Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s2: Länge des Endvocals im Saṃhitâtext gegenüber einer Kürze des Padatextes
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s2
- Language
- German
Contents
- c7.s2.31 — 3 parts
Länge des Endvocals im Saṃhitâtext gegenüber einer Kürze des Padatextes
c7.s2.1
Wir beschäftigen uns mit dem bekanntlich im Ganzen vom Metrum abhängigen Auftreten von Formen mit langem Endvocal (yenâ, bharatâ, abhî etc.) — auf die Betrachtung der Endvocale unsre Erörterung einzuschränken möge uns gestattet sein — neben gewöhnlicheren, im Padapâtha statt jener erscheinenden, welche die Kürze des Vocals aufweisen (yena, bharata, abhi). Das ausführliche Werk Benfey’s über die Quantitätsverschiedenheiten in den Saṃhitâ- und Pada-Texten hat die Uebersicht über die Materialien und die Beurtheilung zahlreicher einzelner Puncte auf das Wesentlichste erleichtert; so sind wir der Nothwendigkeit überhoben, eine Darstellung zu liefern, die ein Umfassen sämtlicher Einzelheiten sich zum Ziele setzte. Eine Reihe aber der principiellsten und für die vedische Textgeschichte entscheidendsten Fragen, die auf dem bezeichneten Gebiete entstehen, ist es jenem grossen Forscher nicht mehr vergönnt gewesen zu lösen. Wir versuchen dieselben nach Kräften der Lösung näher zu bringen.
c7.s2.2
Die Bedingungen, denen die Untersuchung der Quantitätsverschiedenheiten unterworfen ist, bringen es mit sich, dass wir hier nur mit einem erheblich geringeren Maass von Sicherheit vorgehen können, als vorher in Bezug auf den Abhinihita Sandhi. Wo yo’ asmai und wo yosmai gelesen werden muss, ist fast durchweg mit Bestimmtheit zu sagen; darüber aber, ob der vedische Dichter in den Sylben 5-7 der Trishtubh etwa die Form bharata oder bharatâ gewählt hat, wird man nicht mit derselben Sicherheit zu urtheilen im Stande sein.
c7.s2.3
Wir versuchen die Grundthatsachen in Bezug auf den Wechsel derartiger Formenpaare zunächst so darzustellen, wie sie sich in der Ueberlieferung zeigen. Wir begleiten dann diese Darstellung Schritt für Schritt, soweit wir dafür Anhaltspuncte besitzen, mit der Frage nach der Berechtigung des Ueberlieferten. So dürfen wir hoffen, wenigstens einen Theil der Stellen zu entdecken, an welchen die Ueberlieferung das Richtige, sei es geleitet von verkehrten diaskeuastischen Principien, sei es in Folge einfacher Irrthümer verfehlt hat.
c7.s2.4
Zuerst ist zu fragen, welche Schlussvocale der Verlängerung¹ fähig sind. Sodann, unter welchen Bedingungen, insonderheit unter welchen metrischen Bedingungen die Verlängerung thatsächlich eintritt.
c7.s2.5
¹ Es sei der Kürze wegen gestattet, von »Verlängerung« kurzer Vocale auch da zu sprechen, wo es sich in der That um das Nebeneinanderliegen einer gebräuchlicheren Form mit kurzem und einer minder und nur unter bestimmten Bedingungen gebräuchlichen mit langem Vocal handelt.
c7.s2.6
Bereits Benfey (Quantitätsversch. II, 80) hat auf das Factum hingewiesen, dass unter den Fällen, welche einen unverlängerten Schlussvocal an den die Verlängerung besonders begünstigenden Versstellen zeigen, das auslautende i mit auffallender Häufigkeit auftritt. Genauere Betrachtung ergiebt, dass der überlieferte Text das i in gewissen Endungen recht oft, in andern nirgends verlängert zeigt, und so wird man auf die Beobachtung geführt, dass überhaupt in gewissen Worten resp. Endungen der Schlussvocal, nach dem überlieferten Text zu ertheilen, sehr zur Verlängerung hinneigt; bei andern findet sich die Verlängerung selten, bei noch andern überhaupt nicht. In besonders hohem Grade der Verlängerung fähig ist der Schlussvocal z. B. der Verbalformen auf -ta, -tha, -tana, -ma, -sva, der Imperative auf -a, -hi, -dhi, der Instrumentale auf -ena, einzelner Adverbia wie atra u. s. w. Selten verlängert wird beispielsweise der schliessende Vocal der Genetive auf -asya (Lanman 338), der Locative auf i (Lanman 411. 426); nirgends derjenige der Dative auf -âya, der neutralen Nom. plur. auf -i, der Verbalformen auf -mi, -si, -ti¹), -nti, -tu, -ntu.
c7.s2.7
¹ Ich finde nur eine Ausnahme II, 26, 4: urushyatim amhaso rakshati rishah.
c7.s2.8
Geht nun der bezeichnete, im überlieferten Riktext deutlich hervortretende Gegensatz der verlängerungsfähigen und der stets kurzen Endvocale auf die Zeit der Rishis selbst zurück? Es kann nicht schwer sein, dies festzustellen: wenn beispielsweise avatǎ zur Zeit der Liedabfassung eine andre prosodische Geltung hatte als avatĭ, taratǎ eine andre als taratĭ, so lässt sich erwarten, dass uns das Erscheinen und das Nichterscheinen dieser Worte an bestimmten Stellen der Metra Indicien hierfür liefern wird, welche von etwaigen Irrthümern der Diaskeuasten unabhängig sind. In der That liegen derartige Indicien ganz unzweifelhaft vor. So findet sich nach M. Müller's Wortindex avata im Ganzen an 10 Stellen, darunter fünfmal so, dass der Schlussvocal auf eine Stelle trifft, an welcher die Länge gefordert wird: wo dann der überlieferte Text avatâ giebt. Dagegen avatu hat seine Schlusssylbe unter 15 Fällen nur dreimal an einer derartigen Stelle, und in allen drei Fällen (X, 100, 1; 103, 7; 182, 2) wird das u durch Position lang. Also ganz abgesehen von Diaskeuase und Ueberlieferung galt schon den Liedverfassern selbst dies u nicht in derselben Weise für metrisch verwendbar, wie das auslautende a von avata. — Tarata findet sich an einer von überhaupt nur zwei Stellen mit der durch das Metrum geforderten Verlängerung des Endvocals, tarati im Ganzen an 7 Stellen, darunter viermal so dass das i auf eine Länge des metrischen Schemas trifft: aber an dreien von diesen vier Stellen wird die Länge durch Position bewirkt, an einer (IX, 96, 15) durch die Contraction taratîd, so dass auch hier klar ist, dass tarati für sich allein mit tarata in Bezug auf seine metrische Verwendbarkeit nicht auf einer Linie stand. — Paṣyata hat an einer von 6 Stellen eine durch das Metrum geforderte, an einer andern eine wenigstens der metrischen Neigung entsprechende Verlängerung des Schlussvocals; paṣyati (8 Stellen) verlängert den Schlussvocal nie und steht auch nie an Stellen, die dies veranlassen könnten. Dhâvata (6 Stellen) steht in drei Fällen so dass die Verlängerung des a durch das Metrum nöthig gemacht wird; ausserdem begegnet dhâvatâ einmal, wo die Verlängerung nicht geradezu gefordert ist. Dagegen dhâvati (17 Stellen) und dhâvatu (4 Stellen) finden sich nirgends an einer Stelle des Verses, wo Länge des Schlussvocals verlangt wurde.
