Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c9.s2: 2. Kapitel. Die Mittelwelt
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c9.s2
- Language
- German
Contents
- c9.s2.t1 A. Der Jambūdvīpa
- c9.s2.t2 1. Dimensionen und Umgebung desselben — 12 parts
- c9.s2.t3 2. Die Weltgebirge und Weltzonen im allgemeinen — 38 parts
- c9.s2.t4 3. Die Weltströme — 10 parts
- c9.s2.t5 4. Die Weltzonen im einzelnen
- c9.s2.t6 a) Bharata — 148 parts
- c9.s2.t7 1. Pūrva-(Ost-)Videha
- c9.s2.t8 a) Der Norden. (Von Westen nach Osten.) — 3 parts
- c9.s2.t9 b) Der Süden. (Von Osten nach Westen.) — 2 parts
- c9.s2.t10 2. Apara-(West-)Videha
- c9.s2.t11 a) Der Süden. (Von Osten nach Westen.) — 7 parts
- c9.s2.t12 B. Der Lavaṇoda-Ozean — 39 parts
- c9.s2.t13 C. Dhātakīkhaṇḍa — 26 parts
- c9.s2.t14 D. Der Kāloda-Ozean — 3 parts
- c9.s2.t15 E. Der Puṣkaradvīpa — 94 parts
2. Kapitel. Die Mittelwelt
c9.s2.1
Über der Decke der obersten Hölle, Ratnaprabhā genannt, breitet sich die Mittelwelt aus. Sie besteht aus einem kreisrunden Zentral-Kontinent, der von unzähligen Ring-Meeren und Ring-Kontinenten abwechselnd eingeschlossen wird². Der Durchmesser des Zentral-Kontinentes, der den Namen Jambūdvīpa führt, beträgt 100 000 Yojana und dient als Einheit für die Breite der ihn umschliessenden Ring-Meere und Ring Kontinente, die nach aussen hin in geometrischer Progression stetig zunimmt. Der äusserste Kontinent ist der Svayambhūramaṇadvīpa, unzählig viele Yojana breit, und dieser wird seinerseits wieder von dem Svayambhūramaṇa-Meere rings umschlossen³. Die Schilderung des Zentral-Kontinentes Jambūdvīpa ist am wichtigsten und wird infolgedessen auch den grössten Teil dieses Kapitels einnehmen.
c9.s2.2
² Lokaprakāśa S. 463 ff.; Saṃgrahaṇiratna Bl. 9a ff.
c9.s2.3
³ Jīvābhigamasūtra Bl. 435a ff.; Tattvārthādhigamas. 3. 8c.
c9.s2.4
Allgemeine Beschreibung.
A. Der Jambūdvīpa
1. Dimensionen und Umgebung desselben
c9.s2.t2.1
Der bekannteste Teil der Menschenwelt, die den Zentral-Kontinent und die nächsten anderthalb Ring-Kontinente umfasst, ist der Jambūdvīpa, „die Insel des Rosenapfelbaumes“. Sein Durchmesser beträgt, wie schon gesagt, 100 000 Yojana und sein Umfang nach der jainistischen Berechnung der Zahl π = √10 = 3,16227 ¹), 316227 Yojana, 3 Gavyūta, 128 Dhanus und noch etwas mehr als 13¹/₈ Aṅgula ²).
c9.s2.t2.2
² Jīvābhigamas. Bl. 438 f.; Jambūdvīpaprajñapti Bl. 14 b f.; Jambūdvīpasamāsa S. 19 usw.; Trailokyadīpikā Bl. 15 b.
c9.s2.t2.3
Rings umgibt ihn ein Wall (jagatī) nach Art einer Stadtmauer ³). Dieser ist 8 Yojana hoch, an der Basis 12 und an der Spitze 4 Yojana breit und hat also einen mittleren Durchmesser von 8 Yojana. Er besteht aus Diamant (vajra), ist klar und besitzt überhaupt alle jene Eigenschaften, wie sie die jainistische Phantasie derartigen Gegenständen in der bekannten stereotypen Weise beilegt. Diesen Wall umgibt ringsum ein Gitter (jālakataka) ⁴) aus Edelstein, ¹/₂ Yojana hoch und 500 Dhanus breit. Mitten auf diesem Wall erhebt sich eine ringförmige Lotusterrasse (padmavaravedikā) ⁵), ¹/₂ Yojana hoch und 500 Dhanus breit, also von derselben Ausdehnung wie das den ganzen Wall umgebende Gitter. Diese Terrasse ist aus Kostbarsten hergestellt, was sich die indische Phantasie denken kann; so sind die Fundamente aus Diamant, die Stützen aus Riṣṭa (eine Edelsteinart), die Pfosten aus Beryll, die Balken aus Gold, die Riegel, die die einzelnen Teile zusammenhalten, aus Rubin, die Verbindungsteile aus Diamant usw. ⁶). Auf dieser Terrasse breitet sich nun wieder ein paradiesischer Garten aus mit Hainen, Teichen und Gruppen, so phantastisch, wie sie nur die Inder erdenken konnten. Über die Einzelheiten der Schilderung dürfen wir wohl hinweggehen, da sie ganz belanglos und sehr weitschweifig sind ⁷).
c9.s2.t2.4
¹ s. Jacobi: Tattvārdhādigamas. (Z. D. M. G.) S. 314.
c9.s2.t2.5
³ Jambūdvīpaprajñapti Bl. 15 a ff.; Jīvābhigamas. 439 a; Trailokyadip. 43 b. Siehe auch hierzu die Schilderung in der Upamitibhavaprapañcakathā des Siddhārṣi, Prastāva 2 (ed. H. Jacobi in Bibl. Ind. Nr. 1228 S. 147); Lokaprakāśa S. 468 ff.
c9.s2.t2.6
⁴ Jīvābhigamas. Bl 440 b Komm: jālāni jālakāni bhavanabhittiṣu loke 'pi prasiddhāni teṣām kaṭakaḥ samūho jālakatakaḥ.
c9.s2.t2.7
⁵ Eine solche Terrasse ist überall mit kostbaren Lotussen verziert. Hiravijaya sagt in seinem Kommentar zur Jambūdvīpaprajñapti Bl. 33: tasyāṃ tu vedikāyāṃ tatra pradeśe uparitale vedikābāhāsu vedikāstambheṣu vedikāphalakeṣu ca sarvaratnamayāni śatapatrasahasrapatrāṇi rūpāṇi padmāni vartante, tena padmavarā. Siehe auch die weitere Ausführung in Prabhācandra's Kommentar zur Jambūdvīpasamgr. zu Vers 11.
c9.s2.t2.8
⁶ Jīvābhigamas. Bl. 441 ff.
c9.s2.t2.9
⁷ Die nähere Ausführung s. Jīvābhigamas. 441 ff.; Lokaprakāśa S. 468 ff.
c9.s2.t2.10
Die vier Tore des Jambūdvīpa. Der Jambūdvīpa hat vier Tore: Vijaya, Vaijayanta (Vej⁰), Jayanta und Aparājita (Aparājita), in der Reihenfolge von Osten nach Süden. Diese sind 8 Yojana hoch und 4 Yojana breit und tief ⁸). Das östliche Tor, Vijaya, liegt über der Mündung des Flusses Śītā in den Ozean und das westliche, Jayanta, über der Mündung der Śītodā. Jedes Tor hat seine Gottheit, die nach demselben benannt ist ⁹). Da der Jambūdvīpa kreisrund ist, so ist die Entfernung der einzelnen Tore von einander, also der Bogen zwischen denselben, nach jainistischer Berechnung etwas weniger als 79 052 1/2 Yojana.
c9.s2.t2.11
⁸ Jambūdvīprajñapti Bl. 35 b ff.; Jīvābhigamas. Bl. 492; Jambūdvīpasamāsa S. 19; Lokaprakāśa S. 472 ff.
c9.s2.t2.12
⁹ Die nähere Beschreibung des Vijaya-Tores s. Jīvābhig. 492—630. Die übrigen sind genau so.
2. Die Weltgebirge und Weltzonen im allgemeinen
c9.s2.t3.1
Den ganzen Jambūdvīpa teilen sechs von Westen nach Osten hinstreichende Gebirgsstreifen in sieben ungleiche Teile oder Zonen. Die Gebirge heissen varṣadharaparvata (vāsaharapavvaya) „Weltgebirgsbänke“ oder auch kulaparvata ¹) „Hauptgebirge“ und die Landstreifen oder Zonen varṣa, vāsya (vāsa) oder kṣetra (khetta). Ihre Namen sind in der Reihenfolge von Süden nach Norden folgende ²):
c9.s2.t3.2
¹ Die Kulaparvata der Jaina sind wohl zu unterscheiden von den gleichnamigen Gebirgen der Brāhmaṇen. Diese verstehen darunter die sieben Hauptgebirge in Bhārata; siehe S. 61.
c9.s2.t3.3
² Jambūdvīpaprajñapti Bl. 306 b ff.; Tattvārthādhigamas. 3. 10. 11; Jambūdvīpasamāsa S. 20 ff. usw.; Trailokyadīpikā Bl. 16a; Trailokyasāra Bl. 48 a.
c9.s2.t3.4
| Namen der Gebirge | Namen der Zonen |
| Himavat (Himavanta) oder Kṣulla-Kṣudrahimavat (Cullahimavanta) | Bharatavarṣa (Bharaha), |
| Mahāhimavat (Mahāhimavanta) | Haimavatavarṣa (Hemavai), |
| Niṣadha (Nisaha) | Harivarṣa (Harivāsa), |
| Nīla (ts.) ³) | Videhavarṣa oder Mahāvideha (ts.) |
| Rukmin (Ruppi) | Ramyakavarṣa (Rammaya) |
| Śikharin (Sihari). | Hairanyavatavarṣa (Heraṇṇavaya) |
| | Airāvatavarṣa (Erāvaya). |
c9.s2.t3.5
³ ts. = tatsama bedeutet, dass die Prākrit-Form mit der Sanskritform übereinstimmt.
