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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s5: e, o (as) vor Vocalen

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s5

Language
German

e, o (as) vor Vocalen

c7.s5.1

Es ist längst bemerkt, dass die Laute, die im überlieferten Text e und o geschrieben werden (einschliesslich des aus as hervorgegangenen o), vor folgendem a die Geltung von Kürzen haben ³). Abgesehen von den Ausnahmen, welche auf der eigenthümlichen Natur des e und o in wenigen bestimmten Worten beruhen — einigen Fällen der Pragṛihya-Vocale, von denen unten näher die Rede sein wird —, kann die Kürze jener Laute in der bezeichneten Stellung mit Sicherheit als ein für den Ṛigveda schlechthin giltiges Factum behauptet werden. An Versstellen, welche die Länge fordern, erscheint derartiges e und o nur in dem Umfang, wie überhaupt jeder kurze Vocal in der Praxis der vedischen Dichter gelegentlich auch an eine solche Stelle gesetzt wird. Dass es sich in der That nur um Licenzen dieser Art und um kein wirkliches Schwanken in der Quantität des e und o handelt, geht sehr bestimmt daraus hervor, dass die Ausnahmen fast durchweg die achte Sylbe der Triṣṭubh oder Jagatī betreffen, an welcher Stelle in Bezug auf die Zulassung von kurzen Endsylben eine besonders weite Praxis besteht (oben S. 60 fg.).

c7.s5.2

³ Siehe namentlich Bloomfield, Final as before Sonants (Am. Journ. of Philology vol. III) S. 15 fgg. (ich citire nach dem Separatabdruck). Schon A. Kuhn hatte auf die in Rede stehende Thatsache hingewiesen.

c7.s5.3

Von einer Zurückführung der Kürze des e und o auf das Princip vocalis ante vocalem corripitur kann nicht die Rede sein, wie bereits Bloomfield (a. a. O. 19) mit Recht hervorgehoben hat. Schon die blosse Zählung der betreffenden Fälle reicht hin dies zu beweisen. Die Häufigkeit eines vor folgendem a verkürzten e und o steht in so enormem Missverhältniss zu den seltenen Fällen, in denen ā vor folgendem Vocal hiatusbildend und verkürzt auftritt (s. unten), dass die Verschiedenheit der Bedingungen, unter welchen beide Erscheinungen stehen, klar ist. Man bedenke auch, dass im Fall des o = as hinter dem Vocal nothwendig ein Ueberrest des geschwundenen s anzunehmen ist. Dieser Ueberrest aber muss die Wirkung haben, den verkürzenden Einfluss des folgenden Vocals abzuschneiden: wohl in kā asmai (geschrieben kāsmai), aber nicht etwa in imā[s] apaḥ kann von Verkürzung des Vocals vor dem Vocal gesprochen werden.

c7.s5.4

Bloomfield (S. 19 fg.) selbst giebt folgende Erklärung des kurzen o und e. Ursprüngliches ŏs und ĕs, das in der überlieferten Sprache als ăs erscheint, verlor vor folgendem Vocal sein s. Der so entstehende Wortausgang auf ŏ und ĕ wurde, da das »indische Alphabet« [sic] keine Zeichen für ŏ und ĕ besass, theils mit Bewahrung der richtigen Quantität aber mit Aufgabe der Färbung des Vocals als ă geschrieben (so vor allen andern Vocalen als a), theils mit Bewahrung der Vocalfärbung, aber mit Aufgabe der Quantität als ō, ē (so vor folgendem a). Dieses ŏ und ĕ, welches graphisch [sic] mit ō resp. ē zusammenfiel, zog das wirkliche, aus a + u resp. a + i hervorgegangene ō resp. ē (ausser bei den Pragṛihyas) zunächst vor a, dann auch vor andern Vocalen, zu seiner eignen Natur als Kürze hinüber. Schliesslich wurde das ĕ aus ĕs von dem viel häufigeren ŏ aus ŏs absorbiert: so blieben also drei als Längen geschriebene, aber als Kürzen gesprochene Vocale übrig: o für ŏs und ĕs, andres o, und e.

c7.s5.5

Ich gehe an dieser Stelle nicht auf die Bedenken ein, welche sich gegen Bloomfield's Auffassung vom Fortleben des grundsprachlichen ĕ, ŏ bis in vedische Zeit und von den eigenthümlichen Gebietsverschiebungen, die zwischen diesen beiden Vocalen angenommen werden müssten, erheben lassen (s. Osthoff Perfect 23 fg.). Denn auch ohne dass man sprachgeschichtliche Principienfragen erhebt, ist, wie mir scheint, die Construction Bloomfield's von andrer Seite her widerlegbar. Man erwäge nur, welche Rolle das »Alphabet« und die Schrift in derselben spielt. In Zeiten, als nach Bloomfield's Theorie das nicht aus as hervorgegangene o und e vor Vocalen noch lang war — d. h. vor der Entstehung auch der ältesten Theile unsres Ṛigveda: denn in diesem sind die betreffenden Vocale bereits kurz, was sie nach Bl. erst durch secundäre Uebertragung geworden sind — hätte man für das aus ŏs, ĕs vor Vocalen entstandene ŏ, ĕ unter den Lauten des Alphabets nach einer Bezeichnung gesucht und keine ganz zutreffende gefunden. Also ein fixirtes Alphabet, älter als die ältesten Theile des Ṛigveda? Und bei dem in der Bezeichnung der kleinsten phonetischen Varietäten sonst so reichen Alphabet der Inder, welches ḍ von ḷ und welches n, ṇ, ṅ, ñ unterschied, das den langen !-Vocal kannte — in diesem Alphabet keine Möglichkeit, die Vocale ĕ und ŏ, welche die Sprache damals besessen haben soll, auszudrücken oder einen Ausdruck für sie zu erfinden, so gut wie man i und î, u und û unterschied? Darum dann Substitution andrer Zeichen, und zwar verschiedener Zeichen, bald eines ă, bald eines ē, ō, wo doch der auszudrückende Laut immer derselbe, ĕ resp. ŏ, war? Und dann schliesslich eine solche Macht des graphischen Ausdrucks über die Sprache — wohlbemerkt noch immer in der Zeit vor den ältesten Rigliedern —, nicht etwa, dass die Laute ĕ, ŏ, auf welche fremde Zeichen übertragen waren, nun den Werth jener Zeichen (ē, ō) thatsächlich annahmen, sondern noch viel künstlicher: die Laute, welchen die betreffenden Zeichen wirklich und ursprünglich zukamen, verloren für die vedische Verskunst ihre natürliche Quantität allein deshalb, weil ihre graphischen Bezeichnungen für Laute andrer Quantität mitbenutzt wurden! Unglaublich das Alles, selbst wenn Viṣvāmitra und Vasiṣṭha »Schriftsteller« im eigentlichsten Sinn des Wortes gewesen sein könnten, selbst wenn es nicht an jeder leisesten Wahrscheinlichkeit fehlte, dass die Schrift oder auch ein von der Schrift unabhängiges Operiren mit festgestelltem Lautsystem bei den vedischen Dichtern vorauszusetzen wäre. Die unbefangene Betrachtung wird durch die Discrepanz, welche in der Behandlung von o und e vor a zwischen der echten, aus dem Metrum zu erschliessenden Lautgestalt und der überlieferten Lautgestalt vorliegt, zu allem andern eher als zu dem Versuch getrieben werden, die Entstehung der echten, den Ṛishis eigenen Lautgestalt aus Einflüssen des überlieferten Alphabetapparats zu erklären. Sondern die echte Form und die überlieferte Form werden offenbar deshalb von einander abweichen, weil jene unabhängig, diese aber abhängig ist von irgend welchen, sei es durch die Sprachentwicklung der jüngeren Zeit, sei es durch die theoretische Sprachbetrachtung dieser Zeit bedingten Alterationen. Das Wesen aber dieser Alterationen zugleich mit dem Wesen der alten, echten Lautgestalt zu präcisiren ist eben die Aufgabe unsrer Untersuchung.

