Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s2: II. Der elfsylbige und zwölfsylbige Pàda. Die Metra Triṣṭubh und Jagatî
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s2
- Language
- German
Contents
- c4.s2.t1 A. Cäsur nach der vierten Sylbe — 2 parts
- c4.s2.t2 B. Cäsur nach der fünften Sylbe — 60 parts
- c4.s2.t3 Trishtubh- und Jagatî-Verse von mehr oder weniger als vier Pâdas — 6 parts
- c4.s2.t4 Ueberzählige und unterzählige Trishṭubh- und Jagatî-Reihen — 166 parts
- c4.s2.t5 Abarten der Triṣṭubh- und Jagatî-Reihe — 43 parts
II. Der elfsylbige und zwölfsylbige Pàda. Die Metra Triṣṭubh und Jagatî
c4.s2.1
Der elfsylbige und zwölfsylbige Pàda.
c4.s2.3
¹ Vergl. die ausführliche Untersuchung von Kühnau, die oben S. 2 Anm. 1 citirt ist, und meine Besprechung derselben, Deutsche Litt.-Z. 1887, Sp. 196, sowie Kühnau's Entgegnung, Rhythmus und indische Metrik (Gött. 1887).
c4.s2.4
Die zwölfsylbige Verszeile unterscheidet sich von der elfsylbigen nur dadurch, dass sie eine Sylbe am Schluss mehr hat; statt der syllaba anceps, auf welche die letztere Zeile ausgeht, zeigt die erstere die Sylben ◡⁔. Im Uebrigen stimmen die vergleichsweise complicirten Verhältnisse der beiden Metra so durchaus überein, dass sie eine gemeinsame Darstellung zulassen und erfordern. Jedes der beiden zeigt zwei Hauptformen, je nachdem hinter der vierten oder der fünften Sylbe²) eine Cäsur eintritt. Der Bau des Verses ist hinsichtlich der Wahl langer oder kurzer Sylben nicht von der Stellung der Cäsur in der Weise unabhängig wie etwa der homerische Hexameter, wo eine in allen Fällen wesentlich gleiche Sylbenreihe bald durch die πενθημιμερής, bald durch die τομὴ κατὰ τρίτον τροχαῖον zerschnitten wird. In den vedischen Versformen, die uns hier beschäftigen, werden die characteristisch ausgeprägten metrischen Gebilde, welche hinter der nach der vierten Sylbe stehenden Cäsur zu erscheinen pflegen, von der auf die fünfte folgenden Cäsur nicht etwa geschnitten, sondern sie stehen, im Fall die letztere Cäsur erscheint, wieder hinter derselben, sind also in ihrer Stellung zum Anfang oder zum Ende der ganzen Verszeile um eine Sylbe verschoben. Dass vom Ursprung her zwei nur durch diese eigenthümliche Verschiebung unterschiedene Formen unabhängig neben einander gestanden haben sollten, wird man nicht für wahrscheinlich halten, und ebenso wird man, wenn man das Verhältniss der elfsylbigen und zwölfsylbigen Reihe erwägt, die eine aus der andern abzuleiten geneigt sein. Nach dem, was wir oben über die Beziehungen der vedischen Metrik zur avestischen bemerkt haben, wird es gerechtfertigt sein, wenn wir dem Zeugniss der letzteren darüber, welche der beiden Reihen und welche Stellung der Cäsur innerhalb der Reihe die ältere ist, entscheidendes Gewicht beimessen. Der Typus der durch die Cäsur an einer bestimmten Stelle geschnittenen Verszeile gehört der indoiranischen Zeit an; innerhalb des Avesta beherrscht er bekanntlich die Metrik der Gâthàs, während die den übrigen Avestatexten eigne achtsylbige Reihe ebenso wenig eine feste Cäsur besitzt wie die achtsylbige Reihe des Veda. Nun erwähnten wir bereits oben, dass unter den Gâthâ-Versmaassen die viermal gesetzte elfsylbige Reihe mit der Cäsur nach der vierten erscheint ¹), in schlagender Uebereinstimmung, die den Avestaforschern nicht entgangen ist, mit der Trishtubh des Veda. Danach werden wir uns mit grosser Wahrscheinlichkeit für das höhere Alter dieser Cäsur ²) und ebenso für das höhere Alter der elfsylbigen Zeile verglichen mit der zwölfsylbigen ¹) erklären dürfen; wir werden vermuthen, dass die zwölfsylbige aus der Erweiterung der elfsylbigen um eine Sylbe entstanden ist ²). Die Beobachtung, dass achtsylbige Reihen nicht mit elfsylbigen, wohl aber in mehreren fest entwickelten, häufig verwandten Dichtungsformen mit zwölfsylbigen Reihen, mit denen sie den jambischen Ausgang gemein haben, zur Einheit eines Verses verbunden werden, führt auf die Vermuthung, dass eben die Einwirkung der achtsylbigen Verszeile auf die elfsylbige, das Bestreben, den Ausgang der letzteren dem jambischen Tonfall der ersteren anzupassen, es gewesen sein mag, was zur Entwicklung der zwölfsylbigen Reihe geführt hat.
c4.s2.5
² Bartholomae's Auffassungen über die Stellung der Cäsur nach der siebenten Sylbe (Arische Forschungen II, 16 fg.) kann ich mir in Bezug auf den Veda nicht aneignen.
c4.s2.6
¹ Dass für die Gâthâ-Metrik dies als die Grundform der Reihe angesehen werden muss, von welcher ausgehen ist, wird man festhalten, auch wenn man sich Bartholomae in seinen Aufstellungen über andre Formen der betreffenden Reihe anschliesst (Arische Forschungen II, 15 fgg.).
c4.s2.7
² Sollte die Entstehung des Typus mit der Cäsur nach der fünften auf den Einfluss der fünfsylbigen Virâj-Reihe zurückzuführen sein?
c4.s2.8
¹ Dass die zwölfsylbige Reihe der Gâthâs hierher gehört, ist überaus zweifelhaft; sie hat die Grundform 7 + 5 Sylben.
c4.s2.9
² Wer hierfür den Ausdruck wählte, dass die zwölfsylbige Reihe entstanden sei durch Auflösung der letzten, als Länge aufzufassenden (und nur wegen des Versschlusses als syllaba anceps erscheinenden) Sylbe der elfsylbigen Reihe in zwei Kürzen, würde meines Erachtens in unzulässiger Weise Begriffe, welche schärfer entwickelten metrischen Systemen angehören, in die vedische Metrik hineintragen. Wie die Triṣṭubh-Reihe zur Jagatî-Reihe verlängert wird, so wird aus der Jagatî Zeile durch Hinzufügung noch einer Sylbe die Atijagatî-Zeile gebildet (z. B. VIII, 97, 13); dabei wird der Wechsel je einer Länge und Kürze festgehalten, so dass die Sylbe, die in der Jagatî als am Schluss stehend anceps ist, hier als vorletzte eine Länge wird.
c4.s2.10
Eine Reihe von Beobachtungen beweist, dass die Cäsur, verglichen mit dem Endpunkt der Verszeile, als ein wesentlich schwächerer Einschnitt aufzufassen ist. In zahlreichen Versen trifft die Cäsur nicht ein eigentliches Wortende, sondern fällt zwischen die beiden Elemente eines Compositums, oder sie trennt ein mit selbständigerem Gewicht ausgestattetes Suffix wie -tama vom Körper des Wortes ab. Bisweilen steht die Cäsur vor einem Encliticon; hier und da geht der Sandhi über sie fort: Contractionen oder die Krasis von auslautendem e bezw. o mit folgendem a werden, wenn auch nur in vereinzelten Fällen, über die Cäsur hinüber vollzogen. Endlich fehlt es nicht an Fällen, in welchen die Cäsur ganz vernachlässigt wird ¹). Dies sind Anomalien, die nicht denkbar wären, wenn nicht auch im regelmässig gebauten Verse die Cäsur nur einen unerheblichen und darum leicht verschwindenden Einschnitt ausgemacht hätte. Zu demselben Resultat führen übrigens auch mehrere dem regulären Gebrauch angehörige Erscheinungen. Die Quantität der vierten Sylbe der Verszeile, wenn dieselbe vor der Cäsur steht, wird zwar weniger streng beobachtet, als wenn die Cäsur nicht auf sie folgt ²), aber die Behandlung dieser Sylbe ist doch auch in dem ersteren Falle noch sehr weit von der
c4.s2.11
¹) Beispiele aus dem siebenten Maṇḍala für die Cäsur zwischen den Gliedern eines Compositums: 2, 7ᵇ; 3, 10ᵇ (?); 4, 5ᵈ; 8, 6ᵈ; 14, 1ᶜ; 23, 5ᵇ; 38, 2ᵈ. 5ᵈ; 58, 2ᵇ; 60, 8ᵈ; 81, 4ᶜ. Ausserdem besonders häufig, wie sich von selbst versteht, in Göttercompositis wie mitrāvaruṇā, indrāsomā, dyāvāpṛthivī, die tatsächlich als zwei Worte aufzufassen sind. — Cäsur vor dem Superlativsuffix -tama: I, 62, 6 (zweimal); IV, 1, 4. 6; 22, 3; 23, 6: X, 115, 5. — Cäsur vor im I, 71, 5; vor iva V, 53, 16: X, 4, 2; 68, 5: 94, 13 (zweimal); vor vām III, 58, 8; vor cit X, 93, 7. — Contractionen z. B. IX, 87, 5: mahe vājāyāmṛtāya śravāṃsi. — Krasis von e + a, o + a: I, 118, 7: 186, 8; VII, 1, 19 (?); X, 103, 1 und andre Fälle mehr. — Beispiele aus dem siebenten Maṇḍala für gänzliche Vernachlässigung der Cäsur: 2, 7ᶜ; 4, 9ᵈ; 7, 1ᵇ; 20, 6ᵃ. 7ᵈ; 36, 5ᶜ; 57, 6ᵇ; 60, 1ᵃ; 61, 1ᵈ; 67, 5ᵇ; 68, 3ᶜ; 88, 3ᵈ. 6ᶜ: 97, 3ᵇ. 9ᵃ. Im Ganzen sind die Pādas ohne Cäsur unter den regelmässigen Typen leicht unterzubringen; sie zeigen den Bau des einen oder des andern dieser Typen, nur dass eben die Cäsur vernachlässigt ist. Beispielsweise entspricht X, 103, 2 saṃkrandanenāni-misheṇa jishṇunā offenbar der Form ◡ ◡ ◡ ◡ ‖ ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ ◡. Doch ist es auffallend, wie oft (besonders unter den eben citirten Stellen des siebenten Buches) der Typus erscheint ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ ◡. Die Länge an sechster Stelle passt nicht zu den häufigeren Typen mit der Cäsur. Es scheint, dass sich bei diesen der gewohnten Gliederung entbehrenden Reihen eine gewisse Neigung zur einfachen Abwechslung von Längen und Kürzen entwickelt hat, in welcher übrigens die Spuren eines vorhistorischen »katalektischen Trimeters« zu sehen ein wenig gewagt sein dürfte.
