Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7: IV. Die nördlichen Alphabete von ca. 350 p. Chr.
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7
- Language
- German
Contents
- c7.s1 § 21. Definition und Abarten — 9 parts
- c7.s2 § 22. Der Gupta-Typus des 4.—5. Jahrh. — 24 parts
- c7.s3 § 23. Der spitzwinklige und der Nāgarī-Typus — 20 parts
- c7.s4 § 24. Einzelheiten der Veränderungen im spitzwinkligen und Nāgarī-Typus — 103 parts
IV. Die nördlichen Alphabete von ca. 350 p. Chr.
§ 21. Definition und Abarten
c7.s1.1.1
— Unter den nördlichen Alphabeten verstehe ich mit BURGESS, FLEET u. A.² diejenige grosse Gruppe von epigraphischen und litterarischen Schriftarten, welche etwa von 350 p. Chr. an in dem weiten Gebiete nördlich von der Narmadā (mit Ausschluss von Kathiawar und Nord-Gujarat) die Oberhand gewinnt und, im Laufe der Zeit immer mehr sich ausdehnend, schliesslich in verschiedenen Abarten für alle arischen Sprachen Indiens zur Geltung kommt. Dieselbe wurzelt in den cursiven Formen, welche zuerst in der Unterschrift des A. Ed. VI von Dh. und einer Anzahl von Zeichen besonders der Version von K. (vgl. S. 7 f.) erscheinen und später in einzelnen Votivinschriften von Mathurā während der Herrschaft der Kuṣana (§ 19 A) sporadisch oder consequent auftreten. Der Grundtypus ist der einer Cursivschrift mit oben durchweg auf dieselbe Höhe und thunlichst auf dieselbe Breite gebrachten Buchstaben, welche, wie die alten MSS. und zahlreiche Eigentümlichkeiten der Zeichen, z. B. die Verbindung der Serifs mit den Enden der Verticalstriche zu Keilen, beweisen, stets mit Feder oder Pinsel und mit Tinte geschrieben wurde. Ihre wesentlichsten Merkmale sind: 1) das Fehlen von Curven am unteren Ende der Verticalstriche von *A*—*Ā*, *ka*, *ra* u. s.
c7.s1.1.2
w., 2) der Gebrauch von Begrenzungsstrichen (Serif) an dem unteren Ende der links herabgehenden Striche von *kha*, *ga* und *śa*, 3) die Teilung des ursprünglichen mittleren Verticalstriches von *ṇa*, sowie der oberen Barre, 4) der Gebrauch der Schleife bei *na* und das Fehlen derselben bei *ta*, 5) die Verwandlung des unteren Teiles von *ma* in einen links angesetzten Knauf oder eine ebenso gestellte kleine Schleife, 6) die Verkürzung des Verticalstriches von *la*, 7) die Drehung des mittleren *i* nach links, der bald die Drehung des mittleren *ī* nach rechts folgt, 8) die Entwicklung von links offenen Curven an dem ursprünglich horizontalen mittleren *u*, 9) der Gebrauch einer nach rechts offenen Curve für mittleres *r*. Während alle die in Tafel IV—VI gegebenen Alphabete diese gemeinsamen Züge oder Weiterbildungen aus denselben aufweisen, zerfallen dieselben nach anderen Eigentümlichkeiten in sieben grössere Gruppen, von denen jede meist mehrere Abarten einschliesst: 1) den epigraphischen nordindischen oder den sogen. Gupta-Typus des 4.—5. Jahrh., der nach HÖRNLE's Ausführungen³ eine östliche und eine westliche Abart hat, von denen die letztere wieder zwei Varietäten zeigt und an dessen westliche Form sich der litterarische Typus des Bower-MS. sowie einiger anderer Stücke aus Kashgar eng anschliesst, 2) den aus dem Gupta-Typus im 6. Jahrh.
c7.s1.1.3
entwickelten spitzwinkligen oder Siddhamātṛkā-Typus mit Keilen (*nailheads*) an den Verticalstrichen der Buchstaben, dessen litterarische Form die Palmblätter von Horiuzi zuerst zeigen, während die epigraphische Form gegen das Ende des 6. Jahrh. in der Mahānāman-Inschrift von Gayā und der Praśasti von Lakhamanḍal auftritt, 3) den Nāgarī-Typus mit seinen lang gezogenen, geschwänzten Formen und langen Deckstrichen, dessen erste sichere Spuren sich in westlichen Inschriften des 7. Jahrh. finden, 4) den Śāradā-Typus, eine nördliche Abart des westlichen Gupta-Typus, die von ca. 800 p. Chr. nachweisbar ist, 5) den östlichen Typus des Proto-Bengālī mit stark gerundeten, cursiven Formen und sphärischen Dreiecken oder Haken an der Spitze der Verticalstriche, der vom 11. Jahrh. an auftritt, 6) den nepalesischen Haken-Typus, der mit den bengalischen nahe verwandt ist und in MSS. vom 11. Jahrh. an erscheint. Im 4.—5. Jahrh. ist die Herrschaft dieser Schriftarten im Norden der Narmadā keineswegs unbeschränkt. Im Westen finden sich bis nach Bijayagaḍh (Bhartpur) hinauf Inschriften, welche teils durchweg, teils sporadisch wesentliche Züge der sonst auf den Süden beschränkten Typen aufweisen (§ 27). Im 6.—7. Jahrh. dagegen hört diese Mischung auf. Nur der »Pfeilspitzentypus« (§ 26 C.), welcher erst spät in Bengalen und Nepal auftritt, bietet noch ein Beispiel der Übertragung eines südlichen Alphabets nach dem Norden.
c7.s1.1.4
Dagegen erscheinen umgekehrt von da an Inschriften mit nördlichen Formen zunächst in den südlichen Küstenländern, westlich in Gujarat⁴ und östlich bis über Madras⁵ hinaus. Von der Mitte des 8. Jahrh. treten dieselben auch im centralen Dekhan auf und dringen im 12.—13. Jahrh. bis nach Vijayanagara in Kāṇara vor (§ 23), ohne jedoch über die nördliche Grenze der dravidischen Districte hinaus je ausschliesslich zur Herrschaft zu gelangen. In den bis jetzt gefundenen alten MSS. aus Kashgar, Japan, Nepal und dem Panjab, die etwa vom 5. Jahrh. an laufen, kommen nur nördliche Formen vor. Die Palmblatt-MSS. des westlichen Indien, die mit dem Ende des 10. Jahrh. beginnen, stimmen mit den Inschriften, indem sie zeigen, dass damals in Rajputana, Gujarat⁶ und dem nördlichen Dekhan bis Devagiri⁷ (Daulatabad) die nördliche Nāgarī-Schrift allgemein gebraucht wurde. Das allmählige Vordringen der nördlichen Formen nach dem Süden wird wahrscheinlich durch die Vorliebe mancher südindischen Fürsten für die Cultur des Nordens und durch Einwanderungen von Brahmanen, Schreiberkasten, buddhistischen und Jaina-Mönchen aus den Districten nördlich vom Ganges zu erklären sein, für welche die Angaben mancher Inschriften, wie auch der geschichtlichen Überlieferung zeugen⁸.
c7.s1.2
¹ Herstellung d. Tafeln: — A. Taf. IV, Ausschn. aus Facs. C. I—III = CII, 3, Pl. 1; C. IV = op. cit. Pl. 5; C. V—VI = op. cit. Pl. 9A; C. VII = op. cit. Pl. 9B; C. VIII = Taf. EI, 1, 238; C. IX = CII, 3, Pl. 16; C. X = op. cit. Pl. 22; C. XI—XII = op. cit. Pl. 30 B., 31 AB; C. XIII—IV = op. cit. Pl. 41 A; C. XV—VI = Taf. EI, 1, 10; C. XVII = IA, 9, 172, Nr. 7—9; C. XVIII—XIX = CII, 3, Pl. 28; C. XX = Taf. IA, 18, 234; C. XXI = Taf. IA, 15, 112; C. XXII = Taf. IA, 11, 108; C. XXIII = Taf. IA, 15, 140. — B. Taf. V: C. I = Photolith. e. Abkl. zu EI, 1, 97; die übrigen Col. Ausschn. aus Facs. — C. II = Taf. EI, 1, 160; C. III = EI, 1, 242; C. IV = IA, 6, 65 u. 11, 158; C. V = unpubl. Taf. zu IA, 13, 134; C. VI = IA, 17, 310; C. VII = unpubl. Taf. zu EI, 1, 162; C. VIII = EI, 1, 77; C. IX = EI, 2, 120; C. X = IA, 6, 50; C. XI = IA, 6, 192; C. XII = IA, 18, 11; C. XIII = EI, 1, 234; C. XIV = IA, 16, 205; C. XV = EI, 2, 297; C. XVI = Bhaunagar, Sanskr. and Prakr. Inscr. Pl. 40—41; XVII = IA, 16, 22; C. XVIII = EI, 1, 308; C. XIX = EI, 2, 350; C. XX = IA, 18, 130; C. XXI = IA, 11, 71 u. 337; C. XXII = IA, 16, 254; C. XXIII = EI, 1, 34. — C. Taf. VI: Ausschn. aus Facs. — C. I—IV = Taf. zu HÖRNLE, The Bower MS., Pt. I—II; C. V—VII, IX = An. Ox., Ary. Ser., Pl. 6, C. 1—3; C. VIII = Taf. zu Verh. Wien. Int. Or. Congr., Ar. Sect. 127 ff.; C. X = BENDALL, Cat. Pl. 2, 4 u. Verh. Berlin. Inter. Or. Congr., Ind. Sect. Taf. 2, 1; C. XI = BENDALL, Cat. Pl. 3, 1; C. XII = Verh. Berl. Int. Or. Congr., Ind. Sect. Taf. 2, 2—3; C. XIII BENDALL, Cat. Pl. 1, 3; C. XIV = An. Ox., Ary. Ser. 1, 1, Pl. 4; C. XV—XVII = Photogr. (Leumann’s) von Deccan Coll., Coll. 1880/1, Nr. 57, (7, XV—XVI; 14 u. 16, XV; 18, XV—XVII; 19 u. 23, XV—XVI; 24, XV; 27, XV—XVI; 35, 37 u. 41, XVII erg. a. Leumann's Taf. 35, sowie 7, XVII; 8—10, XV; 12, 14 u. 16, XVI, aus Phot. des Gaṇaratnamahodadhi der R. As. Soc.) — C. XVIII—XIX = Taf. zu Verh. Wien. Int. Or. Congr. 111 ff. Verkleinerung = ¹/₃.