c7.s5.6

Bis jetzt wissen wir von den Lauten, die im überlieferten Text vor folgendem a als o resp. e geschrieben werden, soviel, dass sie in der That kurz waren. Um die Natur dieser kurzen Vocale näher zu bestimmen, bietet uns den nächstliegenden Anhalt die Beobachtung dessen, was entsprechend jenen o und e vor andern Vocalen als vor a erscheint. Dort erscheint nun eben das was wir brauchen, eine Kürze, a: ye aṣvāḥ aber ya ûtî; yo aṣvāḥ aber ya indraḥ, und zwar wird, wie bekannt, ebensowohl e = a + i, o = a + u wie o = as in dem bezeichneten Fall durch a vertreten. Wir bleiben zunächst bei dem e, o = a + i resp. a + u. Die gangbare Ansicht lässt aus dem a + i vor einem Vocal (ausser a) zunächst ay, aus a + u zunächst av werden und dann das am Wortende stehende y resp. v schwinden, indem es eine Spur seiner Existenz nur darin zurücklässt, dass Contraction des übrig bleibenden a mit dem folgenden Vocal in der Regel nicht stattfindet. Bloomfield (S. 17, vergl. 18 A. 1) verwirft diese Ansicht ohne hinreichende Beweisführung; mir scheint sie in der That durchaus begründet. Für sie spricht, neben der lautgesetzlichen Aequivalenz von ay, av vor Vocal und e, o vor Consonant im Innern des Wortes, zunächst die Behandlung des auslautenden āi, āu, namentlich des āu, wo die Ueberlieferung vor folgendem Vocal bald āv bewahrt, bald ā schreibt (Whitney § 134 am Ende). Das āv zeigt, was das ā ist: der durch die Consonantisirung resp. den dann folgenden Schwund des zweiten Elements frei werdende erste Bestandtheil des āu-Diphthongen.

c7.s5.7

Nichts liegt dann aber näher als die Proportion āu: âv : â = o (d. h. a + u): av : a. Uebrigens hat ja die Ṛik-Ueberlieferung das av für o vor allen nicht-labialen Vocalen noch direct erhalten (vâyav â yâhi aber vâya ukthebhiḥ; Prātiśākhya 132. 135), während vor folgendem u, û das v durch diesen Vocal absorbirt worden ist¹). Aber auch von dem ay — der Vorstufe des a —, welches vor Vocalen einem e vor Consonanten entspricht²), finden sich directe Spuren. So in Sâmans, deren sangbare Textgestalt (in den Gânas) zwar auf der einen Seite von den diaskeuastischen Schicksalen der sonstigen Texte auf das mannichfaltigste berührt ist, andrerseits aber auch nach mehr als einer Richtung wichtiges Altes erhalten hat. Im Text z. B. mehrerer der auf den Vers Sv. I, 97 gesungenen Sâmans lesen wir für śaraṇa â: śaraṇay ô hâi oder śârâṇây â: in welchen liedmässigen Umgestaltungen der Textworte die Grundgestalt śaraṇay â nicht zu verkennen ist. Aehnlich Sv. I, 89 für anîka idhyate: ânîkayâ uvâye dhyâte: wo durch alle Verzierungen die Gestalt anîkay idhyate nicht verdunkelt werden kann. — Sodann möchte ich auf eine Reihe von Stellen aufmerksam machen, an welchen Varianten oder Corruptelen vedischer Texte deutlich auf die Aussprache -ay vor folgendem Vocal hinführen. So steht für rita â (d. h. ṛitay â) jâtam agnim (Ṛv. VI, 7, 1) in der Taitt. Saṃhitâ I, 4, 13, 1 ṛitaya jâtam agnim; für pâvakayâ Ṛv. VI, 15, 5 steht Taitt. Saṃh. IV, 6, 1, 2 pâvaka â (d. h. pâvakay â); für tve¹) â bhûshanti Ṛv. VIII, 99, 2 steht Sv. II, 164 tvayâ bhûshanti; neben tá ǎ vahanti (d. h. tay â vahanti) Taitt. Saṃh. I, 1, 2, 1 haben wir in der Maitr. Saṃh. I, 1, 2 táy ǎ vahante²).

c7.s5.8

¹ Wenig glücklich ist die Vermuthung, dass das v in den Fällen wie vâyav â yâhi die Partikel u sei (Bloomf. 18 A. 1). Zunächst sieht eine unter gewissen rein phonetischen Bedingungen sich ebenso unabänderlich wie für die Verstechnik überflüssig einstellende Partikel doch an sich schon recht wenig nach den Vedatexten aus: nach den Diaskeuasten aber auch nicht, denn diese hatten einerseits keinerlei Veranlassung, gegen vâya â und Aehnliches einen Vertilgungskrieg zu führen, da sie doch hṛida â, dama â u. dergl. unbedenklich schrieben; andrerseits würde die Partikel u, wenn sie von der Diaskeuase stehend in den Text gesetzt wäre, dem Padapâṭha aller Wahrscheinlichkeit nach bekannt und verständlich geblieben sein. Es kommt noch ein weiteres entscheidendes Bedenken gegen die Partikel u hinzu: vâya u konnte doch nur entweder uncontrahirt bleiben — dann hätte man aber drei Sylben statt der zwei, welche der Text hier und entsprechend in den ähnlichen Fällen unabänderlich verlangt. Oder es konnte, wenn man will, contrahirt werden — ich für mein Theil freilich würde diese Möglichkeit nur als eine ausnahmsweise gelten lassen; das Regelmässige ist, dass das schliessende a für o den Hiatus behält —: wurde aber contrahirt, so musste offenbar für die Ṛishis so gut wie für die Diaskeuasten das entstehen, was bei atha + u, uta + u etc. unabänderlich entstand, ein Pragṛihya-o (»atho iti«, »uto iti«; vergl. unten S. 456), also eine lange Sylbe, nicht aber die kurze Sylbe av.

c7.s5.9

² Vergl. dazu altpers. dastayâ, avest. zastaia = sansk. hasta â (Bartholomae Handbuch 95).

c7.s5.10

¹ Dies tve ist allerdings Pragṛihya.

c7.s5.11

² Padap. táyâ | vahante.

c7.s5.12

Werden wir danach für diphthongisches e und o vor folgendem andern Vocal als a zunächst ay, av ansetzen, und dann daraus event. a (genauer a’ mit der auf das a folgenden Contractionshemmung, die wir etwa Spiritus lenis nennen mögen)³), so ist in der That schlechterdings nicht abzusehen, warum sich das i- resp. u-Element von e und o vor folgendem a nicht genau ebenso wie vor einem andern Vocal in y resp. v verwandelt haben soll. In dem so entstehenden -ay und -av würden wir dann die gesuchte, durch das Metrum stehend geforderte Kürze für das überlieferte e, o haben.

c7.s5.13

³ Die Lebendigkeit dieses Wechsels von ursprünglich diphthongischem e, o mit ay, av in der vedischen Zeit lässt kaum einen Zweifel darüber, dass damals die diphthongische Aussprache jener Laute noch nicht untergegangen war (vergl. auch die Plutaformen wie agnâi für agne etc.); siehe Whitney Gr. § 28. In die Schreibung des Ṛigvedatextes selbst agnai, daivas für agne, devas einzuführen wird man sich doch durch naheliegende Bedenken verhindern lassen müssen.

c7.s5.14

Wir fragen an dieser Stelle noch nicht, wie dann, wenn ay, av (und daraus event. später a’) die alte, richtige Form der in Rede stehenden Lautgruppe war¹), sich die Entstehung der überlieferten Schreibung e, o erklären lässt: hierauf werden wir später zurückkommen. Zunächst aber weisen wir darauf hin, dass genau gleichartige Spuren, wie sie für das ay statt des überlieferten a vor andern Vocalen als a, so auch für ay statt des überlieferten e vor folgendem a sich erhalten haben. Für anîke asthiran Sv. I, 13 finden wir im Text der zugehörigen Sâman: ânîkay âsthâyirân, anâhâyikây âsthâyirâ. Für agne angiraḥ Sv. I, 29: âgnay ângâirâḥ. Aus kâme asmin, d. h. kâmay asmin, Ṛv. X, 128, 2 ist im Atharvaveda (V, 3, 3) kâmâyâsmai geworden.