c9.s2.t3.6
Der Himavat und der Śikharin, also der südlichste und nördlichste Gebirgsstreifen sind aus Gold, der Mahāhimavat und Rukmin aus Silber (Trailokyadīpikā: arjuna resp. rajata) und die beiden innersten, der Niṣadha und Nīla aus Gold resp. Beryll ⁴).
c9.s2.t3.7
⁴ Trailokyadīpikā Bl. 16a; Trailokyasāra Bl, 48a; Jambūdvīpasamgrahaṇī Vers 27. 28. Siehe in der Jambūdvīpaprajñapti und der Jambūdvīpasamgr. die einzelnen Abschnitte, in denen über die Gebirge gehandelt wird.
c9.s2.t3.8
Die Breite und Höhe dieser Gebirgsstreifen und die Breite der Zonen nimmt von Süden nach der Mitte hin in geometrischer Progression zu, um dann wieder von da aus in derselben Weise abzunehmen. Nehmen wir die Breite von Bharata, also des südlichsten Landstreifens, als Einheit an, so hat die Breite des Himavat 2, die von Haimavata 4 Einheiten usw., endlich die von Videha 64 Einheiten; die Breite der nördlichen Gebirge und Zonen nimmt wieder in derselben Weise ab; so hat die Breite des Śikharin 2 Einheiten und die von Airāvata ist gleich der von Bharata. Wir erhalten somit die doppelte Progression ⁵):
1. 2. 4. 8. 16. 32. 64. 32. 16. 8. 4. 2. 1 = 190.
c9.s2.t3.9
⁵ Lokaprakāśá S. 492 f.
c9.s2.t3.10
Da nun der Durchmesser von Jambūdvīpa 100 000 Yojana beträgt, so erhalten wir für die als Einheit angenommene Breite Bharata's 100000/190 = 526 6/19 Yojana ⁶), die die Jaina mit dem Worte khaṇḍa bezeichnen. Im Anfang des Jambūdvīpaprajñapti wird hierüber eingehend gehandelt. Der Himavat und entsprechend auch der Śikharin haben eine Höhe von 100 Yojana. Hierzu kommen noch 25 Yojana, die unter der Erdoberfläche bleiben und gleichsam als Fundament dienen. Beim Mahāhimavat und Rukmin haben wir die doppelten und beim Niṣadha und Nīla die vierfachen Zahlenverhältnisse. Jene sind also 200, diese 400 Yojana hoch, ausserdem 50 resp. 100 Yojana unter der Oberfläche. Wie uns eine Stelle im Trailokyasāra ¹) lehrt, haben diese Gebirgsbänke an der Basis und am Gipfel die gleiche Breite. Sonst finde ich hierüber keine Angaben, aber der Umstand dürfte für die Richtigkeit der Mitteilung dieses Werkes sprechen, dass uns diese Punkt keine detaillierte Beschreibung gegeben wird. Da nun die einzelnen Zonen uud Gebirge, mathematisch betrachtet, Kreis-Abschnitte resp. Segmente darstellen, so geben die Jambūdvīpaprajñapti und die Trailokyadīpikā noch spezielle Angaben über die Länge der zu diesen einzelnen Abschnitten resp. Segmenten zugehörigen Bogen (dhanus), Bogenhöhen (bāṇa) und Sehnen (jīva). In der Jambūdvīpaprajñapti sind die betreffenden Angaben zerstreut, in der Trailokyadīpikā sind sie in einer Tabelle übersichtlich zusammengestellt ²). Deswegen führe ich diese an, notiere aber zugleich die Varianten der Jambūdvīpaprajñati ³).
c9.s2.t3.11
⁶ Prabhācandra gibt in seinem Kommentar zur Jambūdvīpasamgrahaṇī Vers 3 drei Wege an, wie man zu diesem Resultat gelangen kann, doch sind dieselben hier wohl ohne Interesse.
c9.s2.t3.12
| Namen | Bogenhöhe (bāṇa) | Die zur Bogenhöhe zugehörige Sehne (jīva) | Bogen (dhanus) | Breite der Zonen u. Gebirgsstreifen |
| Vijayārdhābhyantara in / Bharata und Airāvata . | 238³/₁₉ Yoj. | 9748¹²/₁₉ Yoj. | 9766¹/₁₉ Yoj. | — |
| Vijayārdhabāhya in / Bharata und Airāvata . | 288³/₁₉ " | 10720¹¹/₁₉ " | 10743¹⁵/₁₉ " | — |
| Bharata / Airāvata . | 526⁶/₁₉ " | 14471⁶/₁₉ " | 14528¹¹/₁₉ " | 526⁶/₁₉ Yoj. |
| Himavat / Śikharin . | 1578¹⁸/₁₉ " | 24932⁷/₁₉ " (Jamb.: 24932¹/₃₈ Y.) | 25230⁴/₁₉ " | 1052¹²/₁₉ " |
| Haimavata / Hairanyavata . | 3684⁴/₁₉ " | 37674¹⁵/₁₉ Yoj. (Jamb.: 37674¹⁶/₁₉ Y.) | 38740¹⁰/₁₉ " | 2105⁵/₁₉ " |
| Mahāhimavat / Rukmin . | 7894¹⁴/₁₉ " | 53931⁶/₁₉ Yoj. | 57293¹⁰/₁₉ " | 4210¹⁰/₁₉ " |
| Harivarṣa / Ramyaka . | 16315¹⁵/₁₉ " | 73901¹⁷/₁₉ " (Jamb.: — +¹/₃₈ Y.) | 84016⁴/₁₉ " | 8421¹/₁₉ " |
| Niṣadha / Nīla . | 33157¹⁷/₁₉ " | 94156²/₁₉ Yoj. | 124346⁹/₁₉ " | 16842²/₁₉ " |
| Videha | 50000 " | 100000 " (Hier natürl. Durchm) | 158113¹⁶/₁₉ " | 33684⁴/₁₃ " |
c9.s2.t3.13
¹ Bl. 48a.
c9.s2.t3.14
² Bl. 17a resp. 16a u. b.
c9.s2.t3.15
³ Bl. 52b f., 54b f., 64b f., 204a f., 216b, 218, 220b, 221b, 224a f., 310a. Siehe auch Lokapra-kāśa S. 493 f., 495 f., 509 f., 525 f., 528 f., 532 f., 534, 539.
c9.s2.t3.16
Die Formeln, die zu diesen Resultaten führen, werden in der Trailokyadīpikā zugleich angegeben. Wenn diese Schrift auch wesentlich jünger ist als der jainistische Kanon, so dürfen wir dennoch dieselben Formeln für die Entstehungszeit desselben annehmen, da er ja dieselben Resultate enthält. Jedoch verzichte ich hier auf eine nähere Erläuterung derselben, da es über den Rahmen unserer Ausführungen hinausgehen würde.
c9.s2.t3.17
Jede Gebirgskette hat mehrere Bergkuppen und zwar der Himavat und Śikharin je 11, der Mahāhimavat und Rukmin je 8, der Niṣadha und Nīla je 9 Kuppen ¹). Sie werden als abgestumpfte Kegel vorgestellt, deren Grundfläche auf der Scheitelfläche der Gebirge aufliegt. Die Śvetāmbara scheinen der Ansicht zu sein, dass die Kuppen aller Weltgebirge eine Höhe von 500 Yojana, an der Basis ebensoviel und an der Spitze halb so viel im Durchmesser haben ²), während die Digambara annehmen, dass der Basisdurchmesser und die Höhe je ein Viertel und der Gipfeldurchmesser je ein Achtel der Höhe jedes Gebirges betrage ³). Letztere Ansicht scheint dem ganzen System angemessener zu sein. Es ergibt sich hier nun folgende Tabelle ⁴).
c9.s2.t3.18
| Namen der Weltgebirge | Himavat | Mahāhimavat | Niṣadha | Nīla | Rukmin | Śikharin |
| Höhe derselben . . . | 100 Yoj. | 200 Yoj. | 400 Yoj. | 400 Yoj. | 200 Yoj. | 100 Yoj. |
| Höhe der Bergkuppen | 25 „ | 50 „ | 100 „ | 100 „ | 50 „ | 25 „ |
| Durchmesser der Bergkuppen an der Basis | 25 „ | 50 „ | 100 „ | 100 „ | 50 „ | 25 „ |
| Durchmesser der Bergkuppen in der Mitte | 75/4 „ | 75/2 „ | 75 „ | 75 „ | 75/2 „ | 75/4 „ |
| Durchmesser der Bergkuppen an der Spitze | 25/2 „ | 25 „ | 50 „ | 50 „ | 25 „ | 25/2 „ |
c9.s2.t3.19
Jedes Gebirge hat auf der ersten, d. i. der östlichsten Kuppe ein Siddhāyatana, einen Tempel, und ist hiernach benannt (Siddhāyatana oder Siddhakuṭa). Der Tempel des Himavat ist 50 Yojana lang, 25 Yojana breit und 36 Yojana hoch und hat drei Tore, die 8 Yojana lang und 4 Yojana breit und tief sind. Über die innere Einrichtung siehe den Siddhāyatana des Vaitāḍhya weiter unten.
c9.s2.t3.20
In folgender Tabelle gebe ich die Namen sämtlicher Bergkuppen — bei jedem ist kūṭa zu ergänzen — und suche möglichst alle Varianten anzuführen ⁵).
c9.s2.t3.21
1) Jambūdvīpaprajñapti Bl. 306 b.
2) Jambūdvīpasamāsa S. 22. Die Kuppen des Mahāhimavat und Niṣadha haben in diesem Werke S. 23. 24 die Epitheta himavattulyāni und himavaddraṣṭavyāni, s. ebenso Prabhācandra’s Comm. z. Jambūdvīpasamgr. an der betreffenden Stelle zu Vers 11.
3) Trailokyadīpikā Bl. 17 a.
4) Jambūdvīpaprajñapti Bl. 204 a ff.; Trailokyadīpikā Bl. 17 b.
