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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37: VI. Äussere Krankheiten

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37

Language
German

Contents

VI. Äussere Krankheiten

§ 66. Die Pocken

c37.s1.1

¹ Die Pocken kommen im AV. und in der Bowerhs. noch nicht vor. Auch Su., S., A. und selbst Ś. erwähnen sie nur unter den kleineren Übeln (*kṣudraroga*), die zumeist Hautkrankheiten sind. C. übergeht sie in seiner Aufzählung der Krankheiten (1, 19) und erwähnt sie nur ganz kurz neben den Masern als einen Ausschlag am ganzen Körper, der wie Rose und Lepra zu behandeln ist (6, 12, 55). Sie heissen *masūrikā*, *masūrī* »Linsenkrankheit«, von der Gestalt der Pusteln. So sagt Vāgbhaṭa (S. 6, 36, 315 = A. 6, 31, 8): »(Die Pocken sind) harte Pusteln an den Gliedern und im Munde, von der Grösse und Farbe einer Linse (*masūra*) und danach benannt, mit Hitze, Fieber und Schmerzen verbunden«; ähnlich Su. 2, 13, 33 f. Zu behandeln sind die Pocken, ebenso wie andere Hautkrankheiten, hauptsächlich mit Salben (Su. 4, 20, 29). A. 2, 5, 111 hebt auch die Gefährlichkeit der Pocken hervor: derjenige, an dessen Körper die wie Korallenkügelchen aussehenden *masūrikā* auftreten und rasch wieder verschwinden, geht bald zu Grunde; A. 3, 10, 32 erwähnt sie als eine Folgekrankheit von Harnruhr. Genauere Angaben enthalten die späteren Werke. Die Pocken entstehen durch schädliche, besonders scharfe oder salzige Speisen und andere Diätfehler, durch Luft und Wasser, die (durch giftige Blumen u. dgl.) verdorben sind, und durch das Erscheinen eines erzürnten Planeten. Diese letzte Ursache ist auf Pocken-Epidemieen zu beziehen, da die Pocken in denjenigen Ländern auftreten sollen, wo die erzürnten Planeten sichtbar werden (C.). Eingeleitet wird die Krankheit durch Fieber, Jucken, Glieder-reissen, Unbehagen, Schwindel, Anschwellung der Haut, Veränderung der Farbe und Röte in den Augen. Von Wind sind die Pusteln dunkelrot, rauh, hart, verursachen heftige Schmerzen und reifen langsam; diese Art ist unheilbar. Von Galle sind die Pusteln rot, gelb oder weiss, verursachen Brennen und heftige Schmerzen und reifen schnell; dabei zeigen sich Schmerzen in den Gelenken, Husten, Beben, Unbehagen, Mattigkeit, Trockenheit des Gaumens, der Lippen und der Zunge, Durst und Appetitlosigkeit. Von Blut entsteht Durchfall, Hitze am Körper, Durst, Unbehagen und Appetitlosigkeit, Entzündung am Mund, Röte in den Augen und besonders starkes Fieber, sowie die gleichen Erscheinungen wie bei Galle. Von Schleim sind die Pusteln weiss, glänzend, sehr gross, verursachen Jucken, aber wenig Schmerzen und reifen langsam; zugleich zeigt sich Schleimfluss, Lahmheit, Kopfweh, Schwere in den Gliedern, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlaf, Mattigkeit, Unlust. Von allen drei Grundsäften sind sie gross, blau, in der Mitte eingesunken, sehr schmerzhaft, reifen langsam, enthalten stinkenden Eiter und heissen *carman* (eine Art Aussatz); diese Form ist mit Schlingbeschwerden, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Irrereden und Unlust verknüpft und schwer oder gar nicht heilbar. Weitere Verschiedenheiten beruhen darauf, ob die Pusteln ihren Sitz im Chylus, Blut, Fleisch, Fett, Mark, den Knochen oder dem Samen haben. Wenn sie in der Haut (d. h. im Chylus) sitzen, gleichen sie einem Wassertropfen, sind sehr harmlos und lassen, wenn sie platzen, Wasser ausströmen (Wasserpocken). Im Blut haben sie die Farbe von Blut, reifen langsam, haben eine

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Die Pocken kommen im AV. und in der Bowerhs. noch nicht vor. Auch Su., S., A. und selbst Ś. erwähnen sie nur unter den kleineren Übeln (*kṣudraroga*), die zumeist Hautkrankheiten sind. C. übergeht sie in seiner Aufzählung der Krankheiten (1, 19) und erwähnt sie nur ganz kurz neben den Masern als einen Ausschlag am ganzen Körper, der wie Rose und Lepra zu behandeln ist (6, 12, 55). Sie heissen *masūrikā*, *masūrī* »Linsenkrankheit«, von der Gestalt der Pusteln. So sagt Vāgbhaṭa (S. 6, 36, 315 = A. 6, 31, 8): »(Die Pocken sind) harte Pusteln an den Gliedern und im Munde, von der Grösse und Farbe einer Linse (*masūra*) und danach benannt, mit Hitze, Fieber und Schmerzen verbunden«; ähnlich Su. 2, 13, 33 f. Zu behandeln sind die Pocken, ebenso wie andere Hautkrankheiten, hauptsächlich mit Salben (Su. 4, 20, 29). A. 2, 5, 111 hebt auch die Gefährlichkeit der Pocken hervor: derjenige, an dessen Körper die wie Korallenkügelchen aussehenden *masūrikā* auftreten und rasch wieder verschwinden, geht bald zu Grunde; A. 3, 10, 32 erwähnt sie als eine Folgekrankheit von Harnruhr. Genauere Angaben enthalten die späteren Werke. Die Pocken entstehen durch schädliche, besonders scharfe oder salzige Speisen und andere Diätfehler, durch Luft und Wasser, die (durch giftige Blumen u. dgl.) verdorben sind, und durch das Erscheinen eines erzürnten Planeten.

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Diese letzte Ursache ist auf Pocken-Epidemieen zu beziehen, da die Pocken in denjenigen Ländern auftreten sollen, wo die erzürnten Planeten sichtbar werden (C.). Eingeleitet wird die Krankheit durch Fieber, Jucken, Glieder-reissen, Unbehagen, Schwindel, Anschwellung der Haut, Veränderung der Farbe und Röte in den Augen. Von Wind sind die Pusteln dunkelrot, rauh, hart, verursachen heftige Schmerzen und reifen langsam; diese Art ist unheilbar. Von Galle sind die Pusteln rot, gelb oder weiss, verursachen Brennen und heftige Schmerzen und reifen schnell; dabei zeigen sich Schmerzen in den Gelenken, Husten, Beben, Unbehagen, Mattigkeit, Trockenheit des Gaumens, der Lippen und der Zunge, Durst und Appetitlosigkeit. Von Blut entsteht Durchfall, Hitze am Körper, Durst, Unbehagen und Appetitlosigkeit, Entzündung am Mund, Röte in den Augen und besonders starkes Fieber, sowie die gleichen Erscheinungen wie bei Galle. Von Schleim sind die Pusteln weiss, glänzend, sehr gross, verursachen Jucken, aber wenig Schmerzen und reifen langsam; zugleich zeigt sich Schleimfluss, Lahmheit, Kopfweh, Schwere in den Gliedern, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlaf, Mattigkeit, Unlust. Von allen drei Grundsäften sind sie gross, blau, in der Mitte eingesunken, sehr schmerzhaft, reifen langsam, enthalten stinkenden Eiter und heissen *carman* (eine Art Aussatz); diese Form ist mit Schlingbeschwerden, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Irrereden und Unlust verknüpft und schwer oder gar nicht heilbar.