c7.s5.15

¹ Uebrigens findet sich im Riktext eine Stelle, die, wie es scheint, durch Zufall den planmässigen Umformungen der Diaskeuase entgangen ist und die gleiche Behandlung des e vor a bewahrt hat, welche vor i, u, â etc. gilt: stotava ambyam VIII, 72, 5, Prâtiśâkhya 177.

c7.s5.16

So ist bei dem auslautenden e (= a + i) und o (= a + u) die traditionelle Verschiedenheit der Behandlung vor folgendem a und vor andern Vocalen nichts Andres als ein — seiner Entstehung nach noch aufzuklärender — Missgriff der Ueberlieferer. Wenn eben da, wo vor einem bestimmten Vocal (dem a) die sonst herrschende Behandlung jenes e, o im traditionellen Text abreisst und statt der Kürze (ay, av, a’) eine Länge erscheint, die Metrik stehend einen Fehler indicirt, so ist es klar, dass eben jene Kürze (ay, av, a’) auch für diesen Fall angesetzt werden muss²).

c7.s5.17

² So schreibt in der That Bollensen z. B. uloko yas tă adrivaḥ, ZDMG. XLI, 500.

c7.s5.18

Mit dieser Erkenntniss treten wir nun an den Fall des auslautenden o = as heran. Wie bei folgendem anderm Vocal als a agnay uta, viṣṇav uta in der überlieferten Schreibung zu agna uta, viṣṇa uta (d. h. agna’ uta, viṣṇa’ uta), so ist indras uta zu indra uta (indra’ uta) geworden. Wie bei folgendem a agne aṅga, viṣṇo aṅga geschrieben wird, aber dies sich durch den metrischen Fehler als agnay aṅga, viṣṇav aṅga — und daraus dann auf der Stufe der Entwicklung, welcher agna’ uta angehört, offenbar agna’ aṅga, viṣṇa’ aṅga — herausstellt, so wird auch indro aṅga geschrieben, und auch hier tritt derselbe metrische Fehler hervor. Der Schluss liegt auf der Hand: auch hier ist in der That parallel mit der durch indra uta (d. h. indra’ uta) repräsentirten Phase anzusetzen indra aṅga (indra’ aṅga)¹). So langen wir auch für das finale o = as bei der gleichen Erkenntniss an wie für das finale o = a + u und das finale e, dass nämlich, um einen vor langer Zeit von Weber (Kuhn’s Beitr. III, 401) gebrauchten Ausdruck zu wiederholen, der ganze Unterschied zwischen der Behandlung vor a und vor den übrigen Vocalen »nur ein so zu sagen literarischer« ist²).

c7.s5.19

¹) Wie ja auch -is, -us (-ish, -ush) zu -ir, -ur wird, gleichviel ob a oder ein andrer Vocal folgt. — Wem etwa der Muth fehlen sollte, lautliche Erscheinungen des Vedatextes wie die hier in Rede stehende für blosses Grammatiker-machwerk zu erklären, dem ist die Beschäftigung mit den den Maitr. Saṃhitā eigenthümlichen Lautgesetzen (v. Schroeder, Einl. XXVIII fg.) zu empfehlen.

c7.s5.20

²) Es wurde schon oben erwähnt, dass das Pragṛhya e und o von der Verkürzung vor folgendem Vocal nicht betroffen wird. Bereits Bloomfield (S. 16 A. 3) hat darauf hingewiesen, dass der Grund dieser Erscheinung in der besonders starken Länge jener Vocale liegt. Wie das -e (= a + i) des Loc. sing. der a-Stämme vor Vocalen zu ay wird, wird offenbar das -e des Nom. dual. fem. neutr. (= ǎ + î) zu a + iy = ey (samudray andhasaḥ, aber ubhey anu). Welche -e und -o übrigens Pragṛhya sind, wird von der Tradition nicht durchweg richtig bestimmt. Gesichert sind die weiblichen und neutralen Duale auf -e, ferner der Loc. tve (Prāt. 74). Dagegen scheint asme nicht hierher zu gehören. Von den 22 Stellen, an denen ein Vocal auf dies Wort folgt, sprechen zwei direct für die Kürze des e (VIII, 22, 16; X, 22, 2); auch ist zu beachten, dass überall, wo das e vor folgendem Vocal die zweite Sylbe des Pāda bildet, die dritte stets lang ist. Für yushme fehlt es an Materialien; diese Form kann aber natürlich von asme nicht getrennt werden. Zweifelhaft sind die Für den aus dem schwindenden s von indra(s) uta etc. hervorgehenden Laut, der in der gewöhnlichen Schreibung unsichtbar geworden ist und sich nur als Contractionshemmung geltend macht, hat die Ueberlieferung bekanntlich an einigen Stellen positiven Ausdruck bewahrt. Hierher

c7.s5.21

dualischen Conjugationsendungen auf -âthe u. s. w.; für die Pragṛihyaqualität des e würde I, 151, 4, allenfalls auch I, 32, 13, VI, 67, 6 sprechen, dagegen I, 2, 9; VII, 93, 6; VIII, 26, 13. — Von den angeblichen Fällen des -o scheiden die Vocative auf o wie vishṇo aus (Prât. 69. 157; vergl. Whitney zu Ath. Pr. I, 81). Dagegen ist sicher Pragṛihya das o, welches bei der Contraction von Worten wie atha, uta, mâ mit der Partikel u entsteht. Hier scheint die Pragṛihyaqualität darauf zu beruhen, dass das u ein Wort für sich ist und deshalb im Ṛv. ebenso wenig zu v wird wie etwa vi zu vy werden kann. Wie tad v asti im Ṛv. ausgeschlossen ist, kann man auch z. B. X, 85, 41 nicht atha v imâm sondern nur etwa athauv imâm (wobei au nicht den Vṛiddhidiphthong, sondern die ursprüngliche diphthongische Gestalt des von uns als o geschriebenen Lauts bedeutet) erwarten. — Werfen wir hier noch einen Blick auf die Pragṛihya -î und -û, so erweist sich auch bei ihnen die Pragṛihyaqualität eben in dem Langbleiben vor folgendem Vocal. Während die in der traditionellen Schreibung als vâjy asi, śipry andhasaḥ erscheinenden Wortgruppen zu messen sind ◡◡◡◡, -◡◡◡ (vergl. Kuhn Beitr. III, 119) und offenbar aufgefasst werden müssen als vâjîy asi, śiprîy andhasaḥ, bleibt in rodasî ubhe, śucî upa das î lang; es wird rodasî ubhe, śucîv upa anzusetzen sein. Sicher Pragṛihya ist das î des Duals; angeblich auch das von Locativen wie vedî, gaurî (Prât. 73; Lanman 389), aber für diese ergeben die wenigen vorhandenen Stellen keine Bestätigung, und VI, 1, 10 (Prât. 174) steht sogar entgegen. Für das Pronomen amî (Prât. 74) fehlt es an Materialien. Die Duale auf -û lassen sich von denen auf -î nicht trennen, obwohl die vorliegenden Materialien hier an sich keine sichere Entscheidung liefern würden (s. I, 93, 5; 116, 20; VII, 61, 2; 68, 3; X, 143, 6, dagegen aber I, 46, 13; II, 27, 15; V, 43, 4). — Die herkömmliche Auffassung, dass der Pragṛihyavocal mit folgendem Vocal nicht contrahirt werden könne (vergl. Prât. 156), ist irrig. Eine irgend annehmbare Erklärung dafür lässt sich nicht denken, und thatsächlich fehlt es im Ṛv. nicht an Fällen der Contraction, welche im Saṃhitâpâṭha fast sämmtlich richtig und von grammatischer Consequenzmacherei unberührt wiedergegeben sind (viṣpatîva, rodasîme etc.; Prât. 159. 174. 176). Dass beim Pragṛihya -e, so viel ich sehe, Fälle des eigentlichen Abhinihita Sandhi nicht vorliegen, ist offenbar nur ein Zufall, und zwar ein sehr begreiflicher bei der verhältnissmässigen Seltenheit dieses Sandhi. Aber die mit dem Abhinihita im Grunde durchaus gleichartige Contraction von -e i- zu e findet sich in der That auch bei Pragṛihyas (kanînakeva IV, 32, 23; vayyeva II, 3, 6. Lanman 361).