c4.s2.12
²) Wir finden dies bestätigt, sowohl wenn wir die vierte Sylbe mit folgender Cäsur der vierten bei fünfsylbigem Verseingang, als wenn wir sie der vierten Sylbe des Gāyatrī-Pāda gegenüberstellen.
c4.s2.13
völligen Freiheit entfernt, welche am Schluss der Verszeile, durch die dort eintretende Pause bedingt, gestattet ist. Wir werden bei der Besprechung der prosodischen Beschaffenheit des Verseinganges diese Erscheinung näher erörtern und werden im Zusammenhang mit ihr einen weiteren Satz zu begründen suchen, der gleichfalls für den Character der Cäsur von Wichtigkeit ist: dass nämlich die Position, wenn nicht durchgängig, so jedenfalls regelmässig als über die Cäsur hinüber wirkend anzusehen ist. Endlich weisen wir auf eine Erscheinung hin, die in derselben Richtung liegt wie das bisher Erwähnte: die Abneigung der vedischen Dichter gegen den Hiatus beweist sich auch an den durch die Cäsur getrennten Worten, wenn auch hier nicht ganz ebenso stark wie in den übrigen Theilen der Verszeile¹). Bei der Erörterung des Sandhi wird hierauf zurückzukommen sein.
c4.s2.14
¹ Man beachte auch, dass von den Doppelformen des Nom. Acc. dual. (auf -ā und -āv) vor der Cäsur, wenn ein Vocal folgt, ebenso wie an jeder andern Stelle des Versinnern vor folgendem Vocal die auf -āv steht, nicht aber die dem Versende zukommende Form auf -ā.
c4.s2.15
Die Eintheilung der elfsylbigen resp. zwölfsylbigen Reihe, die wir unsrer Uebersicht über die metrische Beschaffenheit derselben zu Grunde legen müssen, wird als ersten Theilpunct die Cäsur, als zweiten den Anfangspunct des metrisch fest geregelten Ausgangs, d. h. den Punct zwischen der siebenten und achten Sylbe anzunehmen haben. Wir werden so den Fehler vermeiden, durch welchen z. B. Benfey an der Erreichung eines klaren Bildes von der Trishtubh-Metrik verhindert worden ist: indem Benfey als mittleren »Fuss« unveränderlich die Sylben 5—8 rechnet und für diese metrische Schemata aufzustellen sucht, übersieht er, dass z. B. die sechste oder siebente Sylbe im Ganzen der Reihe keineswegs immer dieselbe Rolle spielt, sondern dass je nach der wandelbaren Stellung der Cäsur eben die Gesetze oder Neigungen, welche in der einen Gruppe von Versen für die sechste Sylbe gelten, in der andern die siebente treffen, und dass dem, was in den letzteren Versen die sechste ist, in den ersteren vielmehr die fünfte entspricht ¹).
c4.s2.16
¹ Für ähnlich unzulässig wie Benfey's Fusstheilung halte ich einen Ausdruck wie Kaegi (Rigveda 34) ihn von der Jagatī und Triṣṭubh braucht: dass die beiden Reihen zwölf resp. elf Sylben zählen, »also« Trimeter oder katalektische Trimeter sind. Solche Bezeichnungen mag, wer will, bei vermuthungsweisen Aufstellungen über die Vorgeschichte der indischen Metra anwenden; in einer Beschreibung derselben wie sie sind kann die Anwendung jener griechischen Kategorien nur irre führen.
c4.s2.17
So viel ich zu erkennen im Stande bin, stehen innerhalb jedes der beiden von uns zu unterscheidenden Hauptfälle (Cäsur nach der vierten oder nach der fünften Sylbe) die verschiedenen Formen des Reiheneingangs in keinerlei Zusammenhang mit den Verschiedenheiten, deren die Mitte der Reihe fähig ist. Der Schluss der Reihe sodann hat seine feste Gestalt, bis auf gewisse Anomalien, die offenbar mit der Verschiedenheit der Formen dessen, was vorangeht, gleichfalls nichts zu thun haben. Wir dürfen und müssen daher von den drei Abschnitten der Reihe jeden für sich betrachten.
c4.s2.18
Die Einzeluntersuchung über diese Abschnitte wird uns zeigen, dass im Eingang vorherrschend; im Ausgang stehend Hebungen und Senkungen mit einander abwechseln. Im mittleren Theil der Reihe ist diese Abwechslung unterbrochen, aber vielleicht ist es kein Zufall, dass über diese Unterbrechung hinweg die Bewegungen des Eingangs und Ausgangs auf einander hinweisen, d. h. dass die Hebungen des Ausgangs auf eben die Stellen treffen, welche auch bei gleichmässig fortgesetzter Bewegung des Eingangs Hebungen sein müssten. So darf, scheint es, die ganze Reihe als jambisch in dem Sinne aufgefasst werden, dass zunächst im Eingang eine ähnliche Freiheit der Behandlung obwaltet, wie im Eingang der Gâyatrî-Reihe, in der Mitte sodann der jambische Rhythmus mit der bewussten Absicht der Contrastwirkung unterbrochen wird, der Ausgang aber, über diese Mitte hinweg mit dem Eingang in einander greifend, die Herrschaft des jambischen Tonfalls über die ganze Reihe zum Ausdruck bringt.
c4.s2.19
In Bezug auf den Eingang der Reihe, d. h. je nach der Stellung der Cäsur die ersten vier oder fünf Sylben, stelle ich hier, wie ich es bei der Gâyatrî-Reihe gethan habe, die Resultate meiner Zählungen tabellarisch zusammen. Dieselben beziehen sich auf VII, 1—13. 18, sodann auf IX, 68—86¹). Für die der sich herausstellenden überwiegenden Norm nicht entsprechenden Fälle (d. h. für alle Fälle ausser den vier ersten der Tabelle A und den acht ersten der Tabelle B) schien eine ausgedehnte Durchführung der Zählungen wünschenswerth; daher habe ich dieselben auch in Bezug auf alle Triṣṭubh- und Jagatî-Pâdas von Buch IV in der Weise ausgeführt, dass die normalen Fälle (A 1—4 und B 1—8) hier unberücksichtigt gelassen sind.
c4.s2.20
¹ Der ganz unregelmässige Pâda IX, 86, 43ª ist fortgelassen; einige Pâdas ohne Cäsur sind je nach der Stelle, an welcher die Cäsur dem metrischen Aussehen des Pâda nach intendirt schien (siehe oben S. 45 Anm. 1 am Schluss), berücksichtigt worden.