5) Sthānāṅga Bl. 500 a f., 425 a, 518 a f., 520 a; Jambūdvīpaprajñapti Bl. 214 a, 220 a, 224 a, 271 a, 272 a f., 273 b; Lokaprakāśa S. 510 ff.; Trailokyadīpikā Bl. 18 a.
c9.s2.t3.22
| | Himavat | Mahāhimavat | Niṣadha | Nila | Rukmin | Śikharin |
| 1 | Siddhāyatana | Siddhāyatana | Siddhāyatana | Siddhāyatana | Siddhāyatana | Siddhāyatana |
| 2 | Himavat (⁰vanta, Kṣudr(ll)ahimavat, Cullahimavanta) | Mahāhimavat (⁰anta) | Niṣadha (Nisaḍha) | Nila (Sthānāṅga, Lokapr.: Nilavanta) | Rukmin (Ruppi(ī)) | Śikharin (Sihari) |
| 3 | Bharata (Bharaha) | Haimavata (Hema-vaya, Sthānāṅga: Himavat) | Harivarṣa (⁰vāsa) | Pūrvavideha(Puv-va⁰, Prāgvideha) | Ramyaka (Ram-maga) | Hiraṇyavata (Heraṇṇavaya) |
| 4 | Ilā (Ilādevī) | Rohitā (Rohiā) | Pūrvavideha(Puv-va⁰, Prāgvideha, Trailok.: Videha) | Sītā (Sīā, Sītā) | Narakāntā (⁰kan-tā, Trailokyadīp.: Nārī) | Suvarṇakūlā (Su-vaṇṇakūlā, Jambū-dvīpas.: Surādevī) |
| 5 | Gaṅgā (Gaṅgādevī, Lokapr.: Gaṅgā-vartana) | Hrī (Hiri(ī), Jambū-dvīpasamgr.: Śrī) | Hari (Jambūdvīpa-samgr.: Harit, Trai-lokyadīp.: Hrī) | Kīrti (Kitti) | Buddhi | Surādevī (Jambū-dvīpas.: Raktā) |
| 6 | Śrī (Siri) | Harikāntā (⁰kantā) | Dhṛti (Dhīī) | Nārī (Nārīā, Sthā-nāṅga: Narikāntā, Trail.: Narakāntā) | Rūpyakūlā (Rup-pa⁰, Raupya) | Raktā (Rattā, Jam-būdvīpas.: Lakṣmī) |
| 7 | Rohitāṃśā (Rohia-msā, Trailokyadīp.: Rohitā) | Harivarṣa (⁰vāsa, Jambūdvīpasamgr.: Harit) | Śītodā (Sīōā, Sīto-dā) | Aparavideha (Avara⁰) | Hiraṇyavata (Heraṇṇavaya) | Lakṣmī (Lacchī, Jambūdvīpas.: Su-varṇa) |
| 8 | Sindhu (Sindhude-vī, Lokapr.: Sin-dhvāvartana) | Vaiḍūrya (Verulia) | Aparavideha (Avara⁰) | Ramyaka (Ram-maga) | Maṇikañcana (Trailokyadīp.: Mā-ṇibhadra) | Raktāvatī (Ratta-vaī, Jambūdvīpas.: Raktodā) |
| 9 | Surā (Surādevī) | — | Rucaka (Ruaga, Trailokyadīp.: Bhu-jaga) | Upadarśana (Uva-damsaṇa, Trailo-kyadīp.: Adarśaka) | — | Ilādevī (Jambūdv.: Gandhāpāti, Trai-lok.: Gandhavatī) |
| 10 | Haimavata (Hema-vaya) | — | — | — | — | Airāvata (Erā-vaya) |
| 11 | Vaiśramaṇa (Vesa-maṇa, Trailokya-dīp.: Vaiśravaṇa) | — | — | — | — | Tigiñccha (Trailo-kyadīp.: Maṇikāñ-cana) |
c9.s2.t3.23
Jeder Gebirgszug hat in der Mitte einen grossen See, dessen Dimensionen sich je ver- Die Bergseen. doppeln bei den Gebirgen nach der Mitte zu. Sie sind in ihrer Anlage alle gleich, nur die Namen und Grössenverhältnisse sind verschieden. Infolgedessen genügt es, hier nur die Beschreibung eines Sees zu bringen und in einer Tabelle die verschiedenen Namen und Zahlen aufzuführen, die dann einfach in diese Beschreibung einzusetzen sind.
c9.s2.t3.24
Der Teich in der Mitte des Himavat heisst Padma (Pauma) ¹). Er ist 1000 Yojana Beschreibung des lang, 500 Yojana breit und 10 Yojana tief. Seine Ufer sind aus Silber, die Steine aus Dia- Padma-Sees auf dem Himavat. mant, der Boden aus Gold, die Ränder sind aus Silber und Edelstein mit einem goldenen Mittelstück. An den vier Hauptrichtungen hat er Treppen aus Edelstein, auf denen man leicht auf- und absteigen kann. Mit Torbogen, Fahnen, Sonnenschirmen und ähnlichen Gegenständen ist er versehen, mit den mannigfachsten Lotusarten geschmückt, von bunten Wasservögeln und Fischen bewohnt und von Insekten umschwärmt.
c9.s2.t3.25
In der Mitte erhebt sich ein gewaltiger Lotus, der 1 Yojana im Durchmesser hat. Der Hauptlotus des Der Lotusstengel, der diese riesige Blüte trägt, ist ¹/₂ Yojana breit, 10 Yojana tief und ragt Padma-Sees. 2 Krośa (= ¹/₂ Yojana, Lokaprakāśa: 8 Yojana) aus dem Wasser hervor. Die Wurzel ist aus Diamant, die Knolle aus Ariṣṭa und der Stengel aus Beryll. Die äusseren Blätter sind gleichfalls aus Beryll, und die inneren sind aus Gold. Die Samenkapsel besteht aus Gold, die Staubfäden sind aus Gold, und die Blüte ist aus mannigfachem Edelgestein. Die Samenkapsel ist ¹/₄ Yojana hoch und ¹/₂ Yojana breit, und auf derselben erhebt sich ein Palast, 1 Krośa lang, ¹/₂ Krośa breit und ³/₄ Krośa hoch. In demselben befindet sich auf einem Unterbau (pīṭhikā) aus Edelstein, der 500 Dhanus im Durchmesser hat und 250 Dhanus hoch ist, ein Lager der Göttin Śrī. Die Blütenblätter des Lotus, deren Anzahl nach der Lehre des Digambara ²) 11 000 betragen soll, haben abzüglich der Breite der Samenkapsel alsdann noch eine Länge von ⁸/₈ Yojana.
c9.s2.t3.26
¹ Jambūdvīpaprajñapti Bl. 205 a ff.; Lokaprakāśa S. 513 ff.
c9.s2.t3.27
² Trailokyadīpikā Bl. 19 a.
c9.s2.t3.28
Diesen gewaltigen Haupt-Lotus umgibt wiederum ein Kranz von 108 ³) Lotussen, die Die Umgebung des ganz genau so beschaffen, aber nur halb so gross sein sollen. Wie die Trailokyadīpikā ⁴) Hauptlotus. bemerkt, sind diese auf die Zwischengegenden verteilt und von Pratīhāradeva (Türsterbergottheiten) bewohnt. Ausserhalb von diesen sind im Nordwesten, Norden und Nordosten 4000 Lotusse und auf diesen ebensoviele Sāmānika-(Fürsten-)Götter und Göttinnen. Im Südost wohnen auf 8000 Lotussen ebensoviele Abhyantarapāriṣadya-Götter, im Süden auf 10 000 Lotussen ebensoviele Madhyapāriṣadya Götter und im Südwesten auf 12 000 Lotussen ebensoviele Bāhyapāriṣadya-Götter. Die beiden letzteren Gruppen werden auch Mitra (Freunde) resp. Kimkara (Diener) ⁵) genannt. Im Westen wohnen auf 7 Lotussen die sieben Anīkādhipati (Heerführer) und im Osten auf 4 Lotussen vier Mahattari- oder Mahāmantrin (Grossvezier-)Gottheiten. Ausserdem haben noch nach jeder Hauptrichtung auf je 4000 Lotussen ebensoviele Ātmarakṣa- (Trailokyadīpikā: Aṅgarakṣa-)Gottheiten (Leibwachen) ihren Wohnsitz. Das Ganze gleicht also einem riesigen Fürstenhofe und wird seinerseits wieder umgeben von einem dreifachen Ringe von Lotusblumen, die in der Reihenfolge von innen nach aussen 3 200 000, 4 000 000 und 4 800 000 derselben enthalten. Die Gesamtsumme aller Lotusse des Padma-Teiches beträgt nach Angabe der Śvetāmbara 12 050 120 ⁶).
c9.s2.t3.29
³ Jambūdvīpasamāsa S. 23 fälschlich abjaśata.
c9.s2.t3.30
⁴ Bl. 19 b.
c9.s2.t3.31
⁵ Comm. z. Jambūdvīpasamgrahaṇī Vers 11. Über die Rangstufen der Götter s. Jacobi: Tattvārthadhig. (Z. D. M. G. 60 S. 317) und das 3. Kapitel dieses Abschnittes.
c9.s2.t3.32
⁶ Lokaprakāśa S. 514 f.
c9.s2.t3.33
Nach der Trailokyadīpikā fallen die drei äusseren Lotusringe und die vier Lotusse der Mahattari fort, aber dafür ist die Anzahl der Abhyantarapāriṣadya-Götter 32 000, die der Madhyapāriṣadya-Götter 40 000 und die der Bāhyapāriṣadya-Götter 48 000, deren Herrn der Reihe nach Sūrya, Candra und Yadupa ¹) sind. Es beträgt also nach dieser Ansicht die Gesamtsumme aller kleineren Lotusse nur 140 115.
c9.s2.t3.34
¹ Trailokyadīpikā 19 a.