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Weitere Verschiedenheiten beruhen darauf, ob die Pusteln ihren Sitz im Chylus, Blut, Fleisch, Fett, Mark, den Knochen oder dem Samen haben. Wenn sie in der Haut (d. h. im Chylus) sitzen, gleichen sie einem Wassertropfen, sind sehr harmlos und lassen, wenn sie platzen, Wasser ausströmen (Wasserpocken). Im Blut haben sie die Farbe von Blut, reifen langsam, haben eine dünne Haut, enthalten Blut. Bei den folgenden Arten zeigen sich stufenweise schlimmere Symptome, die im Knochen oder Samen sitzenden führen rasch den Tod herbei. Zeichen unheilbarer Erkrankung sind es auch, wenn die Pusteln wie Korallen, Jambūfrüchte, eiserne Kügelchen oder Leinsamen aussehen, wenn Husten, Schlucken, Geistesverwirrung, heftiges, schweres Fieber, Irrereden, Unlust, Ohnmacht, Durst, Hitze, Unruhe vorhanden sind, Blut aus Mund, Nase und Augen strömt, im Hals ein Rasseln vernommen wird und die Respiration überaus schmerzhaft ist, der Kranke mit Anstrengung nur durch die Nase atmet und von Durst gequält wird. Schwer heilbar ist auch eine nach den Pocken entstehende Geschwulst am Ellbogen, Handgelenk oder Schulterblatt. Unter den zahlreichen Mitteln gegen die Pocken hebe ich nur den gewiss nicht sehr alten innerlichen Gebrauch von Quecksilber (*pārada*, Cd. 315) und die verschiedenen Recepte für Mischungen von Arzneistoffen mit kaltem oder sehr kaltem Wasser hervor (M. 316—21; Vṛ. 56; V. 700—9; W. 314—8; Bh. 2, 4, 53—9).

c37.s1.3

An die kalte Behandlung der Pocken, die jedenfalls auf dem damit verbundenen Fieber beruht, schliesst sich eine anscheinend jüngere Nebenform dieser Krankheit, *śītalā* »die kalte«, an.² Nachgewiesen ist dieser auch in den neuindischen Sprachen noch vertretene Pockenname bisher erst in Bh., doch kommt das damit verwandte *śītalikā* als eine volkstümliche Bezeichnung der Pocken (*lokāśraya saṃjñā*) schon bei Ḍ. zu Su. 2, 13 vor, also im 12. Jahrhundert. Der Bh. (16. Jahrh.) teilt die *śītalā* in sieben Arten ein, beschreibt aber deren acht. 1. Die grosse *śītalā* (*bṛhatī*) wird durch grosse Pusteln charakterisirt, deren Auftreten Fieber vorhergeht; nach sieben Tagen kommen die Pusteln zum Vorschein, in weiteren sieben Tagen reifen sie, in der dritten Woche trocknen sie ein und verschwinden von selbst. 2. *kodravā* entsteht aus Wind und Schleim, die Pusteln sehen wie die Reisart *kodrava* (Paspalum scrobiculatum) aus, reifen nicht, sondern heilen in 7—10 Tagen ohne Arznei ab. 3. Durch Hitze entsteht *aṣmājarūpā* »wie Insekten aussehend«. 4. *pāṇisahā* »die Hand ertragend«: die Pusteln jucken, ertragen aber das Kratzen mit der Hand und trocknen nach sieben Tagen ein. 5. *sarṣapikā* »Senfkorn«: die Pusteln haben die gleiche Farbe wie ein gelbes Senfkorn. 6. *rājikākṛti* »von gleicher Gestalt wie die Senfart *rājikā* (Sinapis ramosa)«. Diese Art entsteht durch Hitze, kommt nur bei Kindern vor und trocknet leicht von selbst ein. 7. Die Pusteln sind rot, erhaben und rund, einem roten Ausschlag gleich, mit Schmerzen verbunden, vorher geht ein Fieber, das drei Tage anhält. 8. *carmajā* »in der Haut entstanden«: die Pusteln fliessen zusammen. Neben den Sanskritnamen werden auch volkssprachliche genannt. Die Heilung von *śītalā* erfolgt in manchen Fällen leicht und ohne Behandlung, andere Fälle sind trotz aller angewandten Mittel unheilbar. Die Mittel, besonders bei der ersten Art, bestehen in Bestreuung der aufgeplatzten oder noch unreifen Pusteln mit Asche von Kuhmist, Darreichung von kaltem (*śītala*) Wasser, das selbst bei Fieber nicht wie sonst abgekocht werden darf, Verbringung des Erkrankten an einen kalten (*śītala*) abgelegenen Platz, wo niemand zu ihm gehen darf, Vertreibung der Fliegen mit Zweigen von Nimba- und Seerosenblättern, Verabreichung eines Abgusses von kaltem Wasser mit Sandelholz und anderen Fiebermitteln zur Stillung des Fiebers; »viele Ärzte«, heisst es jedoch, »geben überhaupt keine Arznei«. Auch sollen im ganzen Hause Nimbablätter angebracht werden. Hauptsächlich aber soll die Göttin Śītalā, der alle Erscheinungsformen dieser Krankheit unterstehen, geehrt werden mit Opfergaben, Ceremonien und einem Hymnus aus dem Skandapurāṇa, den ein frommer Brahmane recitiren soll. Der Hymnus wird als *Śītalāṣṭakam stotram* bezeichnet und die auf dem Esel reitende Göttin Śītalā darin als das Lebenselixir eines fiebernden, mit übelriechendem (Eiter) behafteten, des Augenlichts beraubten Kranken angerufen (Bh. 2, 4, 59—63).

c37.s1.4

Der Cultus der sieben Pockenschwestern, denen offenbar die obigen sieben Erscheinungsformen der *śītalā* entsprechen, und insbesondere der Sitalā ist heutzutage in Nordindien sehr verbreitet.¹ Sitalā hat noch immer den Esel als Reittier, wohnt im Nimbabaum, weshalb man auch den Kranken mit Nimbablättern fächelt, über der Thür des Krankenzimmers Nimbablätter aufhängt oder dieselben in einen Wassertopf im Krankenzimmer legt, und wird besonders von Frauen und Kindern geehrt, wie die obige 6. Art der *śītalā* auf Kinder beschränkt ist. Cāmariyā, die älteste der Pockenschwestern, der eine besonders schlimme Pockenform mit zusammenfliessenden Pusteln zugeschrieben wird, entspricht der achten Art, *carmajā* oder *camaragotī*. Auch in Südindien ist die Vergöttlichung der Pocken weit verbreitet, eine im 17. Jahrhundert dort vorkommende Pockengöttin Basuri vielleicht mit *masūrī* zu identificiren.² Bekanntlich sind die Pocken gegenwärtig die verbreitetste Kinderkrankheit und überhaupt eine der gefährlichsten Krankheiten in Indien.³ Auch in den obigen Angaben erscheinen sie von M. ab als eine schwere, weit verzweigte und epidemische Krankheit, auch in A. schon als gefährlich, während sie bei Su. S. nur ein leichtes Hautübel sind, das wohl mit WISE⁴ als eine milde Form der späteren epidemischen Pocken zu betrachten ist, und in der ältesten Medicin noch ganz fehlen. Die oft geäusserte Ansicht, dass die Pocken in Indien viel früher als in Arabien aufgetreten und aus Indien nach Arabien gelangt seien, ist hiernach keineswegs als sicher zu bezeichnen, noch weniger mit Chevers⁵ anzunehmen, dass die Priester der Śītalā die ältesten Impfärzte waren. Von irgendwelcher Impfung lässt sich in der älteren medicinischen Litteratur keine Spur entdecken,⁶ wie auch die Verehrung der Śītalā als Pockengöttin derselben noch fremd ist und auch unter den zahlreichen alten Personificationen von Kinderkrankheiten keine Personification der Pocken erscheint.

c37.s1.5

¹ Vgl. hierzu ORTH, Bemerkungen über das Alter der Pockenkenntnis in Indien und China. Janus V, 391-6. 452--8. (Amsterdam 1900) und meinen Nachtrag hierzu Janus V, 577 f.

c37.s1.6

² Vgl. WISE, Commentary 235 f.

c37.s1.7

³ CROOKE, Popular Religion of N. India (London 1896) 1, 125--36.

c37.s1.8

⁴ Vgl. STUART, Madras Census Report (Madras 1898), 58 f.; ORTH l. c.

c37.s1.9

⁵ Vgl. General Report on the Census of India 1891, 62.

c37.s1.10

⁶ Review of the History of Medicine, 2, 108, vgl. ORTH l. c.

c37.s1.11

⁷ Diseases of India 45 ff.

c37.s1.12

⁸ Das von AINSLIE (vgl. BOHLEN, Das alte Indien 2, 219) mitgeteilte Sanskriteitat über Kuhpockenimpfung ist offenbar eine moderne Fälschung, vgl. HAAS, ZDMG. 30, 660 f.