A. Cäsur nach der vierten Sylbe
c4.s2.t1.1
| Nr. | Metrum | VII, 1-13. 18 | IX, 68-86 | IV | Summe |
| 1 | ◡ ◡ ◡ — | 53 | 62 | ? | — |
| 2 | — ◡ ◡ — | 48 | 38 | ? | — |
| 3 | ◡ — ◡ — | 38 | 28 | ? | — |
| 4 | — — ◡ — | 42 | 33 | ? | — |
| 5 | ◡ ◡ ◡ ◡ | 9 | 10 | 42 | 61 |
| 6 | — ◡ ◡ ◡ | 10 | 12 | 34 | 56 |
| 7 | ◡ ◡ ◡ ◡ | 14 | 9 | 42 | 65 |
| 8 | — ◡ ◡ ◡ | 12 | 3 | 30 | 45 |
| 9 | ◡ ◡ — — | 9 | 9 | 34 | 52 |
| 10 | ◡ ◡ — — | 22 | 7 | 32 | 61 |
| 11 | ◡ ◡ ◡ ◡ | 2 | 6 | 8 | 16 |
| 12 | ◡ ◡ ◡ ◡ | 4 | 6 | 10 | 20 |
| 13 | ◡ ◡ ◡ — | 4 | 1 | 21 | 26 |
| 14 | ◡ ◡ ◡ — | 2¹) | 1¹) | 12 | 15 |
| 15 | ◡ ◡ ◡ ◡ | — | — | 5 | 5 |
| 16 | — ◡ ◡ ◡ | 1 | 2 | 2 | 5 |
c4.s2.t1.2
¹ Zwei dieser Fälle (VII, 2, 6; IX, 68, 1) stellen sich, wenn man für bar-hishadâ, barhishadaḥ die Formen mit doppeltem sh einsetzt, vielmehr zu dem Metrum ◡ ◡ ◡ ◡.
B. Cäsur nach der fünften Sylbe
c4.s2.t2.1
| Nr. | Metrum | VII, 1-13. 18 | IX, 68-86 | IV | Summe |
| 1 | ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ | 27 | 77 | ? | — |
| 2 | ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ | 28 | 77 | ? | — |
| 3 | — ◡ ◡ ◡ ◡ | 31 | 67 | ? | — |
| 4 | — ◡ ◡ ◡ ◡ | 25 | 69 | ? | — |
c4.s2.t2.2
| Nr. | Metrum | VII, 1-13. 18 | IX, 68-86 | IV | Summe |
| 5 | ◡ — — — ◡ | 28 | 29 | ? | — |
| 6 | ◡ — — — — | 17 | 35 | ? | — |
| 7 | — — — — ◡ | 21 | 33 | ? | — |
| 8 | — — — — — | 18 | 33 | ? | — |
| 9 | ◡ — ◡ ◡ ◡ | 2 | — | 2 | 4 |
| 10 | ◡ — ◡ — — | 1 | 4 | 4 | 9 |
| 11 | — — — ◡ ◡ | — | — | 3 | 3 |
| 12 | — — — ◡ — | 1 | 8 | 6 | 15 |
| 13 | ◡ — ◡ ◡ ◡ | 1 | 1 | 2 | 4 |
| 14 | ◡ — ◡ ◡ — | 3 | 8 | 11 | 22 |
| 15 | — — ◡ ◡ ◡ | 1 | — | 1 | 2 |
| 16 | — — ◡ ◡ — | 1 | 4 | 15 | 20 |
| 17 | ◡ ◡ — ◡ ◡ | 1 | 3 | 10 | 14 |
| 18 | ◡ ◡ — ◡ — | 2 | 2 | 10 | 14 |
| 19 | ◡ — ◡ — ◡ | 6 | 6 | 9 | 21 |
| 20 | ◡ — ◡ — — | 1 | 3 | 11 | 15 |
| 21 | ◡ ◡ — ◡ ◡ | — | — | — | — |
| 22 | ◡ ◡ — ◡ — | 1 | 3 | 8 | 12 |
| 23 | ◡ — ◡ ◡ — | 1¹) | — | 2 | 3 |
| 24 | ◡ — ◡ ◡ — | 1 | 5 | 4 | 10 |
| 25 | ◡ ◡ ◡ — ◡ | 3 | 2³) | 3 | 8 |
| 26 | ◡ ◡ ◡ — — | 1 | 2 | 7 | 10 |
| 27 | — ◡ ◡ ◡ — | 1 | 2 | 4 | 7 |
| 28 | ◡ ◡ ◡ ◡ — | 2 | 1 | 6 | 9 |
| 29 | ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ | 1²) | — | — | 1 |
| 30 | ◡ ◡ ◡ ◡ — | — | — | 2 | 2 |
| 31 | — ◡ ◡ ◡ ◡ | — | — | — | — |
| 32 | — ◡ ◡ ◡ — | — | 1 | — | 1 |
c4.s2.t2.3
¹ Ein durchaus zweifelhafter Fall, der cäsurlose Pâda VII, 4, 9ᵈ.
c4.s2.t2.4
² Absolut zweifelhaft (VII, 8, 2ᵃ); es ist wohl eher der viersylbige Verseingang ◡ ◡ — (ayam u shya, nicht shia) anzunehmen; dann läge, falls nicht eine Sylbe ausgefallen ist, eine nicht seltene defecte Pâdaform vor.
c4.s2.t2.5
³ Hierher ist der zweifelhafte Fall IX, 79, 1ᶜ gestellt worden.
c4.s2.t2.6
Wir untersuchen nun diese Zahlen in derselben Weise, wie wir es beim Reiheneingang der Gâyatrî gethan haben. War die von uns befolgte Methode dort richtig, so muss sie es auch hier sein, wenn auch hier begreiflicherweise die kleinen Zahlen, in welche sich die 48 Fälle (statt der dort vorliegenden 16) zersplittern, nicht immer ganz so deutliche Uebereinstimmungen und Abweichungen zeigen können, wie es dort der Fall war.
c4.s2.t2.7
Wir beginnen mit dem viersylbigen Verseingang. In derselben Weise wie bei der Gâyatrî stellt sich auch hier als das Normale ein Metrum heraus, dessen Ausdruck, mit den Bezeichnungen der Icten versehen, ◡—◡— ist ¹). Die Nebenformen aber, die sich an diese Hauptform anschliessen, weisen, verglichen mit den Nebenformen des Gâyatrî-Reiheneingangs, eine ebenso characteristische wie begreifliche Verschiebung auf: es treten nämlich diejenigen Formen besonders hervor, die im Uebrigen der Hauptform entsprechen, aber an vierter Stelle eine Kürze haben: ◡—◡◡. Selbstverständlich ist es die auf die vierte Sylbe folgende Cäsur, welche bewirkt, dass hier die Quantität, wenn auch durchaus nicht indifferent ist — denn die Länge überwiegt noch immer in einer Weise, die nicht zufällig sein kann —, aber doch mit merklich geringerer Strenge beachtet wird. So giebt sich hier wie in andern Dingen die Mittelnatur der Cäsur, ihre halbe Verwandtschaft mit dem Pâdaende wie ihre halbe Verschiedenheit von demselben, überaus klar zu erkennen. Offenbar aber ist die Kürze, welche vermöge der Cäsur als Aequivalent einer Länge zu gelten im Stande ist, ebenso gut wie die Länge, welche sie vertritt, Trägerin des Ictus; wir haben also die Messungen ◡◡◡◡¹).
c4.s2.t2.8
¹ Es muss bemerkt werden, dass hier — was bei der Gâyatrî nicht der Fall war — die Formen mit kurzer dritter Sylbe den Vorzug zu haben scheinen; ebenso überwiegt bei fünfsylbigem Verseingang die Form ◡—◡◡◡ über ◡—◡—◡. Vielleicht ist das nicht Zufall. Da die Trishtubh und Jagatî im mittleren Theil der Reihe ein vom jambischen Rhythmus befreites Element besitzt, mochte dafür die deutliche Ausprägung dieses Rhythmus im Eingang der Reihe als um so wesentlicher empfunden werden.
c4.s2.t2.9
¹ Trüge die kurze vierte den Ictus nicht selbst, so müsste man offenbar erwarten, dass sich dies, wie beim Eingang des achtsylbigen Pâda, in der Bevorzugung einer langen dritten zu erkennen geben würde (vergl. oben S. 18). Dies ist aber in A 5-8 unsrer Tabelle offenbar nicht der Fall; in A 11. 12. 15. 16 beruht das Vorherrschen der langen dritten auf der Kürze der zweiten.