c9.s2.t3.35
Folgende Tabelle gibt die Namen und Zahlenverhältnisse der übrigen Bergseen:
c9.s2.t3.36
| Namen der Gebirge | Himavat | Mahāhimavat | Niṣadha | Nīla | Rukmin | Śikharin |
| Namen der Bergseen . . . . | Padma | Mahāpadma | Ti(ṅ)giccha | Keśarin | Mahāpuṇḍarīka | Puṇḍarīka |
| Länge der Seen | 1000 Yoj. | 2000 Yoj. | 4000 Yoj. | 4000 Yoj. | 2000 Yoj. | 1000 Yoj. |
| Breite der Seen | 500 " | 1000 " | 2000 " | 2000 " | 1000 " | 500 " |
| Tiefe der Seen | 10 " | 20 " | 40 " | 40 " | 20 " | 10 " |
| Durchmesser des Hauptlotus . . | 1 " | 2 " | 4 " | 4 " | 2 " | 1 " |
| Durchmesser der Fruchtkapsel . | 1/4 " | 1/2 " | 1 " | 1 " | 1/2 " | 1/4 " |
| Länge der Lotusblätter . . . | 3/8 " | 3/4 " | 3/2 " | 3/2 " | 3/4 " | 3/8 " |
| Namen der Gottheiten . . . | Śrī (Siri) | Hrī (Hiri) | Dhṛti (Dhii) | Kīrti (Kitti) | Buddhi (ts) | [(Lacchi) Lakṣmī |
| Länged. Palastes | 1 Krośa | 2 Krośa | 4 Krośa | 4 Krośa | 2 Krośa | 1 Krośa |
| Breite d. Palastes | 1/2 " | 1 " | 2 " | 2 " | 1 " | 1/2 " |
| Höhe d. Palastes | 3/4 " | 3/2 " | 3 " | 3 " | 3/2 " | 3/4 " |
c9.s2.t3.37
Wie die Trailokyadīpikā ²) ausführt, haben die Göttinnen eine Lebensdauer von 1 Palyopama. Die Göttinnen der südlichen Hälfte des Jambūdvīpa, Śrī, Hrī und Dhṛti werden von Śakra, und die der nördlichen Hälfte, Kīrti, Buddhi und Lakṣmī werden von Īśāna, dem Beherrscher der nördlichen Himmels, bedient.
c9.s2.t3.38
² Bl. 19 a.
3. Die Weltströme
c9.s2.t4.1
In diesen sechs Bergseen haben vierzehn grosse Flüsse ihren Ursprung, die die Zonen durchqueren und in's Meer münden. Nach Osten fliessen die Gaṅgā, Rohit (Rohiā), Harit (Harī), Śītā (Sītā, Sīā), Nārī (Sthānāṅga: Nārikantā), Suvarṇakūlā (Suvaṇṇakūlā) und Raktā (Rattā), nach Westen: Sindhu, Rohitāṃśā (Rohiṃsā, Rohitāsyā, Rohiamsā), Harikāntā (Harikantā), Śītodā (Sioā), Narakāntā (Narakantā), Rūpyakūlā (Ruppakūlā), Raktodā (Rattoā) ³).
c9.s2.t4.2
³ Sthānāṅga Bl. 425 b, 454 b; Jambūdvīpaprajñapti Bl. 308 a f.; Lokaprakāśa S. 628.
c9.s2.t4.3
Während auf den vier mittleren Gebirgszügen nur je zwei Ströme entspringen, von denen der eine nach Süden, der andere nach Norden fliesst, entsenden der südlichste und nördlichste, Himavat und Śikharin, je drei, zwei nach Süden resp. Norden und einen nach Norden resp. Süden. Den Varṣa entsprechend nehmen die Grössenverhältnisse der Ströme und aller mit ihnen zusammenhängenden Gegenstände nach der Mitte hin in geometrischer Progression zu.
c9.s2.t4.4
Im Anschluss an unsere Texte folgt hier die Schilderung der auf dem Himavat entspringenden Ströme, um eine Vorstellung von ihrer Entstehung und ihrem Verlauf zu erhalten ¹). Aus dem östlichen Tore des Padma-Teiches kommt die Gaṅgā hervor, fliesst 500 Yojana nach Osten, wendet sich ¹/₂ Yojana vor der Gaṅgā-Bergkuppe nach Süden und erreicht nach einem 523⁸/₁₉ Yojana langen Lauf den südlichen Bergrand des Himavat. Die Breite des Flusses beträgt während seines bisherigen Laufes 6¹/₄ Yojana, die Tiefe ¹/₂ Krośa. Am Rande des Himavat stürzt sie von einem kanalartigen Vorsprung, der ¹/₂ Yojana lang ist, im übrigen aber in Breite und Tiefe den Grössenverhältnissen des Flusses entspricht, in einem mässigen 10 Yojana breiten Bogen in das Gaṅgā-Fall-Becken (Gaṅgā-prapāta-kuṇḍa), das an der Oberfläche 60, an der Sohle, die aus Diamant besteht, aber nur 50 Yojana lang und breit und 10 Yojana tief ist. In der Mitte des Beckens liegt die Gaṅgā-Fall-Insel (Gaṅgā-prapāta-dvīpa), die ¹/₂ Yojana über den Wasserspiegel hervorragt. Nach den Digambara heisst die Insel Salada ²), Diese hat einen Durchmesser von 8 Yojana. In ihrer Mitte erhebt sich ein 10 Yojana hoher Bergkegel, der an der Basis 4, in der Mitte 2 und an der Spitze 1 Yojana im Durchmesser hat. Auf der Gipfelfläche steht ein Palast und in demselben ist auf einer Bank das Lager der Göttin Gaṅgā. Nach der Lehre der Digambara ²) hat der Palast die Gestalt einer abgestumpften Pyramide, deren Längsseite unten 3000, in der Mitte 2000 und an der Spitze 1000 Dhanus, deren Breitseite 500 und Höhe 2000 Dhanus misst. Durch das südliche Tor tritt der Fluss wieder aus dem Gaṅgā-Fall-Becken aus, fliesst in gerader Richtung bis zum Vaitāḍhya- oder Vijayārdha-Gebirge, das Bharata in seiner ganzen Länge durchquert, und durchbricht dasselbe durch die Khaṇḍaprapāta-Höhle (Khaṇḍappavāyaguhā). Aus derselben ausgetreten wendet er sich nach Südost und mündet bei der Māgadha-Furt (tīrtha) in den Ozean. Die Khaṇḍaprapāta-Höhle hat einen Durchmesser von 12 Yojana, und die Breite der Gaṅgā beträgt bei ihrem Eintritt in dieselbe 8 Yojana. Bei der Mündung in den Ozean hat sie, durch den Zufluss von 14 000 Nebenflüssen verstärkt, eine Breite von 62¹/₂ und eine Tiefe von 1¹/₂ Yojana, also das Zehnfache der entsprechenden Grössenverhältnisse ihres Anfangslaufes.
c9.s2.t4.5
² Trailokyadīpikā Bl. 21 a.
c9.s2.t4.6
Ganz ähnlich ist der Lauf des Sindhu. Aus dem westlichen Tore des Padma-Teiches tritt er hervor, fliesst 500 Yojana nach Westen, wendet sich ¹/₂ Yojana vor dem Sindhu-Berge nach Süden, stürzt nach 523⁸/₁₉ Yojana langen Lauf auf dieselbe Weise wie die Gaṅgā in das Sindhu-Fall-Becken (Sindhuprapātakuṇḍa), passiert den Vaitāḍhya durch die Tamisrā-(Tamisrā-)Höhle (Tamisaguhā) und mündet dann nach einem südwestlichen Lauf bei der Prabhāsa-Furt in den Ozean.
c9.s2.t4.7
Aus dem nördlichen Tore des Padma tritt die Rohitāṃśā aus, in allen ihren Grössenverhältnissen doppelt so gross wie die Flüsse Bharata's, aber genau der auf dem Mahāhimavat entspringenden Rohit entsprechend. Vom Padma-Teiche aus fliesst sie 376⁶/₁₉ Yojana nach Norden, stürzt in das nach ihr benannte Becken, tritt durch das nördliche Tor aus demselben wieder heraus, wendet sich ¹/₂ Yojana vor dem Berge Śabdāpāti in der Mitte Haimavata's nach Westen und mündet in's Meer, nachdem sie in ihrem ganzen Laufe den Zufluss von 28 000 Nebenflüssen aufgenommen hat. In derselben Weise sind die übrigen Flüsse zu behandeln. Der leichteren Übersicht halber folgt hier eine Tabelle der Grössenverhältnisse aller Ströme, die nach den bisherigen Angaben nicht schwer zu berechnen sind.
c9.s2.t4.8
¹ Jambūdvīpaprajñapti Bl. 203 a ff.; Jambūdvīpasamāsa S. 22 ff.; Lokaprakāśa S. 525 ff.; Trailokyadīpikā Bl. 19 b ff.
c9.s2.t4.9
Tabelle der Flüsse des Jambūdvīpa.