c7.s1.3
² CII, 3, 3.
c7.s1.4
³ J.ASB, 60, 80 ff. u. IA, 21, 29 ff.
c7.s1.5
⁴ Fragmente von Inschr. mit nördl. Characteren dieser Z. aus Valabhī finden sich in den Museen von Bombay u. Rajkot, vgl. auch die königl. Unterschriften auf den Gurjara-Kupft., J.RAS, NS, 1, 247 ff.
c7.s1.6
⁵ B.ESIP, 53, u. Pl. 22a; IA, 18, 161 u. 172.
c7.s1.7
⁶ KIELHORN, Rep. S. MSS, 1880/1, 1 ff.; PETERSON, 2nd Rep. App. I; 3rd Rep. App. I.
c7.s1.8
⁷ J.RAS, 1895, 247.
c7.s1.9
⁸ Vgl. B.ESIP, 20 u. 53 ff.; FLEET in EI, 3, 2.
10) Fleet, CII. 3, 258 ff.
§ 22. Der Gupta-Typus des 4.—5. Jahrh.
c7.s2.1
Die Unterschiede zwischen der östlichen und westlichen Abart des Gupta- Typus treten in den Zeichen für *la*, *ṣa* und *ha* zu Tage¹. In der östlichen Abart wird das linke Glied des *la* (T. IV, 34, I—III, V—VI), ähnlich wie in den J. S. Ed. (§ 16, C. 35) scharf abwärts gedreht, die Basis von *ṣa* (IV, 37, I—III, V—VI) wird abgerundet und als Schleife an den schräg gelegten Mittelstrich gehängt; bei *ha* (IV, 39, I—III, V—VI) dagegen wird die Basis weggelassen und der Haken, nach links gedreht, unten an den übrig gebliebenen Verticalstrich gesetzt, genau wie in den Jagayyapetta-Inschriften (§ 20 C). In den westlichen Inschriften haben diese drei Buchstaben die älteren, volleren Formen.
c7.s2.2
¹ Vgl. BÜHLER, Ind. Ant. 15, 147 ff. und Ind. Stud. Nr. III, 60 ff.
c7.s2.3
Die östliche Abart ist in Taf. IV durch das älteste Specimen, Hariṣeṇa's Allahabad-Praśasti (C. I—III), vertreten, welche sicher der Zeit Samudragupta's² und wahrscheinlich der Periode 370—390 p. Chr. angehört, sodann durch die Kahāum-Praśasti von 460 p. Chr. (C. V—VI) und die Indor-Kupferplatte von 465 p. Chr. (C. VII), beide aus der Zeit Skandagupta's. Sie erscheint ausserdem in FLEET'S (CII, 3) Nr. 6—9, 15, 64—65, 77, BHAGVANLAL'S Nepalinschriften³ Nr. 1—3 und CUNNINGHAM'S⁴ Gayā-Inschrift von Saṃvat 64. Der Umstand, dass unter diesen Inschriften, FLEET'S Nr. 6, sich weit westlich bei Bhilsa in Mālva findet, ist dadurch erklärbar, dass sie von dem Minister Candragupta's II., der sich einen Einwohner von Pāṭaliputra nennt, auf einem Kriegszuge nach dem Westen verfasst wurde. FLEET'S Nr. 77 ist zwar in Lahore gefunden, aber über ihren Ursprung nichts bekannt. Die westliche Abart des Gupta-Typus hat wieder zwei Varietäten, eine cursive und eine eckige, stilisirte. Von der letzteren, bei welcher die dicken, viereckigen Begrenzungsstriche und das *ra* mit einem Haken am Ende (33) auffällig sind (vgl. § 19 A), giebt C. IV aus der Bilsad-Praśasti von 415 p. Chr. eine Probe. Ein anderes schönes Beispiel bietet FLEET'S Nr. 32, die Meherauli-Inschrift (Iron Pillar) aus der Nähe von Delhi. Die cursive Varietät der westlichen Abart ist in Taf. IV durch C. VIII aus Toramāṇa's Kura-Inschrift aus der 2. Hälfte des 5. Jahrh.⁵ und C. IX aus den Karitalai-Kupferplatten des Königs Jayanātha von Uccakalpa (wahrscheinlich aus dem Jahre 423/4 p. Chr.)⁶ vertreten. Sie erscheint noch in FLEET'S Nr. 4, 13, 16, 19, 22--31, 36, 61, 63, 66—67, 69, 74, 76 und in den Votivinschriften von Mathurā, N. S. Nr. 38—39, und es ist zu beachten, dass FLEET'S Nr. 13 aus Bhitari in dem Gebiete vorkommt, wo man die östliche Abart erwarten sollte. FLEET'S Nr. 61, die Jaina-Inschrift von Udayagiri in Mālva zeigt eine Mischung mit südlichen Formen, indem sie durchweg, *A*—*Ā* mit der Curve und einmal südliches *r* hat. Vielleicht steht es ähnlich mit FLEET'S Nr. 59, der Bijayagadh-Inschriften aus Bhartpur in Rajputana, wo *ra* eine Curve am Ende hat und mittleres *i* und *ī* dem in T. III, C. XVI ähnlich ist. Mit Bezug auf die Legenden der Gupta-Münzen⁸ ist zu erwähnen, dass dieselben mehrfach rückläufig sind und z. B. oft das *ma* der Kuṣanaperiode aufweisen.
c7.s2.4
² Nach Fleet, CII. 3, 4 ff., von Candragupta II. aufgezeichnet; aber die Inschrift enthält keinen Hinweis darauf, dass S. todt war.
c7.s2.5
³ Ind. Ant. 9, 163 ff.
c7.s2.6
⁴ Mahābodhi, pl. 27.
c7.s2.7
⁵ Ep. Ind. 1, 238 ff.; vgl. § 24 B.
c7.s2.8
⁶ Fleet, CII. 3, 117 ff. und S. 95 ff.
c7.s2.9
⁸ V. A. Smith, JASB. 53, 119 ff. und 63, 164 ff.; s. auch Rapson, Num. Chron. 1891, 48 ff.
c7.s2.10.1
B. Eigentümlichkeiten des epigraphischen Gupta-Typus. --- Betreffs besonders markanter Einzelheiten ist Folgendes hervorzuheben: 1) Die unteren Teile der rechten Verticalstriche von *A*—*Ā*, *ga*, *ḍa*, *ta*, *bha* und *śa* werden besonders in den älteren Steininschriften verlängert und *ka* und *ra* bleiben lang, so dass diese acht Zeichen ungefähr doppelt so lang sind als die ohne Verticalstriche. Auf den Kupferplatten sind jedoch Verkürzungen auf das normale Mass nicht selten. 2) Der rechte Teil von *gha*, *pa*, *pha*, *ṣa*, *sa* ist meist spitzwinklig und geht abwärts nach rechts, wodurch später die Entwicklung von Verticalstrichen unten rechts an diesen Zeichen veranlasst wird. 3) Bei *A* kommt gegen die Mitte des 5. Jahrh. (IX, XI) die Umdrehung des unteren Teiles der linken Seite vor (vgl. § 19 B, 1), die allen späteren Entwicklungen zu Grunde liegt; bei *Ā*, 2, VII—IX, wird das Längezeichen cursiv an den Fuss des Buchstabens gehängt. 4) Neben dem *I* der Kuṣaṇaperiode, 3, I, V, treten in Folge der Vorliebe für oben abgeplattete Formen die auch später beliebte Form von 3, VII und die mit dem Horizontalstrich oben, welche den südlichen *I* (T. VII—VIII u. § 28) und dem der Nāgarī (§ 24, A, 4) zu Grunde liegt. 5) *U*, *U* und *O* bekommen im 5. Jahrh. die links offene Curve, zu der schon im Kuṣana-Typus (§ 19, B, 4) der erste Ansatz vorkommt.
