Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8: 2. Abschnitt. Die Kosmographie der Buddhisten
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8
- Language
- German
Contents
- c8.s1 1. Kapitel. Die Welt im allgemeinen — 7 parts
- c8.s2 2. Kapitel. Die Erde — 3 parts
- c8.s3 3. Kapitel. Der Sternhimmel — 8 parts
- c8.s4 4. Kapitel. Die Himmelswelt — 8 parts
- c8.s5 5. Kapitel. Die Unterwelt — 9 parts
- c8.s6 6. Kapitel. Die Zwischenwelt-(lokāntarika-)Räume — 10 parts
- c8.s7 7. Kapitel. Die Einteilung der Welt in den Kāmāvacara, Rūpāvacara und Arūpāvacara — 8 parts
2. Abschnitt. Die Kosmographie der Buddhisten
c8.2
Literatur und Einleitung. Das kosmographische System der Buddhisten hat, wenn auch zum Teil in grösserem Zusammenhange, zahlreiche Bearbeitungen gefunden. Abschnitte, die diesen Gegenstand systematisch behandeln, finden sich in folgenden Werken:
c8.3
1. Werke über Kosmographie: Santarem: Essai sur l'histoire de la cosmographie, T. 1. Paris 1848, S. 366 ff., und W. F. Warren: The Earlist Cosmologies. New York 1910. Cap. 8. S. 95 ff. (im Zusammenhange mit den Kosmographien anderer Völker).
c8.4
2. Werke über den Buddhismus im allgemeinen: C. F. Köppen: Die Religion des Buddha und ihre Entstehung. Berlin 1857. Bd. 1, S. 237 ff., und H. Kern: Manual of Indian Buddhism. Strassburg 1896 (Grundriss der Indo-Arischen Philologie und Altertumskunde III. 8) S. 57 ff.
c8.5
3. Werke über den Buddhismus einzelner Länder: Ceylon. Joinville: On the Religion of the people of Ceylon (Asiatic Researches. Vol. 7. 1803 S. 405 ff.). E. Upham: The history and doctrine of Buddhism. London 1829. Cap. 4. S. 44 ff. Spence Hardy: A manual of Buddhism, in his modern development transl. from Singhalese mss. London 1853. Cap. 1. S. 1 ff.¹, und The legends and theories of the Buddhists compared with history and science. London 1866. Cap. 2. S. 88 ff. Dieser Abschnitt findet sich in's Deutsche übersetzt in A. Bastian: Ethnologisches Bilderbuch. Berlin 1887. A. Bastian: Über die graphische Darstellung des buddhistischen Weltsystems in: Zeitschrift für Ethnologie, Bd. 26 (1894), S. 203 ff. Endlich Daniel John Gogerly: Ceylon Buddhism. Ed. by Arthur Stanley Bishop. Colombo, London 1908. S. 15 ff. Siam. Pallegoix: Description du royaume de Thai ou Siam. Paris 1854. S. 416 ff. Burma. Francis Buchanan: On the religion and litterature of the Burmas (Asiatic Researches. Vol. 6. 1801. S. 174 ff., und Sangermano: A description of the Burmese empire transl. by W. Tandy. Rome 1883. Cap. 1. S. 2 ff. Tibet. A. A. Georgi: Alphabetum Thibetanum. Rom. 1762. Cap. 75 ff. S. 182 ff. Paulinus a S. Bartholomaeo (d. i. Joh. Phil. Wesdin): Musei Borgiani Velitris codices manuscripti Avenses, Peguani, Siamici, Malabarici, Indostani. Romae 1793. S. 231 ff., und L. Augustine Waddell: The Buddhisme of Tibet or Lamaism. London 1895. S. 76 ff.
c8.6
¹ Siehe hierzu A. Weber's Besprechung in: Indische Studien 3 (1855) S. 120 ff.
c8.7
China. Samuel Beal: A catena of Buddhist scriptures. London 1871. S. 35 ff. Samuel Beal: Abstract of four lectures on buddhist literature in China, delivered at University College, London. London 1882 (s. besonders die Abbildungen), und Abel Remusat: Mélanges posthumes d’histoire et de littérature orientaux. Paris 1843. S. 65 ff.
c8.8
Japan. F. W. K. Müller: Der Weltberg Meru nach einem japanischen Bilde, in: Ethnolog. Notizblatt, Bd. 1. Heft 2 (1895). S. 12 ff.
c8.9
Mongolei. P. S. Pallas: Sammlung historischer Nachrichten über die mongolischen Völkerschaften. St. Petersburg 1776—1801. Tl. 2. S. 18 ff.¹). Benj. Bergmann: Nomadische Streifereien unter den Kalmüken in den Jahren 1802 und 1803. Riga 1804. Tl. 3. S. 23 ff. u. 87 ff.¹), und endlich Ssanang Ssetsen Chungtaidschi: Geschichte der Ostmongolen und ihres Fürstenhauses, übers. aus dem Mongolischen von J. J. Schmidt. Petersburg 1829. S. 1 ff.
c8.10
¹ „Die Proben bei Pallas und Bergmann fussen auf kalmükischen Auszügen, von denen eine schöne Handschrift in Göttingen liegt.“ (Frdl. Mitteilung des Herrn Geheimrat Grünwedel.)
c8.11
4. Werke, in denen nur einzelne Teile des buddhistischen Weltbildes kurz behandelt werden:
c8.12
R. C. Childers: A dictionary of the Pali language. London 1875. E. J. Eitel: Hand-book for the student of Chinese Buddhism. London 1870, und Encyclopaedia of religion and ethics ed. by James Hastings. Edinburgh 1908 ff. (s. Stichworte). E. Burnouf in: Lotus de la bonne loi trad. p. E. B. Paris 1852, und Introduction à l’histoire du Buddhisme Indien. T. I. Paris 1844 (Anhang).
c8.13
Über die Höllen handelt L. Feer in: Journal asiatique 1892, S. 185 ff., Th. Schreve in: Zeitschr. d. Deutschen Morgenl. Ges. 65 (1911) S. 471 ff. und schliesslich kommt hierfür noch in Betracht L. Schermann: Materialien zur Geschichte der Indischen Visionslitteratur. Leipzig 1892, und: Eine Art visionärer Höllenschilderung aus dem indischen Mittelalter (Romanische Forschungen 5 〈1890〉 S. 539), der aber nicht speziell die buddhistischen Höllen zum Vorwurf nimmt.
c8.14
Leider ist mir Kowalewski’s Abhandlung über die buddhistische Kosmologie in den gelehrten Abhandlungen der Universität Kasan 1837 (russisch) nicht zugänglich.
c8.15
Alle diese Arbeiten mögen wertvolle Beiträge für die Geschichte der buddhistischen Kosmographie sein, aber zu einer Darstellung derselben für die Zeit der Entstehung und ersten Ausbreitung des Buddhismus in Indien reichen sie nicht aus, da sie sich auf späte oder gar moderne Angaen stützen ²). Es wird demnach hier unsere Aufgabe sein, die kosmographischen Anschauungen des Buddhismus in ihrer ältesten erreichbaren Form in den kanonischen Schriften, soweit dieselben eben zugänglich sind, zu sammeln und zu einem Gesamtbilde zu vereinen. Hierbei sind die Palikommentare aber von geringerer Bedeutung wie jene selbst, da sie ja um etliche Jahrhunderte jünger sind und infolgedessen vielleicht schon Modifikationen des ursprünglichen Weltbildes enthalten. Ähnlich verhält es sich mit den jüngeren Schriften des Pali-Kanons gegenüber den älteren.
c8.16
² Eine systematische Bearbeitung der einzelnen bisher fast nur schriftlich vorhandenen Texte aus den verschiedenen Ländern buddhistischen Glaubens, die der Beschreibung des Weltalls gewidmet sind, würde besonders verdienstlich sein und erst eine vollständige Darstellung der kosmographischen Anschauungen des Buddhismus der jüngeren Zeit ergeben können. Besonders wünschenswert wäre zuerst eine Bearbeitung der umfangreichen Weltbeschreibung im Tibetischen Tandschur, die einen ganzen Band füllt. (Frdl. Mitteilung des Herrn Geheimrat Grünwedel.)
c8.17
Die Fragmente der wiederaufgefundenen Sanskritversion ¹) des buddhistischen Kanons sind mir nicht zugänglich, es sind aber alle Sanskritwerke buddhistischen Inhalts benutzt worden, die zu unserer Frage etwas bieten.
c8.18
¹ Siehe Winternitz: Geschichte der indischen Litteratur 2. 1 (1913) S. 15, 185 ff., wo das Nähere hierüber gesagt ist.