c9.s2.t4.10
| | | | In dem auf der Scheitelfläche des | | | |
| Himavat | Mahāhimavat | Niṣadha | Nīla | Rukmin | Śikharin |
| Padma | Mahāpadma | Tiṅgiccha | Keśarin | Mahāpuṇḍarīka | Puṇḍarīka |
| | | liegenden Bergsee | | | | |
| | | entspringt im | | | | |
| Osten | Westen | Norden | Süden | Norden | Süden | Norden | Süden | Norden | Süden | Norden | Süden | Osten | Westen |
| | | der Fluss | | | | |
| Gaṅgā | Sindhu | Rohi-tāmśā | Rohit | Hari-kāntā | Harit | Śitodā | Śītā | Nārī | Nara-kāntā | Rūpya-kūlā | Svarna-kūlā | Raktā | Raktodā |
| | | mit einer anfänglichen Breite von | | | | |
| 25/4 Yojana | 25/2 Yojana | 25 Yojana | 50 Yojana | 25 Yojana | 25/2 Yojana | 25/4 Yojana |
| | | und Tiefe von | | | | |
| 1/8 Yojana | 1/4 Yojana | 1/2 Yojana | 1 Yojana | 1/2 Yojana | 1/4 Yojana | 1/8 Yojana |
| | | fliesst über das Gebirge | | | | |
| n.Ost.resp.West.500u. dann n.Süd. 5238/19 Y. | 2766/19 Y. | 16755/19 Yojana | 74211/19 Yojana | 16755/19 Yojana | 2766/19 Y. | n.Ost. resp.West. 500 u. dann n.Nord. 5238/19 Y. |
| | | stürzt von einem kanalartigen Vorsprung von | | | | |
| 1/2 Yojana | 1 Yojana | 2 Yojana | 4 Yojana | 2 Yojana | 1 Yojana | 1/2 Yojana |
| | | Länge und derselben eben angegebenen Breite und Tiefe wie der Fluss in das am Fuss des Gebirges liegende Becken, | | | | |
| | | dessen Breite und Länge oben | | | | |
| 60 Yojana | 120 Yojana | 240 Yojana | 480 Yojana | 240 Yojana | 120 Yojana | 60 Yojana |
| | | an der Sohle | | | | |
| 50 Yojana | 100 Yojana | 200 Yojana | 400 Yojana | 200 Yojana | 100 Yojana | 50 Yojana |
| | | und Tiefe | | | | |
| 10 Yojana | 20 Yojana | 40 Yojana | 80 Yojana | 40 Yojana | 20 Yojana | 10 Yojana |
| | | beträgt, und in dessen Mitte eine Insel von | | | | |
| 8 Yojana | 16 Yojana | 32 Yojana | 64 Yojana | 32 Yojana | 16 Yojana | 8 Yojana |
| | | Durchmesser liegt, fliesst in der Entfernung von | | | | |
| — | 1/2 Yojana | 1 Yojana | 2 Yojana | 1 Yojana | 1/2 Yojana | — |
| | | an dem in der Mitte des Varṣa | | | | |
| Bharata | Haimavata | Harivarṣa | Videha | Ramyaka | Hairanyavata | Airāvata |
| | | liegenden Berge | | | | |
| — | Śabdāpāti | Vikaṭāpāti (Gandhāpāti) | Mandara (Meru) | Gandhāpāti (Mālyavat) | Mālyavat (Vikaṭāpāti) | — |
| | | vorbei und mündet durch den Zufluss von | | | | |
| 14 000 | 28 000 | 56 000 | 84 000 | 56 000 | 28 000 | 14 000 |
| | | Nebenflüssen verstärkt im | | | | |
| Südost. | Südwest. | Westen | Osten | Westen | Osten | Westen | Osten | Westen | Osten | Westen | Osten | Nordost. | Nordwest. |
| | | des Jambūdvīpa mit einer Breite von | | | | |
| 125/2 Yojana | 125 Yojana | 250 Yojana | 500 Yojana | 250 Yojana | 125 Yojana | 125/2 Yojana |
| | | und einer Tiefe von | | | | |
| 5/4 Yojana | 5/2 Yojana | 5 Yojana | 10 Yojana | 5 Yojana | 5/2 Yojana | 5/4 Yojana |
| | | in den Lavaṇoda (Salzozean). | | | | |
4. Die Weltzonen im einzelnen
a) Bharata
c9.s2.t6.1
Südlich vom Himavat liegt Bharata. Es wird durch das dem Himavat parallele Vaitā-dhya-(Veaddha-) oder Vijayārdha-Gebirge in zwei Streifen geteilt, Uttarabharatārdha und Dakṣiṇabharatārdha, je 238³/₁₉ Yojana breit, woher sich der Name Vijayārdha erklärt ²). Die Form Vijayādhya ³) ist höchst wahrscheinlich eine schlechte Lesart und durch Anlehnung an den Namen Vaitādhya entstanden. Im Osten und Westen wird es ebenso wie die Weltgebirge vom Meere begrenzt. Es besteht aus drei Teilen (khaṇḍa), die in der Reihenfolge von unten nach oben 50, 30 und 10 Yojana breit und 10, 10 und 5 Yojana hoch sind, so dass der Gebirgszug die Form eines treppenartigen Aufbaues hat. Ausserdem dient noch ein Stück von 6¹/₄ Yojana Höhe unter der Oberfläche als Fundament. Wie schon erwähnt, hat er zwei Höhlen, 50 Yojana lang, 12 Yojana breit und 8 Yojana hoch, die von den beiden Hauptflüssen Bharata's, Gaṅgā (Ganges) und Sindhu (Indus) passiert werden ⁴). Die östliche Khaṇḍaprapātā ist der Wohnsitz des Gottes Nṛtamāla(ka) (Naṭṭa°) und die westliche Tamisră (Tamiśrā) der des Kṛtamāla(ka) (Kaya⁹). In dieser entspringen die beiden Flüsse Unmagnajalā und Nimagnajalā, 12 Yojana lang und 3 Yojana breit. Nach der Trailokyadīpikā ⁵) entspringen die beiden Flüsse in der Khaṇḍaprapātā-Höhle, heissen Umnagā und Nimnagā, sind nur 2 Yojana lang und breit und münden in die Gaṅgā. Die Höhleneingänge sind durch Tore verschlossen, deren Dimensionen denen des Vijaya-Tores gleich sind, haben also eine Höhe von 8 und eine Breite und Tiefe von 4 Yojana. Auf dem ersten Absatz des Vaitādhya in einer Höhe von 10 Yojana sind auf beiden Seiten desselben Vidyādhara-Städte, und zwar auf der südlichen Seite 50 und der nördlichen 60. Nach den Śvetāmbara beginnt die südliche Reihe mit Rathanūpuracakravāla (Rahaṇeuracakkavāla) und die nördliche mit Gaganavallabha ⁶). Leider gibt Śānticandra gaṇi in seinem Kommentar Prameyaratnamañjuṣa zur Jambūdvīpaprajñapti ⁷) keine ausführliche Liste dieser Städte. Eine solche liegt bisher nur in einer handschriftlich vorhandenen Rezension des Paumacariya vor, auf die mich Prof. Jacobi im letzten Augenblick aufmerksam macht. Diese Liste ist ganz abweichend von der Digambara-Version. Da ich aus technischen Gründen dieselbe hier nicht einfügen kann, werde ich sie am Schlusse des Buches nachliefern.
c9.s2.t6.2
¹ Das Vaitādhya-Gebirge.
c9.s2.t6.3
² Jambūdvīpaprajñapti Bl. 50 ff., 204 ff.; Lokaprakāśa S. 493 ff.; Jambūdvīpasamāsa S. 20 ff.
c9.s2.t6.4
³ Trailokadīpikā Bl. 22b; Lokaprakāśa S. 494 ff.
c9.s2.t6.5
⁴ Lokaprakāśa S. 503 ff.; Jambūdvīpasamāsa S. 20.
c9.s2.t6.6
⁵ Bl. 21b.
c9.s2.t6.7
⁶ Paumacariya 3, 152 f.; Lokaprakāśa S. 496.
c9.s2.t6.8
⁷ Bl. 55 ff.
c9.s2.t6.9
⁹ Jambūdvīpasamāsa S. 20. Die Städte der Vidyādhara.
c9.s2.t6.10
Die Namen der südlichen Reihe sind nach der Trailokyadīpikā ⁸) folgende:
c9.s2.t6.11
⁸ Bl. 23a ff.
c9.s2.t6.12
| Kimnagara | Garuḍadhvajapura | Puramjayapura | Virajāpura | Viyaccarapura |
| Kimnarapura | Śrīprabhapura | Śakaṭapura (m.) | (Virajam) | Vijayacarapura |
| Kimnaragīta | Śrīdharapura | Caturmukhapura | Rathanūpura | Śukrapura (m.) |
| (Nṛgīta) | Lohārgalapura | (Caturvaktram) | (-cakra) | Samjayantapura |
| Bahuketvākbya | Arimjayapura | Bahumukhapura | Mekhalāgrapura | Jayantapura |
| Puṇḍarīkapura | Vairārgalapura | (Bahuvaktram) | Kṣemavargapura | Vijayapura |
| Simhadhvajapura | Vaitādhyapura | Arajāpura | Parājitapura | Vaijayantapura |
| Śvetadhvajapura | Vigatorjapura | (Arajam) | Kāmapura (m.) | (Vaijayantikam) |
c9.s2.t6.13
| Kṣemapura (m.) (Kṣemakaram) | Purottamapura | Meghakūṭapura | Nityoddyota (Nitya- |
| Candrābhapura (Sucandrābham) | Citrakūṭapura | Vicitrakūṭa | pradyotinam) |
| Sūryābhapura (Sūryābhāsa) | Mahākūṭapura | Vaiśravaṇapura | Nityābhapura |
| | Hemapura (m.) (Hemakūṭam) | Sūryaprabhapura | Vimukhapura (m.) |
| | Trikūṭanagara | Candraprabha-pura | Nityavāhapura (Nityavāhi) |
c9.s2.t6.14
Die Namen der nördlichen Reihe sind:
c9.s2.t6.15
| Vasumukha | Camarapura (m.) | Mandarapura (m.) | Bhadrāśvapura (m.) |
| Arjuṇapura | Śivamandira | Kumudapura [da] | (Bhadrāśva) |
| Aruṇapura | Vasumatkā(ā)pura | Kuṇdapura (m.) (Kun- | Dhanamjayapura (m.) |
| Kailāśapura | Vasumatīpura | Gaganavallabha | Gokṣīraphena (m.) |
| Vāruṇapura (m.) | Siddhārthapura | Divyatilaka | Akṣobhapura (m.) |
| Vidyutpura (m.) (Vi- | Śatrumjayapura | Pṛthvītilaka (Koṇi- | Śailaśekhara (m.) |
| dyutprabhapura) | Ketumāla | tilaka) | Pṛthvīdhara(pura) |
| Kilikili | Indrakāntapura (In- | Gandharvapura (m.) | Durgapura (m.) [(m.) |
| Cuḍāmaṇipura | drakānta) | Muktāhāra (m.) | Durdharapura (m.) |
| Śaśiprabha | Gaganānandi | Naimiṣampura (m.) | Sudarśanapura |
| Viśālapura | Aśokika(ā) | Agnijvāla | Mahendrapura (m.) |
| Puṣpacūla (m.) | Viśokapura(ā) | Mahājvāla (m.) | Vijayapura (m.) |
| Haṃsagarbha (m.) | Vītaśoka (m.) (-ā) | Śrīniketa (m.) | Sugandhipura (m.) |
| B(V)alāhaka (m.) | Alakāpura | Jayāvahapura | Vairārdhyapura (m.) |
| Śivamkara (m.) | Tilakāpura | Śrīgṛhapura (m.) | Ratnākarapura (m.) |
| Śrīsaudhapura | Apūrvatilakā | Maṇivajra (m.) | Ratnapura |
c9.s2.t6.16
Auf dem zweiten Absatz sind die Wohnstätten der Lokapāla- (Markgrafen und Polizisten) und Ābhiyogya- (Ābhioga) (Diener) Gottheiten der Indra (nach der Trailokyadīpikā ¹) des Indra und Īśāna). Er ist ein ebener und überaus reizender Landstrich und mit den Palästen der genannten Gottheiten geschmückt.