c7.s2.10.2
6) Das gutturale *ṅa* beginnt an Stelle des Anusvāra vor *ṣa* und *ha*, 11, VII, zu erscheinen, vielleicht in Folge der in den Śikṣā gerügten falschen Aussprache⁹. 7) Bei *ja*, 14, I—III, VII—VIII, wird der dritte Horizontalstrich nach links gebogen und endigt mitunter mit einer Curve, wodurch die Neubildungen in C. XXI—XXIII verursacht werden. 8) Das *ña*, 16, I—II; 42, I, VI—VII, XI, erhält vom 5. Jahrh. an häufig der Raumersparnis halber eine cursive Rundform (vgl. *jñaḥ*, T. III, 40, XIV). Daneben bleiben aber ältere eckige Formen, 42, V. 9) Das *ṭa* wird oft, 17, I—III, IX, oben abgeplattet. 10) Das *ṇa* zeigt in 21, I—II einen kleinen Ansatz unten rechts, veranlasst durch eine ungenaue Anfügung des rechten Hakens, und in 21, II ausserdem links eine cursive Schleife. In 21, III ist das Zeichen auf die Seite gelegt und einem Nāgarī *ṇa* nicht unähnlich. 11) Das *tha* wird meist elliptisch oder rechts abgeplattet und erhält statt des Punktes einen Querstrich, 23, I, V—IX, obschon die alte Form, 23, II—III, auch noch vorkommt¹⁰. 12) *Ya* ist meist dreiteilig, 32, I—IX, zeigt jedoch mitunter, besonders in *ye*, *yai* und *yo*, die Übergangsform mit der Schleife (vgl. 32, XIII, XVI; T. VII, 45, XIV), welche zu dem zweiteiligen *ya* führt¹¹. Das älteste Beispiel desselben kommt in FLEET'S Nr. 59 von 371 p. Chr. vor, während die Kuṣaṇa-Inschriften (§ 19, B, 12) schon das suffigirte verschleifte *ya* kennen.
c7.s2.10.3
13) Das linke Glied von *sa* wird oft, wie in einigen Kuṣaṇa-Inschriften (§ 19, B, 16), in eine Schleife verwandelt, während in den ältesten Nepal-Inschriften ein Dreieck (die Umrisse eines Keiles, wie in 38, XII), erscheint. Ebenso häufig kommt indess der alte Haken vor, seltener dagegen die später gewöhnliche Form, 46, VIII, in der der rechte Teil des Zeichens direct an den Haken angefügt ist. 14) Das seltene *ḷa*, 40, I—III, erscheint noch in FLEET'S Nr. 67, Z. 1. 15) Die mittleren Vokalzeichen stimmen vielfach mit denen des Kuṣaṇa-Typus. Doch ist der oben offene Halbkreis des *ā* in *ṭā*, 17, II, der auch in *ṇā* vorkommt, eine Neubildung. Ferner wird *i* z. B. in *khi*, 8, III, VI, IX stets weiter nach links hinübergezogen als früher, und in einigen Inschriften wie Mathurā, N. S., Nr. 38—39, besteht *ī* nur aus einer Curve nach rechts, obschon die Form mit zwei Hörnern, z. B. in *dī*, 24, I, oder eine Verschleifung derselben (*bhī*, 30, V) die gewöhnlichere ist. Das horizontale *u* nimmt fast durchweg die noch gebräuchliche Curvenform an und tritt in *ru*, 33, III, VI, an das Ende des Consonanten, während es in *gu*, 8, II, VI, *tu*, *bhu*, 30, I, und *śu*, 36, III, aufwärts gebogen wird. Für *ū* erscheint neben einer alten Form in *gū*, 8, IV, und jüngern Combinationen in *bhū*, 30, II, VI, und *ṭṭū*, 42, II, eine später sehr gebräuchliche Cursivform in *dhū*, 25, II, VI.
c7.s2.10.4
Die eine Mātrā von *ai* (*gai*, 32, III) und die von *o* (*go*, 9, III, *ṇo*, 21, III) wird mitunter senkrecht gestellt. 16) Bei den Ligaturen verursacht die Rücksicht auf Raumersparnis die erwähnte Cursivform von *ña*, die Seitwärtslegung des *tha* (*sthā*, 45, V, *stha*, 46, IX) und des *ṭa* (*ṣṭa*, 45, IX). Im 5. Jahrh. erscheint für *rya* ein volles *ra* mit suffigirten *ya*, 45, VII. 17) In das 5. Jahrh. fällt auch der erste sichere Virāma in *ddham*, 43, VII, in der Gestalt eines Horizontalstriches über dem finalen Consonanten, in das 4. der erste Gebrauch des nördlichen Jihvāmūlīya (*ẖka*, 46, II) und Upadhmānīya (*ḫpā*, 46, III).
c7.s2.11
C. Der Gupta-Typus in MSS. — Von den Typen des Bower-MS., das nach HÖRNLE'S und meiner Ansicht¹² dem 5. Jahrh. angehört, giebt Taf. VI, C. I—IV, nur das Alphabet des von HÖRNLE mit *A* bezeichneten Teiles, da die veröffentlichten Stücke von *B* und *C* für paläographische Untersuchungen zu wenig umfangreich sind. Der gegebene Typus unterscheidet sich von dem der Inschriften der Guptaperiode, besonders der Kupfertafeln, nur in wenigen unwesentlichen Punkten. Die oberen Begrenzungsstriche sind sorgfältiger gemacht und fast durchweg wirkliche Keilaufsätze. Sie erscheinen auch auf allen Verticalstrichen der Zeichen, vgl. *gha*, 18, I—IV. Ebenso werden die unteren Enden abwärts gehender Striche noch regelmässiger mit Grenzlinien versehen und oft in Keile oder Knöpfchen verwandelt. Diese grössere Regelmässigkeit ist, was man bei guten MSS. erwartet, da das Material weniger Schwierigkeiten bietet als Stein oder Kupfer. Der durchgängige Gebrauch der Begrenzungsstriche hat zur Entwicklung des *ka* mit der Schleife links, 15, IV, geführt¹³ (vgl. 15, I, III), welches im Bower-MS. mitunter erscheint und in den Inschriften erst später von 588/9 (vgl. T. IV, 7, XIII), dann aber constant nachweisbar ist. Ferner kommt sehr selten, z. B. in *prayojayet* (Bower-MS. Fol. 31a, 11), eine altertümliche Form des zweiteiligen *ya* vor. Das Bower-MS. lehrt uns auch einige Zeichen kennen, die wegen der Seltenheit der Laute, welche sie ausdrücken, nur sehr selten in Inschriften vorkommen können und in den bis jetzt gefundenen des 4. und 5. Jahrh. zufällig gar nicht vorkommen. Hieher gehört das *I*, 4, I, in dem der obere und untere Punkt des mit den Spitzen nach oben gestellten alten Zeichens (vgl. T. VI, 4, V, VII) in einen Strich zusammengefasst ist, das *R*, welches deutlich aus *ra* mit suffigirtem *ṛ* besteht (vgl. § 1 und u. § 24, A. 7), das *AU*, welches genau mit dem epigraphischen von 532 p. Chr., T. IV, 6, X, stimmt, und das suffigirte *ṝ* in *nṝ*, 34, III, das aus zwei horizontal neben einander gelegten *r* besteht.
c7.s2.12
¹ Vgl. HÖRNLE, J.ASB, 60, 81, der nur *ṣa* erwähnt, da er den in § 23 behandelten Typus mit in Betracht zieht.
c7.s2.13
² SB.WA, 122, XI, 32 ff.
c7.s2.14
³ IA, 9, 163 ff.; die Ära ist nicht die von 318/9, wie FLEET, CII, 3, Intr. 95, 177 ff. meint, sondern eine nepalesische.
c7.s2.15
⁴ C.MG, Pl. 25, die Ära ist wahrscheinlich die der Gupta.
c7.s2.16
⁵ IA, 18, 225.
c7.s2.17
⁶ Nach IA, 19, 227 f. gebrauchten die Könige von Uccakalpa die Cedi- oder Kalacuri-Aera von 249.
c7.s2.18
⁷ EI, II, 210.
c7.s2.19
⁸ J.ASB, 53, Pl. 2—4; J.RAS, 1889, Pl. 1—4, p. 34 ff.; 1893, Pl. 2.
c7.s2.20
⁹ HAUG, Wedischer Accent, 64.
c7.s2.21
¹⁰ Vgl. Facs. CII, 3, Nr. 61.
c7.s2.22
¹¹ J.ASB, 60, 83 ff.
c7.s2.23
¹² J.ASB, 60, 92 f.; WZKM, 5, 104 f. Die Entdeckung e. Inschr. a. d. 7. Jahrh. mit vorwiegend dreiteiligem *ya*, EI, 4, 29, macht eine Modification von HÖRNLE'S Argumentation nothwendig, ändert aber nichts am Endresultate.
c7.s2.24
¹³ An. Oxon., Ary. Ser., 1, 3, 76.