c7.s2.9
Es kann danach kein Zweifel sein, dass bei den »Verlängerungen« eine Eigenschaft der betreffenden Vocale mitspielt, die nicht sowohl von den Textordnern als vielmehr von den Liedverfassern selbst durchaus als eine nur in bestimmten Fällen vorliegende behandelt worden ist. Die sprachgeschichtlichen Zusammenhänge klar zu stellen, in welche dies Verhältnis hineingehört, ist hier nicht unsre Aufgabe; wir haben nur zu constatiren, dass die Ueberlieferung des vedischen Textes in der Scheidung verlängerbarer und nicht verlängerbarer Vocale ein Moment, welches sich mit Sicherheit in die Zeit der Liederdichtung zurückverfolgen lässt, richtig bewahrt hat¹): bewahrt offenbar nicht in der Form einer gewussten Regel — ein derartiges Wissen ist den Diaskeuasten nicht zuzutrauen, und das Prâtiśâkhya zeigt denn auch keine Spur eines solchen —, sondern in dem getreuen Festhalten der richtigen Aussprache an den Stellen, oder doch in der grossen Mehrzahl der Stellen, welche von jenem Gesetz beherrscht werden.
c7.s2.10
¹ Man sieht aus dem Gesagten, worin der Fundamentalfehler der Benfey-schen Darstellung der Verlängerungen an der sechsten resp. achten und zehnten Stelle der metrischen Reihen (Zweite Abh. über die Quantitätsverschiedenheiten) liegt. B. stellt, dem Prâtiśâkhya folgend, diese Verlängerung ein allgemeines Gesetz hin und führt die Fälle, in denen sie nicht erscheint, als Ausnahmen auf (S. 46 fgg.). Es war nöthig das Gesetz auf gewisse Worte und Endungen zu beschränken, wodurch die Ausnahmen zum grossen oder grössten Theil beseitigt, ausserdem aber Verbesserungsvorschläge abgeschnitten worden wären, wie der von Benfey (II, 27) zu Ṛv. VII, 1, 18 aufgestellte surabhiṇî vyantu, oder I, 96, 4 tanayâyâ svarvit.
c7.s2.11
Wir wenden uns nun zu der Frage, an welchen Stellen der Metra die Verlängerungen eintreten. Am klarsten liegt natürlich die Sache in Bezug auf die Versausgänge. Die sechste Sylbe der Gâyatrî-Reihe, die achte und zehnte der Trishṭubh- und Jagatî-Reihe sind demgemäss, wie auch in der Darstellung des Prâtiśâkhya richtig hervortritt, hauptsächliche Sitze der Verlängerungen; an diesen Stellen giebt die Ueberlieferung, wenige Ausnahmen abgerechnet, alle zur Verlängerung hinneigenden Vocale als Längen. So erscheint die Schlussylbe der Instrumentale auf -ena an den betreffenden Stellen fast stets verlängert; Lanman (S. 332) giebt 27 Fälle dieser Art, welchen als Ausnahme nur VIII, 66, 9 gegenübersteht: keno nu kam̥ ṣromatena na ṣuṣruve. Von den überaus zahlreichen Fällen der Verlängerung bei den Formen der zweiten Person Plur. auf -ta und -tha findet sich überhaupt keine Ausnahme, von den kaum minder zahlreichen der 2. Sing. des Imperativs auf -hi, -a, -sva nur verschwindend wenige Ausnahmen, welche Benfey (2. Abh.) s. v. ûrṇuhi, kṛiṇuhi, dîdihi, dhâva, raksha, ṣrija, mâsva — der unter dhâraya aufgeführte Fall ist nur scheinbar — angegeben hat. Anders stellt sich selbstverständlich das Verhältniss bei den Wortclassen, die nur gelegentlich und ausnahmsweise die Verlängerung zeigen: so bei den Vocativen Sing. der -a-Stämme, wo wenigen Fällen der Verlängerung (abhi tvâ vṛishabhâ sute etc., Lanman 339) eine überwiegende Zahl von Gegenbeispielen gegenübertritt (Benfey II, 50 s. v. indra); ebenso bei den Genetiven auf -asya (Lanman 338; Gegenbeispiele bei Benfey II s. v. asya, mânushasya etc.).
c7.s2.12
Die Beurtheilung der hier beschriebenen überlieferten Behandlung dieser Verhältnisse wird im Wesentlichen nur eine die Tradition durchaus bestätigende sein können. Die annähernde Ausnahmslosigkeit der Verlängerungen in den dazu am meisten neigenden Fällen haben wir keinen Grund für etwas Gemachtes zu halten; wir bemerkten schon, dass die Häufigkeit der Fälle, in welchen die vedischen Dichter eben jene Schlussvocale auf die eine Länge erfordernden Stellen des Versausgangs fallen lassen, den Beweis dafür giebt, dass sie in der That jene Vocale, wenn erforderlich, als lang zu brauchen gewohnt waren. Fraglich aber ist, wie über die Ausnahmen von den Verlängerungen geurtheilt werden soll. Können wir wirklich z. B. jenes ṣromatenă (VIII, 66, 9) für hinreichend bezeugt halten, dem die sonst ausnahmslose, in 27 Fällen überlieferte Schreibung -enâ unter den analogen metrischen Bedingungen gegenübersteht? Mir scheint, wie wir oben bei der Untersuchung des Abhinihita Sandhi eine wenn auch verhältnismässig geringe Zahl schlechterdings unleugbarer Fehler der Ueberlieferung gefunden haben, so wird auch hier die Annahme eines derartigen Fehlers berechtigt sein: unser Glaube an die Tradition müsste ein uneingeschränkterer sein, als er es nach den Proben jener Untersuchung sein kann, wenn wir uns davor scheuen sollten, eine so ausgesprochene Regel gegenüber den zerstreuten Ausnahmen, welche der überlieferte Text aufweist, durchzuführen.
c7.s2.13
Natürlich aber sind auf dem Mittelgebiet zwischen der Sphäre der verlängerbaren und der nicht verlängerbaren Vocale ähnlich zuversichtliche Versuche zur Herstellung der Uniformität nicht denkbar. An sich hat es offenbar nichts Unwahrscheinliches, dass die Grenzen zwischen dem Bereich der gebotenen und der ausgeschlossenen Verlängerungen nicht mit absoluter Schärfe und nicht von allen Vedendichtern in gleicher Weise gezogen worden sind. Erscheinungen, wie wir sie etwa bei den Vocativen auf -a und den Genetiven auf -asya beobachten, werden wir daher aus dem Text zu entfernen nicht leicht den Versuch wagen. Der im Grossen und Ganzen ja bewährten Tradition wird eben im Grossen und Ganzen auch hier zu vertrauen sein¹, um so mehr, als zu dem Verdacht, dass irgend welche willkürlichen, gemachten Principien hier die Ueberlieferung beherrschen, kein Anlass ist. Andrerseits werden wir auf diesem Gebiet der schwankenden Praxis auch wieder keine Einzelheit für vollkommen zweifellos bezeugt halten dürfen: dies ist das unbestimmte Resultat, über welches hinauszukommen die Natur der Daten, mit welchen wir zu rechnen haben, nicht möglich zu machen scheint.
c7.s2.14
¹ Wie haben wir beispielsweise darüber zu urtheilen, wenn upa an den vier Stellen, wo sein a im Versausgang auf eine Länge fallen würde — es sind sämmtlich Triṣṭubh-Reihen mit dem Ausgang upa naḥ — ohne die Verlängerung bleibt? Benfey (II, 54) findet hier »eine der stärksten Inconsequenzen im Text des Veda«. Mir scheint, Alles spricht vielmehr dafür, dass der überlieferte Text mit der Schreibung upä im Recht ist, weil das a von upa den
c7.s2.15
Wenden wir uns nun vom Versausgang zum Verseingang, so ist es natürlich, dass die minder scharfe metrische Ausgeprägtheit, durch welche sich der letztere vom ersteren unterscheidet, auch dem Eintreten der Verlängerungen einen unbestimmteren Character mittheilen wird. Wir beschäftigen uns zuvörderst mit der zweiten Sylbe der metrischen Reihe: wobei ein Unterschied zwischen der acht-, elf- und zwölfsylbigen Reihe nicht zu erkennen und auf Grund der metrischen Verhältnisse auch nicht zu erwarten ist. Wir haben oben die Abneigung der Dichter gegen die Aufeinanderfolge zweier Kürzen an der zweiten und dritten Stelle der Reihe besprochen; es liegt nahe zu erwarten, dass die Verlängerungen als ein Mittel diese Aufeinanderfolge zu vermeiden verwandt sein werden. Prüfen wir daraufhin die Vertheilung der Längen und Kürzen bei einigen der häufigeren Worte. Wir untersuchen beispielsweise die
c7.s2.16
vedischen Dichtern offenbar nicht als verlängerungsfähig gegolten hat. Wir schliessen dies aus der ausserordentlichen Seltenheit, mit welcher die so häufige Präposition im Versausgang (eben an jenen vier Stellen) wie im Verseingang in einer Stellung steht, die auf die Messung upâ hinführen könnte. Wo das a von upa eine Länge ausfüllen soll, steht es fast immer in Position; das a als zweite Sylbe des Pâda hat, soweit nicht Positionslänge eintritt, fast ausnahmslos eine lange dritte hinter sich. Eine Inconsequenz liegt also durchaus nicht vor, wenn das Wort upa in der Gestalt geschrieben wird, in welcher die vedischen Dichter es allem Anschein nach allein kannten, mit kurzem a.