c9.s2.t6.17
¹ Bl. 24 a.
c9.s2.t6.18
Die Gipfelfläche des Vaitāḍhyagebirges. Auf der 10 Yojana breiten Gipfelfläche trägt der Vaitāḍhya Terrassen und Wälder. Sie ist ein Spielplatz der Götter. Auf derselben erheben sich die neun Bergkuppen ²) (kūṭa, bei allen zu ergänzen): 1. Siddhāyatana (Siddhāyayaṇa), 2. Dakṣiṇārdhabharata (Dāhiṇaḍḍhabharaha; Lokapr.: Dakṣiṇabharatārdha, Trailokadīp.: Dakṣiṇārdhakam), 3. Khaṇḍaprapāta(guhā) (Khaṇḍappavāyaguha), 4. Māṇibhadra (Māṇibbadda, Māṇibhadra; Trailokyadīp.: Pūrṇabhadra), 5. Vaitāḍhya (Veaḍḍha, Vijayārdha), 6. Pūrṇabhadra (Puṇṇabhadda; Trailokyadīp.: Maṇibhadraka), 7. Tamisra(guhā) (Tamisaguhā, Tamiśra), 8. Uttarārdhabharata (Uttaraḍḍhabharaha; Lokapr.: Uttarabharatārdha), 9. Vaiśramaṇa (Vesamaṇa, Vaisravaṇa) in der Reihenfolge von Osten nach Westen. Ihre Höhe beträgt ein Viertel des ganzen Gebirges, also ²⁵/₄ Yojana; ihr Durchmesser an der Basis ist ebensogross, an der Spitze die Hälfte, also ²⁵/₈ (³¹/₈) Yojana ³). Die drei mittelsten Bergkuppen Māṇibhadra, Vaitāḍhya und Pūrṇabhadra sind aus Gold, die sechs übrigen aus Edelstein ¹). Auf der östlichen Kuppe, Siddhāyatana, steht ein Jinatempel, 1 Krośa lang, 1/2 Krośa breit und etwas weniger als 1/2 Krośa hoch, mit Edelsteinen reich verziert. Nach Norden, Osten und Süden hat er ein Tor, das 500 Dhanus hoch und 250 Dhanus breit und tief ist ²). Alle Siddhāyatana-Tempel des Jambūdvīpa haben im Westen keinen Zugang, wie Prabhācandra in seinem Kommentar zur Jambūdvīpasamgrahaṇī ausdrücklich versichert. In der Mitte des Tempels steht ein Unterbau (pīṭhikā) aus Edelstein, 500 Dhanus breit und lang und 250 Dhanus hoch ³). Auf demselben erhebt sich ein devacchandaka (Altar?), 500 Dhanus breit und lang und etwas mehr als 500 Dhanus hoch, und auf diesem stehen 108 Standbilder der vier Jina: Ṛṣabha, Vardhamāna, Candrānana und Variṣeṇa. Die kleinsten haben eine Höhe von 7 Handbreiten, die grössten von 500 Dhanus ⁴). Die folgende Bergkuppe, Dakṣiṇārdhabharata, trägt einen Palast des Königs Bharata, in denselben Grössenverhältnissen wie der Jinatempel, und in demselben steht auf einem gleichgrossen Unterbau ein Königsthron desselben, umgeben von den Thronen seiner Heerführer. Die Lebensdauer Bharata's beträgt ein Palyopama. Seine Residenz (rājadhānī) befindet sich aber in einem andern Jambūdvīpa, südlich von diesem ⁵). Mit Ausnahme der beiden Kuppen Khaṇḍaprapāta und Tamisra, deren Gottheiten die schon genannten Nṛtamāla(ka) und Kṛtamāla(ka) sind, haben die übrigen fünf Kuppen nach ihnen benannte Gottheiten.
c9.s2.t6.19
² Jambūdvīpaprajñapti Bl. 59 a; Sthānāṅga Bl. 518 a; Lokaprakāśa S. 499; Trailokyadīpikā Bl. 24 a f.
c9.s2.t6.20
³ Jambūdvīpaprajñapti Bl. 59b; Lokaprakāśa S. 502.
c9.s2.t6.21
¹ Jambūdvīpaprajñāpti Bl. 63b; Lokaprakāśa S. 502.
c9.s2.t6.22
² Jambūdvīpaprajñāpti Bl. 60a f.; Jambūdvīpasamāsa S. 20, 21.
c9.s2.t6.23
³ Jambūdvīpaprajñāpti Bl. 61a.
c9.s2.t6.24
⁴ Jambūdvīpaprajñāpti Bl. 61a; Jambūdvīpasamgrahaṇī Comm. z. Vers 11.
c9.s2.t6.25
⁵ Jambūdvīpaprajñāpti Bl. 63a f.; Lokaprakāśa S. 503.
c9.s2.t6.26
Durch den Vaitāḍhya und die beiden Ströme Gaṅgā und Sindhu wird Bharatavarṣa in sechs Teile (khaṇḍa) geteilt ⁶). Im mittelsten Khaṇḍa Süd-Bharata's liegt der Ṛṣabha-Berg, 8 Yojana hoch, an der Spitze 4 und an der Basis 12 Yojana breit, die Wohnung des Gottes Ṛṣabha ⁷). Nach der Ansicht der Digambara ist der Berg 100 Yojana hoch, an der Basis 100 und an der Spitze 50 Yojana breit.
c9.s2.t6.27
⁶ Jambūdvīpaprajñāpti Bl. 51a, 64b.
c9.s2.t6.28
⁷ Jambūdvīpaprajñāpti Bl. 66a ff.; Lokaprakāśa S. 507 ff.
c9.s2.t6.29
Der mittelste Khaṇḍa Süd-Bharata's ist das Land der Ārya mit ihren vier Kasten. In der Mitte desselben liegt Ayodhyā, die Stadt der Cakravartin's, 9 Yojana breit und 12 Yojana lang, 114 11/19 Yojana südlich des Vaitāḍhya ⁸). Hieraus dürfte sich wohl ergeben, dass man unter dem Vaitāḍhya das Himālaya-Gebirge der wirklichen Geographie und nicht etwa das Gebirge Mittelindiens zu verstehen hat.
c9.s2.t6.30
⁸ Jambūdvīpasamgrahaṇī Comm. z. Vers 11; Lokaprakāśa S. 495.
c9.s2.t6.31
Die Namen der Ārya-Völker sind mir in zwei Listen bekannt. Die kürzere und wahrscheinlich ältere (I) findet sich in der Bhagavatī ⁹), die längere (II) in der Prajñāpanā ⁹) und in Nemicandra's Pravacanasāroddhāraprakaraṇa ¹⁰). In der letzteren werden den Namen der Völker auch die ihrer Hauptstädte beigefügt, und Ratnasāra (I) S. 162 gibt ausserdem noch die Anzahl der Dörfer an, die zu jeder dieser Landschaften gehören sollen.
c9.s2.t6.32
⁹ s. Weber: Indische Studien, Bd. 16 (1883) S. 304, 397 f. Weber: Verzeichnis Bd. 2, Nr. 1787 S. 439, Nr. 1837 S. 562.
c9.s2.t6.33
¹⁰ Weber: Verzeichnis Bd. 2, Nr. 1939 S. 854 = Vers 1598—1603.
c9.s2.t6.34
Liste I. Aṅga, Vaṅga, Magadha (Magaha), Malaya, Mālavaka (Mālavaya), Accha, Vatsa (Vaccha), Koccha(ttha?), Paḍha, Lāṭa (Lāḍa), Vajji, Māli, Kāśi (Kāsi), Kośala (Kosala), Avāha (Ab⁰), Subhattara.
c9.s2.t6.35
Liste II.