§ 23. Der spitzwinklige und der Nāgarī-Typus
c7.s3.1
Um den Anfang des 6. Jahrh. erscheinen in den nördlichen Inschriften des Ostens wie des Westens, T. IV, C. X—XII¹, deutliche Ansätze zu einer neuen Entwicklung, welche zunächst zu den Formen der Gayā-Inschrift von 588/9 p. Chr., T. IV, C. XIII—XIV, und der wahrscheinlich nicht viel späteren Praśasti von Lakkha-maṇḍal, T. IV, C. XV—XVI, führt². Characteristisch für dieselbe ist, dass die Zeichen meist schräg von links nach rechts gelegt sind und am unteren oder rechten Ende spitze Winkel zeigen, sowie dass auf die oberen Enden der Verticalstriche durchweg kleine Keile aufgesetzt sind und auch die unteren Enden verticaler oder schräger Striche, wie oft im Bower-MS., keilförmig gemacht oder doch von links nach rechts abgeschrägt werden. Diese Eigentümlichkeiten finden sich in einer grossen Anzahl von Inschriften der nächsten vier Jahrhunderte wieder und ich möchte danach die Charactere der ganzen Gruppe unter dem Namen des »spitzwinkligen« Typus zusammenfassen. Früher³ ist derselbe oft »Nagelkopftypus« (nailheaded) genannt worden. FLEET dagegen sagt in seiner Ausgabe der Gayā-Inschrift⁴ nur, dass die Zeichen der nördlichen Classe von Alphabeten angehören. Vielleicht hiess dieser Typus in Indien selbst Siddhamātṛkā (*lipi*). Denn Bērūnī⁵ berichtet, ein Alphabet dieses Namens sei zu seiner Zeit (ca. 1030 p. Chr.) in Kashmīr und Benares gebräuchlich gewesen, während die Nāgarī in Mālva verwendet sei. Wenn die in Benares gewöhnliche Schrift der von Kashmīr ähnlich war, so kann sie die langen Deckstriche nicht gehabt haben, welche die Nāgarī stets characterisiren. Bērūnī's Angaben sind leider zu ungenau, um die Frage mit voller Sicherheit zu entscheiden.
c7.s3.2
Die beiden zuletzt erwähnten Inschriften, welche, wie die gleichzeitigen verwandten Documente, sich an den westlichen Gupta-Typus anschliessen, markiren die erste Stufe des »spitzwinkligen« Typus, die des 6. Jahrh., und mit ihnen hängen unter den MSS. die Horiuzi-Palmbl., T. VI, C. V—VI, eng zusammen, die der japanischen Tradition zufolge⁶ sicher in der 2. Hälfte des 6. Jahrh. existirten. Wären die Facs. der Inschriften von Gayā und Lakkhamandal vor 12 Jahren zugänglich gewesen, so hätte der einfache Hinweis auf dieselben genügt, um die Richtigkeit der japanischen Angaben zu erhärten.
c7.s3.3
Die weitere Entwicklung des spitzwinkligen Typus im 7. Jahrh. veranschaulichen die Charactere der Inschriften des Aṁśuvarman (T. IV, C. XVII) von 635 p. Chr. und der nur wenig späteren Aphsaḍ-Praśasti des Ādityasena, T. IV, C. XVIII—XIX. Es ist jedoch zu bemerken, dass die Inschriften Aṁśuvarman's und andere nepalesische Documente derselben Zeit sich an den östlichen Gupta-Typus anschliessen, in dem sie das runde *śa* desselben bewahren, während die Aphsaḍ-Inschrift und alle ihre Verwandten aus dem eigentlichen Indien mit dem westlichen Gupta-Typus zusammenhängen⁷. Fleet nennt diese zweite Stufe des spitzwinkligen Typus, wegen der stärker hervortretenden Drehung der Endstriche »die Kuṭila-Abart des Māgadha-Alphabetes« des 7. Jahrh.⁸ Ich kann mich mit dem zuerst von Prinsep⁹ und nachher häufig gebrauchten Namen »Kuṭila« nicht befreunden, da derselbe auf einer falschen Erklärung des Ausdrucks *kuṭila akṣara* in der Dewal-Praśasti beruht, und möchte denselben aus der paläographischen Terminologie entfernen¹⁰. Kielhorn wendet denselben in seinen paläographischen Bemerkungen über verschiedene Inschriften dieser Periode gleichfalls nicht an¹¹.
c7.s3.4
Im 8.—10. Jahrh. schreitet die Entwicklung des spitzwinkligen oder Siddhamātṛkā-Typus immer weiter in der Richtung seiner Nachfolgerin, der Nāgarī, vor, die sich in ihrer älteren nordindischen Form nur durch den Gebrauch von langen Deckstrichen, statt von Keilen über den Verticalstrichen, unterscheidet. Es kommen auch nicht selten Documente mit Mischungen von Keilaufsätzen und langen Deckstrichen vor, sodass es mitunter schwierig ist, zu entscheiden, zu welchem Typus eine bestimmte Inschrift zu rechnen ist.
c7.s3.5
Zu dieser dritten und letzten Stufe¹² des spitzwinkligen Typus gehören die Charactere der Kupfertafeln von Multai¹³, T. IV, C. XX, von 708/9 p. Chr., der von Dighwa-Dubaulī¹⁴ wahrscheinlich von 761 p. Chr., T. IV, C. XXI, der Gwalior-Inschrift von 876 p. Chr., T. V, C. II, der Ghosrāwa-Inschrift, T. V, C. VI, aus dem 9. oder 10. Jahrh.¹⁵, sowie unter den MSS. die des Cambridge-MS. Nr. 1049¹⁶, T. VI, C. VII, vom Jahre 252 wahrscheinlich der von Aṁśuvarman gebrauchten Aera von 594 p. Chr.¹⁷, d. h. von 846 p. Chr. Auf der Grenze zwischen dem spitzwinkligen und Nāgarī-Typus stehen die Charactere der Pehoa-Praśasti von ca. 900 p. Chr., T. V, C. III, der Dewal-Praśasti, T. V, C. VIII, von 992 oder 993 p. Chr., und der Kupferplatten des Paramārakönigs Vākpati II., T. V, C. X, von 974 p. Chr.¹⁸ Sie zeigen zwar die Keilaufsätze; diese sind aber oben so breit, dass sie dieselben Effecte wie die langen Decklinien hervorbringen und dass z. B. die offenen Köpfe von *A*, *Ā*, *gha*, *pa* u. s. w. wie im Nāgarī-Typus geschlossen sind. Von den oben erwähnten Documenten mit einer Mischung von Keilaufsätzen, kurzen und langen Deckstrichen geben die Kupferplatten des Rāṣṭrakūṭakönigs Govinda III., T. V, C. IV, von 808 p. Chr.¹⁹, und die Harṣa-Inschrift des Cāhamānakönigs Vigraha II., T. V, C. IX, von 973 p. Chr.²⁰ einige Proben.
c7.s3.6
Die zuletzt erwähnten beiden Inschriften sind aber keineswegs die ältesten, welche Nāgarībuchstaben aufweisen. Die ersten unbestritten echten²¹ Proben finden sich in den Namensunterschriften der Gurjarakönige auf den Kupferplatten von Kaira in den Jahren 628 und 633, von Nausarī aus dem Jahre 705 und von Kāvī aus dem Jahre 736²², deren Texte in südlichen Alphabeten geschrieben sind. In den ersten beiden Unterschriften sind die Nāgarībuchstaben sehr in der Minderzahl, indem die meisten Zeichen teils ältere nördliche, teils südliche Formen zeigen. Erst in der dritten Unterschrift erscheinen sie durchweg und sind sie gut ausgeprägt. Die älteste Inschrift aber, welche ganz in diesem Alphabete geschrieben ist, findet sich auf den Kupferplatten des Rāṣṭrakūṭakönigs Dantidurga²³ von 754 p. Chr., aus Sāmaṅgaḍh im südlichen Marathenlande (Kolapur), T. IV, C. XXII. Nahe verwandt mit ihren Characteren sind die Kaṇheri-Inschriften Nr. 15 u. 43, T. V, C. V, die 851 und 877 p. Chr.²⁴ während der Regierungen der Śilāharafürsten Pullaśakti und Kapardin II. verfasst sind.