c7.s2.17
17 Fälle ¹), in denen jahi am Anfang eines Pâda erscheint. In 5 Fällen folgt eine Kürze, in 12 eine Länge. Unter diesen 17 Fällen finden wir dreimal jahî, 14 mal jahi überliefert: und zwar fallen jene drei Stellen sämtlich unter die fünf mit einer folgenden Kürze; nur zweimal, oder wenn man will einmal an den identischen Stellen IV, 22, 9 = VII, 25, 3 (jahi vadhar) steht kurzes i vor einer folgenden kurzen Sylbe.
c7.s2.18
¹ Benfey, Quantitätsversch. III, 15. Natürlich kommen Fälle, in denen das i durch Position lang wird, nicht in Betracht; ebensowenig selbstverständlich VI, 44, 11 jahy asushvín.
c7.s2.19
Aehnlich wie bei jahi liegt das Verhältnis bei kṛidhi (Benfey III, 13 fg.). Von 9 Stellen, an welchen auf das im Anfang der Reihe stehende kṛidhi eine kurze Sylbe folgt, zeigen sieben im überlieferten Text die Dehnung des schliessenden i; unter den 7 Stellen, an welchen eine Länge folgt, haben nur zwei die Dehnung ²).
c7.s2.20
² Vielleicht erklärt sich die eine dieser beiden Stellen (II, 9, 5) daraus, dass dem kṛidhi dort ein andres kṛidhi mit folgender Position, also natürlich ohne Verlängerung des i, dicht vorausgeht.
c7.s2.21
Noch schlagender ist das Verhältnis bei yatra (Benfey III, 26). Dies Wort steht am Pâdaanfang ³) vor einer Kürze 20 mal; daranter 18 mal mit der Schreibung yatrà⁴). Vor einer Länge steht es 33 mal, darunter 8 mal in der Gestalt yatrâ⁵). Die wenigen für tatra vorliegenden Stellen (Benfey III, 16) ergeben ein ähnliches Resultat.
c7.s2.22
³ Abgesehen natürlich von den Fällen wo das schliessende a in Position steht.
c7.s2.23
⁴ Von den beiden übrig bleibenden Stellen I, 164, 3, VI, 16, 17 ist die zweite vielleicht dadurch zu der Schreibung yatra gekommen, dass das folgende Wort kva (lies kua) wenigstens scheinbar Position ergiebt.
c7.s2.24
⁵ Unter diesen acht Stellen sind 3, wo auf yatrâ naḥ folgt, 2 wo somasya folgt: vermuthlich hat hier der an je einer Stelle entstandene Fehler die andern nach sich gezogen.
c7.s2.25
Tena (Bf. III, 18; Lanman 332) mit verlängertem Auslaut findet sich an fünf Stellen, von denen vier eine folgende kurze Sylbe haben. In den 5 Beispielen, welche Benfey für tena mit kurzem a giebt, folgt stets eine Länge ¹). — Yena ²) erscheint mit kurzem a vor einer Länge 36 mal, vor einer Kürze 13 mal; dagegen mit â vor einer Länge 5 mal, vor einer Kürze 16 mal ³): so entsprechen auf beiden Seiten circa drei Viertel der Fälle die Regel.
c7.s2.26
¹ Unter Benfey's Beispielen sind zwei, wo tenâ no, drei wo tena no steht. In den beiden ersten Fällen folgt auf no ein Vocal; das nas ist also Kürze. In den drei letzten — ihnen sind die drei noch übrigen, von B. nicht erwähnten Fälle an die Seite zu stellen, wo sich tena no resp. naḥ findet: V, 62, 9; VII, 69, 5; VIII, 54, 5 — folgt jedesmal ein Consonant, so dass Positionslänge des nas entsteht. Schlagender als in der Vertheilung der Längen und Kürzen in diesen acht Fällen kann sich die wechselnde prosodische Geltung des »no« je nach dem folgenden Laut, sodann die Abhängigkeit des tena oder tenâ von der Quantität der folgenden Sylbe, und über das Alles die Güte der Ueberlieferung, in welcher diese Verhältnisse sich so deutlich erhalten haben, nicht bewähren.
c7.s2.27
² Benfey III, 31 fgg.; Lanman 332. 334. Lanman legt Gewicht darauf, ob auf das tenâ, yenâ eine Sylbe mit kurzem Vocal folgt. Ich sehe nicht, inwiefern die Quantität des Vocals ohne Berücksichtigung der Position hier in Betracht kommen kann.
c7.s2.28
³ Zu diesen 16 Fällen rechne ich auch I, 50, 6 yenâ pâvaka: ein Beleg dafür, dass das yenâ auf eine Zeit zurückgeht, wo die alte Messung pavâka noch lebendig war. Vergl. auch V, 22, 1 arcâ pâvakaṣocishe.
c7.s2.29
Es sei ferner noch auf die je zwei Fälle hingewiesen, welche sedha und hata, und auf die vier, welche vardha betreffen (Benfey III, 35. 39): sedhâ janânâm, aber sedha râjan; hatâ makham, aber hata vṛitram; vardhâ no’ am⁰, vardhâ samudram (zweimal), aber vardha ṣubhre. Endlich sei auf das in dem Ṭṛica IX, 97, 49-51 neunmal⁴) am Anfang des Pàda wiederholte abhi aufmerksam gemacht, bei welchem die Vertheilung der Längen und Kürzen die folgende ist: abhi vâyum, abhi mitrâvaruṇâ, abhi vastrâ, abhi dhenûḥ, abhi candrâ, abhi viṣvâ, abhi yena — dagegen andrerseits abhî naram, abhî no’ arsha: also siebenmal ist abhi geschrieben, und in eben diesen sieben Fällen folgt eine Länge; zweimal findet sich abhî, und beidemal folgt eine Kürze.
c7.s2.30
⁴ Die Stellen, an denen das i als y erscheint oder wo es mit einem folgenden i contrahirt geschrieben wird, fallen natürlich fort.
c7.s2.31.1
Man wird danach kein Bedenken tragen, die Regel als wenigstens im Ganzen gültig hinzustellen, dass die zur Verlängerung neigenden Vocale an zweiter Stelle des Pâda vor kurzer dritter Sylbe lang, vor langer Sylbe kurz erscheinen. Unsre metrischen Untersuchungen liefern hier den Schlüssel zum Verständniss der scheinbar so unregelmässigen Behandlung der Verlängerungen, und die auf diese Weise erreichte Verständlichkeit der letzteren bestätigt umgekehrt unsre metrischen Resultate. Sehr schwierig aber ist die Behandlung der Ausnahmen, die hier ausserordentlich viel zahlreicher sind, als im Versausgang. Die Möglichkeit, dass die Liedverfasser selbst hier weniger consequent zu Werke gegangen sind, wird nicht ganz abzuweisen sein; andrerseits kann es auch nicht befremden, wenn die den Diaskeuasten offenbar in ihrer Begründung nicht mehr verständliche Setzung der Quantitäten in der zweiten Sylbe im Laufe der Ueberlieferung weit härter gelitten hat, als in der sechsten oder achten Sylbe, deren Wesen so viel klarer war, und über welche auch noch der Verfasser des Prâtiśâkhya sich orientirt zeigt. Hier im Tone zweifelloser Gewissheit zu sprechen fühle ich nicht als möglich, aber ich kann doch die Auffassung nicht unterdrücken, dass mir eine Kritik, welche recht weitgehende Befugnisse in Bezug auf Beseitigung der Ausnahmen beansprucht, die Wahrscheinlichkeit eher für als gegen sich zu haben scheint.