c8.19
Die kanonischen Schriften des Pali-Kanons und die Kommentare zu denselben, soweit sie mir zugänglich sind, benutze ich in der Mehrzahl in den Ausgaben der Pali Text Society ²). Ist unser Material nun möglicherweise etwas lückenhaft, so werden wir doch einigermassen deutliche Vorstellung des ältesten buddhistischen Weltbildes erhalten, allerdings wohl nur in den Grundzügen und wenig mit mythologischem Rankenwerk durchsetzt. Nicht zugänglich ist mir das in Colombo aufbewahrte Ms. „Cakkavāḷadīpanī“, aufgeführt in: Journal of the Pali Text Society 1882 S. 58, das für unsere Zwecke jedenfalls sehr dienlich sein dürfte.
c8.20
² In den Ausgaben der Pali Text Society sind nicht erschienen: The Vinaya Piṭakam ed. by H. Oldenberg. Vol. 1–5. London 1879–83. The Jātaka together with its commentary tales of the anterior births of Gotama Buddha... ed. by V. Fausböll. Vol. 1--7. London 1877–97, und Dhammapadam ex tribus cod. Hauniensibus ed. V. Fausböll. Hauniae 1855. Die wichtigsten buddhistischen Werke in Sanskrit, die benutzt wurden, sind: Mahāvastu avadānam, Texte Sanskrit publ. ... par É. Senart. T. 1–3. Paris 1882–97. Lalita-Vistara, hrsg. von S. Lefmann. Tl. 1. 2. Halle 1902–08. Divyāvadāna ... ed. by E. B. Cowell and R. A. Neil. Cambridge 1886. Jātakamālā or bodhisattvāvadānamālā by Ārya Sūra ed. Hendrik Kern. London, Leipzig 1891 (Harvard Oriental Series. Vol. 1). In der Übersetzung wurden benutzt: Saddharma-Puṇḍarīka or the Lotus of the true law transl. by G. Kern. Oxford 1884 (Sacred books of the East. Vol. 21), und The Questions of King Milinda (Milindapanha). Transl. ... by T. W. Rhys Davids. P. 1. 2. Oxford 1890–94 (Sacred books of the East. Vol. 35. 36). Fragments extraits du Kandjour trad. du Tibétain par Léon Feer. Paris 1883 (Annales du Musée Guimet. T. 5).
c8.21
Bei meiner Ausführung berufe ich mich fast nur auf die buddhistischen Originalwerke in Pali oder Sanskrit als Autoritäten, und nur selten wird auf das eine oder andere Werk der oben angeführten Literatur verwiesen.
1. Kapitel. Die Welt im allgemeinen
c8.s1.1
Die Anzahl der Welten ist unendlich. Vier Dinge sind nach dem Glauben der Buddhisten unermesslich und infolgedessen unerkennbar, nämlich die Wissenschaft des Buddha, der Raum, die Menge der Lebewesen und die Zahl der Welten (cakkavāḷa) ³). Demnach ist die bekannte Welt, in der der Buddha gelebt hat, nicht die einzige, sondern unabhängig von ihr existieren noch unendlich viele derartige Weltgebäude mit eigenen Himmeln und Höllen und all jenen Gegenständen und Wesen, die man auf dieser Welt findet.
c8.s1.2
³ Buddhavamsa Vers 64 (S. 5).
c8.s1.3
Bezeichnungen des Weltalls. Lokadhātu ⁴) und Cakkavāḷa ⁵) oder Cakkavalla, Sanskrit vielfach Cakravāḍa (Singal.
c8.s1.4
⁴ Lokadhātu bedeutet einfach „Welt“, dhātu ist bloss expletiv zu fassen; s. Burnouf: Introduction S. 594.
c8.s1.5
⁵ Die Etymologisierungsversuche dieses Wortes finden sich zusammengestellt in Jacobi's Artikel „Chakravartin“ in der Encyclopaedia of Religion and Ethics. Vol. 3 (1910) S. 336 f.
c8.s1.6
Sakvala) sind die termini technici für ein Weltall im buddhistischen Sinne. Lokadhātu, das sich in der älteren buddhistischen Literatur noch verhältnismässig selten findet, ist der umfassendere Begriff und bezeichnet die Welt mit allen Abteilungen, während Cakkavāla zuerst die Benennung für das die Welt umgebende Ringgebirge ist, das sich unter anderem Nameu auch bei den Brāhmaṇen und Jaina findet, dann aber seinen Begriffsinhalt erweiterte. Über die Einteilung der Welten in verschiedene Klassen s. Hardy: Manual S. 2 f.
c8.s1.7
Wie alle Kosmographien des Altertums teilt der Buddhismus das Weltall ein in Ober-, Unter- und Mittelwelt oder Erde (paṭhavī, pṛthivī), mit dem wir als dem nächstliegendsten beginnen, um dann die minderrealen Reiche der Himmels- und Unterwelt zu behandeln.
2. Kapitel. Die Erde
c8.s2.1
Hinsichtlich der Anschauungen von der Erde kann man im Buddhismus zwei Phasen unterscheiden, eine ältere, die ein einfacheres natürliches Bild bietet, und eine jüngere, bei der jenes einfachere Bild durch phantastische Spekulationen wesentlich verändert ist. Die meisten Schriften des Palikanons enthalten Angaben, aus denen man das ältere Weltbild rekonstruieren kann, die Jātaka, die Palikommentare und die buddhistischen Sanskritschriften weisen die jüngeren Anschauungen auf. Es ist deshalb erforderlich die älteren und jüngeren Anschauungen gesondert zu betrachten.
A. Die Erde nach den Anschauungen der älteren Zeit
c8.s2.t1.1
Der älteste Buddhismus stellt sich die Erde als eine runde Scheibe vor, die vom Ozean rings umflossen wird.
c8.s2.t1.2
Aṅguttara-Nikāya 4 S. 89 und wörtlich übereinstimmend Sutta-Nipāta S. 102 f. wird von einem Cakravartin gesprochen, „der die vom Ozean umgebene Erde beherrscht, nachdem er dieselbe ohne Gewalt und ohne Waffe nur durch die Lehre erobert hat“. (So imaṃ paṭhavīṃ sāgarapariyantaṃ adaṇḍena asatthena dhammena abhivijiya ajjhāvasan ti.) Aṅguttara-Nikāya 4 S. 90 wird von dem Cakravartin gesagt, dass er mit Gerechtigkeit „in diesem Erdkreis die Herrschaft ausgeübt“ habe (dhammena rajjaṃ kāretvā asmiṃ paṭhavīmaṇḍale). Aṅguttara-Nikāya 2 S. 50 f. heisst es, dass Himmel und Erde sehr weit von einander entfernt seien, ähnlich wie es das dies- und jenseitige Ufer des Weltmeeres oder wie es Sonnenaufgang und -untergang sind, wodurch gewissermassen ein Vergleich zwischen beiden ausgedrückt wird. Dīgha-Nikāya 2 S. 174 und 3 S. 60 wird von der Erde gesagt, dass sie „vom Ozean umgeben“ sei (samuddapariyantā paṭhavī). Saṃyutta-Nikāya 1 S. 101 heisst es von den Kṣatriya, dass „sie den grossen Erdkreis besiegt haben“ (... mahantaṃ pathavi-maṇḍalaṃ abhivijiya ...). Saṃyutta-Nikāya 1 S. 192 findet sich die Stelle: „Wie ein Cakravartin von den Ministern umgeben ist, so umgibt der Ozean vollständig diese Erde“ (... samantā anupariyeti sāgarantaṃ mahim imaṃ). Saṃyutta-Nikāya 2 S. 263, 459, 465 f. wird die grosse Erde (mahāpaṭhavī) mit einem „kleinen Staubkorn“ (paritto paṃsu) verglichen, wodurch diese doch als ein zusammenhängendes Ganze betrachtet wird. Cariya-Piṭaka S. 91 findet sich die Stelle: „Und ich, der ich begehrte die Erde mit dem Ozean, den Wäldern und Gebirgen“ (sasāgaran taṃ paṭhavīṃ sakānanaṃ sapabbataṃ icchamāno c'aham ...).
c8.s2.t1.3
Nach zwei anderen Stellen des Kanon ruht die Erde auf dem Wasser. Bei der Schilderung der acht Ursachen für ein Erdbeben heisst es im Dīgha-Nikāya 2 S. 107: „Diese grosse Erde ruht auf dem Wasser, das Wasser ruht auf der Luft, die Luft auf dem Raume“ (ayam . . . mahāpathavī udake patiṭṭhitā, udakaṃ vāte patiṭṭhitaṃ, vāto ākāsaṭṭho hoti). Ähnlich die Stelle Samyutta Nikāya 2 S. 103, nach der die Erde auf dem Wasser ruht, dieses aber keine Stütze hat (pathavī ce . . . nāssa kvāssa patiṭṭhitā ti || Āpasmim bhante ti || Āpo ce . . . || Appatiṭṭhitā bhante ti).
c8.s2.t1.4
Samyutta-Nikāya 2 S. 234 wird noch von der Erde behauptet, dass sie mit Gold angefüllt sei (pathaviyā pi jātarūpaparipūrāya hetu).