c9.s2.t6.36
| Namen der Völker | Namen der Hauptstädte | Anzahl der Dörfer |
| Magadha (Magaha) | Rājagṛha (Rāyagiha) | 16 200 000 |
| Aṅga | Campā | 100 000 |
| Vaṅga (Ratnasāra: Tilaṅga) | Tāmralipti (Tāmalitti) | 80 000 |
| Kaliṅga | Kāñcanapura (Kañcaṇa°) | 100 000 |
| Kāśi (Kāsi) | Bānārasi (Bāṇārasi) | 195 000 |
| Kośala (Kosala) | Sāketa (Sāeya) | 99 000 |
| Kuru | Gajapura (Gaya°) | 87 325 |
| Kuśārtha (Kusaṭṭha, Ratna- | Saurika (Var.: Śo°; Soria, | 282 000 |
| sāra: Kuśāvartta) | Ratnasāra: Serīpura) | |
| Pañcāla | Kāmpilya (Kampilla) | 145 000 |
| Jaṅgala | Ahicchatra (Ahichatta) | 68 525 |
| Saurāṣṭra (Soraṭṭha) | Dvāravatī (Bāravai) | 185 000 |
| Videha | Mithilā (Mihilā) | 800 355 |
| Vaccha | Kauśāmbī (Kosambī) | 68 028 |
| Śaṇḍilya (Saṇḍilla) | Nandipura | 10 000 |
| Malaya | Bhaddilapura | 100 000 |
| Vatsa (Vaccha, Nemicandra: | Vairāṭa(pura) (Vairāḍa) | 28 000 |
| Matsya, Maccha) ¹) | | |
| Varaṇa | Acchā(purī) | 892 000 |
| Daśārṇa (Dasaṇṇa) | Mṛttikāvatī (Mattiāvaī) | 41 000 |
| Cedi (Cei, Ratnasāra: Vaidi) | Śoktikāvatī (Sottiāvaī) | 14 000 |
| Sindhu | Vītabhaya (Vīabhaya) | 68 000 |
| Sauvīra (Sovīra) | Mathurā (Mahurā) | 68 000 |
| Śūrasena (Śūraseṇa) | Pāpā (Pāvā) | 19 015 |
| Bhṛṅga (Bhaṅga) | Māsapurī | 29 015 |
| Kuṇāla | Śrāvastī (Sāvatthī) | — |
| Lāṭa (Lāḍa) | Koṭivarṣa (Koḍivarisa) | 61 000 |
| Kekaya(janapadasyārdha) | Śvetambikā (Seavīā) | — |
| (Keaī-addha) | | |
c9.s2.t6.37
¹ Ratnasāra nennt das Volk Vairāṭa und die zugehörige Hauptstadt Vacchā (nagarī).
c9.s2.t6.38
Die übrigen fünf Khaṇḍa Bharata's, das Land der Ārya und seine Völker.
c9.s2.t6.39
Die übrigen fünf Khaṇḍa Bharata's sind von Mleccha-Völkern bewohnt, die auf Tötung der Lebewesen bedacht sind und keinen Lehrer des Dharma haben ²). In den kanonischen Schriften, soweit sie mir eben zugänglich sind, finde ich zwei verschiedene Listen von Mleccha-Völkern. Die kürzere Liste (I) findet sich Bhagavatī IX. 33, Jñātādharmakathā (ed. Steinthal S. 28, Aupapātikasūtra (ed. Leumann S. 60), Jambūdvīpaprajñapti ³), Nirayāvalikāsūtra ³) und 4 Chedasūtra ³), die längere (II) Praśnavyākaraṇāni ³) und Prajñāpanā ³). Die Namen der Völker führe ich in ihrer Sanskritform an, füge aber bei I in Klammern die im Text genannten femininen adjektivischen Prakritformen bei.
c9.s2.t6.40
² Jambūdvīpasamgrahaṇī Comm. zu Vers 11.
c9.s2.t6.41
³ Für diese Texte siehe Weber: Indische Studien, Bd. 16 (1883) S. 302, 313, 412 f., 422, 476; II. S. 332. 397. Ferner Weber: Verzeichnis 2. 2, S. 510 Anm. 4.
c9.s2.t6.42
Liste I.
c9.s2.t6.43
| Kirāta (Cilāī) | Isinaka (Isiṇiā) | Drāvida (Damilī) | Babalaka (Babalī) |
| Barbara (Babbarī) | Th(C)arukīna (Th(C)a- | Siṃhala (Si(im)haliā) | Muruṇḍa (Muruṇḍī) |
| Vakuśaka (Vausiā) | rugiṇiā) | Āraba (Āravī) | Śabara (Sabarī) |
| Yonaka (Joniā) | H(L)āsaka (Lāsiā) | Pulindra (Puliṇdī) | Pārasa (Pārasī) |
| Pahlava (Palhavia) | Lakuśaka (Lausiā) | Pakvanika (Pakkaṇī) | |
c9.s2.t6.44
Liste II.
c9.s2.t6.45
| Śaka (Saga) | Siṃhala (Sīhala) | Māmūṣa (Māmāsa) | Khasa (ts.) |
| Yavana (Javaṇa) | Pārasa (ts.) | Vakuṣa (Vausa) | Khāsika (Khāsia) |
| Kirāta (Cilāya) | Krauñca (Koṃca) | Malaya (ts.) | Nettara (Niddura) |
| Śabara (Savara) | Andha (Andha) [ḍa | Cuṃcuka (Cuṃcua) | Mahārāṣṭra(Mahāraṭ- |
| Barbara (Vavvara Bº) | Draviḍa (Damila, Davi- | Cūlika (Cūlia) | ṭha) |
| Kāya (ts.) | Bilvala (Villala, Var. Cº) | Komkaṇaka (Komka- | Muṣṭika (Muṭṭhia) |
| Muruṇḍa (ts.) | Pulinda (ts.) | ṇaga) | Āraba (Ārava) |
| Oḍra (Uḍḍa) | Āroṣa (Ārosa) | Meda (Mea) | Ḍombilaka (Ḍoṃvilaga) |
| Bhaḍaka (Bhaḍaga) | Ḍimba (Ḍoṃva) | Pahlava (Palhava) | Kuhuṇa (ts.) |
| Bhittika (Tiṇṇia, Niṇ- | Pakkaṇa (ts) | Mālava (ts.) | Kekaya (ts.) |
| ṇaga?) | Gandhahāraka (Gan- | Ābhāṣika (Ābhāsia) | Hūṇa (ts.) |
| Pakvaṇika (Pakkaṇia) | dhahāraga) | Anakṣa (Aṇakkha) | Romaka (Romaga) |
| Kulakṣa (? Kulakkha) | Bahalīka (Vahalīa) | Cīṇa (ts.) | Bharu (ts.) |
| Koṃḍa (Go<ıṇ>ḍa?) | Jallāra (ts.) | Lāsika (Lāsia) | Maru(ka) (Maruga) |
c9.s2.t6.46
Im Süden hat Bharata an der Küste des Ozeans drei Fuhrten (tīrtha), die beiden genannten Māgadhatīrtha (Magahatittha) im Osten und Prabhāsatīrtha (Pabhāsatittha) im Westen und dazwischen Varadāmatīrtha.
c9.s2.t6.47
Nach der Trailokyadīpikā ¹) liegt zwischen Ayodhyā und dem Ozean der Berg (kulāca'la) Mīnavakra.
c9.s2.t6.48
¹ Bl. 24 b.
c9.s2.t6.49
b) Airāvata.
c9.s2.t6.50
Airāvata (Erāvaya), der nördlichste Varṣa des Jambūdvīpa, ist in allen Teilen Bharata Airāvata gleich. Durchströmt wird er von den beiden Flüssen Raktā (Rattā) und Raktodā (Rattoā), die entsprechend den Flüssen Bharata’s in gleichbenannten Fuhrten münden. Der Lage entsprechend haben die Vidyādhara-Städte hier eine umgekehrte Reihenfolge. Die auf der zweiten Stufe des Vaitāḍhya wohnenden Lokapāla- und Ābhiyogya-Gottheiten unterstehen dem Īśāna. Airāvata trägt seinen Namen von einer gleichnamigen Gottheit ²).
c9.s2.t6.51
² Jambūdvīpaprajñapti Bl. 274 a f.; Jambūdvīpasamāsa S. 25; Lokaprakāśa S. 618 ff.
c9.s2.t6.52
Sowohl Bharata wie Airāvata sind karmabhūmi’s, d. h. seine Bewohner können infolge der guten und schlechten Handlungen sowohl im höchsten Himmel wie in der tiefsten Hölle wiedergeboren werden, aber auch durch Neutralisation oder Vernichtung des Karman’s das Nirvāṇa erlangen.
c9.s2.t6.53
c) Haimavata.
c9.s2.t6.54
Haimavata. Haimavata (Hemavaya) liegt nördlich vom Himavat und ist viermal so breit wie Bharata. In seiner Mitte erhebt sich der zilinderförmige Berg Śabdāpāti (Saddāvaī). Er besteht aus Edelstein. Höhe und Durchmesser betragen je 1000 Yojana. Ausserdem steht noch ein Stück von 250 Yojana unter der Oberfläche. Sein Umfang ist nach der bekannten jainistischen Formel für π etwas mehr als 3162 Yojana ¹). Auf demselben steht der Palast des Gottes Śabdāpāti, 62 Yojana hoch und 31¹/₄ Yojana lang und breit. Während nach der Jambūdvīpaprajñapti (Text und Kommentar) Berg und Gott denselben Namen tragen, heisst dieser nach dem Lokaprakāśa ²), dem Jambūdvīpasamāsa ³) und der Jambūdvīpasaṃgrahaṇī ⁴) Svāti. Haimavata wird durchströmt von den beiden Flüssen Rohit und Rohitāṃśā. Ersterer mündet im Osten, letzterer im Westen in das Salzmeer (Lavaṇoda). Die Menschen des Varṣa erreichen eine Körpergrösse von einem Gavyūta (¹/₄ Yoj.) und eine Lebensdauer von einem Palyopama, sind frei von allen Krankheiten und Widerwärtigkeiten des Lebens infolge des Genusses der Früchte des bei ihnen einheimischen Wunschbaumes (kalpavṛkṣa) und gehen an ihrem Lebensende in den Götterhimmel ein. In Haimavata ist die Zeit nur Suṣamāduṣamā. In demselben herrscht eine gleichbenannte Gottheit. Während der Name von himavat abzuleiten ist, bringt die Jambūdvīpaprajñapti ⁵) denselben mit hema (Gold) in Verbindung.
c9.s2.t6.55
¹ Jambūdvīpaprajñapti Bl. 216 a ff.; Lokaprakāśa S. 526 f.
c9.s2.t6.56
² S. 527.
