu ihm nacheilt. Râhu sieht, dass der Knabe die Sonne ergreifen will, und begiebt sich zu Indra, bei dem er sich beklagt, dass ein anderer die ihm bestimmte Sonne ergreifen wolle. Indra will ihm zu seinem Rechte verhelfen und zieht auf dem Airâvata aus. Als aber der Knabe den Râhu erblickte, stürzt er sich auf diesen, doch Indra legt sich ins Mittel und zerschmettert dem Knaben mit seinem Donnerkeil eine Backe. Vâyu birgt ihn in einer Höhle und stellt seine Thätigkeit bei den lebenden Wesen ein, worauf diese steif werden und erkranken. Die Götter klagen dies dem Prajâpati, der mit ihnen dann zum Vâyu geht. 36. Vâyu fällt dem Prajâpati zu Füssen. Dieser berührt ihn und seinen Sohn mit seiner vedenkundigen Hand, worauf die erkrankten Geschöpfe wieder gesunden. Dann verleihen die Götter dem H. verschiedene Gaben und kehren in den Himmel zurück. Vâyu bringt H. seiner Mutter. Auf die ihm verliehenen Gaben vertrauend, begeht er allerlei groben Unfug gegen die Rishi, weshalb diese ihm fluchen, dass er seine Kraft und Vorzüge nicht kennen solle. So kam es, dass er, trotzdem er seit seiner Kindheit mit Sugrîva, Riksharajas' Sohn, eng befreundet war, diesem nicht gegen Vâlin half. H. war aber auch ein berühmter Grammatiker und verstand sich auf alle Künste.

c12.21

Nachdem Agastya dies erzählt, verabschiedet er sich mit den übrigen Rishi von Râma, der sie alle auffordert, ihn häufiger zu besuchen und seine Opfer zu leiten.

c12.22

37. Am Morgen nach seiner Weihe wird Râma von den bandin geweckt und verrichtet die üblichen Morgengeschäfte. Dann kommen seine Brüder, die Affen, die Minister und Grossen. Da werden allerlei fromme Geschichten erzählt. 38. Râma entlässt Janaka in Begleitung Bharata's, Kekaya in der Lakshmana's, ferner Pratardana, König von Kâçi, und alle übrigen kgl. Gäste. 39. Die Könige kehren in ihre Heimat zurück und schicken dem Râma Geschenke. Râma beschenkt die Affen und bewirtet sie sowie die übrigen Genossen 2 Monate lang. 40. Râma entlässt Sugrîva, Angada, Hanumat, der sich immer an der Geschichte Râma's erfreuen und so lange wie sie leben wird. Auch Vibhîshana verabschiedet sich. Die Affen, Bären und Râkshasa trennen sich von Râma.

c12.23

41. Auf Vaiçravana's Befehl stellt sich das Pushpaka wieder bei Râma ein, um stets sein Gefähr zu sein. Râma nimmt es an und entlässt es; es solle sich einstellen, wenn er seiner gedenke. Bharata preist Râma. 42. R. ergötzt sich mit S. im Açokahain. Morgens verrichtet er seine Regierungsgeschäfte, und sie liegt ihren religiösen Pflichten ob. Nachmittags ergehen sie sich zusammen. S. spricht den Wunsch aus, die Einsiedeleien frommer Männer zu besuchen; R. verspricht ihr die baldige Erfüllung desselben. 43. R. erkundigt sich, was die Leute über ihn sprächen. Bhadra sagt, alle bewunderten seine Thaten, aber sie könnten nicht fassen, dass er die S. wieder zu sich genommen habe, nachdem Râv. sie entführt hatte. Dies Beispiel würde schlimme Folgen für die öffentliche Moral haben. R. entlässt betrübt seine Freunde. 44. Er lässt durch den Thürwächter seine Brüder herbeirufen. Sie kommen und werden zu ihm hinein geführt. Er begrüsst sie betrübt. 45. Er teilt ihnen den Vorwurf der Leute mit und sagt, er könne denselben nicht ertragen. Darum solle L. morgen die S. an die Grenze des Reiches, in Vâlmîki's Einsiedelei an der Tamasâ bringen. Er werde keinen Widerspruch dulden.

c12.24

46. Am Morgen beauftragt L. den Sumantra, den Wagen bereit zu machen, und holt dann die nichts ahnende S. ab. Unter Unglückszeichen fahren sie ab und übernachten an der Gomatî. Mittags langen sie an dem Ganges an, wo S. L.'s Kummer gewahr wird. Auf ihre Bitte, über den Fluss zu setzen, besteigen sie ein Schiff. 47. Während der Wagen mit Sumantra am diesseitigen Ufer bleibt, setzen sie über. Am jenseitigen Ufer angelangt, verkündet L. ihr brechenden Herzens R.'s Entschluss, sie wegen des Geredes der Leute zu verstossen. 48. Sîtâ wird vom Kummer überwältigt, doch voller Ergebung trägt sie dem L. freundliche und ernste Grüsse an ihren Gatten auf. L. kehrt an das nördliche Ufer zurück. 49. Die Kinder der Eremiten finden die weinende S. und berichten es dem Vâlmîki. Dieser begiebt sich zu ihr und redet ihr freundlich zu. Dann nimmt er sie mit sich und vertraut sie den Frauen der Einsiedler zum Schutze an.