§ 67. Die »leichteren Krankheiten« (kṣudraroga)

c37.s2.1

— Diese ursprünglich auch die Pocken umfassende Gruppe von Krankheiten, auf die schon in B. angespielt wird (1, 100, vgl. 2, 86) besteht wesentlich aus verschiedenen Affectionen der Haut, in S. A. 36, bei Su. 44, in M., wo die Pocken davon getrennt und als eine selbständige Krankheit behandelt werden (§ 66), 43, bei Ś. 60. Die nachstehende Aufzählung beruht auf M., die Bedeutungen sind meist im Anschluss an DUTT, Nidāna 193 f. gegeben: 1. *ajagallikā*, Warzen bei Kindern. 2. *yavaprakhyā*, sehr harte Knötchen oder Höcker im Fleisch von der Grösse eines Gerstenkorns. 3. *antrālajī* (*andhālajī* Su.), ein festes, rundes Geschwür (Abscess) mit wenig Eiter. 4. *vivṛtā*, runde, wie reife Feigen aussehende Geschwüre. 5. *kacchapikā*, skrophulöse Drüsenanschwellungen. 6. *valmīka* (»Ameisenhaufen«), langsam anschwellende, wie Rotlauf sich ausbreitende Knötchen am Hals, den Händen und Füssen u. s. w. 7. *indraviddhā* (*indravṛddhā*), schleichende Flechte, Herpes. 8. *gardabhikā*, runde, schmerzende Beulen oder Bläschen (»lichen circumscriptus« DUTT). 9. *pāṣāṇagardabha*, Mumps, Parotitis. 10. *panasikā*, eine harte, stark schmerzende Beule im Ohr. 11. *jālagardabha*, eine Art Rose, leichte Anschwellung der Haut mit Hitze und Fieber. 12. *irivellikā*, Karbunkel am Kopf. 13. *kakṣā*, ein schmerzhafter Abscess in oder nahe bei der Achselgrube. 14. *gandhamālā* (*gaṇḍamālā*?) ein ebensolcher Abscess in der Haut. 15. *agnirohiṇī*, schmerzhafte, innere Hitze und Fieber hervorrufende, wie loderndes Feuer brennende Beulen in den Achselhöhlen, die nach 7, 10, 12 oder 14 Tagen den Tod herbeiführen (akuter Abscess nach Dutt). 16. *cipya*, Nagelgeschwür, Onychie. 17. *kunakha*, Psoriasis an den Nägeln. 18. *anuśayī*, ein tiefes Geschwür auf dem Fuss. 19. *vidārikā*, knollenförmiger Abscess in der Leistengegend und Achselhöhle. 20. *śarkarārbuda*, ein offenes krebsartiges Geschwür, aus dem eine wie ein Gemisch von Honig, Butter und Fett aussehende Flüssigkeit ausströmt, worauf das Geschwür trocknet und hart wird, darauf plötzlich wieder eine übelriechende, verschiedenfarbige Flüssigkeit nebst Blut austreten lässt. 21. *pādadārī*, vom Gehen aufgesprungene Fusssohlen. 22. *kadara*, eine von Verletzung mit Dornen u. dgl. entstehende Verhärtung am Fuss, Hühnerauge. 23. *alasa*, eine schmerzhafte Geschwulst zwischen den Zehen (»weiches Hühnerauge« Dutt). 24. *indralupta*, Ausfallen der Haare, Kahlköpfigkeit. 25. *daruṇaka*, Kopfgrind (»tinea versicolor of scalp« Dutt). 26. *aruṁṣikā*, Erbgrind, Favus. 27. *palita*, frühzeitiges Ergrauen der Haare. 28. *mukhadūṣikā*, Finne im Gesicht bei jungen Leuten. 29. *padminīkaṇṭaka*, eine Art Flechte. 30. *jatu-maṇi*, haariges Muttermal. 31. *maṣaka*, schwarze Warzen. 32. *tilakālaka*, dunkle Muttermale. 33. *nyaccha*, Leberfleck. 34. *vyaṅga*, braune Flecken im Gesicht. 35. *nīlikā*, schwarze Flecken im Gesicht oder am Körper. 36. *parivartikā*, Verengerung der Vorhaut, Phimose. 37. *avapāṭikā*, spanischer Kragen, Paraphimose. 38. *niruddhaprakaśa*, Verengerung, Strictur der Harnröhre. 39. *saṁniruddhaguda*, Verengerung des Mastdarms. 40. *ahipūtana*, Erythem oder Wundsein am After bei Kindern. 41. *vṛṣaṇakacchū*, Juckausschlag am Hodensack. 42. *gudabhraṁśa*, Mastdarmvorfall. 43. *śūkaradaṁṣṭraka*, eine Art Rose, Rötung der Haut mit Jucken und Fieber (Su. 2, 13; M. 321—37; S. 6, 36; A. 6, 31; V. 709 ff.; Bh. 2, 4, 63 ff.; vgl. C. 1, 17, 39 ff.).

c37.s2.2

§ 68. Lepra und verwandte Hautkrankheiten. — Unter *kuṣṭha* wird gemeinhin eine sehr gefährliche, die schwersten Entstellungen hervorrufende Hautkrankheit, der sog. schwarze Aussatz (black leprosy), verstanden. Nach den Rechtsbüchern werden Versündigungen des höchsten Grades mit *kuṣṭha* in einer künftigen Existenz gestraft¹, daher ist der *kuṣṭhin* erbunfähig², ausser wenn er Busse gethan hat, um die Sündenschuld zu beseitigen³. In der medicinischen Litteratur scheint jedoch *kuṣṭha* meist eine weitere Bedeutung zu haben, schon in B., wo es Hoernle überall mit »skin diseases« übersetzt. Als Entstehungsursachen werden genannt: schädliche oder nicht zu einander passende Speisen und Getränke (wie z. B. Milch mit Fischen⁴), Unterdrückung des Brechreizes und überhaupt der natürlichen Ausscheidungen,

c37.s2.3

Die Behandlung besteht besonders in der Bestreichung und Einreibung der Haut mit verschiedenen Teigen und Salben, in manchen Fällen, z. B. bei Hühneraugen und dem Abscess *vidārikā*, ist zu einer Operation zu greifen, oder auch zu Ätzmitteln und Ausbrennen der erkrankten Stelle. Fett- und Schwitzmittel, Nasenmittel, Verbände, Aderlässe, Arzneien werden ebenfalls empfohlen. Bei Mastdarmvorfall (*gudabhraṁśa*) soll man den After erwärmen und einölen, hierauf den vorgefallenen Teil wieder zurückschieben und einen Verband mit einem in der Mitte durchlöcherten Leder anlegen; der After ist dann immer wieder zu erwärmen, so dient als Erwärmungsmittel eine Ratte, der man die Eingeweide ausgenommen hat (Su. 4, 20; S. 6, 37; A. 6, 32; V. l. c.; Bh. l. c.).

c37.s2.4.1

körperliche Anstrengungen oder starke Erhitzung nach einer reichlichen Mahlzeit, ein kaltes Bad bei Hitze, Ermüdung oder ängstlicher Erregung, sexueller Verkehr bei Indigestion, Verfehlungen gegen einen Brahmanen oder den geistlichen Lehrer u. a., auch in einer früheren Geburt begangene Sünden. Vorzeichen sind: die Haut sehr glänzend und rauh anzufühlen, starke oder gar keine Schweissabsonderung, Verfärbung, Hitze und Jucken in der Haut, Taubheit einzelner Körperstellen, auffallend starke Schmerzhaftigkeit von Wunden oder Geschwüren, leichte Entstehung und langsame Heilung derselben und Zurückbleiben einer rauhen Stelle auch nach der Heilung, dunkle Färbung des Blutes, Gänsehaut, roter Ausschlag, Schmerzen, Mattigkeit u. a. Gewöhnlich werden 18 Arten von *kuṣṭha* unterschieden und in 7 schwere und 11 leichte Formen eingeteilt, im Einzelnen differiren jedoch die Aufzählungen. Nach M. gibt es folgende schwere Formen: 1. *kapāla*, mit schwarzen oder rötlichen, trockenen, rauhen Flecken wie Scherben (*kapāla*), vielen Schmerzen, sehr gefährlich. 2. *audumbara*: die Flecken oder Beulen sind einer Feige (*uḍumbara*) gleich, mit Schmerzen, Hitze, Röte und Jucken verbunden, die Leibhaare werden braun. 3. *maṇḍala*: die Flecken sind weiss oder rot, hart, feucht, glänzend, kreisrund (*maṇḍala* »Kreis«), schwer heilbar, zusammenhängend. 4. *ṛkṣajihva*: die Flecken sind rauh, am Rande rot, in der Mitte dunkel, schmerzhaft, wie eine Bärenzunge (*ṛkṣajihva*) geformt. 5.