c8.s2.t1.5
Der Himavat als Mittelstück d. Welt vorgestellt, dann durch den „Meru“ ersetzt. In der ältesten Zeit des Buddhismus scheint man den Himavat als das Mittelstück der Erde betrachtet zu haben, dann trat aber an seine Stelle der mythische Weltberg Sineru, dessen Namensvarianten Sineru und Neru, Sanskrit: Sumeru und Meru S. Goldschmidt mit grossem Scharfsinn von der uns nicht belegten Form *Smeru abzuleiten sucht, die von der Wurzel smi „hell, rötlich strahlen“ gebildet sein soll¹). Im folgenden wird er nach seiner im Sanskrit bekanntesten Form „Meru“ genannt.
c8.s2.t1.6
¹ Zeitschrift für vergleichende Sprachwissenschaft 25 (N. F. 5), 1881 S. 610 ff.
c8.s2.t1.7
Aṅguttara-Nikāya 3 S. 240 findet sich die Stelle: „Als der Tathāgata . . . vor der Erleuchtung das Wissen noch nicht erlangt hatte, war die grosse Erde sein Lager, der Bergkönig Himavat sein Kopfkissen, in’s östliche Meer war die linke Hand getaucht, in’s westliche Meer war die rechte Hand getaucht, und in’s südliche Meer waren seine beiden Füsse getaucht. Dem Tathāgata . . . erschien dies als erster grosser Traum“ (Tathāgatassa . . . pubb’ eva sambodhā anabhisambuddhassa bodhisattass’ eva sato ayaṃ mahāpathavī mahāsayanaṃ ahosi, Himavā pabbatarājā bimbohanam ahosi, puratthime samudde vāmo hattho ohito ahosi, pacchime samudde dakkhiṇo hattho ohito ahosi, dakkhiṇe samudde ubho pādā ohitā ahesum. Tathāgatassa . . . ayaṃ paṭhamo mahāsupino pāturahosi).
c8.s2.t1.8
Dass diese Stelle eine alte, wenn auch primitive Auffassung von der Erde enthält, in der der Himavat als Mittelstück derselben betrachtet wird, geht schon daraus hervor, dass sie sich Mahāvastu 2 S. 136, 137 fast wörtlich wiederfindet, jedoch ist hier der Himavat durch den mythischen Weltberg „Sumeru“ ersetzt.
c8.s2.t1.9
An manchen Stellen des Palikanons führt der Himavat das Epitheton „Bergkönig (pabbatarājā)“, das sonst stets dem Meru beigelegt wird, z. B. Aṅguttara-Nikāya 3 S. 44, 311—12; Samyutta-Nikāya 1 S. 116, 2 S. 137—138, 5 S. 63, 148; Majjhima-Nikāya 3 S. 166, 177 usw.
c8.s2.t1.10
Meru und Erde. Die Stellen, die den Meru in seinem Verhältnis zur Erde betreffen, sind folgende:
c8.s2.t1.11
Aṅguttara-Nikāya 4 S. 100 ff., und in ganz kurzer Form Samyutta-Nikāya 3 S. 149 wird geschildert, dass die grossen Ströme und Seen der Erde und der grosse Ozean am Weltende durch die fortwährend zunehmende Hitze austrocknen und die grosse Erde und der grosse Bergkönig Sineru nach Erscheinen der siebenten Sonne verbrennen werden (Aṅguttara-Nik. 4 S. 102 f.: Chaṭṭhassa suriyassa pātubhāvā ayaṃ ca mahāpathavī Sineru ca pabbatarājā dhūpāyanti, sandhūpāyanti, sampadhūpāyanti . . . Sattamassa suriyassa pātubhāvā ayaṃ ca mahāpathavī Sineru ca pabbatarājā ādippanti, pajjalanti ekajālā bhavanti . . .). Apadāna Vers 87²) wird die Erde mit einem Regenschirm und der Meru mit dem Stock desselben verglichen (Sineruṃ daṇḍaṃ katvāna chattaṃ katvā mahāmahiṃ . . .). Katthāvatthu S. 46 wird gelehrt, dass die grosse Erde, das grosse Meer und der Bergkönig Sineru von den guten und bösen Handlungen geschaffen sei (Mahāpaṭhavī . . ., mahāsamuddo . . ., Sinerupabbatarāja upalabbhatīti, mahāpaṭhaviyā . . ., mahāsamudassa . . ., Sinerussa pabbatarājañño kattā kāretā upalabbhatīti? kaḷyāṇapāpakāni kammāni . . .). Ähnlich wird Katthāvatthu S. 49, 50, 51, 52, 620 die grosse Erde, das grosse Meer und der Bergkönig Sineru zusammen aufgeführt. Cariya-Piṭaka S. 79 und ähnlich Jātaka 6 S. 486, 511, 547 heisst es: tadāpi paṭhavī kampi Sineruṇavatamsakā „da erzitterte auch die Erde mit ihrem Waldkranz um den Sineru“.
c8.s2.t1.12
² Zitiert in Dhammapāla’s Paramatthadīpanī P. 5 S. 150.
c8.s2.t1.13
Nach den vier Weltgegenden teilte man die Erde in vier Länder oder Erdquadranten ein. Diese tragen in der Reihenfolge von Osten nach Süden die Namen Pubbavideha (Sanskrit: Pūrva°), Jambūdīpa (Sanskrit: °dvīpa), Aparagoyāna (Sanskrit: °godāna) und Uttarakuru und werden mit Ausnahme von Jambūdīpa noch nicht dvīpa „Inseln“ genannt.
c8.s2.t1.14
Aṅguttara-Nikāya 1 S. 227 f. und 5 S. 59 findet sich sozusagen übereinstimmend die Stelle: „Yāvatā . . . candimasuriyā pariharanti disā ’bhanti virocanā tāva sahassadhā loko. Tasmim (ō S. 59 sahassadhāloke) sahassam candānam, sahassam sūriyānam, sahassam Sinerupabbatarājānam, sahassam Jambūdīpānam, sahassam Aparagoyānānam, sahassam Uttarakurūnam, sahassam Pubbavidehānam, cattāri mahāsamuddasahassāni, cattāri mahārājasahassāni . . . „Soweit . . . wie Mond und Sonne umherwandeln und die Weltgegenden mit ihrem Schein erleuchten, soweit ist eine tausendfache Welt. In dieser gibt es tausend Monde, tausend Sonnen, tausend Sineru-Bergkönige, tausend Jambūdīpa, tausend Aparagodāna, tausend Uttarakuru, tausend Pūrvavideha, viertausend grosse Ozeane, viertausend Grosskönige“ usw.
c8.s2.t1.15
Aṅguttara-Nikāya 4 S. 90 wird der Jambūdīpa mehrmals Jambusaṇḍa genannt, das wohl dem brāhmanischen Jambūkhaṇḍa entsprechen dürfte.
c8.s2.t1.16
Wie in der zitierten Stelle angedeutet ist, wurde der grosse Ozean den vier Ländern entsprechend in vier Meere eingeteilt. Nach der schon oben angeführten Stelle Aṅguttara-Nikāya 3 S. 240 unterschied man ein östliches, westliches, südliches und nördliches Meer. Die vier Meere werden noch an folgenden Stellen genannt:
c8.s2.t1.17
Saṃyutta-Nikāya 1 S. 62 heisst es: „Ich hatte . . . eine derartige Vertauschung der Füsse, nämlich vom östlichen Meer zum westlichen Meer“ (tassa mahyam . . . evarūpo padavitihāro ahosi, seyyathāpi puratthimasamuddā pacchimo samuddo . . .). Saṃyutta-Nikāya 2 S. 179 f. wird erzählt, dass Buddha zu seinen Mönchen gesagt habe, dass das Wasser, das sie während ihres Lebens im Saṃsāra aus Schmerz über die Vereinigung mit Unangenehmen und die Trennung von Angenehmen als Tränen vergossen hätten, mehr sei das Wasser der vier Meere (Etad eva bhikkhave bahutaram yaṃ vo iminā dīghena adhunā sandhāvataṃ saṃsārataṃ amanāpasampayogā manāpavippayogā kandaṃtānaṃ rodantānaṃ assupasannaṃ paggharitam na tv eva catūsu mahāsamuddesu udakam).
c8.s2.t1.18
Saṃyutta-Nikāya 2 S. 181 wird gesagt, dass die Muttermilch, die sie im Lauf des Saṃsāra getrunken hätten, das Wasser in den vier grossen Meeren an Menge überträfe, und S. 187 des gleichen Textes wird das Gleiche von dem Blut behauptet, dass sie in Saṃsāra vergossen hätten, weil ihnen der Kopf gespalten worden sei. Apadāna Vers 91 ¹)
c8.s2.t1.19
1) Zitiert in Dhammapāla’s Paramatthadīpanī 5 S. 150.
c8.s2.t1.20
heisst es: „Und ich trug die Wasser der vier Ozeane mit einer Hand“ (catusāgaratoyāni dhārayi ekapāṇinā).