c12.25

50. L. ergeht sich in Klagen über das unverdiente Leid, das R. treffe. Sumantra sagt, dass Durvâsas dies einst vorausgesagt habe; doch habe er ihm Stillschweigen geloben müssen. 51. Einst habe Durvâsas, Atri's Sohn, in Vasisṭha's Einsiedelei die Regenzeit verbracht. Da sei Daçaratha gekommen und habe den Muni nach den künftigen Geschicken seines Geschlechtes gefragt. Durvâsas erzählt ihm folgendes. Im Streite der Götter und Asuren hätten letztere ihre Zuflucht zur Gemahlin Bhṛigu's genommen, die Viṣhṇu deshalb enthauptet habe. Bhṛigu aber habe dem Viṣhṇu geflucht, dass er einst Mensch werden und von seiner Gattin getrennt werden solle. R. werde 11 000 Jahre leben und zwei Söhne mit der S. haben. Diese Prophezeiung habe er, Sumantra, damals gehört. L. ist sehr erfreut darüber. Bei Sonnenuntergang gelangen sie an der Keçinî an.

c12.26

52. L. kehrt zu Râma zurück und spricht ihm Trost zu. 53. R.

c12.27

dankt dem L. und sagt, dass er seit 4 Tagen seine Geschäfte vernachlässigt habe. Das sei eine grosse Sünde. So habe einst König Nṛiga bei den Pushkara Kühe an Brahmanen verschenkt. Einem Brahmanen sei seine Kuh abhanden gekommen und er habe sie lange gesucht, bis er sie endlich bei einem andern Brahmanen gesehen. Da habe er sie gerufen, und die Kuh sei ihm gefolgt; aber auch ihr bisheriger Besitzer sei ihr gefolgt. Die beiden Besitzer hätten sich gestritten und seien zuletzt zu Nṛiga gegangen, hätten aber mehrere Tage an dessen Thüre warten müssen, ohne Einlass zu erlangen. Deshalb hätten sie ihm geflucht, und Nṛiga sei in eine Eidechse verwandelt worden. Wenn Vishṇu als Vâsudeva geboren werde, werde Nṛiga dem Fluche erlöst werden. 54. R. erzählt weiter, dass Nṛiga alsdann seinen Sohn Vasu geweiht habe, und sich drei Höhlen für die 3 Jahreszeiten habe bauen lassen. Darein habe er sich zurückgezogen.

c12.28

55. R. erzählt, Nimi, Ikshvâku's 12ter Sohn, habe in der Nähe von Gautama's Einsiedelei seine Stadt Vaijayanti erbaut und dann Opfer dargebracht, die Vasishṭha hätte leiten sollen. Dieser aber hätte Aufschub verlangt, da er dasselbe Amt bei Indra übernommen habe. Nimi habe dann unter Gautama's Leitung geopfert. Als Vasishṭha endlich zurückgekehrt und seine Stelle von Gautama eingenommen gefunden habe, sei er zu Nimi gegangen. Doch dieser habe gerade geschlafen; darum habe er dem Könige geflucht, dass sein Leib bewusstlos daliegen solle. Der König habe denselben Fluch gegen Vasishṭha ausgesprochen. 56. Ohne Körper, als Luft, geht Vasishṭha zu Brahman und bittet ihn um einen neuen Körper. Brahman rät ihm, in Mitra's und Varuṇa's Samen einzugehen. Zu jener Zeit hatte Mitra das Amt Varuṇa's. Da erblickte Varuṇa die Urvaçî und entbrennt in Liebe zu ihr. Sie aber sagt, dass ihr Leib dem Mitra gehöre, doch ihre Seele liebe ihn. Darauf entlässt Varuṇa seinen Samen in einen Topf. Mitra aber flucht der Urvaçî, dass sie wegen ihrer Untreue als Mensch geboren werden und Budha's Sohn Purûravas, König von Kâçi, für einige Zeit zum Manne haben solle. Purûravas' Sohn ist Âyus, dessen Sohn Nahusha. 57. In dem Topfe, in dem Varuṇa's Samen sich befand und in den auch Mitra den seinigen gelassen, entstand aus ersterem Agastya, der nicht als Mitra's Sohn gelten wollte. Dann entstand, und zwar aus beider Samen, Vasishṭha, den Ikshvâku sofort zum Purohita wählt.

c12.29

Der Leib Nimi's wurde künstlich conservirt und ein Opfer zu seiner Wiederbeseelung abgehalten, mit Erfolg durch Bhrigu's Zustimmung. Die Götter gewährten der Seele Nimi's einen Wunsch; sie wählte in den Augen der Wesen wohnen zu dürfen, weshalb die Augen *nimishanti*. Die Rishi erquirlten Feuer bei dem Leibe Nimi's, so entstand Mithi (von *mathana*): er heisst Janaka (von *janana*) und Vaideha (von *videha*) und Maithila (von Mithi).

c12.30

58. R. erzählt. Nahusha's Sohn Yayâti hatte zwei Frauen: Çarmishṭhâ, Vṛishaparvan's Tochter, und Devayânî, des Uçanas' Tochter. Mit der ersteren zeugte er den Pûru, mit letzterer den Yadu. Die Devayânî liebte er aber nicht, worüber ihr Sohn aufgebracht sich töten will. Dies erfährt Uçanas und flucht Yayâti, dass er sofort Greis werden solle. 59. Yayâti bittet Yadu, ihm das Alter abzunehmen. Doch Yadu weist ihn an Pûru, der auch seines Vaters Bitte erfüllt. Nachdem Yayâti das Leben genossen hatte, nimmt er das Alter auf sich und weiht Pûru zu seinem Nachfolger. Dem Yadu aber flucht er, dass er Râkshasa zu Söhnen haben solle, und dass sein Geschlecht nie dem des Pûru an Würde gleich kommen solle.