c7.s5.22

werden zwar schwerlich die Schreibungen auf -ar gerechnet werden dürfen ¹), bei welchen theils der Verdacht nahe liegt, dass sie auf der Analogie von wirklich auf -ar ausgehenden Worten (ahar etc.) oder von Formen wie havir u. dergl. beruhen, theils dass anderweitige Missverständnisse mitspielen: namentlich von dem vielberufenen ugrar āvṛit, bhīmar āvṛit, śrutar āvṛit u. s. w. (Taitt. Saṃh. II, 4, 7; Kāṭhaka XI, 9) hat uns das ugra rāvaṭ etc. der Maitrāyaṇī Saṃhitā (II, 4, 7) jetzt glücklich befreit. Dass in der That für -as nicht unter denselben Bedingungen -ar erscheint, wie für -is, -us (-ish, -ush) -ir, -ur, erklärt sich aus der verschiedenen Natur der Vocale zur Genüge. — Mehr Beachtung als die Schreibungen auf -ar scheinen mir diejenigen auf -ay ²) zu verdienen. Bekannt ist das adhi dhīray emi des bei Śāṅkhāyana (Śr. I, 6) angeführten Verses, das apay ishya hotar der beim Aponaptrīya gebrauchten Formel (Āśval. Śraut. V, 1, 1; Kāty. IX, 3, 2 var. lect.), das abhibhūyamānay iva der Maitr. Upanishad (II, 6), das nay ehi des Kauṣikasūtra ³). Zahlreiche ähnliche Schreibungen liefern auch hier wieder die Gānas des Sāmaveda. So für śukra āhutaḥ Sv. I, 4: śukrāy āhutaḥ, ṣa auhovā kray āhutaḥ, śukray ā auhauhovā hotohāyi. Für bharanta emasi Sv. I, 14: bhārātay emāsāyi. Aehnlich -āy für ursprüngliches -ās; so für saprathā asi Sv. I, 42: saprāthāy āsāi, u. dergl. mehr. Vermuthlich gehört es in denselben Zusammenhang, wenn die Worte pāhi gāyandhaso made Ṛv. VIII, 33, 4 im Sv. zu pāhi gā (was in der Aussprache ursprünglich einem pâhi gây nahe gekommen sein wird) andhaso made geworden sind 1).

c7.s5.23

¹ Weber a. a. O. 385 A. 2, 390, 391; Whitney § 176c; Bloomfield a. a. O. 7 A. 2; Osthoff Perfect 40.

c7.s5.24

² Vergl. Vāj. Prātiṣ. IV, 36; Ath. Pr. II, 41; Taitt Pr. IX, 10. 19 fg. — Pāṇini VIII, 3, 17 fgg.

c7.s5.25

³ Ind. Stud. IV, 252, wo mehr derartiges angeführt ist.

c7.s5.26

¹ Unsicher ist Ṛv. V, 75, 7 aryayâ für arya’ â? Vergl. ZDMG. XL, 126.

c7.s5.27

So haben wir nicht allein vor andern Vocalen, sondern gelegentlich auch vor a Spuren der Schreibung y für auslautendes s hinter a und â. Offenbar war, als die phonetische Gestalt der Texte fixirt wurde, der betreffende Laut nahezu geschwunden und hatte sich überwiegend nur in der alterthümlichen Aussprache sacraler Formeln und sacraler Gesänge erhalten: wo dann von den zur Verfügung stehenden Lauten das y resp. das »leichter zu sprechende« (laghuprayatnatara) y die brauchbarste Annäherung zu bieten schien.

c7.s5.28

Auf Grund der gegebenen Auseinandersetzungen wären als geeignete Lautbezeichnungen für die Schreibung des Textes etwa die folgenden zu adoptiren:

c7.s5.29

Für e, o (= a + i, a + u) vor Vocalen, gleichviel ob die Ueberlieferung e, o giebt (vor folgendem a), oder a (vor andern Vocalen): ay, av; z. B. agnay agninâ, agnay ekayâ, adhvaryav andhasaḥ [entsprechend natürlich bei den Vṛiddhi-Diphthongen: ây, âv].

c7.s5.30

Für o (as) vor Vocalen, gleichviel ob die Ueberlieferung o giebt (vor a) oder a (vor andern Vocalen), könnte man im Hinblick auf die eben gesammelten Stellen gleichfalls ay zu empfehlen geneigt sein oder auch den aus verflüchtigtem s hervorgegangenen Laut durch die Schreibung as ausdrücken: bharantas emasi; devâsas apturaḥ.

c7.s5.31

Den praktischen Zwecken jedoch dürfte mit einer vereinfachten Bezeichnungsweise ausreichend entsprochen sein; ich werde daher beim Druck des Textes von der Unterscheidung der Indices -y, -v, -s absehen und mich mit der Bezeichnung a’ [resp. â’] für alle jene Fälle begnügen. —

c7.s5.32

Es ist bekannt, dass schon im Rigveda — in den älteren Theilen selten, in den jüngeren mit zunehmender Häufigkeit — -ay, -av, -as mit folgendem a- zu einer Sylbe verschmelzen können, wobei -ay a- zu e, -av a- und -as a- zu o wird¹. Wir haben schon oben (S. 389 fgg.) das Verfahren der Diaskeuase in Bezug auf die Setzung dieses s. g. Abhinihita Sandhi geprüft. Hier muss noch zunächst hervorgehoben werden, dass die Betrachtung des Riktextes diesen Sandhi nur als besondern Fall einer in der That viel allgemeineren Erscheinung herausstellt. Wie bei -ay (-av) und -as vor folgendem a-, so kann auch vor andern Vocalen eine über das ʸ und ˢ (und ebenso über das gleichfalls nicht sehr widerstandsfähige wortschliessende ın) hinüberreichende Krasis stattfinden¹). So rasinaˢ iyam = rasineyam, VIII, 1, 26; ûrdhvaˢ ud = ûrdhvod X, 90, 4; wohl auch devaˢ ekaḥ = devaikaḥ X, 121, 8; turaˢ iyâm = tureyâm VII, 86, 4 u. dergl. mehr. Beispiele für aʸ: taʸ indra = tendra VII, 21, 9; VIII, 40, 9; maʸ ud = mod X, 166, 5; vividaʸ uttaraḥ = vividottaraḥ X, 85, 40, u. s. w.²). Schwerlich stehen im Rigveda diese von der Tradition nicht anerkannten, aus dem Metrum zu erschliessenden Krasen hinter dem zu fester Giltigkeit gelangten Abhinihita Sandhi ihrer Häufigkeit nach mehr zurück, als durch die überwiegende Häufigkeit des a-den andern Vocalen gegenüber im Anlaut von selbst bedingt wird.