c7.s2.31.2
Eine Gruppe von Fällen, welche der Regel constant oder annähernd constant entsprechen, beweist, meine ich, mehr für eine feste Praxis der Lieddichter, als selbst mehrere Gruppen, die der Norm nicht entsprechen, dagegen beweisen. Bei einem durchaus schwankenden Verfahren der Verfasser würden die Schwankungen überall ziemlich gleichmässig wiederkehren. Wie kommt es nun, dass beispielsweise die Imperative sedha und vardha der Regel entsprechend behandelt sind, während piba¹, bodha, ṣiksha, bhava überall oder fast überall, sogar eigenthümlicherweise vor einer Position, den Endvocal verlängern? Oder wenn bei kṛidhí nas und avǎ nas es schon die Liedverfasser selbst waren, die das Gesetz des Wechsels von Kürze und Länge vernachlässigt haben, wie kommt es, dass bei tenǎ nas dies Gesetz so streng befolgt wird, wie wir oben (S. 402 Anm. 1) zeigten? Man wird sich der Annahme zuneigen dürfen, dass, wo jene doch offenbar über den Horizont der Diaskeuasten weit hinausgehende Regelmässigkeit herrscht, die alte und echte Verstechnik der Ṛishis vor uns liegt, und dass andrerseits, wo völlig unter den gleichen Bedingungen jene Regelmässigkeit versagt, die Fehler und vielleicht noch in höherem Maasse die willkürlichen Ausgleichungsversuche der Diaskeuase eingegriffen haben. Wie diese Ausgleichungsversuche allem Anschein nach wirkten, davon können z. B. die Stellen, an welchen die Form ṣrudhí im Anfang des Pâda erscheint (Benfey III, 38) eine Vorstellung geben.
c7.s2.31.3
Mehrere Male ist, der Regel entsprechend, ṣrudhî havam überliefert; ferner, gleichfalls correct, ṣrudhî na’ indra und ṣrudhî no’ agne. Zwei Stellen blieben übrig, an welchen die Kürze gefordert war: ṣrudhi (überliefert ṣrudhî) no hotar und ṣrudhi (so überliefert) citrâmaghe. Offenbar abstrahirte nun die Diaskeuase aus den zuerst aufgeführten Stellen die Regel, die in der That als solche im Prâtiṣâkhya (471) aufgestellt wird, dass ṣrudhi vor naḥ langen Endvocal hat, und nach dieser Regel setzte man śrudhî no hotar. — Aehnlich formulirte man nach I, 25, 8. 9 vedâ ya’ upajâyate, vedâ ye’ adhyâsate¹ die sich auf den ersten Blick als unverständig verrathende Regel (Prâtiśâkhya 473), dass »bei Śunaśsepa« das Wort veda den Endvocal vor einem y verlängert: danach musste dann im Vers 7 die Lesung entstehen vedâ yo vînâm padam, während in einem ganz analogen Fall ausserhalb der Śunaśsepa-Lieder das Richtige unantastet erhalten ist: VI, 51, 2 veda yas trîni vidathâny eshâm. Aus Beobachtungen wie diesen werden wir die Zuversicht schöpfen dürfen, auch wo die Ueberlieferung sich noch weiter als hier von der Regel entfernt — man vergleiche z. B. Benfey’s Sammlungen über avâ, bhavâ, bodhâ, ṣikshâ² —, für den echten Text die Herrschaft oder doch die annähernde Herrschaft jener Regel vorauszusetzen, die an vielen Stellen in so unverkennbarer Klarheit am Tage liegt.
c7.s2.32
¹ Die Behandlung von piba (Benfey III, 19 fg.) entspricht nur insofern der Regel, als vor einer Kürze immer pibâ steht und in den drei Fällen, wo piba überliefert ist, eine Länge folgt. Aber recht oft steht vor einer Länge auch pibâ.
c7.s2.33
¹ Richtige Schreibungen, denen ebenso richtig gegenübersteht veda nâvaḥ, veda mâsaḥ, veda vâtasya.
c7.s2.34
² Bei bhavâ, bodhâ, ṣikshâ findet sich, wenn der Schlussvocal auf die zweite Stelle der Reihe fällt, die Verlängerung stets (Benfey s. v.), auch vor Position, worin sich die künstliche, auf Rechnung der Diaskeuase zu setzende Durchführung einer nicht richtig begrenzten Regel deutlich verräth.
c7.s2.35
Schreiten wir nun von der zweiten Sylbe des Pâda zur dritten und vierten fort, so nehmen die Schwierigkeiten und Unsicherheiten vielleicht noch zu. In Bezug auf die dritte Sylbe³ steht fest, dass sie an und für sich weder zur Länge noch zur Kürze eine überwiegende Neigung hat. Aber wenn die zweite, und im achtsylbigen Pâda auch wenn die vierte Sylbe entgegen der vorherrschenden Praxis eine Kürze ist, so giebt die Technik der vedischen Dichter einer langen dritten den Vorzug¹). Von diesem Standpunct aus motivirt sich der grösste Theil der an dritter Stelle begegnenden Verlängerungen, welche wieder, indem sie sich wenigstens im Grossen und Ganzen einem verständlichen, aber bei den Indern offenbar früh in Vergessenheit gerathenen Gesetz fügen, ein günstiges Licht auf den Werth der Ueberlieferung werfen. Als Beispiele für verlängerte dritte neben kurzer zweiter Sylbe seien die folgenden angeführt²):
c7.s2.36
³ Dass in den Verlängerungen der dritten Sylbe »schwerlich ein metrischer Einfluss wirksam sein konnte«, ist ein unbewiesener Satz Benfey’s (Quant. IV, 1, 32), den die genauere Beobachtung des Eintretens der Verlängerungen und die fortschreitende Erkenntniss der Metrik widerlegt.
c7.s2.37
¹ Ueber den Einfluss der kurzen zweiten resp. vierten auf die Behandlung der dritten Sylbe ist oben S. 16. 18. 52 A. 1. 53. 55 gesprochen worden.
c7.s2.38
² Zu einer vollständigen Uebersicht der in Betracht kommenden Materialien verhelfen am bequemsten die allerdings nach den Worten, nicht nach den Stellen der Versmaasse geordneten Sammlungen Benfey's (4. Abh.).
c7.s2.39
IX, 97, 36 vardhayâ vâcaṃ janayâ puraṃdhim VIII, 47, 1 rakshathâ nem aghaṃ naṣat VI, 46, 9 yâvayâ didyum ebhyaḥ I, 174, 9 (= VI, 20, 12) pârayâ Turvaṣaṃ Yaduṃ svasti I, 166, 8 pâthanâ ṣaṃsât tanayasya puṣṭiṣu.
c7.s2.40
Die verlängerte dritte steht neben kurzer vierter Sylbe z. B. an folgenden Stellen:
c7.s2.41
VIII, 13, 25 vardhasvâ su puruṣṭuta³) VIII, 18, 11 yuyotâ ṣarum asmad â VIII, 45, 20 rarabhmâ ṣavasas pate I, 48, 1 (= V, 79, 3. 9) vy ucchâ duhitar divaḥ VII, 102, 3 juhotâ madhumattamam III, 40, 5 dadhishvâ jaṭhare sutam.
c7.s2.42
³ Dagegen ganz richtig V, 44, 5 yardhasva patnîr abhi jîvo' adhvare.
c7.s2.43
Ganz selten sind im Gegensatz zu den achtsylbigen solche Fälle bei den elf- und zwölfsylbigen Pâdas; dies entspricht durchaus den metrischen Verhältnissen. Die Ueberlieferung an den betreffenden Stellen wird für verdächtig gehalten werden müssen. So findet sich
c7.s2.44
I, 169, 4 tvaṃ tû na’ indra taṃ rayiṃ dâḥ VII, 37, 5 vavanmâ nu te yujyâbhir ûtî.