c37.s2.4.2

*puṇḍarīka*: die Flecken sind an den Rändern hellrot, in der Mitte rot, erhaben, gleich einer roten Lotusblüte (*puṇḍarīka*). 6. *sidhma*: die Flecken sind weiss oder kupferfarbig, klein, geben beim Zerreiben Staub, treten zumeist an der Brust auf und gleichen der Blüte der Flaschengurke. Nach DUTT ist Pityriasis, die Kleienflechte mit mehlartigen Schüppchen, gemeint. 7. *kākaṇa*, gleicht in der Farbe dem Samen von *kākaṇantikā* (Abrus precatorius, der in der Mitte schwarz, an den Rändern rot ist), eitert und schmerzt heftig; diese Form ist unheilbar. Während diese sieben schweren Formen wenigstens grösstenteils auf echte Lepra bezogen werden können, gehen die elf leichten anscheinend auf die verschiedensten sonstigen Hautkrankheiten. Sa. *ekakuṣṭha*: die Haut ist schweisslos, die Flecken sind gross und sehen wie Fischschuppen aus. 8b. *carman*: die Haut ist rauh anzufühlen wie die des Elephanten. Ersteres Leiden ist nach DUTT Ichthyosis, letzteres Hypertrophie der Haut. 9. *kitibha*: dunkel gefärbte Narben, rauh anzufühlen und hart, nach DUTT Keloid, der in derben, meist aus Narben entstehenden Wulsten besteht. 10. *vaipādikā*: heftig schmerzendes Aufspringen der Hände und Füsse, nach D. Psoriasis am Fuss. 11. *alasaka*: die Haut ist mit juckenden, roten Knötchen bedeckt, Schwindflechte. 12. *dadrumaṇḍala*: juckende, rote, erhabene Flecken. Nach D. ist Ringwurm gemeint, doch deutet nichts auf eine Erkrankung der Kopfhaut. 13.

c37.s2.4.3

*carmaḍala*: die Haut ist rot, schmerzhaft, es bilden sich juckende und eiternde Bläschen, die gegen Berührung empfindlich sind, Impetigo. 14. *pāmā*: winzige, aber zahlreiche Bläschen, mit Ausfluss, Jucken und Brennen verbunden, Ekzem oder nässende Flechte. 15. *kacchu*: ebenso, aber mit heftig brennenden Pusteln an den Händen und Hinterbacken, schmerzhaft, Krätze. 16. *visphoṭa*: dunkelrote Schwellungen mit dünner Haut, Beulen. 17. *śatārus*: rote oder dunkelfarbige, zahlreiche, mit Hitze und Schmerzen verbundene Geschwüre, Furunkel. 18. *vicarcikā*: juckende, dunkle, stark nässende Flecken oder Beulen, Psoriasis (nach D.), oder nässende Flechte. Weitere Unterscheidungen beziehen sich auf den Sitz der Krankheit in einem der sieben Elemente des Körpers, indem nur die in der Haut, im Blut oder Fleisch sitzenden Formen heilbar sind. Im Fett entsteht insbesondere Lahmheit der Hände, Unfähigkeit zu gehen, Abfall der Glieder, Ausbreitung der Wunden von einem Körperteil zum anderen. In Mark und Knochen entsteht Einfallen oder Abfall der Nase, Rötung der Augen, in den Wunden bilden sich Würmer, die Stimme verfällt. Im Samen des Vaters, sowie im Menstrualblut der Mutter befindlich, vererbt sich die Lepra auf beider Nachkommen. Allgemein ist *kuṣṭha* tödlich, wenn Würmer, Durst, Hitze, Verdauungsschwäche auftreten, die drei Grundsäfte gestört sind, die Geschwüre aufbrechen und ausfliessen, die Augen rot, die Stimme heiser, Arzneimittel (wegen Schwäche) nicht mehr anwendbar sind.

c37.s2.4.4

Nach Su. 2, 5, 15 ff. ist *kuṣṭha* die schlimmste aller Krankheiten, und wer daran stirbt, bekommt sie in einer künftigen Geburt wieder. Auch ist *kuṣṭha* ebenso wie Fieber, Schwindsucht, Ophthalmie und die epidemischen Krankheiten (»Pocken u. dgl.« Co.) durch häufige Berührung, den Atem, Zusammenspeisen, -liegen oder -sitzen, Kleider, Kränze und Salben übertragbar. Das Übergreifen von *kuṣṭha* von der Haut aus auf die übrigen Elemente des Körpers ist mit der allmählichen Ausbreitung der Wurzeln eines Baums in der Erde zu vergleichen. Die höchst zahlreichen Recepte gegen *kuṣṭha*, darunter namentlich die verschiedensten Abkochungen mit Butter und Öl, gehen sowohl auf innerliche als äusserliche Behandlung. Im Allgemeinen soll einmal in jedem Halbmonat ein Brechmittel, einmal in jedem Monat ein Abführmittel, alle drei Tage ein Nasenmittel und alle sechs Monate ein Aderlass zur Anwendung kommen (A. 4, 19, 96 = S. 4, 21, 120 = Su. 4, 9, 41 = Vṛ. 51, 138). Der Kranke soll auch Diät halten, fromme Gebräuche und Askese üben, seine Haare und Nägel kurz halten, Überanstrengung, Verkehr mit Frauen, Fleisch und geistige Getränke meiden, so wird er geheilt (C. 2. 5; 6, 5; Su. 2, 5; 4, 9; S. 3, 14; 4, 21; A. 3, 14; 4, 19; M. 294—305; Bhn 2, 4, 18 ff., V. 647 ff.; Vṛ. 51).

c37.s2.5

Neben *kuṣṭha* wird häufig *śvitra* »der weisse Aussatz« genant, aber als leichtere Krankheit, die daher auch in der Stufenfolge der Wiedergeburten als Strafe für leichtere Vergehen erscheint⁵. Nahe verwandt oder identisch hiermit ist *kilāsa*, schon im AV. als eine durch weisse und graue Flecken charakterisirte Krankheit vorkommend und von den Commentatoren auf weissen Aussatz (*śvetakuṣṭha*) bezogen⁶. Nach Dutt 61 wäre unter *kilāsa* in der Medicin Leukoderma zu verstehen; wahrscheinlich ist aber zugleich der weisse (glatte oder anästhetische) Aussatz gemeint, da beide Krankheiten in Indien häufig vorkommen und so schwer zu unterscheiden sind, dass bei der letzten Volkszählung besondere Instructionen darüber gegeben werden mussten⁷. Nach Su. unterscheidet sich *kilāsa* von *kuṣṭha* dadurch, dass erstere Krankheit nur in der Haut sitzt und ohne Ausfluss ist. Nach S. A. M. kann *śvitra* oder *kilāsa* auch im Blut, Fleisch und Fett sitzen und ist dann stufenweise schlimmer. Heilbar ist die Krankheit, wenn die Haare am Leib nicht weiss (sondern schwarz), die Flecken nicht gross sind und nicht zusammenhängen oder wie Brandwunden aussehen. Andernfalls ist sie unheilbar, ebenso wenn sie an den Genitalien, Handflächen oder Lippen auftritt (Su. 2, 5, 14; S. 3, 14; A. 3, 14, 37—41; M. 302—5). Die Behandlung ist ähnlich wie bei *kuṣṭha*, manche Recepte gelten für beide Krankheiten (Vṛ. l. c.; Bh. 2, 4, 38 f. etc.).