c12.31

60. An einem Morgen erscheinen unter Führung des Cyavana Bhârgava die Eremiten, die an der Yamunâ wohnen, und verlangen Audienz beim Râma. Sie werden vorgelassen, und R. verspricht ihnen seine Hülfe. 61. Cyavana erzählt, dass Lola's Sohn Madhu von Rudra einen çûla erhalten habe, der alle Feinde zu Asche verbrenne und stets in seine Hand zurückkehre. Madhu habe Rudra um den Besitz dieses çûla für sein ganzes Geschlecht gebeten, Rudra habe ihm denselben aber nur für seinen Sohn zugestanden. — Madhu hatte mit Kumbhînasi, Tochter des Viçvâvasu mit Analâ, einen Sohn Lavaṇa. Der war aber sehr gottlos und bedrängte nach Madhu's Hinscheiden die Eremiten. Vor diesem möge Râma sie schützen, kein Anderer könne es. 62. R. beauftragt Çatrughna, den Lavaṇa zu töten und eine Stadt an der Yamunâ zu gründen, zu deren König er ihn sofort will weihen lassen. 63. Çatrughna hat einige Gewissensbisse und Scrupel, aber auf R.'s Befehl wird er sofort geweiht. R. giebt ihm den Pfeil, mit dem Vishṇu erst den Madhu und Kaiṭabha tötete und dann die Dreiwelt schuf. Er rät ihm, den Lavaṇa anzugreifen, ehe derselbe in seinen Palast hineingegangen sei. 64. Er giebt dem Çatrughna grosse Vorräte mit und rät ihm, den Angriff zu Anfang der Regenzeit zu machen; doch müsse er Sorge tragen, dass ihn Lavaṇa nicht sehe, weil er ihn sonst nicht besiegen könne. Çatrughna verabschiedet sich von den Seinigen.

c12.32

65. Er übernachtet in der Einsiedelei Vâlmîki's, der ihm erzählt, dass daselbst die Opferstätte des Ikshvâkuiden Saudâsa gewesen sei. In seiner Jugend habe derselbe zwei Râkshasa in Tigergestalt gesehen, von denen er einen erlegt habe. Der andere hätte ihm Rache geschworen. Als nun Saudâsa die Herrschaft an seinen Sohn Mitrasaha (oder Viryasaha) übertragen hätte, habe er dort ein Pferdeopfer dargebracht unter Vasishṭha's Leitung, bei dessen Beendigung jener Râkshasa die Gestalt Vasishṭha's angenommen und sich eine Fleischspeise erbeten habe. Als der König dem Koch den Auftrag zu deren Bereitung gegeben habe, habe der Râkshasa sich in einen Koch verwandelt und eine Schüssel mit Menschenfleisch dem Vasisṭha gebracht. Dieser habe sofort das Fleisch als Menschenfleisch erkannt und dem Saudâsa geflucht, dass es ihm als Speise dienen solle. Nun nahm Saudâsa Wasser in seine Hand, um dem Vasisṭha zu fluchen, aber seine Gemahlin verhinderte ihn daran; da sei ihm das Wasser auf die Füsse geflossen und habe Flecken auf ihnen gebildet, weshalb er Kalmâshapâda genannt worden sei. Auf seine Bitte habe Vasisṭha den Fluch dahin gemildert, dass er nur für 12 Jahre wirken, und dass später Saudâsa die Erinnerung daran verlieren solle. Nachdem Çatrughna diese grausige Geschichte gehört hatte, begab er sich in jener Laubhütte zur Ruhe.

c12.33

66. In derselben Nacht gebar Sîtâ Zwillinge, denen Vâlmîki die Namen Kuça und Lava gab.

c12.34

Am Morgen zieht Çatrughna weiter an die Yamunâ, wo er in den Einsiedeleien der Rishi 7 Tage weilt. 67. Von Çatrughna aufgefordert erzählt Cyavana der Bhr̥iguide, dass einst Mândhâṭr̥i, König von Ayodhyâ, nach Besiegung der Erde in den Himmel gegangen sei, um die Herrschaft mit Indra zu teilen. Indra aber habe ihm gesagt, er sei noch nicht vollständig Herrscher der Erde; Lavaṇa erkenne ihn noch nicht an. Da habe Mândhâṭr̥i einen Boten zu Lavaṇa gesandt, den dieser aber aufgefressen habe. Darauf sei er selbst gegen Lavaṇa gezogen, von ihm aber mit dem Çûla getötet worden.