c7.s2.45
. Die regelmässige, mit der Metrik im Einklang befindliche Behandlung solcher Stellen lässt die Kürze bestehen.
c7.s2.46
Verhältnismässig häufig trifft bei verlängerter dritter Sylbe die Kürze an zweiter mit der an vierter Stelle zusammen, z. B.:
c7.s2.47
I, 29, 7 jambhayâ kṛikadâṣvam VIII, 45, 35 bibhayâ hi tvâvataḥ VI, 16, 41 bharatâ vasuvittamam V, 79, 8 â vahâ duhitar divaḥ II, 41, 13 śṛiṇutâ ma’ imaṃ havam.
c7.s2.48
Von Ausnahmen sind diejenigen Fälle recht selten, welche eine kurze zweite neben verlängerungsfähiger, aber unverlängerter dritter Sylbe aufweisen, wie
c7.s2.49
V, 55, 9 mṛiḷata no maruto mâ vadhishṭana VII, 57, 6 jigṛita râyaḥ sûṇṛitâ maghâni.
c7.s2.50
Es ist nicht abzusehen, warum die vedischen Dichter, um das Zusammentreffen der beiden Kürzen an zweiter und dritter Stelle zu vermeiden, sich nicht der Verlängerung der dritten Sylbe, wo sich dieselbe darbot, ebenso constant bedient haben sollen, wie sie es bei der zweiten gethan zu haben scheinen; die wenigen dem entgegenstehenden Stellen wie die eben angeführten scheinen mir daher verderbt zu sein.
c7.s2.51
Häufiger sind die Ausnahmen, bei welchen im achtsylbigen Pâda eine kurze dritte und vierte sich findet; ebenso diejenigen, bei welchen die dritte verlängert ist, obgleich sie zwischen zwei langen Sylben steht:
c7.s2.52
I, 26, 5 mandasva sakhyasya ca VIII, 20, 20 vandasva maruto' aha IX, 42, 6 pavasva bṛhatīr ishaḥ IX, 59, 2 pavasva dhishaṇâbhyaḥ.
c7.s2.53
VII, 32, 8 sunotâ somapâvne VIII, 20, 1 â gantâ mâ rishaṇyata IX, 104, 3 punâtâ dakshasâdhanam, etc.
c7.s2.54
Die Fälle der letzten Gruppe sehen besonders verdächtig aus; wenn wir Grund fanden, die unmotivirten Verlängerungen der zweiten Sylbe, welche doch an sich die Länge bevorzugt, für zweifelhaft anzusehen, so wird dasselbe um so viel mehr von der prosodisch indifferenten dritten gelten¹). Ueber die erste Gruppe der hier zusammengestellten Fälle scheint die Spärlichkeit der Materialien ein sicheres Urtheil kaum zu erlauben. —
c7.s2.55
¹ Auch hier ist es leicht verständlich, dass die Ueberlieferung z. B. in VIII, 71, 7 giebt urushyâ ṇo mâ parâ dâḥ, verleitet durch die berechtigten Verlängerungen I, 91, 15 urushyâ ṇo' abhiṣasteḥ, V, 24, 3, X, 7, 1. — Besonders stark sind die Verschiebungen, welche das mir als ursprünglich erscheinende Verhältniss bei smã erlitten hat (Benfey IV, 3, 26 fg.); siehe unten S. 412.
c7.s2.56
Die vierte Sylbe des Pâda bevorzugt an sich, wie die Metrik zeigt, die Länge, theilweise abgesehen nur von dem Fall, dass auf sie die Cäsur der Trishṭubh oder Jagatî folgt. Aber die Erscheinung steht fest, in der Ueberlieferung allzu stark ausgeprägt, als dass eine vorsichtige Kritik sie beseitigen dürfte, dass Verlängerungen der vierten nur einen Bruchtheil der Häufigkeit besitzen, welche bei der zweiten Sylbe auftritt; auch Vocale, die an sich der Verlängerung stark zuneigen, bleiben an der vierten Stelle meistens kurz. Wir werden uns, um dies zu verstehen, vergegenwärtigen müssen, dass die Verlängerungen der zweiten Sylbe sich nicht schlechthin aus der Tendenz erklären, eine Länge an zweiter Stelle zu schaffen, sondern vielmehr die Aufeinanderfolge zweier Kürzen in den Sylben II und III zu vermeiden. Von einer ähnlichen Tendenz in Bezug auf die Sylben III und IV kann aber höchstens beim achtsylbigen Pāda die Rede sein, und auch hier ist, wie unsre metrischen Zählungen zeigen, diese Tendenz kaum so ausgesprochen, wie bei den Sylben II und III. Immerhin, wie wir zur Vermeidung der Füsse ◡◡◡ häufige Verlängerungen der dritten fanden (S. 406), lässt es sich auch erwarten, dass im gleichen Fall da wo eine verlängerungsfähige vierte sich darbot, die metrische Praxis sich der Verlängerung auch dieser Sylbe zugeneigt haben wird. Fälle derart sind in der That eine bevorzugte und wohl auch von Seiten der Textkritik die gesicherteste Heimath der verlängerten vierten Sylben, so z. B.
c7.s2.57
V, 35, 8 ratham avâ puraṃdhyâ I, 38, 13 achâ vadâ tanâ girâ I, 13, 11 ava śrijâ vanaspate IX, 46, 4 â dhâvatâ suhastyaḥ.
c7.s2.58
Verlängerungen an derselben Stelle bei langer dritter (z. B. III, 9, 8; 41, 6; V, 28, 6) sind zwar im überlieferten Text nicht seltener, vielleicht sogar häufiger als diejenigen bei kurzer dritter, aber sie erweisen sich doch als ausserordentlich selten, wenn man sie im Vergleich mit den zahllosen Fällen betrachtet, in welchen nach langer dritter eine verlängerungsfähige vierte unverlängert geblieben ist; so dürfen wir kein Bedenken tragen, jene Gruppe von Fällen als textkritisch zweifelhaft zu bezeichnen.
c7.s2.59
Beim achtsylbigen und zwölfsylbigen Pāda, wo wir bei kurzer dritter Verlängerungen der zweiten als regelmässig zu constatiren hatten, sind Verlängerungen der vierten unter der gleichen Bedingung aus naheliegenden metrischen Gründen nicht zu erwarten. Ueberblickt man die überlieferten Fälle der verlängerten vierten, welche sich aus Benfey’s Zusammenstellungen ausziehen lassen, so findet man in der That die Tradition in Bezug auf diese Verschiedenheit der Gâyatrî-reihe einerseits, der Trishṭubh-Jagatîreihe andrerseits¹ im Ganzen wenigstens in recht bemerkenswerthem Einklange mit dem, was die metrische Theorie erwarten lässt. Die sehr grosse Mehrzahl unter den Fällen der Verlängerungen betrifft achtsylbige Pâdas. Wir exemplificiren an ein paar einzelnen Worten. Piba findet sich so dass sein a die vierte Stelle einnimmt, zwölfmal: zweimal in der kürzeren, zehnmal in der längeren Reihe. Unter jenen zwei Fällen hat die Ueberlieferung einen Fall der Verlängerung agram pibâ madhûnâm (IV, 46, 1), während unter den zehn gegenüberstehenden sich kein einziger findet. — Śrija steht dreimal so, dass sein a auf die vierte Stelle fällt. Einmal ist das a verlängert: in einem achtsylbigen Pâda (I, 13, 11); zweimal ist es kurz: beidemal in elfsylbigen Pâdas (I, 31, 18; X, 16, 5). — Yadi mit dem i an vierter Stelle des Pâda erscheint 13 mal. In sämmtlichen drei Fällen achtsylbiger Pâdas ist das i verlängert (V, 74, 5; IX, 14, 2; X, 22, 10); dagegen in acht von den zehn, welche auf elf- oder zwölfsylbige Pâdas fallen, ist es kurz (I, 56, 4; III, 31, 13; IV, 21, 6; 26, 5; 27, 3; V, 48, 4; IX, 86, 46; X, 61, 25), lang nur III, 31, 6; IX, 97, 22, an welchen Stellen wir demnach geneigt sein werden die so leicht begreifliche Verwirrung der beiden Formen yadi und yadî in der Ueberlieferung resp. Diaskeuase anzunehmen. So müssen wir denn, meine ich, überhaupt gegen Verlängerungen der vierten Sylbe von Trishṭubh und Jagatî misstrauisch sein, wenigstens dann wenn zur Motivirung derselben nichts als eine kurze dritte sich darbietet. Anders freilich scheint die Sache da zu stehen, wo sich die fünfte Sylbe zur Erklärung einer Verlängerung der vierten heranziehen lässt. Wir zeigten oben (S. 54), mit welcher Energie die metrische Praxis, wenn die Cäsur hinter der fünften steht, als Compensation für kurze vierte eine Länge an der fünften Stelle fordert. Hiernach muss es als sehr glaublich erscheinen, dass man bei der bezeichneten Stellung der Cäsur, um die Combination ◡◡ für die Sylben IV und V zu vermeiden, zu Verlängerungen der vierten gegriffen hat. Die Materialien, welche die Tradition giebt, scheinen auch hier wieder in erfreulicher Weise in der gleichen Richtung mit dem zu liegen, was die Metrik uns a priori erwarten lässt. Unter den wenigen Fällen der verlängerten vierten mit der auf die fünfte folgenden Cäsur ist verhältnismässig auffallend häufig die Combination vertreten, dass die Sylben IV und V ohne die Verlängerung den verpönten Pyrrhichius bilden würden. So finden wir:
c7.s2.60
¹ Vergl. I, 134, 3, wo es dicht hinter einander heisst pra bodhayâ und pra cakshaya: ersteres ist der Eingang einer Gâyatrî-, letzteres der einer Jagatîreihe.