c7.s3.7
Die Charactere dieser und einiger anderer²⁵ Inschriften des 9. Jahrh. markiren die erste Stufe der südlichen Varietät der Nāgarī, deren vollständig ausgebildete Gestalt die Kupferplatten von Kauthem, T. V, C. XVII, aus der Regierungszeit des Cālukyakönigs Vikramāditya V., 1009—10 p. Chr., zeigen²⁶. Die südliche Varietät der Nāgarī, welche sich von der nördlichen des 8.—11. Jahrh. vorzüglich durch das Fehlen der nach rechts gedrehten Schwänzchen an den Verticalstrichen und überhaupt steifere Formen auszeichnet, kommt noch in vielen Inschriften der Śilāhāra und Yādava aus dem Marathenlande und dem Konkan, sowie eines Raṭṭafürsten aus dem Collectorat von Belgām vor²⁷. Ihre letzte Entwicklung im 13.—16. Jahrh. zeigen die Inschriften der Könige von Vijayanagara oder Vidyānagara in Kāṇara²⁸. Dieselbe lebt in dem Bālbodh oder der Devanāgarī der Marathendistricte fort und hat in Südindien die sogenannte Nandināgarī hervorgebracht, die noch jetzt für MSS. verwendet wird²⁹. Im nördlichen und centralen Indien erscheint die Nāgarī zuerst auf der Kupferplatte des Mahārāja Vināyakapāla von Mahodayā, T. IV, C. XXIII, wahrscheinlich von 794 p. Chr., mit einigen Eigenthümlichkeiten in den Zeichen für *kha*, *ga* und *na*, die sich in späteren Inschriften aus dem östlichen Indien wiederfinden und mit Spuren von Archaismen³⁰. Für das nächste Jahrhundert sind ausser den oben erwähnten Inschriften mit breiten Keilaufsätzen, T. V, C. III, nur wenige Beispiele nachweisbar³¹. Vom 10. Jahrh. an dagegen werden die Beispiele häufiger und vom 11. an gelangt die Nāgarī in dem grössten Teile von Indien zur Alleinherrschaft. Die Formen des 10. Jahrh. veranschaulichen die Charactere der Inschriften von Sīyaḍonī in Centralindien, T. V, C. VII, von 968 p. Chr. und der Kupferplatte des ersten Caulukyakönigs von Gujarat, Mūlarāja I., T. V, C. XI, von 987 p. Chr.³² Proben der Nāgarī des 11. Jahrh. geben die Kupferplatten des Rāṣṭrakūṭakönigs Madanapāla von Kanauj in Nordindien, T. V, C. XII, von 1097 p. Chr. und die Udepur-Praśasti der Paramārakönige von Mālva im westlichen Centralindien, T. V, C. XIII, von ca. 1060, die Kupferplatten des Cāndellakönigs Devavarman aus Nanyaura, T. V, C. XIV, von 1050 p. Chr., und die des Kalacurikönigs Karṇa von Tripura, T. V, C. XV, von 1042 p. Chr., aus dem östlichen Centralindien, sowie die des Caulukyakönigs Bhīma I. von 1029 p. Chr., T. V, C. XVI, aus dem Westen³³. Die Nāgarī des 12. Jahrh. und des Anfangs des 13. veranschaulichen endlich die Alphabete einer Kupferplatte des letzten Rāṣṭrakūṭakönigs Jayaccandra von Kanauj, T. V, C. XX, aus dem Jahre 1175 p. Chr., der Kupferplatten des letzten Caulukyakönigs von Gujarat, Bhīma II., T. V, C. XXI, aus den Jahren 1199 und 1207 p. Chr., der Kupferplatte des Paramārafürsten Udayavarman von Mālva, T. V, C. XXII, aus dem Jahre 1200, und der Ratnapur-Steininschrift aus der Zeit des Kulacurikönigs Jājalla von Tripura, T. V, C. XXIII, von 1114 p. Chr.³⁴
c7.s3.8
²⁵ Vgl. die Ambarnāth-Inschr. J.BBRAS, 9, 219; 12, 334; IA, 19, 242. —
c7.s3.9
²⁶ IA, 16, 15 ff. —
c7.s3.10
²⁷ Vgl. Facs. IA, 7, 304; 9, 32; 14, 141; 17, 122; J.BBRAS, 13, 1; 15, 386; EI, 3, 272, 300 f., 306 f. —
c7.s3.11
²⁸ Vgl. Facs. EI, 3, 38 f., 152 ff.; B.ESIP, Pl. 30; Alphabet, op. cit. Pl. 20. —
c7.s3.12
²⁹ B.ESIP, 52 (wo die Nandināgarī unrichtig aus d. Siddhamātṛkā abgeleitet ist) u. Pl. 21. —
c7.s3.13
³⁰ IA, 15, 140. —
c7.s3.14
³¹ Vgl. Facs. IA, 13, 64. —
c7.s3.15
³² S. § 21, Note 1; vgl. Facs. IA, 12, 250, 263; 16, 202; EI, 1, 122; J.BBRAS, 18, 239. —
c7.s3.16
³³ S. § 21, Note 1; vgl. Facs. IA, 6, 53—54; 8, 40; 12, 126, 202; 15, 36; 16, 208; 18, 34; EI, 1, 216, 316; 3, 50. —
c7.s3.17
³⁴ S. § 21, Note 1; vgl. Facs. IA, 11, 72; 17, 226; 18, 130. —
c7.s3.18
An die Charactere dieser Nāgarī-Inschriften schliessen sich die der jetzt zahlreichen alten Palmblatt-MSS. aus Gujarat, Rajputana und dem nördlichen Dekhan, deren Daten vielleicht vom 10., sicher vom 11. Jahrh. an laufen. T. VI, C. XV—XVII, bietet das Alphabet des ältesten, sicher datirten, der Viśeṣāvaśyakabhāṣyaṭīkā von 1081 p. Chr. nach Leumann's Photographien und Durchzeichnungen, mit einigen Ergänzungen aus dem Palmblatt-MS. des Gaṇaratnamahodadhi von 1229 p. Chr.³⁵ Mit der nördlichen Nāgarī des vorhergehenden Jahrhunderts stimmt dagegen eine Anzahl der MSS. aus Nepal, die dem 11. und der ersten Hälfte des 12. Jahrh. angehören. C. XIII giebt eine Probe aus dem ältesten, Cambridge Nr. 866, von 1008 p. Chr.³⁶ Zu derselben Classe gehört das Alphabet in C. XIV aus S. 1 von Mr. Wylie's MS. der Vajraccedikā, vgl. An. Ox. Ary. Ser. 1, 1, Pl. 4.
c7.s3.19
³⁵ KIELHORN, Rep. 1880/1, p. VII u. 37; J.RAS, 1895, 247, 504; vgl. Facs. Pal. Soc., Or. Ser., Pl. 1, 2—3, 58; Cat. Berl. Sanskr. u. Prakr. Hdschft., Bd. 2, 3, Taf. 1. —
c7.s3.20
³⁶ BENDALL, Catalogue, p. XXIV u. 1 f.; vgl. Facs. Pal. Soc., Or. Ser., Pl. 16.
§ 24. Einzelheiten der Veränderungen im spitzwinkligen und Nāgarī-Typus
c7.s4.1
¹ Vgl. auch CII, 3, Nr. 20, 24, 33—34, 36—37, 47, 51, 70, 75 und das Siegel Kumāragupta's II., J.ASB, 58, 84. —
c7.s4.2
Was die Einzelheiten der Weiterentwicklung der Schrift im spitzwinkligen und Nāgarī-Typus betrifft, so sind zunächst betreffs der Mātṛkā oder Grundzeichen folgende wichtigere Punkte hervorzuheben:
c7.s4.3
1) Die Zeichen für *E*, *gha*, *ca*, *tha*, *dha*, *pa*, *ba*, *ma*, *ya*, *la*, *va*, *ṣa* und *sa* entwickeln allmählig, je später desto deutlicher kürzere oder längere Schwänzchen rechts, die unter der unteren Grundlinie der Buchstaben schräg herabhängen, im Nāgarī-Typus aber, ausser bei *E*, schliesslich in Verticalstriche verwandelt werden. Vom 10. Jahrh. an erscheinen ähnliche herabhängende Linien auch in der Mitte von *cha*, T. V, 16, II—III u. s. w.; *dha*, T. V, 23, II; *pha*, T. V, 31, III u. s. w., und *ha*, T. V, 42, II—IV u. s. w., die auch in der Nāgarī, ausser bei *dha*, constant werden und bei *pha* den mittleren Verticalstrich hervorbringen. Bei *kha*, *ga*, *tha*, *dha* und *śa* erscheint in dem spitzwinkligen Typus häufig rechts ein kleines Horn oder eine kleine Verlängerung des Verticalstriches, welche jedoch in der Nāgarī in Folge der gleichmässigen Abplattung der oberen Linien bei allen diesen Buchstaben, ausser bei *dha*, wieder verschwindet. Beide Eigentümlichkeiten sind dadurch veranlasst, dass die Schreiber die linken und rechten Teile der Zeichen separat machten und die Linien nicht genau zusammenfügten². Mit der Zeit wurden diese Ungenauigkeiten zum grossen Teile zu characteristischen Zügen der Buchstaben.