c7.s5.33

¹ Was den Ursprung der o-Färbung im Fall des -as a- anlangt, so kann man denselben, wenn man Bloomfield's Auffassungen über das Fortleben des grundsprachlichen o nicht theilt, kaum in etwas Anderm finden, als in der Natur des zwischen den beiden a stehenden Kehlkopfverschlusses. — Dass übrigens die Schreibung o die richtige und nicht eine von dem späteren Gebrauch oder der späteren Theorie dem Text aufgedrungene ist, haben wir keinen hinreichenden Grund zu bezweifeln. Roth (KZ. XXVI, 51) hat allerdings einige Fälle zusammengestellt, in welchen er ein â des Samhitâtextes als Contraction von -as a- erklärt; man könnte danach versucht sein anzunehmen, dass das ursprüngliche Product aus der Krasis von -as a- vielmehr â sei, das eben an diesen Stellen zufällig der diaskeuastischen Umgestaltung entgangen sein müsste. Aber von den drei Stellen Roth's scheint mir zunächst die erste ganz auszuscheiden: I, 164, 7 śirṣṇaḥ kṣīrāṃ duhrate gāvo asya vavrīṃ vasānā udakaṃ padāpuḥ. Ich sehe nicht, warum wir hier nicht an der so nahe liegenden traditionellen Auffassung von padāpuḥ als padā apuḥ festhalten können: dass da wo Milch aus dem Kopf herausgemolken wird, man auch mit dem Fuss Wasser trinken kann, ist doch nicht befremdlicher als viele andre Dinge in dem grossen Räthsel-lied. In I, 51, 11 sodann (indro vaṅku vaṅkutarādhi tiṣṭhati) kann sehr wohl der Dual vaṅkutarā vorliegen; ist aber doch der Nom. sing. anzunehmen, so wäre gerade hier eine durch den Einfluss von vaṅkū rein äusserlich hervorgerufene, also für lautliche Fragen bedeutungslose Corruptel besonders leicht begreiflich. Es bleibt nur übrig V, 61, 12, wo in der That hinter śriyādhi, wenn man sich nicht zu gezwungenen Auffassungen entschliessen will, der Nom. plur. śrīyas mit adhi stecken muss. Als Stütze für den allgemeinen Ansatz von -as a- = â ist eine solche vereinzelte Stelle offenbar nicht hinreichend; man wird dieselbe einfach zu emendiren haben (śriyodhi), was in Bezug auf den Accent ohnehin nicht zu vermeiden ist.

c7.s5.34

¹ Vergl. Benfey, Quantitätsverschiedenheiten I, 31 ff.

c7.s5.35

² Besonders häufig ist eine derartige Krasis, wenn das zweite Wort iva ist, weil eben dies sich besonders eng an das vorangehende Wort anschliesst. — Dass auch Fälle vorliegen, in welchen der erste der zusammengezogenen Vocale nicht a ist, versteht sich von selbst.

c7.s5.36

Mir scheint nun, dass in den Schreibungen mit dem Abhinihita Sandhi die Erklärung für die in unsern obigen Erörterungen offen gelassene Frage gesucht werden muss, wie die Diaskeuasten dazu kamen, wohl indra iti aber nicht indra api sondern indro api, agne api zu schreiben. Offenbar sind es die Abhinihita-Schreibungen indropi, agnepi, die den Schlüssel hierzu ergeben. Denn es wird doch wohl kein Zufall sein, dass in den zweisylbigen Schreibungen -e a-, -o a- das (wie die Metrik zeigt, der ursprünglichen Aussprache zuwiderlaufende) e resp. o gerade nur vor dem einzigen Vocal eintritt, welcher auch zu den einsylbigen Schreibungen e, o mit dem Abhinihita Sandhi führen kann. Für die Diaskeuasten war, entsprechend dem Standpunct der jüngeren Zeit, die einsylbige Schreibung (indropi) das zunächst Gegebene. Aber ihnen entging nicht, dass in der vedischen Poesie neben jener und sogar vorherrschend die zweisylbige Schreibung ihr Recht hatte. Wie es nun allerdings kam, dass sie eben hier mit der Anerkennung der zweisylbigen Schreibung Ernst machten, während sie doch für das nicht minder berechtigte -a a-, -i a- durchweg â, -y a- einführten, wird sich kaum ausmachen lassen. Aber die Thatsache, wenn vielleicht befremdend, steht doch fest, dass eben hier das sonst beliebte Zusammenpressen des vedischen Textes auf die möglichst geringe Sylbenzahl maassvoller als anderswo gehandhabt worden ist. Kann es uns da überraschen, wenn die zweisylbigen Schreibungen durch die daneben liegenden, der Auffassungsweise der Diaskeuasten weit homogeneren einsylbigen beeinflusst wurden? Wenn von ihnen das ursprüngliche -ay a-, -as a- vor Allem unter dem Gesichtspunct aufgefasst wurde, dass es eine alterthümliche, zweisylbige Nebenform für das geläufige e, o sei, bei welcher das folgende a- nicht verloren war, wenn sie es also demgemäss als -e a-, -o a- ansetzten? So bietet sich, scheint es, eine Erklärung dieser Schreibweisen als eines reinen Diaskeuastenmachwerks ungezwungen dar¹.

c7.s5.37

¹ Es ist schwer, den Punct genau zu bezeichnen, an welchem zuerst wirkliches -ē a-, -ō a- (abgesehen von den Pragṛihyas) in indischen Versen auftritt. Dem Ṛigveda ist es, wie wir sahen, fremd. Auch die Yajurveden und der Atharvaveda sind voll von metrischen Indicien für die Kürze der -e, -o geschriebenen Laute vor a-. In den Versen der Brāhmaṇas und Upanishaden werden significante Stellen nicht leicht zu entdecken sein, da hier der Abhinihita Sandhi fast zur Alleinherrschaft gelangt ist. Doch finde ich im Śatapatha Br. XI, 3, 1, 5. 6 zweimal wiederholt den letzten Pāda eines Śloka: katham saṃtato agnibhiḥ, resp. tathā saṃtato agnibhiḥ; hier ist das -o« vermuthlich noch als kurze Sylbe zu verstehen. Beispiele für -ō a- weiss ich erst aus der buddhistischen Literatur anzuführen. Im Dhammapada finden wir erste Pādas

c7.s5.38

Im Anschluss an die obige Besprechung des auslautenden -as sind hier noch die pronominalen Nominative sa und saḥ¹) zu erörtern, bei welchen das Nebeneinanderstehen dieser beiden Formen specielle Fragen hervorruft. Für den Thatbestand des überlieferten Textes verweise ich auf Grassmann's Wörterbuch²). Vergleicht man die betreffenden Erscheinungen des Atharvaveda, so findet man dort, im Grossen und Ganzen wenigstens, den Standpunct der späteren Sprache erreicht, dass vor Consonanten sa, vor Vocalen saḥ resp. dessen Sandhi-Vertreter gesetzt wurde und die letztere Eventualität natürlich, weil eben ein wirklicher Hiatus hier nicht entstand, keinerlei Abneigung der Liedverfasser gegen

c7.s5.39

des Śloka wie die folgenden: n'atthi rāgasamo aggi (202 = 251), seyyo ayoguḷo bhutto (308), zweite Pādas wie yo naro anuyuñjati (247), appatto āsavakkhayam (272): aus welchen Stellen eine eingehendere Beobachtung der Pālimetrik die Länge des o zu schliessen im Stande sein wird. Hier also, und so viel ich bis jetzt finde, erst hier ist das vor tönenden Consonanten entwickelte ō für as auf die Stellung vor Vocalen übertragen worden, wie es ja im Pāli auch auf die Stellung vor tonlosen Consonanten übertragen wurde. Mit voller Sicherheit über den Zeitpunct zu urtheilen, an welchem diese Uebertragung vor sich ging, werden allerdings erst weiter fortgesetzte Untersuchungen erlauben; dass dieselbe aber dem altvedischen Zustand gegenüber etwas Junges ist — anders als Osthoff Perfect 28 fg., Brugmann Grundriss § 556, 3 die Sache darstellen — steht schon jetzt fest. Wenn übrigens, wie dies wahrscheinlich ist, in der Zeit der vedischen Diaskeuasten die im Dhammapada vorliegende Lautgestalt -ō a- bereits in der lebendigen Sprache existirte, so wird die Annahme eben dieser Gestalt von Seiten der Diaskeuasten für den Vedatext um so begreiflicher.

c7.s5.40

¹) Die Nominative sya und esha bieten mehr oder minder ähnliche Erscheinungen.