c7.s2.61
I, 139, 1 adha pra sû na' upa yantu dhîtayaḥ
VI, 23, 8 sa mandasvâ hy anu josham ugra
VII, 21, 9 vanvantu smâ te 'vasâ samîke
VIII, 13, 20 mano yatrâ vi tad dadhur vicetasaḥ.
c7.s2.62
Es wird zur Bestätigung unsrer Auffassung dieser Stellen dienen, dass auch die Verlängerungen der fünften Sylbe auf dasselbe Bestreben hindeuten, für die Sylben IV, V die Combination ◡◡ mit darauf folgender Cäsur zu vermeiden. Doch bevor wir uns zur Erörterung der fünften Sylbe wenden, sei es uns gestattet, noch an einem besonders hervortretenden, ungewöhnlich reiche Materialien darbietenden Fall die Verschiebungen, welche durch die Diaskeuase in die von uns dargelegten Verhältnisse der vierten Sylbe hineingetragen worden sind, etwas eingehender aufzuweisen: an dem Fall der Partikel sma (Benfey IV, 3, 26-29). Die Behandlung derselben an vierter Stelle hängt aber so eng mit dem Verfahren zusammen, welches die Diaskeuasten an den andern Stellen des Verses in Bezug auf dieses Wort beobachtet haben, dass es unvermeidlich ist, die Frage im Ganzen in Betracht zu ziehen; irre ich nicht, so treffen wir hier auf einen Hauptsitz der Diaskeuastenwillkür, welchen etwas eingehender kennen zu lernen wohl der Mühe werth ist.
c7.s2.63
Die Verlängerungen von sma an der zweiten Stelle zunächst entsprechen im Ganzen der oben entwickelten Regel von dem Wechsel der Quantitäten in den Sylben II und III. So finden wir zweimal â smâ ratham, ferner tam smâ ratham, ye smâ purâ, sa smâ kṛiṇoti, pra smâ minâti, na smâ varante; dagegen auf der andern Seite ni shṇa mâvate, pra sma vâjeshu, triḥ sma mâhnaḥ, ut sma vâtaḥ. Gegenüber diesen elf regelmässigen Fällen haben wir nur zwei Ausnahmen mit der Verlängerung an zweiter Stelle vor langer dritter: yam smâ pṛicchanti (II, 12, 5), â smâ kâmam (VIII, 24, 6). Wir werden auf die erste derselben noch zurückkommen und wenden uns jetzt zu sma in der dritten Sylbe.
c7.s2.64
Da hier wegen des positionsbildenden Anlauts von sma die zweite Sylbe stets lang ist, haben wir nur die vierte zu beachten. Hier finden wir nun bei den Gâyatrîreihen die Regel der wechselnden Quantitäten wenigstens insofern bewährt, als eine kurze vierte stets smâ vor sich hat (4 Fälle), auf sma dagegen (15 Fälle; einzige Ausnahme I, 12, 5) eine Länge folgt. Aber als Ausnahmen stehen nicht wenige (9) Fälle gegenüber mit smà und folgender Länge. In fünf von diesen 9 Fällen geht hi (oder nahi) dem smâ voran, in zweien adha; die später zu betrachtenden Gruppen von Fällen werden uns in der Vermuthung bestärken, dass in der That eben zwischen diesen Worten und der Verlängerung des sma ein Zusammenhang besteht. Lässt sich nun denken, dass im wirklichen Gebrauch der vedischen Dichter hinter adha und hi dem sma eine andre Behandlung zugekommen sein sollte als hinter irgend welchen andern Worten? Mir scheint es evident, dass wir es hier mit einer Regel zu thun haben, welche in ihrer willkürlichen Verknüpfung von Bedingung und Folge den Stempel derselben Werkstätten an sich trägt, aus denen beispielsweise auch die oben (S. 391) von uns beleuchteten Erfindungen über den Abhinihita Sandhi bei -ayo, -aye etc. stammen ¹).
c7.s2.65
¹ Stellen, bei denen die Verlängerung hinter hi der Regel entspricht und die den Ausgangspunct für die Behandlung der übrigen gegeben haben können, sind VIII, 21, 10; 25, 15; IX, 20, 2. — Die Kürze von sma hat sich nur einmal hinter adha (V, 9, 5; dazu ein zweiter Fall aus einem elfsylbigen Pâda VII, 8, 2), einmal hinter nahi (VIII, 7, 21) erhalten.
c7.s2.66
In Triṣṭubh- und Jagatīreihen hat sich die zu erwartende Kürze der dritten Sylbe nur 6 mal bewahrt, die Länge ist an 13 Stellen eingedrungen: unter diesen sind aber neun mit vorangehendem adha, eine mit vorangehendem hi, so dass auch hier die Spur der willkürlichen Ueberarbeitung klar zu liegen scheint.
c7.s2.67
Wenden wir uns nun zu sma als vierter Sylbe. Wir haben hier im Ganzen 20 Stellen. Diese ordnen sich nach folgenden Gruppen:
c7.s2.68
1) drei Stellen mit der zu erwartenden Kürze: VII, 32, 15; X, 33, 1; 86, 10 (nicht nach hi oder adha).
c7.s2.69
2) Eine Stelle mit der zu erwartenden Verlängerung wegen Kürze der fünften (s. oben S. 411): VII, 21, 9.
c7.s2.70
3) Elf Stellen mit hi shmâ.
c7.s2.71
4) Fünf Stellen mit smâ nach einem andern Wort als hi: I, 102, 5; IV, 38, 8; V, 53, 5; X, 102, 6; 136, 7.
c7.s2.72
Es erklären sich mithin zwei Drittel der Stellen, welche smâ an vierter Stelle zeigen (die Fälle unter 2 und 3), sobald man die von uns angenommene Diaskeuastenregel über das Eintreten von smâ hinter hi voraussetzt. Von den betreffenden Fällen verdient III, 30, 4 hervorgehoben zu werden, wo die Diaskeuasten ihrem hi shmâ zu Liebe sogar das sonst nahezu unverbrüchlich festgehaltene Gesetz verletzt haben, welches die Cumulation von Verlängerung und Position ausschliesst: wie wir ähnlich finden werden, dass sie smâ hinter hi auch am Pâdaende, wo die Verlängerung nicht minder ungebräuchlich ist, zu setzen kein Bedenken trugen.