c8.s2.t1.21
Über die Grösserverhältnisse des Meru berichtet die Stelle Aṅguttara-Nikāya 4 S. 100, die den Bericht über den Weltuntergang einleitet. Darnach hat der Berg eine Höhe von 84 000 Yojana — ebenso bei den Brāhmaṇen —, eine Breite und Länge von 84 000 Yojana, und steht 84 000 Yojana tief im grossen Ozean (Sineru pabbatarājā caturāsītiyojanasahassāni āyāmena caturāsītiyojanasahassāni vithārena caturāsītiyojanasahassāni mahāsamudde ajjhogāḷho caturāsītiyojanasahassāni mahāsamuddā accuggato). Die Anschauung, dass der Meru im Ozean steht, könnte auf das jüngere Weltbild des Buddhismus hinweisen, wo man sich denselben von sieben Ringmeeren und sieben Ringgebirgen umgeben denkt; jedoch wird von diesen kein Wort gesagt, trotzdem man gerade hier eine nähere Schilderung derselben unbedingt erwarten müsste. Anderseits können hier die oben zitierten Stellen des Dīgha- und Saṃyutta-Nikāya herangezogen werden, nach der die Erde auf dem Wasser ruht, dieses auf der Luft ruht, resp. keine Stütze hat. Dīgha-Nikāya 3 S. 199 wird der Meru noch sudassana (lieblich) genannt.
c8.s2.t1.22
Auf der Erde gibt es fünf grosse Ströme und sieben grosse Seen. Diese werden in der eben genannten Stelle des Aṅguttara-Nikāya mit Namen genannt und noch nicht wie in späterer Zeit direkt mit dem Jambūdvīpa in Verbindung gebracht. Die Flüsse ¹) heissen Gaṅgā, Yamunā, Aciravatī und Mahī, die Seen führen die Namen Anotattā, Sīlapapātā, Rathakārā, Kaṇṇamuṇḍā, Kuṇālā, Chaddantā und Mandākini.
c8.s2.t1.23
¹ Ferner werden sie erwähnt z. B. Aṅguttara-Nikāya 5 S. 22, 4 S. 198 und in anderen kanonischen Schriften.
c8.s2.t1.24
Über die Länder der Erde wird nicht viel berichtet. Dīgha-Nikāya 3 S. 75 wird ausgeführt, dass denn, wenn die Menschen ein Alter von 80 000 Jahren erreichen, in Jambūdvīpa 84 000 Städte mit Ketumatī (d. i. Benares) an der Spitze vorhanden sein würden (Asītivassasahassāyukesu bh. manussesu imasmim Jambudīpe caturāsītinagarasahassāni bhavissanti Ketumatīrajadhānīpamukhāni).
c8.s2.t1.25
Aṅguttara-Nikāya 1 S. 213 werden die Namen der sechszehn grossen Völker aufgezählt. Diese sind Aṅga, Magadha, Kāsī, Kosala, Vajji, Malla, Ceti, Vaṅga, Kuru, Pañcala, Maccha, Surasena, Assaka, Avanti, Gandhāra und Kamboja. Sporadisch finden sich in den kanonischen Schriften noch die Namen von einigen anderen Völkern wie die Koliya, Sakka und Vamsa.
c8.s2.t1.26
Die Uttarakuru gelten bereits als ein mythisches Volk. Aṅguttara-Nikāya 4 S. 396 und Dīgha-Nikāya 3 S. 199 wird gesagt, dass sie unbekümmert leben, besitzlos sind und eine bestimmte Lebensdauer haben (Aṅguttara-Nikāya ... amamā apariggahā niyatāyukā ...).
c8.s2.t1.27
Von Zeit zu Zeit wird die ganze Erde von einem einzigen Fürsten beherrscht. Dieser führt den Titel Cakravartin ²).
c8.s2.t1.28
² Über die Idee eines Cakravartin siehe den zusammenfassenden Artikel Jacobi's in: Encyclopaedia of Religion and Ethics, Vol. 3 (1910) S. 336.
c8.s2.t1.29
Aṅguttara-Nikāya 4 S. 89 findet sich die kurze Schilderung eines Königs. Er ist gerecht, ein König der Gerechtigkeit, beherrscht die vier Enden der Erde, ist ein siegreicher Eroberer, beglückt das Volk und besitzt die sieben Juwelen: das Radjuwel, das Elefantenjuwel, das Rossjuwel, das Edelsteinjuwel, das Frauenjuwel, das Hausvaterjuwel und das Feldherrnjuwel (Anekasattakkhattum rājā ahosim Cakkavattī dhammiko dhammarājā cāturanto vijitāvī janapadathāvariyappatto sattaratanasamaṇṇāgato. Tassa mayhaṃ bh. imāni satta ratanāni abesuṃ, seyyathīdaṃ cakkaratanaṃ hatthiratanaṃ assaratanaṃ maṇiratanaṃ itthiratanaṃ gahapatiratanaṃ parināyakatanaṃ eva sattamaṃ)¹). Diese Stelle findet sich fast wörtlich Dīgha-Nikāya 2 S. 174.
c8.s2.t1.30
¹ Ähnlich Divyāvadāna S. 211.
c8.s2.t1.31
Der grosse Ozean, der, wie schon gezeigt, in vier Meere eingeteilt wurde, ist uner- messlich, lautlosend, furchtbar und birgt eine Fülle von Edelsteinen. In denselben münden die Flüsse, die von Scharen von Fischen bewohnt werden (Aṅguttara-Nikāya 3 S. 52: Mahodadhiṃ aparimataṃ mahāsaraṃ bahubheravaṃ ratanagaṇānaṃ ālayam | najjo yathā macchaganasaṅhasevitā | puthū savanti sāgaraṃ || . . . Ähnlich Aṅguttara-Nikāya 2 S. 55, Saṃyutta-Nikāya 4 S. 377, 5 S. 400). Aṅguttara-Nikāya 4 S. 198 ff. und Vinaya-Piṭaka 2 S. 237 f. werden die acht Wunder des Meeres aufgezählt, und zwar, dass das Meer erst nach und nach an Tiefe zunehme und der Meeresboden nicht plötzlich abfalle, dass das Meer das Ufer nicht überschreite, einen Leichnam an’s Land werfe, dass die fünf grossen Ströme Namen und Ge- schlecht im Meer verlieren, dass alle Flüsse und Wassergüsse aus dem Luftraum das Volumen des Meeres nicht verändern, dass es den Salzgeschmack habe, dass es viele Edelsteine enthalte und dass es Timi, Timingala, Timiramiṅgala, Asura, Nāga und Gandharva beherberge, von denen einige 100 bis 500 Yojana gross seien ²).
c8.s2.t1.32
² Die Stelle ist zu lang, als dass ich sie hier ganz zitieren könnte.
c8.s2.t1.33
Dies ist im grossen und ganzen das Bild von der Erde, wie man es in den ältesten Teilen des buddhistischen Kanons vorfindet. Wesentlich verschieden von demselben sind die Anschauungen, die die jüngeren Texte bieten. Zu diesen gehören vor allem, wie schon oben angedeutet, die Jātaka und Palikommentare, sodann natürlich auch all jene Werke in Sans- krit wie das Lalita-Vistara, das Mahāvastu usw. Es soll hier aber durchaus nicht behauptet werden, dass die Jātaka in einzelnen Teilen nicht ebenso alt wie andere Schriften des Pali- kanons sein könnten, sondern nur, dass sich in ihnen als Gesamtwerk kosmographische Ideen vorfinden, die auf eine jüngere Zeit der Entwicklung hinweisen und im grossen und ganzen mit den Anschauungen jüngerer buddhistischer Schriften übereinstimmen. Ich enthalte mich hier weiterer Ausführungen über das Alter derselben und verweise auf den betreffenden Ab- schnitt in M. Winternitz’s „Geschichte der Indischen Literatur“, Bd. 2, Hälfte 1, S. 89—98.