c9.s2.t6.57
³ S. 23.
c9.s2.t6.58
⁴ Comm. zu Vers 11.
c9.s2.t6.59
⁵ Bl. 217 b f.
c9.s2.t6.60
d) Hiraṇyavata.
c9.s2.t6.61
Hiraṇyavata. Haimavata ganz entsprechend ist Hiraṇyavata (Heraṇṇavaya), südlich vom Śikharin. Nach der Jambūdvīpaprajñapti ⁶), dem Sthānāṅga ⁷) und dem Lokaprakāśa ⁸) heisst der Berg in der Mitte Mālyavat (Mālavanta) und ist der Wohnsitz des Prabhāsa, nach dem Jambūdvīpasamāsa ⁹) jedoch heisst der Berg Vikaṭāpāti. Es finden sich auch in den beiden Varṣa Harivarṣa und Ramyaka ähnliche Vertauschungen der Namen ¹⁰). Die zugehörigen Flüsse sind nach Osten Svarṇakūlā und nach Westen Rūpyakūlā. Dieses Varṣa trägt seinen Namen von einer gleichbenannten Gottheit.
c9.s2.t6.62
⁶ Bl. 272 b.
c9.s2.t6.63
⁷ Bl. 257 a.
c9.s2.t6.64
⁸ S. 614.
c9.s2.t6.65
⁹ S. 25.
c9.s2.t6.66
¹⁰ Über die Reihenfolge dieser Berge in der Trailokyadīpikā lässt sich nichts bestimmtes sagen, da sämtliche Berge summarisch in einem Verse erwähnt werden. Ist hier die Reihenfolge beabsichtigt, so sind vielleicht Hiraṇyavata und Ramyaka vertauscht.
c9.s2.t6.67
e) Harivarṣa.
c9.s2.t6.68
Harivarṣa. Harivarṣa ist viermal so breit wie Haimavata, sonst herrschen in jeder Beziehung in demselben die doppelten Verhältnisse, wie in den beiden eben behandelten Landschaften. In der Mitte erhebt sich der Berg Vikaṭāpāti ¹¹) (Viaḍāvaī) (Jambūdvīpasamāsa ¹²): Gandhāpāti), der Wohnsitz des Gottes Aruṇa. Im Osten mündet der Fluss Harit, im Westen die Harikāntā in's Meer. Als Zeit herrscht nur Suṣamā ¹³).
c9.s2.t6.69
¹¹ Trailokyadīpikā Bl. 25 a; Vikṛṭākāra.
c9.s2.t6.70
¹² S. 24.
c9.s2.t6.71
¹³ Jambūdvīpaprajñapti Bl. 220 b f.; Lokaprakāśa S. 532 f.
c9.s2.t6.72
f) Ramyaka.
c9.s2.t6.73
Ramyaka. Ramyaka ist Harivarṣa konform. In der Mitte steht der Gandhāpāti (Gandhāvaī), der Sitz des Gottes Padma (Pauma). Im Osten mündet der Fluss Narakāntā, im Westen die Nārī ¹⁴).
c9.s2.t6.74
¹⁴ Jambūdvīpaprajñapti Bl. 271 b; Lokaprakāśa S. 614 f.
c9.s2.t6.75
g) Videha.
c9.s2.t6.76
Der mittelste und grösste Varṣa ist Videha (Mahāvideha), 33 684 4/19 Yojana breit und 100 000 Yojana lang.
c9.s2.t6.77
In der Mitte erhebt sich der Berg Meru. In der Jambūdvīpaprajñapti ¹) und andern kanonischen Schriften ²) führt er den Namen Mandara, während jüngere Jaina-Werke ³) ihn in der bekannten Form kennen. Mandara dürfte folglich die ältere Bezeichnung der Jaina für den in allen Kosmographien vorkommenden Weltberg sein. Seine ganze Höhe beträgt 100 000 (1 lakṣa) Yojana, aber nur 99 000 ragen über die Erdoberfläche hervor. An derselben hat er einen Durchmesser von 10 000 und am Gipfel von 1000 Yojana. Der Durchmesser der Grundfläche des Meru (1000 Yojana unter der Oberfläche) beträgt 10 090 10/11 Yojana, da die stete Zunahme resp. Abnahme des Durchmessers bei 1 Yojana Höhe 1/11 Yojana beträgt ⁴).
c9.s2.t6.78
Der Meru hat drei ringförmige 500 Yojana breite Absätze in einer Höhe von 500 und 62 500 Yojana vom Erdboden aus. Die Gipfelfläche trägt in der Mitte noch einen Aufsatz (cūlikā) in der Form eines abgestumpften Kegels, 40 Yojana hoch, an der Basis 12 und an der Spitze 4 Yojana breit. Für die übrigbleibende Ringfläche bleibt alsdann noch eine Breite von 494 Yojana übrig ⁵). Da die Abnahme der Breite, wie eben gesagt, für 1 Yojana Höhe 1/11 Yojana beträgt, so sind die Digambara ⁶) der Ansicht, dass die ersten 11 000 Yojana nach jedem Absatz senkrecht ansteigen, wodurch die Differenz, die durch die Absätze entstanden ist — 11 000 · 1/11 = 1000 Yojana — wieder eingeholt wird. Bei den Svetāmbara finde ich hierüber nichts. Nach allgemeiner Ansicht besteht er aus drei Teilen, die sich durch die Verschiedenheit des Materials voneinander unterscheiden, jedoch herrscht eine kleine Differenz hinsichtlich der Abgrenzung der Stücke. Während der unterste Teil, 1000 Yojana hoch, seiner Bestimmung als Fundament entsprechend aus Erde, Stein, Diamant und Kiesel besteht, hat der zweite nach den Svetāmbara ⁷) eine Höhe von 63 000, nach den Digambara ⁸) von 61 000 Yojana und ist aus Aṅka (ein Metall), Krystall, Silber und Gold (Trailokyādīp. Bl. 25b: ratna) und der dritte Teil, 36 000 (resp. 38 000) Yojana hoch, besteht aus Gold. Der Aufsatz ist aus Beryll.
c9.s2.t6.79
Am Fuss des Meru sowie auf den beiden Absätzen und der Gipfelfläche breiten sich die paradiesische Haine aus. Der Hain am Fusse des Meru heisst Bhadraśāla (Bhaddaśāla) ⁹) und hat die Form eines grossen Rechtecks, dessen Längsseiten je 250 und dessen Breitseiten je 22 000 Yojana vom Fuss des Meru entfernt sind. Die beiden Flüsse Śītā und Śītodā sowie vier Vakṣāra-Gebirge, über die wir gleich noch handeln werden, teilen ihn in acht Teile. In einer Entfernung von 50 Yojana vom Fuss des Meru aus liegen nach den Hauptrichtungen
c9.s2.t6.80
1) Bl. 258b.
2) z. B. Jīvābhigamasūtra Bl. 388b, 491b, 631b usw.
3) Jambūdvīpasamāsa S. 26.
4) Jambūdvīpaprajñapti Bl. 258b ff.; Lokaprakāśa S. 584 ff.; Trailokyādīpikā Bl. 26b ff.
5) Jambūdvīpaprajñapti Bl. 260a ff.; Jambūdvīpasamāsa S. 26 f.; Lokaprakāśa S. 584 ff.
6) Trailokyādīpikā Bl. 25.
7) Jambūdvīpaprajñapti Bl. 269a; Lokaprakāśa S. 589; Jambūdvīpasamāsa S. 26; Tattvārthādhigamas. 3. 9. c. (S. 80).
8) Jambūdvīpaprajñapti Bl. 25b; ebenso im Samavāyāṅga Samavāya 38; siehe Lokaprakāśa S. 590.
9) Jambūdvīpaprajñapti Bl. 260b ff.; Lokaprakāśa S. 590 ff.; Jambūdvīpasamāsa S. 26; Jambūdvīpasamgrahaṇī Comm. zu Vers 11; Trailokyādīpikā Bl. 25b.
c9.s2.t6.81
der Windrose vier Tempel (siddhāyatana) und nach den Zwischenrichtungen je vier Lotusteiche (puṣkariṇī). Die Tempel und Seen haben die stereotypen Dimensionen. Erstere sind also 50 Yojana lang, 25 Yojana breit und 36 Yojana hoch, und sind in ihrem Äusseren und Inneren genau so wie die schon früher näher beschriebenen Tempel. Die Seen sind 50 Yojana lang, 25 Yojana breit und 10 Yojana tief. In der Mitte von je vier Seen liegt je ein Palast (prāsāda), 500 Yojana hoch und 250 Yojana breit und lang; dieser ist mit einem Thronsessel versehen. Die beiden südlichen Paläste (im Südost und Südwest) gehören dem Śakra und die beiden nördlichen dem Īśāna. Die Namen der Seen sind in der Reihenfolge von Osten nach Süden ¹) (nach Umāsvāti im Jambūdvīpasamāsa ²) und Prabhācandra im Kommentar zur Jambūdvīpasamgrahaṇī ³) in der Reihenfolge von Osten nach Norden):
c9.s2.t6.82
| Nordosten | Südosten (Nordwesten) | Südwesten | Nordwesten (Südoster) |
| Padmā (Paumā) | Utpalagulmā (Uppala- | Bhr̥ṅgā (Bhiṅgā) | Śrikāntā (Sirikantā) |
| Padmaprabhā (Pauma- | Nalinī ⁴) [gummā) | Bhr̥ṅganibhā (Bhiṅga⁰) | Śricandrā (Siricandā) ⁶) |
| Kumudā [ppabhā) | Utpalā (Uppalā) ⁴) | Añjanā ⁵) | Śrimahitā (Sirimahiā) |
| Kumudaprabhā (Ku- | Utpalojjvalā (Uppalu- | Añjanaprabhā(⁰ppabhā, | Śrinilayā (Sirinilayā) |
| mudappabhā) | jjalā) | Jambūdvīpasamāsa : | |
| | | Kajjalaprabhā) | |
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