c4.s2.t2.10
Eine Vorfrage, welche auf diesen Punct unsrer Zählungen und damit auf die weiteren eben dargelegten Auffassungen entscheidenden Einfluss hat, ist bis jetzt stillschweigend übergangen worden: muss die Position als über die Cäsur wirkend angesehen werden? Vielleicht würde, der sonstigen Natur der Cäsur entsprechend, auch in dieser Beziehung ein Schwanken in der Praxis der Liedverfasser sich am ehesten erwarten lassen. Für die Zwecke von Zählungen muss natürlich doch die eine oder andre Auffassung zu Grunde gelegt werden, und da schien mir das Gebotene, die Position als wirkend zu betrachten. Die Beschaffenheit der so sich ergebenden Zahlenreihen spricht, glaube ich, hinreichend dafür, dass damit, wenn nicht das Richtige, so doch die möglichste Annäherung an dasselbe erreicht ist. Zur Controle hierüber habe ich Zählungen derart angestellt, dass ich die naturlangen, die positionslangen und die kurzen Sylben an der vierten Stelle von einander schied. Hierbei ergab sich zunächst die auch a priori kaum denkbare Annahme als ausgeschlossen, dass allein die natürliche Länge ohne Berechnung der Position als das Regelmässige anerkannt sei. Als möglich blieben zwei Fälle übrig. Entweder gilt die Länge als Regel, dann aber mit Berücksichtigung der Position. Oder die Kürze hat gleiches Recht mit der Länge. Auch von diesen Möglichkeiten erwies sich bei weiterer Untersuchung die zweite als ausgeschlossen: wäre die Kürze anders als in secundärer Geltung zugelassen gewesen, so müssten sich nach der sonst in vedischen Wortausgängen zu beobachtenden Vertheilung der Quantitäten grössere Massen unzweideutiger Kürzen (die nicht durch Position beseitigt werden) an der vierten Stelle finden¹). Es blieb mithin nur die Auffassung übrig, dass im Grossen und Ganzen die Länge die Regel bildete, und dass dabei die Position berücksichtigt wurde. Allerdings aber herrscht in der vierten Sylbe, wenn auf dieselbe die Cäsur folgt, die Länge nicht entfernt in demselben Maasse vor, wie bei dem Eintreten der Cäsur nach der fünften²): und dass, wenn so die Cäsur der Pause am Reihenende in Bezug auf das Eintreten der syllaba anceps gelegentlich gleichgestellt wurde, auch die Wirkung der Position über die Cäsur hinüber nicht als eine absolut feststehende empfunden worden sein wird, scheint mir in der Natur der Sache zu liegen.
c4.s2.t2.11
¹ Man vergleiche das Verhältniss von Längen und Kürzen in der fünften Sylbe in Tabelle B, Nr. 1-8 (gleichfalls gezählt unter der Voraussetzung, dass die Position über die Cäsur wirkt). In diesen Fällen liegt offenbar das natürliche, durch keine metrischen Rücksichten verschobene Verhältniss vor.
c4.s2.t2.12
² Vergl. ZDMG. XXXVII, 55.
c4.s2.t2.13
Es bleibt in Bezug auf die im viersylbigen Reiheneingang erscheinenden Metra nur noch zu erwähnen, dass auch hier die Kürze an zweiter Stelle mit überwiegender Regelmässigkeit die Länge an der dritten erfordert: ein Gesetz, dass sich allerdings hier nicht vollkommen so scharf wie im Eingang der Gâyatrî-Reihe auszuprägen scheint³). So ergeben sich die Messungen ◡◡◡◡ und neben ihnen, mit der durch die Cäsur gerechtfertigten Kürze, ◡◡◡◡, endlich die seltenen Metra mit den beiden Kürzen an zweiter und dritter Stelle.
c4.s2.t2.14
³ Dort bewährt sich dasselbe etwa in acht Neunteln der von uns gezählten Fälle, hier nur in drei Vierteln.
c4.s2.t2.15
Wenden wir uns nun zur Betrachtung des fünfsylbigen Reiheneingangs, so stehen auch hier selbstverständlich als normal die Messungen ◡◡◡◡◡ voran ¹). Bei ihnen, wie auch bei den selteneren Messungen spricht die Statistik dafür, dass die Quantität der ersten Sylbe in jedem Falle gleichgültig ist. Dasselbe muss für diese Normalfälle auch von der fünften gesagt werden, aber in Bezug auf diese Sylbe gilt nicht von allen übrigen Fällen das Gleiche. Unsre Tabelle ergiebt hier ²):
c4.s2.t2.16
¹ Der fünften Sylbe ist offenbar kein eigner Ictus zuzuschreiben, da sie, wie gezeigt werden wird, den Ictus der vierten stellvertretend auf sich nehmen kann und dann als Ictusträgerin ein Verhalten in Bezug auf die Quantität zeigt, das im Normalfall nicht zu beobachten ist.
c4.s2.t2.17
² Es kommt für den Zweck, den wir bei dieser Gruppirung der Zahlen verfolgen, natürlich nicht in Betracht, dass dieselben für die erste der hier gegebenen Horizontalreihen nur aus Buch VII und IX, für die folgenden auch aus Buch IV vorliegen.
c4.s2.t2.18
| ◡◡◡◡ 302 | ◡◡◡◡ 313 |
| ◡◡◡◡ 48 | ◡◡◡◡ 50 |
| ◡◡◡◡ 350 | ◡◡◡◡ 363 |
c4.s2.t2.19
Dagegen andrerseits
c4.s2.t2.20
Wir sehen also, dass die Quantität der fünften nur bei langer vierter indifferent ist; bei kurzer vierter ist in mehr als fünf Sechsteln der Fälle ³) die fünfte lang und offenbar stellvertretende Trägerin des Ictus, dem sein normaler Platz auf der vierten entzogen ist ¹). Die 17 Ausnahmefälle ²) können nicht befremden; vielmehr würde, wenn dieselben fehlten, dies ein auffallendes Räthsel sein: bewirkt die Cäsur hinter der vierten, dass vor ihr eine Kürze als Ictussylbe geduldet wird, so kann offenbar bei der Cäsur hinter der fünften das Gleiche nicht ausgeschlossen gewesen sein ³). So werden wir für den Fall der kurzen vierten als erste Eventualität ◡ ◡ ◡ ◡́, als zweite ◡ ◡ ◡ ◡́ hinstellen dürfen. Eine Wirkung der kurzen vierten auf die dritte in der Art, dass an dieser Stelle die Länge den Vorzug erhielte, werden wir nicht erwarten, da vielmehr die fünfte sich als die Stelle erwiesen hat, an welcher der erforderliche Ersatz geschafft wird; die Zahlen zeigen in der That, dass eine solche Wirkung nicht vorhanden ist ⁴).
c4.s2.t2.21
³ Bei einer ähnlichen Zählung über alle Triṣṭubh- und Jagatīreihen von X, 61-74 stellte sich heraus, dass auf eine kurze vierte, bei der Cäsur nach der fünften Sylbe, eine Länge an fünfter Stelle 32 mal, eine Kürze 6 mal folgt: also kehrt hier mit nahezu vollkommener Genauigkeit das obige Verhältniss wieder.
c4.s2.t2.22
¹ Dieses wie andre der hier erörterten Facten findet seine Bestätigung auch in den metrischen »Verlängerungen« kurzer Schlussylben, deren Darstellung unten man vergleichen wolle.
c4.s2.t2.23
² Uebrigens sind, wie bei unsrer Tabelle bemerkt worden ist, mehrere unter diesen 17 Fällen zweifelhaft. Zwei von ihnen stammen aus dem einzigen Verse IV, 40, 5 und haben in der eigenthümlichen Ausdrucksweise dieses Verses ihre specielle Veranlassung.
c4.s2.t2.24
³ Beiläufig sei bemerkt, dass in der Gesetzmässigkeit der hier sich herausstellenden Resultate eine neue Bestätigung der Annahme liegt, unter welcher unsre Zählungen gemacht sind, dass die Position über die Cäsur wirkt. Es kann kein Zufall sein, dass nach kurzer vierter eine von Natur kurze fünfte so oft positionslang wird, dass sich bei Berücksichtigung dieser Länge das von uns aufgestellte Gesetz ergiebt.
c4.s2.t2.25
⁴ Wir haben mit langer dritter ◡ — ◡ — ◡́ 31, ◡ ◡ ◡ ◡́ 25, mit kurzer dritter ◡ ◡ ◡ ◡́ 48, ◡ ◡ ◡ ◡́ 4. Die Seltenheit des letzten Falles erklärt sich natürlich aus der Abneigung gegen die Combination der kurzen zweiten und dritten.
c4.s2.t2.26
Dass auch hier eine Kürze der zweiten in der regelmässigen, obgleich keineswegs ausnahmefreien Praxis durch eine lange dritte compensirt wird (also ◡ — ◡ ◡ —, daneben ◡ ◡ ◡ ◡́ etc.), ist zu erwarten und wird durch unsre Zählungen bestätigt.
c4.s2.t2.27
Wir wenden uns zur Erörterung der auf die Cäsur folgenden Sylben bis zu dem durch seine metrische Bestimmtheit characterisirten Reihenausgang. Die Sylben, mit welchen wir es zu thun haben, sind, wenn die Cäsur nach der vierten steht, die fünfte bis zur siebenten; wenn nach der fünften, die sechste und siebente. Im ersteren Fall haben die bezeichneten Sylben bei Weitem am häufigsten die Gestalt ◡◡-, im letzteren die Gestalt ◡◡: da aber die achte regelmässig eine Länge ist, kann man kurzweg sagen, dass im einen wie im andern Falle hinter der Cäsur ein Anapäst zu stehen pflegt, nur dass bei der Stellung der Cäsur nach der vierten dieser Anapäst dem metrisch bestimmten Ausgang der Zeile vorangeht ¹), bei ihrer Stellung nach der fünften in diesen Ausgang mit einer Sylbe hineingreift. Der regelmässige Wechsel der Längen und Kürzen, wie er im jambischen Eingang und entsprechend im jambischen resp. trochäischen Ausgang der Verszeile erscheint, ist also in der Mitte derselben, offenbar nicht ohne bewusste Absichtlichkeit, unterbrochen.