c12.35

68. Am Morgen zieht Çatrughna weiter und stellt sich an dem Thore von Madhupura auf. Gegen Mittag kommt Lavaṇa mit einer grossen Schaar gefangener Wesen. Çatrughna fordert ihn zum Kampf heraus; Lavaṇa sagt zu, will aber seine Waffe holen. Doch Çatrughna verhindert ihn, in die Stadt einzutreten. 69. Die Beiden kämpfen miteinander. Lavaṇa schlägt Çatrughna mit einem Baume nieder; während er aber seine Herde zusammentreibt, erlangt Çatrughna das Bewusstsein wieder und legt den Pfeil Vishṇu's an. Die Götter geraten darob in grosse Angst und fliehen zu Brahman, der sie beruhigt. Çatrughna schiesst den Pfeil ab und durchbohrt Lavaṇa's Herz. Der Pfeil kehrt zu Çatrughna, und der çûla Lavaṇa's zu Rudra zurück. 70. Die Götter erscheinen und gewähren dem Çatrughna, sich eine Gunst zu wählen. Er bittet, dass er die Stadt Madhupurî (Madhurâ) neu gründen dürfe. Das geschieht. Die halbmondförmig an der Yamunâ erbaute und von dem Heldenheere (Çûrasena) bewohnte Stadt gelangt zu grosser Blüte. Im 12. Jahre treibt es ihn, Râma wiederzusehen.

c12.36

71. Er kommt in die Einsiedelei Vâlmîki's, der ihn wegen der Besiegung Lavaṇa's preist. Dann hört er, wie die Thaten Râma's besungen werden. Seine Krieger sind ganz bezaubert von dem naturwahren Gedichte. 72. Nachdem er sich am andern Morgen von Vâlmîki verabschiedet hatte, geht er nach Ayodhyâ und sieht Râma wieder. Er schildert ihm seine Sehnsucht; aber Râma sagt, er müsse seine Herrscherpflicht ausüben, doch solle er ihn dann und wann besuchen. Nach einigen Tagen kehrt Çatrughna nach Madhurâ zurück.

c12.37

73. Einem Brahmanen stirbt sein Sohn in jungen Jahren (er war nur 5000 Jahre alt). Er klagt vor dem Thore des Palastes Râma's und giebt ihm die Schuld an dem vorzeitigen Tode des Knaben. 74. R. beruft eine Versammlung, in der Nârada die Zunahme des adharma in dem 2. und 3. Yuga auseinandersetzt. Im 4. Yuga würden auch die Çûdra Askese üben. Das thue jetzt sicher ein solcher; darum sei der Knabe gestorben. 75. R. beauftragt L., die Leiche des Knaben zu conserviren und macht dann auf dem Pushpaka eine Inspektionsreise. Im Süden, am Çaivala-Berge, erblickt er einen Büsser. Er hält an und fragt ihn, welcher Kaste (yoni) er angehöre. 76. Der Büsser sagt, dass er ein Çûdra, namens Çambûka, sei und den Himmel erlangen wolle. Da schlägt ihm Râma mit seinem Schwerte das Haupt ab. Die Götter erscheinen und loben ihn wegen seiner That. Auf seine Bitte geben sie dem toten Brahmanenknaben das Leben wieder. Die Götter gehen zu Agastya und fordern R. auf, mitzukommen. Agastya preist R. und giebt ihm einen von Viçvakarman gefertigten Schmuck. R. fragt nach der Herkunft des Schmuckes. (In einigen eingeschobenen Versen wird folgendes erzählt. Râma weigert sich das Geschenk anzunehmen; es sei gegen die Ehre der Kshatriya. Darauf erzählt Agastya, dass im Anfange die Menschen keinen König gehabt und Brahman um einen solchen gebeten hätten. Da hätten die Welthüter Teile von sich hergegeben und Brahman hätte sie berührt; so sei der König Kshupa entstanden. R. solle mit seinem Indrateile die Gabe annehmen).

c12.38

77. Agastya erzählt, er sei im Tretâyuga in einen von Menschen und Tieren entblössten Wald gegangen, um zu büssen. Er sei an einen herrlichen See gekommen und habe dort in einer leeren Eremitenklause übernachtet. Am folgenden Morgen habe er im See eine stehende Leiche gesehen. Da sei in einem Vimâna ein Gott, von Apsarasen umgeben, herbeigekommen und habe die Leiche verzehrt. Entsetzt habe er den Gott zur Rede gestellt. 78. Derselbe habe erzählt, dass er Çveta, der Sohn des Vidarbha-Königs Sudeva und älterer Bruder Suratha's, sei. In höherem Alter habe er sich in diesen Wald zurückgezogen, um zu büssen. Zuletzt sei er in den Himmel gelangt, sei aber immer dort hungrig und durstig gewesen. Er habe sich bei Brahman deshalb beklagt; der habe ihm gesagt, er solle sein eigenes Fleisch essen. Sein Hunger komme daher, dass er Busse gethan habe, ohne Geschenke zu machen. Er müsse solange sein Fleisch essen, bis Agastya dorthin komme. Ihm, Agastya, habe dann jener Gott grosse Schätze gegeben, und daraus stamme der Schmuck.