c7.s4.4
² Vgl. hiezu CII, 3, Nr. 72, 76, 78—80. —
c7.s4.5
³ Z. B. TOD, Annals of Rajasthan, 1, 700 ff., Madras Ed. —
c7.s4.6
⁴ CII, 3, 274. —
c7.s4.7
⁵ India, 1, 173 (SACHAU). —
c7.s4.8
⁶ An. Oxon., Ary. Ser. 1, 3, 64. —
c7.s4.9
⁷ Vgl. noch Facs. IA, 9, 163 ff., Nr. 4—10, 12, BENDALL, Journey 72, Nr. 1—2, u. HÖRNLE'S Bcm. J.ASB, 60, 85. —
c7.s4.10
⁸ CII, 3, 201, 284; EI, 3, 328, Note 1. —
c7.s4.11
⁹ J.ASB, 6, 778, Pl. 41. —
c7.s4.12
¹⁰ EI, 1, 76. Für meine Auffassung der Phrase *kuṭilānyakṣarāṇi viduṣā* »der krause Buchstaben verstand« spricht besonders Vikramāṅkacarita 18, 42, *kāyasthaiḥ kuṭila-lipibhiḥ* »durch Schreiber, die krause Schriftarten gebrauchen«. —
c7.s4.13
¹¹ Vgl. s. Bem. zu Inschr. dieser Classe, IA, 17, 308; 19, 55; 20, 123; 21, 169; EI, 1, 179; 2, 117, 160. —
c7.s4.14
¹² Vgl. für diese und die vorhergehende Stufe noch die Facs. zu IA, 2, 258; 5, 180; 9, 174 ff., Nr. 11, 13—15; 10, 31; 13, 70 (Unterschrift); 17, 310; 19, 58; BENDALL, Journey, Pl. 10—11, 13; EI, 1, 179; 4, 29; CASR, 17, Pl. 9, und die Autotyp. von Münzen in CCMI, Pl. 3, Nr. 7—14; Pl. 6, Nr. 20, Pl. 7. —
c7.s4.15
¹³ Nach FLEET, IA, 18, 231, »transitional type from which the North-Indian Nāgarī was soon after developed«. - -
c7.s4.16
¹⁴ Nach FLEET, IA, 15, 106, »North-Indian Nāgarī«. —
c7.s4.17
¹⁵ Vgl. IA, 17, 308. --
c7.s4.18
¹⁶ BENDALL, Catalogue, XLI ff.; An. Ox., Ary. Ser. 1, 3, 71 ff. —
c7.s4.19
¹⁷ S. LÉVI, JA, 1894, t. 2, 55 ff. —
c7.s4.20
¹⁸ EI, 1, 76, 242; IA, 6, 48. —
c7.s4.21
¹⁹ IA, 6, 59; 11, 158; vgl. auch Facs. zu EI, 3, 103 u. IA, 14, 200. —
c7.s4.22
²⁰ Vgl. auch das Facs. zu IA, 16, 174. —
c7.s4.23
²¹ Bestritten ist die Echtheit der Kupferplatten von Umeta und Bagumra (IA, 18, 92), deren Zeichen in An. Ox., Ary. Ser., 1, 3, Taf. 6 zusammengestellt sind. —
c7.s4.24
²² Vgl. Facs. J.RAS, N. S. 1, 247 ff.; IA, 13, 70 ff., 5, 113. —
c7.s4.25
²³ IA, 11, 105. —
c7.s4.26
²⁴ IA, 13, 235; 20, 421. —
c7.s4.27
2) Durch die Verlängerung der oberen Teile der Keilaufsätze werden im spitzwinkligen Typus, sowie auch durch den Gebrauch der langen Deckstriche im Nāgarī-Typus, die früher offenen Köpfe von *A*, *Ā*, *gha*, *pa*, *pha*, *ma*, *ya*, *ṣa* und *sa* beinahe oder vollständig geschlossen³.
c7.s4.28
3) Der untere Teil der linken Hälfte von *A* und *Ā* besteht fast durchweg aus der nach links offenen Curve, die zuerst sporadisch in den Kuṣaṇa-Inschriften (§ 19, B, 1), dann regelrecht in den Uccakalpa-Inschriften, T. IV, 1, IX, vorkommt. Diese bleibt im *A*, *Ā*, des Bālbodh der Marathen erhalten und ist noch in den Bombayer Drucken gewöhnlich; in anderen späten Formen der Nāgarī treten zwei schräge Striche dafür ein, T. V, 1, XVI, zu denen sich noch tiefer am Fusse des Buchstabens ein dritter gesellt, der ein Rest des früheren Keiles am Ende der Vertikallinie ist. Bis zum 8. Jahrh. wird die Länge des *Ā* stets, und auch später bisweilen, durch eine Curve am rechten Ende des *A* bezeichnet. Dann rückt die Bezeichnung der Länge wieder in die Höhe und wird, in einen abwärts gehenden Strich verwandelt, wieder, wie in den A. Ed.⁴, entweder oben oder in der Mitte angesetzt, T. IV, 2, XXI—XXII. In den MSS. kommt die alte Stellung schon früher vor, T. VI, 2, VI.
c7.s4.29
4) Das Zeichen des spitzwinkligen und des Nāgarī-Typus für *I* ist meist aus der Guptaform von Indor, T. IV, 3, VII, durch Verwandlung des dritten Punktes in eine Curve, abgeleitet, T. IV, 3, XI—XXII; V, 3, II—IV u. s. w.; VI, 3, V--IX. Daneben macht sich indess eine Ableitung aus dem Uccakalpazeichen, T. IV, 3, IX, geltend, T. V, 3, V, XII—XIII u. s. w.; VI, 3, XII—XV, in welcher der obenstehende Punkt durch eine gerade Linie ersetzt ist, und es ist diese, aus welcher das moderne *I* der Devanāgarī durch Verwandlung der beiden unteren Punkte in gekrümmte, schliesslich mit einander verbundene Linien abgeleitet ist. In Jaina-MSS. hält sich jedoch die Form mit den zwei Punkten oben und der Curve unter denselben sporadisch bis in das 15. und 16. Jahrh.
c7.s4.30
5) *U* und *Ū* zeigen am unteren Ende stets den nach links gezogenen Schweif, der sich mit der Zeit immer stärker entwickelt.
c7.s4.31
6) Bei *Ṛ* wird die rechts an das *ra* gehängte Curve in den Hor. P., T. VI, 7, V, sehr verflacht und lang gezogen, in Cambr. Nr. 1049 (T. VI, 7, VII) und 1691, unten an das *ra* gehängt.
c7.s4.32
7) Unter den Zeichen für *Ṝ*, *Ḷ* und *Ḹ*, welche während dieser Periode, T. VI, 8—10, V, VII, X, in den MSS. zuerst nachweisbar sind, ist *Ṝ* deutlich durch Anfügung einer zweiten *ṛ*-Curve aus *Ṛ* gebildet. *Ḷ* ist in Cambr. Nr. 1049 und 1691 ein cursives südliches *la*, analog dem ältesten *ḷ* in *kḷ*, T. VII, 42, XIV, und *Ḹ* daraus durch Hinzufügung einer zweiten Curve gebildet. In den H. P., T. VI, 9, V, ist das *la* umgedreht und eine *ṛ*-Curve an den Fuss desselben angehängt und die Verbindung *la(-)*r* bleibt auch im Nāgarī-Typus, T. VI, 8—10, XIII, wahrscheinlich in Folge der Aussprache *lṛ* constant. Diese paläographischen Thatsachen stimmen mit der chinesisch-buddhistischen Tradition, welche, wie S. LÉVI entdeckt hat⁵, die Erfindung der Zeichen für die initialen liquiden Vocale dem Sarvavarman, dem Minister des Andhra-Königs Sātavāhana, oder dem Nāgārjuna, also einem Südinder, zuschreibt.
c7.s4.33
9) *E* und *AI* kehren die Breitseite stets nach oben und diese Neuerung findet sich schon in den Inschriften mit Übergangsformen, T. IV, 5, X—XI.
c7.s4.34
8) *Ka* zeigt im spitzwinkligen und Nāgarī-Typus fast durchweg⁶ links die Schleife, welche aus der Vereinigung des Endes der nach abwärts gekrümmten Barre mit dem Begrenzungsstrich der Verticallinie entstanden ist, ausser in der Verbindung mit suffigirten Vocalen, wie *u* und *ṛ*, z. B. T. IV, 7, XIV; V, 10, III; VI, 15, XVI--XVII, oder mit Consonanten, T. IV, 41, XVI; V, 43, II—III; VI, 49, V, XIV, XVI. In Nāgarī-Inschriften kommt indess auch die Schleife in letzteren Fällen häufig vor, wie in T. IV, 7, XX, XXII; V, 43, VII, X—XIII.
c7.s4.35
10) In allen den zum Teil stark variirenden Formen von *kha* ist die ursprünglich rechts am Fusse stehende Schleife an die linke Seite des Verticalstriches gesetzt und die sehr verschiedenen Formen des linken Gliedes beruhen sämtlich auf verschiedenen ornamentalen Behandlungsweisen des daran gesetzten Keiles.
c7.s4.36
11) Der in der modernen Devanāgarī characteristische Punkt hinter *ṅa* erscheint schon auf der Benares-Kupferplatte des Karṇa von 1042 p. Chr., Z. 11 Ende⁷, in dem Worte *jaṅgama*. Derselbe dürfte aus dem Begrenzungsstriche der oberen Barre entstanden sein, vgl. T. V, 14, V—VI, VIII.
c7.s4.37
12) Die mittlere Barre des *ja* wird zunächst schräg gelegt und dann in einen Verticalstrich verwandelt, dem die oberste als Deckstrich dient. Zugleich wird die unterste allmählig zu einer Doppelcurve.
c7.s4.38
13) Das rechte Glied des alleinstehenden *ña* der H. P., T. VI, 24, V, ist aufwärts gedreht und diese Form kommt mitunter auch in Ligaturen vor. Meist erscheint aber in letzteren die auf die Seite gelegte cursive Rundform, welche oft, in Folge der Auslassung des Häkchens rechts, einem *ṇa* gleicht, T. V, 19, IV--V u. s. w., seltener eine aufrecht stehende. In der Nāgarī des 11—12. Jahrh. wird das suffigirte *ña* an den linken Teil von *ja* gehängt, T. V, 19, XII—XIV u. s. w., wodurch die moderne Devanāgarīform entstanden ist.