B. Die Erde nach den Anschauungen der jüngeren Zeit
c8.s2.t2.1
Das Weltbild der älteren Zeit, wie wir es im vorangehenden aus den verhältnismässig wenigen Stellen und Andeutungen des Palikanons rekonstruiert haben, wurde wesentlich modi- fiziert durch das Auftreten der Idee von den Ringgebirgen und Ringmeeren. Unter den Ring- gebirgen versteht man sieben grosse, durch Ringmeere getrennte goldene Gebirgsringe um den Meru als Zentrum, deren Höhe und Entfernung von einander nach innen hin in geometri- scher Progression zunehmen. Ihnen entsprechend verhält es sich dann auch mit der Tiefe und Breite der sie trennenden Ringmeere. Diese Spekulation und die durch sie erfolgte Än- derung des Erdbildes ist eine so eigenartige, dass sie in der ältesten Zeit des Buddhismus nicht bestanden haben könnte, ohne Spuren in den kanonischen Schriften (mit Ausnahme der Jātaka) zu hinterlassen, besonders da man sich ihre Nichterwähnung an manchen Stellen gar nicht erklären kann, sie anderseits bei den so häufig vorkommenden Vergleichen sehr gute Vergleichsmomente abgegeben hätten.
c8.s2.t2.2
Bezeichnung der Ringgebirge und Ringmauern. Diese Ringgebirge werden Jātaka 6 S. 125 paribhaṇḍapabbata „Gürtelgebirge“ und 6 S. 432 werden die Ringmeere paribhaṇḍasāgara „Gürtelmeere“ genannt. Dhammapāla nennt in seinem Kommentar Paramatthadīpanī 4 S. 135 den Yugandhara usw. bhūmipaṭibandhaṭṭhāna „Erdringplätze“. Nach den Jātaka 6 S. 125 heissen die Ringmeere Sīdantara-Meere. In den Sanskritschriften führen die Ringgebirge vielfach die Bezeichnung cakravāḍa, die auch dem äussersten die ganze Welt umgebenden Felsring beigelegt wird, z. B. Lalita-Vistara S. 134, 153, 277, 316, Mahāvastu 1 S. 6, 2 S. 100.
c8.s2.t2.3
Namen der Ringgebirge; ihre Reihenfolge. Hinsichtlich der Reihenfolge der Namen der einzelnen Ringgebirge werden verschiedene Versionen berichtet. Die Abweichung in den einzelnen Aufzählungen scheint aber keine willkürliche zu sein, sondern auf gewissen Spekulationen zu beruhen. Über Art und Richtung dieser Spekulationen können vor der Hand aber nur Vermutungen aufgestellt werden. Die verschiedenen Aufzählungen, die mir begegnet sind, sind nun folgende:
c8.s2.t2.4
| | I. Jātaka g. 6 S. 125 | II. Atthasālini S. 297/8 Hardy: Manual S. 12¹) | III. Divyāvadāna S. 216/7 Beal: Catena S. 45 | IV. Mahāvastu 2 S. 300 |
| 1 | Assakaṇṇa | Yugandhara | Yugandhara | Nimindhara |
| 2 | Vinataka | Īsadhara | Īṣadhāra | Yugandhara |
| 3 | Nemindhara | Karavīka | Khadiraka | Isāmdhara |
| 4 | Yugandhara | Sudassana | Sudarśana | Kadiraka |
| 5 | Īsadhara | Nemindhara | Aśvakarṇa | Aśvakarṇa |
| 6 | Karavīka | Vinataka | Vinataka | Vinataka |
| 7 | Sudassana | Assakaṇṇa | Nimindhara | Sudarśana |
c8.s2.t2.5
¹ s. auch Pallegoix S. 431 ff.
c8.s2.t2.6
In diesen Aufzählungen hat man sich die unter Nr. 1 angeführten Ringgebirge als die innersten, die unter Nr. 7 angeführten als die äussersten zu denken. Die Aufzählung der Jātaka (I) ist vielleicht die älteste, jünger sind möglicherweise die Aufzählungen II und III, die Reihenfolge des Mahāvastu ist wahrscheinlich eine fehlerhafte und die 2 S. 146. 18 angedeutete Aufzählung (Yugandharaprabhṛtayaḥ . . .) erinnert an die Reihenfolge der Liste III. Ferner deutet die Stelle Jātaka 4 S. 265 vielleicht auf die Reihenfolge der Liste II hin ²).
c8.s2.t2.7
² Meine Vermutungen über die abweichenden Angaben in der Reihenfolge der Ringgebirge will ich hier mitteilen. Wie weiter unten ausgeführt werden soll, wird das Yugandhara-Ringgebirge mit der Sonne in Verbindung gebracht. Dies führt auf den Gedanken, dass auch die anderen sechs Ringgebirge mit den übrigen sechs Planeten der Alten in irgend einer Beziehung stehen könnten. Die einzelnen Aufzählungen der Ringgebirge mit ihrer wechselnden Reihenfolge würden alsdann auf verschiedene Planetenlisten zurückgeführt werden müssen. Würde nun die unter I angegebene Reihenfolge der Ringgebirge der uns geläufigen Reihenfolge der Planeten Mond, Merkur, Venus, Sonne usw. entsprechen, also Sudassana dem Monde usw., und endlich Assakanna dem Saturn, so würde Liste II beginnend mit Nr. 1 auf die Planetenfolge Sonne, Venus, Merkur, Mond, Mars, Jupiter, Saturn zurückgehen. Liste III würde dann die Planetenfolge Sonne, Venus, Merkur. Mond, Saturn, Jupiter, Mars
c8.s2.t2.8
In China hat der Buddhismus die Anzahl der Ringmauern auf zehn erhöht ¹).
c8.s2.t2.9
Sowohl der Meru wie auch die Ringgebirge stehen mit ihrer unteren Hälfte im Meere. Der Assakaṇṇa resp. Yugandhara oder Nimindhara ragt nur 42 000 Yojana aus demselben hervor. Das von ihm eingeschlossene Ringmeer hat am Meru eine Tiefe von 84 000 Yojana, nimmt dann nach dem Ringgebirge hin bis auf die Hälfte ab. Auch die Breite dieses Ringmeeres beträgt 84 000 Yojana. In dieser Weise nehmen Höhe der Ringgebirge und Breite des Meere ab, bis der äusserste Ring nur mehr mit einer Höhe von 656¹/₄ Yojana aus dem Meere hervorragt. Jenseits des siebten äussersten Felsenringes breitet sich der grosse Ozean aus (Jātaka 6 S. 125: ete Sīdantare nagā anupubbasamuggatā . . .).
c8.s2.t2.10
¹ Remusat S. 81 f.
c8.s2.t2.11
Die Ringgebirge sind mit den verschiedensten Edelsteinen verziert, sie sind die Wohnsitze der vier Weltkönige und werden von Deva und Yakṣa besucht (Atthasālīnī S. 298: . . . nānaratanacittitā . . . mahārājānam āvāsā devayakkhanisevitā . . ., Jātaka 6 S. 125c: . . . ete catunnaṃ mahārājānam āvāsā . . .). Nach dem Divyāvadāna S. 216—17 sind die sieben Ringgebirge aus Gold (Sumeruḥ parvatarājā saptakāñcanaparvataparivṛtaḥ . . .).
c8.s2.t2.12
Was in den jüngeren buddhistischen Schriften über den Meru und den Yugandhara-Bergring im einzelnen berichtet wird — von den übrigen Ringgebirgen wird nichts weiter gesagt —, ist folgendes: Dhammapada-Aṭṭhakathā S. 107 wird die gleiche Höhe für den Meru angegeben wie in der oben angegebenen Stelle Aṅguttara-Nikāya 4 S. 100, nämlich 168 000 Yojana (aṭṭhasatthiyojanasahassubbedhaṃ Sineruṃ . . .). Er besteht aus Gold und wird deshalb suvaṇṇapabbata (suvarṇapabbata), kañcanapabbata, kanakagiri „Goldberg“ genannt; s. Jātaka 3 S. 247, 5 S. 432, Jātakamālā (Sac. Books of the Buddhists 1) S. 4, 58, 66, 69, Mahāvastu 3 S. 344. Nach Lalita-Vistara S. 120 besteht seine Spitze aus Edelsteinen und Diamant. In noch jüngerer Zeit bildete sich allgemein die Ansicht aus, dass er aus verschiedenen Metallen besteht, und zwar der östliche Teil aus Silber, der südliche aus Saphir, der westliche aus Korallen, nach andern aus Krystall, und der nördliche aus Gold, ähnlich wie es die Purāṇa lehren ²). Für die Zwischengegenden gibt Hardy auch noch Farbenunterschiede an, die aber mehr Farbenübergänge darstellen, und zwar ist der Nordost goldgrün, die Südost blassblau, der Südwest blau und der Nordwest goldgelb.
c8.s2.t2.13
² s. Koeppen 1 S. 232; Hardy: Manual S. 11, Legends S. 231.
c8.s2.t2.14
Auf der Gipfelfläche breitet sich die Götterwelt der Tāvatiṃsa (Trāyastriṃśa) aus, die untere ist das Reich der Asura, jener genau entsprechend. Wie sich in jener der Baum Pāricchattaka findet, blüht hier der Wunschbaum Citta pāṭalī (Jātaka 1 S. 202: Asurabhavanaṃ nāma Sinerussa heṭṭhimatale tāvatiṃsadevalokappamāṇaṃ eva, tattha devānaṃ Pāricchattako viya Cittapāṭalī nāma kappaṭṭhiyarukkho hoti . . . Atthasālīnī S. 298: . . . asurānaṃ cittapāṭalīyā, . . . Tāvatiṃsesu pāricchattakassā ti). Diese Ansicht ist insofern interessant, als man in älterer Zeit offenbar ähnliche Räume unter der Erde annahm, wie es im brāhmaṇischen System die Pātāla sind, jedoch wurde dieselbe später verdrängt; denn nach Hardy und andern ruht der Meru auf dem 30 000 Yojana hohen dreigipflichen Trikūṭa-Felsen, der seinerseits wieder auf der 240 000 Yojana dicken silāpathavī (Felserde) aufliegt. Auf den räumlichen Dualismus zugrunde liegen, eine Folge, wie sie bei den Mandäern bekannt war, aber auch vereinzelt im Syrischen und Jüdischen belegt ist. Siehe W. Brandt: Mandäische Schriften. Göttingen 1893, S. 45, 85; E. Schrader: Die Keilschriften und das Alte Testament. 3. Aufl. Berlin 1903, S. 623 f.; Th. Nöldeke bei P. Jensen in: Zeitschrift f. deutsche Wortforschung 1 S. 156.