c7.s5.41

²) Verfehlt ist an Gr.'s Darstellung, dass derselbe so vor folgendem unelidirtem -a nur dann gelten lässt, wenn auf das a Doppelconsonanz folgt; die allerdings wenigen entgegenstehenden Fälle werden wegerklärt, indem Gr. das so als sa u auffasst (V, 44, 8 wohl mit Recht, in den beiden Fällen von I, 103, 5 aber ganz willkürlich). Es ist schlechterdings nicht abzusehen, inwiefern die Doppelconsonanz hier einen Unterschied ausmachen soll. Dass thatsächlich so a- fast immer eine Doppelconsonanz hinter sich hat, kommt offenbar daher, dass nach der Kürze des so (vor a-) das Metrum eine Länge fordern oder begünstigen musste.

c7.s5.42

sich hatte, also auch nicht durch besondere Seltenheit gekennzeichnet ist. Dass im Ṛigveda andre Verhältnisse vorliegen, ist leicht zu sehen. Zunächst hat das sa (saḥ) — ausser im zehnten Buch — unverhältnismässig viel seltener ein vocalisch anlautendes Wort hinter sich, als der im Uebrigen geltenden Proportion von vocalischem und consonantischem Wortanfang entsprechen würde¹). Lässt die hier offenbar vorliegende Absichtlichkeit darauf schliessen, dass die rigvedischen Dichter die Form saḥ vor folgendem Vocal keinesfalls in demselben Umfang, wie im Av. geschehen ist, in Anspruch nahmen, so bewährt sich diese Folgerung auch darin, dass — anders als im Av. — mit folgendem Vocal Contraction (wie in sed, semam, sodañcam) keineswegs selten ist: bei weitem häufiger, als dass die Annahme der nur ausnahmsweise stattfindenden Contraction über den Visarga hinüber hier ausreichen könnte. So sieht man, dass das Gebiet des saḥ im Ṛv. jedenfalls ein geringeres ist als im Av., und man steht vor der Alternative, für den ursprünglichen Ṛv.-Text entweder nur die Form sa anzuerkennen oder anzunehmen, dass zwar neben sa auch saḥ existirt, dass aber das Letztere erst auf dem Wege ist, sich seine spätere Geltung zu erobern. Ich glaube, dass der zweiten Annahme entschieden der Vorzug zu geben ist. Schon an sich ist es nicht wahrscheinlich, dass eine so weite, übergangslose Kluft den Sprachzustand des Ṛv. von dem des Av. trennen sollte, wie dies bei der ersteren jener beiden Suppositionen der Fall sein würde. Ferner aber spricht für die Existenz des saḥ im Ṛv. — neben der Ueberlieferung — auch die von den sonst geltenden Proportionen wesentlich abweichende Häufigkeit des (eben nur scheinbaren) Hiatus im Vergleich zur Contraction mit dem folgenden Vocal. Diese Häufigkeit steigert sich noch im zehnten Buch, wo doch im Uebrigen der Hiatus seltener, die Contraction häufiger wird: so dass in diesem Buch die Annäherung an den Zustand des Av.¹), das Anwachsen der Neigung zum Gebrauch des hiatusvermeidenden saḥ kaum verkannt werden kann.

c7.s5.43

¹ Die Fälle, in welchen sa (so) vor einem Vocal steht — mit oder ohne Contraction — verhalten sich zu denen vor einem Consonanten in Buch VI etwa wie 1 : 6,6; in VII wie 1 : 4,7; in VIII wie 1 : 6,0; in IX, wie 1 : 8,7, dagegen in X wie 1 : 2,0! Dabei sind die Fälle der Contraction in X besonders selten.

c7.s5.44

¹ Dieselbe giebt sich auch in den Daten der vorigen Anm. zu erkennen.

c7.s5.45

Danach scheint es gerechtfertigt, den Dichtern des Ṛv. in Bezug auf sa und saḥ die, wenn vielleicht nicht strenge, so doch approximative Beobachtung folgender Normen zuzuschreiben:

c7.s5.46

1. Vor Consonanten stand sa²). So die Ueberlieferung, bestätigt durch die metrisch entscheidenden Stellen. Das saḥ, welches sich hier zum Zweck der Positionsbildung hätte empfehlen können, tritt nur in ganz vereinzelten, übrigens glaubwürdig überlieferten Fällen auf (III, 53, 21; VIII, 33, 16).

c7.s5.47

² Einmal sâ I, 145, 1: eine nicht sichere Stelle.

c7.s5.48

2. Vor folgendem Vocal wurde, wenn contrahirt werden sollte, sa gesetzt; wenn nicht, saḥ. Gegen beide Eventualitäten herrschte in der älteren Zeit Abneigung; unter ihnen jedoch gab man der letzteren den Vorzug. Die Tradition hält den Fall der Contraction und den des (scheinbaren) Hiatus fast durchweg richtig aus einander. Speciell vor folgendem a- giebt dieselbe natürlich das saḥ (sa’) als so; wo das Metrum Contraction mit a- verlangt, ist in einer Reihe von Fällen sâ- überliefert (vergl. Prât. 172. 173; falsch in VI, 12, 4), in einigen andern so a- oder so mit dem Abhinihita Sandhi: mir scheint, dass in allen diesen Fällen sâ- herzustellen ist.

c7.s5.49

3. Am Pâdaende lag, wie ich meine, kein Grund vor, zu dem saḥ zu greifen, das offenbar nur gesetzt wurde, wo der Hiatus zu vermeiden war. Die Tradition giebt am Versende und vor einem Avasâna saḥ, bei sonstigem Pâdaende je nach dem folgenden Laut die Form, welche im Pâdainnern gefordert sein würde (Ausnahme V, 2, 4). Der ganzen Sachlage nach kann in der Ueberlieferung kaum etwas andres als eben dies erwartet werden; der Vermuthung, dass die thatsächlich im Pâdaausgang gebrauchte Form sa war, wird der Weg dadurch nicht versperrt.

c7.s5.50

Sieht man von diesen durch diaskeuastische Alterationen natürlich besonders gefährdeten Stellen des Pâdaendes ab, so bewährt sich in der Behandlung des sa und saḥ wiederum die Ueberlieferung als im Besitz einer Erkenntniss, welche nicht nach dem Product grammatischer Reflexion aussieht, sondern den Stempel echter, brauchbarer Erinnerung an sich trägt.

c7.s5.51

Vocalis ante vocalem. Nasalirter Schlussvocal.

c7.s5.52

Im vorigen Abschnitt ist untersucht worden, in welchen Fällen auslautendes î, û, e, o vor folgendem Vocal verkürzt und in welchen es nicht verkürzt wird. Wir schliessen hier einige Bemerkungen über die Behandlung des â in gleicher Stellung an. Kuhn¹) ist meines Wissens der Erste gewesen, der die Verkürzung eines â vor folgendem Vocal²), soweit keine Contraction eintritt, als zulässig erkannt hat; wir dürfen, meine ich, noch einen Schritt weiter gehen und diese Verkürzung als Regel behaupten¹). Bei dem Ueberblick über die betreffenden Materialien sehen wir natürlich von den insignifikanten Fällen ab — es sind 37 oder 38 —, in denen das fragliche â in der ersten Sylbe der Reihe, sodann von denen, in welchen es unmittelbar vor der Trishtubh- oder Jagatîcäsur (69 Fälle) oder unmittelbar nach derselben (I, 189, 4) steht. Ebenso wenig fallen einige Stellen in’s Gewicht, an welchen das â als viertletzte Sylbe einer Trishtubh- resp. als fünftletzte einer Jagatîreihe²) oder als siebente Sylbe einer solchen Reihe mit der Cäsur nach der vierten³) steht: in diesen Stellungen überwiegt zwar, wie bekannt, der Gebrauch der Länge, aber die Kürze ist doch immerhin häufig genug. Für die Kürze nun des betreffenden Vocals treten zunächst die Stellen ein, an welchen das â zweite Sylbe hinter der Trishtubh- oder Jagatîcäsur ist⁴). Entscheidend aber sind vor Allem die den Versausgang betreffenden Fälle. Hier finden wir â mit folgendem Vocal als drittletzte Sylbe der Trishtubh:

c7.s5.53

¹ Beiträge III, 120 fg. Vergl. M. Müller, Rigveda Translation, LXXXVII fg.