c12.39

79. Auf R.'s Frage, warum keine lebenden Wesen in jenem Walde gewesen seien, erzählt Agastya: Im Kṛitayuga habe Manu geherrscht;

c12.40

dessen Sohn sei Ikshvâku gewesen; der habe 100 Söhne gehabt. Der Jüngste derselben, ein Schwächling namens Daṇḍa, habe eine Stadt Madhumanta zwischen dem Vindhya und Çaivala gegründet und dort geherrscht. Zu seinem Purohita habe er Uçanas (Bhârgava) gemacht. 80. Einst sei Daṇḍa nach der Einsiedelei Bhârgava's gewandert und habe im Walde dessen Tochter Arajâ getroffen. Er sei sofort in Liebe zu ihr entbrannt und habe trotz ihrer Warnung und ihres Rates, bei ihrem Vater um sie anzuhalten, ihr Gewalt angethan. Dann sei er in seine Stadt zurückgekehrt. 81. Zurückkehrend habe Uçanas geflucht, dass Daṇḍa und sein ganzes Land zu Asche verbrennen und ein Staubregen darauf fallen solle. Die Arajâ habe er angewiesen, an jenem See zu wohnen, sie und alle Wesen, die bei ihr wären, sollten am Leben bleiben. Das Land Daṇḍa's aber sei der Daṇḍaka-Wald geworden, und heisse jetzt, seitdem wieder Büsser dort wohnten, Janasthâna.

c12.41

82. R. verabschiedet sich von Agastya und kehrt nach Ayodhyâ zurück. 83. Er schlägt seinen Brüdern vor, das Râjasûya-Opfer zu feiern, doch Bharata rät ab, weil es den Untergang vieler Kshatriya zur Folge haben würde. 84. L. rät, das Açvamedha-Opfer zu feiern. Durch dasselbe habe sich Indra von der Sünde des Brahmanen-Mordes gereinigt. Einst habe nämlich Vṛitra die Erde gerecht beherrscht. Da habe er Busse zu thun begonnen, worüber Indra in Furcht geraten sei und, wegen seiner Herrschaft besorgt, Vishṇu um Hülfe gebeten habe. 85. Vishṇu habe wegen seiner Freundschaft mit Vṛitra ihn zu töten abgelehnt, aber sei mit einem Teile in Indra, mit einem andern in den Donnerkeil, mit dem dritten in die Erde eingegangen. Darauf seien die Götter zu Vṛitra hingegangen, und Indra habe mit dem Donnerkeil ihm den Kopf abgeschlagen. Da habe die Brahmahatyâ den Indra verfolgt bis an die Enden der Welt und habe ihn dort ergriffen. Die Götter aber hätten sich an Vishṇu gewandt, der den Rat erteilte, dass Indra ihm das Açvamedha-Opfer darbringen solle. 86. Da hätten die Götter Indra am Weltende aufgesucht, wo er von der Brahmahatyâ umhüllt gewesen sei. Als sie das Opfer begonnen hätten, sei die Brahmahatyâ von ihm gewichen. Sie habe sich, auf Rat der Götter, in vier Teile geteilt, mit einem wohne sie in den Flüssen zur Zeit des Hochwassers, mit dem zweiten in der Erde, mit dem dritten in menstruirenden Frauen und mit dem vierten in Brahmanenmördern. Gereinigt von seiner Sünde habe Indra wieder die Weltherrschaft übernommen.

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87. R. erzählt die Geschichte von Ila, des Prajâpati Kardama's Sohn, König von Bâhli. Einstmals gelangte er auf der Jagd mit grossem Gefolge dahin, wo Mahâsena erzeugt wurde. Çiva hatte dort die Gestalt einer Frau angenommen und alle dort lebenden Wesen in weibliche verwandelt. Auch Ila wurde, als er dorthin kam, ein Weib, und ebenso sein Gefolge. Er flehte Çiva an, doch der wollte ihm die Mannheit nicht gewähren; dann wandte er sich an Umâ, die sie ihm halb gewährte, sodass er einen Monat ein Mann Ila, den nächsten ein Weib Ilâ sein, sich aber jedesmal nicht seines vorhergehenden Zustandes erinnern sollte. 88. Im ersten Monate streifte Ilâ in jenem Walde mit ihren Genossinnen umher und kam an einen See, wo Budha, Soma's Sohn, Busse that. Budha sah die schöne Frau und verliebte sich in sie. Er erfuhr von ihren Genossinnen, dass sie ihre Herrin wäre. Da wies er den übrigen Frauen, die Kimpurushi's wurden, einen Wohnsitz dort auf dem Berge an. 89. Dann macht er der Ilâ einen Antrag und wird von ihr als Gatte angenommen. Nach einem Monat wird Ilâ wieder ein Mann. Der König, der über den Verlust seiner Genossen jammert, sagt abdanken zu wollen. Sein Sohn Çaçabindu würde die Herrschaft führen. Budha verspricht, ihm in Jahresfrist zu helfen. So ist Ilâ abwechselnd Mann und Weib. Im 9. Monat gebiert die Ilâ den Purûravas. 90. Als Ilâ wieder einmal Mann war, rief Budha viele Rishi zusammen, um zu überlegen, wie dem Ila zu helfen sei. Da kam Kardama mit andern Rishi herbei und riet, den Çiva durch ein Pferdeopfer zu gewinnen. Der Rat wurde befolgt. Marutta, Samvarta's Schüler, leitete das Opfer. Zuletzt erwies Çiva sich gnädig und gab Ilâ seine Mannheit zurück. Dieser überliess Bâhli seinem Sohne Çaçabindu und gründete die Stadt Pratishthâna im Madhyadeça. Ihn folgte Purûravas.