c7.s2.73
Von den fünf unter Nr. 4 aufgeführten Fällen der Verlängerung (smâ nach andern Worten als hi) lassen, wie ich meine, wenigstens zwei eine specielle Erklärung zu:
c7.s2.74
I, 102, 5 asmâkam smâ ratham â tiṣṭha sâtaye V, 53, 5 yuṣmâkam smâ rathâñ anu.
c7.s2.75
Es scheint, dass die Diaskeuasten — veranlasst vermuthlich durch I, 51, 12; 102, 3; X, 29, 8 — annahmen, dass sma vor dem Worte ratha seinen Vocal verlängert.
c7.s2.76
Es bleiben nur noch wenige Bemerkungen über sma an der fünften Stelle und am Pâdaende hinzuzufügen. Wir werden sehen, dass im Allgemeinen an der fünften Stelle kein Anlass ist Verlängerungen zu erwarten, und dass sie sich auch im überlieferten Text dort nur in verschwindender Seltenheit finden. Aber eben bei sma liegt nach Benfey’s Sammlungen die Verlängerung in allen sechs Fällen vor, in denen das Wort an der fünften Stelle erscheint. Wie dies Factum zu beurtheilen ist, wird sofort klar, wenn man beachtet, dass ausser in einem Fall stets hi vorangeht. Jener Fall ist:
c7.s2.77
I, 129, 2 sa śrudhi yaḥ smâ pṛtanâsu kâsu cit.
c7.s2.78
Vielleicht ist es hier das Relativum, welches den Diaskeuasten Anlass zur Verlängerung gegeben hat: denn alle übrigen Stellen, an welchen dies Pronomen dem sma vorangeht, zeigen die Verlängerung (I, 169, 5; II, 12, 5 ¹); III, 62, 1).
c7.s2.79
¹ Hier findet möglicherweise diese oben (S. 412) als Ausnahme angeführte Stelle ihre Erklärung.
c7.s2.80
. Es bleibt übrig, mit der Verlängerung am Ende eines fünfsylbigen Pâda:
c7.s2.81
IV, 10, 7 kṛtam cid dhi shmâ —
c7.s2.82
ein Zeichen, wie weit die Diaskeuasten sich durch ihre Regel von dem smâ hinter hi haben führen lassen, und ein Beleg mehr zu anderen Belegen — wir werden dieselben im Folgenden kennen lernen — dafür, dass auch am Pâdaende die Längen und Kürzen durch die am falschen Orte angebrachten Besserungsversuche der Ueberlieferer berührt worden sind.
c7.s2.83
So giebt die Behandlung des sma eine deutliche Anschauung von der durchgeführten Willkür, mit welcher die Diaskeuasten in manchen Puncten den Text behandelt haben: in manchen Puncten, denn nicht sehr viele Erscheinungen im Vedatext luden sie so nachdrücklich zur Vergleichung und Ausgleichung des Verschiedenen oder verschieden Scheinenden ein und boten ihrer verfehlten und dabei doch nur halben Consequenzmacherei ein so reichliches Material dar, wie das Auftreten von sma und smâ. Auch hier wie beim Abhinihita Sandhi sehen wir ihre Thätigkeit überwiegend in der Richtung verlaufen, dass unter ihrer Hand das Ausnahmsweise — dort der ekîbhâva der beiden Vocale, hier die Verlängerung — dem Regelmässigen gegenüber das Terrain, welches ihm zukommt, nahezu durchweg behauptet, aber sich ausserdem Terrain, welches ihm nicht zukommt, in weiter Ausdehnung aneignet¹). Gelingt es die falschen Analogien, auf welchen diese Ausbreitung beruht, aufzudecken²) und die auf diesem Wege entstandenen Textinterpolation en rückgängig zu machen, so zeigt sich als die Basis, welche der Textbehandlung der Diaskeuasten zu Grunde liegt, eine Tradition, die das Richtige, vor unsrer Forschung sich Rechtfertigende meist in geradezu erstaunlicher Weise festgehalten hat.
c7.s2.84
¹ Dass die Verschiebungen überwiegend in dieser einen Richtung verlaufen sind, ist sehr natürlich. Die Textordner gingen erklärlicherweise von dem Ausnahmsweisen als etwas Gegebenem aus, mit dem sie sich auseinanderzusetzen hatten. Indem sie die Bedingungen aufsuchten, unter denen Jenes steht, fanden sie vielfach das, was sie für diese Bedingungen hielten, verwirklicht, ohne dass doch die betreffende Erscheinung eintrat: dann corrigirten sie dieselbe in den Text hinein. Wäre ihre Fragestellung die gewesen, wann das Regelmässige und nicht die Ausnahme eintritt, würden sich ihre Interpolationen natürlich in umgekehrter Richtung bewegt haben.
c7.s2.85
² Es ist characteristisch, dass hier und überall sich vorzugsweise bei den häufigeren Worten, die zum Vergleichen zahlreicher Stellen und zu irrigen Schlussfolgerungen besondern Anlass gaben, die Verschiebungen des Regelmässigen finden.
c7.s2.86
Aber wir kehren von dieser Abschweifung, die durch die Behandlung des sma veranlasst war, zu unsrer Hauptuntersuchung zurück. Wir haben uns mit den überaus spärlichen Fällen zu beschäftigen, in welchen die Verlängerung auf die fünfte Sylbe der Triṣṭubh- oder Jagatīreihe fällt³). Im Ganzen muss die Tendenz zu metrischer Verlängerung an dieser Stelle als ausgeschlossen angesehen werden; nur den bereits berührten speciellen Fall möchte ich ausnehmen, dass — was bekanntlich recht selten eintritt — in einem Pâda, der die Cäsur hinter der fünften hat, die vierte Sylbe kurz ist, wo dann die Neigung obwaltete, das der vierten entzogene Gewicht durch eine lange fünfte zu compensiren. In der That erscheint unter den wenigen überlieferten Beispielen einer verlängerten fünften jener an sich so seltene Fall der kurzen vierten verbunden mit der hinter der fünften folgenden Cäsur drei oder viermal, d. h. in Anbetracht der geringen Gesammtzahl jener Stellen unverhältnismässig häufig: I, 87, 2 ghṛitam ukṣatâ madhuvarṇam arcate I, 166, 8 pûrbhî rakṣatâ maruto yam âvata V, 55, 5 ud îrayathâ marutaḥ samudrataḥ. Wahrscheinlich gehört auch hierher IX, 103, 1 bhṛitiṃ na bharâ matibhir jujoṣate ¹).
c7.s2.87
³ Nicht der Gâyatrî natürlich, da bei dieser das Metrum die Länge an fünfter Stelle ausschliesst. Im Ṛigveda findet sich in der That, so viel ich sehe, eine Verlängerung an jener Stelle nur einmal, V, 70, 4 yaksham bhujemâ tanûbhiḥ: dies ist aber eine Gâyatrî-Reihe mit trochäischem Ausgang. Vergl. noch Benfey Quantitätsversch. IV, 1, 15 s. v. iva. — In einer Gâyatrî-Reihe dieser Art ist auch eine Verlängerung der siebenten Sylbe zu verzeichnen: anâbhayin rarimâ te VIII, 2, 1.
c7.s2.88
¹ Für Beispiele, in welchen diese Verlängerung im überlieferten Text unterblieben ist, fehlen mir Sammlungen; doch kann ich zwei Stellen mit yadi anführen: I, 178, 8; X, 115, 1.
c7.s2.89
Die übrigen Fälle der Verlängerung in der fünften Sylbe werden als zweifelhaft zu betrachten sein. Da das Metrum an dieser Stelle zwar die Länge nicht begünstigte, aber sie doch auch nicht derartig ausschloss, dass Kürzen dadurch gegen Corruptel geschützt gewesen wären, lässt es sich von vorn herein nicht anders erwarten, als dass die Verwirrung, von welcher die Tradition in der Behandlung der Verlängerungen nicht frei ist, gelegentlich auch an dieser Stelle erscheinen muss. Mehr aber als dies ergeben die vorliegenden Belege wohl kaum. Den Fall, für welchen dieselben am häufigsten auftreten, denjenigen der Partikel sma, haben wir schon erörtert und die speciellen Bedenken, welche dort gegen die Tradition obwalten, dargelegt. Mit der nächst grossen Zahl von Fällen folgt adyâ (Benfey IV, 1, 11): I, 34, 1 triṣ cin no’ adyâ bhavatam navedasâ
c7.s2.90
II, 29, 6 arvâñco’ adyâ bhavatâ yajatrâḥ VI, 18, 13 pra tat te’ adyâ karaṇaṃ kṛtam bhût¹).