c37.s2.6

Auch unter *vāta-rakta*, *-śoṇita*, *vātāsṛj* »Windblut« ist nach Dutt der Aussatz zu verstehen. *Vātarakta* entsteht durch verdorbenes Blut, das zunächst in die Füsse läuft und sich dort staut. Verdorben wird das Blut durch erhitzende Speisen und Getränke und andere Diätfehler, Schlafen bei Tage, weite Gänge in der Hitze, Mangel an Bewegung, Kummer, Zorn u. s. w., besonders wenn man die Beine von einem Wagen oder Reittier herunterhängen lässt (S. A.). Nach Su. zeigt sich in den Füssen Schmerz, Stechen, Trockenheit, Taubheit, oder starkes Brennen, oder sie jucken nur, sind aber weiss, kalt und geschwollen. Nach S. A. sind die Vorzeichen von *vātarakta* ähnlich wie bei *kuṣṭha*, ferner zeigt sich Müdigkeit, Schlaffheit der Glieder, Jucken, Zucken, Reissen, Stechen, Schwere und Taubheit in den Knieen, Beinen, Schenkeln, Hüften, Schultern, Händen, Füssen und Gelenken, diese Erscheinungen kommen und gehen. Weiterhin ist *vātarakta* zuerst *uttāna*, d. h. auf die Haut beschränkt, dann *gambhīra* »tief«, indem es alle sieben Elemente des Körpers ergreift, so dass die Glieder verkrümmt werden und der Kranke lahm wird oder hinkt (C. S. A.). Bei Wind entstehen starke Schmerzen, Zucken und Reissen, die Geschwulst ist schwarz, die Gefässe, Finger und Gelenke sind zusammengekrümmt, die Glieder sind steif und taub und zittern. Bei Blut entsteht eine kupferrote schmerzhafte Schwellung mit Prickeln in der Haut, bei Galle starke Hitze, eiternde Geschwüre, Betäubung und Geistesverwirrung, bei Schleim Schwere, Unempfindlichkeit, Kälte der Haut, Jucken, doch wenig Schmerzhaftigkeit. Manchmal breitet sich das Leiden, nachdem es die Knöchel und Handgelenke ergriffen hat, über den Körper aus. Unheilbar ist die Krankheit, wenn eine offene Wunde bis zum Knie aufwärts entsteht oder die Geschwulst platzt und eitert, oder die Lebenskraft und das Fleisch abnehmen oder andere schlimme Complicationen eintreten, wie Schlaflosigkeit, Asthma, Anschwellung des Fleisches, Ohnmacht, Delirium, Fieber, Betäubung, Rotlauf, Verkrümmung der Finger und Zehen, Lahmheit, Knotenbildung u. a. Die Behandlung ist teils äusserlich, teils innerlich, namentlich werden viele Abkochungen in Butter und Öl empfohlen (C. 6, 29; Su. 2, 1, 39 ff.; 4, 5; S. 3, 16; 4, 24; A. 3, 16; 4, 22; M. 187—90; Bh. 2, 2, 203 ff.; V. 405--25; Vr. 9). Nach den obigen Symptomen kann *vātarakta* nicht ausschliesslich auf Lepra gehen, sondern umfasst auch gichtische und rheumatische Leiden⁸, vielleicht auch andere Hautkrankheiten.

c37.s2.7

¹ Viṣṇu 45, 2. —

c37.s2.8

² Vgl. meine Tagore Law Lectures 276 f. —

c37.s2.9

³ Vgl. COLEBROOKE'S Digest (London 1801) 3, 304 ff. --

c37.s2.10

⁴ Dieser Glaube herrscht in Indien noch jetzt, vgl. Census of India 1891, 23, 306. —

c37.s2.11

⁵ Manu 11, 51; Viṣṇu 45, 13. —

c37.s2.12

⁶ Vgl. ZIMMER l. c. 391; BLOOMFIELD, SBE. 42, 266. —

c37.s2.13

⁷ Vgl. z. B. Census of India 1891, 16, 305. Einen Report über den heutigen Stand der Lepra in Indien veröffentlichte die 1889/90 dort gewesene »Indian Leprosy Commission«. —

c37.s2.14

⁸ Vgl. WISE, Commentary 266 Anm.; A. C. K.s C.-Übers. 217 Anm.

§ 69. Entzündungen und Geschwülste

c37.s3.1

--- Unter *śotha*, *śvayathu*, *śopha* »Schwellung« kann jede auffallende Schwellung der Haut an irgend einer Stelle verstanden werden. Nach C. 1, 18 gibt es drei oder sieben Arten von *śotha*, nach den Grundsäften oder den Combinationen derselben, oder zwei Arten, je nachdem sie durch innere oder äussere (*āgantu*) Ursachen entstehen. Solche äussere oder zufällige Ursachen sind Verletzungen jeder Art, Berührung mit Blüten, Früchten oder Saft von *bhallātaka* (Semecarpus Anacardium)¹, stachlige Insekten (*śūka*)², oder giftige Pflanzen, oder der Schweiss, die Haut oder der Urin giftiger Tiere, oder der Biss und Verletzungen durch die Hörner oder Klauen giftiger oder ungiftiger Tiere, oder Meerwasser, giftige Winde oder Brandwunden. Innere Ursachen von *śotha* sind: die unrichtige Anwendung von Arzneimitteln, schwere Formen von Brechanfällen, Cholera, Lepra, Abortus und andere Leiden, schädliche Speisen und Getränke u. a. Gefährlich ist *śotha*, wenn er in der Mitte des Körpers auftritt oder sich überall hin verbreitet, tödlich, wenn er an einer ganzen Körperhälfte auftritt oder sich nach oben hin ausbreitet. Auch ist der Fall hoffnungslos, wenn Asthma, Durst, Erbrechen, Fieber, Schwäche, Appetitmangel, Schlucken, Durchfall und Husten dabei auftreten, wenn die Geschwulst bei Männern von den Füssen, bei Frauen vom Mund ausgeht, oder bei beiden Geschlechtern vom After, wenn sie alt ist, im Bauch, Hals oder an einer gefährlichen Stelle sitzt, gross oder hart ist, oder Kinder, Greise oder schwächliche Personen befällt. Nach C. gehören auch lokale Entzündungen und Schwellungen an der Zunge (*upajihvikā*, *adhijihvikā*), am Hals und Kehlkopf (*galaśuṇḍī*, *galagaṇḍa*, *galagraha*), am Zahnfleisch (*upakuśa*), am Abdomen (*udara*, *gulma*), ferner die Rose (*visarpa*), rote Geschwüre oder Beulen (*piḍakā*), kupferrote, schmerzende Beulen (*alajī*, schon vedisch) und andere zu *śotha*. Die Behandlung ist mehr eine innerliche als äusserliche, auch ist die Diät sorgfältig zu regeln (C. 1, 18; 6, 12; Su. 4, 23; S. 3, 13; 4, 19; A. 3, 13; 4, 17; M. 243—8; Bh. 2, 3, 87 ff.; Vṛ. 39; V. 561—74).

c37.s3.2

¹ Nach DUTT, Mat. Med. 141 wird der ätzende Saft von *bhallātaka* noch jetzt zur Hervorbringung künstlicher Wunden oder Narben benutzt.

c37.s3.3

² Diese *śūka* wurden auch als Stimulantien verwendet, indem man sie dem Penis applicirte; auch andere derartige Stimulantien hiessen daher *śūka*, vgl. Kāmasūtra 369. Die angeblich von diesen *śūka* entstehenden 18 *śūkadoṣa*, Entzündungen und Abscesse an den Genitalien, von denen vier unheilbar sind, bilden ein besonderes Kapitel der indischen Medicin. Vgl. Su. 2, 14; S. 6, 38 f.; A. 6, 33 f.; M. 289 93; V. 645 ff.; Vṛ. 50.