c12.43

91. Die Vorbereitungen zum Pferdeopfer werden getroffen. Lakshmana wird geschickt, um Sugriva mit den Affen, Vibhishana mit den Râkshasa, die Fürsten, Rishi und andere Brahmanen einzuladen. 92. L. und Priester begleiten das Opferpferd, während auf dem Opferplatze im Naimisha-Walde die Gäste versammelt sind und R. durch die Affen und Râkshasa reichliche Spenden an alle Bittenden verteilen lässt.

c12.44

93. Vâlmîki mit seinen Schülern langt an und schlägt seine Zelte abseits von den Übrigen auf. Er beauftragt zwei Schüler, das Râmâyana auf dem Opferplatz vor den Fürsten und vor Râma zu singen. 94. Als R. den Gesang gehört hatte, lässt er die beiden Sänger vor einer grossen Versammlung singen, die aufs höchste entzückt ist. Die beiden Sänger weisen Geschenke zurück und erklären, dass sie von Vâlmîki das Gedicht gelernt hätten. 95. Nachdem R. das Râmâyana gehört hatte, erfährt er, dass die beiden Sänger die Söhne Sîtâ's seien. Er schickt Boten zu Vâlmîki, damit dieser erlaube, dass S. sich vor der ganzen Opferversammlung durch einen Schwur reinige. 96. Als alle versammelt waren, tritt Vâlmîki von Sîtâ gefolgt auf. Er erklärt in feierlicher Rede, dass Sîtâ rein und unschuldig sei. 97. R. erklärt, dass ihn Vâlmîki überzeugt habe. Da erscheinen alle Götter, um Sîtâ's Schwur beizuwohnen. Sîtâ aber bittet unter Beteuerung ihrer Treue die Göttin Mâdhavî, sie aufzunehmen. Die Göttin Erde erscheint, umarmt Sîtâ und verschwindet mit ihr unter dem Erdboden unter dem Beifall und Staunen aller Zuschauer. 98. R. beschwor unter Drohungen die Göttin Erde, ihm Sitâ zurückzugeben; aber Brahman vertröstet ihn mit der Wiedervereinigung im Himmel und fordert ihn auf, seine zukünftigen Thaten von Vâlmîki besingen zu hören. 99. Am andern Morgen wird dieser Teil des Gedichtes vorgetragen. R. entlässt die Versammlung. Immer nach Sitâ Sehnsucht hegend, bringt er Opfer auf Opfer dar. Seine Mütter sterben und werden im Himmel mit Daçaratha vereinigt.

c12.45

100. Yudhâjit schickt zu Râma den Gârgya, des Angiras Sohn, mit dem Vorschlag, das Land der Gandharva zu beiden Seiten des Indus zu erobern und deren beide Städte zu besiedeln. Râma nimmt den Vorschlag an und schickt den Bharata samt seinen beiden Söhnen, Pushkala und Taksha, mit einem Heere zu seinem Oheim, bei dem sie nach 1¹/₂ Monaten anlangen. 101. Der Feldzug wird unternommen, und nach langem Kämpfen vernichtet Bharata die Gandharva mit der Waffe Samvarta. Taksha gründet Takshaçilâ im Gandharva-Lande, und Pushkala Pushkalâvatî im Lande der Gândhâra. Beide Städte blühen mächtig empor. Nach 5 Jahren kehrt Bh. zu R. zurück.

c12.46

102. Nun sollen auch Lakshmana's Söhne versorgt werden. Er erobert Herrschaften für sie. In ihnen gründet Angada Angadiyâ (W) in Kârupatha und Çandraketu Candrakântâ (N)in Mallabhûmi als Residenz.

c12.47

103. Kâla, als ein Tâpasa verkleidet, kommt zu Râma und sagt, er bringe eine Botschaft, die er nur unter vier Augen ausrichten dürfe. R. müsse daher jeden, der sie in ihrer Unterhaltung sähe oder höre, töten. R. sagt dies zu und beauftragt L., an der Thüre Wache zu halten. 104. Kâla sagt, dass ihn Brahman geschickt habe, um Râma-Vishnu zu erinnern, dass es nun Zeit wäre, die Herrschaft des Weltalls wieder anzutreten (dabei trägt er eine kurze Schöpfungsgeschichte vor). R. sagt, er sei bereit.

c12.48

105. Unterdessen kommt Durvâsas, um R. zu sehn. Als L. ihn nicht anmelden will, droht er, das ganze Geschlecht der Raghuiden zu verfluchen, wenn er nicht augenblicklich ihn anmelde. So geht L. hinein, obgleich er weiss, was die Folge sein wird. R. geht dem Durvâsas entgegen, und dieser bittet um Speise, da er eben ein tausendjähriges Fasten vollendet habe. Nachdem er gespeist, geht er weg. 106. R. ist ganz niedergeschlagen wegen seiner traurigen Pflicht L. gegenüber. Er legt die Angelegenheit seinem Rate vor. Vasishtha ermahnt ihn, sein Wort nicht zu brechen. R. verstösst darauf L., der in die Sarayû steigt und den Atem unterdrückt. Da erscheint Indra und nimmt ihn mit in den Himmel.