c7.s5.54

² Selbstverständlich gehört der Fall, dass zwischen beiden Vocalen ein s oder y ausgefallen ist (imâ' agne, asmâ' id), nicht hierher.

c7.s5.55

¹ Wenn wir diese Regel für den Fall des Bestehenbleibens beider Vocale nachzuweisen suchen, wird nicht übersehen werden, dass auch in der Contraction die nämliche Verkürzung zur Erscheinung kommt, insofern -â i-, -â u-, -â ṛi- zu e; o, ar (a ṛi), nicht aber zu ai, au, âr wird. Vergl. Benfey, Ved. und Ling. 13.

c7.s5.56

² Es sind 8 Fälle; zu ihnen kommt mit nasalirter Schreibung des â hinzu VI, 15, 9 ubhayâñ anu vratâ, falls hier das Neutrum ubhayâ vorliegt.

c7.s5.57

³ 4 oder 5 Fälle: IV, 19, 6; VI, 4, 4; 11, 1 (?); X, 61, 18; 132, 4.

c7.s5.58

⁴ I, 60, 4; 104, 5; 116, 16; 186, 6; VIII, 103, 13; X, 49, 10.

c7.s5.59

I, 62, 8 vapurbhir â carato’ anyâ-anyâ I, 77, 1 kathâ dâṣema agnaye kâ asmai I, 140, 13(?) gaviam yavyam yanto dîrghâ ahâ I, 165, 6(?) kua syâ vo marutaḥ svadhâ âsît⁵) I, 174, 8 sanâ tâ ta’ indara navyâ⁶) âguḥ

c7.s5.60

⁵ Aber vergl. oben S. 385 Anm. 1.

c7.s5.61

⁶ Der Padap. hat navyâḥ und der Samhitâp. contrahirt nicht.

c7.s5.62

IV, 3, 13 mâ veṣasya praminato mâ âpeḥ V, 41, 16 evayâ maruto' achâuktau — praśravaso maruto' achâuktau VI, 21, 8 ṣaṣvad babhûtha suhava' âiṣṭau VI, 24, 5 aryo vaṣasya parietâ asti VI, 63, 1 kua tyâ valgû puruhûtà adya VII, 40, 3 na tasya râyaḥ parietâ asti X, 22, 5 tuam tyâ cid vátasyâṣvà âgàḥ ¹).

c7.s5.63

Dieser Reihe gehört auch an, wenn wir eine leichte und wahrscheinliche Correctur wagen: X, 5, 5 ichan vavrim avidat pûṣhà asya ²).

c7.s5.64

Ferner steht das â als viertletzte Sylbe der Gâyatrî: IV, 52, 2 aṣveva citrâ aruṣhî V, 51, 15 punar dadatâ aghnatâ VIII, 20, 17 (?) yuvânas tathâ id asat VIII, 46, 29 shashṭim sahasrâ asanam.

c7.s5.65

¹) Ich übergehe bei dieser Aufzählung die zahlreichen Stellen, an denen tvotaḥ oder tvotâḥ am Ende der Triṣhṭubhreihe erscheint (vergl. Benfey, Quantitätsversch. IV, 3, 18). Dieselben würden hergehören, wenn tvâûtâḥ aufgelöst wird. Vermuthlich aber ist tuotâḥ zu lesen, vergl. die Verlängerung des vorangehenden Vocals in I, 73, 9 vanuyâmâ tvotâḥ. Allerdings ist in V, 3, 6 überliefert vanuyâma tvotâḥ; X, 148, 1 sanuyâma tvotâḥ: aber an der letzteren Stelle giebt das Sv. Ârcika sahyâmâ tvotâḥ, und, was wohl entscheidend ist, das Gâna liest in beiden zugehörigen Sâman túvotâḥ. — Ich sehe auch von den Stellen ab, an denen sich Versausgänge wie tvâhuḥ u. dergl. finden und die Auflösung tuâhuḥ, nicht tvà âhuḥ geboten scheint (I, 104, 9; II, 32, 2; VI, 44, 10; VII, 16, 4; VIII, 1, 16; X, 2, 7: vergl. auch III, 47, 3 ye tuânu).

c7.s5.66

²) Ueberliefert ist pûṣhaṇásya. Schwerlich wird diese Form des Namens durch X, 93, 4 hinreichend geschützt, wo pûṣháṇaḥ (mit anderm Accent!) Nom. plur. sein kann. Es liegt überaus nahe, bei vavri an das so oft im Veda besprochene Versteck des Agni, welchem das Lied gewidmet ist, zu denken. Dass Pûṣhan es ist, der ihn findet, ist sehr natürlich: ist es doch Pûṣhan's stehende Rolle, das Verlorene zu finden (Bergaigne, Rel. véd. II, 421): er ist der anaṣhṭapaṣu (Ṛv. X, 17, 3), während in Bezug auf Agni gesagt wird »paṣuṃ na naṣhṭam padair anu gman« (X, 46, 2), Vergl. auch I, 23, 13. 14. — Uebrigens heisst es bereits in Ludwig's Uebersetzung: »Suchend fand er dort des Pûṣhaṇa Hülle [Pûṣhan seine Hülle?].«

c7.s5.67

Hierher wird auch mit Aufhebung der wahrscheinlich irrigen Nasalirung gehören: I, 133, 6 śuṣoca hi dyauḥ kṣà na bhíśhàñ adrivaḥ ghṛiṇàn na bhíśhàñ adrivaḥ.

c7.s5.68

Diesen Gruppen von Stellen, welche das â an den nothwendig kurzen Stellen des Reihenausgangs zeigen, steht, so viel ich finden kann, keine einzige mit dem â in der langen vorletzten Sylbe der Triṣṭubh (drittletzten der Jagatî) entgegen. Auch an drittletzter Stelle der Gâyatrî könnte derartiges â, wenn es als Länge gelten dürfte, nicht selten sein; in der That finde ich es nur an zwei Stellen: I, 30, 14 à gha tvâvân tmanâ âptaḥ IX, 66, 18 tvam soma sûra’ à ishaḥ: nichts aber kann die Regel deutlicher bestätigen als eben diese Ausnahmen, denn beide Pâdas stehen an Stellen, in welchen der trochäische Tonfall des Gâyatrîausgangs herrscht und mithin eher die Kürze als die Länge der Drittletzten zu erwarten ist.

c7.s5.69

Diesen bestimmten Ergebnissen gegenüber, welche die Untersuchung der Reihenausgänge liefert, können die Reiheneingänge mit ihren so viel schwankenderen metrischen Gestaltungen nicht wesentlich in Betracht kommen, wenn auch allerdings die Verkürzung des â in nicht ganz seltenen Fällen die ungern geschene Vereinigung zweier Kürzen in den Sylben II und III herbeiführt. Ich begnüge mich, die den Reiheneingang betreffenden Materialien hier zusammenzustellen: I, 127, 10; 129, 9 (mit überlieferter Nasalirung des â); II, 19, 3; 41, 17; IV, 57, 7; V, 45, 2; 61, 5; VI, 23, 4; VIII, 16, 3. 7; 46, 10; 101, 13; IX, 88, 3; X, 14, 3; 26, 1, 9; 49, 11; 50, 2; 60, 7; 61, 8. 9; 93, 13; 105, 4; 132, 2; 145, 3; 161, 5¹).

c7.s5.70

¹ Hierher gehören wohl auch die vielen Fälle, in denen viersylbiges indrâgnî an der Spitze der Reihe steht: allerdings kann das erste Element auch als indra- aufzufassen sein, vergl. indra-vâyû.