c8.s2.t2.15
lismus in älterer Zeit weist auch die Stelle Jātaka 1 S. 204c hin, die ich wegen ihrer Länge hier nicht zitieren kann. Darnach hat der Meru fünf Etagen, auf denen von Śakra auf der untersten die Nāga, auf der zweiten die Suparṇa, der dritten die Dānava und Rākṣasa, der vierten die Yakṣa und der fünften die Mahārāja zum Schutz gegen die Asura stationiert sind.
c8.s2.t2.16
Der Yugandhara in Verbindung mit der Sonne gebracht Der Yugandhara wird in Verbindung mit der Sonne gebracht. Jātaka 1 S. 119 wird von Buddha gesagt, dass er die für einen Buddha charakteristischen sechsfarbigen Strahlen aussende wie die eben aufgegangene Sonne, wenn sie von der Höhe des Yugandhara-Gebirges die Tiefen des Meeres erleuchte (... aṇṇavakucchim obhāsayamāno Yugandharamatthake bālasuriyo viya...). Auch Jātaka 4 S. 213 wird dieser in ähnlicher Weise mit der Sonne in Verbindung gebracht (... suriyena saddhim javissāmā ti suriye anuggate yeva gantvā Yugandharamatthake nisīdimsu...), ebenso Dhammapālaparamaṭṭhadīpanī 3 S. 137: „Leuchtend wie die junge Sonne auf dem Yugandhara-Gebirge...“ (... Yugandharapabbate bālasuriyo viya virocamāno...).
c8.s2.t2.17
Der grosse Ozean und die Weltinseln. Den siebten, äussersten Bergring umspült der grosse Ozean. In diesem liegen nach den Hauptpunkten der Windrose die vier ausdrücklich als Inseln (dīpa, dvīpa) bezeichneten Weltteile Pūrvavideha (Osten), Jambūdvīpa (Süden), Aparagodānīya (Westen) und Uttarakuru (Norden) ¹).
c8.s2.t2.18
¹ z. B. Jātaka 6 S. 278/91 Dhammapālaparamaṭṭhadīpanī S. 104, Mahāvastu 3 S. 378, 2 S. 68, 158 usw.
c8.s2.t2.19
Beschreibung des Jambūdvīpa. In Jambūdvīpa ist das höchste Gebirge der Himavat, der nach Aṭṭhasālīnī S. 297/8 500 Yojana hoch und 3000 Yojana breit und lang ist. Er hat 84 000 Gipfel (... yojanānam satān’ ucco Himavā pañca pabbato | yojanānam sahassāni tīni āyatavitthato | caturāsītisahassehi kūtehi paṭimaṇḍito). Auf demselben erhebt sich der Jambū-Baum, 100 Yojana breit und hoch. Seine Zweige sind 50 Yojana lang und haben einen Umfang von 15 Yojana. Von ihm führt der Kontinent seinen Namen (tipañca yojanakkhandhāparikkhepā nagavhayā, | paññāsa yojanakkhandhasākhāyāmā samantato. | Satayojanavitthiṇṇā tāvad eva ca uggatā | jambū yassānubhāvena Jambudīpo pakāsito ||). Wie die Aṭṭhasālīnī an dieser Stelle noch weiterhin ausdrücklich versichert, entspricht dem Jambū-Baum in Aparagoyāna ein Kadamba-, in Pubbavideha ein Sirīsa- und in Uttarakuru der Wunsch-Baum. In der Götterwelt soll ihm ein Pāricchataka-, in der Welt der Asura ein Cittapāṭaliyā- und in der der Garuḍa ein Simbali-Baum entsprechen (yañ c’etaṃ jambuyā pamāṇaṃ etad eva asurāṇaṃ cittapāṭaliyā, garuḷānaṃ simbalirukkhassa, Aparagoyāne kadambarukkhassa, Uttarakurū kapparukkhassa, Pubbavidehe sirīsassa, Tāvatiṃsesu pāricchattakassa ti). Nur in Jambūdvīpa werden Boddhisattva geboren, wie das Lalita-Vistara S. 19 angibt (na bodhisattvāḥ pratyantadvīpā upapadyante na Pūrvavidehe... atha tarhi Jambūdvīpa evopapadyante).
c8.s2.t2.20
Das Mahāvastu erwähnt 1 S. 212 f. eine Reihe von Völkern des Jambūdvīpa: die Aṅga, Avanti, Assaka, Kamboja, Kuru, Koliya, Gandhāra, Ceti, Pañcala, Magadha, Maccha, Vaṅga, Vansa, Vajji, Śūrasena. Diese Aufzählung stimmt fast mit der des Aṅguttara-Nikāya 1 S. 21 überein.
c8.s2.t2.21
Uttarakuru. Uttarakuru ist das Land der Seligen, und seine Bewohner führen ein göttergleiches Dasein. Sie betreiben keinerlei Tätigkeit, sondern erhalten alles, was sie wünschen, vom Wunschbaum.
c8.s2.t2.22
Dimensionen der Weltinseln. Über die Grösse der Weltinseln macht das Lalita-Vistara S. 149/50 noch einige Angaben. Darnach hat der Jambūdvīpa eine Länge von 7000, Aparagodānīya von 8000, Pūrvavideha von 9000 und Uttarakuru von 10 000 Yojana (. . . anena praveśenāyaṃ Jambūdvīpaḥ saptayojanasahasrāṇi, Godānīyo ’ṣṭau yojanasahasrāṇi, Pūrvavideho nava yojanasahasrāṇi, Uttarakurudvīpo daśayojanasahasrāṇi . . .).
c8.s2.t2.23
Jeder Kontinent wird noch von kleineren Inseln umgeben. Der südliche Buddhismus nimmt an, dass die Gesamtsumme dieser Inseln 2000 betrage, wie Dhammapāla in seiner Paramatthadīpanī 4 S. 104 ausführt (. . . dvisahassaparittādīpaparivārāṇaṃ Jambudīpādīnaṃ catunnaṃ mahādīpānaṃ issariyaṃ). Demgegenüber nehmen die Nordbuddhisten nur acht kleinere Inseln an, die je zwei und zwei zu einem grossen Kontinent gehören und auch dessen Gestalt haben ¹). Nach allgemeiner Ansicht der späteren Zeit ist nämlich Jambūdvīpa dreieckig, Uttarakuru viereckig, Pūrvavideha halbmondförmig und Aparagodānīya kreisrund, und auch ihre Bewohner sollen die gleichen Merkmale in ihrer Gesichtsform tragen. Was die spätere Zeit an Einzelheiten über die einzelnen Weltteile noch geleistet hat, wird man in der oben angeführten Literatur ausführlich vorfinden.
c8.s2.t2.24
¹ Beal: Catena S. 35 ff.
c8.s2.t2.25
Das ganze Weltall wird rings vom grossen Cakravāla-Felswall umgeben. Derselbe steht nach Atthasālini S. 297 82 000 Yojana tief im grossen Ozean, ebensoviel reicht er über denselben hervor (dveasīti sahassāni ajjhogaḷho mahannave, accuggato tāvad eva cakkavāḷasiluccayo, parikkhipittā taṃ sabbaṃ lokadhātu-m-ayaṃ thito ti). Der Durchmesser des Cakravāla-Felsens beträgt nach demselben Text 1 203 450 und der Umfang desselben 3 610 050 Yojana (eigentlich müsste es nach der indischen Rechenmethode: π = 3 heissen: 3 610 350 Yojana) (Atthasālini S. 297: ekaṃ hi cakkavālaṃ āyāmato ca vitthārato ca yojanānaṃ dvādasasatasahassāni catuttiṃsa satāni paññāsañ ca yojanāni, parikkhepato. Sabbaṃ satasahassāni chatṭiṃsa parimaṇḍalaṃ dasa ceva sahassāni adḍhuḍḍhāni satāni ca). Hinsichtlich dieser Zahlenangaben finden sich bei den Buddhisten manche Abweichungen.
c8.s2.t2.26
Der Meru, die Ringgebirge, Weltinseln, Meere und der Cakravāla-Felsen ruhen auf einer 240 000 Yojana dicken Erdschicht, diese wieder auf einer 480 000 Yojana dicken Wasserschicht und auf einer 960 000 Yojana dicken Luftschicht, das ganze auf dem leeren Raume (Atthasālini S. 297: dve satasahassāni nahutāni ca | ettakaṃ bahalattena saṅkhātā ’yaṃ vasundharā, || tassa yeva sandhārakam: cattāri satasahassāni aṭṭh’ eva nahutāni ca, | ettakaṃ bahalattena jalam vāte paṭiṭṭhitam. || tassa pi sandhārako: nava satasahassāni māluto mahamto, | saṭṭhiñ c’ eva sahassāni esā lokassa saṇṭhiti. | Jātaka 1 S. 321: . . . catunahutādhikāni dveyojanasatasahassāni bahalaghanapathaṃvī . . . 6 S. 486: . . . catunahutādhikaviyojanasatasahassabahala ayaṃ pathavī . . .).