c7.s4.39
14) Das linguale *ṭa* erhält vom 6. Jahrh. an oft einen keilförmigen Aufsatz, T. IV, 17, XVII; V, 20, II, VI; VI, 25, VI, der in der Nāgarī in eine Horizontallinie mit kurzem darunterstehenden Verticalstrich verwandelt wird.
c7.s4.40
15) Ein ebensolcher Aufsatz erscheint über dem lingualen *ṭha* vom 10. Jahrh. an, T. V, 21, X u. s. w., VI, 26, XV.
c7.s4.41
16) Für linguales *ḍa* tritt vom 9. Jahrh. die südliche Rundform auf, T. V, 22, II, die dann mit der nach links offenen Curve versehen wird, T. V, 22, II, VIII u. s. w.
c7.s4.42
17) Die ursprüngliche Basis des lingualen *ṇa* wird vom 7. Jahrh. an in Ligaturen (*ṇḍa*, T. IV, 21, XIX) und vom 9. Jahrh. an auch in dem freistehenden Zeichen unterdrückt, T. V, 24, III, das dann, wie in T. IV, 21, XXII, aus drei oben durch einen Deckstrich verbundenen, herabhängenden Linien besteht, vgl. T. IV, 21, III und § 22, B, 10.
c7.s4.43
18) Die moderne Form des *ta* mit dem Verticalstrich rechts, welche schon in den A. Ed. vorkommt, erscheint wieder vom 8. Jahrh. an, T. IV, 22, XXI, und wird im 10. die regelmässige.
c7.s4.44
¹⁹ Die heutige Form des *tha*, welche aus der links eingekerbten (T. IV, 23, XVII) des 7. Jahrh. entstanden ist, findet sich schon gleichzeitig mit dieser, T. IV, 23, XVIII u. s. w.
c7.s4.45
20) Das untere Ende von *da* erhält im 7. Jahrh. einen Begrenzungsstrich, T. IV, 24, XVII u. s. w., der sich bald in den characteristischen Schweif des modernen Zeichens verwandelt.
c7.s4.46
21) Die rechte Seite von *na* wird schon im 7. Jahrh. mitunter, T. IV, 26, XVIII—XIX, in einen Verticalstrich verwandelt, an dessen Mitte die Schleife angehängt wird, vgl. § 30, S. 67.
c7.s4.47
22) Bei der Umwandlung des *pha* durch einen mittleren Verticalstrich (s. oben 1) tritt die Aspirationscurve zunächst rechts an die Spitze des Zeichens, T. IV, 28, XXII; V, 31, III u. s. w., sinkt aber schon im 11. Jahrh., T. V, 31, XII, tiefer herab, bis sie im 12. Jahrh. die Stellung, wie im modernen Buchstaben, T. V, 31, XX--XXIII, erhält. Rückläufige Formen, wie in T. V, 31, II u. XIV, die wahrscheinlich aus der Cursivschrift stammen, sind indess nicht selten.
c7.s4.48
23) In Folge der Aussprache *ba* für *va* geht das alte Zeichen für *ba* im nördlichen, centralen und westlichen Indien verloren und wird regelrecht im 7. und späteren Jahrh. in den Inschriften mit spitzwinkligem und Nāgarī-Typus, T. V, 32, II ff., durch *va* ersetzt. Ein neues *ba*, das aus *va* mit einem Punkte in der Mitte besteht, kommt vom 11. Jahrh. an vor, T. V, 32, XVI, und ist der Vorläufer des modernen Buchstabens.
c7.s4.49
24) Das linke Glied von *bha*, meist ein Keil mit dem Kopfe nach links, wird vom 8. Jahrh. an mitunter in ein rechts offenes Dreieck verwandelt, von dessen rechtem Schenkel der untere Teil des ursprünglichen Verticalstriches herabhängt, T. IV, 30, XIX u. s. w.; V, 33, II u. s. w. Das moderne *bha* erscheint im 12. Jahrh. T. V, 33, XX u. s. w., und ist wohl direct aus der Form mit dem Keil entwickelt, für welchen ein Begrenzungsstrich eintrat.
c7.s4.50
25) Vom 8. Jahrh. an erhält *ma* gewöhnlich links eine wahrscheinlich cursive Schleife, T. IV, 31, XX—XXI; V, 34, III ff. In den MSS. wird das Innere der Schleife meist mit Tinte ausgefüllt, T. VI, 39, XV—XVII.
c7.s4.51
26) In den MSS. und in den meisten Inschriften, mit Ausnahme der aus Udepur (§ 22, Note 12) und einiger aus Nepal (S. 50), kommt ausschliesslich das verschleifte oder das zweiteilige *ya* vor, das in Ligaturen schon in den Kuṣaṇa-Inschriften erscheint⁸, und aus der verschleiften entstanden ist⁹. In den nepalesischen Inschriften des 7. Jahrh., welche das östliche *ṣa* haben¹⁰, findet sich dagegen ein dreiteiliges *ya* mit einem Ringelchen an der Spitze links, T. IV, 32, XVII, in der Udepur-Inschrift das gewöhnliche dreiteilige neben dem zweiteiligen.
c7.s4.52
27) Die rechte Spitze des Keiles am Ende von *ra* wird vom 7. Jahrh. an, T. IV, 33, XVIII—XXI, stark verlängert und der Keil häufig nur in Umrissen angedeutet, wodurch die geschwänzten Formen des Buchstabens entstehen.
c7.s4.53
28) Vom 7. Jahrh. an erscheint ein cursives *śa*, T. IV, 36, XVIII; 42, XIX; V, 39, II—III u. s. w.; VI, 44, XV—XVII, dessen linke obere Hälfte in eine Schleife mit einem Schwänzchen verwandelt ist.
c7.s4.54
B. Mittlere Vocalzeichen u. s. w. — 1) Unter den mittleren Vocalzeichen treten *ā*, *e*, *o*, *au* sehr häufig in den Steininschriften des spitzwinkligen Typus über die Linie und werden dann mehr oder weniger stark verschnörkelt, vgl. z. B. T. IV, C. XIII—XVIII. Seltener werden *i* und *ī* ebenso behandelt.
c7.s4.55
2) Der Schweif an den Curven von mittlerem *i* und *ī* wird links und rechts von dem Grundzeichen tief hinabgezogen, während die Differenzen an den Curven selbst verschwinden. Hiedurch ergiebt sich das *i* und *ī* der modernen Devanāgarī.
c7.s4.56
3) Für mittleres *ū* wird sehr häufig neben dem älteren Zeichen, *pū*, T. IV, 27, VI, das initiale *Ū* der Periode verwendet, T. IV, 30, XII, XIV, XVI, XX; VI, 44, VI. Die moderne Form, T. VI, 35, XVI, scheint aus dem älteren Zeichen entwickelt zu sein.
c7.s4.57
4) Für den Jihvāmūlīya tritt seit dem 7. Jahrhundert¹¹, zuerst auf Harṣa's Kupferplatte von Bauskhera, sporadisch eine cursive Rundform auf, die nur aus einer Schlinge unter dem Keile des *ka* besteht, T. V, 47, III.
c7.s4.58
¹¹ Vgl. d. Facs. der Jhālrapāṭan-Inschrift, IA, 5, 180, vgl. IA, 13, 163. —
c7.s4.59
5) Für den Upadhmānīya tritt seit dem 7. Jahrh. sporadisch ein oben offener Halbkreis mit geringelten Enden und bisweilen mit Punkt in der Mitte, T. IV, 46, XXIII; V, 48, VII, links vom Grundzeichen auf, der wohl aus einer Form, wie die in T. VII, 46, IV, entstanden ist.
c7.s4.60
6) Der Virāma über dem finalen Zeichen erhält einen Schweif, der rechts vom finalen Consonanten herabgezogen wird, T. IV, 22, XIV, oder erscheint auch, und zwar schon in den Inschriften mit Übergangsformen, unter dem vocallosen Buchstaben, T. IV, 22, XI¹².
c7.s4.61
¹² So regelmässig vom 9. Jahrh. an. —
c7.s4.62
C. Ligaturen. — 1) In den Ligaturen treten in Inschriften vom 6. Jahrh. an mitunter Formen auf, in denen die verbundenen Consonanten, statt unter einander, neben einander gestellt werden, vgl. T. IV, 45, XI; V, 47, II¹³. In MSS. erscheinen Ansätze zu dieser Entwicklung um dieselbe Zeit, T. VI, 51, VI, vgl. An. Ox., *Ary. Ser.*, I, 3, 87.
c7.s4.63
¹³ An. Ox., Ary. Ser., I, 3, 87. —
c7.s4.64
2) Das suffigirte *ya* wird in den Steininschriften des spitzwinkligen Typus häufig ornamental behandelt und weit nach links hinübergezogen. Der Endstrich desselben wird vom 7. Jahrh. an regelmässig, T. IV, 46, XIX; 45, XX, und auch schon früher mitunter, T. IV, 46, VIII; 43, 45, XIII; VI, 51, VI, bis zur Höhe der oberen Linie heraufgezogen.