c4.s2.t2.28
¹ In diesem Fall treffen also zwei Längen zusammen, die letzte Sylbe des Anapäst und die erste des Versausgangs. Steht die Cäsur nach der fünften, ist an dieser Stelle nur eine Länge vorhanden.
c4.s2.t2.29
Von den drei Sylben des in dem ersten Fall erscheinenden Anapästes ist die zweite in ihrer Quantität am sichersten feststehend; weniger unwandelbar ist die Quantität der ersten und dritten, so dass neben dem Fuss ◡◡- auch, der ungefähren Häufigkeit nach geordnet, die Füsse -◡-, ◡◡◡, -◡◡, endlich am seltensten - - - erscheinen.
c4.s2.t2.30
Steht die Cäsur nach der fünften, so lassen sich, offenbar in Folge der in diesem Fall geringeren Entfernung derselben von dem feststehenden Versausgang, wesentlich constantere Verhältnisse beobachten, als bei dem Eintritt der Cäsur nach der vierten Sylbe. Die erste der beiden regelmässig auf die Cäsur folgenden Kürzen weicht der Länge bedeutend seltener als in jenem Fall; dass statt der zweiten eine Länge steht, gehört vollends zu den Seltenheiten ¹).
c4.s2.t2.31
¹ Oder umgekehrt ausgedrückt: Pâdas mit langer zweiter Sylbe nach der Cäsur haben die Cäsur viel häufiger nach der vierten als nach der fünften.
c4.s2.t2.32
Die hier beschriebenen Verhältnisse behalten im Wesentlichen unverändert ihre Gültigkeit bis in die jüngste Periode der Rigveda-Poesie. Wenn Zählungen über die Quantität der einzelnen Sylben hier und da Schwankungen zwischen verschiedenen Liedern herausstellen, so halten sich dieselben in den Grenzen dessen, was dem Zufall oder der Individualität des einzelnen Dichters zugeschrieben werden kann und muss ²), und verrathen schwerlich ein Anderswerden der metrischen Neigungen im Lauf der Zeit, welches auf dem Gebiet der Trishtubh und Jagatî erst nach der Periode der Rigveda-Poesie in fühlbarer Weise hervorgetreten ist. Nur darin scheint ein Unterschied der jüngeren Rig-Metrik gegen die ältere wahrzunehmen, dass die sechste Sylbe, wenn ihr die Cäsur vorangeht, später noch seltener eine Länge ist als in früherer Zeit: ein Vorspiel der in der Brâhmaṇa-Periode zu beobachtenden völligen Verbannung der Länge von dieser Stelle.
c4.s2.t2.33
² Besonders in der Zulassung der Länge in der zweiten Sylbe nach der Cäsur zeigen sich erhebliche Schwankungen auch zwischen Liedern, welche man schwerlich in verschiedene Perioden der vedischen Poesie zu setzen haben wird.
c4.s2.t2.34
Zur statistischen Veranschaulichung des Gesagten theile ich hier zahlenmässige Ermittlungen für einige Lieder mit, zu deren Ergänzung ich auf meine früher veröffentlichten Zählungen ZDMG. XXXVII, 61, sowie auf die Zählungen Kühnau's verweise.
c4.s2.t2.35
| Gestalt der Sylben 5-7 resp. 6. 7 | VI, 1 | VI, 17¹) | X, 27 | X, 65 | X, 108 | X, 111 | X, 129²) | X, 168 | Summe |
| Cäsur nach 4. Sylbe ◡ ◡ — ◡ — ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ ◡ — ◡ | 26 5 2 1 — | 12 7 13 2 2 | 33 4 5 1 2 | 16 12 — 1 2 | 8 5 5 3 1 | 21 10 1 — 1 | 5 3 2 1 — | 5 — 2 — 1 | 126 46 30 9 9 |
| Cäsur nach 5. Sylbe ◡ ◡ — ◡ ◡ ◡ ◡ — ◡ | 16 2 — | 18 3 — | 49 2 — | 28 — 1 | 22 — — | 5 2 — | 15 — — | 7 1 — | 160 10 1 |
c4.s2.t2.36
¹ Der dritte Pâda von V. 10, der keine Cäsur hat, ist unberücksichtigt geblieben.
c4.s2.t2.37
² Unberücksichtigt geblieben sind die Pâdas 6ᵇ und 7ᵇ.
c4.s2.t2.38
Das Ueberwiegen der langen siebenten Sylbe in den ersten dieser Fälle³) legt die Annahme nahe, dass diese Sylbe als Trägerin des Ictus aufzufassen ist (also ◡ ◡ — ˊ), um so viel mehr, als in dem Parallelfall mit der Cäsur nach der fünften, wo auch die Combination ◡ ◡ — entsteht, die Länge, dem Versausgang angehörend, offenbar gleichfalls eine Ictussylbe ist. Der Ictus wird vorbereitet und hervorgehoben durch eine (— ˊ), meistens sogar durch zwei (◡ ◡ ˊ) vorangehende Kürzen. In der Messung ◡ ◡ ◡ scheint mir, unter Aufgabe dieses Ictus, ein durch drei Sylben statt der zwei fortgehendes Hinleiten auf den Ictus der achten Sylbe vorzuliegen. Da neben ◡ ◡ ◡ die Messung ◡ ◡ — in einer ähnlichen secundären Stellung erscheint, wie — ◡ — neben ◡ ◡ —, möchte ich Bedenken tragen, der Länge von ◡ ◡ — einen Ictus zuzuschreiben, und es vielmehr vorziehen, in ◡ ◡ — ein weniger scharf ausgeprägtes Aequivalent von ◡ ◡ ◡ zu sehen.
c4.s2.t2.39
³ Dasselbe giebt sich auch in metrischen Verlängerungen zu erkennen.
c4.s2.t2.40
Dass in den Messungen ◡ ◡ nur eine nachlässige Wiedergabe in erster Linie des regelmässigen Typus ◡ ◡ -, in zweiter der an ihn sich anschliessenden Typen vorliegt, halte ich für unwahrscheinlich: man würde dann von den in dem Schema ◡ ◡ ◡ enthaltenen Formen am häufigsten ◡ ◡ - (als für ◡ ◡ - stehend) anzutreffen erwarten. Dies ist nicht der Fall; ◡ ◡ - ist verglichen mit ◡ - - eher häufiger als seltener. Es scheint, dass wir die Formen mit langer sechste, indem wir darauf verzichten, sie als ungenaue Aequivalente der übrigen Typen anzusehen, so zu ordnen haben, dass wir ◡ ◡ ◡ (insonderheit ◡ ◡ -) als das Häufigere voranstellen; es folgt - - ◡. Darüber, ob die lange sechste als Ictussylbe anzusehen ist, wage ich keine Vermuthung.
c4.s2.t2.41
Es bleibt uns übrig, den Versausgang, d. h. die vier letzten Sylben des Pâda bei der Trishtubh, die fünf letzten bei der Jagatî zu erörtern. Die von den vedischen Dichtern als Norm festgehaltene Gestalt dieser Sylben ist ◡ ◡ ◡ ◡ resp. ◡ ◡ ◡ ◡ ◡; die grosse Regelmässigkeit, mit welcher die Längen des Schemas Formen wie janayâ, kṛiṇuhî etc. hervorrufen, zeugt von der Bestimmtheit, mit welcher jene metrische Gestalt als die gebotene empfunden wurde.
c4.s2.t2.42
Abweichungen von dem Schema, die sich selbst wieder durch ihr häufiges Auftreten als so zu sagen regelmässig im zweiten Grade characterisiren, giebt es nur in einem Punkte: statt der ersten Länge des Versausgangs¹ kann eine Kürze erscheinen, wenn es die Schluss-sylbe eines Wortes ist. Bisweilen gehören diese Schluss-sylben zu den vocalisch auslautenden, welche in der Ueberlieferung auch mit langem Vocal erscheinen (wie die Imperativendung -hi u. s. w.): man wird dann bei dem ausserordentlichen Ueberwiegen des langen Vocals an dieser Versstelle in der Ueberlieferung sich zu einer Textänderung wohl hinneigen dürfen¹). Aber im Ganzen sind doch beide Erscheinungen — die kurze Schlussylbe an der bezeichneten Versstelle statt der Länge und das Auftreten gewisser Schlussylben mit langem Vocal statt regelmässiger Kürzen — offenbar von einander zu sondern. An der viertletzten Stelle der Trishtubh erscheinen zahlreiche kurze Sylben — Vocale am Wortende und Vocale unterschiedlos vor schliessenden Consonanten jeder Art —, welche ausserhalb des Gebietes der in der Ueberlieferung als dehnbar anerkannten stehen: und eben in dieser Frage bewährt sich die Ueberlieferung als besonders treu²). Auf der andern Seite kommt die Dehnbarkeit von Sylben wie der Endung -hi an den verschiedensten Stellen aller Versmaasse zur Geltung: das Auftreten der kurzen Endsylbe aber, wie es an der viertletzten Stelle der Trishtubh beobachtet wird, ist eine Erscheinung, die an andern Stellen der vedischen Metra auch nicht annähernd mit der gleichen Häufigkeit wiederkehrt. Wir werden demnach meines Erachtens, ganz unabhängig von der Dehnbarkeit gewisser Schlussvocale, in zweiter Linie sämmtlichen kurzen Endsylben die Fähigkeit zuzusprechen haben, an der viertletzten Stelle der Trishtubh (resp. der fünftletzten der Jagatī) die dort überwiegend erscheinende Länge zu vertreten. Das Wortende ermöglicht eine Pause im Vortrag, welche die Zeitdauer der vorangehenden Kürze so weit dehnte, dass dieselbe den vedischen Verskünstlern für diese Stelle des Verses hinzureichen schien.