c37.s3.4

Unter *śopha* verstehen Su. S. A. (vgl. auch C. 6, 25, 22 ff.) auch Geschwüre, Eiterbeulen, offenbar das, was in der späteren Pathologie *vraṇaśotha*, d. h. durch ein Geschwür verursachte Geschwulst, heisst (M. K. V. Bh.), vgl. § 78. Es gibt 6 Arten von *śopha* oder *vraṇaśotha*, die auf den Grundsäften, Blut oder äusseren Ursachen beruhen und sich durch ihre Farbe, Consistenz, Schmerzhaftigkeit und Entwickelungsart unterscheiden. Es gibt ferner drei Stadien eines Geschwürs, von denen das unreife (*āma*) durch geringe Hitze und Schmerzhaftigkeit, Kälte, Härte und geringe Erhebung der Geschwulst und unveränderte Färbung der Haut gekennzeichnet wird. In dem reifenden (*pacyamāna*) treten heftige Schmerzen auf wie von Nadel-, Ameisen- oder Skorpionenstichen, Messerstichen, Keulenschlägen, Brennen oder Ätzen u. dgl., der Patient findet keine Ruhe im Stehen, Sitzen oder Liegen, die Geschwulst geht in die Höhe wie ein aufgeblasener Schlauch, die Haut entfärbt sich, es entsteht Fieber, Hitze, Durst und Appetitlosigkeit. In dem reifen Stadium (*pakva*) lassen die Schmerzen nach, die Haut ist weisslich, die Schwellung gering, es entstehen Hautfalten, die Haut springt auf, die Geschwulst lässt sich mit den Fingern niederdrücken, erhebt sich aber dann wieder, die obigen Begleiterscheinungen hören auf, der Appetit kehrt zurück. Zuerst drücke man das Geschwür mit den Fingern zusammen, dann ziehe man Blut daraus durch Blutegel u. dgl., dann lege man Pflaster auf, viertens schneide man es auf, fünftens wende man reinigende Mittel an, sechstens heilende Mittel, schliesslich beseitige man Verunstaltungen (Su. 1, 17, 17 f. — Vṛ. 44, 1 f.). Vor einer Operation lasse man den Kranken essen, damit er nicht ohnmächtig wird, und wenn er an Trinken gewöhnt ist oder keinen Schmerz ertragen kann, gebe man ihm ein starkes Getränk, damit er im Rausch das Messer nicht fühlt (Su. 1, 17, 11 f. — A. 1, 29, 14 f.). Die Unterlassung einer Operation bei einem reifen Geschwür führt dazu, dass der Eiter sich gewaltsam einen Ausweg sucht und eine Fistel bildet, vgl. § 77. Andrerseits entsteht aus dem Aufschneiden eines unreifen Geschwürs starker Blutverlust, Zerstörung des Fleisches, der Adern, Sehnen u. s. w. und andere schlimme Complicationen (Su. 1, 17; S. 1, 38; A. 1, 29; M. 265—7; Vṛ. 44; Bh. 2, 3, 112 ff.; V. 606 ff.).

c37.s3.5

§ 70. Rose, Beulen, Nesselsucht, Masern. — Der *visarpa*, *parisarpa*, »Rose, Rotlauf« (vgl. ved. *visarpaka* SBE. 42, 531, 601) wird auch mit Lepra (*kuṣṭha*) verglichen und der Name darauf zurückgeführt, dass er sich überall hin verbreitet (*sarvato visarpaṇāt* oder *visaraṇāt*, *vividhaṃ sarpati*). Nach C. sind die Entstehungsursachen der übermässige Genuss salziger, sauerer, scharfer, heisser Flüssigkeiten und andere Diätfehler, ferner Wunden, giftige Winde u. a. Bei Wind ist die von *visarpa* ergriffene Stelle braun oder rötlich, geschwollen, überaus schmerzhaft, und wenn man nichts dagegen thut, so bedeckt sie sich mit rasch platzenden, kleinen, rötlichen oder dunkelfarbenen Pusteln, auch tritt Verstopfung und Harnverhaltung ein. Bei Galle ist die ergriffene Stelle kupferrot, grün, gelb, blau, schwarz oder rot, es bilden sich stark brennende und rasch reifende Pusteln. Bei Schleim ist die Stelle geschwollen, nicht sehr rot oder schmerzhaft, die Pusteln reifen langsam, der Ausfluss ist weiss und übelriechend. Bei Wind und Galle sieht die Stelle wie verlöschte Kohlen oder überaus rot aus, die Pusteln gleichen Brandblasen; diese Form heisst *agnivīsarpa* oder *āgneya* »Feuerrose«. Bei Schleim und Galle ist die Stelle mit roten, gelben oder weisslichen Bläschen bedeckt, schmutzfarben, brennend, tief eiternd, ohne Ausfluss; dies ist die unheilbare Form *kardamavīsarpa* »Schmutzrose«. Bei Schleim und Wind bildet sich ein Haufe von sehr schmerzhaften Knoten (*granthimālā*), daher heisst dies *granthivīsarpa* »Knotenrose«. Bei allen drei Grundsäften erfasst die Krankheit alle Glieder und alle Elemente des Körpers und zeigt alle obigen Erscheinungen. Diese Form ist unheilbar, ebenso auch *granthivīsarpa*, wenn dazu die Complicationen: Fieber, Durchfall, Schlucken, Asthma, Erbrechen, Ohnmacht u. a. kommen, und *agnivīsarpa*, wenn das Leiden rasch die edeln Teile ergreift und Betäubung, Schlaflosigkeit oder Schlafsucht, Unruhe, Gliederschmerzen hervorruft. Die drei ersten Formen sind heilbar, doch werden auch bei ihnen schlimme Begleiterscheinungen erwähnt. Die Behandlung der heilbaren Formen soll mit Brechmitteln, Fasten, Purgantien, Blutentziehung u. dgl. beginnen, erst dann soll die äusserliche Behandlung (*kriyā bāhyā*) folgen, mit Salben, kalten Umschlägen, Pflastern u. s. w. Nach obigen Beschreibungen sind unter *vīsarpa* ausser der Rose wohl auch Karbunkel und andere Geschwüre zu verstehen (C. 6, 21; Su. 2, 10; 4, 17; S. 4, 20; A. 4, 18; M. 309—14; Vr. 54; V. 689—95; Bh. 2, 4, 42 ff.).

c37.s3.6

Die *visphoṭa*, *visphoṭaka* »Beulen« sind uns schon als eine Form der Lepra (*kuṣṭha*) begegnet (§ 68). Auch unter den *kṣudraroga* (§ 67) werden sie in S. 6, 36, A. 6, 31 erwähnt, als sehr schmerzhafte Beulen, die noch schlimmer als die Pocken sind. Nach M. gleichen sie Brandblasen, sind mit Fieber verbunden, entstehen aus Blut und Galle und treten entweder nur an einer Stelle oder am ganzen Körper auf. Bei allen drei Grundsäften sind sie in der Mitte eingedrückt, an den Rändern erhaben, hart, ohne viel Eiter, dazu kommt Brennen, Röte, Durst, Geistesverwirrung, Erbrechen, Ohnmacht, Schmerzen, Fieber, Delirium, Zittern, Schläfrigkeit; diese Form ist unheilbar. Auch rote Beulen, die wie Guñjasamen, d. h. rot mit einem schwarzen Tüpfchen oder wie Korallen aussehen, sind unheilbar. Die Behandlung ist wie bei *vīsarpa* zuerst innerlich, dann äusserlich, auch in den Recepten werden oft *vīsarpa* und *visphoṭa* zusammen erwähnt (M. 314—6; Vr. 55; V. 695—9; Bh. 2,,4, 47—50).

c37.s3.7

*Śītapitta* »kalte Galle«, *udarda*, nach WISE und DUTT die Nesselsucht, ist anscheinend der älteren Pathologie noch fremd, doch erwähnen S. 2, 2, A. 2, 2 beim Fieber eine mit einem kalten Ausschlag und *udarda* verbundene Form desselben. Die Krankheit entsteht durch kalten Wind und beginnt mit Durst, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Mattigkeit, Schwere in den Gliedern, Rötung der Augen, worauf sich eine dem Stich einer Wespe gleichende Geschwulst auf der Haut bildet, mit Jucken, Stechen, Erbrechen, Fieber und Hitze. *Udarda* (»Rothlauf, Rose« B.-R.) heisst das Leiden insbesondere, wenn es in der kühlen Jahreszeit auftritt, auf Schleim beruht und durch juckende, runde, in der Mitte eingedrückte Beulen charakterisirt wird. *Koṭha* (»urticaria evanida« DUTT), ein Ausschlag mit vielen runden, juckenden, roten Flecken, entsteht besonders durch ungenügende oder unrichtige Anwendung von Brechmitteln bei verdorbenem Magen; bei wiederholtem Auftreten heisst dieses Leiden *utkotha*. Die Behandlung dieser offenbar als leicht betrachteten Krankheiten ist ähnlich wie bei *visarpa* und *kuṣṭha* (M. 305 f.; Vr. 52; V. 677—9; Bh. 2, 4, 39—41).