3. Kapitel. Der Sternhimmel
c8.s3.1
In den kanonischen Schriften wird über die Himmelskörper nicht viel berichtet ²). Aṅguttara-Nikāya 4 S. 254 wird von Sonne und Mond gesagt, dass sie lieblich sind, im Luftraum umherwandeln, die Finsternis vernichten und die Weltgegenden erleuchten (cando ca suriyo ca ubho sudassanā | obhāsayaṃ anupariyanti yāvatā | tamonuḍā te pana antalikkhagā | nabhe pabhāsanti disā virocanā ||). Nach Aṅguttara-Nikāya 1 S. 283 sind Sonne und Mond kreisrund (candamaṇḍalaṃ bh. vivaṭaṃ virocati . . . suriyamaṇḍalaṃ bh. vivaṭaṃ virocati . . .).
c8.s3.2
² Ausführliches über jüngere buddhistische Anschauungen findet man in Beal: catena S. 68 ff., Hardy: Manual S. 20 ff.
c8.s3.3
Ähnlich lehrt das Dīgha-Nikāya 3 S. 196: yato uggacchati suriyo ādicco maṇḍalī mahā . . . Sonne und Mond umwandeln den Sineru und bringen dadurch Tag und Nacht hervor (Jātaka g. 6 S. 278: passa candañ ca suriyañ ca obhāsante catuddisā | Sineruṃ anupariyante . . .)
c8.s3.4
Die Ursachen der Vier Ursachen können Sonne und Mond verdunkeln, wie Aṅguttara-Nikāya 2 S. 53 Verfinsterung von ausgeführt wird, nämlich 1. eine Wolke, 2. die Erde, 3. der Dunst der Atmosphäre und 4. der Sonne und Mond. Asurafürst Rāhu (abham bh. candimasuriyānam . . ., mahiyā . . ., dhūmarajo . . ., Rāhu . . . asurindo . . . upakkileso . . .).
c8.s3.5
Bestandteile Die Sonne besteht aus acht Teilen nach Ausführung von Aṅguttara-Nikāya 4 S. 255. der Sonne. Diese sind: 1. Perlen (muttā), 2. Edelstein (maṇi), 3. Beryll (veḷuriya), 4. Gold (? bhaddaka) ¹),
5. Gold (singī), 6. Gold (suvaṇṇa), 7. Gold (kañcana) und 8. Gold, das haṭaka heisst (yaṃ jātarūpaṃ haṭakan ti vuccati).
c8.s3.6
Verhältnis d. Licht- Das Licht von Mond und Sternen macht nicht den sechzehnten Teil des Sonnenlichtes stärke von Sonne, aus (Aṅguttara-Nikāya 5 S. 255: . . . kalam pi te nānubhavanti soḷasim candappabhā tāragaṇā Mond und Sternen. va ²) sabbe). Der Mond ist unter den Sternen der erste, und deren Glanz macht noch nicht den sechzehnten Teil des Mondlichtes aus (Aṅguttara-Nikāya 5 S. 22: . . . yā kāci tārakarūpānam pabhā, sabbā tā candappabhāya kalam nāgghanti soḷasim . . .).
c8.s3.7
Sonne und Mond Sowohl Sonne wie Mond werden als Gottheiten aufgefasst, und es wird ihnen je ein als Gottheiten be- Hofstaat von Gottheiten zugeschrieben (Dīgha-Nikāya 2 S. 259: candassūpanisā devam cantrachtet. dam āgu purakkhatvā, suriyassūpanisā devā suriyam āgu purakkhatvā, . . .).
c8.s3.8
Die Nakṣatra. Die Nakṣatra (nakkhatta) haben die Gestalt von Sternen (Aṅguttara-Nikāya 4 S. 86: nakkhattāni tārakarūpāni . . .). Nur Mahāvastu 3 S. 303 ff. und zum Teil Lalitavistara S. 389 finde ich eine Aufzählung derselben. Nach den Himmelsgegenden wird der Kreis der 28 Nakṣatra in vier Gruppen zu je sieben Sternen eingeteilt. Die östliche Gruppe beginnt mit Kṛttikā. Die weitere Aufzählung der Namen ist hier überflüssig, zumal sie keine bemerkenswerten Varianten bieten.
4. Kapitel. Die Himmelswelt
c8.s4.1
Die Bewohner der Über dem Luftraum liegen die Himmelsregionen. Diese werden von den Göttern (deva) Himmelswelt haben bewohnt. Die Götter sind Wesen, die durch die Verdienste in einer vergangenen Existenz für ein endliches Da- längere oder kürzere Zeit eine bevorzugte Stelle auf der grossen Weltbühne erworben haben, sein. um in der nächsten Geburt vielleicht ihre Rolle mit der eines Erdenwesens zu vertauschen oder sogar in die tiefste Hölle hinabsteigen zu müssen, eben nur Glieder der grossen Weltmaschine und dem allmächtigen karman wie jede andere Seele unbedingt unterworfen.
A. Himmelsetagen und Götterklassen im allgemeinen
c8.s4.t1.1
Ursprüngliche Ein- Wie in andern kosmographischen Systemen hat die Spekulation im Buddhismus den teilung d. Himmels Himmel in mehrere Etagen eingeteilt. Ursprünglich kannte der Buddhismus nur sieben Himin sieben Etagen. melsetagen, wie sich noch an deutlichen Spuren erkennen lässt, entgegen den in manchen Beziehungen ähnlichen Anschauungen des Brāhmaṇismus und Jainismus. In späterer Zeit hat der Buddhismus dann die Siebenzahl der Himmelsetagen in's drei- bis vierfache erhöht. Die
c8.s4.t1.2
1) bhadra bedeutet nach dem kl. Petersburger Wörterbuch *Gold.
2) Wahrscheinlich ist statt va — ca zu lesen; s. Aṅguttara-Nik. 4 S. 255 Note 3.
c8.s4.t1.3
ursprüngliche Siebenzahl der Götterklassen und danach der von ihnen bewohnten Himmelsetagen sind folgende:
1. Die Cātummahārājika (Cāturmahārājika),
2. Die Tāvatimsa (Trāyastriṃśa),
3. Die Yāma (Yāma),
4. Die Tusita (Tuṣita),
5. Die Nimmānarati (Nirmāṇarati),
6. Die Paranimmita-vasavattin (Paranirmitavaśavartin),
7. Die Brahmakāyika oder der Brahmaloka.
c8.s4.t1.4
Abgesehen von den Kommentaren kann man vierzehn Mal¹) diese Siebenzahl der Götterklassen im Kanon nachweisen. In all diesen Fällen sind als siebente Klasse der Brahmaloka oder die Brahmakāyika-Götter genannt, womit sicher ein Abschluss der Götterliste gemacht werden soll, zumal in einigen Fällen auch andere Teile des Kosmos aufgezählt werden, die noch in anderer Hinsicht für die Kosmographie der älteren Zeit von Wichtigkeit sind. Freilich finden wir an drei Stellen nach den Brahmakāyika-Göttern noch die Taduttari-Götter angeführt, doch scheint dies vielleicht darauf hinzuweisen, wie die mythologische Spekulation der Buddhisten nach und nach weitere Himmel über den Brahmahimmel hinaus konstruierte, die dann auch unter diesem Namen zusammengefasst wurden. Nur zweimal im ganzen Kanon, so weit er mir eben zugänglich war, finde ich eine ziemlich vollständige Liste der höheren Götterklassen, und zwar Majjhima-Nikāya 3 S. 100 ff. und Kathāvatthu S. 207 und 208, abgesehen von einigen sporadischen Erwähnungen einzelner derselben.
c8.s4.t1.5
¹ Aṅguttara-Nikāya 1 S. 227 f., 4 S. 118/9, 5 S. 59, Dīgha-Nikāya 1 S. 215, 2 S. 207 ff., 250, 3 S. 259, Majjhima-Nikāya 2 S. 194, Saṃyutta-Nikāya 5 S. 410, 423, Buddhavamsa S. 1, Kathāvatthu S. 609, Vinaya-Piṭaka 1 S. 12, 3 S. 15 f. Ausserdem werden noch an manchen anderen Stellen nur die ersten sechs Götterklassen aufgezählt.