c4.s2.t2.43
¹ Also in der viertletzten Sylbe der Trishtubh, der fünftletzten der Jagatî.
c4.s2.t2.44
¹ Vergl. den Abschnitt über die metrischen Verlängerungen. Insonderheit muss hier auf die Stellen hingewiesen werden, an welchen nach einem Schlussvocal jener Art das nächste Wort vocalisch anlautet, also im überlieferten Text der Halbvocal oder die Contraction erscheint. Soll man câtayasvâmîvâm, ṣṇathihy amitrân auflösen câtayasvâ a. oder câtayasva a., ṣṇathihî a. oder ṣṇathihi a.? Die Prâtiśâkhya-Regel, welche die Dehnung nicht vor folgendem Vocal gestattet, darf man selbstverständlich nicht als gegen ṣṇathihî amitrân entscheidend ansehen.
c4.s2.t2.45
² Vergl. die Darstellung der metrischen Verlängerungen.
c4.s2.t2.46
Um die Behandlung der viertletzten Triṣṭubh-Sylbe möglichst concret zu veranschaulichen, theile ich eine von der Vollständigkeit hoffentlich nicht zu weit entfernte Sammlung aller Stellen des siebenten, an Triṣṭubh-Liedern besonders reichen Maṇḍala mit, welche jene Sylbe kurz zeigen. Zunächst im Fall der Schlussylbe:
c4.s2.t2.47
1, 1 dîdhitibhir araṇyoḥ grihapatim atharyum 3 dîdihi puro naḥ 7 apa daha arâtiḥ ¹) câtayasva amîvâm 15 amhasa' urushyât 18 surabhîṇi viantu 19 mâ rakshasa' ṛitâvaḥ 3, 1 nidhruvir ṛitâvâ 5 tam ushasi yavisṭham 6 rocasa' upâke 4, 3 saṃsadi anîke 6, 4 tamasi madantîḥ 17, 7 vi dadha' iyânaḥ 19, 5 namucim utâhan 7 sûrishu siâma 11 mimîhi upa stîn 20, 1 ṇrishadanam avobhiḥ 21, 9 viṣvaha siâma 25, 2 ṣnathihi amitrân
c4.s2.t2.48
¹ Ich setze diese und analoge Stellen der in der vorletzten Anm. erwähnten Kategorie hierher unter dem Vorbehalt, der sich aus dem dort Gesagten ergiebt.
c4.s2.t2.49
25, 2 kṛiṇuhi ninitsoḥ 5 devajûtam iyânâḥ 27, 5 vavṛityâma maghâya 28, 3 ˚tûtujir aṣiṣnat 4 aṇritam anenâḥ 5 brahmakṛitim aviṣṭhaḥ 29, 2 ṣṛiṇava' imâ naḥ 35, 6 iha ṣṛiṇotu 39, 2 bîṛita' iyâte 40, 1 dadhîmahi turâṇâm 4 varuṇa' ṛitasya aditir anarvâ 6 âghṛiṇa' irasyaḥ 41, 7 gomatîr na' ushâsaḥ 42, 3 ririca' upâke 4 vâriam iyatyai 45, 3 amatim urûcîm 52, 3 savitur iyânâḥ 56, 15 âdabhaḍ arâvâ 21 maruto nir arâma 59, 8 prati sa mucîshṭa 61, 2 dîrghaśrud iyarti 65, 4 ukshatam iḷâbhiḥ 68, 8 apinvatam apo na 70, 3 mûrdhani sadantâ 73, 3 pathàm urâṇâḥ ¹) [75, 1 tama âvar ajushṭam] 84, 2 kṛiṇavad ulokam 86, 3 varuṇa didṛikshu[ḥ] 4 jighâṃsasi sakhâyam 6 kanîyasa upâre
c4.s2.t2.50
¹ Die Stelle gehört hierher, wenn das â von pathâm als Aequivalent zweier Kürzen aufzufassen ist.
c4.s2.t2.51
92, 1 madiam ayâmi 4 yudhâ nṛibhir amitrân 93, 6 somasutim upa naḥ 95, 5 sarasvati jushasva 6 sarasvati Vasiṣṭhaḥ 98, 3 mahimânam uvâca 99, 4 cakrathur ulokam 100, 5 tavasam atavyân 104, 12 yatarad rijîyaḥ 17 rakshasa’ upabdaiḥ.
c4.s2.t2.52
Hierzu kommen folgende Stellen in dem selteneren Jagatî-Metrum:
c4.s2.t2.53
32, 5 sahasrâṇi śatâ dadat 18 didhisheya radâvaso 59, 2 tirate vi mahîr ishaḥ.
c4.s2.t2.54
Das Verzeichniss würde noch länger werden, wenn man diejenigen im überlieferten Text auf nn ausgehenden Formen, welche in der That mit einfachem n zu schreiben sind, sowie die auf e und o vor folgendem a ausgehenden Formen, deren Schlussylbe in Wahrheit kurz ist, in dasselbe aufnähme. Es stehen den angegebenen Fällen nur die folgenden gegenüber, in welchen die viertletzte resp. fünftletzte Sylbe der Reihe eine nicht den Wortschluss bildende kurze ist:
c4.s2.t2.55
12, 1 viṣvataḥ pratiañcam 19, 10 narâṃ nṛitama tubhyam 38, 2 savitaḥ śrudhi asya 42, 6 viṣvapsniasia staut 49, 1 aniviṣamânâḥ 50, 1 varuṇâ iha rakshatam.
c4.s2.t2.56
Also aus dem ganzen Maṇḍala weniger Stellen für kurze Sylben, die nicht Schlussosylben sind, als allein aus dem ersten Hymnus des Maṇḍala für kurze Schlussosylben beigebracht worden sind, so dass die eigenartige Behandlung der Schlussosylbe an der bezeichneten Stelle der elf- resp. zwölfsylbigen Verszeile über jeden Zweifel constatirt ist.
c4.s2.t2.57
Wie an der viertletzten Stelle der Trishṭubh bei nicht wortschliessenden Sylben, so finden sich auch an den übrigen Stellen des Versausgangs Nichtbeachtungen der Quantität als sporadische, verhältnismässig übrigens seltene Anomalien. Man wird nicht, wie uns dies bei gewissen Bildungen der achtsylbigen Zeile wahrscheinlich wurde, anzunehmen haben, dass in diesen Fällen dem regelmässigen Rhythmus ein anderer substituirt sei, sondern jener Rhythmus ist eben hier und da mit einem sprachlichen Gewande bekleidet, welches ihm nur mangelhaft passt. In einigen Fällen deutet die stete Wiederkehr der gleichen scheinbaren Unregelmässigkeiten bei demselben Worte, bisweilen sogar das directe Fehlen von Stellen, an welchen ein Wort ohne Anstoss sich der metrischen Norm fügte, auf eine von der überlieferten abweichende Gestalt solcher Worte (pavâka für pâvaka, mṛiḷ- für mṛiḷ- u. s. w.); wir werden auf Fälle dieser Art an anderm Orte zurückzukommen haben. Im Ganzen aber zeigt der meist völlig sporadische Character jener Anomalien und die allen orthoepischen Conjecturen sich oft absolut entziehende Gestalt der dabei in Betracht kommenden Worte, dass es sich um nicht mehr handelt, als um Licenzen der vedischen Poeten, die eine weitere Erklärung weder verlangen noch zulassen.
c4.s2.t2.58
Für die neunte Stelle der beiden Verszeilen mag die Anführung weniger Versausgänge mit der Länge statt der Kürze genügen. Man findet am Schluss von Triṣṭubh-Zeilen z. B. nakshanta, mamśiṣṭa, vītam naḥ, hotādhruk, sūryasya, Kutsāya, indo vāyūn, adrer aruṇoḥ, tām śiksha. Am Schluss von Jagatī-Zeilen (wie es scheint, seltener als bei der Triṣṭubh): mṛiḷatām (lies mṛiḷatām) aṣvinā, āyur jīvase, somasubhiḥ somapāḥ, yābhis tūrvatha u. s. w.