c7.s5.71

In fünfsylbigen (Virâj-) Reihen finde ich â vor folgendem Vocal an zwei Stellen, beidemal in der dritten Sylbe der Reihe, die bekanntlich vorherrschend kurz ist: I, 69, 9 vibhâvâ usraḥ; VII, 34, 1 pra ṣukrâ etu.

c7.s5.72

Der Vollständigkeit wegen führe ich noch einige corrupte oder unnormal gebaute Verse an, in welchen derartiges â erscheint oder erscheinen könnte: I, 120, 1; 173, 4; X, 93, 14; 105, 2. 11; 164, 3.

c7.s5.73

Als Ergebniss unsrer Untersuchung werden wir die stehende Verkürzung des â vor folgendem Vocal behaupten dürfen. Schwerlich gehört übrigens diese Erscheinung in denselben Zusammenhang mit der Verkürzung des î, û (S. 456 Anm. 2). Bei den letzteren Lauten geht offenbar ein Theil des Vocals in den Halbvocal über, und es bleibt als vocalisches Element eine Kürze zurück; bei â dagegen kann von nichts Anderm als einer Anwendung der Regel vocalis ante vocalem die Rede sein. Uebrigens zeigt sich die Verschiedenheit beider Fälle auch in der Statistik: die Häufigkeit, mit welcher der Schlussvocal von ṣuṣmî, vâjî etc. von der Verkürzung betroffen wird, steht in bemerkenswerthem Gegensatz zu der verhältnissmässigen Seltenheit derartiger Fälle bei dem als Wortausgang an sich so viel häufigeren â: wobei auch noch beachtet werden muss, dass man beim â, wie die mitgetheilten Materialien erweisen, das Zusammentreffen der beiden Vocale durch die Cäsur zu mildern für wesentlich hielt.

c7.s5.74

Die oben (S. 468) berührten Fälle der nasalirten Schreibung eines â vor folgendem Vocal geben den Anlass, hier einige Bemerkungen über diese zur Beseitigung des Hiatus bestimmten Nasalirungen hinzuzufügen. Die grosse Hauptmasse derselben betrifft den Schlussvocal des Pâda vor folgendem, durch kein Avasâna getrennten Anfangsvocal: ă vor e und o; â vor ṛi in vielen Fällen, die Worte â und sacâ vor folgendem Vocal¹). Bei der Natur der Pâdatrennung liegt es, wie schon von Benfey ausgeführt worden ist, auf der Hand, dass wir es hier nicht mit etwas Ursprünglichem, sondern mit Diaskeuastenregeln zu thun haben, welche, auf was für Einfällen sie auch beruhen mögen, für uns werthlos sind. Nun findet sich aber die Nasalirung von â und in einem Falle (I, 79, 2) von a auch im Innern des Pâda²). Sie tritt nur an Stellen ein, wo das ă mit dem folgenden Vocal nach Ausweis des Metrums nicht zusammenzuziehen ist, aber es kann, wie nicht erst gesagt zu werden braucht, auch nicht entfernt davon die Rede sein, dass jedes â oder auch nur jedes a gewisser Formen, welches mit folgendem Vocal nicht contrahirt ist, nasalirt würde, vielmehr bilden die betreffenden Fälle die verschwindende Minderzahl. Doch verdient es beachtet zu werden, dass, so selten an und für sich das Zusammentreffen von -â ṛi- ohne Contraction ist, gerade in diesem Fall die Nasalirung fast stehend³) eintritt: kadâñ ṛitacid V, 3, 9, mâtâñ ṛiṇuta V, 45, 6, maghavâñ ṛijishî IV, 16, 1⁴). An einigen weiteren Stellen liegt, wie ich glaube, die Sache anders: vibhvâñ ṛibhuḥ IV, 33, 6 vergl. IV, 36, 6; vibhvâñ ṛibhukshâḥ VII, 48, 3; svavâñ ṛitâvâ III, 54, 12; VI, 68, 5;

c7.s5.75

¹ Prâtiśâkhya 164 fgg.; Benfey, Vedica und Linguistica 10 fgg., 163 fgg.; Lanman Index s. v. Nasalization. — Dass die Regel über die Nasalirung von ã vor e und o (Prât. 166) aufgestellt wird als »Luṣâd arvâk« geltend, beruht darauf, dass der letzte derartige Fall X, 34, 5 steht (X, 121, 3 tritt die Nasalirung nicht ein): Luṣa aber ist der Ṛishi von X, 35.

c7.s5.76

² Die Aufzählung der Fälle s. bei Benfey a. a. O.; Prâtiśâkhya 167-170.

c7.s5.77

³ Benfey (S. 11) lässt das -a ṛi- innerhalb desselben Pâda stets eine Sylbe bilden, nimmt also für den Fall der Nichtcontraction stets die Nasalirung an. Aber ich finde wenigstens eine Ausnahme: I, 127, 10 jûrṇir hota ṛishûyâm.

c7.s5.78

⁴ Vergl. über die letzte Stelle Benfey a. a. O. 20.

c7.s5.79

svatavāṅ ṛiṣvaḥ IV, 20, 6. Nach den Ausführungen J. Schmidt's¹ muss es für wahrscheinlich gelten, dass die Stämme suavas, svatavas, vibhvan von der Analogie der vāṃs-Stämme erfasst wurden und so den Nominativ suavāṅ, svatavāṅ, vibhvāṅ (neben vibhvā) bildeten. Hier lagen also zufälligerweise an einer Reihe von Stellen gerade vor dem ṛi-Vocal Formen auf -āṅ vor, die theils im Padapāṭha thatsächlich als an sich auf -ā ausgehend angesehen werden, theils sehr wohl so angesehen worden sein können. Hiermit war, wie ich meine, die Veranlassung zur Aufstellung der Regel gegeben, dass — vom Fall der Contraction abgesehen — ā vor ṛi nasalirt wird, welcher Regel zu Liebe dann die Schreibungen kadaṅ ṛitacid etc. sammt den analogen Schreibungen am Pādaende in den Text gesetzt sein werden.

c7.s5.80

¹ KZ. XXVI, 357 fg.

c7.s5.81

Ist demnach für die weitaus meisten Fälle der Nasalirung späterer Ursprung gewiss oder doch wahrscheinlich, so wird es gerechtfertigt sein, auch bei den noch übrig bleibenden sporadischen Fällen gegen die Echtheit der betreffenden Erscheinung Misstrauen zu hegen, wenn auch die Entstehung der einzelnen derartigen Schreibungen schwerlich nachzuweisen sein wird²). Das Misstrauen ist um so gerechtfertigter, als an der einzigen Stelle, an welcher das Metrum in Betracht kommt — ich sehe von dem unzuverlässigen Indicium der viertletzten Triṣṭubhsilbe ab —, dasselbe gegen den Nasal entscheidet: in dem S. 468 angeführten Verse I, 133, 6, in welchem offenbar bhīṣhā adrivaḥ anzunehmen und die Regel vocalis ante vocalem anzuwenden ist.

c7.s5.82

² Bei I, 79, 2 aminantaṅ evaiḥ — dem einzigen Fall, welcher ä betrifft — liegt es nahe, Zusammenhang mit der für das Pādaende geltenden Regel Prāt. 166 zu vermuthen. Ist nun jene Regel aus diesem Fall herausgesponnen worden, oder beruht der Fall vielmehr auf einer vereinzelten Uebertragung der Regel auf das Innere des Pāda? Die sogleich vorzulegende chronologische Erwägung (S. 472) macht mir das Erstere wahrscheinlicher.

c7.s5.83

Dass übrigens die Nasalirungen nirgends erscheinen, wo das Metrum die Contraction verlangt, spricht immerhin, wie ich glaube, dafür, dass diese Schreibung — wenigstens soweit sie das Innere des Pàda betrifft — nicht den jüngeren oder jüngsten Phasen der diaskeuastischen Textbehandlung, d. h. nicht derjenigen Periode angehört, in welcher man ohne jede Rücksicht auf das Metrum die einmal angenommenen Grundsätze in Bezug auf Contraction dem Text durchgehend aufzunöthigen gewohnt war.

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