c8.s4.t1.6
Die Aufzählungen sind folgende, verglichen mit denen aus nordbuddhistischen Schriften:
c8.s4.t1.7
| Majjhima-Nikāya 3 S. 100 ff. | Kathāvatthu S. 207 u. 208 | Lalitavistara S. 149/50 | Divyāvadāna S. 68, Kandjur S. 300 f. | Mahāvastu 2 S. 314, 348, 359/60 (Variant. v. S. 348 u. 359/60*) |
| Cātummahārājika | Cātummahārājika | Cāturmahārājika | Cāturmahārājika | Cā(*)aturmahārājika |
| Tāvatimsa | Tāvatimsa | Trāyastriṃśa | Trayastriṃśa | Trayastriṃśa [ka |
| Yāma | Yāma | Yāma | Yāma | Yāma |
| Tusita | Tusita | Tuṣita | Tuṣita | Tuṣita |
| Nimmānarati | Nimmānarati | Nirmāṇarati | Nirmāṇarati | Nirmāṇarati |
| Paranimmita-savattin | Paranimmita-savattin | Paranirmitavaśavartin | Paranirmitavaśavartin | Paranirmitavaśavartin |
| Sahasso Brahmā | | | | |
| Dvisahasso ” | | Brahmakāyika | Brahmakāyika | Brahmakāyika |
| Tisahasso ” | Brahmapārisajja | Brahmapurohita | Brahmapurohita | Brahmapurohita |
| Catusahasso ” | Brahmapurohita | Brahmapārsadya | — | *Brahmapāriṣadya |
| Pañcasahasso ” | Mahābrahmāno | Mahābrahmaṇaḥ | Mahābrahmaṇaḥ | Mahābrahmaṇaḥ |
| Dasasahasso ” | | | | |
| Satasahasso ” | | | | |
c8.s4.t1.8
| Majjhima-Nikāya 3 S. 110 ff. | Kathāvatthu S. 207 u. 208 | Lalitavistara S. 149/50 | Divyāvadāna S. 68, Kandjur S. 300 f. | Mahāvastu 2 S. 314, 348, 359/60 (Variant. v. S. 348 u. 359/60*) |
| Ābha | — | — | — | Ābha |
| Parittābha | Parittābha | Parittābha | Parittābha | Parittābha |
| Appamāṇābha | Appamāṇābha | Apramāṇābha | Apramāṇābha | Apramāṇābha |
| Ābhassara | Ābhassara | Ābhāsvara | Ābhāsvara | Ābhāsvara |
| | | | | |
| Subha | — | — | — | Śubha |
| Parittasubha | Parittasubha | Parittaśubha | Parittaśubha | *Parittaśubha |
| Appamāṇasubha | Appamāṇasubha | Apramāṇaśubha | Apramāṇaśubha | Apramāṇaśubha |
| Subhakiṇṇa | Subhakiṇṇa | Śubhakṛtsna | Śubhakṛtsna | Śubhakṛtsna |
| | | | | |
| — | — | Anabhraka | Anabhraka | — |
| — | — | Puṇyaprasava | Puṇyaprasava | — |
| Vehapphala | Vehapphala | Bṛhatphala | Bṛhatphala, | Bṛhatphala |
| — | — | Asamjñisattva | — [Vṛhat° | — |
| Aviha | Aviha | Avṛha | Abṛha, Avṛha | Avṛha |
| Atappa | Atappa | Atapa | Atapa | Atapa |
| — | Sudassa | Sudṛśa | Sudṛśa | *Sudṛśa |
| Sudassi | Sudassi | Sudarśana | Sudarśa | Sudarśana |
| Akaniṭṭha | Akaniṭṭha | Akaniṣṭha | Akaniṣṭha | Akaniṣṭha |
| | | | | |
| Ākāsānañcāyata- | Ākāsānañcāyata- | — | — | — |
| nūpaga | nūpaga | — | — | — |
| Viññāṇañcāyata- | — | — | — | — |
| nūpaga [paga | — | — | — | — |
| Ākiñcāyatanū- | — | — | — | — |
| Nevasaññānāsañ- | — | — | — | — |
| ñāyatanūpaga | | | | |
c8.s4.t1.9
Fragmentarische Aufzählungen der Götterklasse.
c8.s4.t1.10
Ausserdem finden sich folgende fragmentarische Aufzählungen: Aṅguttara-Nikāya 2 S. 184 werden die Sphären Ākāsānañcāyatana bis zu Nevasaññānāsaññāgatana als Bereich des arūpavacāra genannt. Dīgha-Nikāya 2 S. 52 f. werden die Aviha bis zu den Akaniṭṭha in der Reihenfolge des Kathāvatthu aufgeführt, Majjhima-Nikāya 1 S. 2 f. findet sich die Reihenfolge: deva, Pajāpati, Brahmā, Ābhassara, Subhakiṇṇa, Vehapphala, Abhibhu, Ākāsānañcāyatana, Viññāṇañcāyatana, Ākiñcaññāyatana, Nevasaññānāsaññāyatana und 1 S. 329 die von Pajāpati bis Abhibhu, die zu keiner andern Aufzählung passt, ebenso Buddhavamsa S. 3 Ābhassara, Subhakiṇṇa, Vehapphala, Akaniṭṭha. Aṅguttara-Nikāya 4 S. 39/40 und Dīgha-Nikāya 2 S. 69 und 3 S. 253 werden die sieben viññāṇaṭṭhiti (viññāṇasthiti) „Bewusstseinszustände“ und Aṅguttara-Nikāya 4 S. 401 und Dīgha-Nikāya 3 S. 263 die neun sattāvāsa (sattāvāsa) „Formen der Existenz“ aufgeführt und zwar:
c8.s4.t1.11
| | viññāṇaṭṭhiti | | sattāvāsa |
| 1 | manussa, deva, vinipātika | 1 | manussa, deva, vinipātika |
| 2 | brahmakāyika | 2 | brahmakāyika |
| 3 | ābhassara | 3 | ābhassara |
| 4 | subhakiṇṇa (ºkiṇha) | 4 | subhakiṇha |
| | | 5 | asaññasatta |
| 5 | ākāsānañcāyatanūpaga | 6 | ākāsānañcāyatanūpaga |
| 6 | viññāṇañcāyatanūpaga | 7 | viññāṇañcāyatanūpaga |
| 7 | ākiñcaññāyatanūpaga | 8 | ākiñcaññāyatanūpaga |
| | | 9 | nevasaññānāsaññāyatanūpaga |
c8.s4.t1.12
Die Ābhassara werden ferner noch vereinzelt erwähnt Aṅguttara-Nikāya 5 S. 60, Jātaka 1 S. 406, 473, 474, 3 S. 358, an letzterer Stelle auch die Subhakiṇṇa.
c8.s4.t1.13
Endlich lassen sich im Kanon noch Götterklassen nachweisen, die in unsern Aufzählungen nicht vorkommen. Majjhima-Nikāya 3 S. 147 werden die vier bhāvuppattiyo (bhā-votpattika) angeführt: 1. Parittābhā devā, 2. Appamāṇābhā devā, 3. Samkiliṭṭhābhā devā, 4. Parisuddhābhā devā, von denen die 3. und 4. Klasse den Listen fremd sind. Unter den Valāhakakāyikā devā (Götter mit Wolkenkörper) haben wir Gottetheiten des Luftraumes zu verstehen. Samyutta-Nikāya 3 S. 254 f. werden sie eingeteilt in: Sītavalāhakā (sītabalº), Uṇhavalāhakā (uṇhabalº), Abbhavalāhakā (abhrabalº), Vātavalāhaka (vātabalº) und Vassavalāhakā (varṣabalº) devā, deren Körper aus kalten, warmen, Luftraum-, Wind- und Regenwolken bestehen. Abgesehen von den Bhummā (bhūmyā) devā ¹ „Erdgottheiten“ finden wir noch Dīgha-Nikāya 1 S. 28 Asaññasattā (asamjñāsattva) devā, die „Bewusstlosen“ ² und S. 19 Khiḍḍāpadosikā (krīḍāpradoṣikā) devā „die Spielverderber“, und Dīgha-Nikāya 2 S. 256 ff. ausser einzelnen Göttern, Dämonen und Genien noch eine Reihe von Götterscharen (devanikāya) aufgeführt. Ihre Namen sind in alphabetischer Reihenfolge folgende: Accuta, Anejaka, Aritthaka, Aruṇa, Asama, Āsava ³, Odātagayha, Kaṭṭhaka, Karumha, Khiḍḍapadūsika, Khemiya, Candassūpanisa, Joti, Nakkhatta, Pāraga, Manopadūsika ⁴, Mandavalāhaka, Mahāparāga, Mahāsamāna, Mānusa, Mānusuttama, Missaka, Mettākaruṇākāyika (vielleicht zu zerlegen in Mettākāyika und Karuṇākāyika), Yasasa, Rucira, Roja, Lambitaka, Lāmasetṭha, Lohitavāsin, Varuṇa, Vasu, Vāruṇa, Vāsavanesin, Veghanasa, Veṇhu, Sadāmatta, Samāna, Sahadhamma, Sahabhu, Sukka, Suriyassūpanisa, Sūleyya, Hari, Hāragaja. Diese Götternamen haben sicherlich zum Teil keinen mythologischen Hintergrund, sondern sind nur phantastische Konstruktionen.
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