c4.s2.t2.59
Etwas häufiger sind Anomalien an der zehnten Stelle der Verszeile, der vorletzten Sylbe in der Triṣṭubh, der drittletzten in der Jagatī. Es scheint, dass die Triṣṭubh nicht alle Kürzen mit gleicher Leichtigkeit an dieser Stelle zulässt. So wenig es hier thunlich ist, feste Regeln aufzustellen, kann man doch so viel sagen, dass im Ganzen die kurze wurzelhafte Penultima eines zweisylbigen Wortes im Ausgang der Triṣṭubh eher an Stelle einer Länge zugelassen wird, als die einem Suffix angehörige Penultima eines mehr als zweisylbigen Wortes. Wir führen als am Schluss der Triṣṭubh gebraucht an: viṣaḥ, ushāḥ, naraḥ, patim, rasam, rajaḥ, vidat, udan, ahan, ratham, sakhā, ishe u. s. w. Von mehrsylbigen Worten besonders häufig die Superlative auf -tama sowie die verschiedenen Casus von ishira; vereinzelt Fälle wie girvaṇasam VI, 50, 6, rathavate I, 122, 11, yunajan VI, 67, 11 u. dgl. mehr. — Die drittletzte Sylbe der Jagatī, welche genau unter denselben prosodischen Bedingungen steht, wie die drittletzte der Gāyatrī, erscheint als Kürze etwa bei demselben Kreis von Worten, von welchem bei der Gāyatrī die Rede gewesen ist; es finden sich Jagatī-Ausgänge wie tavishīḥ, haviaḥ (häufig), dadhishe, vasavaḥ, avasā (häufig), vipravacasaḥ, duritā, aber auch āmurim uta etc.
c4.s2.t2.60
Die Länge an der vorletzten Stelle der Jagatī (wie z. B. in dadhidhve I, 168, 1, Pākasthāmānam VIII, 3, 24, dīrghasrut VIII, 25, 17) ist überaus selten.
Trishtubh- und Jagatî-Verse von mehr oder weniger als vier Pâdas
c4.s2.t3.1
Jagatî-Reihen bilden Verse fast nirgends anders als zu vieren vereinigt. Nur IX, 110, 4-9 finden sich Jagatîs aus je drei Pâdas: wohl eine Nachahmung des Gâyatrî-Verses. Pentaden erscheinen II, 43, 2; VI, 15, 6 (Ende eines Trica): beidemal so, dass der fünfte Pâda eine gering variirte Wiederholung des vierten ist.
c4.s2.t3.2
Häufiger sind derartige Versbildungen beim Trishtubh-Metrum. Namentlich Verse aus drei Reihen, von den Indern als virâj bezeichnet, treten vielfach auf, als durchaus regelmässige Bildungen durch ganze Lieder durchgeführt. Aus Dyaden besteht X, 157¹), zu welchem Liede der vereinzelte, einer Dânastuti angehörige Vers VI, 47, 25 zu stellen ist. Möglicherweise sind auch VI, 10, 7 und 17, 15 (beidemal am Schluss eines Liedes²)) Dyaden anzunehmen, falls diese Verse nicht mit den vorangehenden zusammen als Hexaden aufzufassen sind. Pentaden begegnen ziemlich häufig, aber immer nur vereinzelt, nicht liedbildend. In der Regel stehen sie am Schluss von Liedern, vorzugsweise natürlich von Trishtubh-Liedern, meist so, dass der fünfte Pâda den vierten mit geringer Abänderung wiederholt³) (z. B. IV, 27, 5; V, 2, 12 etc.). An einer andern als der Schlussstelle steht eine derartige Pentade nur einmal, VI, 31, 4, ferner V, 41, 16. 17, wo es aber nicht die Schlusspâdas der ganzen Verse, sondern der ersten Halbverse sind, an welche die Wiederholungen anknüpfen. Pentaden ohne solche Wiederholung, nicht am Liedschluss stehend, finden sich IV, 17, 14. 15; V, 42, 16. 17 = 43, 15. 16¹).
c4.s2.t3.3
¹ Die Behandlung dieses Liedes im Sâmaveda bestätigt es, dass als Vers die Verbindung von zwei Pâdas aufgefasst werden muss.
c4.s2.t3.4
² Gegen textkritische Beanstandungen schützen die beiden Stellen sich gegenseitig. Dass schon die Sammler hier selbstständige Verse von zwei Pâdas annahmen, wird für den zweiten dieser Fälle durch die Liedfolge erwiesen.
c4.s2.t3.5
³ Wo dies nicht der Fall ist, rechnet die Tradition (vergl. Prâtiśâkhya 994) den fünften Pâda als eigenen Vers: so V, 41, 19. 20; VI, 63, 10. 11.
c4.s2.t3.6
¹ Je ein Vers in der Tradition als zwei gerechnet. — Man beachte das Vorherrschen des zu Pentadenbildungen besonders neigenden fünften Maṇḍala unter den zuletzt aufgeführten Fällen.
Ueberzählige und unterzählige Trishṭubh- und Jagatî-Reihen
c4.s2.t4.1
² Im Allgemeinen verweise ich auf die oben (S. 34) in Bezug auf die überzähligen und unterzähligen Gâyatrî-Reihen gemachten Bemerkungen.
c4.s2.t4.2
Die häufigste Anomalie der Trishṭubh- und Jagatî-Reihe, welche eine zu grosse oder zu kleine Sylbenzahl derselben herbeiführt, lässt sich auf Grund der metrischen Theorie dieser Reihe a priori voraussehen und kehrt ganz wie im Rigveda auch in der Metrik der späteren Vedatexte und noch bei den Buddhisten wieder³): die beiden durch die Stellung der Cäsur unterschiedenen Typen werden in der Art contaminirt, dass entweder die Cäsur nach fünf Sylben steht und fortgefahren wird, als hätte sie nach vieren gestanden, oder sie steht nach vier Sylben, und der Vers geht wie nach der fünfsylbigen Eröffnung weiter. Im ersteren Fall ergiebt sich eine Sylbe zu viel, im andern eine Sylbe zu wenig: in welchem letzteren Fall natürlich die Abgrenzung der so gebauten Pâdas von denen, die durch Textverderbniss eine Sylbe verloren haben, sowie von denen, die einen zweisylbig zu messenden langen Vocal enthalten, mit mannichfachen Schwierigkeiten verknüpft ist. Ich gebe die Beispiele für beide Anomalien in möglichstster Vollständigkeit.
c4.s2.t4.3
³ Siehe meine Bemerkungen in der ZDMG. XXXVII, 75; Deutsche Litteraturzeitung 1884, S. 1459.
c4.s2.t4.4
1. Durch Vermischung der beiden Typen erhält die Verszeile eine Sylbe zu viel¹).
c4.s2.t4.5
¹ Aenderungen, welche die Anomalie beseitigen, liegen bei vielen dieser Stellen nicht fern.
c4.s2.t4.6
I, 35, 9 abhi kṛṣṇena || rajasâ dyâm ṛiṇoti 110, 9 ṛibhumâñ indra || citram â darshi râdhaḥ 120, 3 tâ no vidvâṃsâ || manma vocetam adya 164, 17 (vergl. 18) avaḥ pareṇa || para’ enâvareṇa²) 167, 1 sahasram isho || harivo gûrtatamâḥ 169, 6 adha yad eshâm || pṛithubudhnâsa’ etâḥ II, 4, 8 kṣumantaṃ vâjam || suapatyam rayim dâḥ 43, 2 vṛisheva vâjî || ṣiṣumatîr apîtîâ V, 4, 6 so’ agne pâhi || nṛitama vâje’ asmân 44, 15³) agnir jâgâra || tam ṛicaḥ kâmayante agnir jâgâra || tam u sâmâni yanti agnir jâgâra || tam ayaṃ soma’ âha VI, 17, 7 upa dyâm ṛishvo || bṛihad indra stabhâyaḥ 23, 5 asmai vayaṃ yad || vâvâna tad vivishma 51, 2 devânâm⁴) janma || sanutar â ca vipraḥ 52, 14 ubhe rodasî || apâm napâc ca manma mâ vo vacâṃsi || paricakṣyâṇi vocam 75, 18 somas tvâ râjâ || amṛitenânu vastâm⁵) uror varîyo || varuṇas te kṛiṇotu VIII, 21, 4 yâ te dhâmâni⁶) || vṛiṣabha tebhir â gahi 22, 14 mâ no martâya || ripave vâjinîvasû
c4.s2.t4.7
² para’ enâ zusammen zu ziehen?
c4.s2.t4.8
³ Dieser Vers steht mit dem regulär gebauten Vers 14 (der statt agnir immer yo hat) in einer Corresponsion, welche die Anomalie erzeugen musste.
c4.s2.t4.9
⁴ Grassmann und Lanman (Noun-inflection 354) schlagen nicht ohne Wahrscheinlichkeit devâm vor; die Aenderung ist, wie man sieht, metrisch nicht gefordert, wird aber durch Parallelstellen empfohlen.
c4.s2.t4.10
⁵ Oder Contraction über die Cäsur?