c12.49

107. R. verkündigt in seinem Rate, dass er Bharata zu seinem Nachfolger weihen und selbst in den Wald gehen wolle. Bh. sagt, er begehre nicht ohne R. zu herrschen; er solle Kuça und Lava weihen und den Çatrughna herbeiholen lassen, damit sie zusammen den letzten Gang thun könnten. Vasisṭha macht R. auf die flehende Haltung der Unterthanen aufmerksam. Diese bitten ihn, mitgehen zu dürfen, was er ihnen auch bewilligt. Dann setzt er Kuça als Herrscher der Kosala, und Lava als den der Uttara ein. 108. Ersterer erhält die Stadt Kuçâvatî am Vindhya, letzterer Çâvastî. — Die Boten erstatten dem Çatrughna Bericht. Dieser teilt die Herrschaft zwischen seine beiden Söhne: Subâhu erhält Madhurâ, Çatrughâtin Vaidiça. Dann geht er nach Ayodhyâ, wo alsbald Sugrîva und die Affen anlangen, denen R. gleichfalls gestattet, sich ihm anzuschliessen. Dem Vibhîshaṇa aber befiehlt er, in Lankâ zu bleiben, so lange Sonne, Mond und Erde, so lange Kunde von Râma bestehe ¹); und ebenso befiehlt er dem Hanumat, sich des Lebens zu freuen. Jâmbavat, Mainda und Dvivida (Vibhîshaṇa und Hanumat) sollen bis zum Kaliyuga leben.

c12.50

¹ Wenn Lankâ Ceylon wäre, hätte der Dichter dies nicht sagen können. Denn wenn er irgend etwas von Ceylon wusste, musste es dies sein, dass dort nicht der Râkshasa Vibhîshaṇa herrsche. Es kommt hierbei in Betracht, dass dieser Teil des Gedichtes offenbar sehr spät abgefasst ist, wahrscheinlich sogar noch später als das Bâlakâṇḍa. Zwar können wir die Zeit auch nicht einmal annähernd bestimmen; aber soviel können wir doch sagen, dass damals genauere Kenntnisse über Indien verbreitet waren, als Vâlmiki besass. Ceylon war damals sicher keine terra ingognita mehr. — Beachtenswert ist, dass das Uttarakâṇḍa im Gegensatz zu den übrigen Büchern viele Sagen des Madhyadeça enthält. In dieser Beziehung berührt es sich mit dem Mahâbhârata; offenbar gehören beide derselben litterarischen Epoche an.

c12.51

109. Feierlicher Auszug Râma's. Ihm voran wird das agnihotra getragen, zur Seite gehen Gottheiten (çrî, mahî, vyavasâya), es folgen die Seinigen und hintendrein die ganze Bevölkerung, ja selbst die Tiere von Ayodhyâ. 110. Als der Zug an die Sarayû gelangt war, erschien Brahman und die Götter mit zahlreichen Vimâna. Brahman fordert R. auf, seinen göttlichen Leib anzunehmen. Da wird Râma Vishṇu und bittet Brahman, denen, die ihm folgen, Wohnsitze im Himmel zu verleihen. Brahman räumt ihnen die Santânaka-Himmel ein. Diejenigen, welche Incarnationen von Gottheiten waren, gehen in diese wieder auf. Die übrigen, die in der Sarayû am Gopratâra Tîrtha ihr Leben aushauchen, werden von Brahman in ihre himmlische Sitze gebracht. 111. Phalastuti. — König Rishabha wird Ayodhyâ wieder besiedeln.

c12.52

Die fünf nach 23 eingeschobenen unechten Gesänge.
1. In Açmanagara sieht Râv. einen herrlichen Palast. Um zu erfahren, wem er gehöre, schickt er den Prahasta hinein. Der findet im innersten Hofe einen Mann im Feuer, der laut lacht. Entsetzt eilt Prahasta zu Râv. zurück, der selbst streitsuchend hinein gehen will, aber von einem ungeheuren Mann an der Thüre aufgehalten wird. Dieser sagt ihm, dass Bali da drinnen sei. Als Râv. dann von Bali freundlich empfangen wird, verspricht er, ihn aus der Gefangenschaft zu befreien, in die Vishṇu ihn gebracht habe. Doch Bali sagt ihm, dass jener Mann an dem Thore Vishṇu selbst sei. Er solle ihm dessen cakra bringen. Râv. versucht, das kuṇḍala aufzuheben, aber vergebens. Bali sagt, dass dies eine der Schmucksachen sei, die sein Ahn im Kampfe mit Vishṇu verloren habe. Er schildert den Vishṇu dem Râv., der ihn bekämpfen will. Aber Vishṇu ist unterdessen unsichtbar geworden.

c12.53

2. Râv. begiebt sich in die Oberwelt und will mit dem Sonnengott kämpfen. Er schickt Prahasta mit der Herausforderung zu ihm, dessen beiden Thürwächter, Pingala und Daṇḍin, dieselbe in Empfang nehmen und ihm überbringen. Sûrya sagt, sie sollten antworten, was sie wollten, worauf Râv. triumphiert.

c12.54

3. Râv. geht nun in die Welt Soma's und trifft Parvata, der ihn über die dahinziehenden Seligen unterrichtet, und ihm dann auf sein Befragen Mândhâtṛi, König von Ayodhyâ, als würdigen Gegner nennt. Râv. kämpft mit Mândhâtṛi, bis zuletzt Pulastya und Gâlava sie versöhnen.

c12.55

4. Râv. steigt empor durch die sieben Regionen des Luftreiches, in denen verschiedene Wesen wohnen. In der achten thront der Mond, den Râv. sofort angreift. Aber Brahman tritt dazwischen und hält ihn davon ab, indem er ihn mit einem in der Todesstunde zu betenden Mantra belohnt.