c37.s3.8

Auch die Masern, die jetzt in Indien nicht selten epidemisch und mit grosser Sterblichkeit auftreten, sind der älteren Medicin noch nahezu unbekannt. Nur C. erwähnt die *romāntikā* ganz kurz in dem Capitel über *śotha* (6, 12, 55), wo er sie als kleine, am ganzen Körper verbreitete Flecken, mit Fieber, Hitze, Durst, Jucken, Appetitlosigkeit und Übelkeit verbunden, beschreibt; in seiner Aufzählung der Krankheiten (1, 19) fehlen sie. Nach M., der sie als eine Art Pocken behandelt, sind die *romāntī* rote Tüpfchen von gleicher Höhe wie Haarwurzeln; Begleiterscheinungen sind Husten und Appetitlosigkeit, vorher tritt Fieber auf. Auch in den Recepten erscheinen die Masern neben den Pocken (M. 318; Vr. 56; Bh. 2, 4, 55 ff.; V. 701 ff.).

§ 71. Äussere und innere Abscesse

c37.s4.1

— Unter dem häufig erwähnten Leiden *vidradhi*, *vidradhikā* (ved. *vidradha*), das auch als Folgeerscheinung von Harnruhr vorkommt, sind verschiedene Abscesse und Entzündungen zu verstehen. Nach C. 1, 17, 48 kommt der Name von dem raschen Verbrennen oder Zerstören (*śīghravidāhitvāt*) her. Es gibt äussere und innere *vidradhi*. Er identificirt letztere mit *granthi* »Knoten, tiefsitzender Abscess«, der im Herzen, der Lunge, Leber, Milz, dem Unterleib, den Nieren, dem Nabel oder den Leisten seinen Sitz hat. Reife Abscesse entleeren ihren Inhalt aus dem Mund, wenn sie in der oberen, aus dem After, wenn sie in der unteren Körperhälfte ihren Sitz haben, nach beiden Seiten hin, wenn sie im Nabel sitzen; die im Herzen, Nabel oder der Blase sitzenden oder auf den drei Grundsäften beruhenden sind tödlich. Bei allen *vidradhi* ist der Schmerz sehr stark, wie von Messerschnitten, Speerwürfen oder Feuerbränden, beim Reifwerden wie von Scorpionenstichen (C. 1, 17). Andere *vidradhi* und *granthi* beschreibt C. in dem Capitel über *śotha* (6, 12), so *vidradhi* am Gaumen, mit Brennen und Röte des Fleisches, *dantavidradhi*, eine Geschwulst am Zahnfleisch, *granthi*, die man herausschneiden muss, damit sie nicht wiederkehren, *arbuda*, die von ähnlicher Beschaffenheit und ebenso wie *granthi* zu behandeln sind u. a. Nach Su. M. ist *vidradhi* eine gefährliche, tief wurzelnde, schmerzhafte, runde oder längliche Geschwulst. 1. Von Wind ist sie schwarz oder rot, von wechselndem Umfang, überaus schmerzhaft, entsteht und reift langsam, der Ausfluss ist hell. 2. Von Galle ist sie wie eine reife Feige gefärbt oder dunkelbraun, von Fieber und Hitze begleitet, entsteht und reift schnell, der Ausfluss ist gelb. 3. Von Schleim ist sie (gross) wie eine Schüssel, weisslich, kalt, glänzend, nicht sehr schmerzhaft, entsteht und reift langsam und juckt, der Ausfluss ist weiss. 4. Von den drei Grundsäften sind die Farbe, der Schmerz und der Eiter verschiedenartig, diese Form ist unheilbar. 5. Von Verletzungen sind die Erscheinungen wie bei Galle, aber bei Vernachlässigung der Wunde treten Fieber, Durst und Hitze hinzu. 6. Von Blut ist die Geschwulst von schwarzen Bläschen umgeben, dunkelfarbig, bewirkt heftiges Brennen und Schmerzen, zeigt aber sonst die gleichen Erscheinungen wie bei Galle. Von diesen äusseren *vidradhi* sind die inneren zu unterscheiden, die den oben nach C. beschriebenen Abscessen im Herzen u. s. w. entsprechen; wenn dieselben sich nach oben (aus dem Mund) entleeren, sind sie tödlich. Hier wird auch des auf Zurückhaltung des Blutes beruhenden Abscesses der Wöchnerinnen *makkalla* gedacht, vgl. § 49, und der Unterschied zwischen *gulma* (§ 54) und *vidradhi* besprochen; erstere Geschwulst wird nicht reif, weil sie kein Fleisch und Blut enthält, letztere reift d. h. eitert, weil sie viel Fleisch und Blut enthält. Gegen *vidradhi* wird die Anwendung von Blutegeln und milden Abführmitteln, Pflastern und Breiumschlägen und verschiedenen Arzneien u. s. w. empfohlen (Su. 2, 9; 4, 16; S. 3, 11; 4, 15; A. 3, 11; 4, 13; M. 260—5; Vṛ. 43; Bh. 2, 3, 107 ff.; V. 600—6).

c37.s4.2

§ 72. Knoten, Tumoren, skrophulöse Geschwülste, Kropf. — Die in § 71 erwähnten *granthi* und *arbuda* werden sonst meist im Zusammenhang mit skrophulösen und anderen Anschwellungen besprochen. Nach S. A. ist *granthi* »Knoten« eine runde und hohe Geschwulst. Im Fleisch ist er glänzend, gross, hart; im Fett ist er weich, beweglich und lässt zähes, kupferfarbiges, weisses oder schwarzes Fett ausfliessen (Lipom?); in den Knochen entsteht er durch Knochenbruch und ist hoch oder niedrig; in den Adern ist er frei von Zuckungen und Schmerzen; von einer Wunde ist er mit Hitze und Jucken verbunden. Grosse, harte, bewegliche, an einem edlen Teile, am Hals, oder am Bauch sitzende *granthi* sind unheilbar.

c37.s4.3

Die *arbuda* sind nach S. A. grösser als die *granthi*, nach Su. rund, fest, fast schmerzlos, gross, tiefgewurzelt, von langsamem Wachstum, ohne Eiter, können an jedem Körperteil auftreten. Es gibt sechs Arten, von denen die auf Blut beruhende (*śoṇitārbuda*), bei der ein reichlicher Ausfluss von verdorbenem Blut stattfindet, und die auf verdorbenem Fleisch beruhende (*māṁsārbuda*), bei der ein schmerzloser, steinharter Tumor entsteht, unheilbar sind.

c37.s4.4

Wenn an den Gelenken der Kinnbackenknochen, der Achselgruben, des Schlüsselbeins oder der Arme, oder am Nacken, oder an der Kehle durch eine Fettanhäufung und Schleim ein fester, runder oder länglicher Knoten entsteht, um den sich andere Knoten von der Grösse eines Myrobalanenkerns oder wie Fischeier bilden, so nennt man dies nach der Anschwellung (*caya*) *apacī* (ved. *apacit*)¹. Diese Knötchen verursachen Jucken, aber wenig Schmerzen, lassen beim Platzen eine Flüssigkeit ausströmen, vergehen, es bilden sich dann neue; wenn die Krankheit eine Anzahl Jahre gedauert hat, ist sie sehr schwer heilbar (Su). Nahe verwandt oder identisch hiermit ist *gaṇḍamālā* »Beulenhalsband«, bestehend in zahlreichen Knötchen (*gaṇḍa*), von der Grösse einer Brustbeere oder Myrobalane, die sich an den Achselgruben, Schultern, am Nacken, Hals oder in der Leistengegend bilden, wenig Schmerz verursachen, langsam reifen, verschwinden, aber lange immer wiederkehren, und unheilbar sind, wenn Schnupfen, Seitenschmerzen, Husten, Fieber und Erbrechen hinzutreten (M. S. A.). Offenbar sind skrophulöse Geschwülste gemeint.