c4.s2.t4.11
⁶ Oder dhâma zu lesen?
c4.s2.t4.12
VIII, 46, 19 rayim asmabhyam || yujiam codayanmate 46, 22 shashṭim sahasrâ || Aṣviasyâyutâsanam ¹) 59, 6 indrâvaruṇâ || yad ṛishibhyo manîshâm 59, 7 indrâvaruṇâ || saumanasam adṛiptam dîrghâyutvâya || pra tirataṃ na âyuḥ 101, 12 mahnâ devânâm || asuriaḥ ²) purohitaḥ IX, 87, 5 mahe vâjâya || amṛitâya ṣravâṃsi ¹) X, 28, 1 jakshîyâd ³) dhânâ’ || uta somam papîyât 50, 2 viṣvâsu dhûrshu || vâjakrityeshu satpate 51, 9 tava prayâjâ’ || anuyâjâṣ ca kevale 61, 1 krâṇâ yad asya || pitarâ mamhaneshṭhaḥ 61, 13 tad in nu asya || parishadvâno’ agman 82, 4 ṛishayaḥ pûrve || jaritâro na bhûnâ 87, 14 parâ ṣriṇîhi || tapasâ yâtudhânân 93, 14 pra Râme vocam || asure maghavatsu 98, 10 tebhir vardhasva || tanuaḥ ṣûra pûrvîḥ 103, 7 abhi gotrâṇi || sahasâ gâhamânaḥ 103, 11 asmâkaṃ indraḥ⁴) || saṃriteshu dhvajeshu 122, 3 dâṣad dâṣushe ⁵) || sukṛite mâmahasva 128, 8 uruvyacâ no || mahishaḥ ṣarma yaṃsat.
c4.s2.t4.13
¹ Oder Contraction über die Cäsur?
c4.s2.t4.14
² Oder asuryaḥ?
c4.s2.t4.15
³ Doch vermuthe ich jakshyâd; die Corruptel ist durch papîyât entstanden.
c4.s2.t4.16
⁴ Lanman 331 verlangt hier die Aussprache asmâkendraḥ, welche durch Annahme der typischen metrischen Anomalie überflüssig wird.
c4.s2.t4.17
⁵ Ist für dâṣad dâṣushe (mit kurzer vierter Sylbe) dadâṣushe zu lesen?
c4.s2.t4.18
2. Durch Vermischung der beiden Typen erhält die Verszeile eine Sylbe zu wenig.
c4.s2.t4.19
I, 64, 9 rodasî â || vadatâ gaṇaṣriyaḥ 77, 3 mitro ⁶) na bhûd || adbhutasya rathîḥ 120, 4 vi pṛichâmi ⁷) || pâkiâ na devân I, 127, 3 dîdiâno || bhavati druhamtaraḥ 127, 9 tuam agne || sahasà sahantamaḥ 127,10 pra vo mahe || sahasâ sahasvate usharbudhe || paṣushe na agnaye 130,10 vâvṛidhîthâ’ || ahobhir iva dyauḥ 135, 5 imam indum || marmṛijanta ¹) vâjinam 145, 5 sa îm mṛigo’ ¹) || apio vanarguḥ 173,10 vishpardhaso || narâm ²) na ṣamṣaiḥ 174, 2 ṛinor apo’ || anavadya arṇâḥ 180, 6 preshad ³) veshad || vâto ²) na sûriḥ 186, 3 preshṭham ³) vo’ || atithim gṛiṇîshe 186, 7 tam îm giro || janayo na patnîḥ II, 18, 1 prâtâ ratho || navo yoji ⁴) sasniḥ 19, 5 sa sunvata’ || indraḥ sûryam⁵) (?) 20, 3 sa no yuvâ || indro johûtraḥ⁶) 31, 7 ṣravasyavo || vâjam ²) cakânâḥ IV, 1,19 ṣuci ûdho’ || aṭriṇan na gavâm 3,14 rârakṣâṇaḥ || sumakha pṛiṇânaḥ ⁷) 40, 2 satyo ⁸) dravo || dravaraḥ pataṃgaraḥ V, 19, 5 tâ’ asya san || dhṛishajo ¹) na tigmâḥ 41,10 ṣocishkeṣo || ni riṇâti vanâ 57, 8 satyaṣrutaḥ ⁹) || kavayo yuvânaḥ VI, 3, 7 vṛishâ ¹⁰) ruksha’ || oṣadhîshu nûnot
c4.s2.t4.20
⁶ Oder dreisylbig?
c4.s2.t4.21
⁷ Mit zweisylbigem ṛi?
c4.s2.t4.22
¹) Mit zweisylbigem ṛi? ²) Mit zweisylbigem â. ³) Die Anomalie verschwindet, wenn man bei preshat und preshṭham (d. h. natürlich prayishṭham) Svarabhakti annimmt. ⁴) Lies ayoji? ⁵) Die beiden letzten Worte dreisylbig. ⁶) johavitraḥ, Grassmann mit einem selbsterfundenen Worte. Man könnte an zweisylbige Messung des û denken. ⁷) Lies pṛiṇânaḥ. ⁸) Schwerlich satio. ⁹) Schwerlich satiaṣrutaḥ. ¹⁰) Vṛishabho? Oder zweisylbiges ṛi?
c4.s2.t4.23
VI, 20, 2 hann¹) ṛiĵîshin || vishṇunâ sacânaḥ 20, 7 puro vajriñ || chavasâ na dardaḥ 30, 5 tuam apo || vi duro²) vishûcîḥ 65, 5 idâ hi ta’ || usho’ adrisâno 66, 10 arcatrayo³) || dhunayo na vîraḥ VII, 5, 1 pra⁴) agnaye || tavase bharadhvam 9, 2 hotâ mandro⁵) || viṣâm damûnâḥ VIII, 19, 18 ta’ id vedim || subhaga⁶) ta’ âhutim 19, 33 iasya te’ || agne’⁷) anye’ agnayaḥ 24, 17 ud ânamṣa || ṣavasâ⁸) na bhandanâ 27, 12 ni dvipâdaṣ || catushpâdo’ arthinaḥ 96, 21 sa vritrahâ || indra’⁹) ṛibhukshâḥ X, 3, 1 ino râjann || aratiḥ samiddhaḥ 13, 3¹⁰) akshareṇa || prati mima’ etâm 14, 5 vivasvantam || huve yaḥ pitâ te 14, 8 sam gachasva || tanuâ suvarcâḥ 23, 4 ava veti || sukshayam sute madhu 27, 6 ghṛishum¹¹) vâ ye || niniduḥ sakhàyam 39, 14 atakshâma || bhṛigavo¹²) na ratham X, 45, 8 yad enam dyaur || janayat ¹) suretâḥ 49, 3 ahaṃ Kutsam || âvam âbhir ûtibhiḥ ²) 53, 4 ûrjaada’ || uta yajñiyâsaḥ ³) 61, 3 aṣrîṇita || âdisam⁴) gabhastau 63,15 suasti naḥ || pathiâsu dhanvasu 80, 2 agnir ekam || codayat samatsu ⁵) 84, 4 akṛttaruk || tuayâ yujâ vayam 95, 9 saṃ kṣoṇîbhiḥ || kratubhir na priṇkte 95,10 vidyun na yâ || patantî davidyot 108, 5 imâ gâvaḥ || sarame yâ’ aichaḥ⁶) 112, 2 yas ⁷) te ratho || manaso javîyân 157, 1 indraṣ⁸) ca || viṣue ca devâḥ 164, 3 yad ⁹) âsasâ || niḥṣasâ abhiṣasâ.
c4.s2.t4.24
¹ Es liegt nahe ahann zu vermuthen.
c4.s2.t4.25
² Lies etwa vi dudravo?
c4.s2.t4.26
³ Steckt eine Corruptel in diesem ἅπαξ λεγόμενον?
c4.s2.t4.27
⁴ pra zweisylbig?
c4.s2.t4.28
⁵ mandro dreisylbig?
c4.s2.t4.29
⁶ subhagâsas?
c4.s2.t4.30
⁷ Vielleicht dreisylbig zu lesen mit Entwicklung des Stimmtons zwischen g und n zu einer Sylbe.
c4.s2.t4.31
⁸ Vielleicht na ṣavasâ na bhandanâ. Vergl. Vers 15.
c4.s2.t4.32
⁹ Dreisylbig zu lesen.
c4.s2.t4.33
¹⁰ Ist hier der Vers I, 164, 24 in einer Weise nachgebildet, welche bei der erforderlichen Ersetzung von mimite durch mime die Anomalie erklärt?
c4.s2.t4.34
¹¹ Zweisylbig ṛi?
c4.s2.t4.35
¹² Für bhṛigavo ist nach Geldner-Kaegi's einleuchtender Vermuthung zu lesen ṛibhavo. Die Stelle ist eine Nachbildung von IV, 16, 20, wo fünf Sylben vor der Cäsur stehen, der Pâda also die richtige Sylbenzahl hat. — Man könnte auch an zweisylbige Lesung des ṛi von ṛibhavo denken.
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