c7.s2.91
¹ Aber ohne Verlängerung VII, 100, 5 pra tat te’ adya ṣipivishṭa nâma.
c7.s2.92
Man wird diesen Stellen kein erhebliches Gewicht beimessen, wenn man die überwiegende Zahl (36) der Gegenbeispiele berücksichtigt, in denen adya vor der Cäsur kurzen Endvocal an fünfter Stelle aufweist: jene abweichenden Stellen erklären sich offenbar aus der Verwirrung, welche das Nebeneinanderstehen von adya und ziemlich häufigem adyâ an andern Stellen der Versmaasse leicht hervorbringen konnte²).
c7.s2.93
² Man beachte, dass an zweien der drei Stellen bhavatam resp. bhavatâ auf das adyâ folgt, während unter den 36 Gegenbeispielen nirgends diese oder verwandte Worte folgen. Für die dritte Stelle — adyâ karaṇam — liegt der Anlass der Verlängerung möglicherweise in I, 13, 2 adyâ kṛṇuhi vîtaye; X, 35, 2 bhadraṃ somaḥ suvâno’ adyâ kṛṇotu naḥ; vergl. aber X, 45, 9.
c7.s2.94
Es bleiben nur noch wenige zerstreute Fälle der verlängerten fünften Sylbe übrig:
c7.s2.95
I, 40, 6 tam id vocemâ vidatheshu ṣambhuvam
I, 61, 14 dyâvâ ca bhûmâ janushas tujete
I, 89, 9 yatrâ naṣ cakrâ jarasaṃ tanûnâm
IV, 36, 7 dhîrâso hi ṣṭhâ kavayo vipaścitaḥ
VIII, 1, 1 indram it stotâ vṛshaṇaṃ sacâ sute³).
c7.s2.96
³ Ich rechne nicht hierher die Stellen, welche Absolutivformen auf -yâ enthalten (Benfey IV, 3, 34); bei diesen Formen hat sich, wie Benfey gezeigt hat, die Länge überhaupt in viel weiterem Umfang gehalten, als dass dieselben mit den übrigen »Verlängerungen« auf eine Linie gestellt werden könnten.
c7.s2.97
Dass zwischen bhûmâ und bhûma in der Ueberlieferung Verwirrung eingetreten ist⁴), wird Niemanden Wunder nehmen; findet sich bhûmâ für ein zu erwartendes bhûma doch sogar am Pâdaende I, 173, 6. Auch die übrigen Stellen werden schwerlich hinreichen, um den gegen die Ueberlieferung bestehenden Verdacht zu entkräften. —
c7.s2.98
⁴ Vielleicht wirkte auch das vorangehende dyâvâ mit um bhûmâ hervorzurufen. — Vergl. noch Lanman 531.
c7.s2.99
Die letzte Stelle im Innern des Pâda, welche bei der Untersuchung der Verlängerungen in Betracht kommt, ist die siebente solcher Triṣṭubh- und Jagatīreihen, die ihre Cäsur nach der vierten haben. Die Metrik weist die vorherrschende Geltung der Länge an dieser Stelle nach; dieselbe überwiegt die Kürze an Häufigkeit um das drei- bis vierfache. Dem entsprechend liegen im überlieferten Text Verlängerungen der betreffenden Sylbe verhältnismässig reichlich vor, reichlich genug jedenfalls, um Zweifel an der in Rede stehenden Erscheinung, welcher ja auch eine gewisse innere Begreiflichkeit zukommt, zu entfernen. Weiter allerdings als um das gelegentliche Auftreten der Verlängerung zu bewirken, hat die Bevorzugung — die eben nur eine Bevorzugung ist — der Länge an jener Stelle nicht gereicht; das Ueberwiegende ist doch das Ausbleiben der Verlängerung. So finden wir beispielsweise bharatā mit der Verlängerung I, 136, 1; II, 14, 6. 7; ohne dieselbe II, 14, 2; 37, 1; III, 52, 8; V, 43, 3; VIII, 100, 3; X, 100, 2. Eine Regel kann ich hier nicht entdecken und bezweifle, dass sie vorhanden ist; eine Vertheilung der beiden Formen nach den verschiedenen Bestandtheilen des Ṛigveda wird ebensowenig anzunehmen sein. Offenbar haben wir hier das Gebiet der individuellen Willkür erreicht. Dass, was diese hervorgebracht, auch von den Einflüssen der Ueberlieferung nicht unangetastet geblieben sein wird, dürfen wir nach allen sonstigen Erfahrungen nicht bezweifeln¹). Aber es fehlt uns an jedem Anhaltspunct für den Versuch, eine zutreffendere Ordnung oder Unordnung, als die Ueber-
c7.s2.100
¹): So scheint z. B. die auffallend grosse Ausdehnung, in welcher die Verlängerungen bei der Form cakṛimâ auftreten (Benfey IV, 2, 7 fg.), nicht unverdächtig. Darin dass gerade bei dieser Form die Länge sich auch in Position findet, verräth sich gewiss die Hand der Diaskeuasten, die offenbar eben hier besonders energisch die Verlängerungen protegirt haben.
c7.s2.101
lieferung sie bietet, in diese glücklicherweise belanglosen Minutien zu bringen.
c7.s2.102
Unsre letzte Aufgabe in diesem Zusammenhang ist die, den Schluss des Pâda in Bezug auf die Verlängerungen zu untersuchen. Es ist als das der metrischen Natur des Pâdaausgangs Entsprechende a priori zu erwarten, und die erdrückende Ueberzahl der Beispiele bestätigt es, dass an jener Stelle die Verlängerungen nicht einzutreten haben. Die spärlichen Fälle, in welchen der überlieferte Text Ausnahmen zeigt, bieten grösstentheils specielle Anhaltspuncte, die auf missverständliche Annahmen der Diaskeuase schliessen lassen.
c7.s2.103
Hierher gehört vor Allem eine Reihe von Fällen, in welchen die Ueberlieferer das Vorliegen des Pâdaschlusses verkannt und so den Text nach Gesetzen umgestaltet haben, die einen andern als den wirklich vorliegenden metrischen Bau voraussetzen. Vornehmlich kommt hier die Ushṇih aus drei achtsylbigen und einem viersylbigen Pâda sowie ähnliche den viersylbigen Pâda enthaltende Combinationen in Betracht. Den späteren Autoritäten mit ihrer oberflächlichen, fast nur auf Sylbenzählung beruhenden Betrachtungsweise lag es hier nah, einen zwölfsylbigen Pâda anzunehmen, wo vielmehr ein achtsylbiger und ein viersylbiger da war, so dass ein Pâdaende von ihnen übersehen wurde. In der That ist die dem Theilpunct der Pâdas vorangehende Sylbe, wie bei der Schlusssylbe eines Gâyatrî-Pâda zu erwarten ist, sehr häufig eine Kürze; in keiner Hinsicht rechtfertigt sich die Annahme, dass Verlängerungen an dieser Stelle in Wahrheit eingetreten sein sollten. Aber man könnte geradezu a priori dessen gewiss sein, dass bei den Diaskeuasten die Tendenz obgewaltet haben wird, dort Längen zu schaffen, denn für sie handelte es sich hier eben um die achte Sylbe eines zwölfsylbigen Pâda. So lesen wir in der That V, 24, 1 uta trâtâ ṣivo bhavâ varûthyaḥ. Aehnlich VIII, 12, 2 âvithâ; 12, 17 raṇâ, 12, 22 anûshatâ, 13, 5 â bharâ, u. A. m.
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