c37.s4.5

Verwandt mit *gaṇḍamālā* ist *galagaṇḍa* »Halsbeule« d. h. Kropf, der noch jetzt im Terai häufig vorkommt². Eine grosse oder kleine Geschwulst, die wie Hoden vom Hals herabhängt, heisst *galagaṇḍa*. Von Fett ist der Kropf glatt, schwer, weisslich, übelriechend, juckt, aber schmerzt kaum, hängt wie eine Gurke herab, mit kleiner Wurzel, nimmt ab und zu ebenso wie der Körper, der Mund glänzt, die Stimme ist belegt. Unheilbar ist das Leiden, wenn der Kranke mit Mühe atmet, die Stelle weich, der Kropf schon über ein Jahr alt, der Kranke erschöpft und heiser ist (Su. M.). In S. A. werden hier statt des Kropfes Elephantiasis und Fisteln angeschlossen.

c37.s4.6

Unreife *granthi* sind ebenso wie *śotha* (§ 69) zu behandeln, reife aufzudrücken und zu reinigen und dann wie Wunden zu heilen; für *arbuda* gelten die gleichen Regeln wie für *granthi* (Vṛ. 41, 26, 34). Weiter werden Operationen mit dem Messer, Ätzmittel, Ausbrennen, Ansetzung von Blutegeln, Pflaster und die verschiedensten Arzneien empfohlen. Die Exstirpation muss eine vollständige sein, da sonst die Geschwulst wiederkehren würde. *Apacī* kann man durch eine Salbe aus einer Mischung der Asche von Senfblättern und anderen mit Ziegenurin vertreiben, innerlich sind Brech- und Abführmittel zu gebrauchen; Räucherungen, Blutentziehung an der wunden Stelle, Ausbrennen derselben, Niesemittel u. s. w. werden auch empfohlen, ähnlich bei *gaṇḍamālā*. Über ähnliche Einreibungen und Blutentziehungen in der vedischen Medicin bei *apacit* s. Kau. Sū. 30, 16 (Caland); Bloomfield, SBE. 42, 504. Gegen Kropf sind verschiedene lauwarme Umschläge und Pflaster, Blutentziehung, Nasenmittel u. a. anzuwenden, innerlich Kuh- oder Büffelkuhurin mit verschiedenen Zusätzen und anderen Arzneien; auch zur Excision der Geschwulst kann geschritten werden (C. 6, 12, 48ff.; Su. 2, 11; 4, 18; S. 6, 34f.; A. 6, 29f.; M. 251—8; Vṛ. 41; Bh. 2, 3, 98ff.; V. 582—92).

c37.s4.7

¹ Vgl. Bloomfield, Amer. Journ. Phil. 11, 320ff.; SBE. 42, 504. —

c37.s4.8

² Chevers, l. c. 361.

c37.s4.9

§ 73. Elephantiasis. — Diese Krankheit, bekannt durch die unförmlichen Anschwellungen, erscheint in den Rechtsbüchern als eine Strafe des Schicksals für den Bruch eines Keuschheitsgelübdes in einer früheren Geburt¹. Wie der Name sagt, tritt *ślīpada* hauptsächlich am Fuss auf, indem die Grundsäfte mit einem Überschuss von Schleim in die untere Körperhälfte, von den Leisten und Oberschenkeln anfangend, eindringen, das Fleisch und Blut ergreifen und mit der Zeit in die Füsse gelangen, wo sie ganz allmählich eine feste Geschwulst hervorbringen (S. A.). Von Wind ist dieselbe hart, schwarz, rauh, die Haut springt auf, ohne Veranlassung entstehen Schmerzen, der Schmerz ist heftig, es kommt Fieber. Von Galle ist *ślīpada* gelblich, etwas weich, mit Fieber und Hitze verbunden; von Schleim glatt, weisslich, schwer (daher *bhārika* »eine Last bildend« genannt), unbeweglich, gross, mit Fleischauswüchsen übersät, schmerzlos. Unheilbar ist *ślīpada* nach einem Jahr, und wenn es übermässig gross ist, einem Ameisenhaufen gleicht und stark nässt u. s. w. »Nach einigen Autoritäten« entsteht *ślīpada* wie an den Füssen, so auch an den Händen, der Nase, den Lippen und den Ohren, oder auch an den Augen und am Penis. Es tritt besonders in solchen Gegenden auf, welche alte (stagnirende) Gewässer enthalten, sumpfig und in allen Jahreszeiten kalt sind. Der Arzt soll je nach den drei Grundsäften oberhalb oder unterhalb des Knöchels oder am grossen Zehen eine Ader öffnen, ferner werden verschiedene Pflaster und Einreibungen beschrieben, auch Hitze ist anzuwenden, der Patient soll fasten oder einen Monat lang Ricinusöl mit Kuhurin trinken, oder ein Klystier nehmen, im äussersten Fall soll man die Geschwulst ausbrennen (C. 6, 12, 60; Su. 2, 12; 4, 19; S. 6, 33f.; A. 6, 29f.; M. 258—60; Vṛ. 42; Bh. 2, 3, 105—7; V. 594—600). Der Elephantenfuss und ähnliche oft ungeheuer grosse Geschwülste am Hodensack sowie das elephantoide Fieber kommen noch jetzt besonders in den sumpfigen Teilen Indiens vor².

c37.s4.10

¹ Viṣṇu 45, 29. —

c37.s4.11

² Chevers l. c. 263.

c37.s4.12

§ 74. Geschwollene Hoden, Leistenbruch, Hydrocele. — Unter dem allgemeinen Ausdruck *vṛddhi* »Zunahme« scheint jede krankhafte Anschwellung des Scrotums verstanden zu werden, während das damit verwandte und nach Ar. völlig synonyme *vardhma*, *vardhman* (*vradhna*, *bradhna*, *bradhma*) auch in der engeren Bedeutung »Leistenbruch« gebraucht wird, so Bh. 2, 3, 95; V. 580. Bei der von C. 1, 18, 28 beschriebenen Krankheit, bei der der gestörte Wind mit Bewirkung von Anschwellung und Schmerzen aus der Leistengegend in die Hoden tritt, finden sich jedoch die beiden Lesarten *vṛddhi* und *vradhna*, vgl. auch B. 2, 273. Die nämliche Krankheit scheint C. 6, 12, 56 f. zu beschreiben, wo von Anschwellung der Hoden durch Wind die Rede ist, die aus den Eingeweiden heraus- und wieder hineintritt und operirt werden soll; also offenbar ein Leistenbruch. Eine schmerzlose Anschwellung der Hoden heisst nach V. 580 *kuraṇḍa*. Nach M. 248—50 = A. 3, 11, 21 ff. = S. 3, 11, 287 f. = V. 574 f. = Bh. 2, 3, 93 ff. dringt der gestörte Wind aus der Leistengegend, Schwellung und Schmerzen bewirkend, in das Scrotum und ruft *vṛddhi* in den Hoden hervor, von welchem Leiden es sieben Arten gibt, je nachdem es auf einem der drei Grundsäfte oder auf Blut, Fett, Harn oder dem (herausgetretenen) Eingeweide beruht. Von Harn entsteht *vṛddhi* durch gewohnheitsmässige Harnverhaltung, ist schmerzhaft und weich und wird beim Gehen geschüttelt wie ein mit Wasser gefüllter Schlauch, auch kommen Harnbeschwerden, und unterhalb der Hoden bildet sich eine runde Erhöhung. Dies scheint Hydrocele zu sein (WISE). Die unheilbare Krankheit *antravṛddhi* (Leistenbruch) entsteht aus dem Eingeweide. Wenn durch Speisen, die den Wind stören, kalte Bäder, Unterdrückung oder Hervorrufung der natürlichen Ausscheidungen, Lastentragen, Marschieren, Verrenkungen und andere Störungen beunruhigt, der Wind ein Stück der kleinen Eingeweide verdirbt und von seinem Standort abwärts treibt, so bewirkt er in der Leistengegend eine knotenartige Geschwulst. Wird die Geschwulst nicht behandelt, so bewirkt der Wind eine schmerzhafte Anschwellung des Scrotums, die bei Druck mit Geräusch nach innen zurückgeht, dann beim Aufhören des Drucks wieder hervortritt. Nach Su. 2, 12, 2 ist die Anschwellung am Scrotum länglich und gleicht einer Blase.

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