c12.56

5. Râv. trifft im westlichen Ocean auf einer Insel einen Riesen, mit dem er anbindet. Der Riese, in dem das ganze Weltall sich zeigt, schmettert Râv. mit einem Schlage zu Boden und verschwindet in die Unterwelt. Râv. folgt ihm in die Höhle nach und sieht dort drei Milliarden tanzender Wesen, die alle wie jener Riese aussehen. Entsetzt kehrt Râv. zurück und erblickt einen von Feuer umgebenen, schlafenden Mann, bei dem die Lakshmî ist. Râv. will die Lakshmî ergreifen. Da lacht der Mann laut auf, wodurch Râv. zu Boden stürzt; doch er beruhigt ihn, dass er ihn jetzt nicht töten werde. Agastya erklärt dem R., dass der Riese auf der Insel Kapila sei, und die drei Milliarden tanzender Wesen die svara.

c12.57

Die nach 37 eingeschobenen unechten Gesänge:

c12.58

1. Auf R.'s Befragen, erzählt Agastya die Geschichte von Vâlin und Sugrîva, wie er sie von Nârada gehört habe.

c12.59

Auf dem mittleren Gipfel des Meru büsste Vishṇu. Das aus seinen Augen fliessende Wasser fing Brahman auf. Als es auf die Erde fiel, entstand daraus ein Affe (Ṛiksharajas), den Brahman zu seinem Diener machte. Als dieser Affe einst durstig war, sah er in einem See sein Spiegelbild. Er hielt es für einen Feind und stürzte sich in den See; als er daraus hervortauchte, war er in eine wunderschöne Jungfrau verwandelt. Indra und Sûrya erblickten sie gleichzeitig. Indra's Same fiel auf ihre Haare, der Sûrya's auf ihren Hals. So entstanden Vâlin und Sugrîva. Das Mädchen ward am andern Tage wieder ein Affe. Derselbe ging mit seinen Söhnen zu Brahman, der ihm Kishkindhâ als Residenz anweist und die Herrschaft über alle Affen giebt.

c12.60

2. Auf Râv.'s Frage erklärt ihm Sanatkumâra, dass Vishṇu der höchste Gott sei, dass die von den Göttern getöteten Dämonen in den Himmel kommen.

c12.61

3. Der Muni erklärt ihm das Wesen Vishṇu's (nach Bhâkta-Ansichten). Auch er werde ihn sehen. Im Anfang des Tretâyuga werde Râma und Sitâ leben. Râvaṇa fasst den Beschluss, Râma zu bekämpfen.

c12.62

4. Ganz sinnloses Gerede.

c12.63

5. Nârada sagt dem Râv., dass die Bewohner von Çvetadvipa am stärksten seien. Er geht dort hin, findet aber nur eine Frau. Als sie seine Absicht erfährt, wirft sie ihn einer Freundin zu. So spielen die Frauen mit ihm Ball. Zuletzt fällt er ins Meer, und Nârada lacht ihn aus. Agastya sagt dem Râma, dass er Vishṇu sei etc. (Alles ist recht wirr.)

c12.64

Die nach 59 eingeschobenen unechten Gesänge:

c12.65

1. Am andern Morgen will Râma öffentliche Audienz geben, aber es hat sich, da während seiner Regierung kein Unrecht geschieht, kein Rechtsuchender eingestellt. Zum zweiten Male hinausgeschickt, findet L. einen heulenden Hund, der, nachdem R. ausdrücklich es befohlen hat, vor ihn gelassen wird.

c12.66

2. Der Hund sagt, dass ihn ein brahmanischer Bettelmönch geschlagen habe; derselbe wird herbeigerufen und giebt zu, dies im Zorn gethan zu haben. Da aber ein Brahmane nicht gestraft werden darf, so zeigt sich der Hund zufrieden gestellt und bittet, dass er an des Brahmanen Stelle als Familienhaupt anerkannt werde. Das geschieht. (Soweit die confuse Darstellung erraten lässt, scheint der Hund früher kulapati gewesen zu sein, sich aber an brahmanischem oder kirchlichen Besitz vergriffen zu haben.) Der Hund endet in Benares durch prâyopaveçana.

c12.67

3. Im Walde macht ein Geier einer Eule ihr Nest streitig. Sie bringen ihre Klage vor R., der sie nach der Dauer ihres Besitzes befragt. Der Geier sagt, er wohne solange darin, als es Menschen gäbe; die Eule, solange Bäume wüchsen. R.'s Minister sprechen sich zu Gunsten des Geiers aus. R. erzählt, dass Madhu und Kaiṭabha, die aus dem Ohrenschmalz des schlafenden Vishṇu entstanden seien, den Brahman angreifen wollten. Da habe Vishṇu sie mit seinem Discus getötet und die durch ihr Fett verunreinigte Erde dadurch gereinigt, dass er Bäume und Pflanzen wachsen liess. Darum sei die Eule im Recht, und der Geier müsse bestraft werden. Aber eine himmlische Stimme verbietet es; denn der Geier sei ein zur Strafe für unrichtige Bewirtung eines Brahmanen in diese Gestalt verwandelter König Brahmadatta, der durch seine Zusammenkunft mit R. seine ursprüngliche Gestalt wieder gewinnen solle. So geschieht es.

Cites (6)