c7.s4.65
3) Als erster Teil einer Ligatur steht *ra* gewöhnlich als ein Keil oder ein nach rechts offener Winkel oder Curve über der Linie. In Verbindung mit *ya* bleibt aber die Ligatur *ra* und suffigirtes *ya* bis zum 9. Jahrh., T. IV, 44, XVIII, vgl. EI, 3, 103. In Verbindung mit *ma* wird die linke Seite des *ma* verkürzt und der Keil des *ra* mit der Oberlinie gleich gemacht, T. VI, 49, VI. Ausnahmsweise finden sich ähnliche Einfügungen des *ra* in der Aphsad-Inschrift bei andern Consonanten¹⁴, ebenso auf Harṣa's Kupferplatten und in MSS., T. VI, 51, XIII—XIV.
c7.s4.66
¹ Vgl. Bendall, Catalogue, XLIII—LI; An. Oxon., Ary. Ser., I, 3, 73--87. —
c7.s4.67
² An. Ox., Ary. Ser., I, 3, 70. —
c7.s4.68
³ S. oben § 23, S. 50. —
c7.s4.69
⁴ S. oben § 16, D. 1--2 u. Taf. II, 2, II--X. —
c7.s4.70
⁵ Briefliche Mitteilung. —
c7.s4.71
⁶ Eine Ausnahme macht z. B. die Jhālrapāṭan-Inschrift, IA, 5, 180, wo die alte Dolchform stets erscheint. —
c7.s4.72
⁷ EI, 2, 297. —
c7.s4.73
⁸ S. oben § 19, B. 12. —
c7.s4.74
⁹ JASB, 60, 87. —
c7.s4.75
¹⁰ Op. cit. 60, 85. —
c7.s4.76
¹⁴ CII, 3, 202; EI, 1, 180.
c7.s4.77
§ 25. Der Śāradā-Typus. — A. Die Śāradā-Schrift¹, welche sich auf den ersten Blick als ein Abkömmling der westlichen Varietät des Gupta-Typus zu erkennen giebt, tritt seit ungefähr 800 p. Chr. in Kashmīr und dem nordöstlichen Panjab (Kangra und Chamba) auf. Die ältesten bis jetzt bekannten Inschriften in diesem Alphabete sind die beiden Praśasti von Baijnāth in Kīragrāma (Kangra) vom Jahre 804 p. Chr., T. V, C. I. Nicht viel jünger sind die Münzen der kashmīrischen Varmadynastie, auf welchen die Śāradāformen zuerst deutlich auftreten², und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Bakhshālī-MS. aus dem Yusufzaidistricte, T. VI, C. VIII, in dieselbe oder vielleicht in etwas frühere Zeit gehört³. Die dritte Probe der Śāradāschrift in Taf. VI, C. IX, welche auf Burkhard's Taf. I zu seiner Ausgabe des kashmīrischen Śākuntala zurückgeht⁴, stammt vielleicht erst aus dem 16. oder 17. Jahrh. und ist nur gewählt, weil keine Reproductionen sicher älterer MSS. zugänglich sind⁵. In Folge der häufigen Auswanderungen der reiselustigen kashmīrischen Paṇḍit finden sich Śāradā-MSS. im ganzen nordwestlichen Indien, ja selbst in Benares, und es kommen sogar Randnoten in Śāradā-Schrift in alten Devanāgarī-MSS. aus dem westlichen Indien vor⁶. Eine moderne Abart der Śāradā ist die sogenannte Ṭakkarī⁷ der Dogrā von Jammu und Nachbarschaft, die in neuester Zeit auch nach Kashmir eingeschleppt ist.
c7.s4.78
¹ Kashmir Rep. (J.BBRAS, 12) 31; J.ASB, 60, 83.
c7.s4.79
² C.CMI, Pl. IV—V.
c7.s4.80
³ Trans. VII. Int. Or. Congr., Ary. Ser., 133; IA, 17, 33, 275.
c7.s4.81
⁴ SB.WA, CVII.
c7.s4.82
⁵ Ein gutes Facs. eines MS. ders. Zeit findet sich im Cat. der Berl. Sanskr. u. Prakr.-Hdschr., Bd. 2, 3, Taf. II; ein weniger gutes in Pal. Soc., Or. Ser., Pl. 44, nebst Taf. der Buchst. u. Lig. nach dem von mir der Ind. Off. Lib. geschenkten MS. Nr. 3176.
c7.s4.83
⁶ SB.WA, CXVI, 584.
c7.s4.84
⁷ Kash. Rep., 32; Alphabet: J.RAS, 1891, 362.
c7.s4.85
B. Characteristisch für die Śāradā-Schrift aller Perioden sind die steifen, dicken Striche, die den Buchstaben ein grobes, klotziges Aussehen und eine gewisse Ähnlichkeit mit denen der Kuṣaṇa-Inschriften geben. Eigentümliche Entwicklungen zeigen schon in der ältesten Zeit folgende Zeichen: 1) *ī*, dessen zwei untere Punkte, wie im Bower-MS., in zwei mit einander verbundene Keile verwandelt sind, welche einem *ra* ähnlich sehen, T. V, 4, I u. VI, 4, IX; 2) das viereckige *ca*, T. V, 15, I u. VI, 20, VIII—IX; 3) *ḍa*, das in der Mitte statt des spitzen Winkels eine Schleife und am Ende einen Keil zeigt, T. V, 22, I, u. VI, 27, VIII--IX; 4) *ta*, dessen linke Hälfte unterdrückt ist, während die rechte in eine Curve verwandelt ist, T. V, 25, I, u. VI, 30, VIII—IX; 5) *dha*, das oben abgeplattet und unten so breit ist, dass es einem Devanāgarī *pa* gleicht; 6) *va*, welches durch die Verbindung der Curve mit dem linken Ende des Deckstriches dem *dha* beinahe gleich wird, T. V, 38, I u. VI, 43, VIII—IX; 7) *śa*, das viereckig, ganz wie das Devanāgarī *sa*, gemacht wird, T. V, 39, I u. VI, 44, VIII--IX; 8) das eckige mittlere *r*, T. V, 43, I, und das frei über der Linie stehende *o*, T. V. 24, I, welches ohne Zweifel aus dem Gupta *o*, T. IV, 34, IV entwickelt ist; 9) das *ra* als erster Teil von Ligaturen, welches, wie in der Aphsad-Inschrift, in die linke Seite des folgenden Consonanten eingefügt wird⁸.
c7.s4.86
⁸ S. § 24, C. 3.
c7.s4.87
Im Übrigen finden sich in der älteren Zeit nur unbedeutende Abweichungen von dem westlichen Gupta-Typus, die sämtlich auch im spitzwinkligen Typus vorkommen. Der stete Gebrauch des zweiteiligen *ya*, des *ṇa* mit einem langen und zwei kleinen Verticalstrichen, des links und rechts vom Consonanten herabgezogenen mittleren *i* und *ī*, und des vereinfachten *jihvāmūlīya*, T. V, 47, I, deutet darauf hin, dass die Abtrennung der Śāradā von dem Gupta-Alphabete nicht vor dem 7. Jahrh. erfolgt ist.
c7.s4.88
In der späteren Śāradā zeigen *U*, *E*, *AI*, *O*, *AU*, *ja*, *ña*, *bha*, *rtha* (Taf. VI, C. VIII—IX) noch weitere abnorme Entwicklungen und der Gebrauch von langen Deckstrichen schliesst die Köpfe mehrerer Zeichen, wie *A*, *Ā* und *ya*.
c7.s4.89
§ 26. Östliche Abarten des Nāgarī-Typus und der Pfeilspitzen-Typus. — A. Proto-Bengali. — Gegen das Ende des 11. Jahrh. finden sich in den Nāgarī-Inschriften des östlichen Indiens so deutliche Spuren der Veränderungen, die zu der modernen Bengalischrift hinüberführen, und dieselben werden im 12. Jahrh. so zahlreich, dass man schon von einem Proto-Bengali-Alphabet sprechen kann. Ein ungefähres Bild der Entwicklung geben in unseren Tafeln die Deopara-Praśasti von ca. 1080—90 p. Chr.¹ (T. V, C. XVIII) mit Bengali *E*, *kha*, *ña*, *ta*, *tha*, *ma*, *ra*, *la*, *sa*, die Landschenkung des Vaidyadeva von 1142 p. Chr.² (T. V, C. XIX) mit Bengali *Ṛ*, *E*, *AI*, *kha*, *ga*, *ña*, *ta*, *tha*, *dha*, *ra* und *va*, und das Cambridge MS. Nr. 1699, 1—2, von 1198—99³ (T. VI, C. X) mit Bengali *A*, *Ā*, *Ū*, *Ṛ*, *Ṝ*, *Ḷ*, *E*, *AI*, *AU*, *ka*, *kha*, *ga*, *ta*, *tha*, *na*, *ma*, *ya*, *ra*, *va* und *ṣa*, sowie mit Übergangsformen für *gha*, *ña*, *ṇa*, *śa*.
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